Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann am 16. November 1976. Eine aus zeitgenössischer Sicht nachvollziehbare Entscheidung?

(Unterrichtsentwurf im Fach: Geschichte, Klasse: 11)


Unterrichtsentwurf, 2018

13 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Bemerkungen zur Lerngruppe

Die Klasse 11c, die ich seit Anfang September 2018 unterrichte, setzt sich aus 26 Schülerinnen und Schülern1 zusammen, darunter 10 Jungen und 16 Mädchen. Der Unterricht ist von einem freundlichen und respektvollen Verhalten der Schüler untereinander und mir als Lehrperson gegenüber gekenn­zeichnet. Das Leistungsvermögen im Themenbereich DDR ist heterogen, wobei vor allem die Diver­genz zwischen den Leistungsspitzen und schwächeren Schülern ins Auge fällt, was sich an der Qua­lität und Quantität der Unterrichtsbeiträge festmachen lässt. A, B und C gehören zu den leistungsstär­keren Schülern der Lerngruppe, die den Unterricht vorantreiben und auch komplexere Sachzusam­menhänge durchdringen können, wenngleich auch hier nicht immer fachliche Sicherheit gegeben ist. Die Klasse zeigt sich sicher im Umgang mit Quellen und liefert insbesondere in Partnerarbeiten gute Ergebnisse, die ein produktives Weiterarbeiten ermöglichen. Die leistungsschwächeren Schüler ha­ben Schwierigkeiten komplexere Sachzusammenhänge zu durchdringen, zeigen sich aber in Repro- duktions- und Partnerarbeitsphasen aktiver und können so in den Unterricht miteinbezogen werden. Besonders in den Vertiefungsphasen zeigt sich, dass die Leistungsspitzen diese Phase gestalten, sodass hier auf eine breite Streuung geachtet werden muss.

2. Curriculare Einordung

Die Examensstunde ist die letzte Stunde in der auf neun Stunden angelegten Unterrichtsreihe „Die Systemkrise in der DDR - Die Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, der Anfang vom Ende?“. Neben den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen zu Beginn der 1970er Jahre stehen die internationale Anerkennung der DDR durch die Unterzeichnung der KSZE-Schlussakte am 1. August 1975 sowie der Ausbau des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) in den 1970er Jahren im Vorder­grund der thematischen Planung. Zu Beginn der Unterrichtsreihe wurde der personelle Wechsel an der Spitze der SED von Ulbricht zu Honecker thematisiert und damit einhergehend die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und deren Folgen näher beleuchtet. Zudem wurden die Lockerungen im kulturpolitischen Bereich und der zeitgleiche Ausbau des MfS genauer untersucht und im Kontext der außenpolitischen Entwicklungen kritisch hinterfragt. Am Beispiel Biermanns wird das Verhältnis von Staat und Opposition in der DDR exemplarisch beleuchtet und mit Hilfe von biographischen Daten und künstlerischen Werken inhaltlich gefüllt. Die Examensstunde stellt den vorläufigen Höhepunkt des Falls Biermann dar, dessen Ausbürgerung einen Einschnitt im Verhältnis zwischen SED und Künstlern der DDR darstellte.2 Im Anschluss an die Stunde sollen die Folgen der Ausbürgerung und deren Wir­kung auf die sich zuspitzende innenpolitische Situation der DDR zu Beginn der 1980er Jahre näher betrachtet werden.

3. Relevantes Eingangsverhalten

Die Schüler...

- kennen die Biographie Wolf Biermanns und wissen, dass er den Sozialismus als die bessere Staatsform ansieht.
- haben sich exemplarisch mit zwei Liedern Biermanns auseinandergesetzt und wissen um seine Kritik an den sozialen und politischen Verhältnissen in der DDR.
- sind darin geschult Ergebnisse zu präsentieren, sich selbstständig zu ergänzen und zu korri­gieren, wobei eine Unterstützung der Lehrkraft bei vertiefenden Fragen nötig ist.
- sind grundlegend mit der methodischen Herausforderung der Urteilsbildung vertraut, haben aber noch Schwierigkeiten damit, ein differenziertes Urteil zu bilden.

