Ziel dieser Arbeit ist es, die Maßnahmen, die auf EU- Ebene zur Kompensierung von Krisen getroffen wurden, auf ihre wirtschaftsideologische Fundierung zu untersuchen und ihre Auswirkung auf betroffene Länder zu prüfen.
Dabei gilt es zu erfahren, ob die theoretisch erwarteten Ergebnisse einer Austeritätspolitik, durch die Maßnahmen und Bedingungen, die diese stellt, auch tatsächlich erreicht wurden. Dabei soll vor allem die Rolle der TROIKA kritisch hinterfragt werden. Auch die Geldpolitik der EZB soll mit Bezugnahme auf die unkonventionellen Maßnahmen, allen voran des Draghi-Effekts ab 2012, auf ihre Wirksamkeit untersucht werden.
In dieser Materie, im Titel der Arbeit als Spannungsfeld bezeichnet, stehen sich Modelle der (neo-)liberalen und keynesianischen Wirtschaftspolitik diametral gegenüber. Eine liberale Wirtschaftspolitik steht Marktregulierung und staatlichen Eingriffen kritisch gegenüber und befürwortet hartes Sparen (Austerität) als vorrangigen Ausweg aus der Krise. Keynesianische Wirtschaftspolitik setzt wiederum auf die Notwendigkeit staatlicher Steuerung. Sie befürwortet staatliche Konjunkturprogramme zur Steigerung der Nachfrage, auch zum Preis der Aufnahme neuer Schulden.
Inhalt
Einleitung:
1. Ursachen und Auswirkungen der Krise in Europa
1.1. Unmittelbare Ursachen und Folgen der Lehman-Brothers- Insolvenz
1.2. Das Problem mit den Staatsschulden
1.3. Die Krise als Strukturkrise
1.3.1. Artificial Spending
1.3.2. Wettbewerbsfähigkeit
1.3.4. Zinsentwicklung und Geldpolitik
1.4. Fazit und Ausblick
2. Maßnahmen gegen die Krise
2.1. Schilderung des Konflikts
2.1.1. Die neoklassische Interpretation der Eurokrise
2.1.2. Die keynesianische Interpretation der Eurokrise
2.2. Der ESM
2.2.1. Der europäische Fiskalpakt
2.2.2. Die TROIKA
2.2.3. Innere Abwertung und Austerität
2.3. Unkonventionelle Geldpolitik der EZB
2.3.1. Die Traditionellen Aufgaben der EZB
2.3.2. Reaktionen auf die Krise
2.3.1. Konflikte um eigenwilliges Handeln der EZB
3. Auswirkungen europäischer Krisenpolitik
3.1. Umsetzung der Sparpolitik
3.1.1. Löhne
3.1.2. Renten
3.1.3. Privatisierungen
3.2. Auswirkungen der Sparpolitik
4. Alternativkonzepte zur Krisenbewältigung und einer zukünftigen europäischen Wirtschaftspolitik
4.1. Eurobonds
4.2. Koordination der europäischen Wirtschaftspolitik
4.2.1. Lohnpolitik
4.2.2. Geld und Fiskalpolitik
5. Ausblick - Corona
Literatur
Abbildungen
Inhaltsverzeichnis
1. Ursachen und Auswirkungen der Krise in Europa
1.1. Unmittelbare Ursachen und Folgen der Lehman-Brothers- Insolvenz
1.2. Das Problem mit den Staatsschulden
1.3. Die Krise als Strukturkrise
1.3.1. Artificial Spending
1.3.2. Wettbewerbsfähigkeit
1.3.4. Zinsentwicklung und Geldpolitik
1.4. Fazit und Ausblick
2. Maßnahmen gegen die Krise
2.1. Schilderung des Konflikts
2.1.1. Die neoklassische Interpretation der Eurokrise
2.1.2. Die keynesianische Interpretation der Eurokrise
2.2. Der ESM
2.2.1. Der europäische Fiskalpakt
2.2.2. Die TROIKA
2.2.3. Innere Abwertung und Austerität
2.3. Unkonventionelle Geldpolitik der EZB
2.3.1. Die Traditionellen Aufgaben der EZB
2.3.2. Reaktionen auf die Krise
2.3.1. Konflikte um eigenwilliges Handeln der EZB
3. Auswirkungen europäischer Krisenpolitik
3.1. Umsetzung der Sparpolitik
3.1.1. Löhne
3.1.2. Renten
3.1.3. Privatisierungen
3.2. Auswirkungen der Sparpolitik
4. Alternativkonzepte zur Krisenbewältigung und einer zukünftigen europäischen Wirtschaftspolitik
4.1. Eurobonds
4.2. Koordination der europäischen Wirtschaftspolitik
4.2.1. Lohnpolitik
4.2.2. Geld und Fiskalpolitik
5. Ausblick - Corona
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist es, die Maßnahmen, die auf EU-Ebene zur Kompensierung der Krise getroffen wurden, auf ihre wirtschaftsideologische Fundierung zu untersuchen und deren tatsächliche Auswirkungen auf die betroffenen Volkswirtschaften zu bewerten.
