Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rekonstruktion der Beziehung zwischen dem Ehepaar Wolf und Max Frisch. Im Folgenden sollen die sich in der berlinerischen Privatbibliothek der Wolfs befindlichen handschriftlichen Widmungen von Frisch an das Ehepaar Wolf als Quellen und Grundlage zur Rekonstruktion einer Ost-West Beziehung dienen, wobei auch Briefe, Essays und literarische Tagebücher zur Kontextualisierung herangezogen werden. Es werden die Thesen aufgestellt, dass Frischs Widmungen an die Wolfs nicht nur von einer sozialen, sondern auch von einer literarischen Beziehung zeugen. Ferner sind Frischs Widmungen in der Privatbibliothek der Wolfs materielle Belege eines west-östlichen Dialoges, der mithilfe der Widmungsgaben und der anschließenden Lektüre weitergeführt wurde.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung (Quellen, Fragestellung, Forschungsüberblick)
Widmungen als literaturwissenschaftliche Quelle
Lokalisierung des Max-Frisch-Regals in der Privatbibliothek CGW
Max Frischs Widmungen an
CW [17.4.1973]
CW „in Verehrung“ [Mai 1975]
GW [Oktober 1975]
CW und GW „in Sympathie“ [Oktober 1978]
CW und GW „dankbar für/ das Gespräch/ in Stockholm“ [1979]
CW „aus der Kiste/ der verlornen/ Liebesmühen…“ [1983]
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die handschriftlichen Widmungen von Max Frisch an das Ehepaar Christa und Gerhard Wolf, die sich in deren Berliner Privatbibliothek befinden. Ziel ist es, diese Widmungen als Quellen zu erschließen und zu zeigen, dass sie nicht nur eine soziale, sondern eine tiefgreifende literarisch-poetologische Beziehung belegen, die als Ausdruck eines west-östlichen Dialogs während des Kalten Krieges zu verstehen ist.
- Analyse handschriftlicher Widmungen als literaturwissenschaftliche Paratexte
- Dokumentation des Max-Frisch-Bestands in der Privatbibliothek von Christa und Gerhard Wolf
- Kontextualisierung der persönlichen und intellektuellen Beziehung zwischen den Autoren
- Untersuchung der Rolle von gegenseitigem Austausch und Lektüre für das literarische Schaffen
- Darstellung der Entwicklung von kollegialer Distanz hin zu einer vertrauten Freundschaft
Auszug aus dem Buch
Max Frischs Widmungen an
Insgesamt haben sich sechs Widmungen Frischs an Christa und/oder Gerhard Wolf in der Privatbibliothek finden lassen. Wenn man vom Briefwechsel zwischen Max Frisch und Christa Wolf berechtigterweise sagen kann, dass dieser schmal ausfällt, so lässt sich ein Urteil über den Umfang der Widmungen erst fällen, wenn man Christa Wolfs Widmungen an Max Frisch untersucht und Frischs Widmungen an andere Autoren in Relation dazu entgegenhält, was den Umfang dieser Arbeit sprengen würde. Sowohl in den Briefen als auch anhand der im Folgenden untersuchten Widmungen lässt sich zuerst eine kollegiale, „zurückhaltende Wertschätzung“, die in eine über Jahre zunehmende Vertrautheit wächst und schließlich in eine distanzierte Freundschaft mündet, feststellen. Anders als in den Briefen Christa Wolfs an Max Frisch, in denen die politischen Bedingungen in der Zeit des kalten Krieges sowie später der Wende mit den folgenden gesellschaftlichen Veränderungen über die poetologischen Diskussionen dominieren, äußert sich in Frischs Widmungen vorrangig eine kollegial-poetologische, und später freundschaftliche Ebene. Im Folgenden werden die Widmungen anhand der Widmungsdaten in der chronologischen Abfolge analysiert und kontextualisiert.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung (Quellen, Fragestellung, Forschungsüberblick): Diese Einleitung führt in die persönliche und literarische Beziehung zwischen Christa Wolf, Gerhard Wolf und Max Frisch ein und formuliert die Ausgangsthese, dass die Widmungen als Belege eines literarischen Ost-West-Dialogs dienen.
