Fotografie im Dienst der Effizienz oder Effizienz im Dienst der Fotografie? Eine sich wandelnde Beziehung


Hausarbeit, 2020

23 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Bewegungsstudien von Frank Bunker Gilbreth
2.1. Vom Maurer zum Unternehmensberater
2.2. Out-Tayloring Taylor
2.3. Visuelles Wissen generieren
2.4. Eine Ästhetik der Ordnung
2.5. Arbeitsmittel und Kunst zugleich?

3. Industrialisierte Fotografie
3.1. Ein besseres Verfahren?
3.2. Alles unter einem Dach
3.3. One simplified path

4. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

8. Filmografie

Anhang

1. Einleitung

Es ist äußerst schwer, einen Menschen im allgemeinen von dem Wert und besonders dem Geldwert einer abstrakten Sache zu überzeugen. Durch das Bewegungsmodell tritt aber dieser Wert klar in die Erscheinung und übt seine Wirkung aus. Es führt die Tatsache greifbar vor Augen, daß Zeit Geld ist, und daß eine nutzlose Bewegung für immer verlorenes Geld bedeutet.1

Der Unternehmensberater Frank Bunker Gilbreth stand mit dieser Feststellung in der Denktradition des weltumspannenden Kapitalismus. Der Glaube daran, dass Zeit Geld ist, und es erstrebenswert ist, möglichst viel Geld anzuhäufen, hatte ihn fest im Griff. Durch den ersten Weltkrieg litt Amerika unter großen Verlusten an Menschen und dementsprechend auch an Arbeitskraft. So entwickelte Gilbreth mit dem Bewegungsstudium eine Methode, Arbeitsvorgänge effizienter zu gestalten und sie gleichzeitig für die Arbeitenden zu erleichtern. Er machte sich mit seiner Frau Lilian auf die Suche nach dem Einen besten Weg2 zur Ausführung einer jeden Tätigkeit. Dazu bediente er sich vorwiegend medialer Visualisierungsstrategien wie Fotografie und Film. Zeitgleich ging die Forschung darüber voran, wie man fotografische Arbeitsprozesse selbst effizienter gestalten könne. Zwei Gesichter einer Medaille?

Das Interesse dieser Arbeit ist es herauszuarbeiten, in welcher sich wandelnden Beziehung Fotografie und Effizienz zueinander stehen. Wann dient die Fotografie der Effizienz und wann bedient sie sich ihrer? Es geht nicht darum, chronologisch eine kohärente und vollständige Geschichte der Fotografie und ihrer Verknüpfung mit dem Effizienzgedanken zu schreiben, sondern einen beispielhaften Ausschnitt dieser Geschichte zu beleuchten. Dabei wird unter anderem die Frage gestellt, wie effiziente Fotografie aussehen kann.

Effizienz wird in diesem Kontext verstanden als Wirtschaftlichkeit. Sie ist das Maß dafür, wie viel Aufwand für ein festgesetztes Ziel betrieben werden muss.

Untersucht werden zuerst und schwerpunktmäßig die Bewegungsstudien Frank Gilbreths, die die amerikanische Unternehmensberatung tief gehend geprägt haben. Darauf folgend widmet sich die Arbeit der Entwicklung der Firma Eastman Kodak, die in den 1890er Jahren zum Marktführer in der Produktion von Fotomaterial wurde.

Da der Effizienzdiskurs ebenso breit wie der Fotodiskurs ist, werden sicherlich einige Fragen unbeantwortet bleiben und zusätzliche Fragen aufkommen, die weiterer Untersuchung bedürfen.

Das bearbeitete Material ist vorwiegend historischer Natur, soll aber aus zeitgenössischer Perspektive betrachtet und aufgearbeitet werden.

2. Bewegungsstudien von Frank Bunker Gilbreth

2.1. Vom Maurer zum Unternehmensberater

Jahrhundertwechsel 1900. Der Maurer Frank Bunker Gilbreth arbeitet auf Baustellen und beobachtet, wie die Männer um ihn herum auf unterschiedliche Art und Weise ihre Arbeit verrichten. Sie werden müde - einer früher, einer später - und die Arbeit erschöpft sie. Das weckt die Frage in Gilbreth: Gibt es den einen besten Weg3, eine Mauer zu mauern, der am nachhaltigsten mit der Ressource Mensch umgeht?

