Stressbewältigung mittels psychologischer Theorien. Die "self-fulfilling prophecy" im Kontext Neuro-Linguistischen Programmierens


Bachelorarbeit, 2020

152 Seiten, Note: 1,5


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Relevanz
1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

2 Der Faktor Stress
2.1 Coping-Strategien
2.2 Transaktionales Stressmodell Lazarus
2.3 Die Theorie der Ressourcenerhaltung

3 Neuro-Linguistisches Programmieren
3.1 Entdeckung und Entstehung von NLP
3.2 Techniken des NLP
3.2.1 Rapport
3.2.2 Pacing
3.2.3 Leading
3.2.4 Reframing
3.2.5 Metamodell

4 Das Phänomen der self-fulfilling prophecy
4.1.1 Rosenthal Effekt
4.1.2 Pygmalion Effekt

5 Empirische Untersuchung
5.1 Forschungsdesign
5.2 Datenerhebung
5.2.1 Problemzentriertes Interview
5.2.2 Konstruktion des Interviewleitfadens
5.2.3 Stichprobenauswahl
5.2.4 Durchführung der Interviews
5.3 Datenaufbereitung und -auswertung
5.3.1 Transkription der Interviews
5.3.2 Inhaltsanalyse der Interviews

6 Ergebnisse
6.1 Ergebnisse der Probanden
6.2 Interpretation der Ergebnisse
6.2.1 Hauptkategorie Stress
6.2.2 Hauptkategorie Neuro-Linguistisches Programmieren
6.2.3 Hauptkategorie self-fulfilling prophecy
6.2.4 Hauptkategorie Verwendung der self-fulfilling prophecy im NLP zur Stressbewältigung

7 Kritische Reflexion
7.1 Gütekriterien
7.2 Theorieteil
7.3 Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang
Kodierleitfaden
Interviewleitfaden
Interview 1
Interview 2
Interview 3
Interview 4
Interview 5
Interview 6
Interview 7
Interview 8
Interview 9
Interview 10

Ehrenwörtliche Erklärung

Abstract

Coaching nie ohne Auftrag - so lautet einer der Grundsätze im Neuro-Lingu- istischen Programmieren. Geht es um das selbstbewusstere Auftreten vor Menschen oder um die eigene Persönlichkeitsentwicklung, sprechen wir von Aufträgen. NLP wird ebenso zur Stressbewältigung eingesetzt, denn NLP findet überall statt, wo Menschen miteinander oder mit sich selbst kommunizieren. Mittlerweile gibt es einige Techniken, die angewendet werden, um die Ursache von Stress zu ergründen und nach einer Lösung des Problems zu suchen. Doch wie sieht es mit dem Vereinen psychologischer Theorien im NLP aus? Motivation dieser Forschungsarbeit war unter anderem der gestiegene Be­kanntheitsgrad von NLP sowie das Interesse an psychologischen Modellen, wie der self­fulfilling prophecy. Viele Menschen klagen täglich darüber, aus unterschiedlichen Grün­den gestresst zu sein. Das allgemeine Stressniveau steigt. Wie der Einsatz der self-fulfil­ling prophecy im NLP zur Stressbewältigung bewertet wird, wurde mithilfe von zehn Experteninterviews in einer qualitativen Forschung untersucht. Bei den Interviews han­delt es sich um halbstandardisierte, problemzentrierte Interviews, für welche zuvor ein kategoriengeordneter Leitfaden erstellt wurde. Hierbei sollten die Erfahrungen der Pro­banden Aufschluss darüber geben, wie sich die self-fulfilling prophecy im NLP zur Stressbewältigung anwenden lässt. Im qualitativen Auswertungsprozess nach Mayring wurden sowohl Gemeinsamkeiten der Befragten als auch unterschiedliche Ausprägungen hinsichtlich Stress, NLP und der self-fulfilling prophecy festgestellt. Aus den Ergebnis­sen ließ sich erkennen, dass NLP ebenso zur Stressreduzierung beiträgt, wie die self-ful­filling prophecy. Dennoch wird die self-fulfilling prophecy überwiegend als Ergebnis der erfolgreichen Stressbewältigung anhand NLP gesehen, nicht etwa als Methode. Auch kann die self-fulfilling prophecy zur Vorbeugung von Stress eingesetzt werden. Da bei dieser qualitativen Forschung kein eindeutiges Ergebnis erzielt wurde, führte die Autorin im letzten Abschnitt eine kritische Reflexion durch, um ein abschließendes Fazit ziehen zu können.

Schlüsselwörter: Stress, Stressbewältigung, Neuro-Linguistisches Programmieren, self­fulfilling prophecy

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Hierarchischer Aufbau der Forschungsfragen (eigene Darstellung)

Abbildung 2. Die Bewertung von Stress (eigene Darstellung in Anlehnung an Myers, 2014, S. 526)

Abbildung 3. Das transaktionale Stressmodell nach Lazarus (eigene Darstellung in Anlehnung an Lazarus & Folkmann, 1984)

Abbildung 4. Die Theorie der Ressourcenerhaltung (eigene Darstellung in Anlehnung an Hobfall, 1989)

Abbildung 5. Die Augenzugangshinweise (eigene Darstellung in Anlehnung an Bandler & Grinder, 2011)

Abbildung 6. Der Mechanismus der self-fulfilling prophecy (eigene Darstellung in Anlehnung an Weber & Rammsayer, 2012)

Abbildung 7. Die Kategorien des Interviewleitfadens (eigene Darstellung in Anlehnung an Mayring, 2002)

Abbildung 8. Ablaufmodell der qualitativen Inhaltsanalyse (eigene Darstellung in Anlehnung an Mayring, 2002, S. 120 & Mayring, 2010, S. 60)

Abbildung 9. Stresslevel der Befragten (eigene Darstellung Interview 1-10)

Abbildung 10. Kenntnisse des Neuro-Linguistischen Programmierens (eigene Darstellung Interview 1-10)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Qualitativer Stichprobenplan (eigene Darstellung der Interviewten VPN)

Tabelle 2. Interviewausschnitt aus der Fundstellenbezeichnung (eigene Darstellung; Ausschnitt aus Interview 1)

Tabelle 3. Ergebnisse des ersten Interviews (eigene Darstellung Interview 1)

Tabelle 4. Ergebnisse des zweiten Interviews (eigene Darstellung Interview 2)

Tabelle 5. Ergebnisse des dritten Interviews (eigene Darstellung Interview 3)

Tabelle 6. Ergebnisse des vierten Interviews (eigene Darstellung Interview 4)

Tabelle 7. Ergebnisse des fünften Interviews (eigene Darstellung Interview 5)

Tabelle 8. Ergebnisse des sechsten Interviews (eigene Darstellung Interview 6)

Tabelle 9. Ergebnisse des siebten Interviews (eigene Darstellung Interview 7)

Tabelle 10. Ergebnisse des achten Interviews (eigene Darstellung Interview 8)

Tabelle 11. Ergebnisse des neunten Interviews (eigene Darstellung Interview 9)

Tabelle 12. Ergebnisse des zehnten Interviews (eigene Darstellung Interview 10)

Tabelle 13. Ausprägungen der Probanden Verwendung der SFP im NLP zur Stressbewältigung (eigene Darstellung Interview 1-10)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Thesis hat einen Umfang von 18.231 Wörtern (ohne Anhang und Literaturverzeich­nis).

Grundlage ist der Leitfaden zum wissenschaftlichen Arbeiten in der Wirtschaftspsycho­logie vom 26.07.2019

1 Einleitung

Dass unser Denken unser Handeln und unsere Taten beeinflusst ist unabdingbar. Entscheidungen des alltäglichen Lebens, in denen wir schnell reagieren müssen, werden überwiegend emotional und nicht rational getroffen. Dies vereinfacht unser Denken, da eine schnellere kognitive Verarbeitung, also ein „Denken ohne Umwege“ den Prozess vereinfacht (Aronson, Wilson und Akert, 2008). Zu diesen Prozessen zählt ebenso die selbsterfüllende Prophezeiung, welche laut Harber und Jussim (2005) unbewusst abläuft und dafür sorgt, dass Erwartungen, die wir über eine andere Person oder Situation haben eintreten. Dieses erwartungskonforme Verhalten wird dadurch verursacht, dass sich der „Sender“ der „Zielperson“ gegenüber bereits seiner Erwartungshaltung entsprechend ver­hält, was wiederum dazu führt, dass die Zielperson das erwartete Verhalten zeigt (Harber und Jussim, 2005). Doch wo sind die Grenzen dieser selbsterfüllenden Prophezeiung? Können wir mit unserem eigenen Denken unsere Gesundheit beeinflussen? Unser Ver­halten in stressigen Situationen steuern? Wie lassen sich selbst erfüllende Prophezeiun­gen anwenden, um Stress zu bewältigen?

