Soziale Kohäsion kann nur über Prozesse der Ausgrenzung geschaffen werden. Dabei besteht ein Verhältnis gegenseitiger Abhängigkeit der Etablierten und Außenseitern. Die Einteilung in die Gruppen hält die soziale Ordnung aufrecht. Ebenso macht die Untersuchung von Elias und Scotson deutlich, dass Macht ausschließlich als sozialer Prozess zu betrachten und dementsprechend zu untersuchen ist. Die ergibt sich aus den Verflechtungszusammenhängen in den Figurationen der Mächtigen und Machtlosen. Mächtige und Machtlose tragen jeweils Anteile des Gegenübers in sich.
Gliederung
1. Theoretischer Ausgangspunkt von Elias
2. Die Studie in Winston Parva und daraus gewonnene Erkenntnisse
3. Fazit
4. Kritik
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert und analysiert das von Norbert Elias und John L. Scotson entwickelte Figurationsmodell anhand ihrer Studie in Winston Parva, um Mechanismen sozialer Ausgrenzung und Machtasymmetrien zwischen etablierten Gruppen und Neuankömmlingen zu verdeutlichen.
- Grundlagen des Menschenbildes des "homo non-clausus"
- Die prozesssoziologische Untersuchung in Winston Parva
- Soziale Kohäsion durch Gruppenzusammenhalt und Ausgrenzung
- Entwicklung und Wirkung von Statusideologien
- Strukturelle Dynamiken von Etablierten-Außenseiter-Figurationen
Auszug aus dem Buch
2. Die Studie in Winston Parva und daraus gewonnene Erkenntnisse
Norbert Elias führte 1959, während seiner Lehrtätigkeit an der Universität in Leicester, mit einem seiner Studenten, John L. Scotson, eine empirisch-theoretische Studie in Winston Parva durch. In der wissenschaftlichen Sekundärliteratur finden sich unterschiedliche Bezeichnungen für die Art der Studie. In diesem Rahmen scheint der Begriff „Gemeindeforschung“ erwähnenswert zu sein. Das Wort der Gemeinde legt die Assoziation der Gemeinschaft nahe. Eben diese Gemeinschaft spielt eine übergeordnete Rolle in den, im Verlauf der Studie untersuchten, Prozessen.
Winston Parva ist ein fiktiver Name für eine kleine englische Vorortgemeinde, die zu der in wirtschaftlicher Blüte stehenden Industriestadt Leicester gehört.
Ursprünglich wollten Elias und Scotson die Ursachen der vermeintlich höheren Delinquenzrate in einer der drei Nachbarschaften untersuchen. Nach relativ kurzer Zeit verschob sich jedoch der Forschungsfokus hin zur Betrachtung nachbarschaftlicher Beziehungen. Diese verdienten besondere Beachtung, da einige Probleme paradigmatischen Charakters gewesen waren. Diese Probleme seien in größerem Maßstab auf vielen gesellschaftlichen Ebenen anzutreffen und somit bei der Analyse sozialer Prozesse allgemein anwendbar. Auf Grundlage dessen konzipierten Elias und Scotson ein Figurationsmodell als prozesssoziologisches Modell.
An die fünftausend Einwohner lebten in Winston Parva und bildeten eine eigenständige Gemeinde. Die Bewohner verfügten über eigene Fabriken, Schulen, Kirchen, Läden und Clubs.
Der Ort selbst war in drei Wohnbezirke unterteilt. Die räumliche und soziale Teilung spaltete den Ort in drei unterschiedliche Sektoren bzw. Zonen.
Die erste Zone zeichnete sich durch den Charakter einer typischen Mittelklassegegend aus. Hier lebten die Bürgerlichen, welche die Elite von Winston Parva darstellten. Die erste Zone spielte eine eher untergeordnete Rolle im Konflikt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretischer Ausgangspunkt von Elias: Dieses Kapitel erläutert das Menschenbild des "homo non-clausus" sowie die soziologische Bedeutung von Figurationen und gesellschaftlichen Prozesshaftigkeiten.
2. Die Studie in Winston Parva und daraus gewonnene Erkenntnisse: Die Untersuchung beschreibt die soziale Spaltung der Vorortgemeinde in Winston Parva, die durch Statusideologien und das soziologische Alter der ansässigen Gruppen geprägt ist.
3. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass soziale Kohäsion eng mit Ausgrenzungsprozessen verknüpft ist und Macht stets als Ergebnis sozialer Interdependenz zu verstehen ist.
4. Kritik: Der kritische Teil weist darauf hin, dass im Original eine triadische statt dyadische Figuration vorlag und bemängelt die fehlende Berücksichtigung der Ressourcenverteilung.
5. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit verwendeten Quellen und weiterführenden soziologischen Fachliteratur.
Schlüsselwörter
Etablierte, Außenseiter, Figuration, Winston Parva, Norbert Elias, Machtbalance, soziale Kohäsion, Statusideologie, Ausgrenzung, Zivilisationsprozess, Prozesssoziologie, Fremdzwang, Selbstzwang, Gruppencharisma, Gruppenschande.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Analyse von Ausgrenzungsmechanismen zwischen alteingesessenen Bewohnern und Neuankömmlingen in einer Gemeinde.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Machtasymmetrien, die Bildung von sozialen Gruppen, der Einfluss von Wohndauer auf den sozialen Status sowie die interne Dynamik von Zivilisationsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, anhand der historischen Studie von Elias und Scotson zu zeigen, wie Machtverhältnisse in Figurationen entstehen und wie Gruppen sich gegenseitig abgrenzen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine rekonstruktive Prozessanalyse, die auf der empirisch-theoretischen "Gemeindeforschung" von Elias und Scotson basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die soziale Struktur von Winston Parva, die Entstehung der "Statusideologie" der Etablierten und die internen Dynamiken, die zur Stigmatisierung der Außenseiter führen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Besonders prägend sind Begriffe wie "Etablierte-Außenseiter-Figuration", "soziales Alter", "Machtmonopolisierung" und "Selbstzwang".
Warum spielt das "soziologische Alter" eine entscheidende Rolle?
Es ist das entscheidende Kriterium für die Platzierung in der Machtfiguration, da die Wohndauer am Ort bestimmt, wer als "Etablierter" gilt und somit soziale Privilegien beanspruchen kann.
Inwiefern beeinflusst das "Gruppencharisma" das Verhalten der Etablierten?
Es stärkt das Wir-Gefühl und rechtfertigt die Ausgrenzung, da die Etablierten sich selbst als kultivierter und moralisch überlegen wahrnehmen und dieses Selbstbild durch gegenseitige Kontrolle stützen.
- Citar trabajo
- Andrea Ehrhardt (Autor), 2005, "Etablierte und Außenseiter" von Norbert Elias und John L. Scotson. Die Position der Dazugekommenen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/965234