4. Didaktische Entscheidung

Das Stundenthema „Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann am 16. November 1976 - eine aus zeitgenössischer Sicht nachvollziehbare Entscheidung?“ lässt sich formal durch die curricu- laren Vorgaben des Landes Niedersachsen legitimieren. Es ist Teil des inhaltlichen Schwerpunktes „Wahlmodul 4: Die friedliche Revolution in der DDR 1989“3 des „Rahmenthemas 2: Vom 20. ins 21. Jahrhundert - eine Zeitenwende?“4. Die Ausbürgerung Wolf Biermanns ist dem strukturierenden As­pekt „Individuum und Gesellschaft“5 zuzuordnen und zeigt das Spannungsverhältnis zwischen Staat und Individuum auf. Die Relevanz des Falls Biermann für die Gegenwart wird in der Bedeutung des Rechts auf Selbstbestimmung deutlich, welches durch die Unterbindung der freien Meinungsäußerung Biermanns, durch das Publikations- und Auftrittsverbot von 1965, und durch seine Ausbürgerung am 16.11.1976 massiv beschränkt wurde und gerade für Schüler der Oberstufe essenzieller Bestandteil des Erwachsenwerdens ist. Zudem ist der Umgang mit Kritikern auf politischer Ebene durch den Ent­zug der Akkreditierung eines CNN-Journalisten durch das Weiße Haus besonders aktuell.6 Mit dem Berufs- und Auftrittsverbot von 1965 beginnt für Biermann die Zeit als „staatlich anerkannter Opposi­tioneller“7. Anders als von staatlicher Seite erhofft, führten die intensivierten Überwachungsmaßnah­men durch das MfS in der Folge aber weder zur Isolation noch zu wirtschaftlicher Not Biermanns, vielmehr sorgten sie für eine Intensivierung seines künstlerischen Schaffens. Ausgehend von dieser Situation wird Biermann durch seine Provokationen für das SED-Regime zunehmend zu einem Ärger­nis, da sie ihn, aufgrund seiner zunehmenden Popularität, weder wegsperren noch auf andere Art und Weise zum Schweigen bringen konnten. Zudem lehnte Biermann eine Übersiedlung in die Bundesre­publik kategorisch ab.8 Über Verlage, Zeitungen und Plattenfirmen in der Bundesrepublik Deutschland schaffte es Biermann immer wieder seine Kritik an der SED-Führung, der Gestaltung des Sozialismus und den innenpolitischen Missständen in der DDR in Form von Liedern, Gedichten oder Briefen zu publizieren.9 Auch wenn Biermanns Bewegungsfreiheit in der DDR eingeschränkt war und seine Kritik an den real existierenden sozialen und politischen Umständen in der DDR lauter wurde, ließ er nie einen Zweifel daran, dass sein Ziel ein besserer Sozialismus in der DDR war.10 Dennoch stellte er für das SED-Regime aufgrund seiner gerechtfertigten Kritik ein immerwährendes Risiko dar, sodass das MfS ab 1973 einen Plan11 entwickelte, um Biermann gegen seinen Willen auszubürgern. Anders als in den Jahren zuvor wurde Biermann eine Konzertreise im November 1976 in der Bundesrepublik genehmigt. Das Konzert am 13. November 1976 in Köln diente der SED dabei als Vorwand, um den bereits 1973 durch das MfS gefassten Plan der Ausbürgerung umzusetzen, indem man Biermann Kritik am Sozialismus vorwarf und ihm aufgrund mangelnder Staatsbürgertreue die Staatsbürgerschaft der DDR entzog.12 Die Examensstunde greift diese offizielle Sichtweise der SED auf und fragt nach der Nachvollziehbarkeit