Da es vielen Fachkräften teilweise schwerfällt, eine Partnerschaft mit den Eltern einzugehen, soll hier ein Weg beschrieben werden, der einem dies erleichtern kann. Daraus hat sich folgende Themenformulierung entwickelt: „Erziehungskooperation in Kindertageseinrichtungen – Der Weg zu einer gelingenden Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften.
In den vergangenen Jahren hat sich die Bedeutung von Kindertageseinrichtungen verändert. Aus diesem Grund ist der Begriff „Elternarbeit“ mittlerweile veraltet und wird durch die Begriffe „Erziehungskooperation“ und „Erziehungs- und Bildungspartnerschaft“ ersetzt. Die Zusammenarbeit mit Eltern ist viel bedeutsamer geworden. Damals stand vor allem die pädagogische Arbeit mit dem Kind im Fokus, während Einrichtungen heute als Bildungsinstitution angesehen werden, in der die Berücksichtigung der Eltern ebenso eine große Rolle spielt.
Heutige Aufgabe der Fachkräfte ist, dass diese sich gemeinschaftlich mit den Eltern auf den Weg machen. Gemeinsam mit den Eltern als ihre Partner erfreuen sie sich an der Entwicklung der Kinder, tauschen sich regelmäßig über Erfolge, Beobachtungen und Fragen aus, stellen sich Aufgaben, die sie gemeinsam bewältigen und sie stärken sowie unterstützen sich gegenseitig.
Kindertagesstätten dienen mittlerweile als Ort für Familien, der den Kindern die Möglichkeit bietet, durch Bildungs-, Betreuungs-, und Erziehungsarbeit gefördert zu werden. Einen wichtigen Beitrag hierzu leisten die pädagogischen Fachkräfte. Laut § 22 im Jugendhilfeschutzgesetz (KJHG) haben die Kindertageseinrichtungen den Auftrag erhalten, dass neben der direkten Arbeit mit Kindern die Familien so gestärkt werden müssen, dass sie ihren Erziehungsaufgaben besser gerecht werden können. Das Angebot und die Leistungen der Einrichtungen sollen sich an den Bedürfnissen der Kinder und deren Familien orientieren, damit diese gestärkt werden können. Im Vordergrund steht nun eine Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen ErzieherInnen und Eltern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erziehungskooperation – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft
2.1 Grundlagen erfolgreicher Erziehungskooperation
2.2 Formen und Angebote der Erziehungskooperation
2.3 Bedeutung für die Kinder
3. Der Weg zu einer gelingenden Zusammenarbeit
3.1 Die Zusammenarbeit planen
3.1.1 Bedarf und Bedürfnissen Gehör verschaffen
3.1.2 Eltern als Experten für ihr Kind ernst nehmen
3.1.3 Kompetenzen nutzen – Eltern in die pädagogische Arbeit einbinden
3.2 Beratungsgespräche vorbereiten und durchführen
3.2.1 Gesprächsführung in Beratungsgesprächen
3.3 Die Kooperation mit Eltern in herausfordernden Situationen
3.3.1 Elternarbeit unter Berücksichtigung spezifischer familiärer Lebensbedingungen
3.3.2 Zusammenarbeit in Bezug auf Auffälligkeiten des Kindes
4. Bedeutung für die Praxis in Kindertageseinrichtungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Wandel von der klassischen „Elternarbeit“ hin zur partnerschaftlichen „Erziehungskooperation“ in Kindertageseinrichtungen. Ziel ist es, pädagogischen Fachkräften einen strukturierten Weg aufzuzeigen, wie eine gelingende Erziehungs- und Bildungspartnerschaft zwischen Eltern und Fachkräften unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Lebenslagen von Familien gestaltet werden kann.
- Gesetzliche Grundlagen und Wandel der Elternrolle.
- Methoden und Formen der Kooperation im Kita-Alltag.
- Bedeutung der Zusammenarbeit für die kindliche Entwicklung und Bindung.
- Professionelle Gesprächsführung und Haltung der Fachkräfte.
- Herausfordernde Situationen und der Umgang mit spezifischen Familienkonstellationen.
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Gesprächsführung in Beratungsgesprächen
Die klientenzentrierte Gesprächsführung hat sich für den Gesprächsverlauf bei Beratungsgesprächen bewährt (vgl. Roth, 2014, S. 84). Diese stammt von dem US-amerikanischen Psychologen und Psychotherapeut Carl R. Rogers und geht davon aus, dass Menschen eine angeborene Fähigkeit besitzen sich selbst zu verwirklichen und sich erfolgreich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen. Es kann jedoch auch manchmal der Fall sein, dass diese Fähigkeit mithilfe eines Beraters oder Therapeuten neu hervorgeholt werden muss, da der Mensch es nicht mehr von alleine schafft.
