Geschlechtsspezifische Strategien zur Prävention eines epidemiologisch relevanten Krankheitsbildes für die Zielgruppe der Frauen

Frauen sind anders krank als Männer am Beispiel depressiver Störungen


Hausarbeit, 2020

11 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretischer Hintergrund
2.1 Epidemiologie und Darstellung des Krankheitsbildes depressiver Störungen
2.2 Geschlechtsspezifische Gesundheit
2.3 Risikofaktorenmodell
2.4 Prävention

3 Handlungsempfehlungen für die Zielgruppe der Frauen

4 Fazit

5 Literaturverzeichnis

An dieser Stelle möchte die Autorin darauf hinweisen, dass im Text die maskuline Form verwendet wurde, um der Einfachheit halber den Lesefluss zu begünstigen. Die hier bevorzugte Schreibform stellt keine Diskriminierung dar.

1 Einleitung

Zum 19. Juni 2020 betrug die Bevölkerungszahl in der Bundesrepublik Deutschland 83.166.711 Millionen davon waren 42.129.098 Millionen Frauen und 41.037.613 Millionen Männer (Statistisches Bundesamt, 2020).

In Bezug auf die Lebenserwartung ist zu konstatieren, dass zwischen Frauen und Männern ein markanter Unterschied besteht, der laut Tempel, Jung und Schröder (2013, S. 5-17) auf die verschiedenen Gesundheitschancen zurückzuführen ist. Diese Angabe wird auch durch die derzeitige mittlere Lebenserwartung in Deutschland bestätigt, die bei Männern circa 78 Jahre und bei Frauen circa 83 Jahre beträgt. Die geschlechtsspezifischen Unterschiede sind im unteren Segment der Gesellschaft besonders ausgeprägt. Bei den Haupttodesursachen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und bösartige Neubildungen (Karzinome) sind Frauen geringer betroffen als Männer. Jedoch wird deutlich, dass psychischen Störungen, Depressionen und Angststörungen bei Frauen häufiger diagnostiziert werden als bei Männern. Auf der Grundlage des Gesundheitsberichtes von Tempel et al. (2013) ist abzuleiten, dass das Aggressionspotenzial und der Suchtmittelkonsum von Frauen geringer ist als der von Männern. Daraus ableitend wird deutlich, dass Frauen insbesondere bei den psychischen Störungen anders krank sind als Männer (Tempel et al., S. 5-17).

2 Theoretischer Hintergrund

In dem nachfolgenden Kapitel erfolgt die Darstellung der epidemiologischen Lage zur Gesundheit von Frauen und Männern in Deutschland. Darüber hinaus werden die geschlechtsspezifischen Unterschiede von Männern und Frauen sowie das Risikofaktorenmodell dargestellt. Daraus ableitend werden geeignete Präventionsmaßnahmen für die Zielgruppe der Frauen aufgezeigt.

2.1 Epidemiologie und Darstellung des Krankheitsbildes depressiver Störungen

In nahezu allen Ländern der Welt stellen die chronischen Erkrankungen die Haupttodesursache dar und führen somit jährlich zu 36 Millionen Todesfällen weltweit (Bonita, Beaglehole & Kjellström, 2008, S. 157f.). Laut Bonita und Beaglehole (2008, S. 157f.) unterstützen psychische Störungen die Krankheitslast vieler chronischer Erkrankungen wie Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. In Deutschland beträgt die Prävalenz einer aktuellen depressiven Symptomatik beim Erwachsenen insgesamt 10,1 % (Bretschneider, Kuhnert & Hapke, 2017 S. 83f.). Hierbei weisen Frauen mit 11,6 % eine deutlich höhere Prävalenz auf als Männer mit 8,6 %. Bedeutsam ist die hohe Prävalenz (siehe Abb. 1) in der Altersgruppe der 18- bis 29-jährigen Frauen mit 16.4 %. Zum Bildungsstatus zeigt sich in der oberen Bildungsgruppe eine niedrigere Prävalenz als in der Mittleren oder Unteren. Im Zusammenhang mit dem Alter, dem Geschlecht und dem Bildungsstatus weist jede 5. Frau zwischen 18 und 29 Jahren, aus der unteren Bildungsgruppe, eine depressive Symptomatik auf (Bretschneider et al., S. 83f.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Prävalenz von depressiver Symptomatik in den letzten 2 Wochen nach Alter und Bildungsstatus der Frauen (n = 12.900 Frauen)

