Das Freiburger Persönlichkeits-Inventar FPI


Skript, 1999

23 Seiten


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Inhaltsverzeichnis

1 Hintergrund

2 Konzeption des FPI und Absichten der Revision
2.1 Konzeption: Woher kommen die Items und die Skalen?
2.2 Absichten der Revision
2.3 Strategien der Skalenkonstruktion
2.4 Konstrukte im FPI-R
2.5 Repräsentativerhebung
2.6 Skalenkonstruktion
2.7 konfirmatorische Analysen
2.8 Skaleninterkorrelationen und Sekundäranalysen
2.9 Beziehungen zu Geschlecht, Alter und Schulabschluß
2.10 Offenheit oder soziale Erwünschtheit der Antworten?

3 Beschreibung der Skalen des FPI-R

4 Anwendung
4.1 Testdurchführung
4.2 Testauswertung
4.3 Normen
4.4 Auswertungsbogen
4.5 Interpretierbarkeit von Skalenwerten
4.6 Informationsbank FPI-R

5 Validitätshinweise
5.1 Faktorielle Validität und Kriterienvalidität
5.2 Validitätshinweise aus der Repräsentativerhebung
5.3 Neuere Beiträge zur Validierung

6 FPI-A1: Aktualisierung der Form A des FPI
6.1 Allgemeines
6.2 Beziehungen zwischen FPI-A1 und FPI-R
6.3 Anwendung des FPI-A1
6.4 Langfristige Veränderung von FPI-Normen

7 Literatur

1 Hintergrund

- 4. Auflage: Normierung an repräsentativer Stichprobe mit N=2035 in Zusammenarbeiten mit dem Institut für Demoskopie (IfD), Allensbach

- enthält neben der revidierten Form FPI-R die neu normierte Form FPI-A1 (um Kontinuität zu alten Ergebnissen zu gewährleisten) Verbesserungen der Revision:

- erweiterter Gültigkeitsbereich

- relativ höhere testkonstruktive Prägnanz

- geringere Itemanzahl pro Skala: 137 Items für zehn Skalen + zwei Zusatzskalen

1. Lebenszufriedenheit
2. Soziale Orientierung
3. Leistungsorientierung
4. Gehemmtheit
5. Erregbarkeit
6. Aggressivität
7. Beanspruchung
8. körperliche Beschwerden
9. Gesundheitssorgen
10. Offenheit
E Extraversion
N Emotionalität

2 Konzeption des FPI und Absichten der Revision

2.1 Konzeption: Woher kommen die Items und die Skalen?

- entstanden aus den theoretischen Interessen der Autoren an bestimmten Persönlichkeitseigenschaften
- häufige Kritik: ,,FPI sei ohne Persönlichkeitstheorie, gleichsam kraft faktorenanalytischer Methodik `a-theoretisch-deskriptiv' entstanden" => FPI-Skalen sind ,,als einzelne Eigenschaftskonzepte nach den Interessen der Autoren mit Ergänzungen und Erweiterungen im Zuge dieser Forschungsvorhaben" abgeleitet worden (nicht aus ,,Gesamtsystem der Persönlichkeit")
- theoretische Absichten der Autoren haben die Themen des Itempools bestimmt und auch die Skalenkonstruktion teilweise beeinflußt; die Entscheidung über den psychologischen Umfang der Konstrukte/Skalen wurde jedoch auch durch die faktoren- und clusteranalytische Reduktion dessen, was die Durchschnittsbevölkerung empirisch zur laien-psychologischen Selbstbeschreibung / Selbstbeurteilung leistet, bestimmt

2.2 Absichten der Revision

- 1. Auflage (1970): Materialsammlung von 1965-69, N=630 (Eichstichprobe); ergänzt durch zwei absichtlich sehr heterogene Analysestichproben: ,,junge Männer" (N=350), ,,klinische Gruppe" (N=300) und ,,junge Frauen" (N=175)

- geringer Umfang der Normstichprobe (N=630) unbefriedigend; daneben: Reanalysen legen eine Reduktion der Faktorenzahl nahe (=> eine Lösung weist fünf Faktoren auf: ,, Nervosität/ Emotionalität"; ,, Alltägliche Normverletzungen und Ungeniertheit"; ,, Geselligkeit/ Lebhaftigkeit"; ,, Aggressive Erregbarkeit"; ,, Gelassenes Selbstvertrauen" => Ähnlichkeit zu den Big Five von Costa & McCrae, 1987)

- 1980: Entscheidung der Autoren zur Neunormierung des FPI, gleichzeitig (u.a. aus wirtschaftlichen Gründen) Revision

- Normen aus Stichprobe von ca. 2000 Vpn

- sprachliche und psychologische Veränderung verschiedener Items

- Kürzung des Inventars => weniger Items, weniger Faktoren

- Entwicklung neuer Skalen; fünf Konstruktbereiche:

1. Prosozialität
2. Lebenszufriedenheit
3. Leistungsorientierung
4. Beanspruchung
5. Gesundheitssorgen

Zusatzinfos als Validitätshinweise

- kein Abbruch der bisherigen FPI-Diagnostik oder Aufgabe der empirisch verknüpften Konstrukte:

- weiterentwickelte Form FPI-R
- neu normierte Form FPI-A1 (gängiger als die Langform FPI-G)

2.3 Strategien der Skalenkonstruktion

- für interessant und wichtig erachtete psychologische Konstruktbereiche (Konstruktkern und Subkonstrukte) werden in bis zu 50 Items erläutert (inhaltlich und sprachlich-stilistisch variiert)

- empirische Phase der Testkonstruktion: Sind diese Konstrukte in den Selbstschilderungen einer repräsentativen Stichprobe als relativ invariante Strukturen wiederzuerkennen? (notwendig, aber nicht hinreichend)

- FA zur Ordnung der Items und als Entscheidungshilfe hinsichtlich der Zahl der genauer auszuarbeitenden Konstrukte; psychologische Interpretierbarkeit der Ladungsmuster wichtiger als der Scree-Test