So beginnen seine detaillierten Untersuchungen der verschiedenen Arbeitsweisen und er identifiziert den entscheidenden Faktor, der zur Müdigkeit der Maurer beiträgt: unnötige Bewegung. Gilbreth arbeitet sich kurzerhand vom Maurer zum eigenständigen Bauunternehmer und Erfinder hoch und optimiert die Arbeitsprozesse auf seinen eigenen Baustellen durch effiziente Standardisierung. Indem er die Anzahl der benötigten Bewegungen zum Verlegen eines Steins von 18 auf 5 reduziert, wird die Ermüdung der Arbeiter reduziert und es werden pro Stunde ca. 350 Steine, statt wie zuvor 120 verlegt.4

Um seine Arbeiter zu instruieren bediente er sich der Fotografie, ergänzt durch leicht verständliche schriftliche Erklärungen. Ganz im Sinne eines vergleichenden „Vorher- Nachher“-Sehens fotografiert Gilbreth Maurer bei der umständlichen Ausführung ihrer Arbeit, sowie ineffizient angeordnete Gerätschaften. Dem entgegen setzt er die Fotografien des einen besten Wegs, um die Arbeit zu verrichten (siehe Anhang 2). Durch den Gebrauch eines hohen Mauergerüsts müssen sich die Maurer nun nicht mehr bücken, um an die zu verlegenden Steine zu gelangen. Die Gebrauchsweise der Fotografie ist hier eine rein dokumentarische, sie zeigt das Vorher und das Nachher und kann so zur Visualisierung einer Instruktion verwendet werden. Gilbreth schreibt selbst in Motion Study (1911), dass Bilder als praktische Beispiele aussagekräftiger und schneller zu begreifen seien als rein textliche Formate.5 Er behauptet: „The expert can visualize on his own, without the aid of images. This is not the case, however, for the worker, who needs an image in order to visualize.“6 Fotos sind die Erklärung, die am dienlichsten dafür ist, Arbeiter vom Ist- in den Sollzustand zu versetzen. Der Sollzustand ist definiert als effizientester, bester Weg des Maurerns. In gegebener Zeit soll mit den vorhandenen Ressourcen - sowohl materieller als auch menschlicher Natur - ein besseres Ergebnis erreicht werden. Sein Vorhaben gelingt, sodass Frank Gilbreth ab 1910 vermehrt als Lehrer und Berater für Unternehmen tätig wird.

2.2. Out-Tayloring Taylor

Gilbreth steht mit seinen Untersuchungen in der Tradition Frederick Winslow Taylors. Auch er versucht, Arbeitsprozesse zu optimieren, indem er Bewegungen per Stoppuhr metrisiert, unnötige Bewegungen ausmerzt und so schneller zum Ziel kommt. Arbeit wird in immer kleinere Einheiten zerlegt, auf verschiedene Arbeiter verteilt, sodass keine Zeit für den Wechsel zwischen verschiedenen Aufgaben vergeudet wird.7 8 Daran schließt Gilbreth an und spezialisiert sich auf das Bewegungsstudium. Darunter versteht man die

Zerlegung der Elemente einer Arbeit in ihre kleinstmöglichen elementaren Unterteilungen, als die Untersuchung und Messung jeder dieser verschiedenen fundamentalen Einheiten einzeln und in ihrer Beziehung zueinander und als der sich daraus ergebende Auf- und Zusammenbau von Verfahren aus einer Auswahl von Einheiten, die am wenigsten Verschwendung aufweisen.9

Was Gilbreth jedoch von Taylor unterscheidet und ihn letztendlich zum erfolgreichen „industrial efficiency expert“10 macht, sind die von ihm angewandten Verfahren zur Identifizierung unnötiger Bewegung: Er macht sich Fotografie und Film zunutze.11 Bereits seit den 1880er Jahren wird die Fotografie verstärkt im Industrie- und Wirtschaftsmanagement verwendet, um „Daten zu gewinnen, zu analysieren, zu kommunizieren oder zu berechnen.“12 Die Kommunikation von Daten wurde bereits am Beispiel des Maurerns behandelt. Die von Gilbreth angefertigten Fotografien dienten der Kommunikation des mit dem Auge gewonnenen Wissens. Sie sind Medium der Effizienz, da das „Herauslesen“ der relevanten Informationen sowohl weniger Raum für Missverständnisse bietet, als auch schneller geschieht als beim Lesen einer äquivalenten schriftlichen Anleitung. Diese Erkenntnis ist keineswegs neu oder Gilbreths Entdeckung. Bereits Talbot hatte im Pencil of Nature seine Begeisterung für den „Vorzug des Bildes gegenüber der Beschreibung“13 kundgetan.