der Entscheidung aus Sicht der SED und aus Sicht von Biermann. Der the­matische Schwerpunkt des Einstiegs liegt auf einer kurzen Darstellung der Geschehnisse von der Einreise Biermanns in die BRD am 11. November 1976, vom Tag des Konzerts in Köln am 13. No­vember 1976 bis zur Ausbürgerung am 16. November 1976.13 Durch die Reduktion auf die wesentli­chen Fakten, wie z. B. der Genehmigung der Konzertreise, dem Konzert in Köln und dem Herausgrei­fen des Liedes „Warte nicht auf bessre Zeiten“, soll das Vorwissen der Schüler zu Biermanns politi­scher Einstellung und zum Charakter seiner Kritik aktiviert werden. Ziel dieser didaktischen Reduktion ist es, den Schülern das Überraschende dieser Maßnahme für Biermann vor Augen zu führen und Empathie zu erzeugen. Mit Blick auf das Ziel der Stunde sollen hier mögliche Reaktionen Biermanns auf die Entscheidung herausgearbeitet werden. Dabei beziehen sich die Äußerungen der Schüler auf ihr Vorwissen aus den vorangegangenen Stunden, sodass hier vor allem Äußerungen von Unver­ständnis und Bestürzung über die Entscheidung zu erwarten sind. Die Einforderung einer Begründung der Ausbürgerung stellt eine Schwierigkeit dar, da die Schüler ggf. dazu neigen diese als Tatsache hinzunehmen, für die es keine offizielle Begründung gab, vor dem Hintergrund der Zersetzungsmaß­nahmen durch das MfS. An dieser Stelle kann durch einen Impuls der Lehrkraft nachgesteuert werden. Kern der Stunde bildet ein Zeitungsartikel (Q1) aus der von der SED herausgegebenen Zeitung „Neues Deutschland“ vom 17. November 1976. Der Artikel erscheint einen Tag nachdem die offizielle Bekanntgabe der Ausbürgerung in der DDR publiziert wurde. Da die Zeitung „Neues Deutschland“ die auflagenstärkste Zeitung der DDR war, richtet sich der Artikel an alle Leser mit dem Ziel, die Ausbür­gerung zu begründen und die Alternativlosigkeit der Maßnahme aus Sicht der SED darzustellen. Be­sondere Aufmerksamkeit verlangt zudem die hier deutlich werdende Schuldzuweisung, die Biermann selbst für seine Ausbürgerung verantwortlich macht (Z. 7). Der Artikel lässt sich in zwei Teile unter­gliedern. Dabei handelt es sich im ersten Teil um die offizielle Mitteilung der Ausbürgerung Wolf Bier­manns durch den Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienst (ADN) der DDR und im zweiten Teil um einen direkt anschließenden Kommentar von Günter Kertzscher alias Dr. K., dem stellvertretender Chefredakteur der Zeitung.14 Der Bericht des ADN hat einen normativen Charakter und beschreibt, nachdem zu Beginn auf die freiwillige Übersiedlung Biermanns 1953 verwiesen wird, den Beschluss der „zuständigen Behörden“ (Z. 1). Anschließend wird die Entscheidung mit Bezug auf § 13 Staatsan­gehörigkeitsgesetz rechtlich legitimiert und begründet, dass Biermann „wegen grober Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten“ (Z. 5) ausgebürgert wurde. Am Ende der Mitteilung wird deutlich ge­macht, dass Biermann sich durch sein „feindseliges Auftreten“ (Z. 6) „selbst den Boden für weitere Gewährung der Staatsbürgerschaft der DDR entzogen“ (Z. 7) habe. Der letzte Satz des Originals15 wurde didaktisch reduziert, da er keinen