Seele und Psyche: Erstspracherwerb - Zweitspracherwerb


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Spracherwerbstheorien
2.1 Die behaviouristische Theorie
2.2 Die nativistische Theorie
2.3 Die kognitive Theorie
2.4 Die interaktionistische Theorie

3. Die Hauptphasen der Sprachentwicklung
3.1 Die Phase der Spracheinführung: Der Ein-Wort-Satz
3.2 Der Aufbau des sprachlichen Systems: Der Zwei- und Drei-Wort-Satz
3.3 Der Ausbau des sprachlichen Systems – die kommunikative Flexibilität

5. Zweitspracherwerb
5.1 Monitormodell von Krashen
5.2 LCS- und PCS- System von Sascha Felix

6. Zusammenfassung

7. Abbildungsverzeichnis

8. Quellen- und Literaturverzeichnis

Einleitung

Von Geburt an befindet sich ein Kind in einer Gemeinschaft, die hauptsächlich mit dem Mittel Sprache kommuniziert und die sich von Anfang an auch verbal an das Kind richtet. Nicht nur Kindern erschließt sich die Welt durch Sprache. Will es in der Sprachgemeinschaft bestehen, so ist das Kind gezwungen, die Sprache zu erlernen. Wenn Kinder beginnen, sich ihre Welt durch Wörter anzueignen, dann machen auch Erwachsene dabei immer wieder neue Erfahrungen in ihrem eigenen Umgang mit Sprache.

Die Frage, ob Kinder Erstsprache passiv durch Imitation oder aktiv durch das Verstehen ihrer unmittelbaren Umwelt verstehen ist immer noch aktuell, denn der Spracherwerb kleiner Kinder ist im allgemeinen eine bemerkenswerte Leistung des Menschen. Hierüber gibt es unterschiedliche Theorien und Erklärungsversuche. Spracherwerbstheorien bilden das Fundament für mögliche Erklärungsmuster. Man unterscheidet zwischen den nativistischen und den funktionalen, der interaktionistischen, kognitiven und behavioristischen Ansätzen.

Die folgende Ausarbeitung betrachtet im ersten Teil, die wesentlichen Aspekte des kindlichen Spracherwerbs bzw. das Erlernen sprachlicher Strukturen. Darauf folgt eine Darstellung der etablierten Spracherwerbstheorien (Skinner, Chomsky, Piaget), um anschließend dialogische und kommunikative Gesichtspunkte verbaler Interaktionen zwischen Kindern und Erwachsenen zu betrachten. Unter Erstspracherwerb versteht man den ungesteuerten Erwerb der Muttersprache des Kindes. Beim Lernen der ersten Sprache lernt das Kind, so nimmt man an, keineswegs nur diese eine Sprache, sondern es lernt eine Menge über Sprache überhaupt.

Im zweiten Teil soll versucht werden den Zweitspracherwerb verständlich darzustellen. Es gibt den ungesteuerten Zweitspracherwerb, so beispielsweise bei Arbeitsmigranten, die ohne Sprachunterricht die Sprache des Landes lernen, in dem sie leben. Daneben gibt es auch den gesteuerten Zweitspracherwerb oder gesteuerten Fremdsprachenunterricht damit ist das Erlernen einer Sprache durch Unterricht gemeint. Es kommt auch vor, dass ein Kind mehr als eine Muttersprache gleichzeitig erwirbt, dann spricht man von sogenannten zweisprachig (bilingual) aufwachsenden Kindern.

2. Die Spracherwerbstheorien

2.1 Die behavioristische Theorie

Der Behaviorismus wurde in den Vereinigten Staaten von John B. Watson begründet. Anhänger dieser Theorie definierten in Anlehnung an den russischen Forscher und Nobelpreisträger Iwan Pawlow das Verhalten „als Reaktion auf bestimmte umweltbedingte, äußere oder innere Reize“[1]. Behavioristen sind der Auffassung, dass Sprache durch einen gegebenen Reiz bzw. Stimulus eine bestimmte Reaktion oder auch ´response` wiedergibt. Dieses wird so oft wiederholt bis der Vorgang zu einer festen Gewohnheit, einem ´habit` wird. In Tierexperimenten belohnte man das Versuchsobjekt bei richtigem Verhalten auf den gegebenen Reiz. Hierbei spricht man von Konditionierung. Lernen über das Reiz- und Reaktionsparadigma nennt man Assoziationslernen, da der Lernerfolg durch die Verbindung von Reiz und Reaktion erst zustande kommt. Voraussetzung hierfür ist jedoch die Fähigkeit, welche die Bildung von Gedankenverknüpfungen ermöglicht. Behavioristen akzeptieren nur beobachtbare Fakten und messbare Daten. Ihre Forschung geht auf naturwissenschaftliche Methoden zurück und richtet sich auf das beobachtbare Verhalten. Diese Ausrichtung an den Naturwissenschaften im allgemeinen führte zu einer Beschränkung auf experimentelle Methoden und Versuche[2]. Watson stützte sich bei seinen Forschungen auf das objektiv beobachtbare Verhalten und untersuchte primär die Funktion der Umwelt bei Verursachung von Verhalten. Das beobachtbare Verhalten interpretierte er als Reaktion auf die ständig wechselnden Umwelteinflüsse[3].

