Vor dem Hintergrund, dass regulatorische Hürden die Unternehmensnachfolge deutscher Fa-milienunternehmen zunehmend erschweren und die Anzahl der zur Übernahme anstehenden Unternehmen aufgrund des demografischen Wandels steigt, untersucht die vorliegende Arbeit die Auswirkungen der regulatorischen Rahmenbedingungen auf die Nachfolgebereitschaft. Vorhergehende Forschung wurde zu den regulatorischen Rahmenbedingungen von Familien-unternehmen und der Unternehmensnachfolge jeweils durchgeführt. Mit gleichzeitiger Anwen-dung der Institutionentheorie und der Theorie des sozioemotionalen Wohlstands (SEW) werden Transaktionskosten, die aufgrund der regulatorischen Rahmenbedingungen anfallen und diver-gierende Kaufpreisvorstellungen zwischen Seniorinhabern und potenziellen Nachfolger verur-sachen können, untersucht. Zur Beantwortung der Forschungsfrage wurden mit insgesamt 13 Experten teilstrukturierte Leitfadeninterviews geführt. Die hieraus gewonnenen Erhebungser-gebnisse werden zusammenhängend mit den bisherigen Forschungsergebnissen dargestellt und diskutiert. Die belastende Wahrnehmung und der zusätzliche Aufwand können nicht-finanzielle Kosten verursachen und die Kaufpreisvorstellung des Seniorinhabers erhöhen. Um nicht-finan-zielle Kosten zu vermeiden, nehmen Seniorinhaber eine geringere ökonomische Attraktivität des Unternehmens in Kauf. Für zukünftige Forschungsansätze ist eine Kombination einer quan-titativen und qualitativen Forschung empfehlenswert, um die Bedeutung dieser Erkenntnisse zu analysieren und die Praxisnähe weiterhin zu gewährleisten. Eine Verbesserung der Zusammen-arbeit zwischen Organisationen, Mittelstandspolitik, Kammern und Familienunternehmern so-wie Angebote von problemorientierten Unterstützungsmaßnahmen kann die Nachfolgebereit-schaft langfristig fördern.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition zentraler Begriffe und Literaturbestandsaufnahme
2.1 Definition zentraler Begriffe
2.2 Literaturbestandsaufnahme
3 Konzeptioneller Rahmen und Herleitung der Forschungsfrage
3.1 Konzeptioneller Rahmen
3.2 Herleitung der Forschungsfrage
4 Qualitative, empirische Untersuchung
4.1 Methodik und Stichprobenauswahl
4.2 Aufbau und Durchführung der Interviews
4.3 Zusammenfassung der Ergebnisse
4.3.1 Experteninterviews mit Familienunternehmern
4.3.2 Interviews mit Experten bestimmter Fachgebiete
5 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen regulatorischer Rahmenbedingungen auf die Nachfolgebereitschaft in deutschen Familienunternehmen. Ziel ist es, durch eine qualitative Analyse von Experteninterviews ein tieferes Verständnis dafür zu entwickeln, wie bürokratische Anforderungen und steuerliche Aspekte das unternehmerische Verhalten der Seniorinhaber sowie die Entscheidungsprozesse potenzieller Nachfolger beeinflussen.
- Regulatorische Rahmenbedingungen und deren Wahrnehmung durch Familienunternehmer
- Konzeptioneller Rahmen basierend auf Institutionentheorie und Theorie des sozioemotionalen Wohlstands (SEW)
- Analyse der Kaufpreisvorstellungen und deren Einfluss auf die Nachfolgebereitschaft
- Qualitative Auswertung von Experten- und Unternehmerinterviews zur Identifikation von Hürden im Nachfolgeprozess
Auszug aus dem Buch
4 Qualitative, empirische Untersuchung
Eine empirische Erhebung und Ausarbeitung ermöglicht eine weitrechende Beantwortung der Forschungsfrage. In Kapitel 4.1 werden die ausgewählte Methodik sowie die Stichprobenauswahl begründet und beschrieben. Kapitel 4.2 fasst den Aufbau und die Durchführung der Interviews zusammen. Die Ergebnisse aus den Experteninterviews mit Familienunternehmern (siehe Kapitel 4.3.1) und Experten bestimmter Fachgebiete (siehe Kapitel 4.3.2) werden getrennt dargestellt.
