Bildung und Lernen mit digitalen Medien aus der Perspektive pragmatistischer Lerntheorie


Hausarbeit, 2019

27 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

TABELLENVERZEICHNIS

ABBILDUNGSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 THEORETISCHER TEIL - AKTUELLER KENNTNISSTAND
2.1 Bildung und Lernen klassisch betrachtet
2.2 Pragmatismus
2.2.1 Entwicklung des Pragmatismus
2.2.2 Pädagogischer Zusammenhang
2.3 Pragmatistische Perspektive: Bildung und Lernen
2.4 Pragmatistische Perspektive: Bildung und Lernen mit digitalen Medien
2.4.1 Bildung und Lernen mit digitalen Medien
2.4.2 Besonderheiten von Bildung und Lernen mit digitalen Medien aus pragmatistischer Sicht

3 PRAKTISCHER TEIL - ANALYSE
3.1 Wahl des Lernszenarios
3.2 Analysekriterien
3.3 Durchführung der Analyse
3.4 Diskussion der Ergebnisse und Handlungsempfehlungen

4 SCHLUSS

5 LITERATURVERZEICHNIS

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Definition der Analysekriterien nach der pragmatistischen Lerntheorie und der Begriffseinordnung Bildung und Lernen mit digitalen Medien

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Drei pädagogische Implikationen (Dollinger, 2012, S. 227)

Abbildung 2: Formen des Erkundens nach English und Dewey (English, 2005, S. 56)

Abbildung 3: Fünfschritt Modell der pragmatistisch-experimentellen Methode („inquiry“) nach Dewey (LW, Vol. 12, S. 108) und Hickman (2004, S. 5)

1 Einleitung

Die Bildung und das Lernen sowie deren Zusammenhang werden von einer Viel­zahl von Autoren thematisiert. Beispielhaft können hier die Namen Husemann, Overwien, Gröhlich oder auch Zirfas genannt werden. Diskussionen bezüglich der Begriffe hinsichtlich ihrer Bedeutung sind vielfältig und zeigen die Komple­xität einer eindeutigen Definition auf. Die grundlegende Frage der Diskussionen ist meist: „Was ist Bildung, wenn sie nicht Lernen ist? Und was ist Lernen, wenn es sich nicht um Bildung handelt?“ (Nohl, von Rosenberg, & Thomsen, 2015, S. 9).

Interessant erscheint eine Definition der Begrifflichkeiten weiterhin unter heuti­gem Verständnis. Um zeitgemäß zu erscheinen, hat sich das Lernen vielen Ein­flussfaktoren anpassen müssen. Besonders bedeutend ist in diesem Zusammen­hang der Einflussfaktor Digitalisierung. Dieser Prozess begünstigt die Etablie­rung der digitalen Medien zu einem Instrument des Lernens bzw. der Bildung. Ein immer breiter werdendes Spektrum an Medienangeboten, welches mittels mobiler Kommunikation an zunehmend mehr öffentlichen und privaten Orten genutzt werden kann, stehen zur Verfügung. Digitale Medien dringen so in im­mer mehr Lebensbereiche vor und sind mittlerweile fester Bestandteil zahlrei­cher Bildungsangebote. Stetig wachsende Wissensvorräte mit gleichzeitiger ver­kürzter Gültigkeitsdauer entstehen und stellen die Lehrenden vor die Herausfor­derung entsprechende (Weiter-)Bildungsangebote zu gestalten. Die bildungsthe­oretische Ansicht des Pragmatismus, insbesondere der handlungs- und erfah­rungsbezogene Ansatz des Lernverständnisses von John Dewey, dienen als In­spiration. Betrachtet man unter dieser Sicht die gestalterische Ebene der Bil­dungsangebote, die Mediendidaktik, ist der Pragmatismus nur redundant vorzu­finden. In der gestaltungsorientierten Mediendidaktik wird der Versuch unter­nommen, die didaktische Gestaltung digitaler Medien pragmatistisch zu begrün­den. Da laut Seufert und Mayr Lernarrangements mit digitalen Medien nur dann lernwirksam sind, wenn diese eine Verknüpfung zu einer guten, der Zielgruppe entsprechenden didaktischen Konzeption aufweisen, gilt es dies bei der Gestal­tung der Lernszenarien zu berücksichtigen (2002, S. 47).

