Anglizismen im Italienischen

Eine Untersuchung der Wortschatzentlehnung und des Gebrauchs von Scheinanglizismen in der italienischen Sprache


Bachelorarbeit, 2012

36 Seiten, Note: 1,8


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Entlehnung als Sprachkontaktphänomen
2.1 Lehnprägungen (semantische Entlehnung)
2.2 Lehnwörter (lexikalische Entlehnung)
2.3 Weitere Charakterisierung der Entlehnung

3. Die Rolle der Scheinanglizismen im Italienischen
3.1 Klassen von Scheinanglizismen

4. Ein Vergleich der Wahl der Anglizismen in verschiedenen Medien – Eine Fallstudie
4.1 Modell nach Coseriu
4.1.1 Diatopie
4.1.2 Diastratie
4.1.3 Diaphasie
4.2 Korpus
4.2.1 Ausgewählte Literatur
4.2.2 Kriterien für Inklusion und Exklusion
4.2.3 Anmerkungen zu Tabellen
4.3 Jack Frusciante è uscito dal gruppo
4.3.1 Tabelle 1a
4.3.2 Tabelle 1b
4.4 Il Sole 24 Ore
4.4.1 Tabelle 2a
4.4.2 Tabelle 2b
4.4.3 Tabelle 2c
4.5 Best Movie
4.5.1 Tabelle 3a
4.5.2 Tabelle 3b
4.5.3 Tabelle 3c
4.6 Ergebnisse der Studie

5. Zusammenfassung und Schlussbetrachtung

Bibliographie

Anhang

1. Einleitung

„La lingua è un bene comune, un bene sociale e culturale, ma non è come l’ambiente che va protetto perché vi si scaricano abusivamente liquami e immondezze inquinanti. La lingua non è come il monumento che all’aria si deteriora. Non è come l’Ara Pacis Augustae da tenere sottovetro. Non è un bene da preservare in museo. Va lasciata vivere per le strade, nelle accademie e negli angiporti, nei libri e nelle canzoni, in valli isolate e in tumultuose metropoli. La sua ‘babele’ rispecchia intensamente la comunità composita di cui è espressione.“ – Gian Luigi Beccaria, Italiano antico e nuovo1 In Folge des Einflusses der britischen Kol onialmacht des 19. und frühen 20. Jahrhunderts sowie der Dominanz der Vereinigten Staat e n im 20. Jahrhundert wurde Englisch zur wichtigsten Sprache der globalen Kommunikation in der Welt. Die Rolle des Englischen als gegenwärtige Lingua franca garantiert seine Stelle als einflussreichste Sprache der Welt. Es ist tatsächlich so, dass die globale Anzahl von Nicht-Muttersprachlern wesentlich größer geworden ist, als die Anzahl von englischen Muttersprachlern (vgl. House 2001). Das Verhältnis liegt ungefähr bei vier zu eins (vgl. ebd.). Des Weiteren behauptet House, dass das Englische nicht mehr als Eigentum seiner Muttersprachler angesehen werden kann, denn „ acculturation and nativisation processes have produced a remarkable diversification of the English language into many non-native varieties“ (House 2001).

Die zentrale Fragestellung dieser Arbeit ist nicht ob Englisch von Nicht-Muttersprachlern gesprochen wird - das wurde schon deutlich festgestellt - sondern wie und inwiefern die Verbreitung des Englischen die Muttersprache der Sprecher beeinflusst. Die vorliegende Arbeit wird sich explizit auf den Einfluss des Englischen auf das Italienische konzentrieren und untersucht dazu auch das Phänomen der Scheinanglizismen.

Im zweiten Kapitel soll jedoch die Wortschatzentlehnung genauer analysiert werden. Diese hat sich als häufigstes resultierendes Phänomen des Sprachkontakts erwiesen. Dadurch wird in erster Linie erklärt, aus welchem Grund es zu Entlehnungen zwischen zwei Sprachen kommt und anschließend, in welchen Bereichen diese hauptsächlich zu finden sind.

Das dritte Kapitel beschäftigt sich mit einer faszinierenden Folge des Sprachkontakts, und zwar das Phänomen der Scheinanglizismen und deren Gebrauch. Einerseits illustriert der Gebrauch von Scheinanglizismen , dass sich Sprache immer weiterentwickelt und zudem diversen Veränderungen unterliegt. Andererseits stellt es das Problem dar, dass aus einer fremden Sprache stammende Entlehnungen in einem anderen Kontext bzw. mit einer anderen Bedeutung genutzt werden und so von den ursprünglichen Muttersprachlern oft nicht mehr zu erkennen oder zu verstehen sind.

