In dieser Hausarbeit werde ich mich vor allem den Bildmedien widmen, aber auch den Menschmedien des Kirchenraumes. Als Menschmedien werden Medien bezeichnet, bei denen der Mensch die Rolle des zentralen Trägers der Information einnimmt, zum Beispiel die Predigt oder geistlich - liturgisches Theaterspiel. Analog erklärt sich der Begriff Bildmedium, wobei hier besonders die Glasmalerei, aber auch die Wand- und Tafelmalerei betrachtet werden.5
Außerdem werden auch noch Reliquien sowie der Gesamteindruck der Kathedralen als Medium angesprochen.
Bei der Betrachtung von Kunstwerken, die über 500 Jahre alt sind, seien es Bild- oder Bauwerke, ergibt sich ein Problem. Die oben erwähnte Identität des Zeichenvorrats ist nicht unbedingt gegeben. Es ist nicht gewährleistet, dass man ein Bild tatsächlich so versteht, wie es der Maler zu seiner Zeit gemeint hat, oder dass wir die Bedeutung einer sich in atemberaubende Höhen erstreckenden gotischen Kathedrale mit den Gedanken und Gefühlen wahrnehmen, wie die Baumeister es verstanden wissen wollten. Um sich in die mittelalterliche Gedankenwelt hineinzuversetzen, muss man davon ausgehen, dass sowohl das ‚künstlerische Schaffen′ als auch das alltägliche Leben sehr stark von dem Glauben an Gott geprägt war. 6 Durch die Mitgliedschaft in der Kirche erlangten die Menschen Wissen über Verhaltensnormen, aber es wurde ihnen auch eine Vorstellung vom Sinn und ihrem Platz in Gottes Universum vermittelt.
Die herausragende Bedeutung der Kirche in dieser Epoche wird auch darin deutlich, dass die Geistlichen mit dem Klerus eine der drei gesellschaftlichen Schichten bildeten. Die Gesellschaft war in drei Stände geteilt:
" Die mittelalterliche Ständeordnung beruhte auf der grundlegenden Unterscheidung von Freien und Unfreien, Herrschenden und Dienenden. Auf dieser Basis wurden verschiedene hierarchische, häufig dreigliedrige Ständemodelle entwickelt, z.B. 1. Stand Klerus, 2. Stand Adel, 3. Stand "Volk" [..].7
Das Volk musste sowohl an den Adel als auch an den Klerus hohe Abgaben zahlen und war daher arm. Aber nicht nur die materiellen Mittel waren ungleich verteilt, denn das selbe gilt für Bildung. Die Angehörigen des Klerus sowie einige Adelige besuchten Schulen und konnten daher lesen und schreiben, während die breite Bevölkerung aus Analphabeten bestand.8
Inhaltsverzeichnis
1. Definitionen / Erklärungen
2. Allgemeines / Einführung
3. Kommunikationsmedien der Kirche
3.1 Die Predigt
3.2 Das geistlich - liturgische Theater
3.3 Bilder als Medium: Glas- und Wandmalerei, Tafelmalerei
3.3.1 Techniken der Malerei
3.3.2 Symbolik der mittelalterlichen Bilddarstellungen
3.3.3 Funktionen der Bildmedien
3.4 Baukunst der Kirche
3.5 Reliquien
4. Schlusswort
5. Literaturangaben
Zielsetzung und Themenbereiche
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der verschiedenen Medien der Massenkommunikation im Mittelalter, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf dem Einfluss kirchlicher Bildmedien liegt. Das primäre Ziel besteht darin, die Funktionen dieser Medien innerhalb der Gesellschaft zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie zur Festigung der kirchlichen Macht und zur Vermittlung religiöser Normen eingesetzt wurden.
- Die Funktion der Predigt als Kommunikationsmittel zwischen Klerus und Volk
- Die Entwicklung und Bedeutung des geistlich-liturgischen Theaters
- Die komplexe Symbolsprache mittelalterlicher Bilddarstellungen in Glas- und Wandmalerei
- Die Bedeutung von Kathedralen und Reliquien als Ausdruck von Volksfrömmigkeit und Machtinstrumenten
Auszug aus dem Buch
3.3.2 Symbolik der mittelalterlichen Bilddarstellungen
All diese Bildarten stellten vor allem szenisch narrative Bilderzyklen dar, zum Beispiel bebilderten sie die Heiligengeschichten aus der Bibel, wobei sie häufig auch einen Alltagsbezug herstellten und die Personen zum Teil zeitgemäß darstellten. Für uns ist es heute schwierig, diese Bilder so zu verstehen, wie sie im Mittelalter verstanden wurden, denn sie enthalten eine Vielzahl von Symbolen und Zeichen, die heute nicht mehr gebräuchlich sind. Obwohl fast alle Menschen damals Analphabeten waren, waren sie religiös intensiv geschult und das Wissen um die in den Bildern benutzten Symbole und Zeichen gehörte im Mittelalter zum Allgemeingut.
So ist davon auszugehen, dass das Volk in der Lage war, zum Beispiel die Heiligen an ihren Attributen - das heißt an Gegenständen, die in Zusammenhang mit einer Person dargestellt wurden, und sich auf Ereignisse in ihrem Leben beziehen - zu erkennen oder die Bedeutung der verwendeten Farben zu sehen. Auch konnten sie mit Hilfe des Predigers komplexere Zusammenhänge aus den Darstellungen lesen.
