Ziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, inwieweit die äußerst kontrovers diskutierte Hypothese der „linguistischen Relativität“ von Bejamin Lee Whorf aus heutiger Sicht von Interesse ist und ob eine dazugehörige Überprüfung der Whorfschen Thesen überhaupt möglich ist. Dazu soll nach einem Abriss über die Geschichte und der Arbeiten von Whorf ein kurzer Blick auf die Diskussion der letzten Jahre geworfen werden. Da gerade im ver-gangenen Jahrzehnt die Literatur zu dem Thema stark angewachsen ist, kann hier jedoch nur ein allenfalls einführender und oberflächlicher Einblick gegeben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Aufgabenstellung
3. Das sprachliche Relativitätsprinzip von Benjamin Lee Whorf
3.1 Biographische Notizen
3.2 Die Vorgeschichte
3.3 Die Whorfsche Revolution
3.4 Die Formulierung des linguistischen Relativitätsprinzips
4. Der wissenschaftliche Umgang mit der sprachlichen Relativität
4.1 Die Whorfsche Beweisführung
4.2 Farben als Zugang zur sprachlichen Relativität
4.3 Der aktuelle Stand der Forschung
5. Zusammenfassung
6. Literaturverzeichnis
6.1 Verwendete Literatur
6.2 Quellenangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Relevanz und wissenschaftliche Überprüfbarkeit der Hypothese der „linguistischen Relativität“ von Benjamin Lee Whorf aus heutiger Perspektive, wobei ein besonderer Fokus auf der historischen Einbettung und dem aktuellen Forschungsdiskurs liegt.
- Historische Entwicklung und Sprachphilosophie des Relativitätsgedankens
- Biographische und wissenschaftstheoretische Analyse von Benjamin Lee Whorf
- Empirische Beweisführungen und methodische Herausforderungen der Hypothese
- Interdisziplinäre Debatten und aktuelle Forschungstendenzen
Auszug aus dem Buch
3.4 Die Formulierung des linguistischen Relativitätsprinzips
Man fand, daß das linguistische System (mit anderen Worten, die Grammatik) jeder Sprache nicht nur ein reproduktives Instrument zum Ausdruck von Gedanken ist, sondern vielmehr selbst die Gedanken formt, Schema und Anleitung für die geistige Aktivität des Individuums ist, für die Analyse seiner Eindrücke und für die Synthese dessen, was ihm an Vorstellungen zur Verfügung steht. Die Formulierung von Gedanken ist kein unabhängiger Vorgang, der im alten Sinne des Wortes rational ist, sondern er ist beeinflußt von der jeweiligen Grammatik[…] Wir gliedern die Natur an Linien auf, die uns durch unsere Muttersprachen vorgegeben sind. Die Kategorien und Typen, die wir aus der phänomenalen Welt herausheben, finden wir nicht einfach in ihr – etwa weil sie jedem Beobachter in die Augen springen; ganz im Gegenteil präsentiert sich die Welt in einem kaleidoskopartigen Strom von Eindrücken, der durch unseren Geist organisiert werden muß – das aber heißt weitgehend: von dem linguistischen System in unserem Geist[…] Wir gelangen daher zu einem neuen Relativitätsprinzip, das besagt, daß nicht alle Beobachter durch die gleichen physikalischen Sachverhalte zu einem gleichen Weltbild geführt werden, es sei denn, ihre linguistischen Hintergründe sind ähnlich oder können in irgendeiner Weise auf einen gemeinsamen Nenner gebracht werden (be calibrated).
Aus der Tatsache der Strukturverschiedenheit der Sprachen folgt, was ich das
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die komplexe Beziehung zwischen Sprache und Denken und führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein.
2. Aufgabenstellung: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, die kontroverse Hypothese der linguistischen Relativität aus heutiger Sicht zu bewerten.
3. Das sprachliche Relativitätsprinzip von Benjamin Lee Whorf: Das Kapitel widmet sich der Biografie Whorfs, den geistesgeschichtlichen Vorläufern seiner Thesen und der schrittweisen Formulierung seines Relativitätsprinzips.
4. Der wissenschaftliche Umgang mit der sprachlichen Relativität: Hier werden die empirischen Ansätze Whorfs (Hopi-Sprache, Farbenlehre) sowie der aktuelle wissenschaftliche Diskurs und die methodische Kritik an seiner Hypothese dargestellt.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Whorfs Thesen trotz ihrer theoretischen Umstrittenheit weiterhin eine bedeutende Rolle in der aktuellen linguistischen Debatte spielen.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der Quellenangaben.
Schlüsselwörter
Linguistische Relativität, Benjamin Lee Whorf, Sprachphilosophie, Wilhelm von Humboldt, Sprachtheorie, Kognitive Verarbeitung, Weltbild, Sprachstruktur, Empirische Linguistik, Grammatik, Sprachdeterminismus, Wahrnehmung, Sprachvergleich.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit dem sogenannten linguistischen Relativitätsprinzip des Sprachwissenschaftlers Benjamin Lee Whorf und dessen Bedeutung für die moderne Sprachphilosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zu den zentralen Themen gehören die historische Entwicklung der Sprachphilosophie, die Biografie Whorfs, die methodischen Ansätze zur Untersuchung sprachlicher Einflüsse auf das Denken sowie die aktuelle wissenschaftliche Debatte darüber.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die kontrovers diskutierte Hypothese der „linguistischen Relativität“ aus heutiger Sicht wissenschaftlich relevant ist und ob eine empirische Überprüfung dieser Thesen möglich ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor führt eine Literaturanalyse durch, die historische Quellen und zeitgenössische Studien zum Thema kritisch sichtet und zusammenfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung der Whorfschen Thesen, die Diskussion seiner historischen Wurzeln (insbesondere Wilhelm von Humboldt) und eine kritische Auseinandersetzung mit empirischen Versuchen, die Hypothese durch Sprachvergleiche oder Studien zu Farbwörtern zu belegen oder zu widerlegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie linguistische Relativität, Sprachstruktur, Weltbild, kognitive Verarbeitung und sprachlicher Determinismus.
Inwieweit spielt die Person Benjamin Lee Whorf eine Rolle?
Die Biografie Whorfs ist zentral, da seine Rolle als Außenseiter (Brandverhütungsingenieur statt Linguist) und sein fehlender akademischer Schutz gegen Kritiker die Rezeption seiner Thesen maßgeblich beeinflusst haben.
Wie bewertet der Autor den aktuellen Stand der Forschung zur linguistischen Relativität?
Der Autor stellt fest, dass die Forschung nach einer Phase der Stagnation in den letzten Jahrzehnten wieder stark zugenommen hat, wobei das Thema jedoch weiterhin hochgradig umstritten bleibt und Forscher sich uneinig über den Grad des Einflusses der Sprache auf das Denken sind.
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- Sascha Fiek (Author), 2002, Das linguistische Relativitätsprinzip – Ein Überblick über die Entwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9641