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Der homo oeconomicus in der Politikwissenschaft

Title: Der homo oeconomicus in der Politikwissenschaft

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 20 Pages , Grade: Sehr gut (minus)

Autor:in: Andree Martens (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Der allgemeine Glaube, dass der homo oeconomicus allein in der Wirtschaft zu Hause wäre, ist weit verbreitet. "Der homo oeconomicus ist eben der in der Wirtschaft tätige Mensch."

Das Menschenbild des homo oeconomicus geht allerdings darüber hinaus. Es ist ein Erklärungsversuch für menschliches Verhalten, in dem es dem Menschen Rationalität und Egoismus unterstellt.

Da es keinen vernünftigen Grund gibt anzunehmen, dass Menschen sich grundsätzlich anders verhalten, wenn sie beispielsweise soziale und politische Probleme lösen als wenn sie wirtschaftliche oder juristische Aufgaben angehen, gibt es auch keinen Grund, den homo oeconomicus aus den anderen Sozialwissenschaften auszusperren.

In dieser Arbeit soll der homo oeconomicus in der modernen Politikwissenschaft betrachtet werden bzw. das Verhalten der Politiker in demokratischen Systemen unter Voraussetzung des ökonomischen Menschenbildes analysiert werden.

Einleitend wird auf die Entwicklung des Menschenbildes des homo oeconomicus in der Historie eingegangen, wo vor allem deutlich gemacht werden soll, dass dieses Menschenbild tatsächlich kein Kind der Ökonomie sondern vielmehr im Bereich der Staatsphilosophie anzusiedeln ist. Die Anwendung des ökonomischen Menschenbildes in der modernen Politikwissenschaft kann von dieser Seite aus betrachtet vielleicht sogar als Schritt "back to the roots" betrachtet werden.

"Wie verhalten sich Politiker in Demokratien unter Zugrundelegung des ökonomischen Menschenbildes?", lautet die Frage, welcher hier vor allem nachgegangen werden soll.

Eine erste Antwort wird mit dem von Downs entwickelten Modell der Parteienkonkurrenz gegeben, in dem den Parteien im besonderen bzw. den Politikern im allgemeinen ein Verhalten unterstellt wird, welches im Prinzip auf eine mittlere Interessenvertretung der Wähler hinausläuft.

Anschließend wird diese Annahme durch drei aus der "Public-Choice-Perspektive" vorgetragenen Argumente konterkariert, welche dafür sprechen, dass Politiker nicht die mittleren Interessen der Wähler sondern vielmehr Minoritäteninteressen vertreten.

Im Zuge dieser Argumentation rücken neben den Politikern die Vertreter von Interessengruppen als weiterer wichtiger Akteur im politischen Prozess ins Zentrum der Betrachtung.
Eine dritte wichtige Gruppe der "politischen Unternehmer", die Bürokraten, werden nicht außen vorgelassen. Ihr Verhalten wird auf dem Hintergrund des ökonomischen Verhaltensmodells abschließend untersucht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Geschichte des homo oeconomicus

III. Das ökonomische Verhaltensmodell

III.1 Präferenzen und Restriktionen

III.2 Die Eigenständigkeit der Entscheidung

III.3 Die Rationalität der Entscheidung

IV. Downs ökonomische Theorie der Demokratie

IV.1 Der Politiker als Nutzenmaximierer

IV.2 Das ökonomische Modell der Parteienkonkurrenz

V. Modellkritik aus der "Public-Choice-Perspektive"

V.1 Die Konzentration der Interessen

V.2 Der Informationsgrad der Wähler

V.3 Der Organisationsgrad der Wähler

VI. Bürokraten als Nutzenmaximierer

VII. Schlussbetrachtung

VIII. Literatur

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Diese Arbeit untersucht die Anwendung des ökonomischen Menschenbildes des "homo oeconomicus" auf politische Akteure in demokratischen Systemen, insbesondere unter Berücksichtigung der Public-Choice-Perspektive. Das primäre Ziel besteht darin, kritisch zu analysieren, ob Politiker tatsächlich die Interessen der Mehrheit der Wähler vertreten oder ob andere Anreizstrukturen ihr Verhalten dominieren.

  • Historische Entwicklung des Menschenbildes des homo oeconomicus.
  • Grundlagen des ökonomischen Verhaltensmodells (Präferenzen, Restriktionen, Rationalität).
  • Kritische Analyse von Downs' Modell der Parteienkonkurrenz.
  • Einfluss von Interessengruppen, Informationsgrad und Organisationsgrad auf politisches Handeln.
  • Verhalten von Bürokraten unter der Annahme egoistischer Nutzenmaximierung.

Auszug aus dem Buch

V.1 Die Konzentration der Interessen

Denn es gilt erstens, dass derjenige, wer über auf ein Ziel hin konzentrierte Interessen verfügt, eher in der Lage ist, seine Stimme gezielt einzusetzen, als diejenigen, deren Interessen sich auf eine Vielzahl von disparaten Zielen beziehen.

Zur Erklärung dieser Behauptung wird die Interessenlage von Produzenten und Konsumenten und die sich daraus ergebenen Handlungsempfehlungen für den eigennutzmaximierenden Politiker - also denjenigen, dessen oberstes Ziel seine Wiederwahl ist - beschrieben.

Das Interesse der Produzenten richtet sich vor allem auf die Erzielung hoher Preise für ihre Produkte, weil davon ihr Einkommen, Profit oder Lebensstandard stark abhängt. Deshalb versuchen sie politischen Druck auszuüben, damit konkurrierenden ausländischen Produkten der Marktzugang versperrt wird, damit der Staat (oder z.B. die Europäische Gemeinschaft) über dem Weltmarktpreis liegende Ankaufpreise garantiert, damit der Staat Subventionen vergibt, damit die Erträge ihrer Tätigkeit steuerlich begünstigt werden etc.

