Empirische Sozialforschung


Hausarbeit, 1995

13 Seiten, Note: 1,0


Gratis online lesen

1. EMPIRISCHE SOZIALFORSCHUNG

1.1. Einleitung

Im Kontext einer methodologischen Neuorientierung der Politikwissenschaft wurden in den fünfziger Jahren aus den Nachbardisziplinen die Methoden der empirischen Sozialforschung übernommen. Unter diesem Sammelbegriff werden verschiedene Verfahren der Datenerhebung und -analyse zusammengefaßt. Die empirischen Methoden sind ein wesentliches Element der empirisch-analytischen Wissenschaftsschule, deren Ziel die wertfreie Beschreibung, Erklärung und Prognose der Realität ist. Die Methoden der empirischen Sozialforschung sollen die Wissenschaftlichkeit politikwissenschaftlicher Analysen gewährleisten und insbesondere dem Rationalitätspostulat der Wissenschaft (Forderung nach Präzision, Intersubjektivität und Begründbarkeit) Genüge tun.

Im Folgenden sollen zunächst die Methoden der empirischen Sozialforschung sowie der Ablauf einer empirischen Untersuchung, bei der diese zur Anwendung kommen, näher erläutert werden. Danach wird der Ablauf eines eigenen Forschungsprojekts auf dieser methodisch-theoretischen Grundlage dargestellt.

1.2. Methodik der empirischen Sozialforschung - Ablauf einer empirischen Untersuchung

Am Beginn einer empirischen Untersuchung steht ein Problem bzw. eine spezifische Fragestellung (z.B. der Form: Warum ist X?), die erklärt werden soll. Etwas zu erklären bedeutet, eine Erscheinung auf ihre Ursachen zurückzuführen - man formuliert also Vermutungen über Ursache-Wirkungszusammenhänge: Eine abhängige Variable - das zu erklärende Phänomen (Exlanandum) wird auf eine unabhängige Variable - die Ursache (Explanans) zurückgeführt. Eine empirische - d.h. auf Erfahrung der Wirklichkeit beruhende - Vermutung wird Hypothese genannt. Hypothesen müssen mittels analytischer Begriffe (genau definierte Begriffe wie sie etwa in der Mathematik verwendet werden) und empirischer Begriffe (Begriffe, die anhand der Realität bestimmt werden) sprachlich präzise formuliert sein und Erklärungsqualität besitzen. Die Formulierung von Hypothesen ist ein induktiver Prozeß, d.h. man schließt vom Einzelnen auf das Allgemeine.

Durch Aufstellen von Hypothesen und ihre empirische Überprüfung tastet man sich schrittweise "in einem Prozeß von Versuch und Irrtum .. an `wahres' Wissen über die soziale Realität"2 heran: Ergibt sich bei der Überprüfung anhand der Realität daß die Hypothese falsch ist, so gilt sie als falsifiziert. Die Hypothese ist in diesem Fall entsprechend zu modifizieren und erneut empirisch zu prüfen. Hat sich eine Hypothese dagegen bei der Überprüfung bewährt ist sie (weiter) zu verallgemeinern und dann erneut zu prüfen. Die Vorgehensweise beim Hypothesentest ist deduktiv, d.h. vom Allgemeinen wird auf das Spezielle geschlossen, die Hypothese also an konkreten Einzelfällen überprüft. Gemäß dem - mittlerweile verstorbenen - Wissenschaftstheoretiker Karl Popper ist es nicht möglich, Hypothesen zu verifizieren. Hierzu müßte man alle Fälle überprüfen. Dies ist aber schon allein deshalb nicht möglich, weil sich zukünftige Fälle immer einer Überprüfung entziehen werden.3 Im Falle der Bewährung werden Hypothesenzusammenhänge zu Theorien. Eine Theorie kann als eine Menge von untereinander verbundenen, allgemeinen, raum- und zeitunabhängigen Gesetzesaussagen, mit deren Hilfe die Beziehung zwischen Variablen geklärt werden soll, verstanden werden. Die Bedeutung von Theorien liegt nach Popper darin, daß sie die Entwicklung von Prognosen (Vorhersagen) und Technologien ermöglichen.