Zwischen Sprachwissenschaftlern gibt es widersprüchliche Meinungen was der Einfluss des Englischen auf andere Sprachen anbetrifft. Manche sehen linguistische Phänomene wie Entlehnung als ein positives Ereignis des Sprachkontakts und als eine Möglichkeit für die Weiterentwicklung einer Sprache. Der italienische Romantiker Giacomo Leopardi war einer, der besonderen Wert auf Fremdsprachen und -literatur sowie auf die Einführung von Fremdwörtern legte, um neue Ideen oder Konzepte zu bezeichnen (vgl. Pulcini 2002: 153). Er behauptete

Rinunziare a sbandire una nuova parola […], una nuova significazione (per forestiera o barbara ch’ella sia), quando la nostra lingua non abbia l’equivalente, e non l’abbia così precisa, e ricevuta in quel proprio e determinato senso; non è altro, e non può esser meno che rinunziare o sbandire, e trattar da barbara e illecita una nuova idea e un nuovo concetto dello spirito umano (vgl. Beccaria 1992: 262-263).

Im Gegensatz zu Leopardi gibt es auch diejenigen, die zur „anti-English league“ (House 2001) gehören. Zu dieser Gruppe gehört Arrigo Castellani, der 1987 einen Artikel in Studi linguistici italiani mit dem Titel Morbus Anglicus veröffentlichte. Die Behauptung, dass das Englische eine Krankheit und zudem ein Mittel für linguistische Herrschaft sei, findet Juliane House allerdings eine veraltete Idee. Sie schreibt „[n]on-native speakers of English have created their own discourse norms and genres. And they do this out of their own free will, happily ignoring the ‘linguistic domination’ ascribed to them” (House 2001).

Als Untersuchung dieser Aussage wird im vierten Kapitel eine Art Fallstudie unternommen, in der der Gebrauch von Anglizismen bzw. Scheinanglizismen in drei unterschiedlichen italienischen Medien analysiert wird. Dabei soll belegt werden, dass die Wahl der Anglizismen, die in den verschiedenen Medien vorkommen, nicht arbiträr, sondern abhängig von der Wissens- oder Interessensgebiete der Zielgruppe ist.

Diese These wird auf der Sprachtheorie des Varietätenraumes nach Eugenio Coseriu ausgebaut. Im Besonderen wird sich dieses Kapitel auf die diastratische Varietäten konzentrieren, das heißt die soziokulturellen Unterschiede (vgl. Coseriu 2007: 24), da die These dieser Studie sich auf die sprachlichen Unterschiede innerhalb der Gesellschaftsschichten bezieht.

2. Die Entlehnung als Sprachkontaktphänomen

“Its variety, subtlety, and irrational, idiomatic complexity make it possible to say things in English which cannot be said in any other language.” - Robert A. Heinlein, Stranger in a Strange Land2

Die Wortschatzentlehnung ist ein Phänomen, das in jeder Sprache auftritt, die in Kontakt mit anderen Sprachen kommt. Martin Haase beschreibt den Prozess mit Bezug auf das Italienische. Er schreibt:

Das Italienische wird auch in seiner weiteren Entwicklung durch andere Sprachen beeinflusst, die neben ihm existieren ( ADSTRAT , adstrato) und die aufgrund ihres besonderen Prestiges (zu einer bestimmten Zeit) die Rolle einer MODELLSPRACHE für das Italienische übernehmen, das in dieser Konstellation als REPLIKASPRACHE bezeichnet wird. Hierbei kommt es zum Phänomen der ENTLEHNUNG (prèstito) (Haase 2007: 58).

Nach dieser Definition von Haase kann man davon ausgehen, dass das Englische in der heutigen Zeit die wichtigste Modellsprache für das Italienische ist. Das heißt, dass es „einen unvergleichlich starken Einfluss auf den italienischen Wortschatz ausübt“ (Haase 2007: 59). Dieser taucht vor allem in Form von Entlehnungen auf.

Im Folgenden werden nun zwei allgemeine Definitionen bezüglich Entlehnungen dargestellt. Die darauf folgende Gliederung von Blasco Ferrer bietet eine näher Betrachtung der fremdsprachlichen Entlehnung an und an seiner Definition wird sich der Inhalt dieser Arbeit orientieren.

