Partizipationsverfahren in der Stadtplanung. Inwiefern findet eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung und -politik Kölns statt?


Bachelorarbeit, 2019

121 Seiten, Note: 1,6


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Kinder und Jugendliche in der Stadt
2.2 Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung
2.2.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen der Kinder- und Jugendpartizipation
2.2.2 Stufen der Kinder- und Jugendpartizipation nach Hart
2.2.3 Rechtliche Grundlage zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen
2.2.4 Grundformen der Kinder- und Jugendpartizipation in der Stadt
2.2.5 Durchführung von Kinder-und Jugendpartizipation in Deutschland
2.3 Kinder- und Jugendfreundliches Köln
2.3.1 Stadt mit Zukunft: Gestalten mit Kindern und Jugendlichen
2.3.2 Methoden des Projektes
2.3.3 Kriterien für eine Kinder- und Jugendgerechte Stadtplanung

3 Experteninterviews
3.1 Forschungsdesign
3.1.1 Fragestellung
3.1.2 Auswahl der Interviewpartner
3.1.3 Darstellung des Interviewleitfadens
3.1.4 Durchführung der Interviews
3.1.5 Datenaufbereitung
3.1.6 Auswertungsmethode
3.1.7 Methodenkritik
3.2 Darstellung der Ergebnisse
3.2.1 Interview 1
3.2.2 Interview 2
3.2.3 Interview 3
3.2.4 Interview 4
3.3 Ergebnisse aus den Experteninterviews
3.3.1 Erfahrung mit Kinder- und Jugendpartizipation
3.3.2 Positive Erfahrungen mit Kinder- und Jugendpartizipation
3.3.3 Schwierigkeiten und Herausforderungen im Partizipationsprozess
3.3.4 Methoden der Kinder- und Jugendbeteiligung
3.3.5 Kinder- und Jugendbeteiligung in Köln

4 Diskussion

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Anhang

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Notation für prosodische Parameter

1 Einleitung

„Kinder und Jugendliche haben in Köln eine Stimme- sie sind ernst genommene Partner in der Gestaltung der sie betreffenden Lebensbereiche“, so steht es im Leit­linienbericht der Stadt Köln aus dem Jahre 2009, herausgegeben vom Amt des Oberbürgermeisters (vgl. Amt für Kinder, Jugend und Familie, 2009, S.4). Partizi­pationsverfahren sind aktuell in aller Munde, besonders die Kinder- und Jugend­partizipation und damit einhergehend die Kinderfreundlichkeit von Bund und Län­dern, wird ein immer wichtigeres Thema. Vorausberechnungen der Stadt Köln zu­folge, wird es im Jahr 2030 6 200 Haushalte mit Kindern mehr geben als heute. Das sind ungefähr 5,9 Prozent mehr als Ende 2018 (vgl. Stadtentwicklungsausschuss, 12/2018, S.5). Somit wird der Bedarf an Kinder- und Jugendfreundlichkeit in Köln durch die wachsende Kinderzahl ein stets wichtiges Thema bleiben. Hier liegt die Forderung nahe, Kinder und Jugendliche in die Stadtplanung einzubeziehen und somit die Betroffenen selbst in Entscheidungsprozesse einzubinden. Die Beteili­gung von Kindern und Jugendlichen in der Stadt kann sehr unterschiedliche Mög­lichkeiten haben und viele verschiedene Blickwinkel einnehmen.

Die folgende Arbeit soll sich genau mit diesem Aspekt beschäftigen. Es wird her­ausgearbeitet, inwiefern die Stadt Köln Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit bietet an der Politik, hier besonders an der Stadtplanung, mitzuwirken. Basis dieser Forschungsfrage stellen neben einer Analyse der Bevölkerungsstruktur der Stadt Köln, die Klärung der Positionen von Kindern und Jugendlichen in der Stadt. Fort­laufend wird es um die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadt­planung gehen. Hierbei liegt der Fokus zunächst auf einer Begriffsdefinition von Partizipation. Ausgehend davon werden die Voraussetzungen der Kinder und Ju­gendlichen auf entwicklungspsychologischer Basis beschrieben und geklärt, ab welchem Alter Kinder und Jugendliche in der Lage sind, zu partizipieren. Aufbau­end darauf wird das „Ladder of Participation“ Modell von Roger A. Hart beschrie­ben und analysiert. Dies wird durch die rechtlichen Grundlagen zur Kinder- und Jugendpartizipation und anschließend durch die Grundformen der Kinder- und Ju­gendpartizipation in der Stadtplanung ergänzt, sowie deren Eignung analysiert. Hierzu wurden verschiedene empirische Studien verwendet, um den bisherigen Forschungsstand adäquat darzustellen zu können.

Nach einem allgemein gehaltenen Überblick über den bisherigen Forschungsstand und deren Modelle, wird die Stadt Köln zunächst mit ihrer Bevölkerungsstruktur und im Anschluss mit ihrer Kinder- und Jugendpartizipation in den Fokus genom­men. Unterstützend hierfür wurde ein großes Projekt der Stadt Köln unter die Lupe genommen, welches basierend auf den Leitlinien 2020 eine positive Partizipations­entwicklung von Kindern und Jugendlichen in Köln garantieren soll.

Zusätzlich zu dem bisherigen literarischen Forschungsstand wird die Leitfrage die­ser Arbeit mit Hilfe qualitativer Sozialforschung, besonders der Methode des leit­fadengestützten Experteninterviews mit einer qualitativen Inhaltsanalyse bearbeitet. Hierzu wurden vier Experten/-innen befragt, die mit der Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung Kölns arbeiten. Hierbei sollte in erster Linie ein grober Überblick über die Kinder- und Jugendpartizipation aus Expertensicht gewonnen werden. Es wurde darauf geachtet, dass viele verschiedene Blickwinkel eingenommen werden können. Es wurden das Stadtplanungsamt, das Amt für Kin­der- und Jugendinteressen, das Dezernat Öffentlicher Raum und Stadtraummanage­ment sowie eine freiberufliche Stadtplanerin befragt. Im Anschluss werden die Er­gebnisse der Experteninterviews mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse ausge­wertet und mit dem aktuellen Stand der Literatur die Stadt Köln betreffend vergli­chen.

Am Ende dieser Arbeit wird ein Fazit gezogen, welches eine Beurteilung darüber erlaubt, inwiefern die Maßnahmen, welche die Stadt Köln aktuell betreibt, ausrei­chend und geeignet sind, um Kinder und Jugendliche nachhaltig und gewinnbrin­gend in die Stadtplanung einzubeziehen und inwiefern diese Maßnahmen optimier­bar sind.

2 Theoretischer Hintergrund

Durch die andauernde Aktualität der Kinder- und Jugendpartizipation soll im fol­genden Kapitel überblicksartig dargestellt werden, welche Aktionsräume Kinder und Jugendliche in der Stadt haben, brauchen und auf welche Art und Weise Kinder und Jugendliche in die städtische Planung miteinzubeziehen sind. Es wird ein gro­ber Überblick über den bisherigen Forschungsstand, basierend auf wissenschaftli­cher Literatur und empirischen Studien gegeben. Fortlaufend wird der Fokus auf die Stadt Köln gelegt.

2.1 Kinder und Jugendliche in der Stadt

Für Kinder und Jugendliche ist das Spielen für eine gesunde Entwicklung unver­zichtbar. Inhaltlich umfasst der Spielbegriff alle freiwilligen Formen des menschli­chen Tätigseins und Handelns, außerdem die Freizeitgestaltung hinsichtlich Bewe­gung und Sport, sowie die kommunikativen und musisch- künstlerisch-kulturellen Aktivitäten (vgl. Grosse-Bächle et.al. 1993, S.1). Die Entfaltung an Orten des Spielens, sei es die Wohnung oder die Straße, ist für Kinder und Jugendliche be­sonders wichtig, da sie dazu beiträgt sich die Umgebung anzueignen, sich ihn ihr zurechtfinden und mit ihr umgehen zu können (ebd., S. 51). Spielen ist eine essen­tiell wichtige Tätigkeit, die es durch eine angemessene städtebauliche Planung zu fördern gilt (vgl. Hohenhauer 1995, S.7).

Ein primärer Faktor besteht in der Anpassung der Nutzungsansprüche nach den verschiedenen Altersgruppen. Hierbei soll der Fokus insbesondere auf Schulkin­dern und Jugendlichen liegen. Als Schulkinder werden im Regelfall die sechs- bis unter vierzehnjährigen Kinder bezeichnet. Eine besondere Rolle nimmt hier der Schulhof ein, auf dem die Schulkinder den Großteil ihrer Freizeit verbringen. Die­ser sollte weitestgehend altersgerecht gestaltet sein und den Kindern nicht nur zu den Schulzeiten, sondern auch außerhalb der Schule, sprich an Nachmittagen und Wochenenden, zur Verfügung stehen (vgl. Kraft. 1979). Da der Aktionsradius der Schulkinder noch recht begrenzt ist, sollten Spielflächen und Freiräume maximal 300 bis 400 Meter von der Wohnung entfernt sein. Für Kinder ab dem zwölften Lebensjahr lässt sich dieser Aktionsraum problemlos auf circa einen Kilometer aus­weiten, da sie in diesem Alter durch Fahrrad oder öffentliche Verkehrsmittel in der Lage sind, auch weitere Strecken zurückzulegen (vgl. Blinkert, 1993, S. 50ff.). Bei Jugendlichen, das bedeutet Personen ab dem 14. Lebensjahr bis zum Ende der Voll­jährigkeit, kommt es im Gegensatz zu den Schulkindern auf sportliche Angebote, sowie soziale Treffpunkte an. Das liegt in erster Linie an der Verlagerung des Inte­ressensgebietes hin zu kommunikativen Tätigkeiten, in Verbindung mit Bewe- gungs- und Regelspielen (vgl. Breitfuß und Klausberger 1999, S. 65ff.). Um sich von den Erwachsenen abzugrenzen und sich unbeobachtet zu fühlen, suchen sich Jugendliche im Regelfall gezielt Räume aus, die in einiger Entfernung vom Woh­numfeld liegen. Die Entfernung zur Wohnung spielt bei ihnen, aufgrund der zuneh­menden Mobilität keine große Rolle mehr. Damit die Mobilität gewährleistet ist, ist die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr sowie ein gut ausgebautes Fahrradnetz von Bedeutung. Es scheint sinnvoll, Teilbereiche für Jugendliche an­zulegen, die in Siedlungs- und Randbereichen liegen. Eine Verbindung der ver­schiedenen Altersgruppen könnte hier zudem ratsam sein (ebd., S.66).