inhaltlichen Mehrwert für die Stunde darstellt. Anhand dieser offiziellen Verlautbarung lässt sich für die Schüler erkennen, dass die SED ihre Entscheidung durch geltendes DDR-Recht legitimiert und Biermann einen schweren Bruch vorwirft. Zudem wird der Vor­wurf laut, dass Biermann selbst für die Ausbürgerung verantwortlich sei, was einen Vorsatz von Seiten der SED ausschließen soll. Dies ist vor allem mit Blick auf die spätere Beurteilung von besonderem Interesse, da der Vorwurf der fehlenden Treue, der politischen Einstellung Biermanns konträr gegen­übersteht. Der Kommentar von Günter Kertzscher hat im Gegensatz zum ersten Teil einen stark per- suasiven Charakter. In seinen Ausführungen erläutert er, weswegen diese Maßnahme gegenüber Biermann notwendig geworden sei (Z. 10). Gleich zu Beginn wirft er Biermann vor, ein Programm gestaltet zu haben, dass sich ganz gezielt gegen die DDR und den Sozialismus richte (Z. 12ff.). Dieser Aspekt steht im Kontrast zu den politischen Einstellungen Biermanns, der nicht den Sozialismus per se ablehnt, sondern den Sozialismus, der durch die SED in der DDR ausgeübt wird. Kertzscher betont, dass die Beleidigungen gegenüber der DDR und deren Bürgern „das Maß voll“ (Z. 15) machen und es, nachdem man zu viel Geduld gehabt habe, nun eine angemessen Antwort gebe (Z. 16ff.). Anhand dieser Textstelle lässt sich im Anschluss die Problematisierung beginnen, indem hier nach der Nach­vollziehbarkeit der Entscheidung gefragt wird. Kertzscher selbst begründet den Gedanken, indem er die Lieder und Aussagen Biermanns als konkreten Angriff auf den sozialistischen Staat und dessen Gesellschaftsordnung bezeichnet (Z. 19ff.) und darin eine Aufforderung zur Beseitigung dieser Ord­nung sieht (Z. 20). Der Auszug aus dem Kommentar endet mit dem Verweis darauf, dass Biermann seine Treuepflicht gegenüber der DDR grob und ständig verletzt habe (Z. 21f.). Dieser Aspekt ist insofern von Bedeutung, als das hier konkret auf eine langfristige Entwicklung, die zu Biermanns Aus­bürgerung führte, verwiesen wird. Der Kommentar wurde didaktisch auf den Kern der Stunde redu­ziert, ohne dabei den grundlegenden Charakter der Quelle zu verändern. Alternativ zum Zeitungsarti­kel hätte auch das interne MfS-Papier „Maßnahmen zum Abschluss der Bearbeitung Karl-Wolf Bier­manns“16 vom 15. November 1976 als Kern der Stunde dienen können, welches aber in Hinblick auf den geheimen Charakter und den Umfang der Quelle verworfen wurde. Zum Schluss der Stunde soll die Begründung für die Ausbürgerung aus Sicht der SED, auf Grundlage des Vorwissens der Schüler über Biermanns politische Einstellung gegenüber dem Sozialismus und der DDR, welche er unter anderem im Lied „Warte nicht auf bessre Zeiten“ zum Ausdruck bringt, auf deren Nachvollziehbarkeit hin beurteilt und abschließend das Sachurteil formuliert werden. Hierbei soll vor allem der Aspekt der Strafe für Biermann zum Ausdruck kommen, durch den die Ausbürgerung aus Sicht der SED nach­vollziehbar ist, andererseits soll aber auch die Begründung der SED vor dem Hintergrund der politi­schen Forderungen Biermanns als nicht nachvollziehbar beurteilt werden.