Die "Prüfbarmachung" von Hypothesen bzw. Theorien wird als "Operationalisierung" bezeichnet. Kromrey verwendet eine ausführlichere Definition für diesen Begriff: "Unter der Operationalisierung eines Begriffs ist die Angabe derjenigen Vorgehensweisen, derjenigen Forschungsoperationen zu verstehen, mit deren Hilfe entscheidbar wird, ob und in welchem Ausmaß der mit dem Begriff bezeichnete Sachverhalt in der Realität vorliegt."4 Die Operationalisierung beinhaltet die Auswahl sogenannter Indikatoren sowie Angaben zu den Datenerhebungsinstrumente (Befragung, Beobachtung, Experiment, Inhaltsanalyse etc.), ihrer konkreten Anwendung und der Protokollierung der Meßergebnisse.5 Indikatoren (lat. "Anzeiger") sind Anzeichen für das Vorhandensein von Sachverhalten, die mit bestimmten Begriffen bezeichnet werden. Als Indikatoren für "Gruppenkohäsion" können z.B. die Bereitschaft der Gruppenmitglieder zu gemeinsamem Handeln, die Bejahung der Gruppe sowie die Hilfsbereitschaft innerhalb der Gruppe betrachtet werden.6 Indikatoren müssen valide (gültig) und reliabel (zuverlässig) sein. Mit Hilfe der Instrumente zur Datenerhebung - in der Literatur häufig auch als Methoden der empirischen Sozialforschung bezeichnet - werden die für die Hypothesenprüfung relevanten Daten gesammelt. Von besonderer Bedeutung sind folgende Instrumente:/sind dabei die Befragung, die Beobachtung und/sowie die Inhaltsanalyse. Anschließend erfolgt die Aufbereitung der Daten - z.B. durch Übertragung auf Datenträger zum Zweck der automatischen Verarbeitung.

Zum Schluß werden die erhobenen Daten ausgewertet; dies geschieht mittels verschiedener statistischer Verfahren (Univariate Statistik, Bivariate Statistik, Inferenzstatistik etc.). Die Interpretation der Daten erfolgt unter ständigem Rückbezug auf die vorangegangenen Arbeitsschritte. Bei der Auswertung ist sicherzustellen, daß die statistischen Verfahren dem Meßniveau der Daten und der empirischen Realität angemessen sind. Auch muß gewährleistet sein, daß Informationen ausgewertet werden, die im Hinblick auf die Problemstellung wesentlich sind. Schließlich gilt es, darauf zu achten, daß die berechneten Beziehungen zwischen den Daten in Beziehungen zwischen Aspekten der Wirklichkeit zurückübersetzt werden können. Man sollte auch nicht außer Acht lassen, daß für den langen Weg von der Forschungsfrage bis zu den Forschungsergebnissen eine ganze Reihe von "Hilfstheorien", deren Richtigkeit sich empirisch nicht überprüfen läßt, notwendig werden - schließlich ist ja auch die Wahl der Indikatoren, Meßinstrumente und statistischen Verfahren zu begründen.

2. Untersuchung zur Studienzufriedenheit der P olitikstudenten der Universität Stuttgart

2.1. Fragestellung

Als Gegenstand unseres Forschungsprojekts im Rahmen der Übung "Methoden der empirischen Sozialforschung I/II" wählten wir die Studienzufriedenheit im Fach Politikwissenschaft der Studenten der Universität Stuttgart. Entsprechend dem oben geschilderten Ablauf eines empirischen Untersuchung suchten wir zunächst nach einer geeigneten, problemadäquaten Forschungsfrage und Hypothese. Dabei griffen wir auf eigene Erlebnisse zurück.