Thomason und Kaufman beschreiben Entlehnungen als „the incorporation of foreign features into a group’s native language by speakers of that language“ (vgl. Winford 2010: 170). Obwohl diese Definition ziemlich vereinfacht scheint, gibt sie eine gute Basis, auf die aufgebaut werden kann. Laut Dardano:

Si ha prestito linguistico quando una lingua A usa e finisce per assumere un tratto linguistico presente nella lingua B e non esistente in A. Questo processo di „cattura“ e il tratto linguistico così „catturato“ s’indicano con lo stesso termine: prestito ” (Dardano 2005: 131).

Viele Sprachwissenschaftler haben sich damit beschäftigt, dieses Phänomen zu beschreiben und in Kategorien einzuteilen. Die meisten sind jedoch damit einverstanden, dass „Entlehnungen aus Adstratsprachen […] nach zwei verschiedenen Mustern erfolgen [können]“ (Blasco Ferrer 1996: 106). Diese zwei Muster sind nach Blasco Ferrer die „(nicht adaptierten) Fremdwörter [ n ] oder (adaptierten) Lehnwörter [ n ]“ (ebd.) und die „ Lehnprägungen “ (ebd.). Anders formuliert, wird zwischen lexikalischer und semantischer Entlehnung unterschieden. Im folgenden Schema (vgl. Blasco Ferrer 1994: 56) sieht man wie der Lehnwortschatz nach Blasco Ferrer 3 im Hinblick auf das Italienische weiter eingeteilt wird Die erste Art (lexikalische Entlehnung) sind die Ausdrücke, die entweder in ihrer ursprünglichen Form als nicht assimiliertes Fremdwort / forestierismo (z.B. summit, jogging, stop, surf(ing), container, check-up [vgl. Blasco Ferrer 1994: 55]), oder als assimiliertes Lehnwort / prestito (z.B. bistecca, sceriffo, turismo, scellino, vagone [vgl. ebd.]) übernommen werden. Die zweite Art (semantische Entlehnung) wird nun näher betrachtet.

2.1 Lehnprägungen (semantische Entlehnung)

In Bezug auf die zweite Art von Entlehnung spricht man im Deutschen von Lehnprägungen, aber man findet oft den Begriff Lehnübersetzung, der manchmal synonym verwendet wird. Es gibt häufig eine Grauzone, was die Kategorisierung von Entlehnungen angeht, aber in seinem Schema unterscheidet Blasco Ferrer tatsächlich zwischen den beiden Begriffen. Die Bezeichnung Lehnübersetzung oder „calco morfologico fedele“ (Blasco Ferrer 1994: 56) verweist im engeren Sinne auf eine wörtliche Übersetzung eines Ausdruckes aus einer Fremdsprache in die Muttersprache. Betz beschreibt dies als „die genaue Glied-für-Glied-Übersetzung des Vorbildes“ (www.lexikologie.de).

Im Italienischen wird das Phänomen der Lehnprägungen als calco bezeichnet. Dardano untergliedert diesen Begriff in zwei Hauptvarietäten.

- calco semantico : si ha quando una parola italiana assume un nuovo significato prendendolo da una parola straniera. Il fenomeno si attua perché le due parole avevano in comune un significato e/o una somiglianza formale: realizzare un tempo significava solo ‘rendere reale qualcosa’; per influsso dell’inglese to realize ha assunto anche il significato figurato di ‘capire’ […]
- calco traduzione : con materiali italiani si forma un nuovo composto traducendo alla lettera gli elementi di un composto di una lingua straniera; grattacielo riproduce l’inglese skyscraper (sky ‘cielo’, scraper ‘grattatore’) (Dardano 2005: 132).

Die von Dardano genannten Begriffe calco semantico und calco traduzione entsprechen den in der Tabelle (Blasco Ferrer 1994: 56) illustrierten Begriffen Lehnbedeutung/ calco semantico bzw. Lehnbildung/ calco morfologico von Blasco Ferrer. Im Gegensatz zu Dardano teilt Blasco Ferrer die zweite Varietät weiter ein. Wie aus der Tabelle auf Seite vier (ebd.) ersichtlich wird, kann Lehnbildung/ calco morfologico in Lehnformung/ calco morfologico dipendente und Lehnschöpfung/ calco morfologico indipendente untergliedert werden. Schließlich teilt Blasco Ferrer Lehnformung/ calco morfologico dipendente in Lehnübersetzung/ calco morfologico fedele und Lehnübertragung/ calco morfologico non fedele ein. Zur Verdeutlichung seiner Tabelle werden folgende Beispiele herangezogen.