1.1 Problemstellung und Relevanz

Das Gefühl von Stress begleitet nahezu jeden im Alltag, sei es beruflich oder privat. Es gibt diverse Stressbewältigungskonzepte oder Ideen, die individuell angewendet werden können. Durch gelungene Coping-Strategien lässt sich Stress bewältigen, was re­levant ist, wenn es um den langfristigen Erhalt psychischer Gesundheit geht. Um Stress zu bewältigen, sind Ressourcen notwendig. Außerdem bieten sich verschiedene Konzepte an (Kaluza, 2007). Auch NLP Coaches müssen sich mit Strategien der Stressbewältigung auseinandersetzen. „Ich mache mir Sorgen um meine psychische Gesundheit, meine Ar­beit macht mir gar keinen Spaß mehr und ich bin nur noch gestresst.“ Der Auftrag hierbei ist es, dem Klienten dabei zu helfen, besser mit Stress umzugehen und nach Ursachen und Lösungen zu suchen. Im NLP gibt es zahlreiche Techniken, die individuell angewendet werden. Dennoch ist das Neuro-Linguistische Programmieren ein noch nicht ausreichend bekanntes Tool, weshalb es relevant ist, zu erforschen, welche Grenzen NLP hat und wofür sich NLP einsetzen lässt. Die vorliegende qualitative Studie befasst sich mit dem

Einsatz der sich selbsterfüllenden Prophezeiung im Kommunikationsmodell Neuro-Lin- guistisches Programmieren, um Stress zu bewältigen.

1.2 Zielsetzung und Vorgehensweise

Ziel der vorliegenden Bachelorthesis ist es, Erfahrungen, Anwendungsbereiche und Grenzen des NLP zu erörten, den Einsatz der self-fulfilling prophecy im NLP zu erfor­schen, um anschließend die self-fulfilling prophecy als Methode im NLP zur Stressbewäl­tigung zu erforschen. Mittels der zuvor dargestellten theoretischen Inhalte wird die Un­tersuchung gestützt. Auf Grundlage der Literaturrecherche wurde folgende zentrale For­schungsfrage aufgestellt: Wie lässt sich die self-fulfilling prophecy im NLP einsetzen, um Stress zu bewältigen? Nachfolgende Abbildung zeigt die daraus abgeleiteten Unter­fragen, die den Kategorien Zusammenhang, Anwendung und Bewertung zugeordnet wurden.

Anhand von zehn durchgeführten Interviews wird der Zusammenhang der self-ful­filling prophecy und des NLP hinsichtlich Stressbewältigung untersucht, die mögliche Anwendung erörtert sowie der Einsatz der self-fulfilling prophecy im NLP zur Stressbe­wältigung bewertet. Die Gliederung intendiert zunächst die theoretischen Grundlagen von Stress (Kap. 2), Neuro-Linguistischem Programmieren (Kap. 3) und der self-fulfil­ling prophecy Theorie (Kap. 4) sowie den zweiten Bereich, die Methodik der vorliegen­den qualitativen Forschungsarbeit zu beschreiben. Der theoretische Teil inkludiert eine Einführung in die Themen, um dem Leser den nötigen Wissensstand zu vermitteln und somit die Basis der Forschungsarbeit zu bilden.

Im Methodenteil wird die Durchführung der qualitativen Forschung genauer er­läutert und die Daten anhand problemzentrierter, halbstandardisierter Interviews erho­ben, transkribiert und anschließend ausgewertet. Anschließend werden die nach dem Mayring-Verfahren ausgewerteten Ergebnisse interpretiert und miteinander verglichen. Zuletzt werden die Inhalte und interpretierten Ergebnisse zusammengeführt, um ein Fa­zit der Forschungsarbeit ziehen zu können und die Forschungsfragen bestmöglich zu be­antworten. Außerdem wird noch eine kritische Reflexion anhand des Theorieteils und anhand der Gütekriterien der qualitativen Sozialforschung durchgeführt.

2 Der Faktor Stress

Seinen Ursprung fand der Begriff Stress laut Paulmann, Busse und Walter (2006, S.3) im Bereich der Physik und hatte dort die Bedeutung von Spannung oder auch Druck. Erst im Jahr 1914 gewann der Begriff Stress im psychophysiologischen Bereich Bedeu­tung und wurdedurch einen der bedeutendsten Stressforscher, Hans Selye, bekannt. Selye (1988, S.58) bezeichnet Stress als „die unspezifische Reaktion des Körpers auf jede An­forderung, die an ihn gestellt wird.“ Spezifische Reaktionen des Körpers können bspw. Zittern bei Kälte oder Schwitzen bei Hitze sein. Allerdings erzeugt auch jede auf uns einwirkende Kraft „zusätzlich zu seinem spezifischen Effekt auch eine unspezifische Steigerung des Bedarfs, anpassende Funktionen zu erfüllen und dadurch wieder normale Zustände herzustellen, was immer auch der spezifische Vorgang sein mag, der zu den erhöhten Anforderungen geführt hat.“ (Selye, 1988, S. 59) Der Mediziner differenziert positiven und negativen Stress. Er bezeichnet positiven und negativen Stress auch als Eustress und Distress. Selye (1988) erforschte, dass Stress nicht unbedingt gesundheits­leidend sein muss, sondern für den Körper ebenso als förderlich wahrgenommen werden kann. Der positive Eustress bezeichnet jede Aktivität, die Stress hervorruft bzw. erzeugt, da zur Bewältigung diverser Aktivitäten Energie benötigt wird. Diese Aktivitäten können sein: Joggen, Schwimmen, Fahrrad fahren etc. Negativer Stress, also Distress, erzeugt hingegen Unlustgefühle und kann auch für die Entstehung bestimmter Krankheiten ver­antwortlich gemacht werden. Ebenso ist Stress individuell, so kann jeder Mensch einen anderen Stressor (Stressauslöser) haben. Ein Schüler, der kurz vor seinem Abitur steht, leidet wahrscheinlich unter Stress aus Angst, das Abitur nicht zu bestehen, wohingegen ein Sportler, der Erwartungen hinsichtlich des Erfolgs erfüllen muss, dadurch gestresst ist.

Nach Myers (2014, S. 525) ist Stress „also ein Prozess, durch den wir Bedrohungen und Herausforderungen aus der Umwelt bewerten und bewältigen.“ Stress entsteht somit nicht durch ein bestimmtes Ereignis oder Erlebnis, sondern durch unsere Bewertung des Stressors. Man unterscheidet zwischen Leistungs-, physikalischen und sozialen Stresso- ren. Beispiele für Stressoren sind: Leistungsdruck, soziale Konflikte (mit Freunden und/oder Familie), Katastrophen, aber auch bedeutsame Veränderungen im Leben. So kann ein bestimmtes Ereignis bei einem Individuum als Bedrohung bewertet und somit stressauslösend sein, bei einem anderen wiederum kann es als Herausforderung bewertet werden und somit positiven Stress auslösen. (Myers, 2014)

Die folgende Abbildung soll darstellen, wie Stress entsteht bzw. wie er bewertet wer­den kann.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Die Bewertung von Stress (eigene Darstellung in Anlehnung an Myers, 2014, S. 526)

2.1 Coping-Strategien

Wie schon im vorherigen Kapitel beschrieben, entscheidet der Umgang bzw. die Bewertung von Stress darüber, ob ein Stressor eine negative oder eine positive Reaktion hervorruft. Da sich die vorliegende Arbeit mit Stressbewältigung (im NLP) befasst, wird im Folgenden auf Coping als Begriff und auf diverse Coping-Strategien eingegangen.

Der Begriff Coping lässt sich vom Englischen to cope with ableiten, was auf Deutsch übersetzt zurechtkostrmen mit, bewältigen, bedeutet. (Frydenberg, 2004) Co- ping-Strategien sind essenziell, um stressige Situationen zu überwinden. Demnach be­schreiben Bewältigungsstrategien den dynamischen Umgang mit Stress. Ziel dabei ist es, dass belastenden Ereignissen so entgegengewirkt wird, dass einer Person kein (langfris­tiger) Schaden entsteht.

