Der Index für Inklusion als Handlungs- und Organisationsinstrument zur Stärkung der Vielfalt in frühpädagogischen Einrichtungen


Essay, 2020

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Intention der Arbeit, Einleitung

2. Inklusion - Stärkung der Vielfalt
2.1 Phasen im Inklusionsprozess
2.2 Die Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention durch den Index für Inklusion

3. Inhaltliche Elemente und Strukturen des Index für Inklusion
3.1 Indikatoren und Fragen im Indexprozess
3.2 5 Phasen im Indexprozess

4. Anwendung und Bedeutung des Index für Inklusion in Kindertageseinrichtungen

5. Kritische Auseinandersetzung - Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Intention der Arbeit, Einleitung

Um Entstehung und Eigenschaften des Index für Inklusion als Handlungs- und Organisationsinstrument aufzuzeigen legt die Arbeit- aufbauend auf unserem Seminar „Inklusion und Behinderung“ - dessen Definitionen der bekannten Umgangstendenzen zugrunde, zeigt Entstehung, Aufbau und Ziele des Index für Inklusion auf und versucht zu einem Fazit zu kommen, ob er als Handlungs- und Organisationsinstrument die Vielfalt in frühpädagogischen Einrichtungen stärken kann.

Die Arbeit orientiert sich am Index selbst in seiner deutschsprachigen Ausgabe aus dem Januar 2006. Ergänzend lese ich Quellen, die sich intensiv, beispielsweise im Rahmen seiner Übersetzung, mit ihm beschäftigt haben.

Fachkräfte in der Pädagogik, Politik und Wirtschaft werden in ihrem beruflichen Alltag damit konfrontiert, dass es nur bei beständiger Aufklärungsarbeit und gelebter Wertschätzung einen Haltungs- und Wertewandel geben kann, welchen eine Gesellschaft benötigt, um inkludierende Schritte praktisch umzusetzen. Das hierfür in der Fachliteratur angeführte Standardbeispiel ist - zumindest in einigen Bundesländern - eine Zunahme anstatt Abnahme von sonderpädagogischen Förderplätzen seit Inkrafttreten der Aktionspläne.

Es bleibt abzuwarten, ob ein vermehrter Einsatz des Index für Inklusion in frühpädagogischen Einrichtungen den erwünschten Abbau zugunsten der Inklusion bewirken kann. Zum Zeitpunkt des Essays sind Tendenzen erkennbar, zumindest in Rheinland- Pfalz hierfür mehr Personal und Mittel bereitzustellen.

2. Inklusion - Stärkung der Vielfalt

Es gibt unterschiedliche Ansätze für Inklusion. Sie alle können jeweils daraufhin überprüft werden, wie sie mit Unterstützung des Index für Inklusion in die Praxis von Kindertageseinrichtungen umgesetzt werden können. (vgl. Booth, 2006)

Der Index für Inklusion berücksichtigt alle Aspekte der Erziehung in Kindertagesein­richtungen, ihre planbaren Aktivitäten und Räumlichkeiten gleichermaßen für die beteiligten Kinder und Erwachsenen. Hierbei stehen die Beziehungen und Interaktionen zwischen den PraktikerInnen, Kindern und Familien im Mittelpunkt. (vgl. Heimlich Ulrich, 2009)

Der Index fokussiert sich nicht auf die Anwendung bei Kindern mit pädagogischem Förderbedarf. Er soll klar die Partizipation aller am Prozess der Inklusion und damit an gelebter Vielfalt fördern. Das macht ihn gut übertragbar auf viele andere Bereiche sozialer Arbeit und menschlichen Zusammenlebens.

2.1 Phasen im Inklusionsprozess

Die Phasen im Inklusionsprozess sind auch als Qualitätsstufen der Behindertenpolitik in den Gesellschaften ablesbar. Zwar findet in manchen Quellen eine Vermischung der 5 Phasen des Index mit den Phasen im Inklusionsprozess statt, indem die Indexphasen als Inklusionsphasen bezeichnet werden. In diesem Essay soll jedoch klar unterschieden und die Indexphasen sollen nicht mit den Inklusionsphasen gleichgesetzt werden. Die Phasen im Inklusionsprozess beziehen sich auf das Stufenmodell, welches 1997 von Bürli entwickelt wurde. Sander und Hinz haben es 2004 und 2008 überarbeitet, und es ist recht verbreitet.

