Die folgende Arbeit beschäftigt sich mit Inklusion aus Lehrersicht und mit der Frage, welche Auswirkungen die Inklusionspflicht der UN-Konvention auf die allgemeinpädagogische Lehrerprofessionalität hat. Hierzu wird zunächst aufgezeigt, welche gesetzlichen Umstrukturierungen zum Transformationsprozess Inklusion geführt haben. Darauf folgt eine Annäherung an die Grundbegriffe der Inklusion in Abgrenzung zum Integrationsbegriff, dem Begriff der Behinderung und des sonderpädagogischen Förderbedarfs.
Nach der Klärung der allgemeinpädagogischen Aufgaben von Lehrkräften sowie dem Begriff der Lehrerprofessionalität folgt der Forschungsstand. Hierbei wird der Blick verstärkt auf das inklusive Klassenzimmer und den damit einhergehenden, sich veränderten Aufgaben und Kompetenzen von Lehrkräften im Bereich berufliche Bildung gelegt. Darauffolgend werden exemplarisch am Aufgabenbereich der Erziehung, als ein Teilbereich der allgemeinpädagogischen Aufgaben von Lehrkräften, konkrete Beispiele aus der beruflichen Bildung sowie inklusionsorientierte Erziehungsziele für den Unterricht herausgearbeitet. Diese gehen mit einem veränderten Verständnis von Haltungen und Einstellungen der Lehrkräfte in Bezug auf Inklusion einher.
Im vorausgehenden Teil der Arbeit wird daher im Forschungsstand besonders auch auf die veränderte Wertehaltung und Einstellung der Lehrkräfte in Bezug auf Inklusion eingegangen, die für die Umsetzung einer inklusiven Erziehung Voraussetzung sind. Für einen erfolgreichen Wandel ist es dabei entscheidend, nicht nur die veränderten Aufgaben der Lehrkraft zu fokussieren, sondern darüber hinaus auch die Ausbildung von Lehrkräften in Bezug auf Inklusion zu überdenken. Im Ausblick soll kurz skizziert werden, welche Konsequenzen sich für die Professionalisierung von Lehrkräften durch die veränderten Anforderungen in Bezug auf Inklusion ziehen lassen.
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung und Aufbau dieser Arbeit
2. Grundlagen
2.1. Rechtliche Umstrukturierung
2.2. Begriffliche Annäherung an Grundbegriffe
2.2.1. Paradigmenwechsel von der Integration zur Inklusion
2.2.2. Inklusion als neuer Leitbegriff und pädagogisches Rahmenkonzept
2.2.3. Inklusion in der Beruflichen Bildung
2.2.4. Behinderung unter dem Aspekt des Inklusionsgedanken
2.2.5. Sonderpädagogischer Förderbedarf
2.3. Allgemeinpädagogische Aufgaben und Professionalität im Lehrerberuf
2.3.1. Allgemeinpädagogische Aufgaben von Lehrkräften
2.3.2. Unterrichten, Beraten, Beurteilen, Erziehen
2.3.3. Professionsbegriff und Positionen zur Professionalität von Lehrkräften
3. Der Forschungsstand mit Blick ins inklusive Klassenzimmer
3.1. Inklusiver Unterricht
3.2. Der aktuelle Forschungsstand zu veränderten Aufgaben und Herausforderungen von Lehrkräften
3.3. Der aktuelle Forschungsstand zu den Einstellungen von Lehrkräften
3.4. Professionalität von Lehrkräften mit Blick auf Inklusion - ein Anforderungsprofil
4. Die allgemeinpädagogische Aufgabe der inklusionsorientierten Erziehung
4.1. Werteerziehung
4.2. Berufliche Bildung und der Erziehungsbegriff
5. Inklusive Erziehungsziele und praktische Umsetzungsanregungen
5.1. Wertschätzung von Vielfalt und die Umsetzung in der Beruflichen Bildung
5.2. Kulturunterschiede entdecken und akzeptieren und die Umsetzung in der Beruflichen Bildung
5.3. Abbau von Berührungsängsten, Bilden einer Gemeinschaft und die Umsetzung in der Beruflichen Bildung
5.4. Bewusster Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen und die Umsetzung in der Beruflichen Bildung
5.5. Empathie und Einfühlungsvermögen und die Umsetzung in der Beruflichen Bildung
6. Erfolgsunsicherheit des Lehrerhandelns
7. Fazit und Ausblick
7.1. Schlussfolgerungen zur inklusionsorientierten (Werte-)Erziehung und Lehrerprofessionalität
7.2. Ausblick: Konsequenzen für die Lehrer(aus)bildung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Herausforderungen und Aufgaben, die sich für die Lehrerprofessionalität im Kontext einer inklusionsorientierten Erziehung an berufsbildenden Schulen ergeben. Dabei liegt der Fokus primär auf der Erziehung als zentraler, jedoch oft unterschätzter Teilaufgabe von Lehrkräften, um eine inklusive Schulkultur zu etablieren.
- Transformation des Bildungssystems und rechtliche Rahmenbedingungen der Inklusion
- Anforderungsprofile und Professionalität von Lehrkräften im inklusiven Setting
- Bedeutung der Einstellungs- und Wertebildung für Lehrkräfte
- Praktische Umsetzung inklusiver Erziehungsziele (z.B. Wertschätzung von Vielfalt, Umgang mit Vorurteilen)
- Die Rolle der Erfolgsunsicherheit und der Lehrer-Schüler-Interaktion
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Paradigmenwechsel von der Integration zur Inklusion
Der wissenschaftliche Diskurs um Integration und Inklusion ist kontrovers diskutiert. Begriffliche Missverständnisse und Sprachverwirrungen wurden bei inkorrekten Übersetzungen englischsprachiger Dokumente ins Deutsche noch vermehrt. Angestoßen durch die Übersetzung der Salamanca-Erklärung sowie der UN-BRK ins Deutsche, herrschte zunächst eine gewisse Begriffsverwirrung, da in den originalen Gesetzestexten im Englischen durchgehend von „inclusion“ die Rede ist, während in der deutschen Übersetzung der Staaten Schweiz, Österreich, Liechtenstein und Deutschland der Begriff der Integration verwendet wurde (vgl. Wocken, 2015, S. 59). Da jedoch hinter den beiden Begrifflichkeiten fachlich komplett unterschiedliche Konzepte stehen, ist diese Abweichung keineswegs unproblematisch (vgl. Böttinger, 2016, S. 24).
Integration leitet sich von dem lateinischen Wort „integratio“ ab und bedeutet die Wiederherstellung eines Ganzen (vgl. Schneider & Toyka-Seid, 2019). Schon in dieser Übersetzung wird deutlich, dass die Integration darauf abzielt, etwas zusammenzubringen, was ursprünglich separiert war und beschreibt die Eingliederung in ein großes Ganzes als Versuch Differenzierung aufzuheben. Folglich bedeutet eine integrative Beschulung, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die zuvor an Förderschulen unterrichtet wurden, den Wechsel auf eine Regelschule zu ermöglichen. Dort erfolgt eine besondere Förderung in Abstimmung mit deren Bedürfnissen. Der Integrationsansatz enthält dabei die Kategorisierungen „förderbedürftig“ bzw. „nicht förderbedürftig“ und erhält somit die Kategorie der Behinderung. Dies zeigt deutlich, dass der Versuch der Integration, bisher bestehende Separationen aufzuheben, nicht erfolgreich ist und somit eher das Trennende an erster Stelle steht. Die Behinderung, die als abweichend vom Normalen dargestellt wird, soll in die bestehenden Lebensformen eingeschlossen werden (vgl. Böttinger, 2016, S. 25).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Hinführung und Aufbau dieser Arbeit: Einführung in die Thematik der Inklusion im deutschen Schulsystem sowie Darlegung der Relevanz für angehende Lehrkräfte und des weiteren Arbeitsaufbaus.
