Immer wieder fragte sich die Menschheit nach dem Ursprung der Sprache – in doppeltem Sinne: Wie erwirbt der einzelne die Sprache? Und woher hat die Gattung Mensch sie? Es entstanden mit der Zeit so viele, teils absurde Theorien über die Entstehung der Sprache mit recht interessanten Spitznamen: Die Wauwau - Theorie, die Aua - Theorie oder die Hauruck - Theorie, um nur einige von ihnen zu nennen.
Das Problem aber blieb: Wie kam der Mensch wirklich zur Sprache? Die Theorien konnten genauso richtig, wie falsch sein. Auf Fakten, die sie stützten, konnte keine verweisen. Das Nachdenken über die Entstehung von Sprache wurde erst in den letzten Jahren erneut aktuell. Die Paläoanthropologie hatte klären können, wo der Prozess der Menschwerdung begann, unter welchen Umständen, in welchen Zeiträumen und Schritten er sich abspielte. Die Neurophysiologie hatte mehr über den Zusammenhang von Gehirn und Sprache in Erfahrung bringen können. Die Erforschung der Kommunikation unter Tieren half wesentlich die besonderen Eigenschaften der menschlichen Sprache genauer zu bestimmen. Auch wenn das Wissen um die Sprachentstehung in der Zeit verloren gegangen ist, so lässt sich eingehender und exakter der Spracherwerb beschreiben und erklären (Zimmer, 1986).
Fest steht, dass die Sprachentwicklung bei kleinen Kindern sich in ganz bestimmten Stufen regelmäßig vollzieht. Allerdings verläuft sie keineswegs bei allen Kindern gleich schnell, der individuelle Spracherwerb zeigt deutliche Variationen (Ptok, 1997). Auf die Erklärung von bestehenden Spracherwerbstheorien möchte ich im Folgenden nicht eingehen. Viel mehr interessierte mich die Sprachentwicklung bei kleinen Kindern, worauf ich auf eine Tonbandaufnahme, die vor 14 Jahren von meiner kleinen Schwester gemacht wurde, zurückgreifen konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spracherwerb
2.1 Der Kontext des Spracherwerbs
2.2 Der Verlauf des Spracherwerbs
2.2.1 Phonetische – phonologische Ebene der Sprachentwicklung
2.2.1 Semantisch – lexikalische Ebene der Sprachentwicklung
2.2.3 Syntaktisch – morphologische Ebene der Sprachentwicklung
2.3 Spracherwerb und Fernsehen
3. Ein praktisches Beispiel
3.1 Einleitung
3.2 CD
3.3 Verschriftung des Hörbeispiels
3.4 Analyse des Hörbeispiels
3.4.1 Analyse der Wortebene
3.4.1.1 Morphologie
3.4.1.2 Syntax
3.4.1.3 Semantik
3.4.2 Analyse der Satzebene
3.4.2.1 Formale Struktur
3.4.2.2 Kommunikative Funktion
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit analysiert den Spracherwerb eines zweijährigen Kindes anhand einer aufgenommenen Interaktionssituation, um den Zusammenhang zwischen natürlichem Spracherwerb und medialen Einflüssen wie dem Fernsehkonsum zu untersuchen.
- Grundlagen der Sprachentwicklung bei Kleinkindern
- Einfluss von Medien auf die Sprach- und Konzentrationsfähigkeit
- Empirische Untersuchung durch Transkription eines Alltagsdialogs
- Analyse auf Wort-, Satz- und Kommunikationsebene
- Beurteilung der Rolle von Interaktion und Kontext für den Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
3.4.1.1 Morphologie
In der Morphologie der Wörter meiner Analyse möchte ich auf die Wortbildung und Verbesserungen, die Frauke durchführt, ansprechen. Ich versuche mir aufgefallene Besonderheiten in der Morphologie ihrer Wörter zu erklären.
Einige Wörter werden/ oder können noch nicht ganz deutlich ausgesprochen werden: Mutz [Mütze], fahrn [fahren], ne [eine], sprink [springt], Slumberlum [Schlummerle], Flugdeug [Flugzeug], ds [das], vola [davon], geh [gehen], ranz [ganz]. Ich nehme das Wort „Fress“ in Zeile 45 nicht mit zu dieser Aufzählung hinzu, da sie den Klang des Wort noch einmal neu bildet, um ihn sich bewusst zu machen.
