Das Ziel dieser Arbeit ist es, anhand von sekundären Daten zu erfahren, wie die Gestaltung von öffentlichen Räumen dazu beitragen kann, sozialen Stress zu mindern. Um das komplexe Themenfeld Stadt und öffentliche Räume in diesem Kontext abhandeln zu können, konzentriert sich diese Bachelor-Thesis dabei auf städtische, öffentliche Plätze. Dies resultiert aus der Annahme, dass öffentliche Plätze besonders geeignet sind, um soziale Kontakte zu ermöglichen da sie als Prototyp von öffentlichen Räumen gesehen werden können. Die Betrachtung öffentlicher Plätze bezüglich ihres Stressminderungspotenziales wird im Kontext dieser Bachelor-Thesis räumlich auf die Europäische Union, beziehungsweise auf die Bundesrepublik Deutschland begrenzt. Diese Eingrenzung des räumlichen Betrachtungsfeldes dient einer besseren Vergleichbarkeit der zu erwartenden Ergebnisse.
Die erwartete Verdichtung von Städten, bringt eine dichtere Bebauung auf Kosten der öffentlichen Räume mit sich. Welche Auswirkungen eine quantitative und qualitative Reduzierung von öffentlichen Räumen für soziale Kontakte haben kann, zeigt sich durch die Folgen der Covid-19 Pandemie. Gesperrte Spiel- oder Sportplätze verhindern nicht nur physische Bewegung, sie beschränken auch die damit verbundene Sozialisierung der betroffenen Personen. Die Pandemie hat gezeigt, wie wichtig es ist, die Möglichkeit zu haben, die eigene Wohnung verlassen zu können und Erholung in öffentlichen Räumen zu erfahren. Ebenso wurde durch die Covid-19 Pandemie die Bedeutung von sozialen Strukturen in lokalem Maßstab deutlich. Menschen sind auf soziale Kontakte nicht nur zum Abbau von Stress angewiesen. Die Stadtplanung ist maßgeblich dafür verantwortlich, Städte so zu gestalten, dass soziale Kontakte entstehen können.
Daher ist die Aufgabe der Stadtplanung, sich den Herausforderungen zu stellen, die durch dichter werdende Städte erfolgen und Lösungsansätze für die daraus resultierenden gesundheitlichen Aufgaben zu finden. Eine dieser Herausforderungen ist das psychischen Wohlbefinden der in Städten lebenden Menschen zu sichern. Das heißt im Umkehrschluss, dass Beeinträchtigungen für die psychische Gesundheit, wie sozialer Stress verhindert werden sollten. Gerade weil soziale Kontakte helfen, sozialen Stress zu reduzieren, muss die Stadtplanung und alle damit verbundenen Akteure dazu beitragen, soziale Kontakte in Städten zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Gegenseitige Beeinflussung
2 Städtisches Wohlbefinden
2.1 Gemeinsam einsam
2.2 Gemeinsam gegen Stress
3 Städtischer Raum
4 Hypothesen & Methodik
5 Qualitätskriterien für erholsame Räume
5.1 Schutz
5.2 Aneignung
5.3 Wohlbefinden
5.4 Gut gelungen
6 Interpretation
7 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Bachelor-Thesis untersucht, inwieweit die städtebauliche Gestaltung öffentlicher Plätze dazu beitragen kann, sozialen Stress bei Stadtbewohnern zu mindern, um somit das psychische Wohlbefinden in verdichteten urbanen Räumen zu fördern.
- Wechselwirkung zwischen Stadtplanung und psychischer Gesundheit
- Analyse der Komponenten sozialen Stresses (soziale Dichte und Isolation)
- Evaluierung von Qualitätskriterien für öffentliche Räume nach Jan Gehl
- Bedeutung von Sicherheit, Aneignung und Wohlbefinden im urbanen Kontext
- Praxisbeispiel zur Umgestaltung öffentlicher Räume (Thomaswiese Leipzig)
Auszug aus dem Buch
5.1 Schutz
„An einer solchen Stelle begreifen wir auch die Worte des Aristoteles, der alle Grundsätze des Städtebaues dahin zusammenfaßt [sic], das [sic] eine Stadt so gebaut sein solle, um die Menschen sicher und zugleich glücklich zu machen. Zur Verwirklichung des letzteren dürfte der Städtebau nicht bloß eine technische Frage, sondern müßte [sic] im eigentlichsten und höchsten Sinne eine Kunstfrage sein“ (Sitte 2001: 2).
Camillo Sitte beschreibt in dem hier gewählten Zitat, nicht nur das menschliche Bedürfnis nach Sicherheit im städtischen Raum, sondern auch, dass die gewünschte Sicherheit durch eine ästhetische Umsetzung erfolgen muss. Dies lässt darauf schließen, dass es eine Verbindung zwischen der Gestaltung von Städten und ihrer Sicherheit gibt. Es erscheint naheliegend, dass städtische Lebensqualität, oder Glück wie Sitte sagt, stark von der gefühlten Sicherheit abhängig ist. Eine zu beantwortende These dieser Arbeit beschäftigt sich mit dem Zusammenhang der gefühlten Sicherheit auf Plätzen und ihre Nutzung. In Verbindung mit der Annahme, dass die Nutzung von Plätzen entscheidend zur Minderung von sozialem Stress beiträgt, scheint die subjektive Sicherheit ein elementarer Faktor zu sein.