Im Bereich der Lehnbildung nennt Blasco Ferrer einige Beispiele für die Lehnschöpfung (formal unabhängig), nämlich, pipeline → oleodotto; waterpolo → pallanuoto; strip-tease → spogliarello (vgl. Blasco Ferrer 1994: 55). Des Weiteren nennt er diverse Beispiele aus der Lehnformung (formal abhängig). Es wird zunächst mit Lehnübersetzung (Glied für Glied) begonnen. Dafür gibt er die folgenden Beispiele an: self-government → autogoverno; outlaw → fuorilegge (vgl. ebd.). Zuletzt gibt es die Lehnübertragung (frei). Darunter erscheinen Beispiele, wie: sky-scraper → grattacielo; honeymoon → luna di miele; basket-ball → pallacanestro (vgl. ebd.).

Im Allgemeinen ist es allerdings schwieriger Lehnprägungen zu erkennen. Die meisten Muttersprachler machen sich keine Gedanken darüber, dass Wörter, wie z.B. bistecca und ingaggiare (vgl. Dardano 2005: 132), englische Wörter sind, die an die Phonologie und Morphologie des Italienischen angeglichen wurden. Insbesondere innerhalb von zweisprachigen Gesellschaften werden Situationen geschaffen, in denen es sehr häufig zu solchen Lehnprägungen kommt. Im Falle vom Englisch-Italienischen Bilinguismus sind das Italiese aus Kanada und das Australoitalian aus Australien (vgl. Tosi 1991) sehr gute Beispiele für den Einfluss des englischen Wortschatzes auf das Italienische. Allerdings wird in diesem Falle nicht vom Standarditalienisch gesprochen, sowie es in Italien gesprochen wird, sondern eher von einer Mischung des Standarditalienischen und den unterschiedlichen Dialekten der Emigranten (vgl. Tosi 1991: 139).

2.2 Lehnwörter (lexikalische Entlehnung)

Beim Lesen des 2001 veröffentlichten Wörterbuches A Dictionary of European Anglicisms von Manfred Görlach, wird sofort klar, dass die meisten englischen Lehnwörter im Italienischen (und überhaupt) Substantive sind. Die zweithäufigste Wortart sind die Adjektive. Idiomatische Redewendungen und Verben tauchen sehr selten als lexikalische Entlehnungen auf. In ihrer Studie von 1995 bemerkt Pulcini, dass Verben eher als Lehnprägungen erscheinen würden (vgl. Pulcini 1995: 271) und von daher in ihrer Studie von Lehnwörtern gar nicht betrachtet werden. Was ist aber der Grund dafür, dass es überhaupt zu Entlehnung kommt?

Algeo (vgl. Pulcini 1995: 271) behauptet, dass neue Wörter oder Neologismen gebraucht werden, um neue Dinge zu benennen oder bereits existierende Dinge umzubenennen (vgl. ebd.). Des Weiteren gibt es mehrere neue Dinge als neue Aktionen oder Eigenschaften zu benennen (vgl. ebd.). Das erklärt also den Grund, warum die meisten Lehnwörter Substantive sind.

In seiner Studie über Sprachinterferenzen von 1981 unterscheidet auch Gusmani zwischen zwei Hauptgründen für Entlehnung ( Folgendes vgl. Pulcini 1995: 271):

1. Der Bedarf einen neuen Referent zu bezeichnen. z.B. Fachbegriffe; roadster (Ein Auto ohne Dach und mit nur zwei Sitzplätzen), blockbuster (Ein sehr erfolgreicher Film bzw. Buch).
2. Der Bedarf eine neue Bezeichnung für einen bereits existierenden Begriff zu bestimmen, wodurch ein semantischer Konflikt entsteht. z.B. academy (accademia), style (stile), speed (velocità), short-story (racconto, novella).