In dieser Hausarbeit soll die pragmatistische Sichtweise bezüglich der Bildung und des Lernens mit digitalen Medien thematisiert werden. Primär werden hierzu Definitionen des Lernens und der Bildung klassisch gegeben. Die prag- matistische Sichtweise der Definitionen wird erweiternd aufgeführt. Zudem wird kurz auf den Verlauf der Entwicklung des Pragmatismus eingegangen. Weiter­hin wird das Verständnis von Bildung und Lernen mit digitalen Medien unter pragmatistischer Sichtweise aufgezeigt. Am Beispiel eines konkreten Lernsze­narios wird eine Analyse unter Berücksichtigung bestimmter Kriterien vorge­nommen. Grundlage hierbei stellen Analysekriterien der pragmatistischen Lern­theorie sowie zusätzliche Kriterien, die im Rahmen des Definitionsvorgangs ab­geleitet werden, dar.

2 Theoretischer Teil - Aktueller Kenntnisstand

Die Basis der Begriffsbestimmung von Bildung und Lernen im Hinblick auf das Lernen mit digitalen Medien bildet in dieser Hausarbeit die Sichtweise des Prag­matismus. Um die Definition der Begriffe nachvollziehbarer zu gestalten, wird primär eine klassische Determination von Bildung und Lernen sowie eine Erläu­terung des Pragmatismus aufgeführt. Anschließend werden die Definitionen auf das Lernen mit digitalen Medien übertragen und entsprechend adaptiert.

2.1 Bildung und Lernen klassisch betrachtet

Bildung wird unter dem philosophischen Ansatz von Platon und Aristoteles bis Rawls und Sen, als Entwicklung der Fähigkeit eines Menschen, mit zwei grund­legenden Elementen ausgestattet. Diese sind die Verwirklichung des Menschen, die in ihm von Natur aus als Möglichkeit angelegt ist und die Formung der Per­sönlichkeit durch Erfahrung und Erziehung (Neumaier, 2013, S. 32). Die enge Verbindung beider Aspekte ermöglicht die Entwicklung sämtlicher Anlagen des Menschen. Vor allem derjenigen, welche unter bestimmten anthropologischen, sozialphilosophischen, ethischen und anderen Voraussetzungen für das Indivi­duum als wertvoll angesehen werden. Wilhelm Humboldt (1769-1859), ein Hauptverfechter dieser Definition von Bildung, verweist zudem auf die Welt, in der der Mensch lebt. Sie bildet den notwendigen Gegenstand, der es ihm ermög­licht, zu Üben und seine rohen Gedanken auszuprägen (Neumaier, 2013, S. 33). Nach Blumenberg (1986) begegnet der Mensch der Bildung grundsätzlich mit Reflexion. Durch den reflexiven Moment entsteht die Erfahrung, eine Art Urteil über die gewonnene Erkenntnis. Sie bewirkt eine Veränderung von Dispositio­nen, das Lernen (Seel & Hanke, 2015, S. 29). Dispositionen werden dabei als Eigenschaften verstanden, die nicht direkt beobachtbar sind. Da sie sich in einem bestimmten Verhalten manifestieren, spricht man auch von Lernen im Sinne des Erwerbs von Verhaltenspotenzial (Seel & Hanke, 2015, S. 29).