Das Stufenmodell beinhaltet ursprünglich 4 „Entwicklungsphasen der Sonderpädagogik“, welche als Exklusion, Separation, Integration und Inklusion definiert sind. Manche Quellen fügen eine fünfte Phase - die der Extinktion - hinzu. Bei den Definitionen handelt es sich um rechtstheoretische Beschreibungen von Entwicklungsprozessen anhand individueller und gesellschaftlicher Denk- und Handlungsmuster. Im Folgenden gebe ich zu jedem Muster historische Beipiele aus verschiedenen sozialen Bereichen, da dies verdeutlicht, an welchen Stellschrauben der Index für Inklusion mit seinen Kategorien und Fragen ansetzt.

Die Behindertenpolitik- und -pädagogik hat in Form der Euthanasie des Nationalsozialismus die Extinktion, die Auslöschung alles Fremdartigen praktiziert. Heute finden sich Entsprechungen dieser Denkart in der umstrittenen Ethik des Präferenz­Utilitarismus, deren Vertreter beispielsweise hinterfragen, ob die Gesellschaft Neugeborene mit Schwerstbehinderungen ihr Recht auf Leben bedingungslos zugestehen beziehungsweise sie mit Apparatemedizin am Leben erhalten soll.

Als weitere betroffene Bereiche in Folge einer extinktiven Denkweise könnte man die Pränataldiagnostik oder Gentechnik anführen, falls sich bei bestimmten Diagnosen Mediziner berufen fühlen, zur Tötung eines Fötus zu raten.

Die Phase der Exklusion erfuhren bereits Kinder mit Behinderungen in Form einer „Befreiung“ von der Schulpflicht - und damit Ausschluss aus dem Bildungs- und Erziehungssystem aufgrund attestierter Bildungsunfähigkeit. Weltweit bedeutet das ab dem Jahr 2000 etwa für 90 Prozent aller Kinder mit Behinderung eine ausschließliche „Verwahrung“ im Familienkreis, in Einrichtungen der Sonderpädagogik oder der Pflege.

In der Phase der Segregation besuchen behinderte Kinder eine öffentliche oder private Schule, jedoch keine Regelschule. Erste Sonderschulregelungen gab es seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. (vgl. Wocken, 2010)

In der Phase der Integration kann eine Regelschule die Offenheit bieten, Kinder mit Behinderungen unter bestimmten Bedingungen aufzunehmen. Die Kinder haben eine Diagnose und sind damit gesellschaftlich etikettiert. Zudem unterliegt ihre Integration den heilpädagogischen Standards, welche die Regelschule als System nicht anbieten kann, weshalb sie in verschiedene kooperative Therapieformen eingebunden und damit nur teilintegriert sind.

In der Phase der Inklusion ist Vielfalt normal. Alle Kinder sind einzigartig und damit ist Andersartigkeit gleichzusetzen mit selbstverständlicher Individualität. Die Pädagogik mit ihren Rahmenbedingungen passt sich den Kindern und ihren Bedürfnissen an, nicht umgekehrt. Dieser Status vollumfänglicher Inklusion im Denken wie im Handeln ist als Handlungs- und Orientierungsziel professioneller Pädagogik im inklusiven Sinn zu verstehen. Es gibt diesen Zustand kaum in Perfektion.

