Gedanken bestimmen unser Leben. Mit unseren Gedanken und den Meinungen und Einstellungen, welche möglicherweise hinter ihnen stehen, legen wir unser zukünftiges Handeln fest. Der Zusammenhang zwischen eben diesen Einstellungen und dem darauffolgendem Verhalten, welches ein Mensch ausführt oder aber auch nicht, ist Gegenstand einer Theorie, zu der die vorliegende Arbeit Stellung bezieht.
Ausgehend von der Theorie des begründeten Handelns (theory of reasoned action, Ajzen & Fishbein, 1980) bzw. der Theorie des geplanten Verhaltens (theory of planned behavior, Ajzen, 1985; Aijzen & Madden, 1986) als Erweiterung des Modells untersucht die vorliegende Diplomarbeit den Zusammenhang zwischen Einstellung und Verhalten am konkreten Beispiel des Wettkampfsports.
Dabei sollten zum einen die Konstrukte der Theorien untersucht, v.a. aber sollten Chancen und Grenzen der Nutzung dieser Modelle für die sportpsychologische Praxis aufgezeigt werden.
Neben den Konstrukten der Theorien, welche mit einem eigens für diese Arbeit entwickelten Fragebogen erhoben wurden, schien es nach umfangreicher Literaturrecherche sinnvoll, weitere sozialkognitive Variablen mit in die Untersuchung aufzunehmen. Diese zusätzlich aufgenommenen Variablen Selbstwirksamkeitserwartungen, Handlungskontrolle und Gesundheitsverhalten wurden mit standardisierten, leicht modifizierten Erhebungsinstrumenten untersucht.
Die vorliegende Diplomarbeit behandelt im wesentlichen fünf Aspekte, die jeweils eine gewisse Eigenständigkeit besitzen, die aber auch wichtige Zusammenhänge vermuten lassen. Insofern wurden die einzelnen Bereiche zunächst gesondert ausgewertet, in einem zweiten Schritt jedoch statistisch wie inhaltlich in Beziehung gesetzt. So wurde nacheinander geprüft, ob und in welchem Maße die Konstrukte der Theorie des begründeten Handelns (nachfolgend als TORA bezeichnet) bzw. die Konstrukte der Theorie des geplanten Verhaltens (nachfolgend als TOPB bezeichnet) sowie die zusätzlich aufgenommenen Variablen Selbstwirksamkeitserwartungen, Handlungskontrolle, Gesundheitsverhalten sowie Selbstkonzept einen Einfluss auf die Trainingsmotivation und das Trainingsverhalten von Sportlern/ Sportlerinnen ausüben und welche Vorhersagekraft die einzelnen Variablen auf die Trainingsbereitschaft und das Trainingsverhalten haben. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Vorüberlegungen und Erwartungen
1.2 Zielsetzungen
1.3 Zielgruppe
1.4 Vorgehensweise
2 Theoretischer Teil
2.1 Die Theorie des überlegten Handelns (Ajzen & Fishbein, 1980)
2.1.1 Determinanten der Intention: Einstellung und Subjektive Norm
2.1.2 Determinanten der Einstellungs- und Subjektiven Normkomponente
2.1.2.1 Grundlagen der Einstellungskomponente
2.1.2.2 Grundlagen der Subjektiven Normkomponente
2.1.3 Zusammenfassung des Modells sowie Grenzen der Anwendung
2.2 Die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen ,1985; Ajzen & Madden, 1986)
2.2.1 Die neue Komponente: Wahrgenommene Verhaltenskontrolle
2.2.2 Zwei Einflussmöglichkeiten der neuen Komponente
2.2.3 Determinanten der Wahrgenommenen Verhaltenskontrolle
2.2.3.1 Internale Faktoren
2.2.3.2 Externale Faktoren
2.2.4 Zusammenfassende Betrachtung der Theorie des geplanten Verhaltens
2.3 Sozialkognitive Faktoren
2.3.1 Selbstwirksamkeit
2.3.2 Handlungskontrolle
2.3.3 Gesundheitsverhalten
2.3.4 Selbstkonzept
2.4 Sportpsychologische Inhalte
2.4.1 Zur Bedeutung des Sports in unserer Gesellschaft
2.4.1.1 Modelle und Funktionen des „modernen“ Sports
2.4.1.2 Die Stellung des Sportvereins in der Gesellschaft
2.4.1.3 Der Landessportbund Thüringen e.V. – Bestandserhebung 2001
2.4.2 Psychologische Charakteristika der sportlichen Tätigkeit im Wettkampf
2.5 Zusammenfassende Betrachtung bisheriger Forschungsergebnisse
2.5.1 Studiencharakteristik
2.5.2 Studienergebnisse