Es gibt zahlreiche Varietäten behavioristischer Lerntheorien. Sie zeigen sich allesamt als untauglich Spracherwerb zu erfassen oder zu erklären, so Henning Wode. Das Erlernen von Sprache wird hier als Nachahmung und passiv erduldete Dressur beschrieben. Die Herausbildung sprachlicher Strukturen hängen von dem Fleiß des Lerners ab, d.h., indem er das Gehörte übt und daraufhin dafür belohnt oder bestraft wird. Der Ursprung und die sprachliche Struktur der entwicklungsspezifischen Fehler bleiben ungeklärt. Diese jedoch halten sich trotz Belohnung, Strafe oder Belehrung über längere Zeiträume. Die schöpferische Verarbeitung, die kennzeichnend für Sprachenlernen ist bleibt im behavioristischen Ansatz aus. Die beobachteten Reize und Reaktionen folgen im Sinne des Behaviorismus einer regelhaften Apparatur in welcher der Lerner ausschließlich passiv bleibt[4].

Für den behavioristischen Ansatz ist der Spracherwerb Stimulus-kontrolliert und der Außensteuerung ausgesetzt. Wie schon oben erwähnt ging man davon aus, dass beim Lernen eine Verknüpfung zwischen einem Stimulus mit einer Response durch Konditionierung stattfindet. Bei der Konditionierung unterscheidet man jedoch zwischen dem klassischen/reaktiven und operanten/instrumentellen Konditionieren. Für den Psychologen Burrhus Frederick Skinner ist das verbale Verhalten stimulus-kontrolliert und angeboren[5]. Er wurde beeinflusst durch die Ideen Pawlows und Watsons und gilt als wichtigster Vertreter der naturwissenschaftlichen orientierten (neo-) behavioristischen Psychologie. Sprache ist für Skinner die Summe einzelner, durch Konditionierung, Verstärkung und Generalisierung antrainierter Sprechgewohnheiten, die seiner Ansicht nach ein zufälliges Netz von assoziativen Verknüpfungen verbaler Ausdrücke darstellen[6]. Genauer gesagt wird nach behavioristischer Auffassung:

„eine Verhaltensweise [...] gelernt, wenn man auf ihre Ausführung ein Reinforcement, eine Verstärkung, erfolgt. Ein Kind, das zuerst nicht-reaktive Laute bildet, imitiert Laute, für die es durch Zuwendung der Bezugspersonen belohnt wird. Die sellektive Verstärkung der Bezugspersonen führt dazu, dass sich die Laute des Kindes an das Lautsystem der Bezugspersonen sukzessiv annähern“[7].

Skinner übertrug seine Erfahrungen aus Experimenten mit Tieren auf das sprachliche Verhalten. Er zeigte auf welchen Strukturen das sprachliche Verhalten beruht und wie es erworben werden kann, jedoch akzeptierte er keine angeborenen Sprachstrukturen[8].

[...]


[1] Bußmann 1990, S. 140

[2] Vgl. Bußmann 1990, S. 128,86

[3] Vgl. Watson 1968, S. 123

[4] Vgl. Wode 1993, S. 48

[5] Vgl. Oksaar 1987, S. 141 f.

[6] Vgl. Bußmann 1990, S. 129

[7] Oksaar 1987, S.142

[8] Vgl. Sarter 1980, S. 204

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Seele und Psyche: Erstspracherwerb - Zweitspracherwerb
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Deutsches Institut)
Veranstaltung
Beschreibungsmethoden der Linguistik
Note
1,7
Autor
Jahr
2000
Seiten
19
Katalognummer
V9595
ISBN (eBook)
9783638162548
Dateigröße
589 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Seele, Psyche, Erstspracherwerb, Zweitspracherwerb, Beschreibungsmethoden, Linguistik
Arbeit zitieren
Jasmina Cirkic (Autor), 2000, Seele und Psyche: Erstspracherwerb - Zweitspracherwerb, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9595

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