Kontrollszenario - Regulation, Kriminalitätskonstruktion, private Sicherheitsdienste


Ausarbeitung, 1996

6 Seiten


Leseprobe

Schwerpunktthema: Kontrollszenario - Regulation, Kriminalitatskonstruktion, private Sicherheitsdienste

Stephanie Junkers

Uberall schieBen private Sicherheitsdienste aus dem Boden, werden neue Gesetze und Gefahrenabwehrverordnungen fur noch mehr sog. "innere Sicherheit" und "Sauberungspolitik" erlassen, wird Polizei, Ordnungsamt und BGS aufgerustet, werden uberall Uberwachungskameras eingesetzt, Kontrollchips und totale Datenvernetzung eingefuhrt, das alles um das Land "sauber" zu halten, um die Menschen noch besser kontrollieren zu konnen. Schone neue Welt also, oder nicht?

Die Entwicklung in der U.$.A.

Die Entwicklung hier in Deutschland hat wie so oft ihre Wurzeln in der U.$.A, wo bereits seit langerer Zeit Konzepte zur totalen Uberwachung und Segregation der Menschen ausprobiert werden.

In New York gewann Juliani '93 den Wahlkampf mit der Versprechung "Sicherheit und Ordnung" zu schaffen. Nach seiner Wahl machte er sich sofort zusammen mit dem Polizeiprasidenten Wiliam Bratten mit der sog "Broken Windows - Theorie" an die Arbeit die Stadt aufzuraumen. Die Hauptaufgabe der Bullen sollte von nun an nicht mehr die Kriminalitatsbekampfung sondern "Sicherheit und Ordnung" sein. Die Polizei wurde dezentralisiert und die Prasenz auf der StraBe erhoht. Zeitgleich wurde sie mit modernster Technik ausgestattet. Die Strategie des direkten Einschreitens wurde etabliert d.h. bei kleinstem "Disorder" greifen die Bullen nun sofort ein. "Disorder" sind z.B.: Alkoholkonsum, laute Musik, Unordnung, aggressives Betteln, Prostitution, Vandalismus etc. Noch in der selben Nacht, circa 3 Std. nach einer Festnahme, landet mensch dann schon vor dem Richter und wird im Schnellverfahren verurteilt. Selbst im Ordnungsbereich sind mehrere Wochen Haft drin. Mit der starken Kriminalisierung der Bevolkerung in unliebsamen, armeren Gebieten werden naturlich keine Probleme gelost, sondern nur aus dem Blick der Offentlichkeit gewischt. Die Gefangnispopulation hat sich so in kurzer Zeit verdoppelt und immer mehr Knaste werden gebaut. Die Zahl der Bullenubergriffe steigerte sich um 30%. Der Crackmarkt ist nicht weg, sondern nur von der StraBe in die Wohnungen gezogen. Die Polizei ist zum groBen Teil nur noch damit beschaftigt, sog. Kleinkriminelle von der StraBe zu holen. Dies ist einfach und erfolgversprechend fur sie. Es geht vor allem um praventive soziale Kontrolle und ein sauberes StraBenbild, Slums und Ghettos sollen auf jeden Fall verhindert werden. Insgesamt ist es eine "multikulturelle" Kriegsfuhrung d.h. die Viertel werden von vielen verschiedenen Gruppen genutzt. Die Bevolkerung sieht, daB die Polizei ja was macht und befurwortet das Konzept. Neben der Aufstockung des Bullenapparates geht die Mobilisierung und Uniformierung der Burger einher. Burgerwehren, private Sicherheitsdienste, Neighbourhood Watch etc. zeichnen den Weg zum "urbanen Faschismus". Ein wenig anders ist die Entwicklung in Los Angeles, dort schotten sich die einzelnen Stadtteile zunehmend ab. In den armen und reichen Vierteln gibt es massive Sicherheitskontrollen. Die reichen Viertel gleichen einer Festung mit Zugangskontrollen, Passiererlaubnis, uberall Kameras usw. Zu den armen Vierteln kommt mensch