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Die Sachsenkriege Karls des Großen. Wie der Zweck die Mittel heiligte

Title: Die Sachsenkriege Karls des Großen. Wie der Zweck die Mittel heiligte

Term Paper , 2020 , 18 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Kevin Weigt (Author)

History of Europe - Middle Ages, Early Modern Age
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„Kein anderer Krieg ist von den Franken mit ähnlicher Ausdauer, Erbitterung und Mühe geführt worden wie dieser.“
Mit diesen Worten charakterisierte Einhard, der Hofbiograph Karls des Großen, die Sachsenkriege in seiner vielzitierten „Vita Karoli Magni“. Ohne Zweifel, mit einer Gesamtdauer von knapp über 30 Jahren, die für die Eroberung Sachsens benötigt wurde, beschäftigten den Frankenkönig die nördlichen Nachbarn praktisch seine gesamte Regierungszeit. Die Einnahme der Eresburg sowie die Zerstörung der Irminsul, einer heidnischen Kultstätte in Gestalt einer Baumsäule, im Sommer 772, bildeten den Auftakt der grausamen und blutigen Sachsenkriege, als die sie in die Geschichte eingegangen sind. Den Höhepunkt der langwierigen Auseinandersetzungen markierte das Blutbad bei Verden an der Aller 782, an dem allein, wenngleich die Zahl eine maßlose Übertreibung der Reichsannalen darstellt, 4500 sächsische Rädelsführer hingerichtet wurden. Noch im Jahr 804 musste Karl, zu diesem Zeitpunkt schon Kaiser, ein letztes Mal vehement in Sachsen intervenieren, bevor der Gegner endgültig besiegt und unterworfen wurde.

Aus dem hier kurz skizzierten Verlauf, den es im zweiten Kapitel näher zu betrachten gilt, ergibt sich zwangsläufig die Frage, warum Karl unter allen Umständen und unter bewusster Inkaufnahme eines enormen Verlustes – sowohl an Menschen als auch an Ressourcen – die Intention verfolgte, das benachbarte Volk der Sachsen zu besiegen. Um diese Frage klären zu können, darf man den Konflikt nicht bloß vor dem Hintergrund der Profanpolitik betrachten, sondern muss die religionspolitische Komponente, welche die entscheidendere war, miteinbeziehen. Karl der Große verstand sich nämlich nicht bloß als Kriegskönig, wie es auch für alle anderen frühmittelalterlichen Könige typisch war, sondern sah sich ferner als Beschützer bzw. Anführer der Christenheit, respektive als von Gott eingesetzter Herrscher, dem es oblag, den Glauben zu verteidigen. Unter Betrachtung dieses Sachverhalts lässt sich das Handeln des Frankenkönigs besser nachvollziehen. Eine Niederlage gegen die paganen Sachsen hätte den Eindruck erweckt, dass er die Gunst Gottes nicht mehr länger erhielt und somit kein legitimer König mehr war, was ihn die Unterstützung des fränkischen Volkes und seines Heeres gekostet hätte.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Skizzierung des Verlaufs

3 Die Sachsenkriege vor dem Hintergrund der Christianisierung

3.1 Die Rolle der Christianisierung beim 1. Feldzug

3.2 Karl der Große als Beschützer und Anführer der Christenheit

3.3 Die Capitulatio de partibus Saxoniae

4 Fazit und Ausblick

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Sachsenkriege Karls des Großen unter besonderer Berücksichtigung der religiösen Komponente der Christianisierung, um die Unerbittlichkeit und die Strategie der fränkischen Kriegsführung historisch einzuordnen und nachvollziehbar zu machen.

  • Historische Analyse der Motive für die sächsischen Feldzüge unter Karl dem Großen
  • Diskussion über die Rolle der Christianisierung als politisches und religiöses Ziel
  • Untersuchung des Selbstverständnisses Karls als Beschützer der Christenheit
  • Analyse der rechtlichen Instrumente wie der Capitulatio de partibus Saxoniae
  • Einordnung der sächsischen Widerstände und der Rolle des Widukind

Auszug aus dem Buch

Die Rolle der Christianisierung beim 1. Feldzug

Kaum eine andere Frage hinsichtlich der Sachsenkriege wird so kontrovers diskutiert wie die Rolle des ersten Feldzugs im Sommer 772. Laut Stefan Weinfurter gelte es zwei Faktoren zu beachten, die den Konflikt mit den Sachsen per se von anderen Kriegen Karls des Großen unterschieden. An erster Stelle führt er an, dass es weder einen Hilferuf von Seiten des Papstes noch einen König, der zu beseitigen gewesen wäre, gegeben habe. Zum anderen sei ein enormer Verlust von Menschen und Ressourcen über 30 Jahre hinweg bewusst in Kauf genommen worden. Weiterhin schreibt er, dass man den Worten Einhards zufolge, nach dem „Mord, Raub und Brandstiftungen [...] auf beiden Seiten kein Ende [nahmen]“ die Auffassung gewinnen könne, dass der erste Kriegszug eine reine Strafexpedition, wie sie schon zu Zeiten seines Vaters und Großvaters vorkam, war. Allerdings räumt Weinfurter hier ein, dass mit der Irminsul immerhin ein überaus wichtiges Kultzentrum der Sachsen zerstört wurde, was nicht zuletzt deswegen von Bedeutung sei, weil Heiligtümer im Mittelpunkt der sächsischen Lebensordnung gestanden hätten und man sie somit empfindlich getroffen habe. Die Zerstörung der Irminsäule sollte nach dessen Auffassung die Sachsen demütigen und auf der einen Seite zur Demonstration der Schwäche ihrer eigenen paganen Götter, die diese Niederlage nicht abwenden konnten, und zum anderen der Demonstration der Stärke des Christengottes dienen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Sachsenkriege ein, charakterisiert deren Dauer und Brutalität und stellt die zentrale Forschungsfrage nach der Motivation Karls unter Einbeziehung der Religionspolitik.

