Migrationsgesellschaft und Interkulturalität. Welche Rolle spielt die interkulturelle Kompetenz in der Profession der Sozialen Arbeit?


Hausarbeit, 2020

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Kultur
1.1 Begriffsbestimmung: Kultur
1.2 Migrationsgesellschaft und Interkulturalität

2. Profession der Sozialen Arbeit
2.1 Aufgabenbereiche der Sozialen Arbeit
2.2 Historischer Einblick in die interkulturelle Soziale Arbeit
2.3 Interkulturelle Kompetenz

3. Stellenwert der interkulturellen Kompetenz in der Sozialen Arbeit

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Soziale Arbeit stellt sich immer wieder vor neuen Herausforderungen. Sie muss sich durch die Dynamik der gesellschaftlichen Entwicklung auf ein starkes verändertes Handlungsfeld einstellen. Vor allem in den letzten Jahren kommen einige neue Herausforderungen einher.

Eines der wesentlichen Veränderungen in Deutschland ist die Einwanderung von Migranten. Diversität ist der Sozialen Arbeit nicht fremd. Dementsprechend gehört auch die Begegnung mit Menschen mit Migrationshintergrund zum beruflichen Alltag. Jeder Mensch ist gebunden an ein Kollektiv, welche einer bestimmten Ideologie zugehört und eine bestimmte Haltung einnimmt. Die Kultur, als Gesamtheit der Gewohnheiten eines Kollektivs mit ihren Werten und Normen, beeinflusst die Sichtweise und das Verhalten jedes Individuums. Einwanderer, als oftmals Fremde der deutschen Sprache und Kultur, benötigen professionelle und qualifikationsbezogene Unterstützung, die durch Sozialarbeiterinnen geleistet wird. Da kein Mensch frei von Stereotypen ist, bedarf es auch der Sozialen Arbeit eine Kompetenz zu entwickeln, welche Vorurteile bestmöglich minimiert. Demzufolge wird danach gefragt, welche Facetten kulturbezogener Professionalität vor diesem Hintergrund bedeutend erscheint.

Im Folgenden wird das Verständnis von Kultur und die Bedeutung von der Migrationsgesellschaft für die Soziale Arbeit herausgearbeitet. Dann werden Profession, Historie und Aufgabenbereiche zusammengestellt. Im Anschluss wird die interkulturelle Kompetenz als wesentlicher Bestandteil der Profession Sozialer Arbeit erläutert. Zum Schluss wird der Stellenwert der interkulturellen Kompetenz für die Soziale Arbeit verdeutlicht.

Diese Arbeit beschreibt ausschließlich einen minimierten Teil der Themen Kultur, Profession und Soziale Arbeit. Es ist nicht Ziel dieser Arbeit einen vertieften Blick in das Thema Interkulturalität oder Profession zu verschaffen. Dennoch soll im Rahmen der Bedingungen ein Einblick vermittelt werden.

1. Kultur

Die Arbeit mit Diversität ist für die Soziale Arbeit ein wesentlicher Aufgabenbereich. Zunächst soll die Minderheit thematisiert werden, welche durch das Abweichen von dem Mehrheitskollektiv geformt wird. Darunter fallen insbesondere Menschen aus verschiedenen Nationen mit unterschiedlich ausgeprägtem Kulturverständnis.

Im sozialen Feld, vor allem in der Sozialen Arbeit, ist es wichtig die Interkulturalität als handlungswirksame Kraft zu behandeln.

Insbesondere kulturgeprägtes Verhalten können Auslöser für abweichendes Verhalten sein. Letztlich schließt daraus die Frage, wie Kultur auf das Verhalten der Akteure wirkt und auf welche Weise damit umzugehen ist. Da diese Art von Problemlösungsansätzen in das Arbeitsfeld der SozialarbeiterInnen fällt, sind kulturumfassende Kompetenzen für das Arbeitsprofil notwendig. Um die Profession der Sozialen Arbeit - als von der interkulturellen Kompetenz geprägten Tätigkeitsfeld - näher betrachten zu können, ist zunächst eine Begriffsbestimmung notwendig. Dazu wird im Folgenden der Kulturbegriff erläutert.