Gespräche innerhalb der Projektgruppe ergaben, daß die Gruppenmitglieder im Laufe ihres Studiums in bezug auf die Entwicklung ihrer Motivation vergleichbare Erfahrungen gemacht hatten: Alle Beteiligten erklärten, daß ihre Begeisterung für das Fach Politikwissenschaft zu Beginn des Studiums sehr groß gewesen sei, mit fortschreitender Studienzeit jedoch den einen oder anderen "Dämpfer" erhalten habe, der sich negativ auf die Studienzufriedenheit auswirkte. Aufgrund dieser Übereinstimmung gelangten wir zu der Überlegung, daß zwischen der Studiendauer und der Studienzufriedenheit im Fach Politik ein Zusammenhang bestehen könnte.

Wir formulierten deshalb folgende Hypothese: "Mit zunehmender Studiendauer sinkt die Studienzufriedenheit der Studenten im Fach Politikwissenschaft". Unter Studienzufriedenheit in einem bestimmten Fach wollten wir den Grad des Einverständnisses der Studenten dieses Faches mit den gegeben Leistungen und Verhältnissen verstanden wissen.

Nun galt es, die formulierte Hypothese an der Realität zu testen. Dazu mußte sie empirisch überprüfbar gemacht - d.h. operationalisiert werden.

2.2. Operationalisierung

Ausgehend von unserer Problemstellung, eine Studierendenbefragung bezüglich der Zufriedenheit mit dem Fach Politologie in Stuttgart zu erstellen, stellten wir folgende Hypothese auf: "Je höher das Fachsemester, desto niedriger die Zufriedenheit der Studierenden."

Den Begriff "Zufriedenheit" setzten wir für unser weiteres Vorgehen mit einer mehr oder weniger positiven Einstellung und Bewertung sowohl des Studiums an sich als auch dessen Umständen gleich.

Da sich "Zufriedenheit" aber nur mittelbar erfassen läßt, entschieden wir uns für vier Teilkategorien, die einem allgemeinen Teil zur befragten Person folgen. Diese Kategorien umfassen Studienmotive, den Lehrkörper, die Inhalte des Studiums sowie die den Studenten zur Verfügung stehende Ausstattung in räumlicher und technischer Hinsicht.

Um eine möglichst hohe Repräsentativität zu erreichen, befragten wir von den etwa achthundert Studenten des Faches neunzig Studenten.

Diese sollten sich zum Umfragezeitpunkt im Hauptstudium befinden, da wir befürchten mußten, von Studenten niedriger Semester aufgrund deren mangelnder Hochschulerfahrung keine verallgemeinerbaren Aussagen zu erhalten. Weiterhin entschlossen wir uns zu einer vollstandardisierten schriftlichen Gruppenbefragung in Hauptseminaren, da uns dies unter den gegebenen Umständen die Möglichkeit bot, möglichst viele Personen gleichzeitig befragen zu können, ohne den Seminarbetrieb lange zu stören.

2.3. Fragebogenerstellung

In einem allgemeinen ersten Teil interessierte uns die Semesterzahl, die Anzahl der insgesamt studierten Fächer und die Gewichtung des Faches Politologie in der studierten Kombination.

Ab dem zweiten Teil gingen wir zu geschlossenen Fragen auf einer Fünferskala über, die durchgehend auf jede Frage angewendet wurde.

Im weiteren konkretisierten wir die oben genannten Teilkategorien.

Zur Kategorie "Studienmotive" fragten wir nach den Gründen für die Wahl des Studienfaches und -ortes, und nach der heutigen Motivation, ein Fach zu studieren. Der "Lehrkörper" wurde nach Engagement der Lehrenden, Grad deren Kommunikationsbereitschaft mit Studenten und Qualität der veranstaltungsbegleitenden Materialien bewertet.

"Studieninhalte" wurden auf Erwartungshaltung, berufliche Qualifikation,

Voraussetzung zum Scheinerwerb, die Zulassungsbedingungen zur Zwischenprüfung, die Rahmenbedingungen der einzelnen Veranstaltungen und die (mangelnde) Lektürebereitschaft der Studenten sowie deren Gründe untersucht. Der letzte Punkt "Ausstattung" beschäftigte sich mit den räumlichen Gegebenheiten, der Institutsbibliothek und der Existenz/Zuverlässigkeit technischer Hilfsmittel wie PCs, Kopierer und Overheadprojektoren.