Die Begriffe Bildung und Lernen stehen bei zahlreichen Autoren in enger Ver­bindung (Husemann, 2009; Overwien 2007). Andere wiederum grenzen diese voneinander ab. Beispielsweise Gröhlich und Zirfas sehen Bildung als Prozess und Ergebnis einer Veränderung, welche das Selbst-, Sozial- und Weltverhältnis des Menschen betrifft. Lernen beziehe sich mehr auf spezifische, kleinkarierte Veränderungsprozesse (Overwien, 2007, S. 15). Bedeutend für die Unterschei­dung beider Begriffe ist die theoretische Untermauerung von Winfried Marotzki. Dieser definiert Bildung als Prozess, in dem der Rahmen, im welchem gelernt wird, sich verändert (Marotzki, 1990, S. 42). Lernen entsteht nach Marotzki dann, wenn die Verbindung von Reiz und Reaktion aufgelöst wird und der Mensch auf denselben Reiz in verschiedenen Situationen anders reagiert (Ma­rotzki, 1990, S. 36). Nohl, Rosenberg und Thomsen äußern, dass Bildung und Lernen aufeinander verweisen und fließende Übergänge zwischen den beiden Begriffen vorhanden sind (Nohl et al., 2015, S. 11). Die Autoren definieren Ler­nen als „Mehrung von Wissen und Erfahrung innerhalb einer gegebenen Leben­sorientierung“ und Bildung als „die Transformation solcher Lebensorientierun­gen“ (Nohl, 2007, S.7; ähnlich auch von Rosenberg, 2011, S.12; Thomsen, 2010). Demnach erscheint Lernen als Prozess, der sich in einem bestehenden Rahmen und als kontinuierliche Anpassung vollzieht. Der kontinuierliche Cha­rakter des Lernens wird beispielsweise in der pragmatistischen Lerntheorie in Frage gestellt. Die vorliegende Hausarbeit soll sich nicht mit dem Thema der Begriffsabgrenzung von Bildung und Lernen beschäftigen, jedoch zum Aus­druck bringen, dass diese zahlreich diskutiert wird.

2.2 Pragmatismus

2.2.1 Entwicklung des Pragmatismus

Grundsätzlich ist der Pragmatismus (vom griech. „pragma“: das Getane; aber auch das, was zu tun ist; das Handeln; das Tun; die Tätigkeit) aus einer philoso­phischen (nord-)amerikanischen Entwicklung entstanden. Diese vollzog sich in den Jahrzehnten vor und nach der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert (Emer­son, James & Dewey, 1938, S. 56). Diese Welle betraf das Geistesleben, das durch die wachsende Eigenständigkeit und Selbstbewusstsein neu in Erschei­nung trat. So versteht sich der Pragmatismus primär als eine philosophische Me­thode. Die Leitfrage mit der sich der Pragmatismus auseinandersetzt ist diejenige „nach der Bedeutung des Denkens für die Lebenswelt, nach den praktischen Konsequenzen, die die Anwendung bestimmter philosophischer Gedanken im Leben der Menschen mit sich bringt“ (Emerson, James & Dewey, 1938, S. 58). Wesentliche Akteure der Bewegung sind primär Charles Sanders Peirce (1839­1914) und William James (1842-1910). Für diese Hausarbeit am meisten rele­vant erscheint das Wirken von John Dewey (1859-1952). Dieser legt besonderen Wert auf Konsequenzen und somit auf die Zukunft (Emerson et al., 1938, S. 64). Prägend wirkt er auf die pragmatistische Lerntheorie ein.

2.2.2 Pädagogischer Zusammenhang

Für Dewey ist die Perspektive des Lernenden zentraler Ausgangspunkt. Ein In­dividuum ist dann originell, wenn es eine Entdeckung zum ersten Mal macht. Wichtig ist hierbei die Unabhängigkeit von anderen Personen. Das bedeutet, auch wenn zahlreiche andere Personen vor ihm diese oder eine ähnliche Entde­ckung gemacht haben, ist der Wert der eigenen Entdeckung für das Individuum unbezahlbar. Diese Fähigkeit macht das Individuum zu einem aktiven Geist (Dewey, LW, Vol.5, S. 128). In Anbetracht der Wissensentwicklung bedeutet das, dass für eine Fortentwicklung alte Schemata geändert und überarbeitet werden müssen (Hellekamps, 2008, S. 39), wobei die Änderung vom Indivi­duum selbst festzustellen und vorzunehmen ist.Die erkenntnistheoretischen Grundannahmen des Pragmatismus wurden von Dewey hinsichtlich pädagogi­scher Implikationen erweitert.

