In der Arbeit soll der Frage nachgegangen werden, inwieweit Kinder mit Migrationshintergrund für ihre Benachteiligung eigenverantwortlich sind oder das Bildungssystem sie vernachlässigt. Dazu werden im ersten Teil die Begriffe Migration und Diskriminierung erläutert. Im nächsten Teil werden die beiden gegensätzlichen Erklärungsversuche zur Benachteiligung betrachtet mit einem kleinen Einblick in die PISA-Studie. Im letzten Teil sollen Perspektiven und mögliche Verbesserungen der Probleme einen Ausblick geben, um den Schulalltag von Migrantenkindern zu bewältigen.
Der Spracherwerb von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund ist elementar, da das komplette Bildungssystem darauf ausgelegt ist, in deutscher Sprache zu kommunizieren und zu unterrichten. Umso höher jedoch das Einreisealter der Kinder und eine tiefere Einbindung in ihre Herkunftskultur ist, desto schwieriger ist der Erwerb der deutschen Sprache. Viele Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund sprechen zu Hause ihre Muttersprache und daraus folgt eine schlechtere Voraussetzung für eine Selbstbestimmung im Bildungssystem. Nach PISA und IGLU hat sich ergeben, dass fast 50% der Jugendlichen aus Migrantenfamilien die elementare Stufe der Lesekompetenz nicht erreichen. Wie sollen diese Jugendlichen in Deutschland integriert werden, wenn der Spracherwerb als Basis für jegliche Bildung und schulischer Erfolg gilt? Die Chancen, die eine solche Mehrsprachigkeit mit sich bringt, wurden nicht erkannt. Sie gilt eher als eine Last.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und theoretische Vorüberlegungen
2. Begriffe „Migration“ und „Diskriminierung“
3. Ursachen und Erklärungen für die Nachteile der Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem
3.1 Individuelle Aspekte
3.2 PISA-Studie
3.3 Institutionelle Diskriminierung
4. Förderung / Perspektiven für Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund
5. Zusammenfassung und Schlussbemerkungen
6. Bibliographie / Literaturverzeichnis
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Benachteiligung von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Bildungssystem. Dabei wird der zentralen Forschungsfrage nachgegangen, ob diese Nachteile primär auf individuelles „Eigenverschulden“ (z. B. Sprachdefizite oder familiäre Hintergründe) oder auf strukturelle Faktoren wie institutionelle Diskriminierung zurückzuführen sind.
- Analyse der Begrifflichkeiten von Migration und Diskriminierung
- Untersuchung individueller Faktoren wie Mehrsprachigkeit und sozioökonomischer Hintergrund
- Einordnung der PISA-Ergebnisse in Bezug auf Bildungschancen
- Kritische Betrachtung institutioneller Selektionsmechanismen im Schulalltag
- Evaluation von Förderkonzepten und Perspektiven zur Chancengleichheit
Auszug aus dem Buch
3.3 Institutionelle Diskriminierung
Wie oben beschrieben, geht Diskriminierung einher mit einer Benachteiligung aus ethnischen und kulturellen Differenzen hervor, institutionelle Diskriminierung ist in staatlichen Einrichtungen wie Schule, Polizei, Ärzten, Gerichten, usw. zu lokalisieren. Sie ist jedoch schwer nachzuweisen, weil sie nicht direkt zu sehen ist. An drei Stellen jedoch ist es möglich, institutionelle Diskriminierung nachzuweisen. Als wichtige Übergangsstellen für alle Kinder im deutschen Schulsystem gelten die Einschulung und der Übergang in die Sekundarstufe I, der als Selektion nach Leistungsniveau verstanden werden kann, um homogene Lerngruppen bilden zu können. Zusätzlich ist zu vermerken, dass eine hohe Quote an Migrantenkindern eine Sonder- und Förderschule für Lernbehinderte besuchen.