2.4. Vorgehensweise bei der Befragung

Die Befragten wurden zu Anfang kurz auf den Sinn und Zweck der Befragung aufmerksam gemacht, und dann gebeten, die Bögen möglichst wahrheitsgetreu auszufüllen. Zudem wiesen die Befrager darauf hin, daß Frage 1.3 "Wieviel Fächer studieren Sie mit Politikwissenschaft zusammen?" ungenau formuliert, und daher im Sinne von "Wieviel Fächer studieren Sie insgesamt, wenn Sie Politikwissenschaft mit einrechnen?" zu interpretieren sei.

3. Statistische Auswertung der Umfrage

Nach der Auszählung der in der Umfrage gewonnenen 90 Fragebögen, erfolgte zunächst eine univariate Betrachtung der einzelnen Fragen. Danach versuchten wir mit Hilfe von Kreuztabellen und dem bivariaten PRE-Maß Lambda unsere Hypothesen zu verifizieren. Die mathematischen Ergebnisse dieser Auswertung sind der Inhalt dieses Kapitels. Eine Interpretation dieser Ergebnisse und die Folgen daraus auf die Hypothesen erfolgt im Anschluß.

Insgesamt wurden in der Umfrage 90 Studenten der Politikwissenschaft erfaßt. Darunter studieren 82 Befragte Politikwissenschaft als Hauptfach und 8 Befragte gaben es als Nebenfach an. 44 Befragte studieren neben Politikwissenschaft ein weiteres Fach, 46 Befragte belegen zwei weitere Fächer.

Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung der Befragten nach der Anzahl der Studiensemester:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Nach dem allgemeinen Teil des Fragebogens folgten die Fragen zu den Studienmotiven. Bei 86% der Befragten ist das Interesse am Studienfach selbst sehr wichtig (46%) oder wichtig (40%), lediglich 2% der Befragten gaben an, daß dieses für sie nicht wichtig sei. Die Berufsaussichten als Studienmotivation waren für nur 20% der Befragten sehr wichtig (4%) oder wichtig (16%). Weniger wichtig (33%) oder nicht wichtig (22%) sind die Berufsaussichten für über die Hälfte der Studenten. Eine persönliche Weiterentwicklung streben 57% der Studierenden der Politikwissenschaft an, für 16% ist dies keine Motivation für ihr Studium. Niemand studiert, weil dessen Eltern es wünschten, auch das Image des Fachs ist eher unwichtig, wobei 29% der Studenten dies als weniger wichtig, 64% als nicht wichtig erachteten.

Bei den Gründen, Politikwissenschaft in Stuttgart zu studieren, überwiegen Familiäre bzw. Private oder Wirtschaftliche bzw. Finanzielle bei weitem. Bei der Skala von 1 (sehr wichtig) bis 5 (nicht wichtig) liegt der Modus jeweils bei 1 und der Mittelwert bei den familiären bzw. privaten Gründen bei 1,64, bei den wirtschaftlichen bzw. finanziellen Gründen bei 2,08. Die Attraktivität Stuttgarts spielt hierbei nur eine untergeordnete Rolle, nur 22% der Studenten geben sie als sehr wichtigen oder wichtigen Grund an. Dagegen stehen 51%, für die die Attraktivität der Stadt weniger wichtig (24%) oder nicht wichtig (27%) ist. Noch schlimmer steht es mit dem Ruf der Universität Stuttgart bei den Studenten im Fach Politikwissenschaft. Für 73% von ihnen ist er als Grund in Stuttgart zu studieren weniger wichtig (27%) oder nicht wichtig. Bei dieser Frage liegt der Modus eindeutig bei 5 und der Mittelwert beträgt 4,13, die Standardabweichung beträgt 0,98.