Lazarus und Folkmann (1984, S. 141) definieren Stressbewältigung folgenderma­ßen: „Stressbewältigung umfasst kognitive und verhaltensbezogene Anstrengungen zur Handhabung externer und interner Anforderungen, die von der Person als die eigenen Ressourcen beanspruchend oder überfordernd angesehen werden.“ Lazarus unterscheidet problemorientiertes, emotionsorientiertes und bewertungsorientiertes Coping. Das 11 problemorientierte Coping bezieht sich auf den direkten Umgang mit einem Stressor. Eine dem Stress ausgesetzte Person versucht also, durch aktive Informationssuche, aktive Handlungenoder Unterlassen von Handlungen, Stresssituationen zu überwinden bzw. ak­tiv zu ändern und eine Lösung herbeizuführen. Problemorientiertes Coping wird einge­setzt, wenn Situationen als einigermaßen kontrollierbar erlebt werden. Bei emotionsori­entiertem Coping liegt der Fokus darin, die durch das stressende Ereignis entstandene negative emotionale Erregung zu reduzieren bzw. abzubauen. Die subjektive Wahrneh­mung der Situation wird durch Methoden wie Verleugnung, Vermeidung und Ablenkung beeinflusst. Diese Art von Coping findet besonders dann Anwendung, wenn die Problem­situation als unveränderlich wahrgenommen wird. (Lazarus & Folkmann, 1984) Wenn man von bewertungsorientiertem Coping ausgeht, lässt sich sagen, dass die betroffene Person ihr Verhältnis zur Umwelt zu dem Ereignis kognitiv neu bewertet, um adäquat damit umgehen zu können. Die Intention hierbei liegt darin, das stressende Ereignis als Herausforderung zu sehen, auch wenn diese eigentlich eine Belastung für die Person dar­stellt. Bei positiver Bewertung werden Ressourcen frei, die dabei helfen, das Problem zu bewältigen.

Wie die beiden Autoren Ulich und Wülser (2017, S. 67 f.) in ihrer Literatur er­wähnen, unterscheiden viele Autoren zwischen reizorientierten Stresskonzepten, wobei nur auslösende Bedingungen fokussiert werden, reaktionsorientierten Stresskonzepten, welche sich auf individuelle Stressreaktionen konzentrieren und transaktionalen Stress­konzepten, bei welchen die Transaktion zwischen Mensch und Situation im Vordergrund steht.

2.2 Transaktionales Stressmodell Lazarus

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitern hat der Psychologe Richard Lazarus (1984) die Stressforschung anhand des transaktionalen Stressmodells weitestgehend geprägt. Das transaktionale Stressmodell von Lazarus geht davon aus, dass die eigenen Gedanken und Bewertungen der jeweiligen Situation entscheidend für die Reaktion auf die Stressfaktor ist. Nach Lazarus entsteht Stress als eine Folge subjektiver Wahrnehmung. Der Kernge­danke besteht darin, sowohl kognitive Bewertungen einer Person in Bezug auf den Stres­sor als auch Bemühungen zur Bewältigung dieses Stressors mit einzubeziehen. (Kramis- Aebischer, 1996, S. 32 f.)

Bamberg, Mohr und Busch (2011) beschreiben, dass bei dem transaktionalen Stressmodell nach Lazarus sowohl Bewertungsprozesse als auch Rückkopplungsprozesse zentral sind. Zunächst findet eine Erstbewertung, welche Lazarus als primäre Bewertung bezeichnet statt. Hierzu wird eine Situation hinsichtlich ihrer Bedeutung für das Wohl- und Belastungsempfinden als entweder irrelevant, positiv oder stressend evaluiert. Wird die Situation bzw. ein bestimmtes Ereignis für eine Person als stressend empfunden, so erfolgt eine erneute Einstufung als entweder Schädigung (Verlust), Bedrohung (Misser­folg möglich) oder als Herausforderung (Einsatz weiterer Fähigkeiten). Nach der pri­mären Bewertung erfolgt die sekundäre Bewertung. Im Rahmen der sekundären Bewer­tung schätzt der Mensch die ihm vorhandenen Ressourcen, also Möglichkeiten und Fä­higkeiten zur Bewältigung der Situation danach ein, ob sie ausreichen, der bevorstehen­den Belastung „adäquat zu begegnen“. (Ulich & Wülser, 2017, S. 68 f.) Die Stressreak­tion fällt höher aus, wenn die wahrgenommene Ressourcenbewertung für die erfolgreiche Situationsbewältigung ungünstig ausfällt. Anschließend folgt die Stressbewältigung „Co- ping“, diese spielt in Lazarus Modell ebenso eine wichtige Rolle, da interindividuelle Differenzen aufgezeigt werden. Lazarus unterscheidet zwischen emotionsorientiertem Coping, d. h. die Regulation der durch die stressende Situation ausgelösten Emotionen, und problemorientiertem Coping, d. h. Veränderung und Neuinterpretation der Stresssi­tuation. Je nach Rückmeldung über den Erfolg einer verwendeten Lösungsstrategie oder durch das Hinzukommen von weiteren Ressourcen kann eine Neubewertung der Situation erfolgen, z. B. ein Wechsel von der Wahrnehmung einer Situation als "Bedrohung" zu einer "Herausforderung". (Bamberg, et al., 2011)

Die Abläufe, welche nach dem transaktionalen Stressmodell von Lazarus für die Bewertung eines Stressors von Bedeutung sind, sollen nachfolgend mithilfe einer Abbil­dung verdeutlicht werden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

2.3 Die Theorie der Ressourcenerhaltung

Die Grundlage der ressourcenorientierten Theorien bilden Foa und Foa (1974, 1976), Schönpflug (1985), sowie Feger (1985) und Auhagen (1987). Ende der 80er Jahre entwickelte der Autor Stevan E. Hobfall das Modell der Ressourcenerhaltung (Conver­sation of Ressources Theory, COR-Theorie).

Die COR-Theorie dient als modernisierte Version des transaktionalen Stressmo­dells von Lazarus (Schwarzer, 2000). In erster Linie geht es bei der ressourcenorientierten Theorie darum, Methoden zur Stressbewältigung zu ergründen, nicht etwa um die Bewer­tung der stressauslösenden Situation. Hobfoll geht es primär um Motivation und Bewäl­tigung des Stresses. Des Weiteren geht er davon aus, dass „Individuen bestrebt sind, so­wohl ihre Ressourcen und Identität als auch die der Gemeinschaft zu bewahren.“ (Rau­felder und Hoferichter, 2017) Nach Hobfoll (1989) ist der zentrale Auslöser von Stress das Empfinden von Verlust wertvoller Dinge. Menschen streben danach, ihre Ressourcen, wie z. B. Gegenstände, Bedingungen und Persönlichkeitsmerkmale zu erhalten und den 14 Verlust dieser Ressourcen zu vermeiden. Hierbei gilt das Vermeiden von Verlusten als stärkeres Motiv als das Streben nach Gewinnen, da das Verlustvermeiden der Ressourcen weitere Ressourcen erfordert. Beispielsweise wird die „Abstufung eines gewohnten Le­bensstandards durch plötzliche Arbeitslosigkeit, Krankheit, Scheidung usw. persönlich als gravierender und stressinduzierender empfunden als eine kontinuierliche Verbesse­rung des Lebensstandards, ...“ (Hobfoll, 1989)

Hobfoll bezeichnet drei zentrale Auslöser von Stress: Verlust von Ressourcen, Be­drohung von Ressourcen und Investierung in Ressourcen ohne Gewinn zu machen. Die Ressourcen klassifiziert er in seiner COR-Theorie als:

a) Objektressourcen (bspw. Lebensmittel, Autos, Kleidung etc.)
b) Zustandsressourcen (Job, soziale Beziehungen, Fortschritte etc.)
c) Persönliche Ressourcen (Persönlichkeit, Intelligenz, Fähigkeiten etc.)
d) Energieressourcen (Geld, Zeit, Wissen etc.)

Die Ressourcenerhaltungstheorie betrachtet somit Umweltprozesse und internale Pro­zesse gleichermaßen. Menschen haben einen angeborenen Trieb, der sie dazu bringt, ihre Ressourcen zu bewahren und jedes Ereignis, welches die Sicherheit der Ressourcen ge­fährdet bzw. Verlust vermuten lässt, zu vermeiden oder zu minimieren. Die folgende Ab­bildung dient zum vereinfachten Verständnis der Theorie der Ressourcenerhaltung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4. Die Theorie der Ressourcenerhaltung (eigene Darstellung in Anlehnung an Hobfall, 1989).