2.2 Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung

Der Begriff Partizipation, wird im allgemeinen Sprachgebrauch synonym mit Be­teiligung, Teilhabe und Teilnahme verwendet (vgl. Partizipation auf Duden online). Es haben sich im Laufe der Zeit einige begriffliche Differenzierungen entwickelt, die synonym mit Partizipation verwendet werden können. So kann hier zwischen Mitsprache, welche von Zuhören bis angehört werden reichen kann und Mitwir­kung, konkret Beteiligung an der Umsetzung und dem Mitentscheiden differenziert werden (vgl. Rieker, Mörgen, Schnitzer, Stroezel 2016, S.3).

Neben den Begriffen Teilhabe, Teilnahme, Mitbestimmung und Mitwirkung, kann sich Partizipation auch im engeren Sinne fassen lassen und die Einbindung von In­dividuen in bestimmte Entscheidungs- und Willensbildungsprozesse bedeuten (vgl. Rieker, Mörgen, Schnitzer, Stroezel, 2016, S.4). Der Begriff kann hier sowohl ak­tivistisch, als auch passivisch verwendet werden. Aktive Beteiligung bedeutet, dass man sich selbstständig an etwas beteiligt, sei es beispielsweise indem eigenständig die Initiative ergriffen wird. Daneben könnte eine Beteiligung im passiven Sinn aber auch bedeuten, Menschen zu etwas zu bewegen, sie in gewisser Weise zu ani­mieren (vgl. Ohl, 2009, S.11).

Partizipation wird im Folgenden als das Recht auf freie, gleichberechtigte und öf­fentliche Teilhabe der Bürgerinnen und Bürger an gemeinsamen und gesellschaft­lichen Diskussions- und Entscheidungsprozessen verstanden. Explizit in Bezug auf Kinder und Jugendliche beschreibt sie das Recht und besonders die Fähigkeit zur Teilhabe an demokratischen Prozessen, in allen sie betreffenden gesellschaftlichen Feldern und Fragen (vgl. Knauer/ Sturzenhecker, 2005, S. 63ff.).

In der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe Partizipation und partizipieren so­wohl aktivistisch, als auch passivisch verwendet. Grundsätzlich wird der Begriff hier als die politische Teilhabe und Teilnahme von Kindern und Jugendlichen am Stadtentwicklungsbegriff verstanden und benutzt. Es soll aber auch um die Mit­spräche und das ,angehört werden’ der Kinder und Jugendlichen gehen.

2.2.1 Entwicklungspsychologische Voraussetzungen der Kinder- und Jugendparti­zipation

Zunächst gilt es zu klären, inwiefern Kinder und Jugendlichen ausgehend von ihrer geistigen Entwicklung überhaupt in der Lage sind, bei bedeutsamen, die Zukunft betreffenden Entscheidungen zu partizipieren. Bereits im zweiten Lebensjahr haben Kinder ein, von der Umwelt abgegrenztes Selbstkonzept entwickelt und sind spä­testens mit drei Jahren in der Lage, sich in einem gewissen Ausmaß selbst zu re­flektieren. Wird den Kindern eine anstehende Entscheidung altersgemäß vermittelt, so können sie dies bereits verstehen und klare Entscheidungen treffen. Oftmals wird dies von den Kindern schon explizit eingefordert (vgl. Schröder, 1995, S.20).

Mit Beginn des Grundschulalters, in der Regel mit sechs Jahren, baut sich fortlau­fend die Fähigkeit zum logischen Denken auf. Spätestens ab diesem Alter, können Kinder in Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Sie sind in der Lage zu re­flektieren und logische Schlüsse zu ziehen (vgl. Oerter, 1992, S.91f.).

Oft werden die Möglichkeiten der Kinder und Jugendlichen von den Erwachsenen unterschätzt, indem ihre Kompetenzen und Fähigkeiten außer Acht gelassen wer­den (vgl. Schröder, 1995, S.21). Ihre Ausdrucksmöglichkeiten unterscheiden sich trotzdem stark von denen der Erwachsenen. Es wird deutlich, dass es nicht um die Frage ob Kinder und Jugendliche beteiligt werden geht, sondern wie die Beteili­gungsformen für Kinder und Jugendliche aussehen müssen, damit sie eine realisti­sche Möglichkeit haben zu partizipieren. Die Beteiligungsmethoden sollten stets dem Alters- und Entwicklungsstand der Kinder und Jugendlichen angepasst werden (ebd., S.25).

2.2.2 Stufen der Kinder- und Jugendpartizipation nach Hart

Für die meisten Stufenmodelle, die sich mit der Partizipation von Kindern- und Jugendlichen beschäftigen, gilt die „Ladder of children’s participation“ von Roger Hart (1992) als Grundlage. Häufig geht ein Beteiligungsinteresse nicht von den Kindern und Jugendlichen selbst aus, sondern wird von den Erwachsenen initiiert und hat eher eine manipulative Funktion zu Gunsten des Interesses der Erwachse­nen. Demnach dient dieses Modell als Grundlage um die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in Projekten einzuordnen und von den Erwachsenen abgrenzen zu können. Hart betont, dass Partizipation auch häufig eine Täuschung seitens der Erwachsenen sein kann (vgl. Hart, 1992, S.9f.).

Sein Modell, als Leiter dargestellt, umfasst insgesamt acht Stufen, die aufeinander aufbauend fungieren. Die untersten drei Stufe des Modells werden von Hart als „Non-Participation“ bezeichnet. Inkludiert sind die beiden Stufen „Manipula­tion“ und „Decoration“, bei denen es in erster Linie darum geht, dass die Kinder und Jugendlichen involviert werden, um die Interessen der Erwachsenen zu vertre­ten. Hierbei ist es wichtig zu erwähnen, dass sich die Kinder und Jugendlichen we­der selbst vertiefend mit dem Gegenstand auseinandergesetzt haben, noch aus eige­nem Antrieb die Initiative zur Beteiligung ergriffen haben. Ebenfalls als manipula­tiv gilt nach Hart ein, den Kindern und Jugendlichen nicht transparenter Analy­seprozess. Detaillierter betrachtet bedeutet dies, dass die Kinder und Jugendlichen in einem Verfahren zwar nach ihren Ideen und Vorstellungen befragt werden, die Umsetzung ihrer Ideen aber nicht mit ihnen geteilt wird. Unterschieden werden die beiden Stufen „Manipulation“ und „Decoration“ in dem Punkt, dass auf der Stufe der „Manipulation“ Erwachsene bewusst vortäuschen, dass das jeweilige Anliegen vom Kind/ Jugendlichen selbst angeregt wurde, auf der Stufe der „Decoration“ ist dies nicht der Fall. Die Kinder und Jugendlichen werden hierbei von den Erwach­senen bewusst genutzt, um sie indirekt zu unterstützen (ebd., S.8ff).

Ebenfalls zur „Non Participation“ zählt die Stufe „Tokenism“. Hier wird den Kin­dern und Jugendlichen scheinbar eine Stimme gegeben, im Endeffekt haben sie aber keine oder nur eine sehr geringe Wahl bezüglich des Themas oder des Kommuni­kationsstils. Zudem haben sie keine oder nur wenig Gelegenheit ihre eigene Mei­nung zu formulieren (ebd.).

Die Stufen vier bis acht werden von Hart dem Bereich „Degrees of Participa- tion“ zugeordnet und sind nach dem Grad der, von den Kindern und Jugendlichen übernommenen Eigeninitiative angeordnet. Entspricht ein Projekt mindestens einer der unteren Stufen, erfüllt es das Mindestmaß an Anforderungen um als partizipa­torisch zu gelten. Nach Hart gibt es einige relevante Anforderungen an ein Projekt, damit dieses als partizipatorisch bezeichnet werden kann. Die Kinder und Jugend­lichen verstehen die Absichten des Projektes und wissen, wer die Entscheidungen über ihre Partizipation getroffen hat und warum sie miteinbezogen werden. Sie müssen eine sinnvolle, nicht nur eine repräsentative Rolle haben und ihre Beteili­gung läuft auf freiwilliger Basis, nachdem ihnen das Projekt vorgestellt wurde. Auf Stufe vier, „Assignet but informed“, wird den Kindern und Jugendlichen ihre Rolle fest vorgegeben, sie sind allerdings über die Ziele eines Beteiligungsverfahrens gut informiert und können aufgrund dessen entscheiden, inwiefern sie partizipieren möchten (ebd., S.11). Die Stufen fünf („Consulted and Informed“) und sechs („Adult-initiated, shared decisions with children“) unterscheiden sich in dem Punkt, dass auf der fünften Stufe die Kinder und Jugendlichen konsultiert werden bevor eine Entscheidung von Erwachsenen getroffen wird, wohingegen auf der sechsten Stufe die Entscheidung tatsächlich gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen getroffen wird (ebd., S.12).