Falls die Studenten nochmals die Möglichkeit erhielten, ihre Studienentscheidung nochmals zu treffen, begännen dasselbe Studium in Stuttgart 42% der Befragten, nochmals Politikwissenschaft jedoch an einer anderen Universität 31%, ein anderes Studienfach in Stuttgart 2%, ein anderes Fach an einer anderen Universität 12% und 13% würden nicht mehr studieren.

Der dritte Teil des Fragebogens enthielt die Fragen zur Zufriedenheit mit dem Lehrkörper am Institut für Politikwissenschaft in Stuttgart. Das Engagement der Professoren, Dozenten und Tutoren wird durchweg bei der Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht) bei einer guten 3 (teils teils) angesiedelt. Der Modus beträgt durchweg 3, die Mittelwerte variieren von 2,78 bei den Professoren über 2,53 bei den Dozenten bis 2,87 bei den Tutoren. Die folgende Tabelle veranschaulicht die relative Verteilung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Möglichkeiten außerhalb der Veranstaltungen mit dem jeweils Lehrenden über diese zu sprechen, wurde mit leichten Variationen ähnlich bewertet. Der Modus liegt bei 3 (teils teils), die Mittelwerte liegen bei 2,87 bei den Professoren, bei 2,64 bei den Dozenten und bei 2,53 bei den Tutoren. Auch hier veranschaulicht die folgende Tabelle die relative Verteilung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei der Bereitschaft der Professoren bzw. der Dozenten zum persönlichen

Meinungsaustausch über die Lehrveranstaltung hinaus liegt der Modus zwar ebenfalls bei 3 (teils teils), es gibt jedoch einen größeren Unterschied, wenn man die Mittelwerte betrachtet. Dieser beträgt bei den Professoren 3,22, bei den Dozenten 2,8. Auch hierfür sei noch die Tabelle über die relativen Verteilungen gezeigt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Qualität der Begleitmaterialien wird relativ gut bewertet. Zwar liegen der Modus (3 teils teils) und der Mittelwert (2,89) in der Mitte, dennoch beurteilen 33% der Studenten die Begleitmaterialien als gut und nur jeweils 9% als weniger gut oder schlecht.

Im vierten Teil des Fragebogens ging es um Fragen nach dem Studieninhalt. 29 % der Studierenden sehen ihre inhaltlichen Vorstellungen vor und zu Beginn des Studiums größtenteils erfüllt, dagegen werden die Erwartungen bei 16% weniger erfüllt. Die übrigen 55% sehen ihre Erwartungen teils teils erfüllt. Der Mittelwert liegt hier bei 2,87 bei einer Skala von 1 (völlig) bis 5 (gar nicht).

Auf künftige berufliche Tätigkeiten fühlen sich 56% der Studenten weniger gut (36%) oder nicht gut (20%) vorbereitet. Lediglich 13% geben an, daß sie sich sehr gut (4%) oder gut (11%) vorbereitet fühlen. Bei dieser Frage liegt der Modus bei der Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (nicht gut) bei 4 und der Mittelwert bei 3,51.

Die Anforderungen zum Scheinerwerb werden durchwegs als in Ordnung angesehen, dies sowohl im Grund- als auch im Hauptstudium. Im Grundstudium sind dies 82%, im Hauptstudium 78% der Befragten. Nur 4% halten die Anforderungen zu hoch, dies jedoch nur im Grundstudium. Ansonsten gibt es keinen Studenten, der die Scheinanforderungen als zu hoch oder zu niedrig empfindet.

Die Zulassungsvoraussetzungen zur Zwischenprüfung hält kein Student für niedrig oder zu niedrig. Für 76% sind sie in Ordnung, 22% halten sie für hoch und 2% für zu hoch.

Die folgende Tabelle gibt die relative Verteilung zum Lesen der Pflichtlektüre wieder:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Das heißt, daß 47% der Studenten die Pflichtlektüre nur manchmal, selten oder nie lesen. Von diesen geben als Grund hierfür 52% das Ausüben einer Nebenerwerbstätigkeit an, 5% haben kein Interesse an der Pflichtlektüre, für 11% ist die Pflichtlektüre zu kompliziert, 10% ist die Anschaffung zu teuer und 57% beschäftigen sich lieber mit anderen Dingen. Auffallend ist, daß hier einige Doppelnennungen vorkamen, wobei die meisten die Doppelnennung Nebenerwerbstätigkeit und Beschäftigung mit anderen Dingen bevorzugen.

