Gegenstand dieser Arbeit soll es sein, Konzepte von kultureller Identität der „Gastarbeiter“ und ihrer Nachfahren im historischen Wandel zu untersuchen und das Spannungsverhältnis zu einer diffusen Forderung nach Integration der bundesdeutschen Öffentlichkeit zu beleuchten. Ich werde mich dabei vornehmlich auf die Gruppe der griechischen „Gastarbeiter“ und ihrer Familien konzentrieren. Die Darstellung der zweiten und dritten Generation soll hingegen ohne Einschränkung auf eine spezifische Gruppe erfolgen, da es hier vor allem darum geht, die gemeinsame Erfahrung der Stigmatisierung der Deutschen mit „Migrationshintergrund“ zu veranschaulichen. Methodisch werde ich mich zum einen auf die Befragungsergebnisse empirischer Studien stützen.
Das Phänomen der Arbeitsmigration in der BRD soll zunächst am Beispiel der Griechen hinsichtlich Motivlage zur Ausreise und der Akkulturation in Deutschland dargestellt werden. Dabei sollen auch die politischen und sozialen Aufnahmebedingungen in der BRD thematisiert werden. Vorab müssen die Begriffe „Identität“ und „Integration“ hinsichtlich ihrer Verwendungsweise im Text geklärt werden. Zunächst soll aber noch ein exemplarischer Blick auf die Forschung zur „Gastarbeiter-Geschichte“ im Rahmen der Fragestellung geworfen werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zur Forschung
2. Integration und Zugehörigkeit
3. Die erste Generation der „Gastarbeiter“
3.1. Ursachen und Motive der Auswanderung
3.2. „Wirtschaftswunder“ und Anwerbeabkommen
3.3. Integration und Identität der ersten Generation
4. Identität und Integration in der zweiten und dritten Generation
4.1. Die zweite Generation
4.2. Die dritte Generation
5. Resümee
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht Identitätskonstruktionen und Integrationsprozesse von „Gastarbeitern“ und deren Nachkommen in Deutschland, wobei der Fokus primär auf der griechischen Migrationserfahrung liegt. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der sozialen Realität der Migranten und den essentialistischen Vorstellungen einer homogenen Mehrheitsgesellschaft aufzuzeigen und das Spannungsfeld zwischen Anpassungsdruck und dem Erhalt der eigenen kulturellen Identität zu analysieren.
- Historische Einordnung der Arbeitsmigration und Anwerbepolitik
- Soziologische und kulturwissenschaftliche Fundierung der Integrationsbegriffe
- Analyse der Migrationsmotive am Beispiel griechischer „Gastarbeiter“
- Identitätsbildungsprozesse in der zweiten und dritten Einwanderergeneration
- Die Rolle der Wahrnehmung durch die Mehrheitsgesellschaft und Stigmatisierungsprozesse
Auszug aus dem Buch
Die erste Generation der „Gastarbeiter“
Für die Analyse der Ursachen von kollektiven Wanderungsbewegungen hat sich in der ökonomisch ausgerichteten Migrationsforschung das „Push-Pull-Modell“ durchgesetzt, das davon ausgeht, dass es bestimmte sozioökonomische, politische oder auch ökologische Gründe gibt, die Migranten aus ihren Herkunftsländern „wegdrücken“ und solche, die sie ins Ziel- oder Aufnahmeland „hinziehen“. Ergänzend zu diesen Faktoren hat LEE in einem mikrotheoretischen Ansatz die Kriterien „intervenierende Hindernisse“ und „individuelle Faktoren“ hinzugefügt, um der Vielschichtigkeit von Migrationsmotiven Einzelner eher gerecht werden zu können und auch die individuellen Bewertungen der Migranten miteinzubeziehen. An diesem Modell wird sich die nachfolgende Darstellung im Wesentlichen orientieren.