5. Stundenziel

Die Schüler urteilen, dass die Ausbürgerung Wolf Biermanns am 16. November 1976 aus der Sicht der SED eine nachvollziehbare Entscheidung ist, da sie eine Reaktion auf die jahrelange Kritik des Liedermachers ist und für ihn eine Strafe darstellt, jedoch aus Sicht von Wolf Biermann, insbesondere mit Blick auf die Begründung im Neuen Deutschland vom 17. November 1976, nicht nachvollziehbar ist, da die Begründung der SED im Kontrast zu seiner Kritik an den real existierenden Missständen in der DDR und der Umsetzung des Sozialismus durch die SED steht, in der er stets betont hatte, weder den Sozialismus noch die DDR abzulehnen.

6. Kompetenzen/Inhalte

Die Schüler...

1. beschreiben die mögliche Reaktion Biermanns auf die Nachricht seiner Ausbürgerung am 16. No­vember 1976, indem sie auf die Treue zum Sozialismus und der DDR sowie die berechtigte und an der Realität orientierte Kritik verweisen. (Kompetenzbereich Sachwissen)
2. charakterisieren den Zeitungsartikel vom 17. November 1976 unter quellenkritischen Gesichtspunk­ten, indem sie z. B. auf den normativen Charakter des ADN-Teils, den Erscheinungsort oder die Leser als Adressaten verweisen. (Kompetenzbereich Methode)
3. arbeiten anhand des Zeitungsartikels (Q1) die wesentlichen Argumente für die Ausbürgerung aus Sicht der SED heraus, indem sie z. B. die grobe Verletzung der staatsbürgerlichen Pflichten (Z. 5), die gezielte Aufführung eines Programms gegen den Sozialismus (Z. 13) oder die Angriffe auf den sozia­listischen Staat (Z. 14ff.) anführen. (Kompetenzbereich Methode)
4. erläutern die Reaktion der SED auf den Auftritt in Köln, indem sie z. B. auf die jahrelangen Provo­kationen (Z. 15) oder die ständige und bewusste Verletzung der Treuepflichten (Z. 21f.) verweisen. (Kompetenzbereich Methode)
5. urteilen, dass die Ausbürgerung Biermanns aus Sicht der SED eine nachvollziehbare Reaktion auf seine jahrelange Kritik war und das Konzert einen Anlass bot, ihn aus der DDR auszubürgern, was für Biermann als überzeugten Sozialisten eine Strafe darstellte. (Kompetenzbereich Deutung und Refle­xion)
6. urteilen, dass die Begründung der SED im Neuen Deutschland aus Sicht von Biermann nicht nach­vollziehbar ist, da er wiederholt seine Treue zum Sozialismus und zur DDR betont hatte. (Kompetenz­bereich Deutung und Reflexion)
7. Methodische Entscheidung

Die Examensstunde beginnt durch einen Lehrervortrag in Form einer fiktiven Radiosequenz, die auf historisch gesicherten Fakten basiert und die Schüler in die Situation Biermanns versetzen soll. Dies stellt einen vorwärtsgewandten Einstieg dar, der zum Thema hinführt, Vorwissen aktiviert, neue Infor­mationen enthält, und sowohl der Motivation als auch der Problematisierung dient.17 Die Schüler re­konstruieren zunächst die Ereignisse, um im nächsten Schritt über Biermanns mögliche Reaktion zu sprechen. Die Schüler erteilen sich in dieser Phase gegenseitig das Wort, um hier den Fokus von der Lehrkraft zu nehmen. Die Problematisierung erfolgt dabei entweder durch Schüler oder wird durch einen Impuls der Lehrkraft gesteuert, sodass sich die Frage nach den Gründen seiner Ausbürgerung stellt. Diese soll auf Grundlage von Schüleräußerungen ebenfalls an der Tafel festgehalten werden und könnte in etwa so lauten: „ Wie begründet die SED die Ausbürgerung Biermanns am 16. November 1976?‘. Im Anschluss an die Problematisierung erfolgt eine Materialdiskussion, in der die Schüler eine offizielle Stellungnahme zur Ausbürgerung der SED einfordern sollen. Anschließend an die Material­diskussion erhalten die Schüler Zeit die Quelle zu überfliegen und mögliche Fragen zu klären. Zudem erfolgt mündlich eine Charakterisierung des Zeitungsartikels unter quellenkritischen Gesichtspunkten. Die Erarbeitung erfolgt in Partnerarbeit.18 Die Schüler haben so die Gelegenheit sich mit ihrem Partner über die Inhalte der Quelle auszutauschen.19 Die Sitzordnung in der Lerngruppe gewährleistet hierbei eine Zusammensetzung von leistungsheterogenen Paaren, sodass jeder Schüler die Gelegenheit hat, die Quelle intensiv zu bearbeiten. Eine Differenzierung für leistungsschwächere Schüler findet wäh­rend der Erarbeitung durch gezielte Impulse der Lehrkraft statt, um die wesentlichen Argumente für die Ausbürgerung Wolf Biermanns aus Sicht der SED zu erkennen. Die Sicherung erfolgt in Form einer Schülerpräsentation eines Zweierteams, die ihre Ergebnisse mit Hilfe einer Folie und des Over- head-Projektors präsentieren. Nach der Präsentation ergänzen und verbessern sich die Schüler zu­nächst im Schüler-Schüler-Gespräch. Sollte es hierbei zu Ungenauigkeiten kommen, kann die Lehr­kraft durch gezielte Impuls korrigieren. Zum Schluss wird ein Fazit zur Problemfrage formuliert. Im Anschluss an die Sicherungsphase erfolgt die Vertiefung erneut im Plenum. Durch das Arbeiten mit der Quelle, die als Text am Smartboard visualisiert wird, sollen die Schüler in dieser Situation vor allem die langfristige Entwicklung, die zur Entscheidung geführt hat, betonen. Die anschließende Be­urteilung findet im Plenum im Lehrer-Schüler-Gespräch statt, bevor ein abschließendes Fazit formu­liert und an der Tafel festgehalten wird. Sowohl die Ergebnisse der Folie als auch das Fazit werden den Schülern in der Schul-Cloud zur Verfügung gestellt. Abschließend wird die Hausaufgabe am Smartboard präsentiert, in der die Schüler die Entscheidung aus heutiger Sicht beurteilen sollen.