Mit den vom Institut für Politikwissenschaft vorgegebenen Rahmenbedingungen sind lediglich 13% der Befragten zufrieden, sehr zufrieden ist hier niemand. Weniger zufrieden (24%) und nicht zufrieden (9%) sind hingegen 33%. Der Mittelwert bei der üblichen Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (nicht zufrieden) mit dem Wert von 3,29 zeigt die Mittenbetonung auch bei dieser Frage.

Der fünfte Teil des Fragebogens behandelt die Ausstattung am Institut für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart. Man muß hier jedoch beachten, daß einige der Fragen den engeren Rahmen des Instituts sprengen und somit auch Aussagen über die Ausstattung im ganzen Gebäudekomplex K II zulassen. Die Verteilungskurve zur Frage nach dem Platzangebot der Hörsäle und Seminarräume im Grundstudium zeigt zwei Hochpunkte bei den Werten von 2 (29%) und 4 (33%) bei der Skala von 1 (sehr zufrieden) bis 5 (nicht zufrieden). Bei derselben Frage jedoch im Hauptstudium hat die Verteilung einen klaren Modus von 2 (49%). Während des Grundstudiums sind 31% der Studenten zufrieden oder sehr zufrieden mit dem Platzangebot, während des Hauptstudiums sind dies schon 51%. Weniger zufrieden oder nicht zufrieden sind im Grundstudium insgesamt 49% der Befragten, im Hauptstudium nur noch 22%, wobei lediglich 4% davon nicht zufrieden sind. Die Zufriedenheit mit dem Raumangebot bei Tutorien ist relativ groß. Der Modus liegt hier eindeutig bei 2 was bedeutet, daß 56% damit sehr zufrieden (4%) oder zufrieden (54%) sind. 20% der Befragten sind weniger zufrieden (16%) oder nicht zufrieden. Die relativen Verteilungen bei den Fragen zur Zufriedenheit mit der Institutsbibliothek wie sie bisher existierte zeigen am besten die folgenden Tabellen: was die Auffindbarkeit der Literatur betrifft:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Möglichkeit des Zugriffs auf technische und mediale Hilfsmittel am Institut wird genauso wie deren Zustand von niemandem als sehr gut empfunden. Für immerhin 42% der Studierenden ist die Zugriffsmöglichkeit gut und nur 24% beurteilen diesen Punkt als weniger gut (11%) oder schlecht (13%). Der Mittelwert beträgt bei dieser Frage 2.96 bei der üblichen Skala von 1 (sehr gut) bis 5 (schlecht). Der Zustand dieser Geräte wird von 29% als gut empfunden, jeweils 9% bezeichnen ihn als weniger gut oder schlecht. Der Mittelwert beträgt bei der oben beschriebenen Skala 2,98.

Die Anzahl der Kopierer wird als unzureichend empfunden, die Modi dieser Verteilung liegen bei 4 (kaum ausreichend) und 5 (nicht ausreichend) mit einer relativen Anzahl von jeweils 40% der Befragten. Lediglich 4% halten deren Anzahl für ausreichend und kein Student hält sie für gut. Bei der Skala von 1 (gut) bis 5 (nicht ausreichend) liegt der Mittelwert bei 4,16. Noch schlimmer sieht es bei dem Urteil über die Zuverlässigkeit der Kopierer aus, hier liegt der Modus eindeutig bei 5 (nicht ausreichend) mit 51% der Befragten. Insgesamt sind 76% überzeugt, daß deren Zuverlässigkeit kaum ausreicht oder nicht ausreicht. Für ausreichend halten sie nur 2%. Der Mittelwert beträgt 4,24.