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Austeritätspolitik und öffentlichen Investitionen.
- Analyse der Maßnahmen wie ESM, Fiskalpakt und unkonventionelle Geldpolitik der EZB.
- Gegenüberstellung neoklassischer und keynesianischer Interpretationen der Eurokrise.
- Bewertung der Auswirkungen von Sparprogrammen auf Löhne, Renten und Privatisierungen.
- Diskussion alternativer wirtschaftspolitischer Ansätze zur Krisenbewältigung.
Auszug aus dem Buch
1.1. Unmittelbare Ursachen und Folgen der Lehman-Brothers- Insolvenz
Die Insolvenz der Bank Lehman-Brothers bietet sich gut an, um als Ausgangspunkt der globalen Finanzkrise von 2008 gesehen zu werden, weil es sich dabei um ein singuläres, gut fassbares Ereignis handelt. Natürlich drängt sich die Frage auf, wie und warum kam es zu dieser Insolvenz und warum hatte sie globale Auswirkungen?
Viele Ökonomen sehen den Ausgangspunkt der Krise auf dem amerikanischen Immobilienmarkt. Hecht/Müller (2009, S.1) beschreiben das Platzen einer Immobilienblase, die sich durch zu lockere Kreditvergabe gebildet hatte. Die riskanten Kredite (Subprime Kredite) wurden mittels neuer Finanzprodukte gebündelt und weltweit weiterverkauft (ebd.). Die Banken, die diese Kredite kauften prüften deren Inhalt schlecht und verließen sich auf die Bewertung von Ratingagenturen. Als sich die Erwartungen am amerikanischen Immobilienmarkt im Jahr 2006 verschlechterten, die Preise für Immobilien sanken und die Zinsen für Kredite stiegen, begannen die Geschäfte mit den gebündelten Krediten (collateralized debt obligations oder kurz: CDOs) in Schieflage zu geraten, da die einkommensschwachen amerikanischen Kreditnehmer nicht mehr zahlen konnten (ebd.). Die Bank Lehman-Brothers war stark von den ausfallenden Krediten betroffen und wurde im Gegensatz zu anderen großen US-Banken (Bear Stearns, Fannie Mae und Freddie Mac) nicht mit staatlichen Mitteln von der US-Regierung unterstützt (Brinkbäumer et al. 2009).
Zur Insolvenz kam es, weil die US-Regierung diese zuließ, die Bank nicht vom Staat gerettet wurde und somit Marktkräfte frei wirkten (Bofinger 2009). Damit sollten die Aktionäre sowie Kreditgeber der Bank ihr Geld verlieren. Bofinger (2009, S.30) sieht die Insolvenz der Bank als Auslöser einer Angst, die „wie ein Tsunami durch das globale Finanzsystem fegte“. Ab 2008 ergriffen die Regierungen aller Industrieländer und die Notenbanken umfangreiche Maßnahmen, um eine „Kernschmelze“ des globalen Finanzsystems zu verhindern (ebd.). Die Staaten übernahmen Haftungen für Banken, die sich aufgrund einer Vertrauenskrise gegenseitig kein Geld mehr liehen und Notenbanken kamen dem Banksystem großzügig entgegen (ebd. ff.). Es konnte ein Bank-Run verhindert werden, doch es stellte sich ein weltweiter Konjunktureinbruch in Verbindungen mit rasant ansteigender Staatsverschuldung ein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Ursachen und Auswirkungen der Krise in Europa: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung der Finanzkrise ausgehend von der Lehman-Brothers-Insolvenz und analysiert die Eurokrise als strukturelles Ungleichgewicht sowie Problem der Leistungsbilanzdisparitäten.