Viele Migrantenkinder durchleben eine längere Schulzeit, weil sie schon bei ihrer Einschulung mit enormen Problemen zu kämpfen haben. Sie werden, anstatt in die erste Klasse aufgenommen zu werden, in die Vorschule oder gar in den Kindergarten verwiesen mit der Begründung mangelnder Deutschkenntnisse, praktischen Fähigkeiten, ungenügend entwickelten Arbeitshaltungen oder der Kindergartenzeit sei nicht ausreichend gewesen, um soziale Verhalten zu entwickeln. Eingehende diagnostische Überprüfungen sind nur die ersten Probleme, die mit den sprachlichen Defiziten einhergehen. Somit werden Kinder „wohlwollend“ herabgestuft, obwohl der Kindergarten rechtlich nicht zum Spracherwerb dient. Eine verspätete Einschulung hat meist altersheterogene Klassenzusammensetzungen zur Folge, die die Identitätsbildung der Schülerinnen und Schüler nicht fördert und eine verstärkte Beobachtung im Unterricht fordert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und theoretische Vorüberlegungen: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle gesellschaftliche Debatte um Migration und die besonderen Herausforderungen für das deutsche Bildungssystem im Kontext internationaler Vergleichsstudien.
2. Begriffe „Migration“ und „Diskriminierung“: Dieses Kapitel definiert die zentralen Fachbegriffe und setzt sich mit verschiedenen Gründen für Migration sowie den rechtlichen und sozialen Aspekten von Diskriminierung auseinander.
3. Ursachen und Erklärungen für die Nachteile der Kinder und Jugendlichen aus Migrantenfamilien im deutschen Bildungssystem: Hier werden sowohl individuelle Faktoren wie Sprache und familiäres Umfeld als auch die Rolle internationaler Studien und strukturelle Barrieren der Schule analysiert.
4. Förderung / Perspektiven für Schülerinnen und Schülern mit Migrationshintergrund: Das Kapitel diskutiert Ansätze zur Verbesserung der Bildungschancen, darunter gezielte Sprachförderung und eine engere Zusammenarbeit zwischen Elternhaus und Schule.
5. Zusammenfassung und Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und einem Blick auf internationale Vorbilder wie Schweden, um mögliche Reformwege aufzuzeigen.
6. Bibliographie / Literaturverzeichnis: Umfasst das vollständige Quellenverzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur.
Schlüsselwörter
Bildungsbenachteiligung, Migration, Institutionelle Diskriminierung, PISA-Studie, Chancengleichheit, Sprachförderung, Elternbeteiligung, Selektion, Mehrsprachigkeit, Migrationshintergrund, Bildungsbeteiligung, Schulsystem, Förderschule, Integration, Diversität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Ursachen für die schlechteren Bildungschancen von Kindern mit Migrationshintergrund im deutschen Schulsystem.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Definitionsgrundlagen von Migration, die Analyse von PISA-Daten, der Einfluss institutioneller Strukturen auf den Schulerfolg und moderne Förderkonzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob die Benachteiligung eher durch das individuelle Verhalten der Migranten oder durch systemische Diskriminierung innerhalb der Bildungseinrichtungen verursacht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung auf Basis vorhandener Fachliteratur, Erklärungsmodellen und der Sekundäranalyse von Bildungsstudien.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Klärung, eine Untersuchung der Ursachen (individuell und institutionell) sowie eine Erörterung von Lösungsansätzen zur Förderung der Schüler.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind die Begriffe Bildungsbenachteiligung, Migration, Institutionelle Diskriminierung und Chancengleichheit.
Welche Rolle spielt die Sprache beim Schulerfolg laut der Arbeit?
Die Sprache wird als elementarer Faktor identifiziert; mangelnde Deutschkenntnisse führen häufig zu einer Herabstufung oder verspäteten Einschulung, was den weiteren Bildungsweg negativ beeinflussen kann.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Kindergartens?
Der Autor kritisiert, dass Kinder oft mit der Begründung mangelnder Deutschkenntnisse vom Kindergarten ausgebremst werden, obwohl dieser rechtlich nicht primär als Einrichtung für den Spracherwerb vorgesehen ist.
Welche Alternative zu Deutschland wird als Vergleich herangezogen?
Als positives Beispiel wird Schweden genannt, da dort eine leistungsbezogene Selektion vermieden wird und Kinder weitgehend integrativ beschult werden.
- Citation du texte
- Tom Schäfer (Auteur), 2017, Bildungsbenachteiligung von Migranten im deutschen Bildungssystem, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961205