- nach Festlegung auf die Anzahl der Faktoren: Auswahl der Items => Skalen mit hinreichender Länge für jedes Konstrukt; Selektion der Items:

- Ladung (möglichst hoher Anteil a2/h2, möglichst wenig komplexe oder systematische Nebenladung auf andere Faktoren)
- Berücksichtigung von Trennschärfe-Indizes; mittlere Itemschwierigkeiten
=> kann Pseudo-Homogenität hervorrufen: nur inhaltsähnliche Items, die sich in Ladung und Trennschärfe gegenseitig maximieren, aber nur redundante und psychologisch uninteressante Varianten hervorbringen
=> wird darüber kompensiert, daß absichtlich bestimmte Items vorgezogen werden, die wichtige Facetten den gesuchten Konstrukts abbilden, auch wenn dadurch die Kennwerte schlechter werden

- statt der verwendeten Verfahren (FA und Itemanalyse) hätte auch z.B. das logistischprobabilistische Grundmodell von Rasch als Hintergrund dienen können => keine zufriedenstellenden Ergebnisse (s. 2.7)

2.4 Konstrukte im FPI-R

2.4.1 neue Konstrukte

Lebenszufriedenheit und Selbstverwirklichung: Zufriedenheit mit dem eigenen Leben, Partner, Beruf usw.; Zukunftsoptimismus; Selbstverwirklichung; persönliche Wertorientiertheit; Akzeptierung eigener Schwächen; verständnisvolle menschliche Beziehungen soziale Orientierung: Hilfsbereitschaft (Prosozialität, Altruismus); Fürsorglichkeit, Mitleid, Nachsicht und Sympathie für Benachteiligte und Schwache; Verständnis für Sorgen und Nöte der Mitmenschen; soziale Verantwortung (Solidarität)

Leistungsorientierung: Erfolgsstreben, ehrgeizig-konkurrierendes Verhalten; berufliches Engagement, auch auf Kosten des Privatlebens; Zielsetzungen, welche Zeitdruck und Ungeduld zur Folge haben; Neigung, das Lebens- und Arbeitstempo zu beschleunigen; geistige Beweglichkeit; geringe Ausprägung von Langeweile, Apathie, Desinteresse Beanspruchung: Erleben von Beanspruchung und Überforderung (Stress) durch Anforderungen, schwierige Aufgaben und Verpflichtungen, welche Zeitdruck schaffen und zu psychischen und körperlichen Folgen (Stressreaktionen) führen; unzureichende Bewältigung von Anforderungen, Überreizung und Erschöpfung; Mangel an Entspannung und Erholung Gesundheitssorgen: Sorgen über mögliche Ansteckung und Erkrankung; Tendenz zur hypochondrischen Beachtung möglicher Krankheitszeichen; Zweifel an ärztlicher Kompetenz; Streben nach ,,gesunder" Lebensweise, Schonhaltung

2.4.2 aus dem FPI-G übernommene Konstrukte:

FPI-1 Nervosität

FPI-2 Spontante Aggressivität

FPI-3 Depressivität

FPI-4 Erregbarkeit

FPI-5 Geselligkeit

FPI-6 Gelassenheit

FPI-7 Reaktive Agressivit ät / Dominanzstreben

FPI-8 Gehemmtheit

FPI-9 Offenheit

FPI-E

FPI-N im Sinne Eysencks, aktualisiert und auf Orthogonalität geachtet

FPI-M (typisch männliche / weibliche Selbstschilderung) herausgenommen, da Mißverständnisse und wohl auch Mißbrauch durch Fehlinterpretationen auftraten zunächst 240 Items (114 aus FPI-A, 41 aus FPI-G, 85 neue Items); neue Form des FPI-R besteht aus 137/240 Items und einer einleitenden Frage.

2.5 Repräsentativerhebung

IfD befragt in X und XII/'82 insgesamt 2608 Leute; 2181 (84%) FBen kommen zurück, davon 146 ungeeignet => 2035 (78%) werden ausgewertet

2.6 Skalenkonstruktion

erwartet: 9-13 substantielle Faktoren; FA ergibt schwachen Hinweis auf 11 Faktoren, nach eingehenden Interpretationsversuchen: 10-Faktoren-Lösung

10 Standardskalen des FPI-R à 12 Items:

FPI-R 1 Lebenszufriedenheit

FPI-R 2 Soziale Orientierung

FPI-R 3 Leistungsorientierung

FPI-R 4 Gehemmtheit

FPI-R 5 Erregbarkeit

FPI-R 6 Aggressivität

FPI-R 7 Beanspruchung

FPI-R 8 Körperliche Beschwerden

FPI-R 9 Gesundheitssorgen

FPI-R 10 Offenheit

FPI-R E / FPI-R N: getrennt von den Standardskalen entwickelt, 14 statt 12 Items; von den E-Items sind 6 und von den N-Items sind 5 Items in den Standardskalen enthalten

2.6.1 Itemstatistiken

- zusätzliche dreifaktorielle VA: bei Mehrzahl der Items bestehen sehr signifikante Effekte von Geschlecht, Alter und Schulabschluß, seltener auch Wechselwirkungen

- Items mit den höchsten Kommunalitäten:

- Item 130: ,,Ich habe häufig das Gefühl, im Streß zu sein" (h2=.58)
- Item 128: ,,Alles in allem bin ich ausgesprochen zufrieden mit meinem bisherigen Leben" (h2=.53)
- Item 28: ,,Ich bin oft nervös, weil zuviel auf mich einströmt" (h2=.51)
auch die in der Rangreihe folgenden Items stammen aus den Skalen Beanspruchung und Lebenszufriedenheit

- deutliche Schiefe der Testwerte-Verteilung: FPI-R 1 Lebenszufriedenheit: -.43, FPI-R 6 Aggressivität: .57 und FPI-R 8 körperliche Beschwerden.60: viele Items haben verhältnismäßig extreme Schwierigkeits-Indizes