4.1 Methodik und Stichprobenauswahl
Die empirische Sozialforschung unterscheidet sich zwischen der quantitativen und qualitativen Methodik. Für die Suche nach Kausalzusammenhängen ist eine quantitative Methodik anzuwenden. Dementgegen muss zur vollständigen Beantwortung der Forschungsfrage, dessen Fokus auf der Vermittlung zwischen Ursache und Wirkung liegt, muss auf eine andere Forschungsmethode zurückgreifen. Somit bietet sich im Rahmen dieser Arbeit ein qualitativer Ansatz an. Die qualitative Untersuchungsmethodik eignet sich zur Analyse eines Forschungsfeldes, das bestimmten Kontextbedingungen unterliegt (Gläser & Laudel, 2010, S. 26). Gleichzeitig wird der Bezug zur Praxis gewährleistet (Mayring, 2016, S. 81). Familienunternehmen bieten einen vielfältigen Kontext für qualitative Untersuchungen an. Ein qualitativer Forschungsansatz für die Untersuchung von familienunternehmensspezifischen Prozessen, Rahmenbedingungen und unternehmerischen Verhalten ist notwendig (Fletcher et al., 2015). Auf Basis mehrerer Fälle untersucht die ausgewählte Methodik die Ursachen- und Wirkungsidentifikation. So werden weitreichende Informationen zu den Rahmenbedingungen des Mechanismus gewonnen. Aus den Ergebnissen lassen sich jedoch keine Aussagen über die Signifikanz ihrer Auswirkungen treffen (Gläser & Laudel, 2010, S. 26). Die Auswahl der qualitativen Methodik begründet sich durch den explorativen Charakter der Forschungsfrage (Mayring, 1991, S. 213). Zur Gewinnung detaillierter Informationen über den Sachverhalt, werden Interviews mit ausgewählten Experten geführt. Experten zeichnen sich durch ihre Nähe zum Forschungsfeld aus (Gläser & Laudel, 2010, S. 12f.). Eine Untersuchung mehrerer Perspektiven zu einem bestimmten Themenfeld ermöglicht eine ausführliche Beantwortung der Forschungsfrage (Flick, 2016, S. 115). Alle Experteninterviews fanden in Form von halbstandardisierten Leitfadeninterviews statt. Vorformulierte Leitfragen dienen zur Orientierung und sind dem Gesprächsverlauf anzupassen (Lamnek & Krell, 2016, S. 328). In einem halbstandardisierten Leitfadeninterview sind Fragewortlaut, Reihenfolge der Leitfragen und Antwortmöglichkeit nicht vorgegeben (Gläser & Laudel, 2010, S. 41f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die wirtschaftliche Bedeutung von Familienunternehmen in Deutschland und führt in die Problematik der Unternehmensnachfolge sowie regulatorischer Hürden ein.
2 Definition zentraler Begriffe und Literaturbestandsaufnahme: Dieses Kapitel definiert essenzielle Begriffe wie regulatorische Rahmenbedingungen und Unternehmensnachfolge und bietet einen systematischen Überblick über den aktuellen Forschungsstand.
3 Konzeptioneller Rahmen und Herleitung der Forschungsfrage: Hier werden die theoretischen Grundlagen, insbesondere die Institutionentheorie und die Theorie des sozioemotionalen Wohlstands, dargelegt, um daraus die zentrale Forschungsfrage abzuleiten.
4 Qualitative, empirische Untersuchung: Dieses Kapitel erläutert das methodische Vorgehen, die Stichprobenauswahl und die Durchführung der Experteninterviews sowie die anschließende Auswertung der gewonnenen Daten.
5 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse: Die Ergebnisse aus den Interviews werden kritisch analysiert, interpretiert und in den Kontext der vorhandenen Literatur gestellt, um die Auswirkungen regulatorischer Anforderungen auf die Nachfolgebereitschaft aufzuzeigen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammen, erläutert Limitationen der Studie und gibt Empfehlungen für die zukünftige Forschung sowie die unternehmerische Praxis.
Schlüsselwörter
Unternehmensnachfolge, Familienunternehmen, Regulatorische Rahmenbedingungen, Nachfolgebereitschaft, Sozioemotionaler Wohlstand, SEW, Bürokratie, Transaktionskosten, Institutionentheorie, Mittelstand, Unternehmensführung, qualitative Forschung, Experteninterview, Kaufpreisvorstellung, Nachfolgeplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie regulatorische Rahmenbedingungen, wie Gesetze und bürokratische Auflagen, die Unternehmensnachfolge in deutschen Familienunternehmen beeinflussen und welche Rolle sie bei der Nachfolgebereitschaft spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Definition und Bedeutung von Familienunternehmen, die verschiedenen Phasen des Nachfolgeprozesses, die Auswirkungen regulatorischer Vorgaben auf betriebliche Kosten und die emotionale Komponente der Unternehmensübergabe.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, zu analysieren, wie sich regulatorische Rahmenbedingungen auf die Nachfolgebereitschaft auswirken, um darauf aufbauend Implikationen für die Forschung und Praxis zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden insgesamt 13 Experten, darunter Familienunternehmer und Fachleute von Kammern, in teilstrukturierten Leitfadeninterviews befragt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine theoretische Fundierung mittels Institutionentheorie und SEW-Theorie sowie die Durchführung und Auswertung der qualitativen Interviews, die Einblicke in die Wahrnehmung bürokratischer Belastungen geben.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Unternehmensnachfolge, Familienunternehmen, Regulatorische Rahmenbedingungen, Nachfolgebereitschaft, SEW, Bürokratie, Transaktionskosten und qualitative Forschung.
Warum beeinflussen regulatorische Anforderungen die Kaufpreisvorstellungen?
Regulatorische Anforderungen können als Transaktionskosten wahrgenommen werden, die Unsicherheit stiften und den Arbeitsaufwand erhöhen, was Seniorinhaber dazu veranlassen kann, ihre Kaufpreisforderungen anzupassen, um den emotionalen und zeitlichen Einsatz zu kompensieren.
Welche Rolle spielt die emotionale Bindung beim Nachfolgeprozess?
Die Bindung wird durch das Konzept des sozioemotionalen Wohlstands (SEW) erklärt. Familienunternehmer priorisieren den Erhalt dieses Wohlstands oft gegenüber ökonomischen Gewinnen, was die Nachfolgelösung sowie das unternehmerische Handeln maßgeblich prägt.
- Arbeit zitieren
- Natalie Welch (Autor:in), 2020, Unternehmensnachfolge in Familienunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974460