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Warum gibt es keinen Sozialismus in den USA?

Title: Warum gibt es keinen Sozialismus in den USA?

Term Paper (Advanced seminar) , 2001 , 17 Pages , Grade: sehr gut

Autor:in: Andree Martens (Author)

Sociology - Social System and Social Structure
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Unter den Industrienationen sind die Vereinigten Staaten von Amerika das einzige Land, in dem sich nie eine sozialistische Massenpartei bzw. andere starke sozialistische Bewegungen gegründet haben.

Dieses Phänomen, das in der Literatur oft als "American Exceptionalism" bezeichnet wird, steht im diametralen Gegensatz zur marxistischen Theorie. Nach der Logik des historischen Materialismus, in dem ein positiver Zusammenhang von technischen Fortschritt bzw. allgemeiner gesagt, dem Entwicklungsniveau eines Landes und der Ausprägung der sozialistischen Tendenzen innerhalb seiner Gesellschaft postuliert wird, sollten die Vereinigten Staaten von Amerika, als technologisch fortschrittlichtes und am weitesten entwickeltes Land das erste sein, in dem die Sozialisten an die Macht kommen.

Marx und Engels sahen vor allem zwei Gründe für die Schwäche des Sozialismus in den USA: das Fehlen einer feudalistischen Vergangenheit, wie sie in den europäischen Staaten gegeben ist, und das stetig rapide ansteigende Wohlstandsniveau.

Neben diesen beiden Erklärungen - auf welche im Laufe der Arbeit noch einzugehen ist - gibt es eine Vielzahl weitere Annahmen, welche die geringe Stellung der sozialistischen Bewegungen und Programme in den Vereinigten Staaten zu begründen suchen. Grob lassen sich diese Annahmen in drei Kategorien unterteilen: in der ersten Kategorie werden die Auswirkungen des Wohlstandsnivaus und der Wohlstandsverteilung auf den Grad des Sozialismus betont, der Einfluss ideologischer Determinanten wird in der zweiten Kategorie hervorgehoben während in der dritten Kategorie der Focus auf dem politischen System der USA immanenten Faktoren liegt.

Die dieser Arbeit zugrundeliegende Literatur beinhaltet leider keine Beschreibungen statistischer Überprüfungen der postulierten Zusammenhänge einzelner Faktoren und der Stärke des Sozialismus. Um so wichtiger scheint es, bei der Darstellung der Erklärungen der gemachten Annahmen und von den Autoren explizit oder implizit vertretenden Hypothesen dort Schwerpunkte zu setzen, wo komparatistisch vorgegangen wird, heißt, der Vergleich von den Gegebenheiten in den Vereinigten Staaten zu denen anderer Länder gesucht wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Zur Bedeutung des Wohlstandsniveaus

II.1 Zur Bedeutung der Einkommensverteilung

III. Ideologische Gründe

III.1 Die Idee der Gleichheit

III.2 Der Geist des Kapitalismus

III.3 Der amerikanische Individualismus

III.4 Die Rolle der protestantischen Kirche

III.5 Der amerikanische Moralismus

IV. Politische Determinanten

IV.1 Das amerikanische Wahlsystem

IV.2 Socialist Sectarianism

IV.3 Das Spoils-System

V. Zusammenfassung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen für das Ausbleiben einer sozialistischen Massenbewegung in den Vereinigten Staaten von Amerika. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, welche sozioökonomischen, ideologischen und politischen Faktoren den sogenannten „American Exceptionalism“ im Hinblick auf die Abwesenheit des Sozialismus erklären können.

  • Analyse des Einflusses von Wohlstandsniveau und Einkommensverteilung.
  • Untersuchung ideologischer Barrieren wie Individualismus und Gleichheitsglaube.
  • Bewertung der Rolle der protestantischen Ethik und des amerikanischen Moralismus.
  • Analyse politischer Strukturen, insbesondere des Wahlsystems und des Spoils-Systems.
  • Diskussion des Einflusses parteipolitischer Strategien und sektiererischer Tendenzen.

Auszug aus dem Buch

III.1 Die Idee der Gleichheit

Im Gegensatz zu den europäischen Staaten besitzen die USA keine feudalistische Vergangenheit. Ein Klassenbewußtsein, wie es in Europa aus den feudalistischen Strukturen heraus erwachsen ist, ist dem amerikanischen Denken fremd. Dem gegenüber steht ein nicht nur mit der Gründung der Vereinigten Staaten in der Verfassung verankerte sondern auch – wie Sombart es ausdrückt – „wirklich gewordene“ Gleichheit bzw. ein Gleichheitsbewußtsein in der amerikanischen Gesellschaft.

Aus einer expilzite Zurückweisung aristriktrokratische Symbole – wie ererbter Titel – und Statusränge ist eine meritokratische Gesellschaft enstanden, in welcher Werte wie Chancengleicheit, bezogen auf die Möglichkeit sowohl zum wirtschaftlichen Erfolg als damit auch zum sozialen Aufstieg, großgeschrieben werden.