3 Neuro-Linguistisches Programmieren

Laut der Psychologin Alexa Mohl (2006, S.65) ist das Neuro-Linguistische Program­mieren, im Folgenden als NLP bezeichnet, „eine Disziplin, die die subjektive Erfahrung des menschlichen Lebensprozesses erforscht“. Dennoch schreibt sie in „Der große Zau­berlehrling“, dass nur das ganze Buch die Frage beantworten kann, was genau NLP ist. Es gibt viele weitere Definitionen des Begriffs NLP und in der NLP-Literatur findet sich keine einheitliche Definition. Im Folgenden werden dennoch zwei Begriffserklärungen vorgenommen. Die Fachbezeichnung Neuro-Linguistisches Programmieren vereint die beiden Begriffe „Neurolinguistik“ und „Programmieren“. Der Begriff der Neuro-Lingu- istik inkludiert die Physiologie, Neurologie, die Neurolinguistik und die Psychologie. So­mit erforscht die Neuro-Linguistik, wie die Verarbeitung der Sprache im Gehirn erfolgt. Wenn man sich den Begriff „Programmieren“ anschaut, denkt man überwiegend an Com­puterbereiche. NLP verfolgt also das Ziel, dem menschlichen Gehirn mittels Sprache (Neuro-Linguistik) Handelsanweisungen (Programmieren) zu geben. (Schweppe & Schwarz, 2009) Dr. Richard Bandler und John Grinder teilen den Begriff des NLP in drei Einzelbe­standteile: „Neuro“, „Linguistisch“, und „Programmieren“. Der Begriff „Neuro“ stammt aus dem griechischen Wort „ neuron “, was übersetzt Nerv (Nervenzelle) bedeutet und für das neuronale Informationssystem des Menschen steht. (Myers, 2014) Der Begriff „Neuro“ verdeutlicht, dass Individuen Sinne haben, mit denen sie ihre Umgebung wahr­nehmen. Zudem beschreibt er nach Krusche (2005) die Kompetenz, Informationen und Erlebnisse im Gehirn abzuspeichern. Verhalten und Handlungen einer Person sind durch neurologische Prozesse zu erklären, da die abgespeicherten Erlebnisse bzw. Erfahrungen und Informationen im Gehirn die Vorstellungen über die Umwelt einer Person beeinflus­sen und bestimmen. Der Begriff „Linguistisch“ leitet sich von dem lateinischen Wort lingua (dt.: Sprache) ab und zielt im Zusammenhang mit NLP auf die abgesonderte An­wendung der Sprache bzw. diverser Sprachmuster in der Kommunikation ab. Individuen kommunizieren immer, sei es nach außen mit ihrer Umwelt, nach innen mit sich selbst oder anhand von Gestik und Mimik, was auch schon der österreichische Kommunikati­onswissenschaftler und Verfechter der Kommunikationstheorie, Paul Watzlawick (2011), festgestellt hatte, da er erkannte, dass der Mensch nicht nicht kommunizieren kann. Den­noch kommen nicht alle Informationen wie ausgesendet beim Sender an, weshalb gewisse fortgeschrittene Kommunikationstechniken und Sprachmuster notwendig sind. (Krusche, 2005) Programmieren verdeutlicht den Zusammenhang zwischen dem Speichern und Verarbeiten von Informationen im Gehirn. Im Laufe ihres Lebens eignen sich Individuen auffallende Denkmuster und Verhaltensweisen an, welche im Gehirn als „Programme“ abgespeichert werden und somit schnell abgerufen werden können. Ähnlich wie bei ei­nem Computer kann man die Denkmuster und Verhaltensweisen „programmieren“, also weiterentwickeln. Eine Weiterentwicklung erfolgt bspw. durch das Ergänzen neuer In­formationen.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass NLP eine Methode ist, die überprüfbare Erfolge und Verhaltensänderungen anstrebt. Basierend auf Handlungsanweisungen, wel­che mittels Sprache veränderbar sind, lassen sich gewohnte Verhaltensweisen durch NLP verändern bzw. optimieren. Neuro-Linguistisches Programmieren findet nicht nur in der psychologischen Beratung Anwendung. Ebenso wird NLP heutzutage von Werbefach­leuten, Medien, Politikern, sowie Organisationen aller Art verwendet, um Botschaften im Unterbewusstsein ihrer Zuhörer zu verankern. „Alles kommuniziert. Immer. Wir können nicht nicht kommunizieren. NLP bietet Fragetechniken; Muster und Modelle. Wege zur besseren Kommunikation.“ (Campbell, 2001, S. 7)

3.1 Entdeckung und Entstehung von NLP

Das Grundprinzip von NLP entwickelten der Linguist Prof. Dr. John Grinder und der Mathematiker Dr. Richard Bandler in den 70er Jahren. Grinder und Bandler begeis­terten sich für Virginia Satir, Familientherapeutin, Fritz Perls, den Begründer der Gestalt­therapie und für den Hypnosetherapeuten Milton Erickson. Diese drei Therapeuten er­zielten aussagekräftige Ergebnisse bei ihren Patienten, während andere Therapeuten bei ihren Patienten keine Veränderungen erzielten. Grinder und Bendler entwickelten Mo­delle, welche effektive Arbeitsweisen ihrer Vorreiter von Menschen mit außergewöhnli­chen Fähigkeiten analysierbar und transferierbar machten. (Walker, 2018) Ihre Mission war es, zu erforschen, warum es manchen Menschen leichter gelingt, in schwierigen, komplexen Situationen Zugang und Vertrauen zu anderen Menschen zu finden und an­dere Menschen wiederum damit Schwierigkeiten haben. Prof. Dr. John Grinder war darin geübt, komplexe Muster im Sprachverhalten von Menschen zu erkennen, also die inter­individuelle Beziehung zwischen Menschen, anhand ihrer Kommunikation zu analysie­ren. Richard Bandler hingegen brachte seine Vertrautheit gegenüber der therapeutischen

Arbeit aufgrund seiner Erfahrung in der Gestalttherapie mit. Sie versuchten durch Be­obachtungen und Aufzeichnungen herauszufinden, ob die Therapeuten Satir, Perls und Erickson gleiche Muster in ihren Therapien anwandten. Eine Ähnlichkeit zeichnete sich darin aus, dass jeder der drei Therapeuten auf seinen Gesprächspartner einging. Somit stellten Grinder und Bendler fest, dass das Eingehen auf den Gesprächspartner ein ver­trauensvolles Verhältnis schafft und demnach mehr an Bedeutung gewinnt, als der Sachaspekt einer Aussage. Nachdem sie einige Gemeinsamkeiten festgestellt hatten, wandten sie diese Technik mit Erfolg in ihrer therapeutischen Arbeit an. Demnach bestä­tigte sich die Vermutung, dass jede Person, die die im Modell beschriebenen Verhaltens­muster beachtet, die Möglichkeit hat, das Können der drei Kommunikationsexperten zu verwenden. (Krusche, 2005 & Mohl, 2006) Anhand weitere Modelle und Entwicklungen auf therapeutischer Ebene untersuchten sie die Veränderungen des Kommunikationsver­haltens eines Gesprächspartners, wodurch die NLP-Techniken geformt wurden. Weiter­hin sorgten NLP-Forscher weltweit dafür, die Methodik bzw. die Anwendung des NLP bekannt zu machen. (Birker, 2017)

3.2 Techniken des NLP

Die Techniken des Neuro Linguistischen Programmierens entwickelten sich aus den Grundannahmen, die zuvor beschrieben wurden. Aufgrund der theoretischen Grund­lagen der self-fulfilling prophecy bzw. über Stress und um den vorgegebenen Rahmen der Bachelorthesis einzuhalten, werden nachfolgend lediglich die grundlegenden Techni­ken des NLP erläutert.

„Wer andere Menschen führen will, muss sie dort abholen, wo sie sind. Dazu muss man sich zunächst an sie anpassen, auf ihre Wellenlänge gehen, sich auf sie ein­stimmen. [...] Sie können nicht führen, wenn Sie den anderen nicht da abholen, wo er ist. Erst wenn ein positiver Kontakt besteht, können Sie dazu übergehen, den anderen in eine bestimmte Richtung zu führen.“ (Mohl, 2006, S. 154)

Die Techniken von Rapport, Pacing, Leading, Reframing und das Metamodell er­möglichen es einer Person, bewusst und erfolgreich auf den Gesprächspartner einzuwir­ken, indem das Kommunikationsverhalten entsprechend gestaltet bzw. angepasst wird.

3.2.1 Rapport

Der Begriff Rapport stammt aus dem Französischen und bedeutet übersetzt so viel wie Beziehung bzw. Verbindung. Rapport bezeichnet die Beziehung bzw. das Aufeinan­derbeziehen zweier Individuen, die sich durch gegenseitige Wertschätzung, Achtung und Vertrauen auszeichnet. (Birker, 2017) Einen erfolgreichen Rapport erkennt man daran, dass zwei Gesprächspartner sich gegenseitig widerspiegeln und miteinander verbunden fühlen, d. h., dass Körpersprache, Sprache, Gestik und Mimik angeglichen werden. Folg­lich findet ein gelungener Rapport statt, wenn die beiden Gesprächspartner die gleiche Körperhaltung annehmen, gemeinsam lachen und ihre Körperbewegungen übereinstim­men. Es kommt also nicht auf den Inhalt des Gesagten an, sondern viel mehr auf die Art und Weise, wie das Gesagte vermittelt wird. Dennoch ist Vorsicht geboten, da es sein könnte, dass der andere Gesprächspartner sich in seinem Verhalten nachgeahmt fühlt, was zu einer Verschlechterung des Rapports führen könnte. Verbesserungen eines schlechten Rapports oder Wiederherstellen des Rapports nach Unterbrechung erfolgen durch „Pa­cing“ (3.3.2). Rapport ist eine Technik, die unbewusst im Gespräch eingesetzt werden muss. (Mohl, 2006)

