Untersuchung didaktischer Konzepte von Rechtschreibunterricht. Kritische Diskussion aktueller Ansätze


Hausarbeit, 2018

13 Seiten

Anonym


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1 EINLEITUNG

2 VERSCHIEDENE THEMATISCHE AUSARBEITUNGEN
2.1 READINGRESPONSE 1
2.2 READING RESPONSE 2
2.3 LERNAUFGABE 1
2.4 LERNAUFGABE 2
2.5 LERNAUFGABE 3

3 UNTERSUCHUNG DIDAKTISCHER KONZEPTE VON RECHTSCHREIBUNTERRICHT

4 FAZIT

5 LITERATURVERZEICHNIS

1. EINLEITUNG

Medien beschwören seit Jahren eine Rechtschreibkatastrophe, Studien unterstützen dies teilweise. Der Rechtschreibunterricht in Deutschland wird harten Vorwürfen ausgesetzt. Thema dieses Portfolios soll es sein, die aktuellen Didaktiken und Formen des Rechtschreibunterrichts kritischer zu untersuchen und einige Ansätze zu diskutieren.

Zuerst folgen verschiedene Reading Responses zu Texten, die bereits einen kritischen Blick auf den Alltag im Schulunterricht werfen, und Ausarbeitungen, die sich mit der Systematik von Silben- und Wortstrukturen beschäftigen, sowie zwei konkrete Hilfsmittel für den Unterricht, die Lauttabellen und den Hamburger Basiswortschatz, analysieren. Im darauffolgenden Schritt sollen diese Ausarbeitungen und Leseeindrücke unter dem Einsatz von Fachliteratur vertieft werden. Dabei wird der Fokus auf einer fundierteren Auseinandersetzung mit dem aktuellen, vorherrschenden Rechtschreibunterricht-Konzept und den Gründen für seinen Misserfolg liegen. Damit einhergehend soll ein Ausblick gegeben werden, welche Möglichkeiten moderne Didaktik vorschlägt, um ihre Ziele zu erreichen.

Eine konkrete Fragestellung könnte lauten: Worin liegen die Missverständnisse traditioneller Rechtschreibdidaktik und wie kann diesen begegnet werden?

2. VERSCHIEDENE THEMATISCHE AUSARBEITUNGEN

2.1 READING RESPONSE 1

zu: Müller, A. (2017/i.E.): Rechtschreiben Lernen. Die Schriftstruktur entdecken - Grundlagen und Übungsmaterialien. Vorläufige Version der2., überarbeitete Auflage. Seelze: Kallmeyer, S.33-53.

Zentrales Anliegen des Textes ist es zu vermitteln, dass grammatische Prinzipien und Regularien der deutschen (Schrift-)Sprache - und deren Verständnis und sichere Anwendung - die Basis für schnelles Textverständnis, oder in anderen Worten „leichtes Lesen“, sind. Diese Prinzipien zu bemerken und ihren Gebrauch immer mehr zu automatisieren hilft dabei, den Denkprozess vor allem beim Lesen - letztendlich aber auch beim Schreiben - so gering wie möglich zu halten.

Die Autorin nennt vier Prinzipien graphematischer Art, wobei das syntaktische Prinzip Regularitäten auf Ebene der Satzgrammatik betrifft, die vom einzelnen Buchstaben und den entsprechenden Lauten bis hin zur Systematik durch Satzzeichen das deutsche Schriftsystem regeln und kontrollieren. Hierbei durchläuft sie Punkt für Punkt die spezifischen, konkreten Regeln, die hinter den Prinzipien stecken, mit der selbstverständlichen Erwartung, dass der Leser diese problemlos im Gedächtnis behält. Die gute, übersichtliche Struktur der Überlegungen sind dabei sicherlich eine Hilfe, dennoch arbeitet sich selbst ein mit dem Thema vertrauter Leser nur mühevoll durch den Text. Die Logik und Systematik hinter diesen Prinzipien zu entdecken eröffnet tatsächlich eine ziemlich neue Sicht auf Rechtschreibung und generell die Regelmäßigkeit der Schrift. Dennoch bleibt für mich noch die wichtigste aller Fragen bestehen: Wie kann ich dieses Wissen nicht nur für mich behalten, sondern es auf eine gerechte Art herunterbrechen, dass auch Kinder Zugriff darauf bekommen? Die Relevanz für den Unterricht ist unumstritten; eine konkrete Vorstellung aber, wie das aussehen könnte, habe ich noch nicht.