1.1 Begriffsbestimmung: Kultur

Nach der Suche einer Definition für den Begriff „Kultur“, wie sie in diesem Kontext verwendet wird, stoßt man der Problematik, keine einheitliche zu finden. Denn laut Brockmeier (2006) ist Kultur „jener Begriff, deren Bedeutung sich immer mehr aufsplittert und sich schließlich aufzulösen scheint, je erfolgreicher er wird, je mehr er zum sprachlichen Repertoire nicht nur von Subkulturen, Kulturveranstaltungen und Medienkulturen gehört, sondern zum Markenzeichen ganzer Freizeit- und Wissenschaftskulturen, ja der ganzen Kulturnation wird." Man schließt draus, dass der Kulturbegriff sich in einem dynamischen Prozess befindet und sich immer neu bestimmen lässt. So, wie sich der definitorische Teil des Begriffes „Kultur“ verändert, so ändert sich auch der inhaltliche Teil in unterschiedlichen Zeitspannen.

Hegemann unterteilt die Kultur in drei Dimensionen, die er mithilfe der Erläuterungen von den Ethnologen Ingold (1986), sowie Krause (2001) zusammenfasst.

Die Sozialisation als generative Dimension stellt das Wahrnehmen und Erlernen von Verhaltensweisen und Handlungen dar. Dazu gehören auch biologische Abläufe des Lebens. Erlernen von Sprache, Religion und Ideologien, sowie Erziehung, Ausbildung, sexuelle Orientierung und Status sind ebenfalls wesentliche Aspekte, die die Kultur formen.

Außerdem gibt es die interaktive Dimension. Hierbei sorgen konkrete Erfahrungen für die Balance zwischen dem Individuum und der sozialen Gesellschaft. Die Ausgeprägtheit bestimmter Verhaltensmuster hängt von „dem Grad ihrer Bewusstheit ab“ (Hegemann, 2015).

Die konstitutive Dimension betrifft den Wandel des kulturellen Habitus und nimmt Einfluss auf die Art und Weise, wie die Person seine Interaktion mit Anderen gestaltet. Diese drei Dimensionen sind nicht eindeutig voneinander trennbar, da Kultur ein komplexer und dynamischer, sich gegenseitig beeinflussender Prozess ist.

In Anbetracht der drei Dimensionen ist die Erste, die generative Dimension, in diesem Kontext adäquat. Da sie die Basis des traditionellen Kulturbegriffs seit mehreren Jahrzehnten umfasst, indem es um die über Generationen überlieferte Ansicht und Haltung der Völker handelt. Insbesondere Normen und Werte, welche die Tradition prägen, sind Bestandteile der Kultur. Aber auch Sichtweisen, welche Gedanken und Gefühle beeinflussen, reflektieren die generative Dimension von Kultur. Die Ansicht und Haltung, die man durch das Kollektiv der Gesellschaft, in der man lebt, vermittelt bekommt, wird von jedem Individuum unterschiedlich wahrgenommen und einerseits individuell, andererseits auf kollektive Weise „übernommen, modifiziert und weiterentwickelt und zwar in Abhängigkeit von unserer Teilhabe an unterschiedlichen Kontexten“ (Hegemann, 2015).

Zahlreiche kulturelle Unterschiede sind häufig Grund für Stereotypen, die möglicherweise Diskriminierungen anstiften. In sozialen Branchen, ob unter Dienstleistern oder Klienten, ist eine Erlangung interkultureller Kompetenzen in Qualitätsmaßnahmen gefragt, um präventiv gegen die Konsequenzen anzugehen.

1.2 Migrationsgesellschaft und Interkulturalität

Migration und Gesellschaft sind zwei Begriffe, die vornehmlich in der Soziologie verwendet werden. „Das klassische Verständnis von ,Migration‘ (vgl. Treibel 2008a) umfasst Emigration (Auswanderung) aus einem Herkunftsland und Immigration (Einwanderung) in ein Zielland.“ (Baur 2008, S. 285).

Gründe für die Auswanderung sind vielfältig. Politische Verfolgung, Umweltkatastrophen, Krieg und vor allem aus wirtschaftlicher Not verlagern Menschen ihr Lebensmittelpunkt in andere Länder - bis hin zu Kontinenten. Denn gemeinsam mit der Globalisierung verstärken sich ebenfalls die Möglichkeiten der Mobilität.

Eins haben alle Migranten gemeinsam: Ein Wunsch nach einem besseren Leben und die Realisierung von Lebenschancen an einem vorerst fremden Standpunkt. Voraussetzung hierfür ist in erster Linie der Zugang zu Einkommen, welches durch Erwerbstätigkeit, aber auch finanzielle Unterstützung durch Organisationen gewehrleitet werden kann. Migranten können unterschiedliche Dienstleistungen durch staatliche Einrichtungen, Wohlfahrtsvereine und diverse andere Organisationen in Anspruch nehmen.

