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Umkämpfte Ressourcen und Demokratie im postsowjetischen Raum. Das Konzept des Ressourcenfluchs aus Perspektive der Demokratieforschung

Titel: Umkämpfte Ressourcen und Demokratie im postsowjetischen Raum. Das Konzept des Ressourcenfluchs aus Perspektive der Demokratieforschung

Akademische Arbeit , 2019 , 17 Seiten , Note: 2

Autor:in: Josef Muehlbauer (Autor:in)

Politik - Region: Russland
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In diesem Beitrag wird auf Ressourcenkriege, also auf die geopolitische Dimension nur am Rande eingegangen und zentral auf das Konzept des Ressourcenfluchs Bezug genommen. Genauer gesagt wird auf jene postsowjetischen Staaten geblickt, die am meisten Reserven an Erdgas (gemessen in Milliarden Kubikmeter) und Erdöl (gemessen in Millionen Tonnen) besitzen. Dabei wird mit der analytisch-theoretischen Brille des Ressourcenfluchs auf Russland, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan geschaut, wobei folgende Forschungsfrage zu beantworten ist: Inwiefern können Zusammenhänge zwischen wirtschaftliche, politische und sozio-ökonomische Missstände und dem fossilistischen Ressourcenreichtum im postsowjetischen Raum ausgemacht werden?

Vor über 200 Jahren begann die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung über den Zusammenhang zwischen Ressourcen und Frieden (bzw. Krieg) mit der Publizierung des "Essay(s) on the Principle of Population" von Robert Malthus. Darin meint Malthus, dass das lineare Wachstum landwirtschaftlicher Produkte nicht mit dem exponentiellen Wachstum der Weltbevölkerung mithalten könne. Die Verbindung zwischen Frieden (bzw. Krieg) und Ressourcen wurde zu einem der zentralen politischen und akademischen Themen des 20. aber vor allem auch des 21. Jahrhunderts. So ist die Studie aus dem Jahr 1972: "Die Grenzen des Wachstums" mit dem Fokus auf die Zukunft der Weltwirtschaft schon im darauffolgenden Jahr mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Die Schlussfolgerung der Studie war dramatisch und konfliktgeladen: Die Menschheit erreiche die "natürlichen" Wachstumsgrenzen aufgrund des Aufbrauchens der Ressourcen, aufgrund der industriellen Kapazität und aufgrund der irreparablen Umweltzerstörung und Ressourcenextraktion.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Problemdarstellung

1.1 Fragestellung und methodologische Vorgehensweise

2. Begriffsbestimmungen und theoretischer Rahmen

3. Länderanalyse des postsowjetischen Raums

3.1 Russland

3.2 Kasachstan

3.3 Turkmenistan

3.4 Aserbaidschan

5. Conclusio

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen wirtschaftlichem Ressourcenreichtum, insbesondere fossilen Energieträgern, und sozioökonomischen sowie politischen Problemen im postsowjetischen Raum. Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern ein solcher „Ressourcenfluch“ die Demokratieentwicklung in den betrachteten Staaten maßgeblich beeinträchtigt.

  • Analyse des Konzepts des Ressourcenfluchs und dessen Relevanz für den postsowjetischen Raum.
  • Untersuchung der strukturellen Auswirkungen von Rentierstaatlichkeit und der „Holländischen Krankheit“.
  • Vergleichende Analyse der politischen Systeme in Russland, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan.
  • Bewertung der Rolle von Eliten, Korruption und informellen Netzwerken bei der Machtausübung.
  • Einordnung der untersuchten Staaten hinsichtlich ihres demokratischen Entwicklungsstandes unter dem Einfluss des Ressourcenextraktivismus.

Auszug aus dem Buch

Paradox of plenty bzw. Ressourcenfluch (resource curse)

Das theoretische Konzept des Ressourcenfluchs (resource curse) beschreibt jenes, auf dem ersten Blick Paradox erscheinende Phänomen, dass Ressourcenreichtum vieler Länder nicht zur Vermehrung von Wohlstand und Entwicklung, sondern zu Armut, Staatszerfall, (Bürger)Kriege, Krisen, Gewalt und Korruption führen (Croll, Guesnet & Schmitz 2012: 23; vgl. Schärer 2016: 9). Trotz der hohen Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt durch deren Abschöpfung und Verkauf, bleibt eine signifikante Anzahl ressourcenreicher Länder in ihrer ökonomischen und sozialen Entwicklung zurück (Khodeli, 2009, S. 5).

Viele Experten u.a. Collier (2008, S. 58) bestätigen, dass hohe Erträge aus Rohstoffvorkommen in hohem Masse wachstumshemmend wirken, da bis auf den Energiesektor die anderen wirtschaftlichen Sektoren kaum subventioniert bzw. finanziert werden. Das Phänomen wird deswegen auch als „Ressourcenfluch“ oder „Paradox of plenty“ bezeichnet. Es gibt aber Länder auf denen dieses Phänomen nicht zutrifft: z.B. Kanada und Norwegen (vgl. Schärer 2016: 10). Meistens wenn hierbei von Rohstoffen die Rede, handelt es sich um fossile Energieträger (vgl. Konzept: Ressourcenextraktivismus). Der Energiesektor wird demnach so mächtig und reich, so dass Konzerne ganze Regierungen und Staaten „absorbieren“ bzw. unterminieren (vgl. Konzept: Corporate State Capture). Dabei werden die politischen Kanäle und staatlichen Infrastrukturen für die (meist kurzfristigen) Renten, von einer Gruppe Konzernchefs und Manager genutzt. Drehtüreffekte, aber auch Korruption sind demnach demokratieschädigende Nachwirkungen vom Ressourcenextraktivismus (z.B. Aserbaidschan, oder Russlands Rentenökonomie).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung und Problemdarstellung: Diese Einleitung führt in die historische und theoretische Debatte um Ressourcen und deren Auswirkungen auf Frieden und Wohlstand ein und leitet zum Fokus auf den postsowjetischen Raum über.