Auf den beiden höchsten Stufen sieben („Child-initiated and directed“) und acht („Child-initiated shared decisions with adults“) geht es primär darum, dass die Kin­der und Jugendlichen ihre Beteiligung selbst initiieren- auf Stufe sieben leiten sie das gesamte Verfahren selbst, auf Stufe acht beziehen sie die Erwachsenen von sich aus in die Entscheidungen ein. Stufe acht stellt mit dem Einbezug der Erwachsenen die höchste Stufe der Partizipationsleiter dar, was damit begründet ist, dass jener Einbezug von besonders hohen Kompetenzen der Kinder und Jugendlichen zeugt. Dies liegt besonders daran, dass sie als vollwertige Mitglieder der Gesellschaft das Bedürfnis einer Kooperation mit Erwachsenen nicht dementieren müssen. Hierzu sollte erwähnt werden, dass es im Regelfall Kinder im oberen Jugendalter sind, die Erwachsene in ihre eigens konzipierten Projekte miteinbeziehen (ebd., S.14). Des­weiteren wird betont, dass sich die wenigsten Projekte, in denen Kinder und Ju­gendliche partizipieren auf den obersten beiden Stufen abspielen, vielmehr auf den weiter unterliegenden Stufen.

Ein Handeln gemäß der „Non-Participation“ Stufen seines Modells sieht Hart als kaum geeignet, um Kinder und Jugendliche in demokratisch, politische Prozesse einzuführen und empfiehlt ein Handeln gemäß den oberen Stufen vier bis acht (ebd., S.9).

Es lässt sich festhalten, dass funktionierende Beteiligungsformen in erster Linie dadurch gekennzeichnet sind, dass Kinder und Jugendliche freiwillig, gemeinsam mit den Erwachsenen an einem gemeinsam festgelegten, transparenten Ziel mit überschaubaren Prozessen arbeiten (vgl. Schröder, 1995, S.17).

2.2.3 Rechtliche Grundlage zur Partizipation von Kindern und Jugendlichen

Geht es um die rechtlichen Regelungen in Bezug auf Kinder- und Jugendbeteili­gung, muss sich zunächst der internationalen Ebene gewidmet werden. Hierbei ist die UN- Konvention über die Rechte des Kindes aus dem Jahr 1989 am aussagekräftigsten. Hier lautet Artikel zwölf zur Berücksichtigung der Meinung des Kindes wie folgt:

„(1) Die Vertragsstaaten sichern dem Kind, das fähig ist, sich eine eigene Mei­nung zu bilden, das Recht zu, diese Meinung in allen das Kind berührenden An­gelegenheiten frei zu äußern, und berücksichtigen die Meinung des Kindes an­gemessen und entsprechend seinem Alter und seiner Reife. (2) Zu diesem Zweck wird dem Kind insbesondere Gelegenheit gegeben, in allen das Kind berühren­den Gerichts- oder Verwaltungsfragen entweder unmittelbar oder durch einen Vertreter oder eine geeignete Stelle im Einklang mit den innerstaatlichen Ver­fahrensvorschriften gehört zu werden.“ (vgl. UN Kinderrechtskonvention: Arti­kel 12: Berücksichtigung der Meinung des Kindes, 1989)

Die Staaten, die die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet haben, sichern dem Kind zu, dass dessen frei geäußerte Meinung, seinem Alter und seiner Reife ent­sprechend berücksichtigt wird. Hier bedeutet Berücksichtigen nicht zwingend, dass der Meinung des Kindes gefolgt wird, es geht vielmehr darum, das geäußerte Inte­resse des Kindes im Entscheidungsprozess stringent abzuwägen (vgl. Richter, 2007, S.90ff.).

Neben der UN- Kinderrechtskonvention beschäftigt sich auch die Agenda 21, aus dem Jahr 1992, ein entwicklungs- und umweltpolitisches Aktionsprogramm, unter anderem mit der Beteiligung junger Menschen. Hierzu enthält Kapitel 25.2 unter dem Stichpunkt „Handlungsgrundlage“ folgendes:

„Es ist zwingend erforderlich, dass Jugendliche aus allen Teilen der Welt auf allen für sie relevanten Ebenen aktiv an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden, weil dies ihr heutiges Leben beeinflusst und Auswirkungen auf ihre Zu­kunft hat. Zusätzlich zu ihrem intellektuellen Beitrag und ihrer Fähigkeit, unter­stützende Kräfte zu mobilisieren, bringen sie einzigartige Aussichten ein, die in Betracht gezogen werden müssen.“ (vgl. Agenda 21: Kapitel 25: Kinder und Ju­gendliche und nachhaltige Entwicklung, 1992)

Die in der UN-Kinderrechtskonvention, sowie in der Agenda 21 formulierten Rechte sind nicht individuell einklagbar, vielmehr beziehen sie sich auf die Bera­tung und die Anhörung von Kindern und Jugendlichen. Bei der Agenda 21, handelt es sich, im Gegensatz zu der UN-Kinderrechtskonvention nicht um einen unter­zeichneten Vertrag, sondern vielmehr um eine Ansammlung von Normen, was aber keinesfalls mit Einbußen der Aussagekraft einhergeht (vgl. Richter, 2007, S.90-91). Auf nationaler Ebene steht vordergründig das Achte Sozialgesetzbuch (SGB VIII), des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG). Hier wird in mehreren Paragraphen die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen ausdrücklich vorgesehen. So heißt es zum Beispiel in Paragraph acht, dass die Kinder und Jugendlichen entsprechend ihrem Entwicklungsstand, an allen sie betreffenden Entscheidungen der örtlichen Jugendhilfe zu beteiligen sind (vgl. Sozialgesetzbuch SGB VIII, achtes Buch: Kin­der- und Jugendhilfe).

Auch auf Länderebene gibt es Gesetze und Regelungen, die die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen definieren. Hierzu zählt in Nordrhein-Westfalen zu­nächst das dritte Gesetz zur Ausführung des Kinder- und Jugendhilfegesetzes; Ge­setz zur Förderung der Jugendarbeit, der Jugendsozialarbeit und des erzieheri­schen Kinder- und Jugendschutzes; Kinder und Jugendförderungsgesetz, aus dem Jahr 2004. Hier definiert Paragraph Sechs die Beteiligung von Kindern und Jugend­lichen. Dieser besagt, dass die Träger der öffentlichen Jugendhilfe dafür sorgen müssen, dass Kinder und Jugendliche entsprechend ihres Entwicklungsstandes, in den sie betreffenden Entscheidungen, möglichst umfassend unterrichtet werden sol­len. Hierzu müssen stets geeignete Ansprechpartner zur Verfügung stehen. Kinder und Jugendliche sollen laut Paragraph Sechs zudem an den, ihre Interessen berüh­renden Planungen, Entscheidungen und Maßnahmen, besonders bei der Wohnum­feld- und Verkehrsplanung, der bedarfsgerechten Anlage und Unterhaltung von Spielflächen und der baulichen Ausgestaltung öffentlicher Einrichtungen in ange­messenem Maße beteiligt werden (vgl. SGV.NRW., Stand 2019).

In Köln ist, laut der Zuständigkeitsordnung vom 20.03.2018, der Jugendhilfeaus­schuss, ein Ausschuss für Kinder, Jugend und Familie, für Entscheidungen, die das Leben der Kinder und Jugendlichen in Köln betreffen, zuständig. Auf Basis dieser Arbeit sind primär die Themenbereiche: „Baumaßnahmen an und Gestaltung von städtischen Kinder- und Jugendeinrichtungen [...]“, sowie „Jugendhilfeplanung gem. Paragraph 80 SGB VIII“ und „Programm Angebote zur Beteiligung von Kin­dern und Jugendlichen am öffentlichen Leben, von Bedeutung (vgl. Zuständigkeits­ordnung der Stadt Köln, 2018).

2.2.4 Grundformen der Kinder- und Jugendpartizipation in der Stadt

Kinder- und Jugendpartizipation in Kommunal- und Stadtplanung ist eine Thematik, die in der Vergangenheit enorm an Bedeutung gewonnen hat. Zunächst muss ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, dass der Grundstein für eine gelingende Kin­der- und Jugendpartizipation ein erweitertes Verständnis von Kinderpolitik sein muss. Um Kinderpolitik richtig umsetzen zu können, bietet sich besonders der Be­reich der Stadtplanung an, da die Stadt das alltägliche Lebensumfeld von Kindern- und Jugendlichen, angefangen von Verkehrswegen, bis hin zu Spiel- und Freizeit­möglichkeiten, gestaltet (vgl. Bruner/Winkelhofer/Zinser, 2001).

Um Kinder und Jugendliche an der Stadtplanung zu beteiligen, unterscheidet man zunächst in zwei Grundformen. Anwaltschaftliche Formen der Kinder- und Jugend­partizipation stellen eine eher passive Beteiligungsform dar. Hier erfolgt die Ver­tretung der Kinder- und Jugendinteressen in kinderpolitischen Modellen, bei denen Erwachsene anwaltschaftlich für die Kinder und Jugendlichen tätig werden. Dies kann zum Beispiel durch Kinderbeauftragte/r einer Kommune, durch Kinderan­wälte oder in Kinderkommissionen verwirklicht werden (vgl. Ohl, 2009, S. 59).

Neben den anwaltschaftlichen Formen gibt es zudem die Formen unmittelbarer Be­teiligung, bei denen den Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit geboten wird, sich selber aktiv einzubringen. Diese Grundformen können weiterhin in repräsen­tative Formen, offene Formen und projektorientierte Formen unterschieden werden (vgl. Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend 2002, S.192). Unter repräsentativen Formen werden Maßnahmen und Gremien verstanden, die aus der Gemeindepolitik allgemein bekannt und auch den Kindern und Jugendli­chen geläufig sind. In der Regel wird hier von einem Kinder- und Jugendparlament gesprochen. Aufgabe der teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, die entweder delegiert oder direkt gewählt werden, ist die repräsentative Vertretung der Interes­sen ihrer Altersgruppe als Stellvertreter. Diese Kinder- und Jugendparlamente ta­gen regelmäßig und sind zudem in die Beratungs- und Entscheidungsstrukturen ih­rer Kommune integriert. Grundsätzlich haben sie ein Rede- und Vorschlagsrecht im Rat oder in den Ausschüssen der Gemeinde (vgl. Knauer/Sturzenhecker, 2005, S.33).