Wagner und Lutz (2009) betonen, dass die Individuen die dort geltenden „systemspezifischen Bedingungen und Erwartungen“ erfüllen müssen, um erfolgreichen Zugang zu diesen Leistungen zu bekommen. Haben Anspruchsteller also nicht die Voraussetzungen erfüllt, so kann es zu keiner materiellen als auch immateriellen Unterstützung kommen.

Obwohl Migration eine universelle Praxis ist, sind Art und Ausmaß der Mobilität ganz unterschiedlich. Ob erzwungen oder freiwillig, befristet oder dauerhaft - Wanderungsbewegungen haben schon immer gesellschaftlicher Veränderung beigetragen (vlg. Mecheril 2012, S. 1).

Die Interkulturalität wird von der Gesellschaft und in diversen Nationen unterschiedlich wahrgenommen. Bürger, die MigrantInnen als Chance für Vielfältigkeit sehen, bis hin zu Bürgern, die die Einwanderer als Bedrohung wahrnehmen. „MigrantInnen können in dieser Perspektive als AkteurInnen gesehen werden, die neues Wissen, Erfahrungen, Sprachen und Perspektiven in unterschiedliche soziale Zusammenhänge einbringen und diese mitgestalten. In Europa hält sich jedoch hartnäckig eine Negativ- und Defizitperspektive, die Migration vor allem in Verbindung mit Armut und Kriminalität, als störend, bedrohend und fremd thematisiert“ (Mecheril 2012, S. 1).

2. Profession der Sozialen Arbeit

Ist die Soziale Arbeit eine Profession? - Wenn ja, dann welcher Art? Was bedeutet professionelles Handeln in der Sozialen Arbeit? Was sind Herausforderungen an professionellem Handeln in der Sozialen Arbeit?

Über Professionalität in der Sozialen Arbeit wird schon lange diskutiert. Die akademische Ausbildung bildet zwar Grundlage für den Beruf, jedoch noch nicht für eine eindeutige Profession der Sozialen Arbeit. Diese wird noch in Frage gestellt. Konsequenzen der prekären Begründungsversuche sind, dass Soziale Arbeit ihre gesellschaftliche Legitimität nicht durch eindeutigen Nachweis eines problemfeldbezogenen Leistungsvermögens aus eigener Kraft heraus zu begründen vermag (vgl. Heiner 2004).

Da die Begriffe Beruf und Profession mit ihrer ähnlichen Bedeutung häufig zu Missverständnissen führen, sollen im Folgenden beide Begrifflichkeiten definiert werden.

„Berufe sind eine dauerhafte, standardisierte, auf eine Spezialisierung der Fähigkeiten und Kompetenzen beruhende Form der Bereitstellung von Arbeitsvermögen. Es sind institutionalisierte Muster der Zusammensetzung und Abgrenzung spezialisierter Arbeitsfähigkeiten.“ (Kalkowski, S. 1). Die spezielle Qualifikation ist ein Merkmal, welches zum Beispiel durch eine (akademische) Ausbildung erlangt werden kann. Eine gewisse Berufsprestige stellt die Position der Erwerbstätigen in der Gesellschaft dar. Fort- und Weiterbildungen sind Möglichkeiten, die Berufsprestige zu erweitern.

Im Gegensatz zum Beruf, wird die Profession von Kalkowski1 wie folgt erklärt: Professionen seien fachlich organisierte Akteure, die autonom sind hinsichtlich der Definition der Ausbildungsform und -inhalte, der Kontrolle über den Marktzutritt, der Definition, Organisation und Bewertung der erbrachten Leistung. Im Gegenzug zur zugestandenen Autonomie werden von Professionals hervorragende Leistung und eine berufsethische Selbstverpflichtung erwartet, die die Gesellschaft mit hohem Prestige und Einkommen belohne. Diese können zum Beispiel Ärzte und Juristen sein, denn diese beziehen sich auf die jeweils spezifizierten fachlichen Kriterien, beziehungsweise Standards und weisen eine bestimmte Wissensbasis auf, über die nur Personen mit einer entsprechenden Ausbildung verfügen.

Außerdem gibt es sieben Kriterien einer Profession nach Maja Heiner (2004): spezielle Expertise, akademische Ausbildung, abgegrenzte Kompetenzdomäne, die Betreuung mit Aufgaben von grundlegender Bedeutung, weitgehende Autonomie der Profession, große Entscheidungspielräume und Verpflichtung auf ein kodifiziertes berufliches Ethos (Heiner 2004).