1.1 Fragestellung und methodologische Vorgehensweise: Dieser Unterabschnitt formuliert die zentrale Forschungsfrage zur Korrelation zwischen Ressourcenreichtum und sozioökonomischen Missständen und erläutert die methodische Herangehensweise.

2. Begriffsbestimmungen und theoretischer Rahmen: Hier werden zentrale Konzepte wie der Ressourcenfluch, die Holländische Krankheit sowie Rentierstaatlichkeit und Rentenökonomie wissenschaftlich definiert und erläutert.

3. Länderanalyse des postsowjetischen Raums: Dieses Kapitel dient der Anwendung der theoretischen Konzepte auf die spezifischen Kontexte der vier ausgewählten Staaten.

3.1 Russland: Das Kapitel analysiert die russische politische Ökonomie, geprägt durch die Verschmelzung von Staat und Energiewirtschaft sowie autoritäre Herrschaftsstrukturen.

3.2 Kasachstan: Hier wird die Rolle der Erdölförderung und die autoritäre Konsolidierung der Macht durch das Regime rund um den Präsidenten untersucht.

3.3 Turkmenistan: Die Untersuchung fokussiert auf die stark zentralisierte, diktatorische Struktur des Landes unter Ausnutzung von Gasreserven und die Praxis der politischen Simulation.

3.4 Aserbaidschan: Dieses Kapitel thematisiert die klientelistischen Netzwerke und die autokratische Herrschaft, die trotz Ressourcenreichtums soziale Probleme und wirtschaftliche Stagnation hervorrufen.

5. Conclusio: Die Conclusio fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt, dass sich in allen vier Ländern autoritäre Rentierstaaten etabliert haben, deren Machtbasis auf dem extraktiven Ressourcenreichtum beruht.

Schlüsselwörter

Ressourcenfluch, Paradox of Plenty, Rentierstaatlichkeit, Holländische Krankheit, Post-sowjetischer Raum, Autoritarismus, Energiepolitik, Erdöl, Erdgas, Neopatrimonialismus, Klientelismus, Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Aserbaidschan

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, ob und wie der Reichtum an fossilen Ressourcen in postsowjetischen Staaten mit deren autoritärer Regierungsweise und sozioökonomischen Herausforderungen korreliert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Schwerpunkte liegen auf der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Ressourcenfluch, Rentierökonomien und der vergleichenden Analyse politischer Systeme in Transformationsländern.

Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?

Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen ökonomischen Missständen und dem fossilistischen Ressourcenreichtum in den untersuchten Staaten aufzudecken.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine politikwissenschaftliche Länderanalyse auf Basis etablierter Demokratietheorien, Regimetypologien und empirischer Daten des Bertelsmann Transformation Index.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil zur Definition der Begriffe und einen empirischen Teil, der Russland, Kasachstan, Turkmenistan und Aserbaidschan detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Ressourcenfluch, Rentierstaat, Autoritarismus, Klientelismus und die Analyse der fossilen Energiewirtschaft definiert.

Inwiefern beeinflussen fossile Brennstoffe die politische Entwicklung in diesen Staaten?

Der Ressourcenreichtum ermöglicht den herrschenden Eliten finanzielle Unabhängigkeit, wodurch demokratische Kontrollmechanismen geschwächt und klientelistische Machtstrukturen gefestigt werden.

Wie unterscheidet sich die Situation in den vier untersuchten Ländern?

Während alle als autoritäre Rentierstaaten eingestuft werden, zeigen sich Unterschiede im Grad der totalitären Züge und in der spezifischen Ausgestaltung der informellen Netzwerke.

Was ist das zentrale Ergebnis der Arbeit in Bezug auf die untersuchten Regime?

Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass alle vier Staaten ihre Machtbasis durch die Extraktion und den Export fossiler Rohstoffe sichern und dabei demokratische Reformen untergraben.

Welche Rolle spielen externe Akteure wie westliche Staaten oder China?

Externe Akteure unterstützen die Integration dieser Länder in den globalen Energiemarkt, nehmen dabei jedoch oft in Kauf, dass damit autoritäre Machtstrukturen stabilisiert werden.

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Details

Titel
Umkämpfte Ressourcen und Demokratie im postsowjetischen Raum. Das Konzept des Ressourcenfluchs aus Perspektive der Demokratieforschung
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
(Ma9) Osteuropaforschung (2019S)
Note
2
Autor
Josef Muehlbauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V963047
ISBN (eBook)
9783346316103
ISBN (Buch)
9783346316110
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Osteuropa Ressourcenfluch Paradox of plenty Imperiale Lebensweise Demokratieforschung
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Josef Muehlbauer (Autor:in), 2019, Umkämpfte Ressourcen und Demokratie im postsowjetischen Raum. Das Konzept des Ressourcenfluchs aus Perspektive der Demokratieforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/963047
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Leseprobe aus  17  Seiten
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