Die psychischen Störungen beim Erwachsenen unterteilen sich in Angststörungen, unipolaren Depressionen und Störungen durch Alkohol- oder Medikamentenkonsum (Koch-Stoecker & Kölch, 2020, S. 836). Das Krankheitsbild Depression wird auch als affektive Störung bezeichnet, die durch eine gedrückte Gesamtstimmung, Interessensverlust, Antriebslosigkeit und verminderter Leistungsfähigkeit charakterisiert wird (Pschyrembel, 2007, S. 408).

2.2 Geschlechtsspezifische Gesundheit

Der Begriff Gesundheit ist von Frauen und Männern mit ganz unterschiedlichen Vorstellungen belegt (Tempel et al., 2013, S. 5f). Daraus resultieren die unterschiedlichen Angebote und Ansprachen an die jeweilige Zielgruppe. Frauen definieren Gesundheit eher auf der Gefühlsebene gekoppelt an dem Wohlbefinden. Männer hingegen sehen Gesundheit oft als funktionalistisch, im Sinne von Leistungsfähigkeit und Abwesenheit von Krankheit (Tempel et al., 2013, S. 5f). Das Geschlecht differenziert deutlich als Merkmal neben dem Alter bezüglich der Gesundheit. Neben der gesundheitlichen Situation von Frauen und Männer tragen auch die psychischen und sozialen Bedingungen zur Gesundheit und Krankheit bei (Faltermaier, 2017, S. 322-328). Aus biologischer Sicht haben Frauen durch ihre genetische Disposition sowie ihre körperliche und hormonelle Ausstattung andere gesundheitliche Risiken. Ein Grund für psychosoziale Risiken sind häufig dauerhafte Arbeitsbelastungen. Diese Belastungen in der Arbeitswelt reflektieren sich häufig im Kontext von hohem Zeitdruck, langen Arbeitszeiten sowie körperlichen Belastungen. Neben der Berufstätigkeit müssen Frauen zusätzliche Anforderungen bewältigen, die aus den familiären Verpflichtungen entstehen. Das Gesundheitsverhalten ist bei Frauen ausgeprägter gegenüber Männern. Frauen sind interessierter an Gesundheitsfragen, aktiver für ihre Gesundheit sowie Angebote zur Prävention und Gesundheitsförderung werden stärker in Anspruch genommen. Im Krankheitsverhalten nehmen Frauen ihren Körper besser wahr, berichten detaillierter über ihre Symptome und ergreifen häufiger Maßnahmen zur Selbstbehandlung (Faltermaier, 2017, S. 322-328). Bei Frauen ist die Borderline-Persönlichkeitsstörung, die durch die Instabilität des Selbstbildes bzw. der Selbstwahrnehmung gekennzeichnet ist, stärker verbreitet als bei Männern (Burton, 2011, S. 23).

Laut Burton (2011, S. 23) liegen die Ursachen zum einen an der größeren Wahrscheinlichkeit Opfer sexuellen Missbrauchs in der Kindheit zu sein sowie zum anderen an ihrem offenherzigen Verhalten.

