Was bedeutet Segregation? Ursachen und Bedeutung für die Soziale Arbeit


Hausarbeit, 2019

17 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Segregation
1.1 Begriffsbestimmung
1.2 Formen von Segregation
1.3 Ausmaß bzw. Entwicklung von sozialer und ethnischer Segregation

2. Ursachen
2.1 Ursachen sozialer Segregation
2.2 Ursachen ethnischer Segregation
2.3 Resümee

Literaturverzeichnis

Einleitung

Segregation ist ein soziologisches Phänomen, welches nicht nur für verschiedene sozialwissenschaftliche Fachrichtungen von hoher Relevanz ist, sondern das zudem auch innerhalb des gesellschaftlichen, sowie politischen Alltags eine bedeutsame Stellung innehat (vgl. auch Dangschat 2014, S.63). So schreibt Häußermann: „Die Herausbildung von stark segregierten innerstädtischen Gebieten, in denen sich eine sozial benachteiligte Bevölkerung konzentriert, gehört zu den besorgniserregenden Erscheinungen gegenwärtiger Stadtentwicklung in allen westlichen Ländern“ (Häußermann 2000). Zudem macht die Tatsache, dass eine Zunahme sozialräumlicher Segregation von benachteiligten Gruppen, wie beispielsweise Migranten, teilweise zu erheblichen Verunsicherungen und Ängsten innerhalb der Gesellschaft bzw. Politik führen kann (vgl. Dangschat 1998, S.207) zusätzlich deutlich, dass Segregation als soziologisches Phänomen von gesamtgesellschaftlichem Interesse bzw. Bedeutung ist. Es hat sich die Hypothese (auch wenn diese nicht unumstritten ist) etabliert, dass „[...] benachteiligte Quartiere (verstanden als Quartiere mit einem hohen Anteil sozial benachteiligter BewohnerInnen) gleichzeitig auch eine benachteiligende Wirkung auf ihre BewohnerInnen entfalten“ (Volkmann 2012, S.18). Segregation ist also unter anderem im Zusammenhang mit Chancenungleichheit und Ausgrenzung zu beschreiben, zu verstehen und zu bewerten (vgl. ebd.).

Vor dem Hintergrund, dass die Profession der Sozialen Arbeit unter anderem gesellschaftliche Veränderungen sowie soziale Entwicklungen fördern soll und das Prinzip der sozialen Gerechtigkeit tief in ihrem Selbstverständnis verankert ist (vgl. Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V. 2014) wird deutlich, dass das soziologische Phänomen der Segregation für die Soziale Arbeit als Profession von Bedeutung ist. Auch wenn in dieser Arbeit nicht explizit auf den Zusammenhang von Segregation und sozialer Arbeit, insbesondere im Hinblick auf mögliche Präventions- und Interventionsmöglichkeiten eingegangen werden wird, sei an dieser Stelle also festgehalten, dass Segregation und Soziale Arbeit (vor allem innerhalb des Konzeptes der Sozialraumorientierung) in einem bedeutsamen Verhältnis zueinanderstehen.

Die nachfolgende Hausarbeit mit dem Titel „Ursachen von Segregation“ hat deshalb zum Ziel, das Phänomen der Segregation, unter besonderem Fokus auf die Ursachen dieses Phänomens, zu beschreiben und zu erklären, soweit dies für die Soziale Arbeit von besonderem Interesse ist. Es wird deshalb folgende Fragestellung bearbeitet: Was versteht man unter Segregation, welche Formen gibt es und welche Ursachen liegen diesen zugrunde? Dazu wird im ersten Teil dieser Arbeit („Segregation“) zunächst eine Begriffsbestimmung von Segregation vorgenommen, die wichtigsten Formen der Segregation herausgearbeitet, sowie ein kurzer Überblick über die gegenwärtige Entwicklung dargelegt. Im zweiten Teil („Ursachen“) werden anschließend die beiden für diese Arbeit zentralen Formen der Segregation, nämlich die „soziale Segregation“ zum einen und die „ethnische Segregation“ zum anderen im Hinblick auf ihre Ursachen untersucht bzw. Erklärungsansätze dargestellt.

1. Segregation

Der nachfolgende Teil befasst sich zunächst mit der Begriffsbestimmung von Segregation. Anschließend werden auf Grundlage dieser Begriffsbestimmung die verschiedenen und relevanten Formen der Segregation herausgearbeitet und abschließend ein kurzer Überblick über die gegenwärtige Entwicklung in Deutschland vorgestellt.

1.1 Begriffsbestimmung

Zunächst einmal kann unter Segregation eine „disproportionale Verteilung von Elementarten über Teileinheiten einer Einheit“ verstanden werden (Friedrichs 1977, S.217). An dieser Stelle sei betont, dass Segregation ein Begriff ist, der auf unterschiedliche Art und Weise verwendet und aus unterschiedlichen Blickwinkeln betrachtet werden kann (vgl. ebd.). Deswegen ist die obige Definition gewissermaßen universell verwendbar und nicht nur im Umfeld von sozialräumlichen Analysen zu benutzen (vgl. ebd.). Bei einer Verwendung des Begriffs in Bezug auf sozialräumliche Analysen (so wie er im Laufe dieser Arbeit benutzt wird) kann der theoretische Begriff der Segregation aus drei unterschiedlichen Perspektiven mit jeweils unterschiedlichen Aussageebenen betrachtet werden (vgl. ebd., S.217f.).