2.6.2 Skalenstatistiken

- Konsistenzkoeffizienten zwischen .71 und .84 Random-Skalen (aus den 120 Items zehnmal 12 Items): _=.26 gegenüber FPI-R-Skalen-_ von
-77 => Random-_ wird als Hinweis auf einen Aspekt unspezifischer Methodenvarianz in der Größenordnung von 26% der Gesamtvarianz angesehen
- Stabilitäts-Koeffizienten nicht aus Repräsentativerhebung; für spezielle Populationen (HerzKreislauf-Patienten in der Reha), Zeit: 4 Wochen => ziemlich hoch, aber: relativ homogene Personengruppe unter dem Einfluß des genannten Programms

2.7 konfirmatorische Analysen

- Reanalysen der 10 x 2 = 120 Items, um die relative Invarianz dieser Faktorstruktur zu beschreiben

Skalenstruktur und Effekte von Geschlecht, Alter und Schulbildung: Skalenstruktur ist gegenüber diesen Einflüssen nicht invariant (signifikante und teilweise substanzielle Beziehungen), aber die Effekte bedingen keine grundsätzlichen Skalenverschiedenheiten schiefwinklige Rotation der zehn Faktoren: führt zu einer der Varimax-Lösung sehr ähnlichen Struktur => Skalenstruktur erweist sich als recht stabil weitere FA: Schmidt & König (1986): größtenteils sehr ähnliche Lösung; Andresen (1986): 14-Faktoren-Lösung, wobei die vier weiteren Faktoren als ,,residuale Faktoren ohne Erklärungswert" anzusehen sind Clusteranalyse der Items: deutlichen Hinweis auf zehn Cluster; Reanalysen bringen 20-30 Cluster mit Miniskalen (vier bis sechs Items) => Lösung mit 23 Clustern à drei bis neun Items => repräsentieren psychologische Komponenten dieser Skalen, Skalenbruchstücke; allerdings: Brunsch (1987): nur sechs der 23 Cluster reproduziert => weniger robust als angenommen Analyse nach dem logistischen Grundmodell von Rasch: Ziel: Items mit der ausgeprägtesten Modellunverträglichkeit identifizieren => unergiebig: die FPI-R-Skalen sind als relativ heterogen bzw. nicht modelladäquat im Sinne des LGM anzusehen:

,,Die umfangreichen Reanalysen bestätigen die früher beobachtete Konvergenz zwischen itemmetrisch faktorenanalytischer Skalenkonstruktion und Clusteranalyen, ebenso die Divergenz beider Strategien zum logistischen Grundmodell"; Eindruck, ,,daßdas logistische Grundmodell hier auch als Heuristik unergiebig und für die facettenreichen Konstrukte der Eigenschaftstheorie tatsächlich inadäquat ist"... ,,Die Schlußfolgerung, daßdie FPI-R-Skalen für den Datensatz der Repräsentativerhebung - bis auf weiteres - als optimale Konstruktion anzusehen sind, ist wahrscheinlich nicht unangemessen." (S. 33f.)

2.8 Skaleninterkorrelationen und Sekundäranalysen

einige der Standardskalen lassen deutliche Beziehungen untereinander erkennen:

- FPI-R 5 (höhere Erregbarkeit) mit FPI-R 1 (niedrigere Lebenszufriedenheit), 6 (höhere Aggressivität) und 7 (höhere Beanspruchung)
- FPI-R 3 (höhere Leistungsorientierung) mit FPI-R 4 (geringere Gehemmtheit)
- signifikant, aber nicht besonders hoch:
- körperliche Beschwerden, Gesundheitssorgen und Beanspruchung gemeinsame Varianz zweier Skalen: max. 20% (im Fall von FPI-R 5 (Erregbarkeit) und 6 (Aggressivität))

Zusatzskalen FPI-R E und N: inhaltlich bzw. rechnerisch bedingte Zusammenhänge mit mehreren Skalen; Interkorrelation praktisch gleich Null.

2.8.1 Faktorenanalysen der 10 FPI-R-Skalen

FA zweiter Ordnung => 3-Faktoren-Lösung; durch diese drei Sekundärfaktoren werden die zehn Standardskalen zu den folgenden Mustern zusammengefaßt:

- Sekundärfaktor FPI-R-I:

- körperliche Beschwerden (8)
- Beanspruchung (7)
- Gesundheitssorgen (9)
- geringe Lebenszufriedenheit (-1)

=> Facetten eines gestörten Allgemeinbefindens, wie es durch Überforderung und Krankheit entstehen oder als Ausdruck einer Lebensunzufriedenheit und allgemeinen Klagsamkeit verstanden werden kann

- Sekundärfaktor FPI-R-II:

- Offenheit (10)
- Aggressivität (6)
- Erregbarkeit (5)

=> Bild aggressiver Erregbarkeit mit egozentrischen Zügen. Interpretation als Persönlichkeitsmerkmal: Tendenz zu unkonventionellem, nicht-konformen Verhalten, das alltägliche Normverletzungen einschließt

- Sekundärfaktor FPI-R-III:

- Leistungsorientierung (3)
- geringe Gehemmtheit (-4)

=> selbstsichere Aktivität dennoch zweckmäßiger, die zehn Standardskalen zu benutzen

2.9 Beziehungen zu Geschlecht, Alter und Schulabschlu ß

- Frauen haben höhere Werte in den Skalen Soziale Orientierung (2), Gehemmtheit (4), Erregbarkeit (5), Körperliche Beschwerden (8) und Emotionalität (N) sowie niedrigere Werte in Leistungsorientierung (-3) und Aggressivität (-6)
- ältere Menschen haben höhere Werte in den Skalen Körperliche Beschwerden (8) und Gesundheitssorgen und niedrigere Werte in Aggressivität (-6), Offenheit (-10) und Extraversion (-E)
- Menschen mittleren Lebensalters haben eine höhere Leistungsorientierung (3) und Beanspruchung (7) als jüngere oder ältere Menschen
- Menschen mit höherer Schulbildung haben höhere Werte in Sozialer Orientierung (2) und geringere Werte in Gehemmtheit (-4) und Aggressivität (-6)
- multiple Korrelationen: v.a. die Skalen Körperliche Beschwerden (8) und Gesundheitssorgen (9) sowie Offenheit (10), Aggressivität (6) und Extraversion (E) weisen substantielle Beziehungen zu den drei Statusmerkmalen auf => wichtig bei der Interpretation der Fragebogendaten

zu berücksichtigen: in den Selbstschilderungen werden sich auch verbreitete soziale Stereotype ausdrücken