2. Maßnahmen gegen die Krise: Hier werden die gegensätzlichen wirtschaftspolitischen Interpretationen (neoklassisch vs. keynesianisch) dargestellt und die Instrumente der EU (ESM, Fiskalpakt) sowie die Geldpolitik der EZB detailliert vorgestellt.
3. Auswirkungen europäischer Krisenpolitik: Das Kapitel untersucht die praktischen Folgen der Sparauflagen, insbesondere in den Bereichen Lohnentwicklung, Renten und Privatisierungen, und deren negative Rückkopplung auf das Wirtschaftswachstum.
4. Alternativkonzepte zur Krisenbewältigung und einer zukünftigen europäischen Wirtschaftspolitik: Hier werden diskursive Ansätze wie Eurobonds und eine verstärkte wirtschaftspolitische Koordination als Gegenentwurf zur rigiden Austeritätspolitik diskutiert.
5. Ausblick - Corona: Dieser kurze Ausblick reflektiert die Lehren aus der Krise von 2008 im Hinblick auf die neu aufkommenden Herausforderungen durch die Corona-Pandemie.
Schlüsselwörter
Eurokrise, Austeritätspolitik, Europäischer Stabilitätsmechanismus, ESM, Fiskalpakt, EZB, Lehman-Brothers, Strukturkrise, Lohnstückkosten, Leistungsbilanzsalden, Eurobonds, Wirtschaftswachstum, Arbeitslosigkeit, Keynesianismus, Neoklassik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die europäische Wirtschaftspolitik im Kontext der Krisenbewältigung seit 2008, wobei ein besonderer Fokus auf dem Spannungsfeld zwischen strikter Austerität und notwendigen öffentlichen Investitionen liegt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Ursachen der globalen Finanzkrise, die Rolle der EU-Institutionen, die Effektivität der Sparpolitik sowie alternative Ansätze für eine zukünftige europäische Wirtschaftskoordination.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage untersucht, ob die auf EU-Ebene beschlossenen Maßnahmen zur Krisenbewältigung tatsächlich die erhoffte Stabilität brachten oder ob die strikte Austeritätspolitik die Krise in den betroffenen Ländern durch zusätzliche Rezessionsimpulse verschärfte.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse offizieller Dokumente, Statistiken (EU, EZB, WKO) sowie wirtschaftswissenschaftlicher Fachliteratur und vergleicht diese mit realen wirtschaftlichen Entwicklungsdaten der betroffenen Krisenländer.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den verschiedenen Interpretationen der Eurokrise, den Mechanismen des ESM, den Eingriffen in nationale Sozial- und Lohnstrukturen sowie der geldpolitischen Strategie der EZB.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Austeritätspolitik, Eurokrise, ESM, Fiskalpakt, Strukturreformen, Lohnstückkostenentwicklung und die wirtschaftspolitische Kontroverse zwischen neoklassischen und keynesianischen Ansätzen.
Warum spielt Griechenland in dieser Arbeit eine besondere Rolle?
Griechenland dient als prominentes Fallbeispiel für die drastischen Auswirkungen der Austeritätspolitik, da dort der Rückgang der Wirtschaftsleistung und der Anstieg der Arbeitslosigkeit infolge der Sparauflagen besonders signifikant ausgefallen sind.
Wie bewertet der Autor die Rolle der TROIKA?
Der Autor hinterfragt die Rolle der TROIKA kritisch, insbesondere hinsichtlich ihrer demokratischen Legitimation, ihres intransparenten Handelns und der einseitigen Fokussierung auf Sparmaßnahmen, die Wachstumsimpulse vernachlässigte.
- Citar trabajo
- Moritz Ebenführer (Autor), 2020, Europas Wirtschaftspolitik in Krisenzeiten zwischen Austerität und öffentlichen Investitionen. Die Wirkung der Maßnahmen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/962222