Die Leitziele eines Kinder- und Jugendparlaments sind in den verschiedenen Kom­munen ähnlich. Laut der Infostelle des Deutschen Kinderhilfswerkes, sollen sie zu­nächst zu einer Verbesserung der Situation von Kindern und Jugendlichen in den Bereichen Schule, Freizeit und Beruf beitragen. Das Parlament soll zudem das Sprachrohr für Kinder und Jugendliche sein, um in erster Linie die Öffentlichkeit und danach die Politik über ihre Bedürfnisse zu informieren. Zudem soll es neben einer beratenden, auch eine informierende Funktion einnehmen, besonders wenn es in kommunalen, städtischen oder anderen Gremien um Kinder und Jugendliche geht.

Es soll ein altersgerechtes Mitwirken in der Erwachsenenpolitik erreicht werden. Um diese Ernsthaftigkeit zu unterstreichen, tagen die Kinder- und Jugendparla­mente nach Möglichkeit im Ratssaal der Stadt oder im Sitzungssaal der Gemeinde­vertretung. Inzwischen sind Kinder- und Jugendparlamente sowohl regional, bun­desweit als auch auf internationaler Ebene vernetzt (vgl. Infostelle der Deutschen Kinderhilfswerk, Kinder- und Jugendparlamente).

Bei den offenen Beteiligungsformen geht es vordergründig darum, dass Kinder und Jugendliche ohne Mandat ihre Interessen einbringen können. Dies kann in Form von Kinder- und Jugendversammlungen, Kinder- und Jugendsprechstunden, aber auch durch sogenannte ‘Meckerkästen‘ umgesetzt werden (Knauer, 2001, S.157). In der Praxis sind repräsentative und offene Beteiligungsformen häufig schwer von­einander abzugrenzen (vgl. Bruner/Winklhofer/Zinser, 2001, S.53).

Bei Projektorientierten Beteiligungsverfahren sollen Kinder und Jugendliche zu be­stimmten Themen Ideen entwickeln und mitgestalten, besonders in Beteiligungs­projekten zur Spielraumplanung, Außenflächengestaltung oder Wohnraumgestal­tung (vgl. Knauer, 2001, S.157).

Das breiteste Spektrum an interessierten Kindern und Jugendlichen wird im Regel­fall durch die Arbeit in Projekten angesprochen. Repräsentative Arbeitsformen sind häufig für jüngere Kinder, oder auch für Kinder und Jugendliche mit Migrations­hintergrund wenig interessant (vgl. Bruner/Winklhofer/Zinser, 2001, S.53) Weiterhin lassen sich, ausgehend von einer Untersuchung, die vom Ministerium für Justiz, Frauen, Jugend und Familie des Landes Schleswig-Holstein in Auftrag ge­geben und durchgeführt wurde, verschiedene Beteiligungsprojekte nach der Pro­jektinitiative unterscheiden. Top-down-Projekte sind die Gruppe von Projekten, die zunächst von der Politik oder der Verwaltung initiiert werden. Hierbei mussten Kin­der und Jugendliche gesucht und andere Partner überzeugt werden. Bottom-up-Pro- jekte werden von Kindern und Jugendlichen selbst initiiert. Hierbei gab es in der Regel schon klare Vorstellungen von Wünschen, deren Realisierung bei den Er- wachsenen/ Politikern eingefordert werden müssen. Bei den sogenannten Projekten aus der Mitte initiieren jugendnahe Erwachsene, im Regelfall aus der haupt- und ehrenamtlichen Jugendarbeit, die Projekte. Hierbei müssen sowohl Kinder und Ju­gendliche, als auch die Politik von dem Projekt überzeugt werden (vgl. Knauer, 2001, S. 158).

Die verschiedenen Beteiligungsformen können sich auf unterschiedliche Art und Weise dazu eignen, Kinder und Jugendliche in Stadtplanungsprozesse miteinzube­ziehen. Es scheint, als benötige man Mischungen aus allen Beteiligungsverfahren um eine feste Etablierung der Kinder- und Jugendpartizipation schaffen zu können (ebd., S.157).

Von besonderer Bedeutung für Kinder und Jugendliche ist der Inhalt des Beteili­gungsangebotes. Der am häufigsten genannte Grund für eine Beteiligung in der Kommune ist das Interesse am Thema, sowie der Wunsch etwas zu verändern (vgl. Fatke/Schneider, 2005, S.25).

2.2.5 Durchführung von Kinder-und Jugendpartizipation in Deutschland

Die im vorangegangenen Kapitel dargestellten Beteiligungsformen, werden unter­schiedlich häufig in Stadtplanungsarbeit mit Kindern und Jugendlichen angewendet. So haben Studien des Deutschen Jugendinstitutes (DJI) in Bezug auf die Beteili­gung von Kindern und Jugendlichen in der Kommune, in die auf Basis quantitativer Datenerhebung 400 Kommunen bundesweit einbezogen wurden ergeben, dass etwa ein Fünftel der befragten Kommunen (gemeint sind hier Gemeinden, die mindes­tens ein Angebot zur Beteiligung unterbreiten), repräsentative Gremien eingeführt haben. Ungefähr ein Drittel der Kommunen bot offene Beteiligungsformen an. Pro­jektorientierte Formen waren in der Studie des Deutschen Jugendinstitutes am wei­testen verbreitet. Rund 70 Prozent aller beteiligten Kommunen greifen auf eine sol­che Form der Kinder- und Jugendbeteiligung zurück (vgl. Bruner/Winklhofer/Zin- ser, 2001).

Auf Basis einer empirischen Studie der Bertelsmann Stiftung, die von Fatke und Schneider im Zuge der Initiative „mitWirkung“ im Jahr 2005 durchgeführt wurde, fällt auf, dass die Beteiligung in den Kommunen in Deutschland, im Vergleich zu anderen sozialen Bereichen, wie die Schule oder die Familie, recht schwach ausge­prägt ist. Lediglich 13,6 Prozent der Kinder und Jugendlichen wirken oft bis immer bei den angebotenen Aktivitäten mit. Rund 60,1 Prozent der Kinder und Jugendli­chen, die im Rahmen dieser Studie befragt wurden, haben angegeben sich noch nie (26 Prozent) oder selten (34,1 Prozent) in irgendeiner Form in der Stadt/ Kommune beteiligt zu haben. In Bezug auf die Art der Beteiligung wurde die Abstimmung zu einem Thema (39,6 Prozent) sowie die Teilnahme an einer genehmigten Demonst­ration (26,6 Prozent) am häufigsten genannt. Am wenigsten beteiligen sich die be­fragten Kinder und Jugendlichen direkt in der Politik. Lediglich drei Prozent der

Kinder und Jugendlichen gaben an, schon einmal an einer Stadtteilkonferenz mit­gewirkt zu haben. Weiterhin bloß vier Prozent der Kinder und Jugendlichen waren bereits in einem Jugendparlament/ Jugendrat aktiv. Das Beteiligungsinteresse scheint in Zusammenhang mit den vor Ort gegeben Beteiligungsangeboten zu ste­hen. Allgemein werden von den Kommunen häufiger vereinzelte, punktuelle An­gebote, primär projektorientierte Formen bereitgestellt, als permanente, institutio­nell verankerte Angebote. In Form von permanenten Angeboten werden zumeist Beteiligungsformen angeboten, in denen Erwachsene stellvertretend für Kinder und Jugendliche deren Interessen wahrnehmen (in 36 Prozent der Kommunen: Kinder- und Jugendbüros oder Kinder- und Jugendbeauftragte). In lediglich sieben Prozent der befragten Kommunen existieren Kinder- und Jugendkommissionen, Kinder- und Jugendanwälte gibt es in zwei Prozent der Kommunen (vgl. Fatke/ Schneider, 2005, S.23f.). Repräsentative Beteiligungsformen, hier in Form von Kinder- und Jugendräten (31 Prozent) Schülerparlamente (29 Prozent) und Kinder- und Jugend­parlamente (24 Prozent) gab es in den befragten Kommunen eher selten (vgl. Fatke/Schneider, 2005, S.24f.)

2.3 Kinder- und Jugendfreundliches Köln

Nach eingehender Recherche hat sich herausgestellt, dass die Stadt Köln zahlreiche pressewirksame Maßnahmen veröffentlicht hat, um Kinder und Jugendliche inten­siver zu fördern. Eine Maßnahme wird im Folgenden genauer erläutert, um sie im weiteren Verlauf mit den Erkenntnissen aus den Experteninterviews vergleichen zu können.

2.3.1 Stadt mit Zukunft: Gestalten mit Kindern und Jugendlichen

Die Stadt Köln bezieht seit vielen Jahren Kinder und Jugendliche in Angelegenhei­ten der Stadtplanung ein und schuf im Jahr 1990 als erste Stadt in Deutschland ein Amt für Kinderinteressen. Besonders in der Spielraumplanung haben Kinder und Jugendliche in Köln die Möglichkeit ihre Ideen und Vorstellungen kundzutun (vgl. Amt für Kinder, Jugend und Familie, 2009, S.8). Basierend darauf wurde im Jahr 2009 das Projekt „Stadt mit Zukunft- Gestalten mit Kindern und Jugendlichen“ ge­meinsam vom Stadtplanungsamt und dem Amt für Kinderinteressen ins Leben ge­rufen. Das Projekt folgt dem Ziel, die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung nachhaltig zu verankern.

Eingebunden ist das Projekt als Modellvorhaben in das Forschungsfeld “Jugendli­che im Stadtquartier“ des Bundesministeriums für Verkehr-, Bau-, und Stadtent­wicklung und des Bundesinstitutes für Bau-, Stadt-, und Raumforschung in dem erforscht wird, wie Jugendliche in die Stadtentwicklung einbezogen werden können. Ergänzend dazu wird das Projekt von der Initiative “Für ein kindergerechtes Deutschland“ vom Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend begleitet und gefördert (ebd., S.9).