Testnormen: nach 2 x 4 = 8 Statusgruppen gegliedert: nach

- Geschlecht (m/w)
- Alter (16-24, 25-44, 45-59, 60 und älter); Altersgrenzen: Kompromiß zwischen entwicklungspsychologischen (für m und w unterschiedliche Lebensphasen) und soziodemographischen Gesichtspunkten weitere Differenzierung nach Schulabschluß wurde überlegt, aber nicht umgesetzt wegen der relativ geringen Effekte

2.10 Offenheit oder soziale Erwünschtheit der Antworten?

Antworttendenzen: vielleicht das wichtigste Methodenproblem des Fragebogenverfahrens; v.a. zwei Varianten:

- Bejahungstendenz (Akquieszenz)
- Offenheit bzw. soziale Erwünschtheit (SE)

Bejahungstendenz: schwierig zu kontrollieren; Balancierung der Schlüsselrichtung (gleich viele Items mit ,,stimmt" bzw. ,,stimmt nicht" zu beantworten) kaum möglich, ungewünschte Nuancen, psychologisch und sprachlich unbefriedigende Items; es gibt keinen einfachen Weg zur Kontrolle oder gar Korrektur der Einflüsse der Bejahungs- oder Verneinungstendenz in Persönlichkeitsinventaren

Tendenz, sozial erwünschte Antworten zu geben oder Antworten sogar bewußt zu verfälschen: Literatur sehr zwiegespalten (Über- vs. Unterschätzung). Mehrere Facetten:

- Fremdtäuschung aus dem Bedürfnis nach sozialer Anerkennung vs. Selbsttäuschung
- Selbsttäuschung und bewußte Verfälschungsabsicht
- Selbst-Bewußtsein
- positive oder negative Selbstdarstellung mit sicher-bestimmtem oder vorsichtig-defensivem Antwortstil

wichtiger vielleicht als Blickwinkel der Verfälschbarkeit: Rezipientenmerkmale weit verbreitete Auffassung: Persönlichkeitsfragebögen sind aufgrund des Risikos der Verfälschbarkeit zum Zweck der Bewerberauslese ungeeignet (analog für alle Testverfahren, in denen der Befragte motiviert ist, Antworten zu manipulieren, um ein besonders positives / für ihn wichtiges Bild seiner Persönlichkeit zu liefern)

Rat der Autoren:

- Persönlichkeitsinventare sollten daher nur verwendet werden, wenn das Risiko einer Verfälschungsmotivation gering ist
- Testwerte sollten nicht berücksichtigt werden, wenn das Testprofil einen relativ niedrigen Offenheits -Wert hat (Eingeständnis kleiner Fehler...)

Offenheits -Skala (FPI-R 10): 12 Items im mittleren Schwierigkeitsbereich; höchste Beziehungen mit FPI-R 6 Aggressivität, FPI-R N Emotionalität, FPI-R 5 Erregbarkeit und FPI-R 1 Lebenszufriedenheit; erfaßt ein verhältnismäßig konsistentes Persönlichkeitsmerkmal, dessen psychologische Interpretation drei Facetten betonen muß:

1. Bereitschaft, kleine Fehler und Alltagsschwächen offen einzuräumen und sich ungeniert und unkonventionell zu vielen herkömmlichen Normen zu äußern: junge Männer eher als ältere Frauen (äußert sich auch in den erfragten gesellschaftlichen Einstellungen)
2. allgemeine Antworttendenz, bestimmte Verhaltensweisen zu behaupten, die man für sozial erwünscht hält, um absichtlich einen guten Eindruck auf andere zu machen (nur schwache und inkonsistente Hinweise)
3. Tendenz zur Selbstidealisierung

2.10.1 Meta-Fragen

beziehen sich auf den Test selbst: benötigte Zeit, sichere Beantwortung, Verständlichkeit, individuelles Zutreffen, Zudringlichkeit der Fragen sowie die Frage nach der Eignung des Fragebogens, ein besseres Verständnis vom Menschen zu erreichen relativ höchste Korrelation zwischen Meta-Fragen und FPI-R-Skalen: FPI-R 8 Körperliche Beschwerden und relativ hoher Zeitaufwand (r=.13)

interessant: Zusammenhänge mit Rating durch IfD-Interviewer:

- bei vielen Items unsicher in der Beurteilung: auch als ,,ziemlich unsicher" eingestuft
- viele Items unverständlich: eher Mitglied der höchsten oder der niedrigsten Bildungs- und Einkommensschicht
- relativ viele Items persönlich unzutreffend: eher mit Abitur und mit Studium

3 Beschreibung der Skalen des FPI-R

FPI-R 1 Lebenszufriedenheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nur geringfügig von Alter und Geschlecht abhängig. Höhere Lebenszufriedenheit bei ausgeprägter Leistungsorientierung, geringer Erregbarkeit, relativ wenigen Körperlichen Beschwerden und bei niedrigen Werten bei Offenheit

FPI-R 2 Soziale Orientierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nur geringfügig vom Geschlecht abhängig: bei Frauen deutlicher ausgeprägt; negative und eher geringe Korrelation zur Aggressivität; niedrige Korrelation (r=-.16) mit Offenheit

FPI-R 3 Leistungsorientierung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nur gering vom Geschlecht, aber etwas deutlicher vom Lebensalter abhängig: im mittleren Lebensalter deutlicher ausgeprägt; Zusammenhang mit höherer Lebenszufriedenheit und geringerer Gehemmtheit; keine nennenswerte Beziehung zu Offenheit