nur nach Abgabe des Persos. Auch hier Kameras. Bereits die Architektur der neuen Gebaude druckt Gewalt und Abgrenzung aus. L.A. besteht aus vielen kleinen Vierteln, die sich alle gegenseitig bekriegen. Es herrscht totale Segregation und Apartheid. Zunehmend fluchten die Reichen und die Industrie auch in neue, reiche Vororte, wahrend die alten Viertel mehr und mehr verslummen. "Sicherheit" gilt als Prestigesymbol, als Indikator fur Reichtum. Die Stadt investiert nur fur die Mittelschicht und fur die Reichen. Die Zufahrtswege vom armen Suden in die Innenstadt wurden so einfach gekappt, die Armen aus den U-Bahnen vertrieben. Einkaufszentren gleichen einem Hochsicherheitstrakt. Parkanlagen werden nur fur die dort Wohnenden, also reicheren Anwohner, gebaut, wahrend die armeren Viertel vollig verwahrlosen. Insgesamt reduziert die Stadt ihre Ausgaben fur offentliche Einrichtungen und Parks, um das wachsende Polizeibudget auszugleichen. Das L.A. Police Departement ahnelt sehr einer paramilitarischen Gruppe, besonders die politische Abteilung des "red squat". Sie agieren und denken weitestgehend militarisch. Gegen die "Unordnung" in der Stadt werden spezielle Hubschrauber mit Infrarotkameras, MG's eingesetzt (Hubschrubschrubs sind oft, auch in der BRD, mit Richtmikrofonen, Nachtsichtgeraten und sehr guten Kameras fur Portrataufnahmen ausgerustet). Auf den Dachern der Hauser befinden sich Nummern speziell fur die Orientierung der Hubschrauber. Die Polizei sieht sich in einem Krieg mit den diversen Gangs der armeren Viertel, zumeist AfroamerikanerInnen, Hispanics, Chicanos u.a. Minderheiten, weniger mit WeiBen (KaukasierInnen). Ihre Starke betragt zusammengezahlt zur Zeit circa 10.000 Mitglieder. Die Dimension wird klar, wenn die Bullen den Krieg in den Vierteln mit Vietnam vergleichen und von einer klaren Front, gemeint sind Schwarze, Hispanics u.a., reden. Dieser Krieg fuhrte bisher zu Riots, zahlreichen Massenverhaftungen und sogar zu willkurlichen Hinrichtungen ohne vorherigen Ermittlungen durch die Bullen. Dazu werden sog. Drogenhauser abgerissen, ja sogar ganze unliebsame Viertel einfach plattgemacht. NichtweiBe werden standig diskriminiert, besonders hart trifft es die Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Es herrscht ein standiger Ausnahmezustand in bestimmten Gebieten. Ausgangssperren fur Jugendliche ab einer bestimmten Uhrzeit, in Deutschland nur kurz diskutiert, sind in der U.$.A. bereits Realitat. Standige Kontrollen und Durchsuchungen nach dem Lust-und-Laune-Prinzip, verstarken das Klima des Hasses. Die Rechten wollen den Topf brodeln lassen, zumindest solange die Leute sich gegenseitig bekampfen, sei es um Drogen oder um Arbeitsplatze. Da es nicht genug Arbeit fur alle gibt, sinken die Lohne auf einen totalen Ausbeuterlohn. Der "minimum weight", der staatlich garantierte Mindestlohn fur legale Arbeit, liegt so um die 4 - 4 1/2 $, Schwarzarbeit wird naturlich noch viel schlechter bezahlt. Viele finden gar keine Arbeit. Das Kontrollszenario wird aber nicht nur von den Bullen gepragt. Das LAPD redet bei der Stadtplanung und Stadtentwicklung mit und arbeitet stark mit den zahlreichen privaten Sicherheitsdiensten zusammen. Bullen und Stadtregierung arbeiten vor allem fur die ansassigen Machtimperien, z.B. Times, und gegen die Arbeiterschaft und deren Gewerkschaften.