Widmungen als literaturwissenschaftliche Quelle: Dieses Kapitel definiert Widmungen als Paratexte und erläutert ihre Funktion als Zeugnisse von Nähe und Distanz sowie als Ergänzung zu den ihnen nachgestellten literarischen Werken.
Lokalisierung des Max-Frisch-Regals in der Privatbibliothek CGW: Hier wird der physische Ort der Bücher im Arbeitszimmer von Christa Wolf beschrieben und deren Bedeutung für das literarische Schaffen der Autorin durch die Nähe zum Schreibtisch hervorgehoben.
Max Frischs Widmungen an: In diesem Kapitel werden die sechs identifizierten Widmungsexemplare chronologisch einzeln analysiert und in ihren jeweiligen zeitgeschichtlichen sowie persönlichen Kontext der Akteure eingeordnet.
Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass die Widmungen eine freundschaftliche und literarisch-poetologische Verbindung belegen, die den Austausch zwischen Ost und West materiell manifestiert.
Schlüsselwörter
Max Frisch, Christa Wolf, Gerhard Wolf, Widmungen, Privatbibliothek, Paratexte, Ost-West-Beziehung, Literaturwissenschaft, Briefwechsel, poetologischer Dialog, Autorenschaft, DDR-Literatur, Westliteratur, Freundschaft, Suhrkamp Verlag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der handschriftlichen Widmungen von Max Frisch an das Ehepaar Christa und Gerhard Wolf, die in deren Berliner Privatbibliothek aufgefunden wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die literaturwissenschaftliche Bedeutung von Widmungen, die persönliche und schriftliche Kommunikation zwischen den Autoren während des Kalten Krieges sowie die Rolle der Bibliothek als materieller Ort intellektueller Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Widmungen als Beleg für eine tiefgreifende literarisch-poetologische Beziehung zu deuten, die über eine rein soziale Ebene hinausgeht und einen west-östlichen Dialog repräsentiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der Kontextualisierung: Handschriftliche Widmungen werden als Paratexte identifiziert und anhand von Briefen, Essays, Tagebüchern und biographischen Daten der Autoren in einen interpretativen Gesamtzusammenhang gestellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung über Widmungen, eine Beschreibung der Lokalisierung der Bücher in der Bibliothek und eine detaillierte chronologische Analyse der sechs untersuchten Widmungsexemplare von 1973 bis 1983.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern zählen Max Frisch, Christa Wolf, Widmungen, Privatbibliothek, Paratexte, Ost-West-Beziehung und literarischer Dialog.
Warum adressiert Frisch Christa Wolf oft mit Vor- und Zunamen?
Die Autorin deutet die Verwendung von Vor- und Zunamen in Frischs Widmungen an Christa Wolf als Ausdruck einer bestehenden, trotz zunehmender Vertrautheit gewahrten Distanz, die charakteristisch für Frischs Umgang mit anderen Personen ist.
Welche Rolle spielte der Briefwechsel in der Widmungsanalyse?
Der Briefwechsel dient als wichtige Quelle zur Kontextualisierung, um die persönlichen Gefühle, Missverständnisse und politischen Rahmenbedingungen, unter denen die Bücher überreicht wurden, zu rekonstruieren.
Was ist das Ergebnis bezüglich der Widmung „aus der Kiste der verlornen Liebesmühen“?
Diese Widmung aus dem Jahr 1983 wird als Reflexion Frischs auf verstorbene Freunde gedeutet, die in dem Band versammelt sind, wobei die Widmung an Christa Wolf gleichzeitig als Einladung zur Lektüre fungiert.
- Quote paper
- Alexandra Priesterath (Author), 2020, Die Widmungen von Max Frisch an Christa und Gerhard Wolf. Widmungen als Grundlage zur Rekonstruktion einer Ost-West-Beziehung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/961428