FPI-R 4 Gehemmtheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nur geringfügige Zusammenhänge mit Geschlecht, Alter und Schulabschluß; nur korreliert mit Körperlichen Beschwerden (ängstliche Personen erleben mehr körperliche Beschwerden und psychosomatische Erkrankungen); keine nennenswerte Beziehung zu Offenheit

FPI-R 5 Erregbarkeit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

unwesentliche Zusammenhänge mit Geschlecht und Alter; deutlich zwischen hoher Erregbarkeit und hoher Aggressivität, hoher Beanspruchung und geringer Lebenszufriedenheit; hoher Zusammenhang mit Offenheit (s. Aggressivität)

FPI-R 6 Aggressivität

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nur geringfügig korreliert mit Geschlecht und Schulabschluß, aber stärker mit dem Lebensalter (r=-.22), d.h. jüngere Männer haben die höchsten Werte; korreliert mit Erregbarkeit und Offenheit (r=.47) => evtl. Entsprechung zwischen aggressiver Verhaltenstendenz, Verletzung gängiger Normen und ungeniertem Zugeben alltäglicher Fehler, evtl. (bei niedriger Aggressivität und niedriger Offenheit): Antworttendenz

FPI-R 7 Beanspruchung

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nur geringfügig mit Alter und Geschlecht korreliert; dafür mit höherer Erregbarkeit und geringerer Lebenszufriedenheit und relativ viel Körperlichen Beschwerden

FPI-R 8 Körperliche Beschwerden

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

deutliche Abhängigkeit von Alter und Geschlecht: Frauen und ältere Menschen nennen mehr körperliche Beschwerden; Zusammenhänge mit geringerer Lebenszufriedenheit, Gehemmtheit und Beanspruchung

FPI-R 9 Gesundheitssorgen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

nimmt deutlich mit dem Alter zu; geringer Zusammenhang mit Körperlichen Beschwerden

FPI-R 10 Offenheit

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

hängt deutlich vom Alter ab: jüngere Vpn haben höhere Offenheits -Werte; substantielle Zusammenhänge mit Aggressivität und geringer Lebenszufriedenheit und höherer Erregbarkeit

FPI-R E Extraversion im Sinne Eysencks (Eysenck & Eysenck, 1969, 1976)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

hängt vom Alter ab: jüngere Menschen sind relativ extravertierter; hohe Korrelationen mit geringer Gehemmtheit (drei identische Items) und hoher Leistungsorientierung (zwei Items identisch) sowie - geringer ausgeprägt - mit Aggressivität (ein Item identisch)

FPI-R N Emotionalität im Sinne Eysecks' Persönlichkeitsdimension Neurotizismus bzw. Emotionale Labilität/ Emotionalität (Eysenck & Eysenck, 1969, 1976)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Zusammenhang mit dem Geschlecht: Frauen haben höheren Erwartungswert; substantielle Beziehungen zu geringer Lebenszufriedenheit (ein Item identisch), höherer Erregbarkeit (ein Item identisch), höherer Beanspruchung (drei Items identisch), mehr Körperlichen Beschwerden, mehr Gesundheitssorgen und größerer Gehemmtheit

4 Anwendung

4.1 Testdurchführung

Testmaterial: der Fragebogen Testinstruktion auf der ersten Seite des FPI-Fragebogens 137 Items + ein Item, das sich nur auf die Anleitung bezieht (Nr. 1: ,,Ich habe die Anleitung gelesen und bin bereit, jeden Satz offen zu beantworten") positive Einstellung der Vpn zum Test wesentlich! Vpn werden am Schluß gebeten, noch einmal zu überprüfen, ob sie alle Items beantwortet haben keine Zeitbegrenzung (zwischen 10 und 30 Minuten) FPI ist nicht für die Testvorgabe am Bildschirm entwickelt und normiert worden => kann sich auf Durchführungsobjektivität auswirken (s. 4.2.2)

4.2 Testauswertung

individuelle Itembeantwortungen hinsichtlich der Standardskalen FPI-R 1 bis 10 und der Zusatzskalen E und N werden ausgezählt, entweder mit Schablone oder per EDV-Auswertung bei mehr als 5% fehlender Daten (sieben Items) wird von der Auswertung abgeraten Anzahl der Punkte pro Skala = Rohwert dieser Skala

4.2.1 missing-data

wenn mehr als eine Antwort pro Skala fehlt, wird der Testwert der Skala auf missing-data gesetzt; ansonsten (bei Gruppen): korrigierter Testwert der Skala = Mittelwert der vorhandenen Itemwerte x Itemzahl der Skala (gerundet)

4.2.2 EDV-Unterstützung

fünf Anwendungen:

- direkte Eingabe der Antworten durch die Vp an der Tastatur
- Eingabe der FB-Daten durch den Auswerter
- Addition der Itemantworten zu FPI-Rohwerten und deren Transformation in Stanine-Werte
- Profildarstellung der FPI-Testwerte
- Formulierung psychologischer Aussagen über die Vp mit Textausgabe bis hin zu sog. ,,Computer-Gutachten"

4.2.2.1 direkte Dateneingabe durch die Vp

FPI ist nicht für direkte Dateneingabe entwickelt und normiert worden; den Anwendern muß der Unterschied bewußt sein, vorher Äquivalenz untersuchen

4.2.2.2 Das Programm FPI (SPSS)

Programm liefert Rohwerte und Stanine-Werte der 10 Standard-Skalen und zwei Zusatzskalen sowie ggf. weitere Statistiken; Diskette enthält weitere freigegebene Datensätze aus der Informationsbank

4.2.2.3 EDV-gestützte Gutachten

Anfertigung automatischer Gutachten grundsätzlich abgelehnt; inzwischen: unter bestimmten Bedingungen (Hinweis auf Richtlinien sowie auf Notwendigkeit der Interpretation durch diagnostisch geschulten Dipl.-Psych.) möglich; Herstellung des FPI-Profils durch Nicht- Psychologen oder als anonymer Service wird abgelehnt.