Angst, also das Fehlen von subjektiver Sicherheit, kann im Extremfall zur Minderung von sozialen Kontakten führen. Personen, die aus Mangel an gefühlter Sicherheit, nicht mehr gewillt sind in den öffentlichen Raum zu treten, haben zudem ein erhöhtes Risiko den negativen Effekten von Isolation aufgesetzt zu sein (vgl. London 2020: 31). Objektive Sicherheit beschreibt die tatsächliche Bedrohung durch Kriminalität. Diese kann durch Statistiken erhoben und gemessen werden. Die subjektive Sicherheit oder gefühlte Sicherheit ist, wie der Name verrät, eine individuelle Wahrnehmung und somit schwerer zu messen (vgl. BSBK 2020: 38). Um die Frage zu klären, was für die in der Bundesrepublik lebenden Menschen Sicherheit bedeutet, erhebt die Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen (Forsa) im Jahr 2018 eine Umfrage. Die Mehrheit der Befragten gibt dabei an, dass für sie Sicherheit bedeutet, die Möglichkeit zu besitzen, angstfrei zu leben und sich frei bewegen zu können. Weitere Faktoren, die für die Befragten Sicherheit suggerieren, sind der Schutz vor körperlichen Gewalt, Schutz bei Dunkelheit und Schutz im und vor dem Straßenverkehr (vgl. Forsa 2018: 4). Die Ergebnisse der Forsa Studie, decken sich zum großen Teil mit den in Abbildung drei beschriebenen Schutzkriterien für öffentliche Räume.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Gegenseitige Beeinflussung: Einführung in die Wechselwirkung zwischen Stadtplanung, Lebensqualität und Gesundheit sowie Darlegung der Forschungsfrage.
2 Städtisches Wohlbefinden: Theoretische Auseinandersetzung mit psychischer Gesundheit und den Komponenten des sozialen Stresses, namentlich soziale Dichte und soziale Isolation.
3 Städtischer Raum: Definition des Begriffs öffentlicher Raum und Erörterung seiner Rolle für gesellschaftliches Zusammenleben und psychische Gesundheit.
4 Hypothesen & Methodik: Formulierung der Arbeitshypothesen und Erläuterung des methodischen Vorgehens mittels Literaturrecherche und qualitativer Inhaltsanalyse.
5 Qualitätskriterien für erholsame Räume: Untersuchung gestalterischer Kriterien zur Stressminderung unterteilt in Schutz, Aneignung und Wohlbefinden.
6 Interpretation: Zusammenfassende Auswertung der Erkenntnisse aus den vorherigen Kapiteln sowie Reflektion über die Bedeutung von Gestaltung für die Stressprävention.
7 Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten im Bereich der stadtplanerischen Stressprävention.
Schlüsselwörter
Stadtplanung, öffentlicher Raum, sozialer Stress, psychische Gesundheit, soziale Dichte, soziale Isolation, Lebensqualität, Platzgestaltung, Sicherheitsgefühl, Aneignung, Aufenthaltsqualität, Stressprävention, Neurourbanistik, soziale Kontakte, Stadtentwicklung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelor-Thesis grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie die städtebauliche Gestaltung öffentlicher Plätze einen Beitrag zur Reduzierung von sozialem Stress leisten kann, um die psychische Gesundheit der Stadtbewohner zu schützen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die psychische Gesundheit im urbanen Kontext, die Definition und Auswirkungen von sozialem Stress, die Funktionen des öffentlichen Raums sowie Strategien der Stadtplanung zur Steigerung der Aufenthaltsqualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel der Arbeit ist es zu erfahren, wie öffentliche Plätze als stadtplanerische Mittel genutzt werden können, um sozialen Stress zu mindern und soziale Kontakte zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der anschließenden qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring, ergänzt durch eine verbal-argumentative Untersuchung der Qualitätskriterien öffentlicher Räume.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Qualitätskriterien öffentlicher Räume (Schutz, Aneignung, Wohlbefinden) im Hinblick auf ihr Stressminderungspotenzial und illustriert dies anhand eines Praxisbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Besonders prägend sind Begriffe wie Stadtplanung, öffentlicher Raum, sozialer Stress, psychische Gesundheit und Aufenthaltsqualität.
Welche Rolle spielt die subjektive Sicherheit bei der Gestaltung von Plätzen?
Subjektive Sicherheit wird als Grundvoraussetzung identifiziert, um öffentliche Plätze überhaupt zu nutzen; sie kann durch bauliche Maßnahmen wie gute Beleuchtung und Übersichtlichkeit gefördert werden.
Was bedeutet "Aneignung" im stadtplanerischen Sinne nach dieser Arbeit?
Aneignung beschreibt die alltägliche Nutzung und aktive Anpassung des Raums an die individuellen Bedürfnisse der Menschen, was beispielsweise durch Sitzgelegenheiten oder Bereiche zum Stehen unterstützt wird.
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- Ismael Ruiz (Author), 2020, "Healthy Urban Design" und die Stressminderung in Städten. Die Gestaltung öffentlicher Plätze und ihre Auswirkungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/974847