Diese Arbeit untersucht das Verhältnis von pädagogischen Fachkompetenzen und Handlungskompetenzen zueinander und wie diese das kindliche Spiel in der Krippe beziehungsweise im Kindergarten beeinflussen. Konkret wird die Bedeutung dieser Kompetenzen in Bezug auf die Förderung des kindlichen Spiels erforscht.
Hierbei stellen sich folgende Fragen: Welche Rolle spielt wortwörtlich das kindliche Spiel im vorgestellten Vergleich? Welche Bedeutung hat das Spiel für ein Kind und welche Rolle übernimmt die pädagogische Fachkraft? Wie viel Handeln und Wissen sind für das kindliche Spiel notwendig? Ist es "nur" eine angenehme Nebentätigkeit beziehungsweise ein automatischer Zeitvertreib im Kindergartenalltag?
Ist "Machen" entscheidender als "Wissen"? Oder bleibt es bei dem berühmten Ausspruch von Francis Bacon im Jahr 1613, "Wissen ist Macht"? Schränkt zu viel Wissen das Handeln ein? Kann ohne Wissen überhaupt gehandelt werden? Oder anders gefragt: Wenn nicht gehandelt wird, warum sollte dann Wissen bestehen? Ist das Handeln aus dem Bauch heraus Handeln ohne Wissen? Sieht die Theorie wirklich immer anders aus als die Praxis?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fach- und Handlungskompetenz
2.1. Kompetenzbegriff
2.2. Allgemeines Kompetenz-Modell nach Fröhlich-Gildhoff
2.3. Professionelles Handeln - Handlungskompetenz
3. Das kindliche Spiel
3.1. Formen des kindlichen Spiels
Exploration und Wahrnehmungsspiele
Funktions- und Symbolspiel
Konstruktionsspiel und Als-ob-Spiel
Rollenspiel
3.2. Die Bedeutung des Spiels
3.3. Die Rolle der pädagogischen Fachkraft
4. Vergleich der Bedeutung der Fach- und Handlungskompetenz in Bezug auf die Förderung des kindlichen Spiels
4.1. Wie verhält sich Wissen ohne Handeln?
4.2. Kann ohne Wissen gehandelt werden?
4.3. Schränkt „zu viel“ Wissen das Handeln ein?
4.4. Kann Unwissen den Spieltrieb hemmen?
4.5. Sieht die Theorie wirklich „immer“ anders aus als die Praxis?
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen theoretischem Fachwissen und praktischer Handlungskompetenz von pädagogischen Fachkräften im Kontext der Förderung kindlichen Spiels. Ziel ist es zu ergründen, wie diese Kompetenzen interagieren und ob reflektiertes Wissen für ein professionelles Handeln in der Frühpädagogik unverzichtbar ist.
- Grundlagen des Kompetenzbegriffs und Modelle professionellen Handelns
- Die Entwicklungsbedeutung und Formen des kindlichen Spiels
- Die Rolle der pädagogischen Fachkraft in Spielsituationen
- Vergleich zwischen theoretischem Wissen und intuitiver Praxis
- Reflexion der Kluft zwischen Theorie und pädagogischem Alltag
Auszug aus dem Buch
4.2. Kann ohne Wissen gehandelt werden?
Wenn in der Fachliteratur von Handeln ohne Wissen geschrieben wird, dann fallen Begriffe wie Bauchgefühl, Ahnung, Unterbewusstsein und Intuition. Intuition als „die Intelligenz des Unbewussten liegt darin, dass es, ohne zu denken, weiß, welche Regel in welcher Situation vermutlich funktioniert.“ (Gigerenzer 2007, S.26)
Gigerenzer ergründet wissenschaftlich die Entstehung der Bauchgefühle basierend auf folgenden drei Aspekten in Abhängigkeit des situativen Kontextes. Sogenannte unbewusste, einfache Faustregeln, „die sich die im Zuge der Evolution erworbenen Eigenschaften des menschlichen Gehirns zu eigen machen und auf dem ständigen Austausch mit der Umwelt beruhen“ (Gigerenzer 2007, S.4) sind für die Entstehung der Bauchgefühle verantwortlich. Wiederum stützen sich diese Faustregeln auf evolvierte Fähigkeiten wie zum Beispiel der Blick- und Rekognitionsheuristik. Die Blickheuristik erzeugt eine Lösung, die aufzeigt, wohin beispielsweise ein Baseballspieler laufen muss, um den geworfenen Ball zu fangen. (vgl. Gigerenzer 2007, S.56) Ohne mathematische Berechnung könnte er rational gesehen nicht wissen, wo der Ball landet, aber mit Hilfe der Blickheuristik löst er schnell das Problem und läuft intuitiv meist zum richtigen Punkt. Die Rekognitionsheuristik beruht auf dem Merkmal der partiellen Unwissenheit und vertraut auf das vorhandene, partielle Wissen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die zentrale Forschungsfrage aufgeworfen, ob beim pädagogischen Handeln das „Machen“ entscheidender als das „Wissen“ ist und welche Rolle das kindliche Spiel dabei einnimmt.