Ich möchte nun kurz auf die Symbolik mittelalterlicher Bildwerke eingehen, um eine Vorstellung davon zu vermitteln, wie komplex die Bildsprache der Darstellungen dieser Epoche war. Die gesamte Vielfalt der Bildsprache kann natürlich nicht vollständig im Rahmen der Hausarbeit dargestellt werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definitionen / Erklärungen: Hier werden grundlegende Begriffe wie Kirche, Kommunikation und das Mittelalter definiert, um eine Basis für die mediale Analyse zu schaffen.
2. Allgemeines / Einführung: Dieses Kapitel erläutert die Bedeutung der Kirche im Mittelalter und führt in die verschiedenen Kategorien der damaligen Medien wie Menschmedien und Bildmedien ein.
3. Kommunikationsmedien der Kirche: Dieser Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Medien der kirchlichen Kommunikation, von der Predigt über das Theater bis hin zur Kunst und Architektur.
3.1 Die Predigt: Es wird die Entwicklung der Predigt und ihre zentrale Rolle als Herrschafts- und Verhaltenssteuerungsmedium zwischen Volk und Klerus beleuchtet.
3.2 Das geistlich - liturgische Theater: Dieses Kapitel beschreibt die Entstehung des Kirchenspiels aus der Liturgie und seine Entwicklung zu einem populären, oft verweltlichten Unterhaltungsspektakel zur religiösen Unterweisung.
3.3 Bilder als Medium: Glas- und Wandmalerei, Tafelmalerei: Hier steht die visuelle Vermittlung biblischer Inhalte im Fokus, wobei Techniken und Funktionen erläutert werden.
3.3.1 Techniken der Malerei: Ein kurzer Überblick über die handwerklichen Verfahren der Glas-, Wand- und Tafelmalerei im kirchlichen Kontext.
3.3.2 Symbolik der mittelalterlichen Bilddarstellungen: Dieses Kapitel entschlüsselt die komplexe Bildsprache aus Tieren, Pflanzen, Farben und Attributen, die den Gläubigen das "Lesen" der Bilder ermöglichte.
3.3.3 Funktionen der Bildmedien: Neben der Wissensvermittlung wird hier der Beglaubigungscharakter und die Funktion der Bilder zur Demonstration von Macht und Gläubigkeit thematisiert.
3.4 Baukunst der Kirche: Die Untersuchung der Kathedralen als imposante Zeugnisse kirchlicher Vormachtstellung und ihre Wirkung auf die Bevölkerung.
3.5 Reliquien: Dieses Kapitel beleuchtet den Kult um Reliquien als Ausdruck von Volksfrömmigkeit und deren Bedeutung für Pilgerbewegungen und Machtdemonstrationen.
4. Schlusswort: Das Fazit fasst zusammen, dass die Medien in einer wechselseitigen Kombination agierten, um die kirchliche Machtposition zu stützen und soziale Normen zu festigen.
5. Literaturangaben: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur zur Arbeit.
Schlüsselwörter
Mittelalter, Kirche, Massenkommunikation, Predigt, Bildmedien, Glasmalerei, Symbolik, Ikonographie, Kirchenspiel, Reliquien, Kathedrale, Volksfrömmigkeit, Herrschaftsmedium, Biblische Geschichten, Sozialisation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Medien der Massenkommunikation, die von der mittelalterlichen Kirche genutzt wurden, um religiöse Lehren zu verbreiten und sozialen Einfluss auszuüben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören die Predigt, das geistlich-liturgische Theater, die christliche Bildkunst, die Baukunst der Kathedralen sowie die Reliquienverehrung.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, wie diese verschiedenen Medien dazu beitrugen, den Glauben zu vermitteln, Verhaltensnormen festzulegen und die Vormachtstellung der Kirche in der Gesellschaft zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von Fachliteratur und historischen Definitionen, um die Funktionen und die Symbolik der kirchlichen Medien im Kontext der mittelalterlichen Gesellschaft zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Menschmedien (Predigt, Theater) und Bildmedien (Glas- und Wandmalerei) sowie die Analyse von sakraler Architektur und Reliquienkult.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Mittelalter, Kirche, Massenkommunikation, Ikonographie, Symbolik, Predigt, Volksfrömmigkeit und religiöse Unterweisung.
Wie half die Symbolsprache der Kirche den Menschen im Mittelalter?
Da die breite Bevölkerung Analphabeten waren, ermöglichte die komplexe Symbolik aus Farben, Tieren und Attributen in den Kirchen, dass die Gläubigen die Heiligengeschichten und biblischen Zusammenhänge "lesen" und verstehen konnten.
Welche Bedeutung hatten Reliquien für die Kirche?
Reliquien dienten der Volksfrömmigkeit, fungierten als Machtsymbole für Herrscher und Städte und waren entscheidende Anziehungspunkte für Pilger, die physischen Kontakt zur Heiligkeit suchten.
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- Daniel Krammer (Author), 2001, Medien der Massenkommunikation in der Kirche im Mittelalter unter besonderer Berücksichtigung der Bildmedien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9720