Im Gegensatz zu den Produzenten sind die Konsumenten an niedrigen Preisen interessiert. Allerdings sind ihre Interessen diffus. Sie sind nicht an einem niedrigen Preis eines einzelnen Produktes interessiert, sondern an generell niedrigen Produktpreisen. Weede beschreibt dies sehr anschaulich: "Die meisten Konsumenten geben für die meisten Güter - ob Nahrungsmittel, Wohnung, Auto oder andere langlebige Konsumgüter - nur einen Bruchteil ihres Einkommens aus. Eine Preissenkung, die beispielsweise durch Abbau aller Handelshemmnisse erreichbar ist, würde vom typischen Konsumenten nur am Rande bemerkt." Und aus diesem Grund würden sie auch nicht ihr Abstimmungsverhalten davon abhängig machen, dass ein einzelnes Produkt billiger wird; wobei Produzenten sehr wohl die künstliche Preisanhebung "ihres" Produktes den Politikern durch die entsprechende Stimmabgabe danken würden.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie sich Politiker unter der Annahme des ökonomischen Menschenbildes verhalten, und ordnet dieses Konzept in die Politikwissenschaft ein.

II. Zur Geschichte des homo oeconomicus: Das Kapitel beleuchtet den historischen Ursprung des egoistischen Menschenbildes von der Antike über Thomas Hobbes bis hin zu Adam Smith.

III. Das ökonomische Verhaltensmodell: Hier werden die theoretischen Grundpfeiler wie individuelle Präferenzen, Restriktionen, die Eigenständigkeit sowie die Rationalität der Entscheidung definiert.

IV. Downs ökonomische Theorie der Demokratie: Dieses Kapitel erläutert Anthony Downs' Modell, in dem Politiker als Nutzenmaximierer agieren, die zur Wiederwahl auf die Wählerstimmen in der Mitte des politischen Spektrums zielen.

V. Modellkritik aus der "Public-Choice-Perspektive": Es wird dargelegt, warum Politiker aufgrund konzentrierter Interessen, Informationsgraden und unterschiedlichen Organisationsgraden häufig Minderheiteninteressen gegenüber den Medianwähler-Interessen bevorzugen.

VI. Bürokraten als Nutzenmaximierer: Dieses Kapitel analysiert das Verhalten staatlicher Bürokraten, die aufgrund fehlender Gewinnbeteiligung ein Interesse an der Ausdehnung ihrer Abteilungen und Aufgaben haben.

VII. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass rationales Handeln für Politiker oft die Bevorzugung kleiner, gut organisierter Gruppen bedeutet und betont die Bedeutung interdisziplinärer Forschung.

VIII. Literatur: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Fachliteratur.

Schlüsselwörter

Homo oeconomicus, Politikwissenschaft, Rationalität, Nutzenmaximierung, Public-Choice-Theorie, Downs, Medianwähler, Interessenvertretung, Bürokratie, Politische Ökonomie, Interessenkonzentration, Rationale Ignoranz, Organisationsgrad, Parteienkonkurrenz, Wiederwahl.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhalten politischer Akteure in Demokratien unter der Annahme des ökonomischen Menschenbildes, das rationales und eigennütziges Handeln unterstellt.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Einordnung des homo oeconomicus, die ökonomische Theorie der Demokratie nach Downs sowie die Kritik daran durch die Public-Choice-Perspektive inklusive des Verhaltens von Bürokraten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit fragt nach dem Verhalten von Politikern in Demokratien, wenn diese als rationale Nutzenmaximierer betrachtet werden, deren oberstes Ziel die Wiederwahl ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine theoretisch-analytische Methode angewandt, die politikwissenschaftliche Fragestellungen mit ökonomischen Verhaltensmodellen verknüpft und diese kritisch hinterfragt.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert das Modell der Parteienkonkurrenz von Downs, übt Kritik daran durch die Public-Choice-Perspektive (Interessenkonzentration, Information, Organisation) und untersucht das Nutzenstreben von Bürokraten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Charakteristische Begriffe sind homo oeconomicus, Nutzenmaximierung, Public-Choice, Medianwähler, Interessenvertretung und politische Bürokratie.

Warum bevorzugen Politiker laut dieser Arbeit oft Minderheiteninteressen?

Da diese Interessen oft stärker konzentriert, besser informiert und organisierter sind, können sie den Politiker effektiver bei der Wiederwahl unterstützen als die diffuse Mehrheit der Wähler.

Wie wird das Verhalten von Bürokraten erklärt?

Bürokraten handeln als Nutzenmaximierer; da sie nicht am Gewinn beteiligt sind, versuchen sie ihr Einkommen durch die Ausweitung ihrer Abteilungen und die Zunahme ihrer Untergebenen zu steigern.

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Details

Title
Der homo oeconomicus in der Politikwissenschaft
College
University of Bonn  (Seminar für Orientallische Sprachen - Abteilung Wirtschaftswissenschaften)
Course
Hauptseminar Wirtschaftspolitik im Systemwettbewerb
Grade
Sehr gut (minus)
Author
Andree Martens (Author)
Publication Year
2001
Pages
20
Catalog Number
V9706
ISBN (eBook)
9783638163361
ISBN (Book)
9783638806060
Language
German
Tags
Public Choice Nutzenmaximierer Parteienkonkurrenz Systemwettbewerb
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andree Martens (Author), 2001, Der homo oeconomicus in der Politikwissenschaft, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9706
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