Ansetzend an den definitorischen Teil stellt sich die Frage nach dem fortbleibenden Spektrum an Kriterien der Sozialen Arbeit. Laut Wagner und Lutz (2009) „fehlt der Sozialen Arbeit [...] bisher eine nachvollziehbare und eigenständig entwickelte Theorie und Praxis einer menschlichen Entwicklung, die über traditionelle Unterstützungskonzepte, die vor allem am Subjekt und dessen Handlungen ansetzen, hinaus gehen und soziale Praxen, die menschliches Leben prägen, verbessern und Menschen zu Gestaltern ihrer eigenen Lebensbedingungen befähigen will“ (Wagner und Lutz 2009, S. 39). „Sicher ist aber, dass es eine Professionalisierung im Bereich der interkulturellen Interventionen gibt, die sich in einer wachsenden Zahl interkultureller Studien- und Bildungsgänge, in eigenen Netzwerken und Fachgesellschaften und dem Bemühen um einen interdisziplinären Austausch zeigt“ (Ehlail et al. 2010, 90ff.).

2.1 Aufgabenbereiche der Sozialen Arbeit

So, wie jeder Beruf und jede Profession ein Auftrag für die Gesellschaft leisten, so hat die Soziale Arbeit auch seine eignen Ziele und Aufträge. Dazu werden die Aufgabenfelder der Sozialen Arbeit erläutert.

Soziale Arbeit hat unteranderem die Aufgabe der Aufklärung, Verbesserung, Verbreitung und Kontrastierung der unterschiedlichen Wissensbestände über fremde Milieus. (Nohl 2006, S. 231).

Einerseits ist der/ die Sozialarbeiterin ein Vermittler zwischen Individuum und Gesellschaft, andererseits hat er/ sie das „Ziel, besseres Verhältnis der Menschen zu ihrer näheren und ferneren sozialen Umwelt zu erreichen“ (Heiner 2010, S. 33). Außerdem ist das Intervenieren ein wesentlicher Aspekt in der Sozialen Arbeit. Nach Heiner (2010) dienen diese Interventionen „der Autonomie der Lebensführung der KlientInnen und zugleich der Gewährleistung gesellschaftlicher Normalzustände. Ihre Hilfen enthalten daher zumeist auch Elemente von Kontrolle. Die Soziale Arbeit ist nicht nur dem Wohl ihrer KlientInnen verpflichtet, sondern auch dem Gemeinwohl.“ Soziale Arbeit setzt ihren Fokus immer zweierlei: Sie versucht die Fähigkeiten des Individuums herauszuarbeiten und sucht nach Möglichkeiten der verbesserten Eingliederung in die Gesellschaft. Das Engagement des Sozialarbeiters/ der Sozialarbeiterin und des Klienten/ der Klientin sind entscheidend für den Erfolg der gemeinsam formulierten Zielsetzungen. Erst, wenn beide Parteien mitwirken, kann man Fortschritte erzielen. Eine weitere Voraussetzung ist der Zugang zu entsprechenden Ressourcen - nicht nur materielle, sondern auch immaterielle, wie Sprache als Verständigungsmedium. „Ziel der Vermittlungstätigkeit der Sozialen Arbeit ist die Ermöglichung der sozial verantwortlichen Selbstverwirklichung von Individuen.“ (Heiner 2010, S. 34).

SozialarbeiterInnen sollen Menschen stützen und sie befähigen in kritischen Lebenslagen durch Bewilligung von Geldern und Förderangeboten sie zu entlasten und sie zur Selbsthilfe motivieren (vgl. Heiner 2010, S. 34).

[...]


1 Kalkowski, S.2

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Migrationsgesellschaft und Interkulturalität. Welche Rolle spielt die interkulturelle Kompetenz in der Profession der Sozialen Arbeit?
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,7
Autor
Jahr
2020
Seiten
15
Katalognummer
V957889
ISBN (eBook)
9783346300577
ISBN (Buch)
9783346300584
Sprache
Deutsch
Schlagworte
migrationsgesellschaft, interkulturalität, welche, rolle, kompetenz, profession, sozialen, arbeit, kultur, gesellschaft, migration, kollektiv
Arbeit zitieren
Selin K. (Autor:in), 2020, Migrationsgesellschaft und Interkulturalität. Welche Rolle spielt die interkulturelle Kompetenz in der Profession der Sozialen Arbeit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957889

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