Interessant ist, welche Form das gewonnene Wissen annehmen muss, damit aus effizienten Bildern (im Sinne einer Zeitersparnis gegenüber der Schrift) auch Bilder der Effizienz werden. Bezieht man sich wieder auf die Abbildungen mit den Maurern, so erkennt man gegenübergestellte Ästhetiken der Ordnung beziehungsweise Unordnung. Die Anordnung der Steine wie auch der Arbeiter im linken Bild scheint willkürlich und unruhig. Damit ist nicht gemeint, dass das fotografische Bild willkürlich aufgebaut ist, sondern dass die Maurer keiner festgelegten Arbeitsordnung zu folgen scheinen. Das rechte Bild hingegen ist viel geordneter, die ausschlaggebenden Bildlinien sind horizontal und vertikal zum Bildrand angeordnet, man könnte von einer gerasterten Komposition sprechen.

2.3. Visuelles Wissen generieren

Als Unternehmensberater setzt Gilbreth viel darauf, sowohl innovativ als auch wissenschaftlich zu wirken. Der wissenschaftliche Geist, wie Gilbreth ihn nennt, bestimmt die verschiedenen Bereiche des Lebens, auch die Ökonomie.14 Daher liegt es für ihn nicht fern, sich der Fotografie zu bedienen. Der Glaube an die Wahrheit der Fotografie ist zu diesem Zeitpunkt noch weitgehend ungebrochen. Gilbreth konstatiert:

Die Photographie ist eine der dankbarsten Beobachtungsunterlagen. [...] Dort, wo solche Aufnahmen möglich sind, wird man finden, daß sie die besten Belege bilden, da sie ausführlich, objektiv, leicht verständlich, leicht aufnehmbar und immer zur Hand sind.15

Ist die Fotografie zu seinen Zeiten als Bauunternehmer noch einfaches Dokumentationsmittel effizienter Arbeit, nutzt Frank Gilbreth sie spätestens mit der Erfindung der Chronozyklegrafie als Beobachtungsmittel zur Generierung visuellen Wissens. Wo Taylor durch die manuelle Bedienung von Stoppuhren und das Auge als Messinstrument Raum für Subjektivität und menschliche Ungenauigkeit lässt, sollen bei Gilbreth die Maschinen sprechen, es entsteht ein ausgeklügeltes fotografisches Dispositiv - die Chronozyklegrafie.

Bei der Chronozyklegrafie handelt es sich vereinfacht um ein System zur Aufnahme von Fotografien langer Belichtungszeit, die den Verlauf eines sich wiederholenden Arbeitsschrittes festhalten. Die Bewegungsunschärfe ausnutzend, werden den Arbeitern kleine Lampen an die Finger angebracht, sodass der während der Belichtung zurückgelegte Weg als weiße Spur nachvollziehbar ist. So können unnötige, beispielsweise doppelte, Wege identifiziert und korrigiert werden (Beispiel siehe Anhang 3). Es ist dabei völlig irrelevant, um welche Art von körperlicher Arbeit es sich handelt: „The principle is simply that it takes more time and motion to move your hand from A to B by the way of C than to move it directly from A to B, whether your hand holds a towel, a scalpel, a brick or a monkey-wrench.“16 Durch die entstehenden Bewegungslinien werden Bewegungen sichtbar, die mit dem bloßen Auge nicht beobachtet werden können. So dient die Fotografie als effizientes Medium der Erkenntnis und nicht mehr nur als Medium der Dokumentation des Wissens über effizientes Arbeiten, was bereits ohne visuelle Medien gewonnen wurde. Das Messen der Arbeitsbewegungen überlässt Frank Gilbreth nun komplett seinen Kameras.17 Es geht letzten Endes darum, „Effizienzreserven bei körperlichen Arbeitsprozessen innerhalb eines Unternehmens aufzuspüren, die zuvor, ohne filmische Visualisierung, nicht zu erkennen sind.“18 Werden überflüssige Bewegungen identifiziert, so gilt es, einen effizienteren Bewegungsablauf zu gestalten. Dazu baut Gilbreth dreidimensionale Modelle des zurückgelegten Weges aus Draht. Den Verlauf des Drahts im modellierten Raum verändert Gilbreth so, dass er möglichst draht - und somit weg- und zeitsparend ist (siehe Anhang 4). Die so entstandene Route gilt es dann als bestmögliche Arbeitsweise zu lehren.19 Wie in der Einleitung zitiert wurde, macht dieses Modell den Arbeitern die wirtschaftliche Äquivalenz von Zeit und Geld deutlich. Jede unnötige Bewegung kostet Zeit, die durch effizienteres Arbeiten eingespart werden könnte.