Damit das klientenzentrierte Gespräch durchgeführt werden kann, muss der Berater drei Kriterien erfüllen. Empathie setzt voraus, dass die beratende Fachkraft ihren Schwerpunkt auf die Beachtung der Gefühle der Klienten legt, ohne diese dabei zu bewerten (vgl. Dusolt, 2008, S. 29). Sie versucht sich in die Lage der Eltern zu versetzen. Ebenso sollten die Eltern merken, dass sie ihre Gefühle nicht verstecken müssen (vgl. Bernitzke, 2014, S. 235). Die beratende Fachkraft vermittelt bei Kongruenz (Echtheit) dem Gesprächspartner einfühlendes Verständnis und Wertschätzung (vgl. Dusolt, 2008, S. 29). Dabei wendet sie sich bezüglich der Äußerungen aufrichtig und ehrlich den Eltern zu und versteckt sich nicht. Den Klienten gegenüber zeigt sie Interesse am Anliegen (vgl. Bernitzke, 2014, S. 235). Wärme/Wertschätzung bedeutet, dass die Fachkraft die Eltern in ihrer persönlichen Situation annimmt und versucht sie zu verstehen, ohne eine persönliche Wertung einfließen zu lassen (vgl. Dusolt, 2008, S. 30).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Bedeutungswandel von Kindertageseinrichtungen von reinen Betreuungsstätten hin zu Bildungsinstitutionen und die damit einhergehende Notwendigkeit einer Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.
2. Erziehungskooperation – Erziehungs- und Bildungspartnerschaft: Definiert die Grundlagen der Kooperation, grenzt den Begriff zur klassischen Elternarbeit ab und beleuchtet die Auswirkungen auf das Kindeswohl.
3. Der Weg zu einer gelingenden Zusammenarbeit: Detailliert die konkrete Planung, Durchführung von Beratungsgesprächen sowie Strategien für herausfordernde familiäre Situationen.
4. Bedeutung für die Praxis in Kindertageseinrichtungen: Analysiert, wie Erziehungspartnerschaft als Qualitätsmerkmal in den Kita-Alltag integriert und durch verschiedene Dimensionen operationalisiert werden kann.
5. Fazit: Fasst die Kernerkenntnisse zusammen und betont die Notwendigkeit von Weiterbildung und Forschung, um die Herausforderungen der Erziehungspartnerschaft professionell zu meistern.
Schlüsselwörter
Erziehungskooperation, Bildungspartnerschaft, Kindertageseinrichtung, Elternarbeit, Erziehungsfähigkeit, pädagogische Fachkräfte, Kindeswohl, Gesprächsführung, Klientenzentrierte Gesprächsführung, Familien, Kooperation, Partizipation, Elternbeirat, Bindung, Systemische Denkansätze
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der professionellen Gestaltung der Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachkräften in Kindertageseinrichtungen unter dem Aspekt der Erziehungs- und Bildungspartnerschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Definition und Bedeutung der Kooperation, die Rolle der Eltern als Experten, die Planung der Zusammenarbeit sowie Methoden zur Einbindung von Eltern und den professionellen Umgang mit herausfordernden Situationen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, einen praktischen Leitfaden für Fachkräfte zu entwickeln, der aufzeigt, wie eine gelingende Erziehungspartnerschaft aufgebaut und gestaltet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse und der Auswertung von Fachkonzepten und Studien zur frühkindlichen Bildung und Erziehung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Kooperation, praktische Planungsschritte (Aufnahmegespräche, Elternbeirat), Methoden der Beratung sowie den Umgang mit schwierigen Lebenslagen und Auffälligkeiten bei Kindern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Erziehungskooperation, Bildungspartnerschaft, Elternarbeit, Erziehungsfähigkeit, Kindeswohl, professionelle Kommunikation und Kooperation.
Wie unterscheidet sich die Erziehungspartnerschaft von der herkömmlichen Elternarbeit?
Während die klassische Elternarbeit oft einseitig informationsorientiert war, zeichnet sich die Erziehungspartnerschaft durch eine Begegnung auf Augenhöhe, gegenseitigen Respekt und eine geteilte Verantwortung für den Bildungsprozess des Kindes aus.
Welche Rolle spielen "Tür- und Angelgespräche"?
Sie dienen als niedrigschwellige, aber essenzielle Form des schnellen Informationsaustauschs und bilden das Fundament für eine lebendige Kommunikationskultur zwischen Fachkraft und Eltern.
- Quote paper
- Sina Löhr (Author), 2018, Erziehungskooperation in Kindertageseinrichtungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/967940