2.5.3 Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse
2.6 Abschließende Bemerkungen zur Thematik
3 Methodischer Teil
3.1 Fragestellung und Hypothesen
3.2 Voruntersuchung
3.3 Beschreibung der Stichprobe
3.4 Verwendete Erhebungsverfahren
3.4.1 Fragebogen zur Trainingsmotivation und zum Trainingsverhalten von Sportlern
3.4.2 Selbstwirksamkeitserwartungen zur sportlichen Trainingsaktivität (adaptiert nach Fuchs und Schwarzer, 1994)
3.4.3 HAKEMP – 90 (Kuhl, 1983; Bagozzi & Baumgartner, 1992)
3.4.4 Skalen zur psychischen Gesundheit von Tönnis, Plöhn & Krippendorf, 1985
3.5 Datenerhebung
3.6 Datenaufbereitung
4 Ergebnisse
4.1 Reliabilität der verwendeten Erhebungsverfahren
4.1.1 Reliabilität des Teil A (direkte Maße der TORA/TOPB und Trainingsgewohnheiten, Bewertung des Trainingsverhaltens, Selbstkonzept) des Fragebogens
4.1.2 Reliabilität des Teil B (indirekte Maße der TOPB) des Fragebogens
4.1.3 Reliabilität der Skalen Selbstwirksamkeitserwartungen, Handlungskontrolle und Gesundheitsverhalten
4.2 Validität der verwendeten Erhebungsverfahren
4.2.1 Validität des Teil A (direkte Maße der TORA/TOPB und Trainingsgewohnheiten, Bewertung des Trainingsverhaltens, Selbstkonzept) des Fragebogens
4.2.1.1 Validität der Konstrukte der TORA
4.2.1.2 Validitaät der Konstrukte der TOPB (direkte Maße)
4.2.1.3 Validität der Variablen Trainingsgewohnheiten, Bewertung des eigenen Trainingsverhaltens und Selbstkonzept
4.2.2 Validität des Teil B (indirekte Maße der TOPB) des Fragebogens
4.2.3 Validität des Teil C (Selbstwirksamkeitserwartungen) des Fragebogens
4.2.4 Validität des Teil D(Handlungskontrolle) des Fragebogens
4.2.5 Validität des Teil E (Gesundheitsverhalten) des Fragebogens
4.3 Zusammenhänge zwischen des Konstrukten der Modelle TORA, TOPB und den zusätzlich aufgenommenen Variablen
4.3.1 Korrelationsanalyse der Konstrukte der TORA bzw. der direkt zu erhebenden Maße der TOPB
4.3.2 Korrelationsanalyse der indirekt erhobenen Maße der TOPB
4.3.3 Korrelationsanalyse der zusätzlich aufgenommenen Variablen
4.4 Regressionsanalyse
4.4.1 Regressionsanalyse für das Trainingsverhalten 1
4.4.2 Regressionsanalyse für das Trainingsverhalten 2
4.4.3 Regressionsanalyse für die Intention (Trainingsabsicht)
4.5 Lineare Strukturgleichungsmodelle
4.5.1 Linearer Strukturgleichungsansatz zur Beschreibung des Konstruktes Trainingsverhalten
4.5.2 Linearer Strukturgleichungsansatz zur Beschreibung des Konstruktes Intention
4.6 Zusammenfassende Betrachtung der zu prüfenden Hypothesen
5 Diskussion
5.1 Beantwortung der Fragestellung und Überprüfung der Hypothesen
5.2 Kritische Stellungnahme zur Untersuchung und Ausblick
6 Zusammenfassung
7 Literaturverzeichnis
8 Anhang
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Einstellung, Motivation und Trainingsverhalten bei Wettkampfsportlern auf Basis der Theorie des begründeten Handelns (TORA) und der Theorie des geplanten Verhaltens (TOPB), ergänzt durch sozialkognitive Einflussfaktoren.
- Analyse der Anwendbarkeit von TORA und TOPB im Wettkampfsport
- Untersuchung der Vorhersagekraft für Trainingsmotivation und -verhalten
- Einbeziehung sozialkognitiver Variablen wie Selbstwirksamkeit, Handlungskontrolle und Selbstkonzept
- Evaluation der Chancen und Grenzen dieser Modelle in der sportpsychologischen Praxis
- Empirische Überprüfung an 141 Thüringer Wettkampfsportlern
Auszug aus dem Buch
Die neue Komponente: Wahrgenommene Verhaltenskontrolle
Die Erweiterung der Theorie bezieht sich auf die Komponente Wahrgenommene Verhaltenskontrolle (perceived behavioral control). Diese hinterfragt, inwieweit das Verhalten, welches vorhergesagt werden soll, überhaupt von der handelnden Person uneingeschränkt kontrolliert werden kann. Die neue Komponente soll dabei die Verhaltensintention sowie das Verhalten selbst determinieren.
