Im Folgenden soll betrachtet werden, wie sich das Kino und auch Streaming entwickelt hat, um anschließend zu wagen, auf diese Fragen einzugehen und auch das Fragezeichen nach den jeweiligen Überlebenschancen von Kino und Streaming zu beantworten. Zu Beginn dieser Arbeit ist anzunehmen, dass das Streaming auf Grund eines aktuellen Booms in den Vordergrund rückt und das Kino in seiner Popularität überholt, letzteres aber auf Grund von seiner Einzigartigkeit nie wirklich aussterben wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Tenet – der „Film, der das Kino retten soll“
2. Die Entwicklung des Kinos zum „Patchwork der Pixel“
3. Eine große Online-Videothek – Die Entwicklung des Streamings
4. Kino vs. Streaming – ein Vergleich
4.1 Zwei verschiedene Räume
4.2 Dispositiv
4.3 Angebot
4.4 Zielgruppe und Zuschaueradressierung
4.5 Kann Streaming als Kino begriffen werden?
5. Kino vs. Streaming – ein Fazit
5.1 Analyse
5.2 Auf zwei verschiedenen Rennstrecken unterwegs
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem traditionellen Kinoerlebnis und der zunehmenden Dominanz von Streaming-Diensten, um die jeweiligen Überlebenschancen und medientheoretischen Unterschiede in einer digital geprägten Medienlandschaft zu analysieren.
- Historische Entwicklung von Filmtechnologie und Kino
- Aufstieg von Streaming-Plattformen als digitale Videotheken
- Medientheoretische Untersuchung des Kinobegriffs und des Dispositivs
- Vergleich von Nutzungsarten, Zielgruppenansprache und Angebotsspektren
Auszug aus dem Buch
4.2 Dispositiv
Ein weiteres theoretisches Konzept der Betrachtung stammt von Michel Foucault: Das Dispositiv. Dabei geht es dem französischen Philosophen vor allem um das, was die Kino-Besucher*innen wahrnehmen. Entsprungen vom französischen Dispositif meint der Begriff, wenn man ihn ins Deutsche übersetzt, „sowohl Apparat, Gerät, Einrichtung oder Vorrichtung“. Dies zeigt bereits die Komplexität dieses Diskurses auf. Gründervater Foucault selbst definiert das Dispositiv als „ein entschieden heterogenes Ensemble, das (...) Gesagtes ebensowohl wie Ungesagtes“ umfasst. Die einzelnen Elemente (wie beispielsweise die architektonischen Einrichtungen) stehen dabei permanent in Wechselwirkung. „Das Dispositiv selbst ist das Netz, das zwischen diesen Elementen geknüpft werden kann.“ Es ist strategischer Natur und greift damit in die Kräfteverhältnisse ein. Gleichzeitig ist es aber an die Grenzen des Wissens gebunden, da es hier offensichtlich um die Wahrnehmung geht. Dinge, die die Grenzen des eigenen Gedankenguts überschreiten, können nicht wahrgenommen werden.
Beim Beispiel Kino verbindet es Konsument und Film und hat erheblichen Anteil an der Wirkung des Films. Zwar sitzen die Zuschauer*innen im Kino, einem sehr dunklen Saal vor einer großen Leinwand, auf dem die Bilder, von einem schier unsichtbaren Apparat im Rücken der Sitzenden, projiziert werden. Dennoch sorgt diese Konstellation für eine bestimmte Resonanz bei den Konsument*innen. Daher wird diese Konstellation im Kino auch meist mit dem Höhlengleichnis Platons verglichen. Der Basisapparat selbst sollte im Bezug zum Dispositiv aber ausgeklammert werden. Grund hierfür ist stetige Entwicklung der Technik. Was für die folgende Untersuchung bleibt, ist also das eigentliche Dispositiv und somit die „Situation der Erfahrung vom Film im Kinosaal“. Dabei geht es beim Subjekt vor allem um die Wahrnehmung des projizierten Films. Von der Herstellung, über die Ästhetik durch verschiedenste Kamerastrategien bis hin zur Montage und Narration.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Tenet – der „Film, der das Kino retten soll“: Die Einleitung beleuchtet die Krise des Kinos während der Pandemie am Beispiel des Kinostarts von Christopher Nolans Film Tenet.
2. Die Entwicklung des Kinos zum „Patchwork der Pixel“: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Wandel der Filmtechnik von manuellen Animationen hin zur digitalen Bildbearbeitung.
3. Eine große Online-Videothek – Die Entwicklung des Streamings: Hier wird der Aufstieg von Streaming-Anbietern wie Netflix als Marktführer und der Wandel der Konsumgewohnheiten analysiert.
4. Kino vs. Streaming – ein Vergleich: In diesem Hauptteil werden die medientheoretischen und praktischen Unterschiede zwischen Kinobesuch und Streaming-Konsum in Bezug auf Raum, Dispositiv und Angebot dargelegt.
5. Kino vs. Streaming – ein Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass beide Medien unterschiedliche Stärken besitzen, das Kino aber als Erlebnisraum erhalten bleiben wird.
Schlüsselwörter
Kino, Streaming, Film, Dispositiv, Netflix, Medientheorie, Konsumverhalten, Videothek, Digitalisierung, Patchwork der Pixel, Zuschauererfahrung, Unterhaltung, Mainstream, Tenet, Medienwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wettbewerb und die Koexistenz von klassischem Kino und modernen Streaming-Diensten im digitalen Zeitalter.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Themen umfassen die technologische Filmgeschichte, medientheoretische Diskurse sowie die wirtschaftliche Entwicklung des Streaming-Marktes.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Überlebenschancen des Kinos gegenüber dem aufstrebenden Streaming-Markt zu bewerten und die Unterschiede in der Wahrnehmung zu klären.
Welche wissenschaftlichen Ansätze oder Methoden werden verwendet?
Die Autorin stützt sich primär auf medientheoretische Konzepte von Lev Manovich, Étienne Souriaus Modell des diagetischen Raums sowie Michel Foucaults Dispositiv-Theorie.
Welche Aspekte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der verschiedenen Ausspielorte (Räume), die Bedeutung des Dispositivs, das unterschiedliche Angebot sowie die Zielgruppenadressierung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Dispositiv, Streaming-Plattformen, mediale Wahrnehmung, Filmtechnik und die Zukunftsfähigkeit des Kinos.
Wie unterscheidet sich die Zielgruppenansprache zwischen Kino und Streaming?
Während das Kino primär auf den Mainstream setzt, ermöglichen Streaming-Anbieter durch Datenanalysen eine hochindividuelle Ansprache und Nischenangebote.
Kann Streaming das Kinoerlebnis vollständig ersetzen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Streaming das Kino zwar logistisch und quantitativ überflügeln mag, das Kino aber durch seine spezifische Raum- und Erlebnisqualität ein Alleinstellungsmerkmal behält.
Welchen Einfluss hatte die Corona-Pandemie auf die Argumentation?
Die Pandemie dient als Katalysator, der die bereits bestehende Debatte über die Zukunft des Kinos durch den massiven Boom von Streaming-Diensten verschärft hat.
Wie definiert die Autorin den Begriff „Dispositiv“ im Kontext des Kinos?
Das Dispositiv wird als ein komplexes Netz aus technischen, architektonischen und wahrnehmungspsychologischen Faktoren verstanden, das die spezifische Erfahrung des „Film-im-Saals-Sehens“ konstituiert.
- Arbeit zitieren
- Manuel Wiesinger (Autor:in), 2020, Die große Leinwand vs. Bingewatching auf dem Sofa. Ein Vergleich von Kino und Streaming, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/958244