3.2.2 Pacing

Wie bereits in Kapitel 3.2.1 erläutert, erfolgen Optimierungen des Rapports in Form von Pacing, also durch Angleichung der Verhaltensmuster und Sprachausdrücke des Gegenübers. Seidl (2018) hebt hervor, dass der Therapeut oder Coach versucht sei­nem Klienten zu zeigen, dass er seine Umwelt genauso auf- und wahrnimmt wie der Kli­ent. Daher wird Pacing auch Spiegeln genannt. Die Spiegelung erfolgt sowohl auf non­verbaler Ebene, bspw. Gestik, Mimik, Ausdruck, als auch auf verbaler Ebene, bspw. Lautstärke, Ausdruck und Tonfall. Es liegt also daran, zu erkennen, ob der Gesprächs­partner emotional, rational, visuell oder auditiv veranlagt ist. (Krusche, 2005)

Beim Pacing gibt es fünf empfangsbereite Sinneskanäle, welche eine Hilfe zur Wahrnehmung der Gesprächspartner ergeben. Man unterscheidet zwischen visuell (se­hen), auditiv (hören), kinästhetisch (fühlen), olfaktorisch (riechen) und gustatorisch (schmecken). Zusammen werden sie mit der Bezeichnung VAKOG abgekürzt. Hierbei werden der olfaktorische und der gustatorische Kanal dem kinästhetischen Kanal unter­geordnet. Der kinästhetische Typ mag bspw. Metaphern und nimmt Informationen primär über das Gefühl auf. Demnach muss dies erkannt und entsprechend angewendet werden. (Birker, 2017) Erfolgt diese Erkennung des Wahrnehmungstypen und wird die Wortwahl dementsprechend angeglichen, spricht man von Pacing, was wiederum die Grundlage ei­nes gelungenen Rapports ist, da der Gesprächspartner sich verstanden und ernstgenom­men fühlt. (Kap. 3.2.1) Die fünf Sinneskanäle werden im NLP auch als Repräsentations­systeme bezeichnet, da der Vorgang der Wahrnehmung als Präsentieren einer Erfahrung durch die Sinneskanäle bezeichnet wird. Beispielsweise erinnern sich manche Menschen, indem sie ein Bild vor Augen haben, andere wiederum nehmen einen Geruch wahr, mit dem sie die Erfahrung assoziieren.

Im NLP gibt es sowohl verbale als auch nonverbale Indikatoren, die aufzeigen, welche Repräsentationssysteme momentan verwendet werden. Ein Beispiel hierfür sind Augenbewegungen. Bandler und Grinder entdeckten, dass es bei vielen Menschen mög­lich ist, anhand der Augenbewegungen festzustellen, zu welchem Sinneskanal sie Zugang haben. In der nachfolgenden Abbildung werden Augenzugangshinweise anhand sechs verschiedener Abstufungen aus der Perspektive des Gegenübers dargestellt. Die folgen­den Abstufungen gelten jedoch nur für Rechtshänder.

Es gibt dennoch weitere Indikatoren, wie die Körperhaltung des Gesprächspartners, At­mung, Mimik und Stimmqualität sowie Gestik und Sprachmuster.

3.2.3 Leading

Nach erfolgreichem Aufbau des Rapports durch gelungenes Pacing wird zum Lea­ding (dt.: Führen) übergegangen. Mit dem Leading versucht ein Gesprächspartner, sein Gegenüber an die Lösung eines Problems zu führen. „Nach Bandler und Grinder, (...) sind Spiegeln (Pacing) und Führen (Leading) das Grundmuster für beinahe alles, was psychologische Berater tun.“ (Sawizki, 2011, S.96) Einer der beiden Gesprächspartner spiegelt zunächst das Verhalten des anderen Gesprächspartners wider. Sobald der Kom­munikator (Therapeut oder Coach) sich sicher ist, dass der Rapport erfolgreich gelungen ist, wechselt er sein Verhalten und der Gesprächspartner beginnt ihm zu folgen und spie­gelt nun im Umkehrschluss das Verhalten des professionellen Kommunikators wider. Diese Art des Pacing erfolgt solange, bis wieder ein Verhaltenswechsel stattfindet. Aller­dings mit dem Unterschied, dass der Therapeut oder Coach bewusst handelt und das Ziel hat, die Führung zu übernehmen. Der andere Gesprächspartner hingegen handelt unbe­wusst. (Krusche, 2005 & Mohl, 2006)

3.2.4 Reframing

Der Begriff Fram e stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Rahmen. Menschen neigen dazu, Wahrnehmungen, Evaluationen und möglicherweise Reaktionen zu einer Erfahrung zu bündeln und geben dieser einen Rahmen. Man differenziert zwi­schen negativen bzw. positiven Rahmen und den Variationsmöglichkeiten eines Rah­mens. Jedes Verhalten hat jedoch eine positive Funktion, indem Konklusionen hergestellt werden und hilfreiche Veränderungen bewirkt werden. (Birker, 2017) Demnach ist das Reframing im NLP eine Technik, die sich mit Umdeuten übersetzen oder mit einem neuen Rahmen ersetzen lässt. Zur Absicherung werden bei der Anwendung diverse Sachver­halte aus einer anderen Perspektive betrachtet Krusche (2005) beschreibt, dass das Refra­ming demnach zusätzliche Ereignisse, Wahrnehmungen, Verhaltensweisen und Schluss­folgerungen zulässt. Das Reframing wird bspw. angewendet, um Einwände oder Inter­ventionen im Gespräch zu bewältigen. Ziel ist es, die Antworten so zu gestalten, dass die 21

Bedenken des Gesprächspartners in eine andere Richtung gelenkt werden und somit an­dere Sichtweisen erzielt werden. Prinzipiell gibt es das inhaltliche Reframing, das aus zwei Formen besteht: Bedeutungsreframing und Kontextreframing. Das Six-Step-Refra- ming ist eine komplexe Methode, in der beide Formen des inhaltlichen Reframings vor­kommen.

Die sechs Schritte lauten:

1. Problemverhalten ermitteln
2. Problemverhalten genau bestimmen
3. positive Absichten erkennen
4. Verhaltensalternativen erkennen
5. mögliche Einwände ermitteln
6. Future-Pace

3.2.5 Metamodell

Das Metamodell ist sehr einfach und basiert auf der Kunst des Fragestellens. Es war das erste offizielle Modell von Bandler und Grinder und entwickelte sich aus der Analyse der Sprachstrukturen von Fritz Perls und Virginia Satir (Bandler & Grinder, 1994). Im Metamodell wird die Sprache im NLP als individuelles Bild der Welt verstan­den und wahrgenommen. Das sprachliche Bild unserer Welt entsteht durch drei univer­selle Gestaltungsprozesse: Generalisierung (wenn Erfahrungen in bestimmte Kategorien eingeordnet werden), Tilgung (Aufmerksamkeit wird auf bestimmte Aspekte der Erfah­rung gelegt) und Verzerrung (Umgestaltung sensorischer Einzelheiten). (Bachmann, 1993) Im Metamodell wird die Sprache in zwei Strukturen (Oberflächen- und Tiefen­struktur) differenziert. Mit der Oberflächenstruktur, welche tatsächlich ausgesprochene Sätze umfasst, wird auf die Tiefenstruktur der Sprache zugegriffen. Die Oberflächen­struktur enthält also bspw. die Ausdrucksweise des Gesprochenen und die Wortwahl. Die ausgewählten Worte der Oberflächenstruktur erhalten durch die Tiefenstruktur, welche die vollständige sprachliche Repräsentation des Kommunizierten darstellt, ihre Informa­tionen und Bedeutungen. Durch die drei Gestaltungsprozesse, die oben genannt wurden, erfolgt eine optimale Verarbeitung der Worte von der Tiefenstruktur in die Oberflächen­struktur. (Bandler & Grinder, 1994) Beispielsweise lassen sich Aussagen, wie „ich freue mich“ durch gezieltes, sinnvolles Nachfragen, wie „über was freust du Dich?“ spezifizie­ren, um so Tilgungsprozessen entgegenzuwirken. Tilgungen entstehen dadurch, dass Per­sonen eine Aussage auf ihre unterschiedlichen Interpretationsmöglichkeiten untersuchen. Eine Generalisierung, wie die Aussage „alle Schwäne sind weiß“, lässt sich auflösen, indem man fragt, ob es wirklich keinen schwarzen Schwan gibt. Aussagen, die generali­siert bzw. verallgemeinert werden, kennzeichnen sich häufig durch Schlagworte wie: alle, immer, jeder, nie etc. Da jede Person eine individuelle Vorstellung der Welt hat, können auch im NLP unbewusste Verzerrungen entstehen, welche Fakten verfälschen. Um De­batten mit dem Gesprächspartner zu vermeiden, hat ein Kommunikationsprozess im NLP das Ziel, die Vorstellungen und Wahrnehmungen der beiden Gesprächspartner in Ein­klang zu bringen. (Birker, 2017 & Seidl, 2018)

