Im folgendem wird die Funktionalität eines Wechselkurszielzonenmodells diskutiert.
Ein Wechselkurzzielzonenmodell soll die Vorteile des Regimes fester und des Regimes flexibler Wechselkurse kombinieren und gleichermaßen die entsprechenden Einflussmöglichkeiten des Staates auf monetäre Schocks von beiden Regimen vereinen. Im Unterschied zu einem Festkursregime sind die Schwankungsmargen für den Wechselkurs groß bemessen, so dass die Volatilität der Geldnachfrage ihren Niederschlag in Wechselkursbewegungen finden kann. Die Zielzone begrenzt aber den Spielraum für Wechselkursschwankungen und schließt damit fundamentale Veränderungen der ,,terms of trade", soweit sie monetär bestimmt sind, aus. Die Glaubwürdigkeit solch eines Systems wird durch die begrenzte Flexibilität der nominalen Wechselkurse und dem Versprechen der Stabilisierung innerhalb einer Bandbreite bestimmt.
Man darf in diesem Zusammenhang die Devisenmarktinterventionsstrategien zur Stabilisierung der Wechselkurse nicht mit Wechselkurszielzonensystemen verwechseln. Die Gemeinsamkeit besteht lediglich darin, dass die Notenbank durch Käufe bzw. Verkäufe von Fremdwährungen den Wechselkurs beeinflusst. Der Unterschied besteht aber darin, dass Devisenmarktinterventionen oft erst einsetzen, wenn der Kurs von vorgegebenen Zielvorstellungen abweicht. Zielzonen dagegen verlangen Interventionen bevor ein Überschreiten des Zielwerts (d.h. Bandbreite) auftritt. Dies können Interventionen nur sicherstellen, wenn sie nach dem Schock unverzüglich einsetzen.
Ich stelle im folgenden das Wechselkurszielzonenmodell von Krugman (1991) vor.
Inhaltsverzeichnis
1. Gütermarkt
1.1 (a) pt = et (Gütermarktgleichgewicht)
2. Geldmarkt
2.1 (b) Mt - pt = - it (Geldnachfrage)
2.2 (c) Mt = Mt-1 + t (Geldangebot im Band)
3. Devisenmarkt
3.1 (d) it = Et et + 1 - et (Devisenmarktgleichgewicht)
3.2 (e) e (oben) > et > e (unten) (Zielzone um die Parität 0)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Funktionalität des Wechselkurszielzonenmodells nach Krugman und vergleicht dessen theoretische Implikationen mit den praktischen Erfahrungen innerhalb des Europäischen Währungssystems (EWS).
- Theoretische Modellierung von Wechselkurszielzonen nach Krugman
- Analyse der Rolle von rationalen Markterwartungen und Interventionsstrategien
- Empirische Überprüfung der Modellannahmen am Beispiel des EWS
- Implikationen für die geldpolitische Autonomie der Teilnehmerländer
- Auswirkungen von intramarginalen Interventionen auf Wechselkursstabilität
Auszug aus dem Buch
Das Modell von Krugman
In dem Modell von Krugman stecken zwei zentrale Annahmen: 1. Die Notenbanken intervenieren nur an den Bandgrenzen. Solange der Wechselkurs nicht an die Bandgrenzen stößt, wird nicht in den Devisenmarkt eingegriffen. 2. Die Bandgrenzen sind völlig glaubwürdig und die Parität wird als unverrückbar angesehen.
Zunächst könnte man davon ausgehen, dass die Wechselkursveränderungen innerhalb der Zielzone durch eine Gerade gemäß et = Mt mit der Steigung 1 bestimmt ist. Dies würde aber implizieren, dass die Marktteilnehmer keine Änderung des Wechselkurses hätten. Ob rationalerweise eine Änderung des Wechselkurses zu erwarten ist, hängt davon ab, ob eine Änderung der Geldmenge erwartet wird. Diese folgt innerhalb der Bandgrenzen dem Random Walk. Ihre erwartete Änderung wäre somit eigentlich Null. An den Bandgrenzen dominiert allerdings die Interventionspflicht der Zentralbanken. Dies hat natürlich Auswirkungen auf die Wechselkursreaktionslinie.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Gütermarkt: Definiert die grundlegende Gleichgewichtsbedingung zwischen Preisniveau und Wechselkurs innerhalb des Zielzonenmodells.
2. Geldmarkt: Beschreibt die Mechanismen der Geldnachfrage und des Geldangebots innerhalb des festgesetzten Bandes.
3. Devisenmarkt: Erläutert das Marktgleichgewicht unter Berücksichtigung der Zinsbedingungen und der definierten Zielzonenbandbreite.
Schlüsselwörter
Wechselkurszielzonen, Krugman-Modell, Europäisches Währungssystem, Geldpolitik, Devisenmarktinterventionen, rationale Erwartungen, Zinsdifferenz, Wechselkursstabilität, Bandgrenzen, Geldmenge, Volatilität, S-Kurve, Ankerwährung, intramarginale Intervention, monetäre Koordination
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert das theoretische Wechselkurszielzonenmodell nach Krugman und setzt es in Bezug zu den realen Erfahrungen aus dem Europäischen Währungssystem (EWS).
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Modellierung von Wechselkursen, die Effektivität von Zentralbankinterventionen, die Bedeutung von Markterwartungen und die Auswirkungen auf die geldpolitische Autonomie.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Darstellung der Funktionalität von Zielzonenmodellen sowie der Abgleich dieser Theorie mit der historischen Empirie des EWS.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine theoretische Modellanalyse angewandt, die durch eine empirische Reflexion und einen Literaturvergleich ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die mathematische Herleitung des Modells, die Diskussion der S-Kurve und eine kritische Auseinandersetzung mit der empirischen Bestätigung der Modellparameter im EWS.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Wechselkurszielzonen, Krugman-Modell, geldpolitische Autonomie und intramarginale Interventionen charakterisiert.
Wie beeinflussen rationale Erwartungen laut Modell den Wechselkurs?
Durch rationale Erwartungen der Marktteilnehmer wird eine Auf- oder Abwertung bereits vor Erreichen der Bandgrenzen eingeleitet, was den Verlauf von der theoretischen Geraden zu einer S-förmigen Kurve transformiert.
Warum konnte die Empirie des EWS die Modellannahmen teilweise nicht bestätigen?
In der Realität intervenieren Zentralbanken oft intramarginal, was die im Modell unterstellte „Random Walk“-Entwicklung der Geldmenge sowie die U-förmige Verteilung der Wechselkurswerte widerlegt.
- Quote paper
- Florian Schoetzke (Author), 2001, Wechselkurszielzonenmodell und Erfahrungen aus dem EWS, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9586