2. Fach- und Handlungskompetenz: Dieses Kapitel definiert den Kompetenzbegriff theoretisch und führt das allgemeine Kompetenz-Modell nach Fröhlich-Gildhoff ein, um professionelles Handeln verständlich zu machen.
3. Das kindliche Spiel: Es werden verschiedene Spielformen erläutert sowie die Bedeutung des Spiels für die kindliche Entwicklung und die spezifische Rolle der Fachkraft im Spielgeschehen dargelegt.
4. Vergleich der Bedeutung der Fach- und Handlungskompetenz in Bezug auf die Förderung des kindlichen Spiels: In diesem Hauptteil wird das Zusammenspiel von Wissen und Handeln anhand konkreter Fragestellungen wie Intuition, Überforderung durch zu viel Wissen und der Theorie-Praxis-Kluft analysiert.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Wissen und Handeln sich gegenseitig bedingen und professionelles Handeln in der Kita zwingend reflektiertes Wissen voraussetzt.
Schlüsselwörter
Fachkompetenz, Handlungskompetenz, kindliches Spiel, professionelles Handeln, Kompetenz-Modell, Frühpädagogik, Intuition, pädagogische Fachkraft, Theorie-Praxis-Transfer, Spielentwicklung, Reflexion, Bildungsauftrag, Selbstreflexion, Entwicklungsbegleitung, Bauchgefühl.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit befasst sich mit der kritischen Untersuchung, ob in der pädagogischen Arbeit – insbesondere bei der Förderung kindlichen Spiels – praktisches Handeln („Machen“) wichtiger ist als theoretisches Wissen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind der Aufbau von professioneller Kompetenz, die verschiedenen Phasen und Bedeutungen des kindlichen Spiels sowie das Spannungsfeld zwischen theoretischem Fachwissen und intuitiver Praxis.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, wie Fachkraft-Wissen und konkrete Handlungspraxis ineinandergreifen und warum ein reflektiertes Zusammenspiel für die Qualität der frühpädagogischen Arbeit essentiell ist.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Analyse von Fachliteratur, pädagogischen Modellen (wie dem von Fröhlich-Gildhoff) und psychologischen Theorien (wie dem intuitiven Handeln nach Gigerenzer) basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem direkten Vergleich von Fach- und Handlungskompetenz, wobei Fragen wie der Wert von Intuition, die Bedeutung von Sinn bei der Wissensanwendung und die Überwindung der Theorie-Praxis-Kluft diskutiert werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fachkompetenz, Handlungskompetenz, professionelles Handeln, kindliches Spiel, Reflexion, Intuition und frühpädagogische Entwicklungsbegleitung.
Warum ist laut Autorin Handeln ohne Wissen in der Kita keine Option?
Handeln ohne Wissen ist zwar intuitiv möglich, birgt jedoch das Risiko eines unsicheren und potenziell fehlerbesetzten Handelns, das dem professionellen Bildungs- und Erziehungsauftrag in einer Kindertageseinrichtung nicht gerecht wird.
Inwiefern beeinflusst das „allgemeine Kompetenz-Modell“ das Handeln der Fachkraft?
Das Modell verdeutlicht den Kreislauf professionellen Handelns, in dem Wissen, Haltung und Motivation durch Selbstreflexion und Evaluation ständig neu integriert werden, um situativ angemessen handeln zu können.
- Citar trabajo
- Kathleen Lienig (Autor), 2019, Fachkompetenz vs. Handlungskompetenz im kindlichen Spiel. Ist "Machen" entscheidender als "Wissen"?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/973921