Aussagen aufgrund des FPIs sollten immer im psychologischen Gespräch vermittelt werden

4.3 Normen

aus praktischen Gründen empfiehlt sich die Umwandlung der Roh- in Standardwerte:

-Vergleichbarkeit zwischen Skalen
-Vergleichbarkeit zwischen Personen
- Geschlechts- und Altersabhängigkeit einiger Skalen

=> dafür Normtabellen, nach Geschlecht und vier Altersgruppen gegliedert

Rohwerte können in normalisierte (flächentransformierte) Stanine-Werte mit Mittelwert 5 und Standardabweichung 1.96 umgewandelt werden => Grobnormen (ausreichend für praktische Testdiagnostik)

4.4 Auswertungsbogen

Stanine-Werte können als FPI-Skalenwerte in den Auswertungsbogen übertragen werden => Profil im Kopf: erwartete prozentuale Häufigkeiten jedes Stanine-Wertes, ,,unauffälliger" Normbereich (4-6, d.h. 54%) ist schraffiert Auswertungsbogen für den Psychologen; für Vp: immer als psychologische Interpretation in persönlichem Gespräch zu vermitteln

4.5 Interpretierbarkeit von Skalenwerten

interpretierbar sind die Skalenwerte, wenn keine Bedenken bezüglich

- Testmotivation der Vp
- Testsituation
- Testauswertung

bei geringer Offenheit (Stanine 1, 2 und 3): vorsichtig interpretieren, analog: Verneinung oder Nichtbeantwortung des Items 1

für Normstichprobe (anhand der Konsistenzkoeffizienten _ als Reliabilitätsschätzungen): zwei testmethodische Interpretationshilfen: Standardmeßfehler des Rohwertes und der Standardfehler der interindividuellen Differenz zweier Rohwerte sowie Vertrauensintervalle und kritische Differenz zweier Rohwerte für p=.05

4.6 Informationsbank FPI-R

Informationsbank mit Vergleichdaten für Untersuchugen und Meta-Analysen

5 Validitätshinweise

5.1 Faktorielle Validität und Kriterienvalidität

die FPI-Testwerte indizieren relativ überdauernde Dispositionsprädikate, d.h. die Testwerte erweisen sich ,,in der Selbstbeschreibungüber breite Klassen von Merkmalen und Kontexten sowieüber Zeitspannen von mehreren Jahren als relativ invariant" (S. 57)

5.1.1 interne (konstruktbezogene, faktorielle) Gültigkeit

kann als befriedigend angesehen werden aufgrund der faktorenanalytischen Testkonstruktion und der Reanalysen Erwartung, ,,daß über die interne Validität hinaus eine Kriterienvalidität besteht"

5.1.2 Kriterienvalidität

Übereinstimmungsvalidität: zahlreiche Untersuchungen mit statistisch signifikanten Unterschieden in den FPI-Testwerten bestimmter Personengruppen (nach psychosozialen Merkmalen gebildet).

5.1.3 prognostische Validität

wenig Publikationen über Vorhersage praktisch relevanter Kriterien

5.1.4 Konstruktvalidität

anspruchsvolle Experimente fehlen vollständig; meist zu kleines N, unklare Präselektion, keine äquivalente KG; i.d.R. fehlen Replikationen häufig beobachtete Korrelate zwischen FPI und verschiedenen Persönlichkeitsvariablen; praktisch keine MTMM-Analysen

,,Die Zielsetzung einer umfassenden Validierung eines Persönlichkeitsinventars [führt] zu zentralen Themen der Persönlichkeitsforschung: Eigenschaftstheorie und Interaktionismus-Kontroverse, Theorie der Selbstbeschreibung und die Entstehung impliziter (naiver) Konzepte, Schwierigkeiten der multiplen Operationalisierung mit dem Nachweis konvergenter und diskriminanter Validität" (S. 58).

5.2 Validitätshinweise aus der Repräsentativerhebung

bei der Datenerhebung für die Entwicklung und Normierung des FPI-R wurden zahlreiche weitere Daten von den Interviewten erhoben; die Ergebnisse der Analysen können unter Vorbehalt als Validitätshinweise angesehen werden.

Variablen (Angaben liegen für N>1900 vor):

- Statusmerkmale
- Einstufung durch Interviewer hinsichtlich Selbstsicherheit
- berufliche Belastung
- Zufriedenheit mit Lebensbedingungen und Gesundheitszustand
- Rauchen
- Alkoholkonsum
- Körperlänge
- Gewicht, mögliches Übergewicht
- Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten, Kuren, Arztbesuchen
- chronische Krankheiten
- Psychotherapie
- relative Häufigkeit der Einnahme von Beruhigungs-, Schlaf- und Schmerztabletten

Für die Gesamtstichprobe sind Koeffizienten r_.04 signifikant; berichtet werden nur solche a) r_.15, b) in jeder der Teilstichproben (m/w) mindestens r_.10.

=> Zusammenhänge sind teilweise naheliegend und lassen die innere Konsistenz von Fragebogenitems und zusätzlichen Selbsteinstufungen erkennen; untersucht man die Zusammenhänge nach Extremgruppen (Menschen, die besonders hohe bzw. besonders niedrige Werte auf den Faktoren erzielen), so lassen sich auch diese Befunde mit der psychologischen Interpretation der FPI-R-Skalen gut vereinbaren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tab. 1: Zerlegung der Normstichprobe in Kontrastgruppen anhand von 15 IfD- Stausmerkmalen (Prädiktoren). Dargestellt sind nur die Extremgruppen mit dem niedrigsten und dem höchsten Mittelwert jeder Skala und der Prozentanteil der durch alle 15 Prädiktoren aufgeklärten Skalenvarianz.

