Kapitelübersicht
1. Versuch einer Definition von Rassismus und seine Veranschaulichung anhand von historischen Transformationen Transformation der Differenzkonstruktionen Rasse und Kultur
2. Transformation des religiösen Rassismus
3. Die vier Momente von Rassismus
4. Normalität und Rassismus
5. Produktion von Ungleichheit am Beispiel der Überweisungspraxis in Sonderschulen
6. Normalität als Imagination von Ordnung
7. „Woher kommst du?“
8. Ordnen, Trennen, Messen – Kontrollierende und regulierende Ausschlusstechniken und ihre Entstehung unter dem Aspekt der Herausbildung von modernen Nationalstaaten
9. Leben machen, sterben lassen - Foucaults Rassismuskonzeption im Hinblick auf moderne Biopolitik
10. Medien und Symbolik
11. Strategien zur Festlegung von Normalitätsgrenzen
12. „Das Boot ist voll“
13. Schlussbemerkung
Das Ziel dieser Arbeit ist es, ein möglichst umfassendes Bild vom Rassismus zu zeichnen und den LeserInnen die Entstehungsbedingungen und Wirkungsweisen von Rassismus in modernen, westlichen Nationalstaaten zu veranschaulichen. Ich möchte darüber informieren, durch welche Faktoren sich Rassismus im Allgemeinen kennzeichnet, und erörtern, wodurch sich der moderne Rassismus von früheren Erscheinungsformen unterscheidet. Dazu werde ich an Michelle Foucaults Rassismuskonzeption anschließen und Rassismus als Normalität erzeugendes, diskursiv hervorgebrachtes Dispositiv beschreiben.
Als Dispositiv gedacht ist Rassismus ein Tragpfeiler der Normalisierungsgesellschaft, deren Machtstrukturen die Subjekte in qualifizierender, messender und abschätzender Form an der Norm ausrichten und davon Abweichende als Bedrohung für das Gemeinwohl kennzeichnen und schließlich ausschließen (Foucault). Um Rassismus in dieser umfassenden Form zu kontrastieren, werde ich die historische Verschiebung der Machtstrukturen, die in einer auf das Leben gerichteten, wohlfahrtsstaatlichen Bio- Politik gipfeln, genauer beschreiben.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Versuch einer Definition von Rassismus und seine Veranschaulichung anhand von historischen Transformationen
Transformation der Differenzkonstruktionen Rasse und Kultur
Transformation des religiösen Rassismus
Die vier Momente von Rassismus
Normalität und Rassismus
Produktion von Ungleichheit am Beispiel der Überweisungspraxis in Sonderschulen
Normalität als Imagination von Ordnung
„Woher kommst du?“
Ordnen, Trennen, Messen – Kontrollierende und regulierende Ausschlusstechniken und ihre Entstehung unter dem Aspekt der Herausbildung von modernen Nationalstaaten
Leben machen, sterben lassen
Medien und Symbolik
Strategien zur Festlegung von Normalitätsgrenzen
„Das Boot ist voll“
Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht Rassismus als ein gesamtgesellschaftliches Dispositiv, das unbewusst unsere Alltagswahrnehmung und Normalitätsvorstellungen strukturiert und konstituiert. Dabei wird analysiert, wie moderne Nationalstaaten durch Machttechniken und Diskursstrategien Normalitätsgrenzen ziehen und bestimmte Gruppen als „andere“ oder „fremd“ markieren.
- Rassismus als Normalität erzeugendes Dispositiv nach Michel Foucault
- Historische Transformationen von kolonialem zu kulturellem Rassismus
- Die Rolle von Normalitätsimaginationen bei der Identitätsbildung
- Institutionelle Diskriminierung am Beispiel des Bildungssystems
- Die Funktion von Kollektivsymbolik in medialen Einwanderungsdiskursen
Auszug aus dem Buch
Die vier Momente von Rassismus
Wir haben nun gesehen, dass die Entstehungsbedingungen, Erscheinungsformen und Funktionen von Rassismus durchaus verschieden sind und sich über einen langen Zeitraum entwickelten. Mit Rommelsbacher möchte ich jedoch festhalten, dass für die Anwendung des Rassismusbegriffs nur die Frage entscheidend ist, ob mit Hilfe naturalisierter Gruppenkonstruktionen ökonomische, politische und kulturelle Dominanzverhältnisse legitimiert werden (27). Das dahinterstehende Muster ist wie folgt auszumachen: (1. Naturalisierung): Soziale und kulturelle Differenzen werden naturalisiert und somit soziale Beziehungen zwischen Menschen als unveränderlich und vererbbar verstanden. (2. Homogenisierung): Die Menschen werden dafür in jeweils homogenen Gruppen zusammengefasst und vereinheitlicht. (3. Polarisierung): Die Gruppen werden als grundsätzlich verschieden und unvereinbar gegenübergestellt. (4. Hierarchisierung): Die Gruppen werden in eine unveränderliche Rangordnung gestellt (29).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz des Rassismusbegriffs ein und verortet ihn als ein wirkmächtiges, normalisierendes Dispositiv in westlichen Gesellschaften.