Wesentliche Inhalte der NLP-Fragetechniken im Metamodell sind das Stellen offe­ner Fragen und das Vermeiden, nach dem Grund zu fragen. Andernfalls könnte es sein, dass der Gesprächspartner das Gefühl bekommt, sich rechtfertigen zu müssen. Außerdem ist die Gefahr von sozial erwünschten Antworten geringer, wenn Wieso-, Weshalb- und Warum-Fragen weggelassen werden. Stattdessen werden Wer-, Wie-, Wo- und Was-Fra- gen gestellt. Mit NLP-Fragen können ebenso gut Einsprüche umgangen werden, indem der professionelle Kommunikator bspw. fragt, was geschehen würde, wenn..., was den Klienten daran hindert, etwas zu tun, oder wie er damit umgehen würde. (Birker, 2017)

4 Das Phänomen der self-fulfilling prophecy

„Ob du denkst, du kannst es, oder du kannst es nicht. Du wirst auf jeden Fall Recht behalten.“ (Henry Ford) Dieses Zitat von Henry Ford beschreibt die sich selbster­füllende Prophezeiung schon weitestgehend. Unser Denken bestimmt unser Verhalten und Handeln und somit unser Leben. Außerdem beeinflusst es die Menschen in unserem Umfeld und kann uns (un-)glücklich machen. (Aronson et al., 2008) Die self-fulfilling prophecy (dt.: sich selbsterfüllende Prophezeiung) ist vor allem durch die differentielle Psychologie geprägt. Im Jahr 1948 beschrieb Robert Merton, ein in den vereinigten Staa­ten geborener Soziologe, die selbsterfüllende Prophezeiung wie folgt: „Eine falsche De­finition der Situation, die ein neues Verhalten hervorruft, wodurch die ursprünglich fal­sche Vorstellung war wird.“ (Merton, 1968, S. 477) Wir können die selbsterfüllende Pro­phezeiung als eine Erwartung, dass ein bestimmtes Ergebnis einer Situation eintrifft, ver­stehen. Ein typisches, alltägliches Beispiel wäre es, gleich morgens zu denken, der heu­tige Tag würde nicht gut werden, so wird der ganze Tag dadurch beeinflusst, ebenso wie alle Handlungen und die Wahrscheinlichkeit, dass die Prophezeiung sich bewahrheitet, ist groß. Weitere alltägliche Beispiele dafür, dass eine Prophezeiung über ein künftiges Verhalten oder Ereignis, die Interaktion so verändert, dass die Erwartung eintritt, wären: „Auf der Party heute werde ich viel/keinen Spaß haben“, „ich werde die Fahrprüfung nicht bestehen“ oder „die lästern über mich und mögen mich nicht“. Nehmen wir an, eine erfolgreiche Absolventin habe ihren Abschluss und seit kurzem einen neuen Job in der Marketingabteilung einer großen Firma. Sie kennt die Kollegen noch kaum und beobach­tet diese in der Pause, wie sie tuscheln. Der erste Gedanke der Absolventin ist intuitiv: „Geht es da gerade um mich?“ (Wolter, 2019) Der eine hat gerade merkwürdig rüberge­schaut ... bestimmt lästern die sogar über mich.“ In den folgenden Wochen wiederholt sich die Situation, bis die Angestellte der Marketingabteilung an einem Tag mitbekommt, was einer ihrer Kollegen sagt: „Ja, ich finde sie auch komisch, wirkt wirklich arrogant, sagt nicht mal Hallo und schaut immer komisch rüber.“ Nun wird der Absolventin be­wusst, dass ihre Vermutung von Anfang an stimmte und ihre Kollegen sie auf dem „Ki­cker“ haben. Würde man das ganze jedoch aus der Sicht der Kollegen betrachten, würde das ganze folgendermaßen aussehen: Die Kollegen haben sich am Anfang über die Kaf­feemaschine beschwert, da diese nicht mehr einwandfrei funktionierte und sie gern eine neue hätten. In den folgenden Wochen fällt den Kollegen auf, dass die Absolventin sich distanziert verhält und sich zurückzieht. Dies bringt die Kollegen dazu, negativ von der

Absolventin zu denken. Die vorhergesagten Wahrnehmungen und Erwartungen wurden also Realität, da die Absolventin davon ausging, ihre Kollegen würden negativ von ihr denken. Diese Vermutung hat die Absolventin ihr Verhalten anpassen lassen, was eine Kettenreaktion auslöste und dazu führte, dass die Kollegen darauf reagierten und die An­nahmen sich bestätigten. Man versteht unter der self-fulfilling prophecy also ebenso einen psychischen Mechanismus, mit dem eine spezifische Erwartungshaltung einhergeht. Dies gilt ebenso für vorurteilsvolles oder diskriminierendes Verhalten. Um zu verstehen, wie die self-fulfilling prophecy funktioniert, folgt eine Abbildung, welche den Prozess der self-fulfilling prophecy darstellt. (Neumann, 2017)

4.1.1 Rosenthal Effekt

Es gibt einige Studien zur self-fulfilling prophecy, welche vergleichsweise diesel­ben Ergebnisse liefern. Zwei der bekanntesten Studien, die die Forschung der self-fulfil­ling prophecy geprägt haben, werden in Kapitel 4.1.1 und 4.1.2 beschrieben. Robert Ro­senthal, Professor für Psychologie an der University of California,hat im Jahr 1963 ein Experiment zur selbsterfüllenden Prophezeiung durchgeführt, um herauszufinden, ob die Versuchsergebnisse bei Tierversuchen durch die Erwartungshaltung der Versuchsleiter beeinflusst werden. Rosenthal arbeitete gemeinsam mit dem Psychologen Kermit L. Fode und 12 seiner Studenten an diesem Experiment. Jeder der Studenten bekam fünf Ratten zugeteilt, wobei den studentischen Versuchsleitern mitgeteilt wurde, dass sie a) intelli­gente Ratten, b) dumme Rattenhatten. Die Ratten wurden jedoch per Zufall in zwei Grup­pen aufgeteilt. Anschließend sollten die Ratten an einem Lernversuch teilnehmen. Das Ergebnis des Experimentes war, dass die angeblich „intelligenten“ Ratten die Labyrinthe deutlich schneller lernten als die „dummen“ Ratten. Zwischen den Ratten gab es keine angezüchteten Unterschiede, da sie alle eine gleiche Abstammung besaßen. Rosenthals Schluss daraus war, dass die positive Erwartungshaltung der Studenten das Versuchser­gebnis in Form der selbsterfüllenden Prophezeiung beeinflusste. Dieses Ereignis wird als Rosenthal-Effekt bezeichnet. (Harber & Jusim, 2005)

Anfangs scheint es nicht begreiflich, wie nur die Erwartung, in diesem Fall die Hal­tung der Versuchsleiter, eine solche Einwirkung auf die Leistung der Ratten haben kann. Rosenthal hat hierfür eine Erklärung aufgestellt. In der Psychologie, insbesondere der Psychoanalyse gibt es den Begriff der Projektion. Unter Projektion versteht man eine Form des Abwehrmechanismus, bei welcher Verhaltensweisen oder Erwartungen auf an­dere projiziert. In dem Experiment von Robert Rosenthal erfolgt die Projektion der Ver­suchsleiter auf die Ratten. Noch besser lässt sich dieses Phänomen am Experiment mit Schülern erkennen, welches nachfolgend beschrieben wird. (Aronson et al., 2008)

4.1.2 Pygmalion Effekt

Ein weiteres Experiment, welches ebenso von dem deutsch-amerikanischen Psychologen Robert Rosenthal stammt, beschreibt den Pygmalion-Effekt. Der Rosenthal­Effekt wurde mit dem Pygmalion-Effekt erweitert, da die Studie nun bei Menschen durchgeführt wurde. Die Hypothese lautete: Kinder werden klüger, wenn ihre Lehrer dies von ihnen erwarten (Aronson et al., 2008). Dazu wurden Intelligenztests in einer Grund­schule durchgeführt mit der Behauptung, der Test würde zeigen, bei welchen Kindern die Intelligenz im nächsten Jahr besonders ansteigt. Die Ergebnisse wurden verfälscht. Per Zufall wurden 20 % der Schüler, die besonders gut abgeschnitten hatten, ausgewählt und den Lehrern mitgeteilt. Der Intelligenztest wurde nach sechs, 12 und 24 Monaten wieder­holt (Bierhoff, 2002). Das Experiment von Rosenthal zeigte eine deutliche IQ-Steigerung und bessere Entwicklung der angeblich „Hochbegabten“, da die Lehrer diese Gruppe als intelligenter, angepasster und neugieriger einstuften. Eine signifikante IQ-Steigerung zeigt sich hauptsächlich in den ersten beiden Klassen, in den höheren Schulklassen hatte die Lehrererwartung nur noch einen geringen Einfluss auf die Leistung der Schüler. Durch die Ergebnisverzerrung der IQ-Tests hatten die Lehrer in Robert Rosenthals Expe­riment ihre Schüler unbewusst durch ihre positive Erwartung bewertet und behandelt, was zu einem tatsächlich besseren Ergebnis dieser Schüler führte.