Ähnlich verhält sich die Verteilung bei der Frage nach dem Angebot an Gruppenarbeitsräumen. Auch hier ist der Modus bei der Skala von 1 (gut) bis 5 (nicht ausreichend) bei 5. Insgesamt beurteilen die Studierenden zu 69% das Angebot als kaum ausreichend (24%) oder nicht ausreichend (45%). Kein Student hält das Angebot für gut und nur 9% für ausreichend. Der Mittelwert bei dieser Verteilung liegt bei 4,04.

Betrachtet man den Zusammenhang zwischen dem Lesen der Pflichtlektüre und der Zufriedenheit mit dem Bestand der Institutsbibliothek, so läßt sich eine zu 45% sicherere Aussage über den Bestand der Bibliothek machen. Dies bedeutet, daß ein relativ guter Zusammenhang zwischen den beiden Variablen besteht und die Aussage "wer immer oder meistens seine Pflichtlektüre liest, wird mit der Institutsbibliothek was deren Bestand betrifft eher unzufrieden sein" eine gewisse Berechtigung hat. Die Kreuztabelle hierzu befindet sich im Anhang.

Ein weiterer Zusammenhang besteht mit dem PRE- Maß Lambda von 0,24 zwischen den Variablen Anzahl der Semester und Studienort. Mit steigender Anzahl der Semester wächst der Wunsch nach einem Wechsel des Studienortes. Während 18% der Studierenden im 3.-5. Semester in Stuttgart bleiben wollen, würden 13% der Studenten im 10. Semester oder höher lieber an einer anderen Universität weiter studieren. Die Kreuztabelle hierzu findet sich ebenfalls im Anhang.

5. Zusammenfassung

5.1. Falsifikation der These

Mit unserer These "Mit zunehmender Studiendauer sinkt die Studienzufriedenheit der Studenten im Fach Politikwissenschaft", haben wir so nicht recht gehabt. Sie ist durch die Ergebnisse falsifiziert.

Allerdings läßt das Ergebnis von Lambda 0,24 für die Variablen Anzahl der Semester und Studienort darauf schließen, daß es eine deutliche Tendenz gibt an einer anderen Universität weitzustudieren, respektive sein Studium an einer anderen Universität zu beenden.

Dies verdeutlicht auch die Frage nach dem Ruf der Universität, der für 73% weniger oder nicht wichtig ist. Von den vielen möglichen Gründen ein Studium an einem bestimmten Ort durchzuführen war der Ruf der Universität Stuttgart für die absolute Mehrheit (knapp ¾) nicht von Bedeutung.

Dies allein kann aber nicht Kriterium für eine Interpretation sein, da sicher nicht für alle Studierenden der Ruf einer Universität ein Grund für die Wahl ihres Studienortes ist.

Besonderes Augenmerk liegt deshalb auf der Frage, welche Wahl die Studierenden treffen würden, wenn sie noch einmal von vorne anfangen könnten. 2/5 der Befragten würden ihre Wahl nichtändern, aber immerhin 1/3 würde eine andere Universität auswählen. So l äß t sich nicht sagen, daßdie Zufriedenheit mit der Semesteranzahl sinkt (wie wir angenommen hatten), aber eine andere Hypothese ließe sich damit verifizieren; nämlich: " Je höher die Semesterzahl, desto gr öß er der Wunsch, das selbe Fach an einer anderen Universität zu studieren".

Ein Indikator dafür könnte auch sein, daßdas Engagement der Profess oren von 2/3 mit einem "Teils, teils" bewertet wurde, was entweder bedeutet, daß es recht gute und recht schlechte gibt, oder aber, daß kein Professor besonders positiv in Fragen des Engagements auffällt.7 Die (eventuell zu hohen) Prüfungshürden fallen als Grund, an einer anderen Universität studieren zu wollen nicht ins Gewicht, die überwältigende Mehrheit der Befragten fand die Anforderungen für den Scheinerwerb als in Ordnung. Zwar halten 22% die Zulassungsvorrausetzungen für hoch, aber nur 2% für zu hoch. Allerdings fehlt, wie bereits erwähnt, die Frage nach dem Schwierigkeitsgrad der Zwischenprüfung; ohne die sich diese These nicht abschließend belegen läßt.8

