Der Fokus in diesem Essay soll auf Human Trafficking liegen, doch viele der Ursachen beziehungsweise der Problemlösungsvorschläge lassen sich auch auf die illegale Migration anwenden.
Im April diesen Jahres ertranken an einem Tag 700 Menschen bei dem Versuch, mit dem Boot über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Diese Katastrophe löste eine Debatte in der EU aus, wie man mit dem Flüchtlingsproblem umzugehen hat. Fast zeitgleich wurde von den Rohingyas berichtet, die ebenfalls über den Seeweg versuchten, von Myanmar aus nach Malaysia, Indonesien oder auf die Philippinen zu gelangen. An den Küsten wurden sie jedoch abgefangen und wieder auf das offene Meer geschleppt. Die Rohingyas sind eine staatenlose Volksgruppe, die aufgrund ihrer prekären sozialen und wirtschaftlichen Lage besonders der Gewalt und Willkür von Schleusern und Menschenschmugglern ausgeliefert sind. Die Problemfelder illegale Migration und Human Trafficking, zu Deutsch Menschenhandel, überschneiden sich derart, dass es schwierig ist, eine klare Trennung zwischen den beiden Problemen zu ziehen.
Fünf Fragen sollen in dieser Arbeit beantwortet werden. Sie alle sind Bestandteil des Analysemodells der Interregionalismustheorie und stellen fünf unterschiedliche Funktionen aus der realistischen, liberalen und konstruktivistischen Theorie der internationalen Beziehungen dar. Die Fragen beschäftigen sich mit der Effektivität und den Auswirkungen der interregionalen Kooperation zwischen der Europäischen Union und der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN):
Trägt die genannte Zusammenarbeit zur interregionalen Institutionalisierung bei? Inwiefern kann sie einen globalen Beitrag zur Rationalisierung und zum Agendasetting leisten? Werden geoökonomische und geostrategische Machtungleichgewichte ausgeglichen? Findet eine Normdiffusion zwischen den beiden Regionen statt? Sind regionale Identitäten entstanden?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Darstellung der Problematik
3 Analysemodell der Interregionalismustheorie
4 Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Essays ist die Untersuchung der Effektivität und Auswirkungen der interregionalen Kooperation zwischen der Europäischen Union (EU) und der Association of Southeast Asian Nations (ASEAN) bei der Bekämpfung von Menschenhandel. Die Arbeit analysiert anhand eines theoretischen Modells der Interregionalismusforschung, inwieweit diese Zusammenarbeit institutionelle Prozesse fördert, zur globalen Rationalisierung beiträgt und ob regionale Identitäten oder Normdiffusionen erkennbar sind.
- Analyse der interregionalen Institutionalisierung zwischen EU und ASEAN
- Untersuchung von Push- und Pull-Faktoren bei illegaler Migration und Menschenhandel
- Anwendung liberaler und konstruktivistischer Theorien der Internationalen Beziehungen
- Bewertung der Rolle von NGOs und internationalen Projekten in der Sicherheitspolitik
- Diskussion über Normdiffusion und regionale Identitätsbildung
Auszug aus dem Buch
3 Analysemodell der Interregionalismustheorie
Da es sich beim Menschenhandel um ein transnationales Verbrechen handelt, ist internationale Zusammenarbeit bei der Analyse des Handels, der Informationsbündelung, der Informationsauswertung und der Strafverfolgung unabdingbar. Ich argumentiere, dass die EU und die ASEAN-Staatengemeinschaft Anstrengungen unternommen haben, um gemeinsam gegen dieses Verbrechen vorzugehen und dass vor diesem Hintergrund - im Sinne der liberalen Theorie der Internationalen Beziehungen - Institutionen gebildet und Verträge geschlossen wurden, um diesem Zweck zu dienen.