Auch in diesem Experiment spricht man von einer Projektion, da die Lehrer ihre Erwartungen auf die Schüler projizierten. Aufgrund unbewusster Verhaltensänderung wird die Erwartungshaltung eine selbsterfüllende Prophezeiung. Unbewusst sorgen die Lehrer dafür, die Leistungen der Schüler dementsprechend zu verbessern, indem sie ihr Verhalten ändern bzw. anpassen. (Aronson et al., 2008)

5 Empirische Untersuchung

In der vorliegenden Forschungsarbeit wird eine qualitative Forschung durchgeführt. Die qualitative Forschung arbeitet mit nicht-standardisierten Methoden, wie z. B. offene Fragestellungen, in denen es keine Antwortmöglichkeit auf Ja oder Nein gibt. Gegen­stand qualitativer Forschung ist audiovisuelles bzw. verbales Material, welches zur Aus­wertung interpretiert wird. (Döring & Bortz, 2016) In folgendem Kapitel wird die aus­gewählte Forschungsmethode beschrieben. Das Forschungsdesign, die Konstruktion, die Vorgehensweise der Interviews und die Beschreibung der Stichprobenauswahl wer­den vorgestellt und erläutert. Anschließend wird im Unterkapitel „Datenauswertung“ das genaue Vorgehen der Analyse nach Mayring erläutert.

5.1 Forschungsdesign

Bei der vorliegenden Abschlussarbeit wurde die Methode der qualitativen For­schung angewandt. Die Autoren Dörpinghaus, Poentisch und Lother (2006) unterschei­den in ihrer Literatur drei Kennzeichen qualitativer Forschung: 1. es soll mit Methoden gearbeitet werden, die der Komplexität und Differenziertheit der Wirklichkeit gerecht werden; 2. die subjektive Bedeutung des Gegenstands wird erfragt und 3. die Reflexität des Forschenden. Qualitative Forschung verfolgt die Absicht Zusammenhänge zu be­schreiben, interpretieren und zu verstehen. Sie dient dazu, Informationen über differen­zierte individuelle Meinungen zu erläutern und Eindrücke zu liefern und will „zu einem besseren Verständnis sozialer Wirklichkeiten beitragen und auf Abläufe, Deutungsmuster und Strukturmerkmale aufmerksam machen.“ (Flick, von Kardoff, & Steinke, 2000, S. 14) Genau dieses Ziel soll mithilfe problemzentrierter halbstandardisierter Interviews er­reicht werden. Vor der Durchführung dieser Interviews ist es notwendig, einen Interview­leitfaden zu erstellen und eine geeignete Stichprobe auszuwählen. Der Interviewleitfaden wird auf theoretischer Basis gegliedert und enthält Dimensionen und Kategorien, welche jeweils die relevanten Problemfelder und Fragen beinhalten.

Die vorliegende empirische Forschung untersucht die Methode der Stressbewälti­gung mittels der self-fulfilling prophecy im Kontext zu NLP und prüft den Zusammen­hang, sowie Erfolg der Anwendung der self-fulfilling prophecy im NLP zur Stressbewäl­tigung. Genau dieses Muster soll die Forschungsfrage „Inwiefern lässt sich die self-ful­filling prophecy im NLP einsetzen, um Stress zu bewältigen?“ verfolgen. Es wird 28 angenommen, dass die VPN variierende Kenntnisse und ein unterschiedliches Verständ­nis bzw. Sichtweise von NLP haben. Ebenso geht jeder Mensch individuell mit Stress um und hat andere Coping-Strategien, weshalb auch diese Kategorie objektiv betrachtet wer­den muss. Mithilfe der Interviews und der nachfolgenden Inhaltsanalyse sollen differen­zierte Meinungen erfasst werden. Die möglichen Potentiale, Erfahrungen, Anwendungen aber auch Grenzen der self-fulfilling prophecy werden genauer untersucht und in Zusam­menhang mit Stressbewältigung und NLP erörtert.

5.2 Datenerhebung

Im Folgenden werden die Prozesse der Datenerhebung genauer erläutert. Unter der Datenerhebung versteht man überwiegend das Durchführen der Interviews, wobei nach Mayring (2002) darauf zu achten ist, vor der Durchführung, einen Interviewleitfaden zu erstellen und eine passende Stichprobe auszuwählen (S. 65 f.). Die Methode der halbstan­dardisierten Interviews wurde ausgewählt, um eine persönliche und individuelle Meinung der Befragten mit Antwortspielraum zu erhalten. Ursprünglich sollte die Befragung an einem ruhigen Ort, Face-to-Face und in einem Zeitrahmen von ca. 20-50 Minuten statt­finden. Aufgrund der aktuellen Covid-19 Verordnungen mussten einige Maßnahmen zur Befragung angepasst werden. Vor der Befragung ist es für die Autorin dennoch notwen­dig, sich das Einverständnis einzuholen und den Befragten Anonymität zuzusichern. Nach der Datenerhebung folgt in der qualitativen Forschung die Datenauswertung. (Flick et al., 2000)

5.2.1 Problemzentriertes Interview

Die in dieser Forschungsarbeit verwendeten Interviews wurden anhand der Me­thode der halbstandardisierten, problemzentrierten Interviews durchgeführt. Die Methode der halbstandardisierten, problemzentrierten Experteninterviews dient dazu, „systema­tisch Informationen über Einstellungen, Meinungen, Wissen und Verhaltensweisen von Menschen zu gewinnen.“ (Bierhoff & Petermann, 2014, S. 148). Jonas, Stroebe und Hewstone (2014) bezeichnen diese Form des Interviews als besonders eignend, um eine individuelle und persönliche Meinung der Befragten zu erhalten, da sie als Experten und keine Laien verstanden werden und offen über ihre Gefühle, Einstellungen und Erfahrungen berichten können. Die zentralen Kriterien der Interviews sind nach Mayring (2002) Problemzentrierung, Gegenstandsorientierung und Prozessorientierung. Der Auf­bau des Interviews besteht demnach aus drei Bereichen. Die Methode des halbstandardi­sierten Interviews „ist zentriert auf eine bestimmte Problemstellung, die der Interviewer einführt, auf die er immer wieder zurückkommt. Die Problemstellung wurde vom Inter­viewer bereits vorher analysiert; er hat bestimmte Aspekte erarbeitet, die in einem Inter­viewleitfaden zusammengestellt sind (...)“ (Mayring, 1999, S. 46)

Der erstellte Interviewleitfaden, besteht aus Fragen verschiedener Kategorien und soll als Strukturhilfe dienen, um vor allem die Auswertung zu begünstigen. Es ist von großer Bedeutung, zu Beginn eine kurze Aufklärung des Themas bzw. diverser eventuell unbekannter Begrifflichkeiten darzulegen, da die Probanden möglicherweise abwei­chende Fachkompetenz in Bezug auf die Kategorien besitzen. Um Unklarheiten zu ver­meiden oder um Offenheit zu schaffen und gegebenenfalls keine sozial erwünschten Ant­worten zu erlangen, wird darauf geachtet, den Probanden während der Befragung einen Erzählanreiz zu bieten. Die problemzentrierten Interviews wurden via Tonaufnahme auf dem Mobiltelefon festgehalten, um anschließend wörtlich transkribiert zu werden.

5.2.2 Konstruktion des Interviewleitfadens

Vor der Durchführung der Interviews wurde ein Leitfaden erstellt, der alle rele­vanten Problembereiche und Fragen abdeckt, die für die Forschung von Bedeutung sind. Der Interviewleitfaden enthält relevante Aspekte, die während des Interviews erfragt wer­den sollen. Im Anhang befindet sich die finale Ausführung des Interview-Leitfadens. Um eine Vertrauensbasis zu schaffen, wurde den Befragten zu Beginn des Interviews Anony­mität zugesichert und um Einverständnis zur Aufzeichnung des gesamten Interviews ge­beten. Die Schaffung einer offenen und vertrauensvollen Atmosphäre war in diesem Kon­text sehr wichtig, da es sich um private, persönliche Informationen handelt und die Qua­lität der Analyse von diesen geteilten Informationen abhängig ist. Der Leitfaden ist auf theoretischer Basis in fünf Dimensionen gegliedert, wobei jede der Dimensionen noch zwei bis vier Unterkategorien enthält. Nachfolgend werden die Dimensionen, inklusive ihrer Unterkategorien in Form einer Abbildung dargestellt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 7. Die Kategorien des Interviewleitfadens (eigene Darstellung in Anlehnung an Mayring, 2002).