In Bezug auf die Untersuchungsgruppe der „Gastarbeiter“ sind Einschränkungen vorzunehmen, denn diese setzt sich vorrangig aus Italienern, Griechen, Türken, Spaniern, Portugiesen und Jugoslawen zusammen. Hier sollen die Migrationsmotive exemplarisch anhand der griechischen „Gastarbeiter“ beleuchtet werden. Dabei ist anzumerken, dass es gerade in sozioökonomischer Hinsicht strukturelle Parallelen zwischen den griechischen Herkunftsregionen und den Herkunftsländern der anderen Ethnien gibt. Übertragbarkeit ist also, mit aller Vorsicht, gegeben.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die aktuelle Relevanz des Themas im Kontext einer Einwanderungsgesellschaft und definiert die methodische Herangehensweise unter Einbeziehung fiktionaler Quellen.
1. Zur Forschung: Dieses Kapitel gibt einen skizzenhaften Überblick über die Entwicklung der „Gastarbeiterforschung“ und die verschiedenen akademischen Strömungen seit den 1970er Jahren.
2. Integration und Zugehörigkeit: Hier werden theoretische Grundlagen für die Begriffe „Integration“ und „Identität“ erarbeitet, wobei der Fokus auf soziologischen und kulturwissenschaftlichen Ansätzen liegt.
3. Die erste Generation der „Gastarbeiter“: Dieses Kapitel behandelt die spezifischen Migrationsmotive und die Anwerbeprozesse sowie die Lebenswirklichkeit der ersten Generation in Deutschland.
4. Identität und Integration in der zweiten und dritten Generation: Der Fokus liegt hier auf den Identitätsbildungsprozessen der nachfolgenden Generationen, geprägt durch Spannungsfelder zwischen Herkunft und Ankunft.
5. Resümee: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und kritische Reflexion über die anhaltende Relevanz essentialistischer Identitätskonzepte in Deutschland.
Schlüsselwörter
Gastarbeiter, Integration, Identität, Migration, Migration-hintergrund, Anwerbeabkommen, Transkulturalität, zweite Generation, dritte Generation, Mehrheitsgesellschaft, Stigmatisierung, Identitätsbildung, Kulturwissenschaft, Arbeitsmigration, griechische Migration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Integrationsgeschichte und Identitätskonstruktionen von „Gastarbeitern“ und deren Nachkommen in der Bundesrepublik Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen das Spannungsfeld zwischen den Migranten und der deutschen Mehrheitsgesellschaft, der Wandel von Migrationsmotiven sowie die Herausforderungen der Identitätsfindung über drei Generationen hinweg.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich Identitäten von Zuwanderern im Kontext der deutschen Einwanderungsgeschichte konstruieren und wie gesellschaftliche Stigmatisierungsprozesse auf diese Identitätsbildung einwirken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin/der Autor nutzt einen kulturwissenschaftlichen Ansatz und kombiniert diesen mit soziologischen Stufenmodellen der Integration sowie der Analyse fiktionaler Quellen wie Filmen und Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Migrationsmotiven (Push-Pull-Modell), die Anwerbepolitik, die soziale Realität der ersten Generation sowie die Identitätskonflikte der nachfolgenden Generationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Integration, Identität, Gastarbeiter, Migrationshintergrund und Stigmatisierung.
Warum wird speziell das Beispiel der griechischen Migration gewählt?
Die griechische Gruppe dient als exemplarische Fallstudie, um die strukturellen Parallelen der Arbeitsmigration aufzuzeigen, wobei die dortigen sozialen Strukturen besonders deutlich die Mechanismen der Identitätswahrung abbilden.
Welche Bedeutung hat das „Einwandererkino“ in dieser Untersuchung?
Das Einwandererkino dient als Quelle für die Analyse von Identitätskonstruktionen, da es die Problematik von Fremdzuschreibungen und Hybridität aus Sicht der Betroffenen oder durch die mediale Reflexion verdeutlicht.
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- Sascha Dankudis (Autor), 2019, Identität und Integration im Kontext der Geschichte der Gastarbeiter. Die "Neuen Deutschen" oder die ewigen Gäste?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975124