1914 prägte Ernst Tappolet die Begriffe ‚Bedürfnislehnwörter‘ und ‚Luxuslehnwörter‘ (vgl. Blasco Ferrer 1996: 106). Diese Bezeichnungen lassen sich auch auf die oben genannten Gründe von Gusmani anwenden. Wörter aus der ersten Kategorie werden als Bedürfnislehnwörter bezeichnet. Daraus folgt, dass Wörter aus der zweiten Kategorie Luxuslehnwörter genannt werden, da sie eine semantische Lücke füllen, die bereits von einem muttersprachlichen Ausdruck besetzt ist. Dardano (vgl. Dardano 2005: 132) differenziert ebenfalls zwischen Bedürfnislehnwörtern (prestito di necessità) und Luxuslehnwörtern (prestito di lusso). Zur ersten Kategorie zählt er Anglizismen wie: airbag, camper, reality show und tram. Zur zweiten Kategorie gehören Wörter wie: attachment, premier, sequel und speaker, die man eigentlich mit den italienischen Begriffen: allegato, primo ministro, seguito und annunciatore ersetzen könnte.

2.3 Weitere Charakterisierung der Entlehnung

Poplack und Sankoff haben vier Grundkriterien für die weitere Charakterisierung der Entlehnung entwickelt. Diese werden im Folgenden dargestellt (vgl. Poplack und Sankoff 1984: 103-104):

1. Häufigkeit des Gebrauchs: Gemessen an diesem Maßstab versteht man, dass je häufiger die Verwendung einer bestimmten lexikalischen Einheit - in diesem Fall ein englischen Wortes in einem italienischen Diskurs - und je mehr Menschen sie verwenden, desto vernünftiger ist es diese lexikalische Einheit (Wort) als einen wahren Ausdruck in der empfangenden Sprache (hier das Italienische) zu betrachten.
2. Ersetzung muttersprachlicher Synonyme: Darunter versteht man einen Fall, wobei ein Lehnwort einen Begriff in der Muttersprache ersetzt, der das gleiche Konzept ausdrückt. Daran lässt sich erkennen, dass das Lehnwort die Rolle des muttersprachlichen Wortes im Wortschatz übernimmt.
3. Morphophonemische bzw. syntaktische Integration: Wenn ein Lehnwort die für Muttersprache typische phonologische Form annimmt, die morphologischen Affixe entsprechend dieser Sprache auch übernimmt und wenn es in einem Satz als muttersprachliches Wort in irgendeiner syntaktischen Kategorie funktioniert, kann es als eine fest etablierte Entlehnung betrachtet werden.
4. Akzeptanz: Wenn Muttersprachler ein Lehnwort bzw. eine Lehnprägung als eine passende Bezeichnung beurteilen, egal ob sie seine etymologische Herkunft wissen oder nicht, kann davon ausgegangen werden, dass das Wort einen Platz im muttersprachlichen Wortschatz einnehmen wird.

Poplack und Sankoff räumen ein, dass nicht alle diese Kriterien in allen Fällen, in den wir Entlehnungen betrachten, gleichermaßen gelten. Auf die gleiche Weise könnte jedes Kriterium für Wörter gelten, die keine Entlehnungen sind (vgl. Poplack und Sankoff 1984: 104). Die vier oben genannten Kriterien sind jedoch nützlich, da sie uns eine Idee von den Kernprozessen geben, die zum Phänomen der Wortschatzentlehnung führen (vgl. ebd.: 105).

3. Die Rolle der Scheinanglizismen im Italienischen

“Language is a part of our organism and no less complicated than it.” - Ludwig Wittgenstein, (1889 – 1951)4