Alle hier beschriebenen Techniken werden unter dem Begriff Scientific Management oder genauer Visual Management zusammengefasst.20 Die Bedeutung dieser Arbeit wächst rasant, als Amerika infolge des ersten Weltkriegs stark geschwächt ist. Die Ressourcen sind knapp, ganz besonders die Ressource Mensch.21 Es müssen Ersparnisse erzielt werden, um die finanzielle Situation des Landes zu stabilisieren und dem Volk mit der Zeit wieder zu Wohlstand zu verhelfen.22 So kommt es dazu, dass wie zu keinem anderen Zeitpunkt der Geschichte „effizient“ und „gut“ mehr oder weniger gleichbedeutend genutzt werden.23 Gilbreths Bewegungsstudien finden nicht nur in Fabriken Anwendung, sondern auch in anderen Wirtschaftszweigen wie der Medizin.

2.4. Eine Ästhetik der Ordnung

Gilbreth beginnt, ChirurgInnen bei ihrer Arbeit zuzusehen und in Chronozyklegrafien festzuhalten, mit welcher Technik beispielsweise Wunden genäht werden. Die Medizinhistorikerin Caitjan Gainty beschreibt treffend: „Gilbreth transform[s] their operating rooms into efficiency laboratories.“24 Die verschiedenen ÄrztInnen und OP- HelferInnen um den OP-Tisch werden mit verschiedenen Nummern und Farben codiert, sodass sie in den Fotografien identifizierbar bleiben (siehe Anhang 5). „The [pictures] document for us still the transformation of operating rooms into gridded cages; of surgeons and surgical nurses into color-coded and numbered sets of hands and eyes, interminably watched and measured by a battery of cameras and clocks.“25 So ist es zum Beispiel Gilbreths Verdienst, dass OP-HelferInnen heute die Instrumente nach Wunsch der ChirurgInnen anreichen. Seine Bewegungsstudien im OP-Saal ergaben nämlich, dass so unnötige Bewegungen reduziert werden können. Doch nicht immer finden die fotografisch-medizinischen Experimente tatsächlich im Krankenhaus statt. Das technische Dispositiv der Chronozyklegrafie ist recht umfangreich und nicht ohne Weiteres zu transportieren. So fällt Gilbreth die Entscheidung, zur Ersparnis menschlicher Kraft und Zeit sein eigenes Esszimmer als stellvertretenden OP-Saal zur Verfügung zu stellen - eine vom Effizienzgedanken getriebene Entscheidung. Die Durchführung des fotografischen Experimente bleibt dabei dieselbe und auch die Bildästhetik bleibt bestehen.

Im oben angeführten Zitat wird von „gridded cages“26 gesprochen. Diese Formulierung spielt auf die von Gilbreth entwickelte Messvorrichtung an. Die schwarz abgedunkelten Wände, Böden und manchmal auch Tische im Bildraum werden mit einem weißen Raster der Länge 12 Inch bestückt. So wird das Ausmaß jeder Bewegung im Bild nachvollziehbar und im Nachhinein wissenschaftlich messbar gemacht - der zurückgelegte Weg der Lämpchen verläuft in einem dreidimensionalen Koordinatensystem (siehe Anhang 6). Ressourcen einsparend wird der Fotofilm mehrfach belichtet, wobei dieselbe Messfläche immer an einer anderen Stelle im Raum platziert wird, der gerasterte Käfig entsteht.27 Der Begriff des Rasters kam bereits in der Beschreibung der Ästhetik des effizienten Maurerns auf. Es scheint als seien Rasterung und Ordnung ein visuelles Kriterium für Effizienz. Der Filmhistoriker Scott Curtis fragt:

What does efficiency look like? It has smooth lines, simplified design, and standardized geometries. We can even see this aesthetic in the simultaneous motion charts: Efficiency is here clearly symmetrical and consists of geometrical units, like bricks, recalling Gilbreth's first career.28