2.2 Die Umsetzung der UN- Behindertenrechtskonvention durch den Index für Inklusion

Bei der Inklusionsdebatte handelt es sich um die „Frage nach Teilhabe an der Gesellschaft“ [..] „mit Blick auf die Ressource Bildung“. (Cramer & Harant, 2014, S. 641)

Zur Unterscheidung von Integration und Inklusion ist die menschenrechtstheoretische Orientierung der UN- Behindertenrechtskonvention hilfreich. Integration kann als Appell an freiwillige Humanität verstanden werden, während Inklusion sich als einklagbares Recht versteht. Eltern und Kinder sollen nicht mehr um Rechte bitten müssen. Die Behindertenrechtskonvention hat damit erreicht, dass ein Ethos in einem rechtswirksamen Code manifestiert ist. Die Qualitätsstufen der Behindertenpolitik und - pädagogik sind damit messbar und einklagbar geworden. (vgl. Wocken, 2010)

Diese Messbarkeit wird gestärkt durch die Anwendung des Index für Inklusion als „Material zur Inspiration und Selbstevaluation für Schulen, die alle Menschen willkommen heißen wollen“. (Hinz & Boban, 2018) Das gilt auch für Einrichtungen der Frühförderung. Die „inhaltliche Systematik mit drei Dimensionen, sechs Bereichen, vielen Indikatoren und ca. 560 Fragen“ führt zu vielen möglichen Entwicklungsrichtungen. (ebenda)

Damit hat die UN- Behindertenrechtskonvention mit ihrem Programmkatalog ein Prüfinstrument an ihre Seite bekommen, das jederzeit die aktuelle Nähe zur Umsetzung markiert, erreichte Ziele dokumentiert und zu weiteren Schritten anleitet. Rückschritte oder stagnierende Prozesse mit ausstehenden Entscheidungen sind damit nicht vollständig ausgeschlossen, da auch die Zuwendung finanzieller Mittel das Geschehen entscheidend beeinflusst. Jedoch ist die persönliche, gleichberechtigte Auseinandersetzung aller im Indizierungsprozess als Größe wachsender Identifikation mit dem Inklusionsthema nicht zu unterschätzen.

3. Inhaltliche Elemente und Strukturen des Index für Inklusion

Der Index für Inklusion ist eine Zusammenstellung von bewussten Empfehlungen und Fragen, welche den Austausch anregen und dabei helfen sollen, miteinander Meinungen und Ideen zu ergründen.

Dabei geht es nicht um „das“ Rezept oder „die“ Lösung. Fragen und Indikatoren werden als wichtige Bestandteile eines partizipativen Dialoges begriffen und gelebt.

Nur wer fragt und hinterfragt, kann Erkenntnis finden oder umdenken, erneuern und verändern.

Zum „Index for Inclusion“ gibt es mehrere Vordenker und Entstehungsphasen. Er ist nicht explizit von einer Person oder Einrichtung „erfunden“ worden, sondern basiert auf Vorarbeiten in Australien, den USA, der Macquarie Universität in New South Wales und der Universität Syracuse. Diese Vorarbeiten begannen in den 1980er Jahren als Versuche, die Qualität der integrativen Situation eines Kindes in seiner Gruppe oder Lebenswelt über eine Art Fragenliste zu dokumentieren.

Darufhin entwickelten Tony Booth und Mel Ainscow in England 2002 die erste Version des „Index for Inclusion“ vorerst für die Inklusion im schulischen Bereich.

Tony Booth sagt hierzu selber, es gäbe keine Demokratie, wenn sie nicht für alle sei, und so sei es auch mit der Inklusion. (vgl. Tony Booth: Introducing the index of inclusion, 2012)

Ein Jahr nach der Erstausgabe erfolgte die Übersetzung ins Deutsche durch Ines Boban und Andreas Hinz, beide damals an der Universität. Darauf folgten rasch gezielte Anpassungen des Index für die Bereiche Kindertageseinrichtungen, für das Gemeinwesen (seit 2011) oder für die evangelische Kirche im Rheinland (seit 2013), um nur einige zu nennen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Der Index für Inklusion als Handlungs- und Organisationsinstrument zur Stärkung der Vielfalt in frühpädagogischen Einrichtungen
Hochschule
FOM Hochschule für Oekonomie & Management gemeinnützige GmbH Mannheim
Veranstaltung
Seminar Inklusion und Behinderung
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
12
Katalognummer
V974504
ISBN (eBook)
9783346322265
ISBN (Buch)
9783346322272
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Index für Inklu
Arbeit zitieren
Lara Hauk (Autor), 2020, Der Index für Inklusion als Handlungs- und Organisationsinstrument zur Stärkung der Vielfalt in frühpädagogischen Einrichtungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974504

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