Zuerst werden einige häufig genannte Definitionen zu Scheinanglizismen dargestellt. Es ist jedoch anzumerken, dass es noch keine feste Terminologie in Bezug auf dieses Phänomen gibt. In verschiedenen italienischen Wörterbüchern und in sprachwissenschaftlichen Artikeln findet man unterschiedliche Begriffe: falsi anglicismi, pseudoanglicismi, falsi prestiti, anglicismi apparenti, falsi esotismi und pseudoprestiti (vgl. Furiassi 2003: 122). 1972 gibt Klajn folgende Definition von Scheinanglizismen: „Un vero pseudoanglicismo, o falso prestito […] sarebbe una parola ritenuta inglese, ma che in inglese non esiste affatto“ (vgl. Furiassi 2003: 122). Im Jahr 1987 behauptete Rando in seinem Buch Dizionario degli anglicismi nell’italiano postunitario, dass „«pseudoanglicismi» […] voci di origine o di forma inglese“ seien, „che, peró, mon [sic] vengono usate in quella lingua […], oppure quei vocaboli formati per ellissi di una parola inglese“ (vgl. ebd.). Auch im Jahr 1987 lieferte Serianni folgende Definition: „[…] anglicismi apparenti, o «pseudoanglicismi» […] vocaboli molto comuni che un inglese o un americano non capirebbero, almeno nell’accezione in cui sono usati in Italia “ (vgl. ebd.). 1991 jedoch versuchte Fanfani zwischen prestiti apparenti und pseudo-anglicismi oder falsi anglicismi zu unterscheiden (vgl. Furiassi 2003: 123). Nach ihm sollten prestiti apparenti wie folgt beschrieben werden: „[…] termini che hanno un aspetto del tutto inglese anche se un inglese non li riconoscerebbe o li riconoscerebbe a stento“ (vgl. ebd.). Andererseits sollte man unter pseudo-anglicismi oder falsi anglicismi folgendes verstehen: „[…] termini per i quali non è possibile ritrovare una precisa corrispondenza formale in inglese“ (vgl. ebd.). Im selben Jahr erklärte Bombi: […] falsi esotismi […] quelle creazioni realizzate con materiale straniero ma prive di modello nella lingua da cui si presumono ispirate. […] Attivo ogniqualvolta ci sia una situazione di intenso contatto culturale e linguistico, il fenomeno del falso prestito conosce oggi un notevole incremento a seguito degli estesi rapporti tra lingue […] (vgl. Furiassi 2003: 123).

Des Weiteren erschien 1995 folgende Definition von Moss:

I take as pseudoanglicisms those unadapted borrowings which, through their appearance or their morphological use, have deviated or are different from an original English form so that a native speaker of English who knew Italian would be aware of such deviation or difference on encountering them in a written context (vgl. Furiassi 2003: 123).

Schließlich bieten im Jahr 2001 De Mauro und Mancini eine Definition an, die deren von Furiassi am Ende dieses Abschnitts am meisten ähnelt. Sie behaupten: „[…] ‘pseudoprestiti‘: parole che nella lingua da cui fingono di trarre origine o non esistono o hanno uso e valore del tutto differenti“ (vgl. Furiassi 2003: 123).

Zusammenfassend schreibt Furiassi 2003 folgenden sehr passenden Abschnitt über das Phänomen der Scheinanglizismen: [F]alse anglicisms may be defined either as autonomous coinages which resemble English words but do not exist in English, or as unadapted borrowings from English which originated from English words but that are not encountered in English dictionaries, whether as entries or as sub-entries. False anglicisms are either formally or semantically different from the original English words from which they supposedly derive, so that both an English native speaker, proficient in Italian, and an Italian native speaker, proficient in English, would recognize them in spoken and written registers (Furiassi 2003: 123).

Die meisten Sprachwissenschaftler, die sich mit diesem Thema beschäftigen, halten allerdings die oben genannten Termini, ob Italienisch, Englisch oder Deutsch, für Synonyme. Es muss jedoch vorsichtig mit der Verwendung solcher Termini wie falso, false oder falsch umgegangen werden, denn die meisten Anglizismen, die als ‚falsch‘ bezeichnet werden, sind mittlerweile ein Teil des gebräuchlichen italienischen Wortschatz geworden. Das heißt, dass es nicht ganz korrekt ist, diese Anglizismen weiter als ‚falsch‘ zu betrachten, wenn sie inzwischen für die Italiener bzw. Italienerinnen doch eine klare Bedeutung tragen. Daher wird in dieser Arbeit den Terminus ‚Scheinanglizismen‘ bevorzugt.

[...]


1 (Beccaria 1992: 263)

2 (Heinlein 1961: 320)

3 modifiziert nach Bußmann, H. (1990²): Lexikon der Sprachwissenschaft. Stuttgart.

4 (vgl. Clivio/Danesi/Maida-Nicol 2011: 9)

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten

Details

Titel
Anglizismen im Italienischen
Untertitel
Eine Untersuchung der Wortschatzentlehnung und des Gebrauchs von Scheinanglizismen in der italienischen Sprache
Hochschule
Universität Leipzig
Note
1,8
Autor
Jahr
2012
Seiten
36
Katalognummer
V957825
ISBN (eBook)
9783346300515
ISBN (Buch)
9783346300522
Sprache
Deutsch
Schlagworte
anglizismen, italienischen, eine, untersuchung, wortschatzentlehnung, gebrauchs, scheinanglizismen, sprache
Arbeit zitieren
Bethany Konrad (Autor), 2012, Anglizismen im Italienischen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957825

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