Versuch einer Definition von Rassismus und seine Veranschaulichung anhand von historischen Transformationen: Dieses Kapitel erläutert die Verschiebung von kolonialen, biologisch begründeten Rassekonstruktionen hin zu einem kulturell legitimierten, „modernen“ Rassismus.
Normalität und Rassismus: Hier wird dargelegt, wie Rassismus durch die Erzeugung von „Wir-Imaginationen“ eine Ordnung der Normalität schafft, die gesellschaftliche Ausgrenzung – beispielsweise im Schulwesen – alltäglich und unsichtbar macht.
Ordnen, Trennen, Messen – Kontrollierende und regulierende Ausschlusstechniken und ihre Entstehung unter dem Aspekt der Herausbildung von modernen Nationalstaaten: Das Kapitel analysiert im Rückgriff auf Foucault, wie moderne Staaten mittels Biopolitik und der Verwaltung des Lebens Ausgrenzungsmechanismen als politische Rationalität institutionalisieren.
Medien und Symbolik: Hier wird untersucht, wie Massenmedien durch Kollektivsymbolik und die Markierung von „Innen-“ und „Außenbereichen“ rassistische Dichotomien und latente Bedrohungsgefühle in der Bevölkerung verstärken.
Schlussbemerkung: Die Arbeit schließt mit dem Appell an die Mehrheitsgesellschaft, sich der eigenen Position in Herrschaftsverhältnissen bewusst zu werden, um die aktiv hergestellten Differenzen kritisch zu reflektieren.
Schlüsselwörter
Rassismus, Normalität, Dispositiv, Diskurs, Machtverhältnisse, Nationalstaat, Biopolitik, Kollektivsymbolik, Institutionelle Diskriminierung, Ausgrenzung, Differenzkonstruktion, Identitätsbildung, Normalisierungsgesellschaft, Medien, Einwanderungsdiskurs.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse von Rassismus als ein tief verwurzeltes, gesellschaftliches Dispositiv, das unsere Vorstellung von Normalität strukturiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die historische Transformation von Rassismus, die Rolle von Normalitätsimaginationen, staatliche Machttechniken und die mediale Inszenierung von Ausgrenzung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein umfassendes Bild der Entstehungsbedingungen und Wirkungsweisen von Rassismus in modernen, westlichen Nationalstaaten zu zeichnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt diskursanalytische Ansätze und bezieht sich theoretisch maßgeblich auf Michel Foucault sowie auf Rassismusforscherinnen wie Birgit Rommelsbacher.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die historischen Wurzeln, die Normalisierungsmechanismen im Bildungssystem, die biopolitische Steuerung des Staates sowie die symbolische Aufladung medialer Diskurse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Rassismus, Normalität, Dispositiv, Biopolitik und institutionelle Diskriminierung bestimmt.
Wie definiert die Autorin den Zusammenhang zwischen Normalität und Rassismus?
Rassismus wird nicht als bloßer Hass verstanden, sondern als notwendige Strukturierungsgröße, die der Mehrheitsgesellschaft hilft, sich durch die Abgrenzung zum „Anderen“ selbst zu definieren.
Welche Bedeutung haben „Kollektivsymbole“ in der Medienberichterstattung?
Kollektivsymbole wie „Flut“, „Wüste“ oder „Sturm“ dienen dazu, den „Außenbereich“ als Bedrohung zu markieren, was die Entmenschlichung von Personengruppen erleichtert und die Hemmschwelle für Unterdrückung senkt.
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- Moritz Ebenführer (Autor), 2017, Die Rassismuskonzeption von Foucault. Ist Rassismus normal?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/962445