Im Unterschied zur Theorie des überlegten Handelns sagen Intentionen im neuen Modell „nur“ den Versuch, ein Verhalten auszuführen vorher, nicht jedoch notwendigerweise die tatsächliche Verhaltensausführung.
Entscheidend für eine Verhaltensvoraussage ist das Wissen um die wahrgenommene Kontrolle der Person über ihr Verhalten sowie die tatsächliche Ausführung des Verhaltens. Während die tatsächliche Verhaltenskontrolle nur sehr schwer zu ermitteln ist, beschreibt die Wahrgenommene Verhaltenskontrolle die Überzeugung einer Person, wie leicht oder wie schwierig ein Verhalten für sie auszuüben ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung von Motivationsmodellen im Kontext des Wettkampfsports.
2 Theoretischer Teil: Dieses Kapitel beschreibt die theoretischen Grundlagen der TORA und TOPB sowie ergänzende sozialkognitive Konzepte und deren bisherige Anwendung im Sport.
3 Methodischer Teil: Hier werden das Forschungsdesign, die Stichprobe der Thüringer Sportler, die Erhebungsinstrumente und die statistischen Auswertungsverfahren detailliert dargestellt.
4 Ergebnisse: Dieser Abschnitt präsentiert die statistischen Analysen zur Reliabilität und Validität der Erhebungsverfahren sowie die Korrelations- und Regressionsanalysen der untersuchten Konstrukte.
5 Diskussion: In diesem Kapitel werden die Ergebnisse interpretiert, Hypothesen überprüft und eine kritische Auseinandersetzung mit der Untersuchung sowie ein Ausblick gegeben.
6 Zusammenfassung: Dieses Kapitel bietet einen kompakten Überblick über die gesamte Arbeit, die angewandten Methoden und die zentralen Erkenntnisse der Studie.
Schlüsselwörter
Trainingsmotivation, Trainingsverhalten, Wettkampfsport, Theorie des geplanten Verhaltens, TOPB, TORA, Selbstwirksamkeit, Handlungskontrolle, Selbstkonzept, Gesundheitsverhalten, Sportpsychologie, Verhaltensvorhersage, Intention, Kausalmodelle, Strukturgleichungsmodelle.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie psychologische Modelle der Verhaltensvorhersage – spezifisch die Theorie des geplanten Verhaltens – genutzt werden können, um die Trainingsmotivation und das tatsächliche Training von Wettkampfsportlern zu erklären.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Einstellungs- und Verhaltensforschung im sportpsychologischen Kontext, die Überprüfung von Motivationsmodellen sowie die Erfassung sozialkognitiver Variablen wie Selbstwirksamkeit und Handlungskontrolle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu prüfen, inwieweit die Konstrukte der Theorie des geplanten Verhaltens und zusätzliche sozialkognitive Variablen in der Lage sind, die Trainingsabsicht und das tatsächliche Trainingsverhalten bei Sportlern vorherzusagen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer quantitativen, schriftlichen Befragung von 141 Wettkampfsportlern, deren Daten mittels statistischer Verfahren wie Korrelations-, Regressions- und Strukturgleichungsanalysen ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Verhaltensmodelle, die methodische Darstellung der Stichprobe und Fragebögen, die Präsentation der statistischen Ergebnisse sowie deren ausführliche Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Trainingsmotivation, TOPB, Selbstwirksamkeit, Wettkampfsport und Verhaltensvorhersage charakterisieren.
Warum wurde gerade die Zielgruppe der Kampfsportler gewählt?
Die Auswahl der Sportarten (Boxen, Fechten, Ringen, Taekwondo) erfolgte, weil diese Sportarten im Team trainierbar sind, aber eine hohe Eigenständigkeit und die spezifische Herausforderung des unmittelbaren Zweikampfes erfordern.
Welche Bedeutung hat das Ergebnis für die Praxis?
Die Arbeit liefert Ansätze für Trainer und Sportlehrer, um Trainingsabläufe effektiver zu gestalten und durch das Verständnis psychologischer Einflussfaktoren die Leistungsbereitschaft der Athleten gezielter zu unterstützen.
- Quote paper
- Stev Brauner (Author), 2001, Trainingsmotivation und Trainingsverhalten von Sportlern - Die Theorie des geplanten Verhaltens und sozialkognitive Faktoren, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/9742