Abbildung 1 veranschaulicht die wesentlichen drei pädagogischen Implikatio­nen von Dewey:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Drei pädagogische Implikationen (Dollinger, 2012, S. 227)

2.3 Pragmatistische Perspektive: Bildung und Lernen

Dewey rückt in seiner Lerntheorie die Handlungsorientierung und Erkenntnis­orientierung in den Fokus (Faulstich, 2005, S. 532). Deweys pädagogische An­sätze des Pragmatismus lassen sich auch bei Käte Meyer-Drawe (2008) wieder­finden. Die Autorin beschäftigt sich mit dem Lernen als Erfahrung sowie dem Beginn dessen (Meyer-Drawe, 2008, S. 206). Lernen beginnt nicht mit einem induzierten Zweifeln, sondern mit dem Zweifelhaften an sich. „Etwas in den Zweifel zu ziehen, um den Grad an Gewissheit der Erkenntnis zu steigern, ist etwas anderes, als in eine Ausweglosigkeit zu geraten, weil alles Gewohnte ver­sagt. Lernen beginnt in dieser Hinsicht dort und dann, wo und wenn das Ver­traute seinen Dienst versagt und das Neue noch nicht zur Verfügung steht“ (Ma- yer-Drawe, 2008, S. 15). Der Lernende nimmt hierbei keine passive Rolle ein, da das Erkennen bzw. Aufdecken einer Situation, ein aktiver Vorgang ist. Meyer-Drawe spricht auch von Aufmerksamkeit, die geweckt wird und nicht verursacht wird (Mayer-Drawe, 2015, S. 143). Dieser Moment wird auch als eine „Widerfahrnis“ (Mayer-Drawe, 2015, S. 143) bezeichnet, in der das Ge­schehen nicht antizipiert oder bewusst beeinflusst werden kann. Die Widerfahr­nis stellt die Grundlage der pragmatistischen Lerntheorie dar (Nohl, Rosenberg, & Thomsen, 2015, S. 146). Dewey spricht diesbezüglich auch von einer „prob­lemsituation“ (Dollinger, 2012, S. 235). Zu Beginn steht für Dewey die „primary experience“ als rohes, unreflektiertes Erlebnis. Befindet sich die „experience“ des Lernenden in einem ausgeglichenen Zustand zwischen „doing“ und „undoing“, wird diese als unproblematisch emp­funden. Situationen, die dieses Gleichgewicht durch eine Begegnung mit etwas Unvertrautem ins Schwanken bringen, rufen einen Spannungszustand hervor. Dieser Moment der Verunsicherung („problemsituation“) führt unmittelbar zu der Suche nach einer Bedeutung, einer erweiterten Einsicht und einer Problemlö­sung (Dollinger, 2012, S. 235). Die Widerfahrnis bzw. Problemsituation steht in Verbindung mit einer gewissen Orientierungslosigkeit des Lernenden. Irrefüh­rende bzw. misslingende Versuche, die Situation bzw. Widerfahrnis zu bewälti­gen, rufen beim Lernenden eine Neuorientierung hervor (English, 2005, S. 51). Die Bewältigungsversuche werden auch als Erkunden bezeichnet, wobei English und Dewey zwei Formen des Erkundens unterscheiden:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Formen des Erkundens nach English und Dewey (English, 2005, S. 56)

Die reflektierende Erfahrung ist bei Dewey Bestandteil des Lernprozesses. Be­vor die Reflexion erfolgt, macht der Lernende primär eine Erfahrung. Dewey spricht auch von „experience“. Unter diesem Begriff versteht er den Moment der Übung bzw. das Handeln in vollem Umfang. Dazu gehören das Tun („doing“) und das Erleiden („undoing“), also die Konsequenz der Handlung (Dewey, LW, Vol. 11, S. 214). Somit beinhaltet der Begriff eine aktive (das Tun) und eine passive (die Konsequenz) Komponente. Diese werden durch affektive, emotio­nale und ästhetische Qualitäten ergänzt.

Ist die Suche zielführend, wird die Lösung im Bereich der „experience“ abge­speichert. Das Lernen war erfolgreich. Dewey hat diesen Sachverhalt in dem „organic circle“ (Dewey, 1975, EW, Vol. 5, S. 96) zusammengeführt. Er bein­haltet die „problemsituation“, die Reflexion und die „primary experience“.

Angesichts des Lernens erscheint besonders relevant, dass das Durchlaufen des „organic circle“, das Lernen, kein rein kognitiver Vorgang ist (Dollinger, 2012, S. 235). Die Kognition stellt eine relevante Funktion bzgl. der „experience“ dar. Jedoch erst durch die primär auftretenden ästhetisch-ganzheitlichen Wahrneh­mung der „problemsituation“, der Intuition, setzt der Prozess der Untersuchung ein. Die Verallgemeinerung des experimentellen Forschens nennt Dewey „in­quiry“ (Faultich, 2005, S. 532). Interesse an der „problemsituation“ entsteht folglich dann, wenn diese an einer bisherigen Erfahrung anknüpft und auf zu­künftige Erfahrungen hindeutet (Nohl, von Rosenberg, & Thomsen, 2015, S. 150). Nach Dewey basiert das Interesse auf der kontinuierlichen Aktivität des Menschen, ist sachbezogen und an die direkte Involvierung des Lernenden ge­knüpft (Grotlüschen, 2010, S. 50).

Dewey hat hierzu ein Fünferschritt-Modell erfolgreichen Lernens erarbeitet, welches von Larry Hickman zusammengefasst und an einem Beispiel veranschaulicht wurde:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Fünfschritt Modell der pragmatistisch-experimentellen Methode („in­quiry“) nach Dewey (LW, Vol. 12, S. 108) und Hickman (2004, S. 5)

Lernen erscheint in Anbetracht dieses Modells nicht wie in Kapitel 2.1 kontinu­ierlich, sondern durch einen bestimmten Faktor, das Interesse des Individuums an einer „problemsituation“, ausgelöst zu werden. Zugleich stellen Kontinuität und Interaktion die Prinzipien des Pragmatismus dar. Die Kontinuität bezieht sich auf die Veränderung der Erfahrungen, die wiederum die Qualität weiterer Erfahrungen prägt. Ein Lernprozess wird demnach einem Entwicklungsprozess gleichgesetzt (Kerres & de Witt, 2004, S. 8).

Entscheidend für das individuelle Lernen sind nach Dewey die Bereitstellung der Freiräume, Anlässe und Anregungen für eine konstruktive Erweiterung der „experience“ (Dewey, 1985, MW, Vol. 9, S. 151). Dieses Wechselspiel zwi­schen Individuum und Umwelt bedeutet im Bildungskontext, dass den Lernen­den entsprechende Situationen, z.B. im Rahmen des Unterrichts, angeboten wer­den müssen. Um ein entsprechendes Lernangebot zu entwickeln, sollte die spe­zifische Lernsituation als Orientierung dienen. Hierbei stehen die Praktikabilität und die Nützlichkeit des ausgewählten Ansatzes im Hinblick auf dessen Poten­zial zur Lösung eines Problems sowie dem Ausbau der individuellen Handlungs­fähigkeit in einer bestimmten Lernsituation in Vordergrund (Wild, 2018, S. 21). Von besonderer Relevanz erscheint in diesem Kontext eine Verschmelzung von Bildung und Alltag. Aktivitäten des täglichen Lebens (bereits vorhandene „ex­perience“) geknüpft an das entsprechende Element des Lehrplans („problemsi­tuation“) scheinen das größte Potenzial der individuellen Wissensentwicklung darzustellen.

