„Der Tod wird uns alle holen“ heißt es im entscheidenden Moment in fast jedem Gruselfilm. Eine Aussage, welche die Schwierigkeit der Situation und die Ausweglosigkeit des betroffenen Daseins darstellen sollte, aber auch dazu dient, Spannung beim Betrachter zu erzeugen und das Interesse dessen zu steigern. Im realen Leben weicht das Individuum solchen pessimistischen und morbiden Aussagen und Gedanken gern aus. Es ist allzu schwierig, sich mit ihnen abzufinden, egal ob man noch jung und gesund, im fortgeschrittenen Alter oder sogar bei angeschlagener Gesundheit ist. Das Leben ist vielfältig und abwechslungsreich, und im Gegenteil dazu erscheint der Tod einfältig und uninteressant.
Wir wissen alle, dass der Tod uns eines Tages „holen“ werde, aber keiner macht sich, oder will sich eine Vorstellung machen, was dabei passiert und welche Bedeutung sonst der Tod für das Leben haben könnte. Es gehört einfach nicht zu unserer Gedankenwelt, es gehört einfach nicht zum Leben, über einen solchen Begriff nachzudenken (oder noch schlimmer, sich sogar damit zu beschäftigen). Es verdirbt bloß das Spiel und setzt allem ein Ende. Wenn wir an den Tod denken, dann macht uns das höchstens wütend. Zeigt uns unser wahres, hilfloses Gesicht und treibt uns schnell in die Flucht. In die Flucht, die uns manchmal noch mehr von uns wegtreibt, aber dem Tod genauso nahe steht wie dem Leben. Im Angesicht des Todes jedoch, sollten alle irdischen Probleme fast zur Bedeutungslosigkeit zusammenschrumpfen, alle Barrieren, die unser tägliches Miteinander erschweren, sollten sich in Luft auflösen. Dies tun sie aber nicht und wir werden auch nicht besser. All dies zusammen bewirkt, dass der Tod zu einem Bereich wird, über den wir nichts hören wollen und über den wir noch weniger sprechen wollen. Der Tod verschleiert sich in einem Mysterium und wird dadurch für einen Normalsterblichen noch unzugänglicher.
Inhaltsverzeichnis
1. Sterben lassen oder unterlassen – allgemeine Thematik
1.1. Einleitung
1.2. “Sinnloses“ Leiden
1.3. Definitionen zu diesem Thema – Was heißt eigentlich Sterbehilfe?
2. Entwicklung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden und die damit verbundene Problematik
2.1. Entscheidung für den Tod
2.2. „Modell Holland“
2.2.1. Die rechtliche Entwicklung
2.2.2. Empirische Untersuchungen
2.2.2.1. „Remmelink-Rapport“
2.2.2.2. Empirische Studie zur Auswirkung der veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen von 1996
2.2.3. Gemeinsames Ergebnis der empirischen Untersuchungen
2.2.3.1. Die 1000 LAWER-Fälle
2.2.4. Situation heute
2.3. Problematik
3. Theologische Beitrag zum Thema: Aktive Sterbehilfe
3.1. Einleitung
3.2. Durch Glauben erhellte Vernunft als Ausgangspunkt
3.3. Das Lehramt und die christliche Praxis
3.3.1. Definitive Verurteilung der Euthanasie in der Enzyklika „ Evangelium vitae“
3.3.2. Schwierigkeiten bei der Formulierung und Unterscheidung in der Euthanasiedebatte
3.4. Die Zukunftsweichen in der Euthanasiedebatte aus theologischer Sicht
3.4.1. Den kranken Menschen in seiner Ganzheit wahrnehmen
3.4.2. Die Anerkennung des Todes
3.4.3. Mit dem Leiden angesichts des Todes vertraut werden
3.4.4. Der Andere und das Mitgefühl
4. Befürworter der aktive Sterbehilfe
4.1. „Menschenwürdig sterben“ – Hans Küng
4.1.1. Zugang
4.1.2. Die Thesen zur „Menschenwürdig sterben“
4.1.3. Wie menschenwürdig kann der Tod sein?
4.1.3.1. Aktive Sterbehilfe bei bereits zerstörtem Leben
4.1.3.2. Der theologische Mittelweg bei Hans Küng
4.2. „Die Literatur über Würde und Würdelosigkeit des Sterbens – Walter Jens
4.2.1. Die literarischen Beispiele
4.2.2. Walter Jens’ Fazit: Das Recht, in Frieden und Würde zu sterben
4.3. Ergebnisse der Diskussion
5. Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das sogenannte „holländische Modell“ der aktiven Sterbehilfe und analysiert dessen rechtliche Entwicklung sowie empirische Praxis. Dabei wird insbesondere hinterfragt, welche Rolle das Patientenwohl und die Patientenautonomie in der ethischen Begründung spielen und wie theologische Positionen auf diese Entwicklungen reagieren.
- Analyse der gesetzlichen Rahmenbedingungen und der Kontrollmechanismen für Sterbehilfe in den Niederlanden.
- Untersuchung der theologischen Sichtweise auf aktives Sterben, Würde und das christliche Verständnis von Leid und Tod.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Position der Befürworter aktiver Sterbehilfe, insbesondere Hans Küng und Walter Jens.
- Diskussion über die Risiken der „Grauzone“ bei ärztlichen Entscheidungen am Lebensende.