Es gibt einige Dialogforen und Verträge, in denen sich diese Kooperation manifestiert. Im September 2011 wurde die 10th ASEM Conference of the Directors-General of Immigration in Ulan Bator, Mongolei, abgehalten, welche jährlich abwechselnd in Asien oder Europa stattfindet und verschiedene Aspekte, Probleme und Chancen der Migration zwischen den beiden Regionen behandelt. In dem Treffen ging es darum, „Informationen und Erfahrungen zwischen den Partnern auszutauschen und die effektive Kollaboration auszubauen“ (ASEM InfoBoard, eigene Übers.). Es wurde ein Konzept entworfen, wie gegen Human Trafficking vorgegangen werden soll. Dieses nimmt zum einen die grundlegenden Punkte der UN-Konvention gegen Menschenhandel auf, und zum anderen die 3-P-Strategie, nach der sich alle wichtigen internationalen Protokolle und Rahmengesetzgebungen ausrichten (vgl. Maihold 2011: 16): Strafverfolgung (Prosecution), Schutz des Opfers (Protection) und Prävention (Prevention). Auch wenn dieses Konzept geschrieben wurde, ohne rechtlich bindend zu sein, wurde doch beschlossen, dass die Strafverfolgungsbehörden enger durch Informationsaustausch und gemeinsames Training zusammenarbeiten soll (vgl. ASEM 2011: 2).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Dringlichkeit der Problematik des Menschenhandels und der illegalen Migration und definiert die fünf zentralen Forschungsfragen auf Basis der Interregionalismustheorie.
2 Darstellung der Problematik: Dieses Kapitel erläutert die Definition von Menschenhandel, analysiert die Push- und Pull-Faktoren der Migration in Südostasien und beleuchtet die Schwierigkeiten bei der staatlichen Bekämpfung dieser Verbrechen.
3 Analysemodell der Interregionalismustheorie: Hier wird untersucht, wie die EU und ASEAN durch Dialogforen, Verträge und die Zusammenarbeit mit internationalen Akteuren wie der IOM gegen Menschenhandel agieren, und ob dies normativen Einfluss ausübt.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bestätigt die Hypothesen zur Institutionsbildung und zum Agenda-Setting und reflektiert über die Grenzen der Forschung aus der Distanz.
Schlüsselwörter
Human Trafficking, Menschenhandel, illegale Migration, EU, ASEAN, Interregionalismus, Internationale Beziehungen, Institutionenbildung, Normdiffusion, Menschenrechte, 3-P-Strategie, Sicherheitsbeziehungen, internationale Zusammenarbeit, Südostasien, Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der interregionalen Sicherheitskooperation zwischen der Europäischen Union und der ASEAN-Region im spezifischen Kontext der Bekämpfung von Menschenhandel.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind internationale Sicherheitsregime, Menschenhandel als transnationales Verbrechen, sowie die Rolle von Institutionen und Normen in der internationalen Politik.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die Effektivität der EU-ASEAN-Kooperation mittels fünf spezifischer Funktionen einer theoretischen Analyse zu überprüfen, die aus dem Realismus, Liberalismus und Konstruktivismus abgeleitet sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird ein theoretisches Analysemodell der Interregionalismustheorie genutzt, um empirische Beispiele wie Verträge, Foren und UN-Initiativen politikwissenschaftlich einzuordnen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Problembeschreibung mit Fokus auf Push- und Pull-Faktoren sowie eine theoretische Analyse der institutionellen Zusammenarbeit zwischen der EU und den ASEAN-Staaten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Human Trafficking, Interregionalismus, institutionelle Kooperation und internationale Sicherheit geprägt.
Welche Bedeutung hat die sogenannte 3-P-Strategie in dieser Untersuchung?
Die 3-P-Strategie (Prosecution, Protection, Prevention) dient als normativer Leitfaden, an dem sich die internationalen Protokolle und Kooperationsansätze der untersuchten Akteure ausrichten.
Wie bewertet der Autor das Entstehen regionaler Identitäten durch die Kooperation?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass auf Ebene der gesamten ASEAN-Region keine signifikanten Identitätsveränderungen feststellbar sind, sieht jedoch Ansätze für subregionale Identitätsbildung in der Mekong-Region durch Projekte wie COMMIT und SIREN.
- Arbeit zitieren
- Michael Simon (Autor:in), 2015, Human Trafficking und illegale Migration, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/960485