5.2. Weitere Ergebnisse

5.2.1. Die Institutsbibliothek

Wie in Abschnitt 3 schon erwähnt, gibt es einen nicht ganz unerwarteten Zusammenhang, zwischen der Disziplin beim Lesen der Pflichtlektüre und der Zufriedenheit mit dem Bestand der Institutsbibliothek. Wer viel liest und sucht, vermißt auch öfter einen Titel im Bestand der Institutsbibliothek oder findet ihn nicht. Allerdings muß dazu einschränkend gesagt werden, daß selbige zum damaligen Zeitpunkt gerade umgezogen wurde.

Daher rührt aller Wahrscheinlichkeit nach auch die breite Streuung bei der Bewertung der Auffindbarkeit, des Bestandes und der Aktualität der Literatur; eben weil es z. B. von der Häufigkeit abhängt, wie oft jemand etwas in der IB sucht, wieviel Übung er hat und wie "schwer" sich das "Finden" gestaltet.

5.2.2. Die Kopierer

Das verheerende Ergebnis über die Möglichkeiten zu kopieren hat uns in diesem Ausmaß doch überrascht.

Die Anzahl der Kopierer wird von 4/5 der Befragten als kaum oder nicht ausreichend bewertet, keiner der Befragten findet sie gut. Die Zuverlässigkeit der Kopiergeräte wird von der Hälfte der Befragten als nicht ausreichend bewertet, insgesamt sind ¾ der Befragten der Meinung daß die Zuverlässigkeit kaum oder nicht ausreicht. Auch wenn diese Umfrage mit Fehlern behaftet ist (siehe Abschnitt 4), so weist sie doch darauf hin, daß es im Bereich der Kopiermöglichkeiten dringenden Handlungs und Verbeserungsbedarf gibt.

Das gleiche gilt auch für das Angebot an Gruppenarbeitsräumen, deren Angebot von der Befragten mit absoluter Mehrheit als kaum bis nicht ausreichend empfunden wird. Selbstverständlich: wo kein Platz ist, kann er auch nicht genutzt werden, hier bringt das neugewonnene ehemalige Siemens-Gebäude hoffentlich Verbesserungen.

5.3. Schlußwort

Insgesamt kann gesagt werden, daß es eine sehr interessante Sache war einen Fragebogen inklusive Umfrage, von der Erstellung bis zur Auswertung, zu machen. Da es sich um ein Erstlingswerk handelt, ist es mit einigen Fehlern versehen, von denen wir zumindest ein paar selber bei der Auswertung entdeckt haben.

[...]


2 Kromrey, Helmut: Empirische Sozialforschung. 7. Aufl.,Opladen, 1995, S. 133.

3 Zur Unmöglichkeit der Verifikation von Hypothesen vgl. Druwe, Ulrich: Politische Theorie, 2. Aufl., Neuried, 1995, S. 36.

4 Kromrey, S. 126.

5 Vgl. ebd.

6 Beispiel entnommen aus Kromrey, S. 113.

7 Vgl. auch Kapitel "Nicht berücksichtigte Faktoren und Kritik"

8 Vgl. auch Kapitel "Nicht berücksichtigte Faktoren und Kritik"

13 von 13 Seiten

Details

Titel
Empirische Sozialforschung
Hochschule
Universität Stuttgart
Veranstaltung
Statistik Empirik
Note
1,0
Autor
Jahr
1995
Seiten
13
Katalognummer
V96423
Dateigröße
452 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Empirische, Sozialforschung, Statistik, Empirik
Arbeit zitieren
Florian Stein (Autor), 1995, Empirische Sozialforschung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/96423

Kommentare

  • Gast am 21.2.2003

    empirische Sozialforschung.

    juhu, wo ist denn der Fragebogen zu dieser Arbeit?

Im eBook lesen
Titel: Empirische Sozialforschung



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden