Der vorliegende Fallbericht beschreibt die ambulante Langzeittherapie einer zu Behandlungsbeginn 53-jährigen Patientin mit der Diagnose einer rezidivierenden depressiven Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode ohne somatisches Syndrom (F33.10) vor dem Hintergrund traumatischer Ereignisse. Es wurde eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlung der Depression mit vereinzelten Elementen aus der Narrativen Expositionstherapie durchgeführt. Gegen Behandlungsende konnte eine Teilremission der depressiven Symptome und eine signifikante Verbesserung des Krankheitsverständnisses, der Handlungskompetenz, der allgemeinen Lebenszufriedenheit und des psychophysischen Gesamtbefindens sowie ein Abbau des Vermeidungsverhaltens erreicht werden.
Inhaltsverzeichnis
2. Überweisungskontext
3. Diagnostik und Indikationsstellung
Aktuelle Anamnese
Sozialanamnese, Familienanamnese, Berufliche Anamnese
Psychischer Befund
Störungsanamnese und Behandlungsversuche
Testpsychologische Befunde
Diagnosestellung nach ICD-10
Therapieindikation
4. Problemanalyse
Makroanalyse
Mikroanalyse
5. Therapieplanung
6. Therapieverlauf
7. Evaluation
Therapieergebnisse
Wirkfaktoren und limitierende Faktoren
Prognose
8. Kritische Reflexion des Falles
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit dokumentiert eine ambulante Langzeit-Psychotherapie bei einer 53-jährigen Patientin mit einer rezidivierenden depressiven Störung, die durch eine komplexe Biografie mit traumatischen Erfahrungen geprägt ist. Ziel ist die therapeutische Aufarbeitung der zugrunde liegenden Belastungen, die Modifikation dysfunktionaler Kognitionen sowie die Verbesserung der sozialen Kompetenz und Lebensqualität.
- Kognitive Verhaltenstherapie bei rezidivierender Depression
- Bearbeitung biografisch traumatischer Erfahrungen
- Modifikation dysfunktionaler Grundannahmen und Vermeidungsstrategien
- Stärkung der emotionalen Selbstwahrnehmung und Emotionsregulation
- Rückfallprophylaxe und Stabilisierung im Alltag
Auszug aus dem Buch
Mikroanalyse
Im Folgenden wird eine prototypische Situation aus dem alltäglichen Leben der Patientin vorgestellt und mittels des SORKC-Modells analysiert:
Situation (S) Die Patientin serviert einem Kunden des Nachtclubs ein alkoholhaltiges Getränk.
Organismus (O) wiederkehrende Kontrollverlusterfahrungen sowie grenzüberschreitende Erfahrungen, reduziertes Selbstwirksamkeitserleben, geringes Selbstwertgefühl, mangelnde Wahrnehmung eigener Bedürfnisse und Emotionen, mangelnde Selbstfürsorgefähigkeit, hohes Funktionsstreben, erhöhtes psychophysisches Erregungsniveau
Reaktionen (R)
R phys. Anspannung, innere Unruhe und Übererregtheit
R kogn. „Warum guckt mich dieser Mann so an? Er sieht in mir nur ein Sexobjekt und will mich anfassen. Ich möchte ihm den Kaffee an den Kopf werfen! Alle Männer sind Lügner und Angreifer!“
R emot. Wut, Ärger und Hass, Reizbarkeit, aber auch Hilflosigkeit und Unsicherheit. Die Patientin fühlt sich durch den Kontakt mit dem Kunden innerlich bedrängt.
R verh. Die Patientin lächelt den Kunden betont freundlich an und serviert das alkoholhaltige Getränk.
Kontingenz (K) hoch
Kurzfristige Konsequenzen (kC)
kC- phys. Nachlassen von körperlicher Anspannung
kC kogn. „Ich serviere das Getränk, lächle und funktioniere“. Die Patientin versucht zu „funktionieren“ und erlebt sich somit als selbstwirksam. Die kognitive Dissonanz lässt nach.
kC- emot. Reduktion von Hilflosigkeit, Unsicherheit und Wut
kC- verh. Vermeiden von Konfrontation und Auseinandersetzungen
kC+ phys. Kurzzeitiges Gefühl der Erleichterung
Zusammenfassung der Kapitel
2. Überweisungskontext: Die Vorstellung der Patientin erfolgte auf eigenen Wunsch zur Aufarbeitung traumatischer Erfahrungen durch ihren Psychiater.
3. Diagnostik und Indikationsstellung: Es wird das Störungsbild der rezidivierenden depressiven Störung beschrieben und die Indikation für eine kognitiv-verhaltenstherapeutische Langzeittherapie abgeleitet.
4. Problemanalyse: Dieses Kapitel erläutert die Entstehungsbedingungen der depressiven Symptomatik und analysiert kritische Situationen anhand des SORKC-Modells.
5. Therapieplanung: Hier werden die übergeordneten Therapieziele und die therapeutischen Strategien, wie etwa die Arbeit an biografischen Prägungen, festgelegt.
6. Therapieverlauf: Das Kapitel dokumentiert den Aufbau der therapeutischen Beziehung, die Arbeit an Widerständen und die schrittweise Bearbeitung der biografischen Themen.
7. Evaluation: Abschließend werden die Therapieergebnisse, der Erfolg der Bewältigungsstrategien sowie die Prognose der Patientin bewertet.
8. Kritische Reflexion des Falles: Eine kritische Auseinandersetzung mit dem therapeutischen Prozess, insbesondere hinsichtlich der therapeutischen Führung und Beziehungsgestaltung.
9. Zusammenfassung: Eine komprimierte Darstellung des Therapieverlaufs und des erreichten Outcomes.
Schlüsselwörter
Kognitive Verhaltenstherapie, rezidivierende Depression, Traumatisierung, SORKC-Modell, biografische Arbeit, Emotionsregulation, Selbstwertgefühl, Vermeidungsverhalten, Ressourcenaktivierung, Rückfallprophylaxe, Psychotherapie, Fallbericht, Selbstwirksamkeit, Krankheitsverständnis, therapeutische Beziehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit ist ein Fallbericht über eine ambulante kognitive Verhaltenstherapie bei einer 53-jährigen Patientin mit rezidivierender depressiver Störung und traumatischer Vorgeschichte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Umgang mit chronischer depressiver Symptomatik, die Aufarbeitung lebensgeschichtlicher Traumata sowie die Modifikation dysfunktionaler Verhaltens- und Denkmuster.
Was ist das primäre Ziel der Therapie?
Das primäre Ziel war die Reduktion depressiver Symptome, die Integration traumatischer Erfahrungen in die Biografie sowie die Steigerung der Selbstsicherheit und Lebensqualität.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der kognitiven Verhaltenstherapie unter Einbeziehung von Elementen der Narrativen Expositionstherapie und der Verhaltensanalyse nach dem SORKC-Modell.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der diagnostischen Einordnung, der detaillierten Problemanalyse, der therapeutischen Planung sowie der ausführlichen Darstellung des Therapieverlaufs inklusive Rückschlägen und Fortschritten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kognitive Verhaltenstherapie, Depression, Traumatherapie, SORKC-Modell, Biografiearbeit, Emotionsregulation und Ressourcenaktivierung.
Wie ging die Patientin mit ihrem fassadären Verhalten um?
Im Therapieverlauf wurde erkannt, dass das fassadäre Verhalten eine Schutzfunktion darstellte. Durch die therapeutische Arbeit konnte die Patientin dieses durch ein authentischeres Ausdrucksverhalten ersetzen.
Warum war die therapeutische Beziehung bei dieser Patientin besonders herausfordernd?
Die Patientin neigte anfangs zu passiv-aggressivem Verhalten und einer sehr distanzierten Art, was eine geduldige, wertschätzende und transparente Beziehungsgestaltung seitens der Therapeutin erforderlich machte.
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- Anonym (Autor), 2020, Kognitive Verhaltenstherapie einer Patientin mit rezidivierender depressiver Störung vor dem Hintergrund traumatischer Ereignisse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/967591