2.3 Risikofaktorenmodell

Für die psychosoziale Erkrankung werden alle bekannten und nachgewiesenen Risikofaktoren zusammengestellt und ihre Wirkung als additiv oder als interaktiv angenommen (Faltermaier, 2017, S. 65ff.). Das Risikofaktorenmodell repräsentiert einfache theoretische Annahmen, die die Krankheitsentstehung mehr oder weniger durch die Interaktionszahl von nachgewiesenen Risikofaktoren erklärt. Theoretische Probleme entstehen durch isolierte Betrachtung der Risikofaktoren und somit eine getrennte Betrachtung von den Lebensumständen einer erkrankten Person. Der Risikofaktorenansatz behandelt die Faktoren und nicht die Person und ist somit psychologisch betrachten die falsche Strategie, die bei Menschen mehr die Abwehr auslöst als sie zur Mitarbeit zu motivieren in Verbindung einer Verhaltensänderung. Als grundlegender und vorwiegend epidemiologisch orientierter Ansatz kann das Risikofaktorenmodell verstanden werden, welches sich auf dem biopsychosozialen Krankheitsmodell bewegt (Faltermaier, 2017, S. 65ff.). Unter psychischen Belastungen verstehen Morschhäuser und Lohmann-Haislah (2016, S. 191-196) folgende relevante Merkmale: Arbeitsintensität, interdisziplinäre Komplexität, Flexibilität & Mobilität sowie Entgrenzung der geistigen Arbeit. Für eine unipolare Depression bestehen genetische Risikofaktoren, die den Fokus verlangen (Razum, Breckenkamp & Brzoska, 2020, S. 293). Psychische Störungen sowie gleichzeitig laufende körperliche Erkrankungen können sich gegenseitig steigern und eine Manifestation auslösen. Die soziale Lage und der Lebensstil einer Erkrankten kann ein Risikofaktor darstellen und somit das Gesundheitsverhalten stark beeinflussen. Ein stabiles soziales Netzwerk kann eine psychische Ressource darstellen und wirkt sich positiv auf das Kohärenzgefühl der Frau aus. (Weyerer & Ding-Greiner, 2008, S. 79).

2.4 Prävention

Präventionsstrategien lassen sich nach Abel und Kolip (2018, S. 171) nicht nur nach dem Zeitpunkt (Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention) unterscheiden, sondern auch nach dem Ansatzpunkt der entsprechenden Intervention (Verhältnis- und Verhaltensprävention). Die Gesundheit der Zielperson (durch Veränderungen der Lebensbedingungen und der Umwelt) betrachtet die Verhältnisprävention. Der Einfluss auf das Gesundheitsverhalten und den Gesundheitszustand bezieht sich auf die Verhaltensprävention (Abel & Kolip, 2018, S.171). Nachfolgend werden verschiedene Formen von Präventionsansätzen betrachtet, von Primär- über Sekundär- bis hin zur Tertiärprävention bei Depression.

Primärprävention bei depressiver Symptomatik

Der Interventionszeitpunkt zur Primärprävention steht vor Eintreten einer Erkrankung. Hier werden alle Maßnahmen erfasst, die vor Manifestation eines unerwünschten Zustandes auftreten. Ziel der Primärprävention ist die Verringerung der Inzidenz von Krankheiten und richtet sich an Gesunde sowie an Personen ohne Symptomatik (Leppin, 2018, S. 48). Unter Primärprävention versteht Rätzel-Kürzdörfer (2018, S. 295) u.a.: Stressprävention, psychosoziale Betreuung, genetische Beratung, allgemeine Beratung bei familiärer Belastung, Betreuung gefährdeter Mütter mit Kindern, Beratung bei akuter bedrohlicher Arbeitslosigkeit und Förderung des Selbstwertgefühls.

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Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Geschlechtsspezifische Strategien zur Prävention eines epidemiologisch relevanten Krankheitsbildes für die Zielgruppe der Frauen
Untertitel
Frauen sind anders krank als Männer am Beispiel depressiver Störungen
Hochschule
Hochschule Magdeburg-Stendal; Standort Magdeburg
Veranstaltung
Einführung in die Gesundheitswissenschaften und die Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
11
Katalognummer
V964933
ISBN (eBook)
9783346317735
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
sehr differenzierte Darstellung des Krankheitsbildes, sehr gute Ableitungen zur Prävention, gelungene Erweiterung des Risikofaktorenmodell mit salutogenen Ansätzen und entsprechender Handlungsempfehlungen für Frauen.
Schlagworte
Prävention, Risikofaktorenmodell, Geschlechtsspezifische Gesundheit, depressive Störungen
Arbeit zitieren
Melanie Keemß (Autor), 2020, Geschlechtsspezifische Strategien zur Prävention eines epidemiologisch relevanten Krankheitsbildes für die Zielgruppe der Frauen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/964933

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