2.3.2 Methoden des Projektes

Um die Kinder und Jugendlichen optimal einzubeziehen, wird sich im Rahmen die­ses Projektes einer Fülle von Methoden bedient. Insgesamt wurden acht Beteili­gungsworkshops, in acht Kölner Bezirken durchgeführt. In verschiedenen Work­shops hatten Kinder und Jugendliche die Möglichkeit eigene Bedürfnisse und For­derung an ihre direkte Lebenswelt im Stadtquartier zu formulieren. Hieraus sind im folgenden konkrete Konsequenzen für Qualitätskriterien abgeleitet worden (vgl. Amt für Kinder, Jugend und Familie, 2009, S.10). Genutzt wurden dafür besonders die Methoden: Planungswerkstatt, Streifzüge, Erkunden, Wahrnehmen und Entwi­ckeln von Gestaltungsideen. Eine Planungswerkstatt trägt das Ziel, durch eine Mo­deration das konkrete Lebens- und Spielumfeld von Kindern und Jugendlichen, so­wie die Entwicklung von Ideen und Zukunftsvisionen für die Stadtentwicklung zu bewerten. Dies geschieht in erster Linie durch die Erstellung von Stadtteilporträts, der Sammlung von Ideen und Visionen, sowie der kreativen Darstellung von Ideen mit anschließender Präsentation der Ergebnisse vor einem erwachsenen Publikum. Ein offener, kreativer Planungsprozess, sowie ein stufenweise strukturiertes Vor­gehen ist hierbei kennzeichnend (ebd.). Streifzüge stellen eine Methode zur Erfor­schung von Spiel- und Aufenthaltsräumen von Kindern und Jugendlichen dar. Ziel ist es, den Erwachsenen ihre Lebenswelt aus eigener Sicht zu zeigen. Die Kinder und Jugendliche bestimmen hierbei völlig eigenständig die Routen, Ziele, und Dauer der Streifzüge (ebd., S.10). Folglich wird sich fortlaufend an unterschiedli­chen Erkundungs- und Wahrnehmungsübungen bedient. Hierbei sollen Kinder und Jugendliche angeregt werden, ihre Umwelt mit allen Sinnen wahrzunehmen. Sie sollen lernen Zusammenhänge zu verstehen und sich darauf aufbauend, eine eigene Meinung zu bilden. Ziel ist es, die auf Basis dieser Übungen von den Kindern und Jugendlichen erkannte Problematiken in ihrer Umgebung benennen zu können, um sie dann in eine darstellerische Form, zum Beispiel Modelle oder Collagen übertragen zu können. Bei einer abschließenden Präsentation sollen die Kinder und Jugendlichen lernen, ihre eigenen Ideen generationsübergreifend zu vertreten und sie nach außen plausibel darzustellen (ebd., S.11f.).

2.3.3 Kriterien für eine Kinder- und Jugendgerechte Stadtplanung

Aufbauend auf einem Planungsworkshop wurde ein Katalog an Qualitätskriterien für eine Kinder- und Jugendgerechte Stadtplanung in Köln entwickelt (ebd., S.13). Es soll zunächst konkrete Regelungen geben, die von der Stadtverwaltung gekannt und angewandt werden müssen. Eine kontinuierliche und strategische Öffentlich­keitsarbeit ist von großer Bedeutung, um kinder- und jugendgerechte Stadtplanung nachhaltig verankern zu können. Daneben bedarf es gewissen Standards, die eine effektive und zielführende Beteiligung ermöglichen. Die zeitnahe Umsetzung der Beteiligungsergebnisse darf hierbei nicht aus den Augen verloren werden. Eine ganzheitliche Beteiligung setzt außerdem die Möglichkeit voraus, dass sich jedes Kind, jede-/r Jugendliche-/r gleichermaßen daran beteiligen kann. Dafür müssen Zugänge geschaffen werden, die für alle gleichsam greifbar sind. Eine wichtige Rolle spielt hierbei das Internet, welches in der Regel problemlos für jedermann zugänglich ist. Außerdem können besonders Sport- und Kulturangebote von Nut­zen sein (ebd.). Des Weiteren sollten methodische Standards für die Beteiligungs­umsetzung entwickelt werden. Dies soll in erster Linie dazu dienen entsprechende Qualifikationsangebote für Akteure bereit zu halten, da eine qualitative Befragung unmittelbar die Sensibilisierung und Befähigung der Akteure voraus setzt. Es ist von großer Bedeutung, die zumeist unterschiedlich gestalteten Freiräume als ge- samtheitliches System anzusehen. Dies trägt zu einer hohen Qualität in kinder- und jugendgerechten Stadtteilen bei. Ein wesentlicher Aspekt, weshalb die Beteiligung, sowie die Umsetzung der Kinder- und Jugendinteressen gesamtstädtisch verankert und nicht lediglich auf einzelne Orte beschränkt werden sollte (ebd., S.20). Ein weiteres Qualitätskriterium stellt die Erkenntnis dar, dass schon geplante Spiel­räume nicht ausreichen um Kindern und Jugendlichen gerecht zu werden. Vielmehr bedarf es an neuen Flächentypologien und Angebotsformen. Diese sollen Kindern und Jugendlichen neue Erfahrungen und Möglichkeiten im städtischen Umfeld bie­ten (ebd.). Es müssen in Bezug auf die Gestaltung von Spiel- und Freiräumen, in denen Kinder und Jugendliche beteiligt werden, gewisse Qualitäten entwickelt wer­den, um die Ergebnisse im späteren Verlauf gut verwenden zu können (ebd.). In Bezug auf die Bedürfnisse von Kindern und Jugendlichen in der Stadt hat sich herauskristallisiert, dass besonders eine Verbesserung der Wohnraumsituation in der Stadt und der Mobilität maßgeblich sind. Hinsichtlich der Mobilität spielen be­sonders eine Vernetzung von Wegen und Grünzügen, sowie eine attraktive, bewe­gungsfördernde Gestaltung von Wegen eine wesentliche Rolle.

3 Experteninterviews

Im nachfolgenden Kapitel soll das Forschungsdesign, also die Methodik zur Daten­erhebung und Datenauswertung bezüglich der Forschungsfrage beschrieben wer­den. Zudem werden die Ergebnisse aus den Experteninterviews dargestellt, um sie im darauffolgenden Kapitel beschreiben und bewerten zu können.

3.1 Forschungsdesign

Als Erhebungsmethode werden alle Interviews als nichtstandardisierte Einzelinter­views aus dem Bereich der qualitativen Sozialforschung durchgeführt.

In der vorliegenden Arbeit wurde eine Unterform des nichtstandardisierten Inter­views, das leitfadengestützte Interview, gewählt. Hierbei wird mit einem vorgege­benen Thema und dem sogenannten Interviewleitfaden gearbeitet. Dieser enthält Fragen, die im Verlauf des Interviews beantwortet werden sollen. Hierbei sind we­der die Frageformulierung, noch die Reihenfolge der Fragen verbindlich. Es ist au­ßerdem möglich, zu einer Antwort affektiv Nachfragen zu stellen. Dem Inter­viewpartner wird freigestellt, wie er die Fragen beantwortet. So kann er seine Ant­wort frei formulieren und hat keine vorgegebenen Antwortmöglichkeiten. Dadurch entsteht ein natürlicherer Gesprächsverlauf, als bei einem standardisierten Inter­view mit fest vorgegebenen Fragen und Antwortmöglichkeiten. Der Leitfaden dient in diesem Fall lediglich als Gedächtnisstütze. Er soll helfen, möglichst alle Aspekte der Untersuchung anzusprechen (vgl. Gläser/Laudel, 2010, S.41f.).

Als spezielle Anwendungsform eines Leitfadeninterviews steht das Experteninter­view. Es setzt sich weniger mit der Person als solches auseinander, sondern viel­mehr mit seinem Wissen für ein bestimmtes Handlungsfeld (vgl. Flick, 2014, S.214). Der Begriff Experte/-in beschreibt im Zusammenhang mit einem Experten­interview „die spezifische Rolle des Interviewpartners als Quelle von Spezialwis­sen über die zu erforschenden sozialen Sachverhalte“ (vgl. Gläser/Laudel, 2010, S.12). Demzufolge werden Menschen befragt, die aufgrund ihrer Beteiligung an bestimmten Sachverhalten, Expertenwissen über diese erworben haben. Somit kann jeder Mensch Experte/-in werden, dessen spezifisches Wissen für die individuelle Untersuchung relevant ist (ebd.).

Es empfiehlt sich, Experteninterviews als Einzelinterviews zu führen, um sich auf die jeweilige Person konzentrieren zu können. Es muss gesichert sein, dass wirklich das personenindividuelle, relevante Wissen für die Untersuchung erschlossen wird (ebd., S.43).

3.1.1 Fragestellung

Anhand der in der vorliegenden Arbeit durchgeführten Experteninterviews wird untersucht, inwiefern eine Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadt­planung der Stadt Köln stattfindet. Es geht neben einem kurzen Exkurs zur allge­meinen Bürgerpartizipation, vorrangig darum, welcher Methoden sich die Stadt Köln bedient, um Kinder und Jugendliche an der Stadtplanung teilhaben zu lassen. Es wird besonders auf die Probleme, Schwierigkeiten, aber auch auf die Chancen und die daraus resultierende Praxisumsetzung eingegangen. Ziel ist es herauszufin­den, inwiefern eine Kinder- und Jugendpartizipation in Köln gelingt. Die Ergeb­nisse aus den Experteninterviews werden daraufhin mit der Literatur verglichen, um schließlich zu Handlungsempfehlungen zusammengefasst werden.

3.1.2 Auswahl der Interviewpartner

Für die Auswahl der Interviewpartner/-innen ist es notwendig, sich vorher Gedan­ken darüber zu machen, welche Personen über die nötigen Informationen verfügen könnte, um die Forschungsfrage zu beantworten. Dabei wird empfohlen, die benö­tigten Informationen von mehreren Interviewpartnern einzuholen, um den Fokus zu öffnen und sich nicht auf das Wissen einer einzelnen Person zu beschränken. Dem­nach sollten vor der Auswahl der Interviewpartner die Fragen gestellt werden: Wer verfügt über die relevanten Informationen? Wer ist am ehesten bereit, Informatio­nen zu geben? Wer von den Informanten/-innen ist verfügbar? (vgl. Gläser/Laudel, S.117).

Anhand der dargestellten Zielsetzung wurde in der vorliegenden Arbeit entschieden, sich an Menschen zu wenden, die direkt oder indirekt mit der Stadtplanung der Stadt Köln zu tun haben. Hierbei wurde neben dem Stadtplanungsamt der Stadt Köln und dem Amt für Kinder- und Jugendinteressen auch eine freiberufliche Stadtplanerin interviewt.

Darüber hinaus gehörten zu den weiteren Kriterien der Interviewpartnerauswahl die zeitliche Verfügbarkeit der Experten/-innen im Untersuchungszeitraum, die räumliche Nähe, sowie die Bereitschaft der Experten/-in zur Mitarbeit an diesem Forschungsvorhaben.

Nach intensiver Recherche haben sich insgesamt vier Interviewpartner/-innen ge­funden, die bereit waren, über die Kinder- und Jugendpartizipation in Köln zu be­richten. Es war besonders aus zeitlichem Mangel der übrigen Experten/-innen, aber auch aufgrund mangelndem Partizipationsinteresse an dieser Arbeit seitens der kontaktierten Experten/-innen, eher schwierig passende Interviewpartner/-innen zu finden.

3.1.3 Darstellung des Interviewleitfadens

Der Leitfaden dient im Experteninterview als Erhebungsinstrument. Hierbei stellt dieser das Gerüst dar und lässt dem Interviewer weitestgehend die Entscheidungs­freiheit, welche Fragen in welcher Reihenfolge gestellt werden. Der Leitfaden soll dem Interviewer als Gedächtnisstütze dienen, damit keine relevanten Fragen ver­gessen werden. Zudem stellt der Leitfaden sicher, dass alle Interviewpartner nach gleichartigen Informationen gefragt werden, um so eine bessere Vergleichbarkeit zwischen den einzelnen Interviews herstellen zu können (vgl. Gläser/Laudel, 2010, S.142f.).

Für die vorliegende Untersuchung wurde der Interviewleitfaden mit Hilfe von Fachliteratur selbstständig erarbeitet und im Laufe der Vorbereitungszeit modifi­ziert. Der erste Teil des Leitfadens befasst sich mit den Formalitäten des Interviews, sowie dem Lebenslauf des Interviewpartners. Danach gliedert er sich in zwei große Themenschwerpunkte. Zum einen geht es um die allgemeine Bürgerpartizipation, besonders um die Erfahrung, die der Interviewpartner mit allgemeiner Bügerparti- zipation schon gemacht hat. Es geht um Schwierigkeiten und Probleme, sowie um die Praxisumsetzung, wobei es wünschenswert wäre, wenn der Interviewpartner hierbei schon ein konkretes Projektbeispiel in Köln benennt. Der Zweite und ent­scheidende Themenkomplex bezieht sich auf das eigentliche Forschungsziel, der Kinder- und Jugendpartizipation in Köln. Auch hier geht es vorrangig um die Er­fahrungen, die der Interviewpartner mit Kinder- und Jugendpartizipation gemacht hat. Neben Chancen und Problemen dieser, geht es zudem um die Entwicklungs­schritte jener Partizipation im Laufe der Jahre, mit einer kurzen Prognose in die Zukunft. Es wurde bewusst zunächst der Zugang über die allgemeine Bürgerparti­zipation gesucht, da sich in zahlreichen Interviewanfragen gezeigt hat, dass sich viele der Stadtplanungsbüros bei Kinder- und Jugendpartizipation nicht angesprochen fühlen. Durch den Zugang über die allgemeine Bürgerpartizipation konnte so eine bessere Gesprächsbasis geschaffen werden.

3.1.4 Durchführung der Interviews

Die Interviews wurden im Zeitraum von Anfang Dezember 2018 bis Januar 2019 durchgeführt. Jene wurden nach Einverständnis der Experten, mit einem digitalen Aufnahmegerät aufgezeichnet. Bevor mit der ersten Frage des Leitfadens und somit der Tonaufnahme gestartet wurde, ist allen Experten-/innen Basis und Ziel dieser Arbeit erläutert worden.

3.1.5 Datenaufbereitung

Vor dem Verwenden und Analysieren der Rohdaten in Form von Audiodateien, müssen diese zusammengefasst, aufbereitet und geordnet werden. Hierzu werden die Interviews, anhand der, während des Gespräches aufgezeichneten Tonaufnahme, möglichst vollständig transkribiert. Unter einer Transkription versteht man „die graphische Darstellung ausgewählter Verhaltensaspekte von Personen, die an ei­nem Gespräch [...] teilnehmen (vgl. Flick/Kardoff/ Steinke, 2012, S. 438). Eine Transkription bildet die Basis für eine ausführliche Auswertung und Interpretation. Sie dient dazu, einzelne Aussagen übersichtlich zu vergleichen oder im Kontext sehen zu können und ist somit unabdingbar (vgl. Mayring, 2002, S.89). Ziel einer Transkription ist es, sowohl die Äußerungen, als auch die lautliche Gestaltung des Gespräches, wie zum Beispiel die Lautstärke möglichst genau aufzeichnen zu kön­nen. Es kann zudem auch nichtsprachliches Verhalten, wie Lachen, Räuspern oder bestimmte Gesten bei der Transkription dargestellt werden (vgl. Flick/ Kardoff/ Steinke, 2012, S.438). Alternativ zur Transkription stehen neben einem Gedächt­nisprotokoll, auch das wesentliche Zusammenfassen der Aufnahmen. Problema­tisch ist hierbei, dass beides zu einer nicht kontrollierten Reduktion von Informati­onen führt, die in der Auswertung zu erheblichen Verfälschungen führen können. Bei der wörtlichen Transkription können zudem auch nebensächlich erwähnte De­tails, spezielle Formulierungen oder paraverbale Äußerungen wahrgenommen wer­den, welche während des laufenden Kommunikationsprozesses unbeachtet bleiben. Diese können allerdings für die spätere Auswertung von großer Bedeutung sein (vgl. Gläser/ Laudel, 2010, S.193). Es gilt allerdings zu betonen, dass auch bei der wört­lichen Transkription, jede Verschriftlichung gleichzeitig auch eine Reduktion der Primärdaten darstellt. Jede Person, die an der Herstellung der Transkription betei­ligt ist oder diese verwendet, hat eigene Zielsetzungen und Fähigkeiten, die die Transkription beeinflussen können (vgl. Flick/ Kardoff/ Steinke, 2012, S. 440). Der Transkribent/-in darf keine Gespräche bereinigen oder korrigieren, indem er Ver­sprecher weglässt, Abbrüche ergänzt, ungrammatisches berichtigt oder ähnliches vornimmt (vgl. Deppermann, 2008, S.41).

Transkriptionen werden anhand von Transkriptionssystemen bestimmt, die vorge­ben, nach welchen Parametern die Gesprächsverschriftlichung erfolgen muss. Die Transkription der vorliegen Experteninterviews orientierte sich am „Gesprächsana­lytischen Transkriptionssystem“, kurz GAT. Hiernach besteht das Transkript aus drei Spalten. Die erste Spalte enthält eine Zeilennummer, die zweite Spalte das Kür­zel des jeweiligen Sprechers und die dritte die verschriftliche Aussage. In der zei­lenschreibweise werden die Beiträge der Sprecher in ihrer Reihenfolge stets unter- einandergeschrieben. Hierbei beginnt jeder neue Beitrag in einer neuen Zeile. Re­den mehrere Sprecher gleichzeitig, so wird der folgende Gesprächsbeitrag horizon­tal eingeschoben und mit eckigen Klammern gekennzeichnet. Grundsätzlich wird alles in literarischer Schrift geschrieben. Um den mündlichen Charakter der Daten zu betonen, wird durchgehend Kleinschreibung verwendet. Bestimmte Akzente bzw. die Betonung bestimmter Silben eines Wortes werden vorgehoben, indem Großbuchstaben verwendet werden (vgl. Deppermann, 2008, S. 41f.). Um die we­sentlichen Eigenschaften verbaler Interaktion in der Transkription erfassen zu kön­nen, werden bestimmte Notationen für die wichtigsten prosodischen Parameter fest­gelegt (siehe Tab.1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Notationen für prosodische Parameter in Anlehnung an Deppermann (2008) S. 119f., Flick/Kardoff/Steinke (2012), S.440f. und Mayring (2002), S.92

Für die Transkription der vorliegenden Interviews wurden der ‘Small Talk‘ am An­fang und am Ende des Interviews nicht transkribiert, da diese Teile für die Unter­suchung als unerheblich eingestuft wurden.

3.1.6 Auswertungsmethode

Nach der Datenaufbereitung erfolgt die Datenauswertung der relevanten Fragen. In diesem Fall sind dies die Fragen zur Bürgerpartizipation, besonders die zur Kinder- und Jugendpartizipation mit Hilfe der qualitativen Inhaltsanalyse. Die qualitative Inhaltsanalyse hilft dabei, Texte systematisch zu analysieren, indem sie die transkri­bierten Daten schrittweise, anhand eines Kategoriensystems bearbeitet, welches auf Basis der vorhandenen Rohdaten erstellt wird (vgl. Mayring, 2002, S. 131).