Besonders der Fakt, dass es sich beim Deutschen um ein Mischsystem handelt, macht das richtige Anwenden der Prinzipien so schwierig. So kann eben nicht von einer 1:1-Entsprechung von Laut und Buchstabe, oder Sprechsilbe und Sprachsilbe ausgegangen werden. Alle Prinzipien bedingen sich gegenseitig, keines kann als übergeordnet angesehen werden. Die Kombination verschiedener Prinzipien bewirkt zwar einerseits, dass das Grapheminventar des Deutschen überschaubar bleibt, ob es dadurch aber auch einfacher anzuwenden ist, ist zumindest fragwürdig.

Was für mich durch den Text plausibel wurde, ist, dass alle Regularien und schriftsprachlichen Phänomene nur dazu dienen das Lesen zu vereinfachen. Dass es darum geht die Arbeit und den Denkprozess so gut wie möglich zu reduzieren, um Raum für wichtigere Denkleistungen, für Literarisches Lernen, zu schaffen. Seien es berühmte, als komplizierte Fälle bekannte Beispiele wie Doppelkonsonanten, das silbeninitiale h, Auslautverhärtung und viele weitere, sie alle haben es zum Ziel, einmal verstanden, uns auf der Suche nach der semantischen Bedeutung eines Wortes zu helfen.

Um ehrlich zu sein, habe ich mir über den Sinn vieler der Regularien und Prinzipe und die dahintersteckende Systematik nur wenige bis gar keine Gedanken gemacht. Ich war der Überzeugung, Rechtschreibregeln müssen auswendig gelernt werden und eine Motivation dieser Regeln wäre fast nicht zu erkennen. So bin ich natürlich durch das Gelesene positiv gestimmt, freue mich, dass dem nicht so ist und bin hoffnungsvoll, Kindern, für die Rechtschreibung auch nur ein Konstrukt aus endlosen willkürlichen Regeln ist, eine neue Perspektive vermitteln zu dürfen.

Konkrete didaktische Ansätze sehe ich bisher jedoch nur sehr begrenzt. Vorstellbar beispielsweise wäre das noch für den Bereich des silbischen Prinzips, der zudem in meinen Augen doch ein leichtes Übergewicht in seiner Bedeutung gegenüber den anderen Bereichen hat. Auch die Graphem-Phonem-Korrespondenz lässt sich sicherlich für Kinder nachvollziehbar erklären. Wenn man sich aber beispielsweise den ganzen Peripheriebereich ansieht, wirft dies schon einige Fragen bezüglich seiner Vermittlung auf.

2.2 READING RESPONSE 2

ZU! Bertschi-Kaufmann, A. (2007): Beobachtungsraster zur Einschätzung von Lernentwicklung und Lernstand im Lesen. In: Bertschi-Kaufmann, A.; Hagendorf, R; Kruse, G.; Rank, K.; Riss, M.; Sommer, T. (Hrsg.): Lesen. Das Training. Kommentar für Lehrerinnen und Lehrer, Stufe 1. Seelze: Lernbuch-Verlag bei Friedrich, S.23-31.

Beim zu behandelnden Text handelt es sich um ein Konzept, Kinder in ihren Leselernprozessen zu beobachten und zu begleiten. Für dieses Konzept sind zwei Punkte von zentraler Bedeutung:

Erstens haben sowohl Kinder die Möglichkeit sich selbst einzuschätzen, ihre Entwicklungen wahrzunehmen und darauf aktiv zu reagieren, als auch Lehrkräfte die Chance den Prozess des Kindes zu begleiten und mit ihm im Austausch über Erfahrenes zu stehen; es wird eine Basis dafür gelegt, dass eine gemeinsame Zielsetzung und weiterführende Maßnahmen besprochen werden können. Das ist wichtig, damit das Kind diesen Prozess nicht passiv durchläuft und so das Ziel die eigene Lesekompetenz zu steigern aus den Augen verliert.

Die zweite Besonderheit liegt darin, dass durch die Beobachtungsbögen nicht nur der Lernstand, sondern zusätzlich - und vorrangig - Lernfortschritte analysiert werden. Um das zu erreichen, muss die Beobachtung über einen längeren Zeitraum hinweg geschehen. Außerdem handelt es sich nicht um ein starres Konzept, das alle Kinder gleich - im selben Tempo, selbe Schwierigkeit, ... - durcharbeiten müssen, sondern eines, das in verschiedene Kompetenzlevel unterteilt ist und den Schüler in dem Bereich fördert, wo er es gerade benötigt.

Der Aufbau der Beobachtung in ihren drei Teilen ist sehr logisch und nachvollziehbar. Schüler werden zuerst bezüglich grundlegender Lesefertigkeiten, wie dem Umgang mit Buchstaben-Laut-Beziehungen und dem Erkennen von Wortmustern befragt. Danach wird der Bogen zur höheren Kompetenzstufe erarbeitet. Hier liegt für mich eine Wichtigkeit, die im Text nur sehr knapp betont wurde: Um Schüler wirklich an dem Punkt zu helfen, wo sie es benötigen, ist es wichtig, dass nur an einem der drei Teilbereiche gleichzeitig gearbeitet wird. Müssen leseschwächere Kinder verschiedene Anforderungen zur selben Zeit erfüllen, stellt sich schnell Überforderung und womöglich Frustration ein. Danach also, werden Aspekte der Lesegeläufigkeit thematisiert. Es geht um das rechte Erkennen eigener Fehler und vor allem die richtige Reaktion darauf, um Lesetempo und Aussprache. Im letzten, dritten Teil liegt der Fokus auf dem Leseverstehen und dem Gebrauch von Texten für die eigene Lebenswelt. Dies ist zweifelsohne die höchste der drei Stufen.

Als sinnvoll erachte ich außerdem, dass parallel dazu die Lesemotivation der Kinder untersucht werden kann. Auch wenn es nicht sonderlich einfach ist diese zu beeinflussen, ist dies doch ein enorm wichtiger Punkt. Sehr angenehm finde ich, dass zu jedem Beobachtungsteil, sowie zum Abschnitt der persönlichen Lesemotivation, konkrete Förderungsmaßnahmen genannt werden.

Manche der anzukreuzenden Aussagen im Beobachtungsbogen sind jedoch meiner Ansicht nach für Kinder missverständlich. So bin ich mir beispielsweise nicht sicher, ob ein Kind bei der Aussage „Ich lese Wort für Wort - einzeln nacheinander.“ tatsächlich auf die eigentliche Frage antwortet („Orientiert sich das Kind am Einzelwort oder hat es bereits mehrere Wörter im Blick und kann deswegen auch leichter Vermutungen über den Textfortgang anstellen?“), oder ob es nicht vielmehr einfach darauf schaut, ob es die Wörter in der richtigen Reihenfolge liest und nicht darin springt oder manche Wörter vergisst. Deshalb ist es hilfreich, dass die Kinder bei manchen Fragen, wenn auch nicht vielen, die Gelegenheit bekommt, die Antwort selber zu formulieren. Eigens verfasste Antworten sind logischerweise deutlich persönlicher, spezieller und weniger gelenkt.

Ein solches Beobachtungskonzept, in welcher Form auch immer, hat allerhöchste Relevanz für den Unterricht. Das vorgestellte Modell gefällt mir als Vorschlag dafür sehr gut, es werden relevante Punkte abgefragt und der Test ist mit seinen drei Teilen sehr sinnvoll untergliedert. Jedoch würde ich versuchen etwas mehr zeitliche Struktur hineinzubringen, ohne jedoch die Kinder in ihren Lernprozessen unter Druck zu setzen oder zu unterfordern.

2.3 LERNAUFGABE 1

1.) „Schritzehler“ statt „Schrittzähler“

Bezüglich „Schritt“ gilt es zu schauen, ob eine zweisilbige Form des Wortes existiert, und wie das Silbengelenk dort aussieht. Demnach gilt hier: „Schritte“, also auch „Schritt“ (mit Doppel-t). Die Schreibweise „Zähler“ mit ä lässt sich mit der morphologischen Konstanz begründen. „Zähler“ ist Teil der Wortfamilie „Zahl“. Aus diesem Grund kann der Vokal nicht zu einem e geändert werden, sondern wird zum Umlaut ä.

„annen“ statt „annähen“

Durch den Doppelkonsonanten ist die erste Silbe geschlossen und die zweite bedeckt. Die zweite Silbe wird zudem durch das n geschlossen. Demnach handelt es sich bei „annen“ um einen prototypischen Zweisilber, bei ,,nen“ um die Reduktionssilbe, beim e um einen kurz und ungespannt gesprochenen Silbenkern und somit um eine andere Aussprache. Desweiteren gehört das Wort zur Wortfamilie „Naht“ und muss deshalb mit einem Umlaut anstatt mit e, und vor allem mit einem h, welches hier silbeninitial wirkt, geschrieben werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Untersuchung didaktischer Konzepte von Rechtschreibunterricht. Kritische Diskussion aktueller Ansätze
Hochschule
Universität Hamburg
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V958059
ISBN (eBook)
9783346301833
ISBN (Buch)
9783346301840
Sprache
Deutsch
Schlagworte
untersuchung, konzepte, rechtschreibunterricht, kritische, diskussion, ansätze
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Untersuchung didaktischer Konzepte von Rechtschreibunterricht. Kritische Diskussion aktueller Ansätze, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958059

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