1. Segregation als „das Ausmaß der ungleichen Verteilung von Elementen über städtische Teilgebiete eines Gebietes (Ebene «Gebiet»)“ (ebd., S.217),
2. Konzentration als „der Anteil der Bevölkerung in einem Teilgebiet an der Gesamtbevölkerung des Gebiets (Ebene «Teilgebiet»)“ (ebd.),
3. Räumliche Distanz als „die räumlichen Abstände zwischen Personen in einem Teilgebiet (Ebene «Individuum»)“ (ebd.).

In dieser Arbeit wird Segregation fortan als residentielle Segregation verstanden; also als „[...] disproportionale Verteilung von Bevölkerungsgruppen über die städtischen Teilgebiete“ (Friedrichs 1995, S.79). Damit wird deutlich, dass bei dieser Definition die erste oben benannte Aussageebene Segregation von zentraler Bedeutung ist. Dennoch ist bezüglich der Beschreibung und Analyse von Segregation bzw. deren Ausmaße die zweite, oben genannte, Aussageebene Konzentration immer mit zu berücksichtigen (vgl. Farwick 2012, S.381). Segregation ist ein wesentliches Kennzeichen von Städten bzw. Stadtregionen (vgl. ebd.), wobei Städte hier Sozialräume darstellen, deren sozialräumliche Struktur dadurch zustande kommt, dass unterschiedliche soziale Gruppen aufgrund komplexer Prozesse ihren Wohnort finden bzw. zugewiesen bekommen (vgl. Häußermann/Siebel 2004, S.139). Genau diese Findungs-und Zuweisungsprozesse werden im zweiten Kapitel dieser Arbeit („Ursachen“) im Zusammenhang der Ursachen bzw. Erklärungsansätze beschrieben.

Auch wenn die obige Definition von residentieller Segregation folgerichtig auch eine Segregation im Sinne einer Trennung wohlhabenderer Bevölkerungsgruppen von weniger wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen umfassen kann, geht es in der sozialpolitischen Diskussion vorrangig um die Segregation von benachteiligten Bevölkerungsgruppen und der damit einhergehenden Konzentration sozialer Benachteiligung (vgl. Schneider 2005, S.61). Abschließend kann zur Einordnung des Segregationsbegriffes festgehalten werden, dass Segregation (wie bereits in der Einleitung dieser Arbeit angedeutet) in einem wechselseitigen Verhältnis zu sozialer Ungleichheit steht: Einerseits hält Friedrichs fest: „Segregation ist ein Ergebnis sozialer Ungleichheit, [...]“ (Friedrichs 1995, S.79), andererseits schreiben Häußermann und Siebel: „[...] soziale Ungleichheit kann durch räumliche Segregation befestigt und sogar verschärft werden“ (Häußermann/Siebel 2004, S.146).

1.2 Formen von Segregation

Sollen die verschiedenen Formen von Segregation beschrieben werden, kann angesichts der oben genannten Ausführung, dass Segregation ein Ergebnis sozialer Ungleichheit ist, folgerichtig zwischen verschiedenen Dimensionen sozialer und ethnisch-kultureller Ungleichheit unterschieden werden (vgl. Zimmer-Hegmann u.a. 2006, S.19). Hier verdienen insbesondere zwei Dimensionen besondere Aufmerksamkeit: die soziale bzw. sozioökonomische Segregation (nach vorwiegend sozioökonomischen Kriterien wie beispielsweise Einkommen oder Bildung) zum einen und die ethnisch-kulturelle Segregation (beispiels­­weise nach Herkunft, Nationalität oder Religion) zum anderen (vgl. ebd.). Es gibt darüber hinaus noch weitere Formen, wie beispielsweise die demographische Segregation, die anhand von Merkmalen wie Alter, Haushaltstyp bzw. Lebenszyklusphase bestimmt wird (vgl. ebd.). Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird der Blick allerdings bewusst auf die soziale und ethnische Dimension beschränkt, da diese von besonderer gesellschaftspolitischer Relevanz sind (vgl. Farwick 2012, S.382) bzw. sich die meisten Analysen vorrangig auf eben diese Dimensionen beziehen (vgl. Goebel/Hoppe 2015, S.15).

Häußermann und Siebel schreiben: „ Soziale Segregation ist ein Phänomen sozialer Ungleichheit innerhalb einer Gesellschaft und ein Problem für das Postulat sozialer Gerechtigkeit“ (Häußermann/Siebel 2004, S.151). „ Ethnische Segregation [hingegen] beruht auf kulturellen Differenzen [...]“ (ebd.) und ist vor allem auch in Bezug auf gesellschaftliche Integrationsprozesse relevant (vgl. ebd.). Hier wird abermals deutlich, dass beide Formen der Segregation demnach aufgrund des Selbstverständnisses von Sozialer Arbeit als Profession (s. Einleitung) für diese von Bedeutung sind.