Diesen Kategorien werden im Verlauf der Analyse manuell passende Textstellen aus den vorliegenden Interviews zugeordnet. Ziel dieses Verfahrens ist es, die für die Untersuchung relevanten Informationen zu extrahieren und zu strukturieren. Aufbauend zu dieser Technik nach Mayring wurde von Gläser und Laudel ein Ver­fahren entwickelt, welches „während des gesamten Analyseprozesses offen für un­vorhersehbare Informationen ist“ (vgl. Gläser/Laudel, 2010, S.199.) Das bedeutet, dass während der Extraktion des Textes, das Kategoriensystem nochmals verändert werden kann, sollten im Text relevante Informationen auftauchen, die nicht in das zuvor erstellte Kategoriensystem passen (ebd. S. 199ff.). Die Extraktion der Infor­mationen aus den vorliegenden transkribierten Interviews erfolgte softwaregestützt mit dem Programm MAXQDA. Mit diesem Programm lässt sich ein Kategorien­system aufbauen, welches aus Codes und Subcodes besteht. Diesen Codes und Sub­codes werden dann in nachfolgenden Schritten, die passenden Textstellen manuell zugeordnet (vgl. Mayring, 2010, S.113f.). Unterteilt wurde das Codesystem in zwei große Themenbereiche: Erfahrung mit Bürgerbeteiligung und Erfahrung mit Kin­der- und Jugendbeteiligung. Erfahrung mit Bürgerbeteiligung enthält nachfolgend die Subcodes: Methoden der Bürgerbeteiligung, Probleme oder Schwierigkeiten mit Bürgerbeteiligung, Praxisumsetzung sowie Projekte in Köln. Der Code Erfah­rung mit Kinder- und Jugendbeteiligung unterteilt sich in die Subcodes: Bedeut­samkeit von Flächen für Kinder und Jugendliche, Vorteile/ Positive Erfahrung mit Kinder- und Jugendbeteiligung, Schwierigkeiten und Probleme, Medien der Kom- munikation/ Wie erreicht man die Kinder und Jugendlichen mit dem Subcode: Kin­der und Jugendliche aus Bildungsfernen Schichten/Migranten. Außerdem die Un­terschiede zur Beteiligung von Erwachsenen, Partizipationsentwicklung im Laufe der Jahre, sowie Kinder- und Jugendbeteiligung in Köln mit den Subcodes: Metho­den der Kinder- und Jugendbeteiligung in Köln, welcher wiederrum die Subcodes Praxisumsetzung in Köln, sowie Förderprogramme in Köln enthalten.

Nachdem alle relevanten Textstellen den Kategorien zugeordnet worden sind, wurde eine Liste der Codes erstellt und in eine Excel- Tabelle exportiert (siehe dazu Anhang: C).

Danach erfolgte die Aufbereitung der Daten, was nach Gläser und Laudel bedeutet, die Rohdaten zusammenzufassen, Redundanzen zu beseitigen, Widersprüche zu prüfen und die Daten zu sortieren. Das Ergebnis stellt dann eine Grundlage dar, welche die empirischen Informationen zusammenfasst (vgl. Gläser/Laudel, 2010, S.202). Für die Aufbereitung der Daten wurde die Sortierung nach den oben ge­nannten Kategorien beibehalten, verzichtbare Informationen wurden zusammenge­fasst. Die aufbereiteten Daten wurden nachfolgend, geordnet nach Interviews in einer Tabelle dargestellt (Anhang C).

Ziel der Auswertung ist es, die empirische Frage, die zu Anfang der Untersuchung gestellt wurde, zu beantworten. In dieser Arbeit lautet die leitende Forschungsfrage: Inwiefern findet eine Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadtpla­nung Kölns statt? Es soll hierbei besonders um die Methoden der Kinder- und Ju­gendpartizipation in Köln, insbesondere um Erfahrungen unabhängig davon, ob diese positiv oder negativ geprägt sind, sowie um konkrete Projekte mit Partizipa­tionsverfahren gehen. Mit Hilfe der gebildeten Kategorien soll sich ein Stimmungs­bild über die Partizipationslage von Kindern und Jugendlichen in Köln ergeben. Mit Hilfe der aufbereiteten Daten wird interpretiert, wie die momentane Partizipa­tionssituation in Köln aussieht und inwiefern sich daraus eventuelle Verbesserungs­möglichkeiten für die Kinder- und Jugendpartizipation ergeben können. Hierbei wird der Blickwinkel neben der Stadtplanung, auch auf den Bedürfnissen der Kin­der und Jugendlichen liegen.

3.1.7 Methodenkritik

Im Verlauf der Forschung sollte man sich bewusst darüber werden, dass durch das Führen von Experteninterviews lediglich ein kleiner, qualitativer Einblick in den Forschungsgegenstand gegeben werden kann. Sie können keine Repräsentation des gesamten Forschungsfeldes abdecken. Zudem muss bedacht werden, dass in jegli­che verbalisierten Verschriftlichungen stets auch eine subjektive Intention liegt, wonach Zitate je nach Auge des Betrachters anders bewertet werden können (vgl.

Mayring, 2002, S.22). Demzufolge dürfen die gewonnen Forschungsergebnisse aus einem verschriftlichen Experteninterview nicht im Sinne eines unveränderlichen Wirkungszusammenhangs analysiert werden, sondern müssen stets als Reproduk­tion und Konstruktion einer sozialen Wirklichkeit gesehen werden (vgl. Lamnek, 1998, S.25). Fortlaufend ist zu beachten, dass die interviewten Experten/-innen eventuell in Aussage zu ihrer eigenen Tätigkeit eine positiv verzerrte Sicht auf ihre Arbeit haben. Es ist wichtig zu erwähnen, dass sie aufgrund dieser Tatsache keines­falls die Eignung als Experte/-in verlieren, vielmehr ist es die Aufgabe des Transkri­benten dies bei der Auswertung und Analyse der Ergebnisse zu berücksichtigen (vgl. Gläser/ Laudel, 2006, S.10).

Trotzdem scheint diese qualitative Forschungsmethode geeignet zu sein, um sich dem Forschungsgegenstand der vorliegenden Arbeit zu nähern, da der Fokus mit der Stadt Köln hier eher klein gehalten wurde. Dieser kleine Fokus sollte tieferge­hend erforscht werden, wozu sich Experteninterviews gut eignen.

3.2 Darstellung der Ergebnisse

Die Darstellung der Ergebnisse aus den Experteninterviews erfolgt zunächst in Form einer Zusammenfassung.

3.2.1 Interview

Das erste Interview wurde mit der Leiterin des Stadtplanungsamtes der Stadt Köln geführt. Dem Aufgabenfeld des Stadtplanungsamtes untersteht die Planung der Ge­samtstadt inklusive der Planung der Flächennutzung. Basis dieser Planung ist der Rechtsrahmen des Baugesetzbuches, aus welchem dann Verfahren abgeleitet wer­den können, die zur Erstellung eines Flächennutzungsplanes dienen (vgl. Interview Stadtplanungsamt, Z.4). Das Baugesetzbuch ist in den sechziger Jahren eingeführt worden. Dies gleicht sich mit dem Zeitrahmen, in welchem Beteiligungsverfahren durchgeführt werden.

Bürgerbeteiligung wird hier als Aufgabe angesehen die dazugehört, wobei betont wird, dass es keine pauschale Vorgabe gibt, wie Beteiligung aussehen muss. Hierzu gibt es zahlreiche verschiedene Arten, die von Informationsveranstaltungen über Werkstätten, bis hin zu moderierten Beteiligungsverfahren reichen. Für jedes Pro­jekt muss allerdings individuell entschieden werden, welches Verfahren das jeweils geeignetste ist (ebd., Z.6). Zu betonen ist hierbei, dass nicht alle Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung immer in der Planung eingesetzt werden können, da sich viele unterschiedliche Bedürfnisse durchaus widersprechen können (ebd., Z.10). Trotz­dem ist es Aufgabe des Stadtplanungsamtes zu Beginn alle Anregungen sorgfältig aufzunehmen, um dann im Nachhinein abzuwägen, in welche Kategorie sie sich einordnen lassen, um sie dann in die Planung einzubringen (ebd., Z.14). Dazu gibt es in Köln momentan einige, aktuelle Projekte, unter anderem die Umgestaltung der Parkstadt Süd, des Deutzer Hafen‘s und des Mühlheimer See‘s (ebd., Z.16). Auch die Kinder- und Jugendpartizipation stellt im Stadtplanungsamt eine sehr be­deutende Aufgabe dar. Kinder werden hier regelmäßig, vom Amt für Kinder- und Jugendinteressen an der Gestaltung der Freiräume beteiligt (ebd., Z.18). Durch das komplette Interview hinweg wird immer wieder betont, dass es sehr schwierig ist, die Kinder und Jugendlichen zu erreichen (ebd., Z.20). Es bedarf hier andere For­mate, als bei der Beteiligung von Erwachsenen. Es werden durch ganz unterschied­liche Herangehensweisen, die Kinder- und Jugendlichen zur Beteiligung aufgeru­fen. Häufig wird versucht an Schulen heranzutreten und die Kinder zu animieren sich an der Planung, in der Regel in Form von Werkstätten, Workshops oder schu­lischen Projektwochen zu beteiligen (ebd., Z.20). Es scheint hier dringend notwen­dig enger mit den Schulen zusammenzuarbeiten, was durch die engmaschigen Lehrpläne allerdings häufig ein Problem darstellt (ebd.). Ein großes, aktuelles Par­tizipationsprojekt findet sich zurzeit in Chorweiler. Kinder und Jugendliche werden hier in die Umgestaltung der öffentlichen Räume einbezogen. Dazu wurde unter anderem eine Projektwoche veranstaltet, in denen Kinder und Jugendliche sich je­den Tag im Rahmen von kinder- und jugendfreundlichen Aktivitäten (z.B. gemein­sames Kochen) getroffen haben und ermutigt wurden, ihre Ideen für die öffentli­chen Plätze zu kommunizieren (ebd., Z. 38). Hierzu arbeitet man intensiv mit Streetworkern und Graffitikünstlern zusammen, die die Jugendlichen animieren sollen (ebd., Z.22). Dies kann den Zugang zu den Kindern und Jugendlichen er­leichtern (ebd., Z.26). Der Fokus lag hierbei auf der Frage, welche Funktionen die Kinder und Jugendlichen auf öffentlichen Plätzen brauchen, von der Boulderwand, bis hin zum Schachspiel. Betont wird, wie unbefangen Kinder und Jugendliche mit der Planung umgegangen sind, wie sehr sie sich angesprochen gefühlt haben und das es am Ende gute Präsentationen gab (ebd., Z.24). In diesem Projekt wurde im besonderen Maße versucht, Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund in die Planung miteinzubeziehen (ebd., Z.22). Deutlich geworden ist in erster Linie, dass Kinder und Jugendlichen in der Stadt ihre eigenen Räume brauchen. Räume, in denen sie sich ungestört aufhalten können, in denen sie auch mal laut sein können, ohne direkt angesprochen zu werden (ebd., Z.24). Der öffentliche Raum soll außer­dem auch Bereiche bieten, in denen sich ganz verschiedene Akteursgruppen wie­derfinden können (ebd., Z.26). Dieses Projekt in Chorweiler gehört zu dem Förder­programm „starke Veedel, starkes Köln“, welches sich bereits im Umsetzungsver­fahren befindet (ebd., Z.26). Die Partizipation von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung, wird laut dem Stadtplanungsamt bereits sehr lange verfolgt, jedoch wurden erst in den letzten zehn Jahren die großen Verfahren begonnen. Das liegt in erster Linie daran, dass vorher der Bedarf an Umgestaltung noch nicht gegeben war (ebd., Z.28). Im Laufe des Interviews kristallisierte sich heraus, dass die Kinder und Jugendlichen, im Gegensatz zu den Erwachsenen, deutlich unbefangener in die Pla­nung mit einbezogen werden können. Im Gegensatz dazu bringen sich Erwachse­nen häufig über den Weg der Beschwerde ein. Kinder und Jugendlichen arbeiten eher im konstruktiven Bereich (ebd., Z.24).