2. Grundlagen: Erläuterung der rechtlichen Ausgangslage (UN-BRK) sowie Klärung zentraler Fachbegriffe wie Inklusion, Integration, Behinderung, sonderpädagogischer Förderbedarf und Lehrerprofessionalität.
3. Der Forschungsstand mit Blick ins inklusive Klassenzimmer: Darstellung der Anforderungen an inklusiven Unterricht sowie Auswertung aktueller Studien zu den veränderten Aufgaben und Einstellungen von Lehrkräften.
4. Die allgemeinpädagogische Aufgabe der inklusionsorientierten Erziehung: Definition von Erziehung in der Schule und Analyse der spezifischen Rolle der Werteerziehung in der beruflichen Bildung.
5. Inklusive Erziehungsziele und praktische Umsetzungsanregungen: Vorstellung von fünf inklusiven Erziehungszielen nebst praktischen Unterrichtsbeispielen für die berufliche Bildung, wie z.B. Wertschätzung von Vielfalt und Abbau von Vorurteilen.
6. Erfolgsunsicherheit des Lehrerhandelns: Reflexion über die prinzipielle Unvorhersehbarkeit pädagogischen Handelns im Rahmen des Angebot-Nutzen-Modells.
7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zur Lehrerprofessionalität und Skizzierung von Konsequenzen für die zukünftige Lehrerbildung.
Schlüsselwörter
Inklusion, Lehrerprofessionalität, berufliche Bildung, Inklusionsorientierte Erziehung, Werteerziehung, Heterogenität, Sonderpädagogischer Förderbedarf, Lehrerbildung, Schulentwicklung, Wertehaltung, Unterrichtsqualität, Inklusiver Unterricht, Einstellungen von Lehrkräften, Kooperation, Reflexion
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das Inklusionsparadigma die Rolle und die Anforderungen an Lehrkräfte verändert, insbesondere im Bereich der beruflichen Bildung.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Integration und Inklusion, die Professionalität von Lehrkräften, das inklusive Klassenzimmer sowie praktische Erziehungsziele wie Wertevermittlung und interkulturelle Kompetenz.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, ein inklusionsorientiertes Anforderungsprofil für Lehrkräfte zu erstellen und aufzuzeigen, wie Erziehungsaufgaben in der beruflichen Bildung zur erfolgreichen Inklusion beitragen können.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Forschungsstandanalyse sowie der theoretischen Herleitung von Erziehungszielen und deren Transfer in praktische Unterrichtsbeispiele.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden rechtliche Grundlagen, der Forschungsstand zur Lehrerprofessionalität im inklusiven Unterricht sowie konkrete inklusive Erziehungsziele und deren praktische Umsetzung in der beruflichen Ausbildung erörtert.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Inklusion, Lehrerprofessionalität, Heterogenität, Werteerziehung und die didaktische Gestaltung inklusiver Lernumgebungen definiert.
Warum spielt die Erziehung eine besondere Rolle in der beruflichen Bildung?
Obwohl Auszubildende meist erwachsen sind, ist Erziehung zur Werteorientierung und zur Teilhabe an einer pluralistischen Gesellschaft auch in der Berufsschule essenziell, um Inklusion gesamtgesellschaftlich voranzubringen.
Welche Bedeutung hat das "Angebot-Nutzen-Modell" für diese Arbeit?
Das Modell verdeutlicht die "Erfolgsunsicherheit" des Lehrerhandelns, indem es zeigt, dass Unterricht nur ein Angebot darstellt, dessen Wirkung stark von den individuellen Voraussetzungen der Lernenden abhängt.
Wie wird "Lehrerprofessionalität" in Bezug auf Inklusion definiert?
Professionalität wird hier als Fähigkeit verstanden, mit den Antinomien und der Komplexität inklusiver Settings professionell umzugehen, wobei eine positive Wertehaltung und stetige Selbstreflexion als Kernkompetenzen gelten.
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- Felina Lehmann (Autor), 2020, Inklusion im Bildungssystem. Aufgaben und Herausforderungen für die Lehrerprofessionalität, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/957945