Kontrollszenario BRD

. Die Polizeiarbeit verlagert sich von der Reaktion auf zu Pravention vor Kr Auch in der BRD stehen finden sich immer mehr BefurworterInnen einer strikten "law and order" - Politik. Um die heraufbeschworene "Sauberkeit in den Stadten" zu erreichen, muB auch hier bereits im Vorfeld der Kriminalitat interveniert werden. Letztendlich fuhrt diese Entwicklung zu einer wachsenden Diskriminierung, Kriminalisierung und Ausgrenzung bestimmter Personengruppen, die nicht in das Bild der "sauberen Stadt" passen, wie z.B. Obdachlose, MigrantInnen, Punks usw. Vom Staat, der Presse und ganz besonders der Bullerei werden gezielt Feindbilder kreiert, z.B. Linksterrorismus, Russenmafia, Vietnam- Mafia, rumanische Autoschieberbanden etc. um den Sicherheitsmythos, die angebliche Gefahr, zu erzeugen. Um sicherheitspolitische Verscharfungen zu legitimieren und um das Polizeibudget zu halten, werden standig neue Kampagnen benotigt, um den Mythos zu erhalten.

[...]

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Details

Titel
Kontrollszenario - Regulation, Kriminalitätskonstruktion, private Sicherheitsdienste
Hochschule
Frankfurt University of Applied Sciences, ehem. Fachhochschule Frankfurt am Main
Autor
Jahr
1996
Seiten
6
Katalognummer
V96391
ISBN (eBook)
9783638090674
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kontrollszenario, Regulation, Kriminalitätskonstruktion, Sicherheitsdienste, Frankfurt/Main
Arbeit zitieren
Stephanie Junkers (Autor), 1996, Kontrollszenario - Regulation, Kriminalitätskonstruktion, private Sicherheitsdienste, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96391

Kommentare

  • Gast am 5.9.2002

    Selten so gelacht.

    Leider habe ich den Artikel jetzt erst gefunden. Früher hätte ich diese Propaganda "Alt-Linker-Denke" als Paradebeispiel für das Treiben der MG vorgezeigt, die heute wie damals nur Leute mit mangelndem Selbstbewusstsein anzieht.
    Na, vielleicht ist die Autorin ja heute, sechs Jahre nach dieser Schreibe, selbst
    Mutter von zwei Kindern und wohnt in einem sozial besseren Viertel (der Kinder wegen, nicht etwa weil frau Kleinkriminelle, Junkies und Dealer diskreminieren möchte...).
    Ich hoffe es ist ihr gelungen einen Teil der träumerischen Ideale in die Realität herüber zu retten und nicht alle Sicherheits-Dienstleistenden(öffentliche wie private) in die Verdammung zu schicken. Wer sollte denn dann auch ihre Sicherheit und die ihrer Kinder gewährleisten ? Jedenfalls nicht der Altlinke Nachbar, sondern wieder mal die ehedem so verhassten "Bullen" mit ihrem Staatsapparat.
    Die Zeit holt alle Extremisten ein.

  • Gast am 30.10.2004

    Rechte der SIcherheitsunternehmen.

    Ich möchte zu aller erst mal sagen das die Sicherheitsbranche sich sehr verändert hat und auch nicht mehr dieses Schwarze Sheriff getue giebt! Ich Arbeite selber als FAchkraft für Schutz und Sicherheit am Flughafen und lerne dort die rechte. Da sich wirklich viel am Markt getan hat und auch in Zukunft tun wird. Wird sehr viel an Private Sicherheitsfirmen abgegeben was zu vor in Pólizeigewalt lag!
    Es ist auch in überlegung das Hoheitsrecht an Sicherheitsfirmen zu übergeben weil der Staat kein Geld mehr hat und unsere Polizei nicht mehr bezahlen kann! Aber auch wenn das nicht so wäre finde ich das sich manche Leute erst ein richtiges Bild von uns machen sollten und nicht gleich drauf los labern. Denn wir üben auch nur unsere Arbeit aus! Und ich denke es wäre auch nicht so sicher ohne viele von uns! Sogar Polizei und Bundeswehr genisst den Schutz Privater Sicherheitsfirmen !! Ich denke jeder Bürger der bundesrepublik deutschland sollte auch selber zur sicherheit beitragen und wenn er das nicht kann oder will nicht kann er nicht über Sicherheitsfirmen herzuziehen ohne sich gedanken zu machen was ohne sie wäre! DEN EINES IST KLAR UNSER STAAT IS BLANK !!! Er hat kein Geld mehr! Da Sicherheitsfirmen privat bezahlt werden ist dies für den Staat einiges besser "keine kosten".
    Ich hoffe unsere neuen Autoren machen sich nun auch mal gedanken bevor sie drauf loß schreiben
    Mit freundlichen grüßen euer benjamin

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