Resümierend wurde betont, dass Kinder und Jugendliche durch ihre Partizipation die Stadtplanung bereichern, sie allerdings ganz andere Beteiligungsverfahren be­nötigen als Erwachsene. Die Gefahr, dass sie in den Verfahren für Erwachsene un­tergehen oder sich nicht angesprochen fühlen, ist groß. Besonders in Bezug auf das Format sind die Verfahren zu trennen. Kinder und Jugendlichen brauchen andere Ausdrucksmöglichkeiten, um ihre Ideen konstruktiv in der Planung verwenden zu können (ebd., Z.32, 34)

3.2.2 Interview

Das zweite Interview wurde mit einer freiberuflichen Stadtplanerin, mit eigenem Stadtplanungsbüro in Köln, geführt. Hier wurde angegeben, dass Bürgerbeteiligun­gen im Rahmen von Bauleitplanung als gesetzliche Vorgabe angesiedelt sind, es allerdings auch außerhalb dieser gesetzlichen Richtlinien durchaus häufig ange­wendet wird (vgl. Interview 2, Z.3). Nach Aussage der Stadtplanerin, ist Bürgerbe­teiligung nicht immer ein leichter Prozess, da sich die Bürgerinnen und Bürger häu­fig negativ betroffen fühlen, wenn es um Veränderungen geht. Positive Erfahrungen wurden überwiegend dann gemacht, wenn die Bürger aufgefordert waren sich mit­einzubringen und ihnen das Gefühl vermittelt wurde, dass auf ihre Vorschläge ein­gegangen wird (ebd., Z.5)

Die Erfahrung mit Kinder- und Jugendpartizipation fällt eher gering aus. Hervor­gehoben wurde weiterhin, dass es sehr schwierig ist, an die Kinder und Jugendlichen heranzutreten. Dies wird in erster Linie mit dem Wandel der Medien­gesellschaft begründet. Im Gegensatz zu den Erwachsenen, die eher noch Print­medien oder ähnliches nutzen, müssen die jungen Leute über ganz andere Formate und insbesondere über digitale Medien erreicht werden (ebd., Z.7)

3.2.3 Interview

Das dritte Interview wurde mit einem Mitarbeiter des Teams „Öffentlicher Raum und Stadtraummangement“ der Stadt Köln geführt. Die Hauptaufgabe besteht hier darin, durch die Entwicklung von Standards die Qualität des öffentlichen Raumes und seiner Nutzung anhand von Modellprojekten zu verbessern. Selbst bezeichnen sie sich als Bindeglied zwischen den Strukturen, den Menschen, der Verwaltung und den Verbänden (vgl. Interview 3, Z. 3). Partizipationsprozesse werden sehr re­gelmäßig durchgeführt, bislang wurden durchweg positive Erfahrungen verzeich­net (ebd., Z.4). Es gibt keinen ,goldenen Weg’, für jedes Projekt wird individuell entschieden, welche Art der Beteiligung am ehesten passt (ebd., Z.7). Der Erfolg einer jeden Beteiligung fällt stets mit dem Vertrauen der Bürgerinnen und Bürgern, in Bezug auf die realistische Umsetzung ihrer Ideen und Einwände. Eine Beteili­gung, bei der nicht von Anfang an deutlich gemacht wird was später mit den Er­gebnissen passiert, gelingt, nach Aussagen des Experten, in der Regel nicht (ebd.). Auch mit Kinder- und Jugendpartizipation wurden bislang durchweg positive Er­fahrungen gesammelt. Wichtig scheint hier, den Fokus zu erweitern und den Kin­dern Denkanstöße zu geben, nicht nur die schon bekannten Dinge (Spielgeräte oder ähnliches) vorzuschlagen, vielmehr Hilfestellungen zu geben, auch mal über den Tellerrand hinauszublicken (ebd., Z.9). Als Beispiel nennt der Experte, den Kindern und Jugendlichen nicht zu sagen sie sollen den Spielplatz stupide mit Spielgeräten durchgestalten, stattdessen Anregungen zu geben wie sich die Kinder und Jugend­lichen bewegen wollen. Dem Interviewpartner zufolge liegt dann der Schlüssel zu einer gewinnbringenden Kinder- und Jugendbeteiligung in der Kooperation mit Profis, die aus den Vorschlägen der Kinder realisierbare Projekte mit Entwürfen und Ausführungsplänen formen können (ebd.). Es sollte nicht aus den Augen ver­loren werden, was man sich genau von dem Projekt verspricht und welches die Ziele sind. Weiterhin sollte niemals der Eindruck entstehen, dass man Erwartungen weckt, die letztendlich nicht erfüllt werden können (ebd.). Ein ganz aktuelles Pro­jekt in Köln, bei dem Kinder und Jugendliche beteiligt werden, ist der Umbau des Ebertplatzes unter dem Namen “Ebertplatz anders erleben“. Dabei wurden spezielle Thementage abgehalten, in denen man die Partizipation mit verschiedensten Spiel­angeboten verknüpft hat, um neben dem Interesse auch die Lust der Kinder zu we­cken, sich an dieser Umgestaltung zu beteiligen (ebd.). Dies betont der Inter­viewpartner im Laufe des Interviews immer wieder: Es ist enorm bedeutsam die Kinder zu ‘triggern‘, ihnen Anreize zu schaffen sich zu beteiligen. Dabei kann sich einer breiten Facette an Möglichkeiten bedient werden, seien es Spiel- und Sport­angebote, Events wie ein Kinderbuchkino oder entspanntes Beisammensein mit Kuchen und Keksen (ebd., Z.9,11). Um die Kinder zielgerichteter zu erreichen, wird sich zudem immer öfter an Freizeiteinrichtungen gewandt, hier wird der Kin­der- und Jugendbereich des Bürgerzentrums alte Feuerwache besonders erwähnt. Es wird die Chance genutzt, Kinder, die regelmäßig dieses Bürgerzentrum besu­chen, zu erreichen (ebd.). Gefördert werden diese Projekte von Stiftungen wie NRW Urban. Es wird sich einer recht großen Facette an Methoden, um Kinder und Jugendliche zu beteiligen bedient. Zum Zeitpunkt des Interviews (09.01.2019) war ein Jugendparlament aktuell, welches die Oberbürgermeisterin Frau Reker wenige Tage zuvor im Stadtrat abgehalten hat (ebd., Z.9). Digitale Methoden haben zudem immer mehr an Bedeutung gewonnen. Ein gutes Beispiel hierfür ist eine App, bei der die Kinder- und Jugendlichen die Möglichkeit haben ihre Lieblingsorte zu fo­tografieren und diese zu kommentieren. Im direkten Vergleich mit der Partizipation von Erwachsenen wird erwähnt, dass die Erwachsenen zielstrebig und zeitnah Um­stände anmerken, welche sie als störend empfinden. Im Gegensatz dazu, müssen Kinder und Jugendliche mehr aktiviert werden (ebd., Z.10). Hinsichtlich der zeitli­chen Entwicklung konnte der Interviewpartner keine genaue Aussage treffen, ver­deutlichte allerdings, dass es immer wichtiger wird die Bürger zu aktivieren und auf die Angebote aufmerksam zu machen. Dabei spielt auch die Schule eine wich­tige Rolle (ebd., Z.15). Abschließend lässt sich festhalten, dass es den Anschein hat, dass die Stadtgesellschaft eigenverantwortlicher geworden ist. Genauer betrachtet bedeutet dies, dass die Menschen eine Mitgestaltung einfordern.

[...]

Ende der Leseprobe aus 121 Seiten

Details

Titel
Partizipationsverfahren in der Stadtplanung. Inwiefern findet eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung und -politik Kölns statt?
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,6
Autor
Jahr
2019
Seiten
121
Katalognummer
V957922
ISBN (eBook)
9783346311207
ISBN (Buch)
9783346311214
Sprache
Deutsch
Schlagworte
partizipationsverfahren, stadtplanung, inwiefern, beteiligung, kindern, jugendlichen, kölns
Arbeit zitieren
Michelle Elles (Autor:in), 2019, Partizipationsverfahren in der Stadtplanung. Inwiefern findet eine Beteiligung von Kindern und Jugendlichen in der Stadtplanung und -politik Kölns statt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957922

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