Aufgrund der Tatsache, dass Segregation ein multidimensionales Phänomen ist, kommt es in den Städten oft dazu, dass die verschiedenen Formen teilweise zusammen auftreten, sich also räumlich überlagern (vgl. Zimmer-Hegmann u.a. 2006, S.19). Dies ist z. B. dadurch begründet, dass Migranten oft den unteren Sozialschichten angehören oder diesen zugeordnet werden (vgl. Häußermann/Siebel 2004, S.151). Hier könnte man also folglich sowohl von sozialer, als auch von ethnischer Segregation sprechen. Allerdings ist es auch für den weiteren Verlauf dieser Arbeit wichtig, zwischen den beiden Formen gründlich zu differenzieren, da sie sich sehr wohl hinsichtlich ihrer Ursachen zumindest teilweise unterscheiden (vgl. ebd.).

1.3 Ausmaß bzw. Entwicklung von sozialer und ethnischer Segregation

Vor dem Hintergrund der oben dargelegten Ergebnisse soll nun ein kurzer summarischer Überblick über die gegenwärtige Entwicklung bzw. über das aktuelle Ausmaß der beiden Hauptformen von Segregation gegeben werden, damit deutlich wird, dass dieses Phänomen nicht nur seit längerem, sondern bis zur Gegenwart hinein ein hochrelevantes Thema für den sozialwissenschaftlichen- sowie sozialpolitischen Diskurs ist. Grundlage für den nachfolgenden Abschnitt ist ein „Discussion Paper“ von Helbig und Jähnen aus dem Jahr 2018.

Ab Mitte der 1990er hat die soziale Segregation von Armen zugenommen. Daran änderten auch die sogenannten Hartz-4 Reformen von 2005 nichts. Dies ist ein allgemeiner Trend, auch wenn anzumerken ist, dass das genaue Ausmaß der Segregation in den verschiedenen untersuchten deutschen Städten erhebliche Unterschiede aufweist. Im Gegensatz zur sozialen Segregation ist das Ausmaß der ethnischen Segregation (hier von Ausländern im Speziellen) bis 2014 gesunken. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob und inwieweit die sogenannte „Flüchtlingskrise“ an diesem Ergebnis etwas ändert (vgl. Helbig/Jähnen 2018).

2. Ursachen

Im nachfolgenden und zugleich letzten Teil dieser Arbeit werden abschließend die Ursachen bzw. Erklärungsansätze sowohl der sozialen als auch der ethnischen Segregation beleuchtet. Die Ursachen bzw. Erklärungsansätze sind äußerst vielschichtig und stellen teils komplexe Wirkungsprozesse dar, weshalb hier lediglich auf die wesentlichen Aspekte eingegangen wird. Auf der Grundlage des Verständnisses von Segregation als „residentieller Segregation“, also auf eine ungleiche Verteilung von Bevölkerungsgruppen auf städtische Teilgebiete (vgl. 1.1), wird deutlich, dass der Frage nachgegangen werden muss, weshalb bestimmte Bevölkerungsgruppen vermehrt in bestimmten Stadtteilen wohnen und welche Prozesse dafür verantwortlich sind. Diese Fragestellung wird im Folgenden beleuchtet, wodurch die in Teil 1.1 bereits erwähnten Zuweisungs- und Findungsprozesse bezüglich des Wohnortes, welche verantwortlich sind für die sozialräumliche Struktur von Städten, erläutert werden.

Zuerst wird die soziale und anschließend die ethnische Segregation vor allem hinsichtlich der oben genannten Fragestellung analysiert. Die Ursachen der sozialen Segregation stellen zu großen Teilen auch Ursachen der ethnischen Segregation dar, sodass sie in Bezug auf die ethnische Segregation lediglich um wesentliche (ethnisch)-spezifische Aspekte ergänzt bzw. bestimme Aspekte spezifiziert werden (vgl. Häußermann/Siebel 2004, S.177).

2.1 Ursachen sozialer Segregation

Will man die Ursachen sozialer Segregation herausarbeiten, kann man sich ihnen anhand zweier Betrachtungsweisen bezüglich des Wohnungsmarktes annähern. Zum einen „ hinsichtlich der Angebotsseite des Wohnungsmarktes “ (Häußermann/Siebel 2004, S.153), also mit Augenmerk auf die Ursachen der ungleichen Verteilung von qualitativ unterschiedlichen Wohnmöglichkeiten (vgl. ebd.) und zum anderen „ hinsichtlich der Nachfrageseite des Wohnungsmarktes “ (ebd.), also die Frage betreffend, weshalb Individuen auf unterschiedliche Segmente des Wohnungsangebots verteilt sind (vgl. ebd.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Was bedeutet Segregation? Ursachen und Bedeutung für die Soziale Arbeit
Note
2,0
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V957017
ISBN (eBook)
9783346308788
ISBN (Buch)
9783346308795
Sprache
Deutsch
Schlagworte
segregation, ursachen, bedeutung, soziale, arbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Was bedeutet Segregation? Ursachen und Bedeutung für die Soziale Arbeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957017

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