5.2.1 Einstellung zu gesellschaftlichen und politischen Themen

im Rahmen der Repräsentativerhebung: den Interviewten werden 25 Aussagen zu ,,aktuellen Themen" vorgelegt; mittels Faktoren- und Itemanalyse: Bildung thematischer Item-Paare und einer 23 Items umfassenden Skala konservativ-progressiver Tendenz; zwei Subskalen à acht Items:

- autoritäre Einstellungskomponenten: zu viel Aufwand für die Betreuung von Verbrechern, Geringschätzung von Kriegsdienstverweigerern, gegen Auseinandersetzung mit der Judenvernichtung und dem Dritten Reich, gegen Gleichberechtigung von Gastarbeitern, gegen Demonstrationen und Friedensbewegung; korreliert negativ mit FPI-R 2 Soziale Orientierung (r=-.33) und positiv mit FPI-R 6 Aggressivität (r=.14)
- pessimistische Zukunftsperspektive: zunehmende Verschlechterung der Wirtschaftslage, Umweltverschmutzung, Ablehnung von AKWs, deutlicher Wunsch, aus den Lebensbedingungen der Bundesrepublik auszusteigen, Hoffnung auf Friedensbewegung bei grundsätzlich pessimistischer Zukunftssicht; korreliert negativ mit FPI-R 1 Lebenszufriedenheit (r=-.30) und positiv mit FPI-R N Emotionalität (r=.26)

5.2.2 multiple Regression

multiple Regressionen (Zusammenhang zwischen demographischen, gesundheitlichen u.a. Variablen und einigen FPI-R-Skalen): besonders die Skalen FPI-R 1 Lebenszufriedenheit, FPI-R 7 Beanspruchung und FPI-R 3 Leistungsorientierung sind von Bedeutung

5.3 Neuere Beiträge zur Validierung

5.3.1 FPI-R Testwerte und Selbst- und Fremdeinstufungen: MTMM

Schmidt & König (1986): durch Kursteilnehmer wurden 235 Vpn (Männer und Frauen zwischen 14 und 73 Jahren) aufgefordert, sowohl das FPI-R zu beantworten als auch Selbsteinstufungen auf siebenstufigen Skalen (angelehnt an FPI-Auswertungsbogen) vorzunehmen; anschließend stuften die Teilnehmer ihrerseits die Befragten auf der siebenstufigen Skala ein und beurteilten den Grad der Bekanntschaft (vierstufige Skala); mittlere Korrelation zwischen FPI-R und Fremdeinstufung: r=.38, bei besserer Bekanntschaft: r=.45 (geringe Bekanntschaft: r=.30). Deutlichste Zusammenhänge (r_.40): Lebenszufriedenheit, Leistungsorientierung, Beanspruchung und Körperliche Beschwerden; noch höhere Korrelationen zwischen Fragebogenwerten und direkter Selbsteinstufung Strecker (1985): Selbstbild und Fremdbild von Partnern: Ehepartner bzw. Partner im Alter von 21 bis 81 Jahren füllten das FPI-R für sich selbst und über den Partner aus (,,wie der Partner antworten würde"); deutlichste Übereinstimmungen: Selbstbild und das vom Partner unterstellte Selbstbild (v.a. Leistungsorientierung, Extraversion, Lebenszufriedenheit, Emotionalität und Gesundheitssorgen), interessante Geschlechtereffekte; Selbstbild und das dem Partner unterstellte Selbstbild hängen nur hinsichtlich der Skalen Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung und Gesundheitssorgen deutlich zusammen; sehr signifikant zwischen Selbstbildern von Partnern: nur Gesundheitssorgen und Offenheit; zwischen den unterstellten Selbstbildern: nur Lebenszufriedenheit

,,Wenn die FPI-Skalenwerte systematisch mit den auf gleiche Weise operationalisierten Selbstbildern aus der Sicht des Partners zusammenhängen, so ist dies ein Validitätshinweis" ... ,,Die Gültigkeit von Bekannten- bzw. Partner-Ratings zur Validierung von Persönlichkeitsinventaren [...] ist jedoch zurückhalten zu beurteilen, da es sich ja nicht um objektive, unabhängige Daten handelt. Es sind Einstufungen, die wesentlich auch auf dem beruhen, was der Partnerüber sich sagt, d.h.ähnlich verbalisiert wie z.T. im Fragebogen" (S. 65).

die Paare können sich in bestimmten Persönlichkeitsaspekten besser einstufen als in anderen => vielleicht mehr Kommunikation über Lebenszufriedenheit, Soziale Orientierung usw.? vielleicht größere Ähnlichkeit?

5.3.2 FPI-Testwerte und andere Persönlichkeitsfragebogen: Übereinstimmungsvalidität

FPI-R und GT: substantielle gemeinsame Varianz (r_.50)mit einigen Skalen Streßverarbeitungs-Fragebogen SVF und Freiburger Beschwerdeliste FBL: substantielle Beziehungen zwischen Lebenszufriedenheit, Gehemmtheit, Emotionalität und mehreren SVFSkalen; Zusammenhang der beiden Aggressions -Skalen: r=.49 FPI-R und SVF, FPI-R und Skala zur Messung studentischer Probleme SSP: ähnlich FPI-R und Fragebogen zur Lebenszufriedenheit FLZ: erwartete substantielle Korrelationen mit FPI-R 1 Lebenszufriedenheit

5.3.3 FPI-Testwerte und Statusmerkmale: Übereinstimmungsvalidität

im Manual auf Notwendigkeit weiterer Datensammlung hingewiesen

5.3.4 Zur Konstruktvalidität und Kriterienvorhersage

5.3.4.1 Konstruktvalidit ät

Freiburger Arbeiten zur psychophysiologischen Persönlichkeitsforschung:

FPI-R N Emotionalität: Untersuchungen zur Operationalisierung psychophysiologischer Reaktivität und zur Überprüfung von Eysencks Behauptung einer substantiellen Beziehung zwischen emotionaler und physiologischer (vegetativer) Labilität; Ergebnis:

Anwendungsversuche dieser psychophysiologischen Persönlichkeitstheorie wurden empirisch falsifiziert; individuelle Testwerte der Skala FPI-R N Emotionalität geben keine zuverlässige Vorhersage der aktuellen Unterschiede in psychophysischen Aktivierungsprozessen oder in der relativ überdauernden psychophysischen Reaktivität:

,,Das Bemühen um den Nachweis der Konstruktvalidität ist in diesem Ausschnitt des Eigenschaftskonzepts Emotionale Labilität - und entsprechend für Körperliche Beschwerden / Nervosität - gescheitert" (S. 68).