Im Sinne des Pragmatismus wird Lernen somit als selbstgesteuerter, aktiv-kon­struktiver, situativer und zugleich sozialer Prozess gesehen. Lernen bedeutet aber zugleich auch „Umlernen“ und Verständnishorizonte revidieren und erwei­tern (Nohl, von Rosenberg, & Thomsen, 2015, S. 153) bzw. Erfahrungen ma­chen. Die Verständnishorizonte beziehen sich laut Nohl et al. nie auf die Welt als Ganzes. Sie sind vielmehr partiell, beziehen sich auf spezifische Ausschnitte des Lernenden selbst (Nohl et al., 2015, S. 153). Die Bildung hingegen bezieht sich auf „die Selbst- und Weltreferenz in ihrer Gesamtheit“ (Nohl et al., 2015, S. 153) sowie deren Transformation.

2.4 Pragmatistische Perspektive: Bildung und Lernen mit digitalen Medien

Nach einer allgemeinen Einordnung der Begriffe Bildung und Lernen sowie de­ren Bedeutung aus pragmatistischer Sicht, ist im Rahmen dieser Hausarbeit eine Erweiterung dieser Determinationen um die Eigenschaft digitale Medien vorzu­nehmen. Nachfolgend sollen Besonderheiten der Definitionen hinsichtlich der Begriffsausdehnung aufgezeigt werden. Primär wird eine Erläuterung der Ter­minologie Bildung und Lernen mit digitalen Medien gegeben.

2.4.1 Bildung und Lernen mit digitalen Medien

Die häufigste Form des Lernens neben dem Unterricht durch Lehrpersonen stellt heutzutage das medienbasierte Lernen dar (Horz & Ulrich, 2015, S. 25). Nach Süss, Lampert und Wijnen (2010) bezieht sich das Lernen mit digitalen Medien auf alle elektronischen Medien, wobei den digitalen Medien durch die techni­sche Entwicklung eine besondere Bedeutung zukommt (Süss et al., 2010, S. 159). Der Begriff E-Learning unterscheidet sich vom Lernen mit digitalen Me­dien durch die Form des Lernens, welche beim E-Learning sämtliche durch elektronischen Medien unterstützten Lernformern beinhaltet. Demnach ist die Begriffsanwendung e-Learning dem Lernen mit digitalen Medien übergeordnet (Reinmann-Rothmeier, 2003, S. 31).

Lernmedien sind durch die Entwicklung von Computern und dem Internet heut­zutage enorm vielfältig, wobei die „meisten Lernmedien im Wesentlichen aus visuell und/oder auditiv dargebotenen Texten sowie statischen und/oder dyna­mischen Bildern“ (Süss et al., 2015, S. 25) bestehen. Lernszenarien, die aus ver­schiedenen Repräsentationsformaten wie Texte, Bilder oder Audioelementen be­stehen, werden als multimediale Medien bezeichnet. Zudem ist die Kodierungs­form einer Information, z.B. gesprochener oder geschriebener Text sowie die Sinnesmodalität zur Verarbeitung der Information, z.B. Auge oder Ohr, charak­teristisch für die verschiedenen Lern- und Informationsmedien (Süss et al., 2015, S. 25).

Das (Lern-)Medium dient der Informationsvermittlung zwischen Subjekt (dem Lernenden) und/oder Objekten. Das Ziel ist, dem Lernenden Informationen an­zubieten (Süss et al, 2015, S. 25).

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Bildung und Lernen mit digitalen Medien aus der Perspektive pragmatistischer Lerntheorie
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
27
Katalognummer
V957893
ISBN (eBook)
9783346308924
ISBN (Buch)
9783346308931
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bildung, lernen, medien, perspektive, lerntheorie
Arbeit zitieren
Sandra Rische (Autor), 2019, Bildung und Lernen mit digitalen Medien aus der Perspektive pragmatistischer Lerntheorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957893

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