Auszug aus dem Buch
1. Sterben lassen oder unterlassen – allgemeine Thematik
„Der Tod wird uns alle holen“ heißt es im entscheidenden Moment in fast jedem Gruselfilm. Eine Aussage, welche die Schwierigkeit der Situation und die Ausweglosigkeit des betroffenen Daseins darstellen sollte, aber auch dazu dient, Spannung beim Betrachter zu erzeugen und das Interesse dessen zu steigern. Im realen Leben weicht das Individuum solchen pessimistischen und morbiden Aussagen und Gedanken gern aus. Es ist allzu schwierig, sich mit ihnen abzufinden, egal ob man noch jung und gesund, im fortgeschrittenen Alter oder sogar bei angeschlagener Gesundheit ist. Das Leben ist vielfältig und abwechslungsreich, und im Gegenteil dazu erscheint der Tod einfältig und uninteressant. Wir wissen alle, dass der Tod uns eines Tages „holen“ werde, aber keiner macht sich, oder will sich eine Vorstellung machen, was dabei passiert und welche Bedeutung sonst der Tod für das Leben haben könnte.
Es gehört einfach nicht zu unserer Gedankenwelt, es gehört einfach nicht zum Leben, über einen solchen Begriff nachzudenken (oder noch schlimmer, sich sogar damit zu beschäftigen). Es verdirbt bloß das Spiel und setzt allem ein Ende. Wenn wir an den Tod denken, dann macht uns das höchstens wütend. Zeigt uns unser wahres, hilfloses Gesicht und treibt uns schnell in die Flucht. In die Flucht, die uns manchmal noch mehr von uns wegtreibt, aber dem Tod genauso nahe steht wie dem Leben. Im Angesicht des Todes jedoch, sollten alle irdischen Probleme fast zur Bedeutungslosigkeit zusammenschrumpfen, alle Barrieren, die unser tägliches Miteinander erschweren, sollten sich in Luft auflösen. Dies tun sie aber nicht und wir werden auch nicht besser. All dies zusammen bewirkt, dass der Tod zu einem Bereich wird, über den wir nichts hören wollen und über den wir noch weniger sprechen wollen. Der Tod verschleiert sich in einem Mysterium und wird dadurch für einen Normalsterblichen noch unzugänglicher.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Sterben lassen oder unterlassen – allgemeine Thematik: Einführung in die gesellschaftliche Verdrängung des Todes und Begriffsklärung von Sterbehilfe und Euthanasie.
2. Entwicklung der aktiven Sterbehilfe in den Niederlanden und die damit verbundene Problematik: Detaillierte Betrachtung des „Modells Holland“, inklusive rechtlicher Entwicklung und empirischer Studien zur Sterbehilfepraxis.
3. Theologische Beitrag zum Thema: Aktive Sterbehilfe: Darstellung der lehramtlichen Position der Kirche zur Unverfügbarkeit des Lebens und theologische Ansätze zur Sterbebegleitung.
4. Befürworter der aktive Sterbehilfe: Analyse der ethischen und theologischen Argumente von Hans Küng und Walter Jens zur Selbstbestimmung am Lebensende.
5. Abschließende Bemerkung: Zusammenfassende ethische Reflexion über die christliche Sicht auf Sterbehilfe und die Ablehnung aktiver Tötung.
Schlüsselwörter
Sterbehilfe, Euthanasie, Patientenautonomie, Remmelink-Rapport, Sterben in Würde, Medizinisches Ethos, Lebensqualität, Leid, Palliativmedizin, Selbsttötung, Christliche Ethik, Gesetzgebung, Sterbebegleitung, Hospizbewegung, Lebensbeendigung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die ethische und rechtliche Debatte um die aktive Sterbehilfe, unter besonderer Berücksichtigung des niederländischen Modells und der theologischen Stellungnahme dazu.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die rechtliche Quasilegalisierung der Sterbehilfe in den Niederlanden, die Position der katholischen Kirche sowie die ethischen Forderungen prominenter Befürworter wie Hans Küng.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Komplexität der Sterbehilfepraxis aufzuzeigen und zu untersuchen, ob und wie die Autonomie des Patienten mit dem Respekt vor dem Leben in Einklang gebracht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse sowie die Auswertung statistischer empirischer Daten (wie den „Remmelink-Rapport“), um die niederländische Praxis wissenschaftlich zu fundieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des niederländischen Modells, die theologische Analyse der Euthanasiedebatte und die Darstellung der Positionen von Befürwortern der aktiven Sterbehilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sterbehilfe, Euthanasie, Patientenautonomie, Medizinisches Ethos und Sterben in Würde charakterisiert.
Welche Rolle spielt der „Remmelink-Rapport“ für die Argumentation?
Dieser Rapport dient als statistische Basis, um aufzuzeigen, wie Ärzte in den Niederlanden Entscheidungen am Lebensende treffen und welche „Grauzonen“ dabei entstehen.
Warum lehnt das kirchliche Lehramt die aktive Sterbehilfe ab?
Die Kirche lehnt sie ab, da sie das Leben als Geschenk Gottes betrachtet und die direkte Tötung als einen Verstoß gegen das Naturrecht und die Unverfügbarkeit menschlichen Lebens ansieht.
Wie unterscheidet Hans Küng zwischen verschiedenen Arten der Sterbehilfe?
Küng differenziert zwischen „echter Sterbehilfe“ ohne Lebensverkürzung, passiver Sterbehilfe mit Lebensverkürzung als Nebenwirkung und dem umstrittenen „Gnadentod“ (aktive Sterbehilfe).
- Citation du texte
- Igor Lukenda (Auteur), 2004, Ethik der Sterbehilfe. Das niederländische Modell, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974509