Sie belässt allerdings nicht alle Wörter in der (für uns falschen) Aussprache, sondern spricht sie im nächsten Moment richtig aus, wie z. B. die Wörter: „das“, „gehen“, „Mütze“ (hier verbessert sie Zweierlei: den Umlaut, und sie fügt das „e“ am Ende noch hinzu, s. Z. 4), oder hat sie bereits vorher schon einmal richtig artikuliert und probiert es noch einmal anders aus, z. B. bei „ganz“, s. Z. 30 zu Z. 51, oder sie fällt sogar wieder in die reduzierte Aussprache zurück, z. B. bei „springt“ in Zeile 27. Letzter Fall kann aber auch eine Überinterpretation meinerseits sein, vielleicht spricht sie das Wort nur nicht deutlich genug oder abgewendet vom Mikrophon aus!
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die historische Suche nach dem Ursprung der menschlichen Sprache und leitet zur Fragestellung über, wie individuelle Sprachentwicklung bei Kindern unter Berücksichtigung einer Tonbandaufnahme verläuft.
2. Spracherwerb: Dieses Kapitel erläutert die Kontexte des Spracherwerbs sowie die phonetischen, semantisch-lexikalischen und syntaktisch-morphologischen Entwicklungsstufen, ergänzt durch eine kritische Betrachtung des Fernsehkonsums.
3. Ein praktisches Beispiel: Das Hauptkapitel dokumentiert eine konkrete Transkriptionsanalyse der Sprachentwicklung der zweijährigen Frauke und untersucht deren Wort- und Satzbildung sowie die kommunikativen Funktionen in sozialen Interaktionen.
Schlüsselwörter
Spracherwerb, Sprachentwicklung, Kleinkind, Kommunikation, Transkription, Morphologie, Syntax, Semantik, Fernsehkonsum, Wortschatz, Ammensprache, Sprachstörung, Sprachfähigkeit, Dialoganalyse, Vorsorgeuntersuchung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Prozess des Spracherwerbs bei Kleinkindern anhand einer Fallstudie, in der ein zweijähriges Kind beim Betrachten einer Tierreportage beobachtet und aufgenommen wurde.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die natürlichen Phasen der Sprachentwicklung (phonetisch, semantisch, syntaktisch), der Einfluss von Medien wie Fernsehen auf die Sprachentwicklung sowie die Bedeutung von elterlicher Interaktion für den Spracherwerb.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, anhand einer Transkription die sprachlichen Fähigkeiten eines Kindes im Alter von knapp 29 Monaten auf Wort- und Satzebene zu analysieren und aufzuzeigen, wie das Kind aktiv mit Sprache experimentiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine qualitative Analyse durchgeführt, basierend auf der Transkription einer Tonbandaufnahme, die durch sprachwissenschaftliche Theorien zur Morphologie, Syntax und Semantik reflektiert wird.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Auswertung des aufgenommenen Hörbeispiels, unterteilt in die morphologische und syntaktische Ebene sowie die Analyse kommunikativer Funktionen im Dialog.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Spracherwerb, Sprachinteraktion, Kleinkind-Kommunikation, Wortneuschöpfungen und mediale Einflüsse auf die Konzentrationsfähigkeit gekennzeichnet.
Welche Rolle spielt die Schwester des Kindes in den Dialogen?
Die Schwester Anne dient dem Kind als primäre Bezugsperson und Orientierungspunkt, da sich das Kind in den Dialogen vorrangig an sie wendet, um Kommentare abzugeben oder Fragen zu stellen.
Warum spielt die Unterscheidung von „Pressen“ und „Fressen“ im Text eine Rolle?
Dieses Beispiel verdeutlicht den Spracherwerb durch Korrektur: Das Kind nutzt eine fehlerhafte Form (Pressen), wird durch den Vater verbessert und lernt so die bedeutungstragende Differenzierung der Laute.
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- Anne Zeller (Author), 2001, Sprachentwicklungsanalyse am Beispiel eines fernsehenden zweijährigen Kindes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9711