Die Idee der Gleichheit ist ein erstes zentrales Moment des Amerikanismus, welche der sozialistischen Ideologie in den Vereinigten Staaten den Wind aus den Segeln genommen hat; denn das grundlegende Ziel der sozialistischen Bewegung – eine klassenlose Gesellschaft – ist im Denken der amerikanischen Bevölkerung bereits verwirklicht.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Einführung in die Fragestellung des „American Exceptionalism“ und die theoretische Ausgangslage bezüglich der Abwesenheit einer sozialistischen Massenbewegung in den USA.

II. Zur Bedeutung des Wohlstandsniveaus: Erläuterung der Sombartschen Hypothese, dass ein hoher Lebensstandard und wachsendes Pro-Kopf-Einkommen sozialistische Bestrebungen schwächen.

II.1 Zur Bedeutung der Einkommensverteilung: Analyse des Trends zu Einkommensungleichheit und der politischen Isolierung der betroffenen unteren sozialen Schichten.

III. Ideologische Gründe: Darstellung des „Amerikanismus“ als Identifikationsbasis, die einer sozialistischen Weltanschauung entgegensteht.

III.1 Die Idee der Gleichheit: Untersuchung der fehlenden feudalen Vergangenheit und der Ausprägung eines meritokratischen Gleichheitsbewusstseins.

III.2 Der Geist des Kapitalismus: Analyse des Einflusses der calvinistischen Prädestinationslehre auf das persönliche Gewinnstreben und die kapitalistische Gesinnung.

III.3 Der amerikanische Individualismus: Darstellung des Prinzips der Eigenverantwortung, das der kollektivistischen Logik des Sozialismus diametral entgegensteht.

III.4 Die Rolle der protestantischen Kirche: Untersuchung der Rolle der Kirche bei der Festigung eines politisch-religiösen Ethos der Gleichheit.

III.5 Der amerikanische Moralismus: Diskussion des Schwarz-Weiß-Denkens in den USA und dessen Auswirkung auf die Ablehnung sozialistischer Gesellschaftsmodelle.

IV. Politische Determinanten: Einleitung in die strukturellen Hürden des politischen Systems der USA.

IV.1 Das amerikanische Wahlsystem: Erklärung der Benachteiligung kleiner Parteien durch das Mehrheitswahlrecht in Einerwahlkreisen.

IV.2 Socialist Sectarianism: Analyse der radikalen Ablehnung von Kooperationen durch amerikanische Sozialisten als strategischer Fehler.

IV.3 Das Spoils-System: Untersuchung der Auswirkungen des Ämterpatronagesystems auf die Anziehungskraft großer etablierter Parteien.

V. Zusammenfassung: Synthese der untersuchten sozioökonomischen, ideologischen und politischen Determinanten für das Scheitern des Sozialismus in den USA.

Schlüsselwörter

American Exceptionalism, Sozialismus, USA, Wohlstandsniveau, Gleichheit, Individualismus, Kapitalismus, Protestantismus, Moralismus, Wahlsystem, Mehrheitswahlrecht, Socialist Sectarianism, Spoils-System, Klassenbewusstsein, Meritokratie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert, warum sich in den Vereinigten Staaten im Gegensatz zu europäischen Industrienationen nie eine starke sozialistische Massenpartei etablieren konnte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen den Einfluss des Wohlstandsniveaus, ideologische Grundüberzeugungen wie Individualismus und Gleichheit sowie die strukturellen Bedingungen des amerikanischen politischen Systems.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es, die in der Literatur genannten Hypothesen für das Scheitern des Sozialismus in den USA zu kategorisieren und deren Zusammenwirken methodisch zu beleuchten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt einen komparatistischen Ansatz und wendet die Perspektive des methodologischen Individualismus an, um die Entscheidungslogik der Akteure zu verstehen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden ökonomische Faktoren, ideologische Barrieren, die Rolle der Religion sowie politische Institutionen wie das Wahlsystem und das Spoils-System analysiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind American Exceptionalism, Individualismus, Klassenbewusstsein, Mehrheitswahlsystem und politisches Ethos.

Warum wird das Spoils-System als Hindernis für den Sozialismus gesehen?

Da Ämter nach Parteizugehörigkeit vergeben werden, haben Stellenjäger einen starken Anreiz, sich den großen, machtausübenden Parteien anzuschließen, statt kleine Parteien zu unterstützen.

Wie beeinflusst das Schwarz-Weiß-Denken die politische Kultur?

Der amerikanische Moralismus führt dazu, dass das kapitalistische System als „gut“ definiert wird, wodurch jede alternative Gesellschaftsform als moralisch „böse“ abgelehnt wird.

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Details

Title
Warum gibt es keinen Sozialismus in den USA?
College
University of Bonn  (Seminar für Soziologie)
Course
Die amerikanische Gesellschaft
Grade
sehr gut
Author
Andree Martens (Author)
Publication Year
2001
Pages
17
Catalog Number
V9708
ISBN (eBook)
9783638163385
ISBN (Book)
9783638806077
Language
German
Tags
Kapitalismus USA Einkommensverteilung Sozialismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Andree Martens (Author), 2001, Warum gibt es keinen Sozialismus in den USA?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9708
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