2 Skizzierung des Verlaufs: Das Kapitel gibt einen historischen Abriss der Feldzüge, beleuchtet die Rolle der Vorgänger Karls und analysiert die einseitige Quellenlage der fränkischen Berichterstattung.

3 Die Sachsenkriege vor dem Hintergrund der Christianisierung: Hier wird detailliert diskutiert, inwiefern die Christianisierung das primäre Ziel war oder ob der Krieg als Eskalation entstand.

3.1 Die Rolle der Christianisierung beim 1. Feldzug: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den unterschiedlichen Forschungsmeinungen auseinander, ob bereits 772 eine konkrete Missionsabsicht bestand.

3.2 Karl der Große als Beschützer und Anführer der Christenheit: Es wird untersucht, wie Karl seine Macht legitimierte und inwieweit das Taufgelöbnis und die Abkehr von heidnischen Göttern zentral für die Integration waren.

3.3 Die Capitulatio de partibus Saxoniae: Das Kapitel analysiert das Sondergesetz, das heidnische Riten unter Todesstrafe stellte, und bewertet die drakonischen Maßnahmen sowie den Widerstand der Sachsen.

4 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die religiöse Komponente für Karl entscheidend war und die Integration der Sachsen ein wesentliches Fundament der späteren deutschen Geschichte bildete.

Schlüsselwörter

Sachsenkriege, Karl der Große, Christianisierung, Irminsul, Widukind, Capitulatio de partibus Saxoniae, Religionspolitik, Frankenreich, Frühmittelalter, Missionierung, Apostatenrecht, Einhard, Reichsannalen, Integration, heidnische Riten

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die langjährigen Sachsenkriege unter Karl dem Großen und beleuchtet insbesondere die Frage, warum der Zweck der Christianisierung die oft brutalen Mittel der Kriegführung rechtfertigte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Rolle der Christianisierung, die historische Eskalation der Konflikte, das Selbstverständnis des Frankenkönigs als Schutzherr der Kirche sowie die rechtlichen Maßnahmen zur sächsischen Unterwerfung.

Was ist die primäre Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage konzentriert sich darauf, inwieweit das Ziel der Christianisierung die Politik Karls des Großen in Bezug auf die Sachsenkriege beeinflusste und ob dies bereits den ursprünglichen Beweggrund darstellte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse zeitgenössischer Berichte (wie den Reichsannalen und Einhards Vita Karoli) sowie dem Abgleich aktueller wissenschaftlicher Forschungsmeinungen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden der Verlauf der Kriege, die Debatte um die Missionsabsichten des ersten Feldzugs, Karls Rolle als Beschützer der Christenheit und die Bedeutung der Capitulatio de partibus Saxoniae detailliert untersucht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Begriffen zählen Sachsenkriege, Christianisierung, Karl der Große, Widukind, Capitulatio de partibus Saxoniae und historische Eskalation.

Welche Rolle spielte der "Blutbad von Verden" für die Argumentation des Autors?

Der Autor nutzt das Blutbad von Verden als Beispiel für die rigorose Gewaltbereitschaft Karls, die im Kontrast zu seinem Anspruch als christlicher Herrscher steht, zeigt aber auch die Quellenproblematik hinsichtlich der Opferzahlen auf.

Warum wird die Rolle des Widukind in dieser Arbeit hervorgehoben?

Widukind wird als der große Antagonist Karls dargestellt, dessen Widerstand erst mit der Zwangstaufe 785 gebrochen werden konnte, was für den Autor den Stellenwert des sächsischen Widerstandes symbolisiert.

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Details

Title
Die Sachsenkriege Karls des Großen. Wie der Zweck die Mittel heiligte
College
University of Koblenz-Landau  (Geschichte)
Course
Proseminar: Die frühmittelalterlichen Wurzeln Europas
Grade
1,3
Author
Kevin Weigt (Author)
Publication Year
2020
Pages
18
Catalog Number
V974487
ISBN (eBook)
9783346322463
ISBN (Book)
9783346322470
Language
German
Tags
Sachsenkriege Karl der Große
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kevin Weigt (Author), 2020, Die Sachsenkriege Karls des Großen. Wie der Zweck die Mittel heiligte, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974487
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