5.2.3 Stichprobenauswahl

Für die Datenerhebung in der vorliegenden qualitativen Studie zum Thema Stress­bewältigung mittels psychologischer Theorien - die self-fulfilling prophecy im Kontext zu NLP wurden Kriterien der Stichprobe bereits im Vorfeld festgelegt. Eine Zufallsstich­probe wäre in diesem Fall aufgrund der spezifischen Kriterien nicht sinnvoll, da aus­schließlich VPN befragt werden, die entweder theoretische oder bestenfalls praktische Erfahrungen im Gebiet NLP haben. (Jonas et al., 2014) Ebenso wurden ausschließlich männliche und weibliche Probanden im Alter von 25 bis 55 Jahren ausgewählt und inter­viewt. Die meisten Befragten haben eine NLP-Ausbildung absolviert, jedoch war es auf­grund der Stichprobenmenge nicht möglich, nur Probanden mit NLP Ausbildung zu fin­den. Der Rest der VPN hat Erfahrungen im Bereich NLP sammeln können, indem bspw. an Seminaren teilgenommen wurde, die Familie vertraut mit NLP ist oder theoretische Kenntnisse in Bezug auf NLP vorhanden sind. Diese Stichprobe lässt den Ergebnissen am Ende Interpretationsspielraum. Insgesamt wurden zehn Probanden, hauptsächlich aus dem Bekanntenkreis der Autorin, aufgrund des SARS-CoV-2 telefonisch interviewt. Ei­nige Befragte wurden via Social Media angeschrieben, über das Thema aufgeklärt und anschließend gefragt, ob sie an der Befragung teilnehmen möchten. Die Dauer der Befra­gungen variierte und betrug 15-45 Minuten.

Die Aussagen vor allem der letzten Kategorie „Verwendung der SFP im NLP zur Stressbewältigung“ werden sich unterscheiden, da die Probanden auf unterschiedliche Weise mit dem Thema NLP vertraut sind. Dies war Ziel der Befragungen, um aussage­kräftige, nicht einseitige Antwortenauf die Forschungsfragen zu erlangen. Es wird davon ausgegangen, dass die NLP vertrauten Probanden, komplexere Aussagen zur Anwen­dung, Erfahrung und Bewertung der SFP im NLP treffen können.

Tabelle 1. Qualitativer Stichprobenplan (eigene Darstellung der Interviewten VPN)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

5.2.4 Durchführung der Interviews

Aufgrund der Anfang März aufgestellten Covid-19 Hygiene- und Schutzmaßnah­men und der Verhaltensregeln im Infektionsschutzgesetz erfolgten die Experteninter­views telefonisch oder via Webcam. Nach Einverständnis der Befragten wurden die In­terviews via Tonband festgehalten.

Die Interviews begannen mit einer Danksagung zur Teilnahme und mit einer Vor­stellung der eigenen Person (Name, Alter, Studiengang und Thema der Forschungsar­beit). Auch den VPN wurde erläutert, dass die Experteninterviews normalerweise face- to-face stattfinden, dies aber momentan angesichts der Corona-Verordnungen nicht mög­lich ist und die Interviews daher am Telefon bzw. via Skype oder Zoom1 stattfinden. An­schließend wurde den Interviewten erklärt, dass es besonders wichtig ist, frei von sich zu erzählen und dass es keinesfalls richtige oder falsche Antworten gibt. Zudem wurden die Befragten über Anonymität, Datenschutz und Vertraulichkeit der Interviews aufgeklärt. Des Weiteren wurden die Befragten darauf aufmerksam gemacht, dass das Interview mit einem Aufnahmegerät aufgenommen wird. Die Löschung der aufgenommenen Daten nach Durchführung der gesamten empirischen Forschung wurde ebenso versichert. Für jeden Punkt der Durchführung war es notwendig, sich das Einverständnis zuzusichern. Danach begann die Durchführung und Aufnahme des Interviews. Nach Beenden der Be­fragung bedankte sich die Forscherin erneut für die Teilnahmebereitschaft.

5.3 Datenaufbereitung und -auswertung

Jonas et al. (2014) führen in ihrer Literatur an, dass die Datenauswertung sowohl die wörtliche Transkription der geführten Interviews als auch eine sinngemäße Inhaltsanalyse der Ergebnisse, in welcher die Kategorien nach dem Interviewleitfaden aus dem Text nach Kategoriensystem generiert werden, beinhaltet. Nachfolgend wird das Transkribieren der durchgeführten Interviews und die Analyse der Interviews beschrie­ben.

5.3.1 Transkription der Interviews

Die aufgenommenen Interviews der zehn Probanden wurden anschließend in schriftlicher Form wörtlich transkribiert. Die Transkription der Experteninterviews er­folgte in Anlehnung an die Transkriptionsregeln bzw. das Transkriptionssystem nach Dresing & Pehl (2012):

1. Es wird wörtlich und nicht zusammenfassend transkribiert; Übersetzung von Di­alekten in das Hochdeutsche
2. Wort- und Satzabbrüche werden geglättet, z. B. Stottern
3. Keine Transkription von Wortverschleifungen („so’n“ wird zu „so ein“)
4. Pausen werden durch drei Auslassungspunkte in Klammern (...) markiert
5. Verständnissignale werden nicht transkribiert (bspw. „mhm“, oder „ähm“)
6. Besondere Betonungen erfolgen in GROSSSCHREIBUNG
7. Nach jedem Sprechbeitrag erfolgt ein Absatz
8. Emotionale nonverbale Äußerungen, wie z. B. Seufzer oder kichern, die eine Aus­sage bekräftigen, werden (in Klammern) notiert
9. Das Gesprochene des Interviewers wird am Anfang der Zeile mit „I:“ gekenn­zeichnet, was der Proband sagt, wird mit „B:“ gekennzeichnet

Die wörtliche Transkription bildet anschließend die Basis für die Ergebnisdarstellung und Inhaltsanalyse. Die Inhaltsanalyse nach Mayring basiert auf dem Grundgedanken, das Analysematerial überschaubar und sinnvoll zu gliedern, um abschließend argumen­tativ interpretieren zu können. (Mayring, 2002)

5.3.2 Inhaltsanalyse der Interviews

Die Auswertung der Daten erfolgte nach der Inhaltsanalyse von Mayring, welche dazu dient, „Texte systematisch [zu] analysieren, indem sie das Material schrittweise mit theoriegeleitet am Material entwickelten Kategoriensystemen bearbeitet.“ Nach Mayring (2002) ist das Ziel der Inhaltsanalyse, die Inhalte der Interviews so zu kürzen, dass nur wesentliche Aspekte, die für die Interpretation und Auswertung bedeutsam sind erhalten bleiben. Schritte der Inhaltsanalyse benennt Mayring (2002) folgendermaßen: Paraphra­sierung, Generalisierung auf das Abstraktionsniveau und erste und zweite Reduktion. Im Anschluss daran wird das Material ausgewertet und interpretiert. Nachstehende Abbil­dung zeigt die zentralen Schritte zur Inhaltsanalyse und Datenauswertung nach Mayring.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 8. Ablaufmodell der qualitativen Inhaltsanalyse (eigene Darstellung in Anlehnung an Mayring, 2002, S. 120 & Mayring, 2010, S. 60).

Passend zu jeder Kategorie des Kodierleitfadens wurden variierende Farben fest­gelegt. Im transkribierten Interview werden die Ausprägungen des Interviews dann farb­lich markiert und somit der entsprechenden Kategorie zugeordnet. Der nachfolgende In­terviewausschnitt zeigt die Analyse des Textmaterials. Die Frage der Interviewerin und die Aussage der Probandin lassen sich in die Kategorie „Faktor Stress“ sowie in die Un­terkategorie „Stressbewältigung“ einordnen und wurden deswegen lila markiert.

Tabelle 2. Interviewausschnitt aus der Fundstellenbezeichnung (eigene Darstellung; Ausschnitt aus Interview 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]


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Ende der Leseprobe aus 152 Seiten

Details

Titel
Stressbewältigung mittels psychologischer Theorien. Die "self-fulfilling prophecy" im Kontext Neuro-Linguistischen Programmierens
Hochschule
FOM Essen, Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH, Hochschulleitung Essen früher Fachhochschule
Note
1,5
Autor
Jahr
2020
Seiten
152
Katalognummer
V960382
ISBN (eBook)
9783346308290
ISBN (Buch)
9783346308306
Sprache
Deutsch
Schlagworte
sich selbst erfüllende Prophezeiung, Stress, NLP, Techniken, Stressbewältigung
Arbeit zitieren
Vanessa Faude (Autor), 2020, Stressbewältigung mittels psychologischer Theorien. Die "self-fulfilling prophecy" im Kontext Neuro-Linguistischen Programmierens, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/960382

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