[...]


1 Im Folgenden wird der besseren Lesbarkeit wegen die Bezeichnung „Schüler“ verwendet.

2 Ihme-Tuchel, Beate: Kontroversen um Geschichte. Die DDR, Darmstadt 2002, S.71.

3 Vgl. Niedersächsisches Kultusministerium: Kerncurriculum Geschichte, S. 26.

4 Ebd., S. 25.

5 Ebd., S. 20.

6 Vgl. https://www.sueddeutsche.de/medien/trump-cnn-acosta-1.4202115 (aufgerufen am 08.11.18)

7 Hürter, Johannes: 1976 Die Ausbürgerung Wolf Biermanns. Künstler und Intellektuelle zwischen den Stühlen. In: Wengst, Udo; Wentker, Hermann (Hrsg.): Das doppelte Deutschland. 40 Jahre Systemkonkurrenz. Berlin 2008, S. 300.

8 Hürter, Johannes: 1976 Die Ausbürgerung Wolf Biermanns, S. 301.

9 Grünbaum, Robert: Wolf Biermann 1976. Die Ausbürgerung und ihre Folgen. Erfurt 2018, S. 13f.

10 Rosellini, Jay: Wolf Biermann, München 1992, S.94f.

11 MfS: Konzeption zur Ausbürgerung Wolf Biermanns, 12.04.1973. URL: https://www.stasi-mediathek.de/medien/konzeptionzur-ausbuer- gerung-wolf-biermanns/blatt/16/ (aufgerufen am 01.11.2018)

12 Grünbaum, Robert: Wolf Biermann 1976, S. 19ff.

13 Wolle, Stefan: Die heile Welt der Diktatur. Herrschaft und Alltag in der DDR 1971-1989. Berlin 2013, S. 335ff.

14 Wolle, Stefan: Die heile Welt der Diktatur, S. 336f.

15 Vgl. Anhang.

16 MfS: Maßnahmen zum Abschluß der Bearbeitung Karl-Wolf Biermanns, 15.11.1976. URL: https://www.stasi-mediathek.de/medien/plan- zur-durchfuehrung-der-ausbuergerung-wolf-biermanns-mit-argumentationshilfen/blatt/29/ (aufgerufen am 01.11.2018).

17 Sauer, Michael: Geschichte unterrichten. Eine Einführung in die Didaktik und Methodik. Seelze 2012, S. 105f.

18 Vgl. Bemerkung zur Lerngruppe, Z. 10f.

19 Gies, Horst: Geschichtsunterricht. Ein Handbuch zur Unterrichtsplanung. Köln 2004, S. 190.

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Details

Titel
Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann am 16. November 1976. Eine aus zeitgenössischer Sicht nachvollziehbare Entscheidung?
Untertitel
(Unterrichtsentwurf im Fach: Geschichte, Klasse: 11)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
13
Katalognummer
V958224
ISBN (eBook)
9783346301468
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Biermann, DDR, Systemkrise, Opposition, Liedermacher, Ausbürgerung, SED, Stasi, Staatssicherheit
Arbeit zitieren
StR Christoph Grave (Autor), 2018, Die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann am 16. November 1976. Eine aus zeitgenössischer Sicht nachvollziehbare Entscheidung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958224

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