Andere Versuche, auf ähnlichem Wege die Dimension Emotionalität im Sinne Eysencks zu stützen, schlugen ebenso fehl (von wenigen Ausnahmen abgesehen).

FPI-R E Extraversion: Bei der Dimension Extraversion-Introversion konnten theoriekonforme Effekte gefunden werden: extravertierte Vpn zeigen eine niedrigere EDA, niedrigeres EEGArousal, geringeres Speichelvolumen, Unterschiede der kardiovaskulären Regulation und Atemfrequenz => geringere Aktiviertheit Schmidt-Atzert (1989): Fragebogen emotional relevanter Alltagsereignisse; Zusammenhänge zwischen Anzahl positiver Ereignisse und FPI-R-Skalen Lebenszufriedenheit und Extraversion

5.3.4.2 prognostische Validität

für die persönlichkeitspsychologische Dimension N Emotionalität ist die Validierung in psychophysiologischer Hinsicht gescheitert, daher keine Kriterienvorhersagen über FPI N (bedeutet aber nicht eine ,,globale Invalidierung dieser Skala"; Emotionale Labilität erweist sich immer wieder ,, als eine gut reproduzierbare, varianzstarke Eigenschaftsdimension mit substantiellen Bezügen zu vielfältigen biographischen, gesundheitlichen,beruflichen Merkmalen des Individuums" (S. 69).

Schuler (1992): signifikante Korrelationen zwischen biographiebezogenen Fragen und anderen Komponenten des Multimodalen Einstellungsinterviews (MME) und FPI-R-Skalen Leistungsorientierung, Gehemmtheit und Extraversion

6 FPI-A1: Aktualisierung der Form A des FPI

6.1 Allgemeines

6.1.1 neun Standardskalen:

1. Nervosität
2. Spontane Aggressivität
3. Depressivität
4. Erregbarkeit
5. Geselligkeit
6. Gelassenheit
7. Reaktive Aggressivität/ Dominanzstreben
8. Gehemmtheit
9. Offenheit

6.1.2 Modifikation von Items

kleinere sprachliche Verbesserungen und v.a. Kürzungen; psychologische Abschwächung von Iteminhalten; Vermeidung doppelter Verneinung

6.1.3 Itemstatistiken und Skalenstatistiken

Normierung und Reanalyse wird an dem Datensatz von N=2035 durchgeführt; einige Items: extrem hohe oder niedrige Schwierigkeitsindizes; einige haben ungenügende Trennschärfen. Prägnant: Faktoren 1 Nervosität, 3 Depressivität und 5 Geselligkeit, am schlechtesten Faktor 7 Reaktive Aggressivität/ Dominanzstreben.

Reanalyse: durch Eliminieren der wenigen schwachen Items bessere Skalenqualität, aber: Verlust der Kontinuität und der Vergleichsmöglichkeiten Schwächen waren schon bei Konstruktion der Form FPI-A bekannt; ,, die stark zunehmende Tendenz, statt Form G die Form A als Standardinstrument oder sogar die hierfür noch weniger geeignete Form K zu verwenden, war ein wesentliches Motiv für die grundsätzliche Revision, welche zur Entwicklung der Form R geführt hat" (S. 77)

6.2 Beziehungen zwischen FPI-A1 und FPI-R

von den 120 Items der FPI-R-Standardskalen sind 47 (40%) beider Inventare identisch; hohe Korrelationen zwischen einander inhaltlich entsprechenden Skalen beider Inventare; praktische Äquivalenz:

- FPI-A1 1 Nervosität & FPI-R 8 Körperliche Beschwerden
- FPI-A1 9 Offenheit & FPI-R 10 Offenheit
- FPI-A1 E Extraversion & FPI-R E Extraversion
- FPI-A1 N Emotionale Labilität & FPI-R N Emotionalität

geringere Korrelation der Aggressionsskalen von FPI-A1 und FPI-R: wahrscheinlich aufgrund der Kombination der vorher selbständigen Subkonstrukte in einer Skala, Abschwächung der Erregbarkeits-Komponente

6.3 Anwendung des FPI-A1

analog FPI-R

6.4 Langfristige Veränderung von FPI-Normen

Bengel & Wittmann (1983): Vorschlag, Test-Normen regelmäßig zu prüfen, damit die aufgrund verschiedener Einflüsse denkbaren empirischen Veränderungen solcher Normen berücksichtigt werden können.

Untersuchungen ergaben:

,,In den 15 Jahren von 1965/69 bis 1982 haben sich die im FPI erfaßten Selbstschilderungen systematisch verändert. Heute ist `man' ungezwungener im Umgang mit anderen Menschen, spricht andere eher an, schließt leichter Freundschaften und istüberhaupt weniger gehemmt. Auch führt man sich weniger einsam,ängstlich oder bedrückt,äußert mehr Selbstsicherheit und meint, dem Leben eher gewachsen zu sein. Dazu gehört auch, daßman sich eher und u.U. auch etwas aggressiv durchsetzt" (S. 80) ... ,, Cattels (1973) Forderung nach regelm äß ig wiederholter Normierung der Skalen kann empirisch begründet werden" (S. 81).

7 Literatur

Fahrenberg, J., Hampel, R. & Selg, H. (1994). Das Freiburger Persönlichkeitsinventar FPI. Revidierte Fassung FPI-R und teilweise geänderte Fassung FPI-A1. Handanweisung, 6., ergänzte Auflage. Göttingen: Hogrefe - Verlag für Psychologie.

23 von 23 Seiten

Details

Titel
Das Freiburger Persönlichkeits-Inventar FPI
Autor
Jahr
1999
Seiten
23
Katalognummer
V97454
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
ist eine Zusammenfassung des FPI-Manuals
Schlagworte
Freiburger, Persönlichkeits-Inventar
Arbeit zitieren
Michael Hatscher (Autor), 1999, Das Freiburger Persönlichkeits-Inventar FPI, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/97454

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