Ineffizientes Nähen von Wunden beispielsweise zeichnet sich durch wild verlaufende Lichtlinien auf den Chronozyklegrafien aus. Hat ein Chirurg hingegen eine gute und effiziente Technik, so decken sich die Lichtlinien bei repetitiven Bewegungen und sind nicht mehr auseinanderzuhalten. Während einer der sogenannten Dining Room Surgeries29 wendet sich Gilbreth an den Chirurgen Eugene Pool: „That last will not make a pretty picture for the reason that you have such a good habit that the lines will coincide.“30 Interessanterweise wendet er hier mit dem Begriff „pretty“ eine ästhetische Kategorie auf die Fotografien an. Effizientes Arbeiten produziert anscheinend keine hübschen Bilder, kein magisches Durcheinander von Linien. Das lässt die Frage aufkommen, was Gilbreths tatsächlicher Anspruch an die Bilder ist. Sollen sie wissenschaftlich, genau, innovativ und ressourcensparend sein oder spektakulär und ansehnlich? Vermutlich ergibt sich die Effizienz der Bilder daraus, dass sie alles davon gleichzeitig sind oder zumindest so aussehen.

Effizient sind sie auch, weil sie mehrere Aspekte in sich vereinen. Sie machen nicht nur unnötige Bewegungen sichtbar, sondern beinhalten durch das Einbeziehen von mehreren Zeitmessern im Bild auch Informationen über die dafür benötigte Zeit. Genauso gibt ein kleines Schild darüber Auskunft, dass es sich um Experimente Frank Gilbreths handelt und wo sie unter welchen klimatischen und räumlichen Bedingungen aufgenommen wurden. So spart man sich aufwendige Bildbeschreibungen und die Firma Gilbreth Inc. betreibt wirksames Marketing.

2.5. Arbeitsmittel und Kunst zugleich?

Man könnte behaupten, dass die Chronozyklegrafie bereits als Verfahren selbst effizient ist, weil sie - der Langzeitbelichtung geschuldet - unnötige Details vernachlässigt und einen schnelleren Fokus auf die relevanten Informationen erlaubt. Irrelevant scheinen die Arbeiter selbst zu sein, interessant ist nur die im Bild sichtbar gemachte, verrichtete Arbeit. "The visualization of efficiency, it seems, necessitated the invisibility of the worker as the producer of labor“31, stellt die Kuratorin und Kunstprofessorin Sharon Corwin fest. Wer jedoch nicht unsichtbar bleibt, ist der große Erfinder Frank Gilbreth, dessen Name stolz auf den Fotografien prangert. Das Branding der Marke Gilbreth Inc. kann quasi ganz nebenbei betrieben werden - es ist jeder Chronozyklegrafie inhärent. Das Alleinstellungsmerkmal, das die Firma so erfolgreich macht, ist diese ganz spezifische Mediennutzung. Fotografie mit ihrer zu dieser Zeit noch fast ungebrochen objektiven Aura, und später auch Film, sorgen für ein Vertrauen in Gilbreths Methoden, unabhängig davon, wie wirtschaftlich sie letztendlich für die Kunden sind.32 Kaum wird darüber nachgedacht, dass jeder Chronozyklegrafie ein Programm innewohnt, dass oft mehrere Versuche unternommen werden, um zu dem Bild zu gelangen, was letztlich veröffentlicht wird.

Gilbreth initially dictated what he saw in the camera, instructing [...] on how to get the best images (this was the cause of the lights being resituated), and then, judging as they went which images would be good, which less so, and which ought to be done in the ,right way‘ as well as in the ,wrong way‘33

[...]


1 Frank Gilbreth zitiert nach Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 82.

2 vgl. ebd., S. 247.

3 Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 7.

4 vgl. Landau: Mehr tun müssen?, S. 68.

5 vgl. Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 12.

6 Curtis: Images of Efficiency, S. 94.

7 Curtis: Images of Efficiency, S. 88.

8 vgl. Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 25.

9 ebd., S. 26.

10 Gainty: Mr. Gilbreth’s Motion Pictures - The Evolution of Medical Efficiency, S. 109.

11 vgl. Curtis: Images of Efficiency, S. 85.

12 Hoof: Engel der Effizienz, S. 63.

13 Talbot: Der Stift der Natur, S. 61

14 vgl. Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 63.

15 ebd., S. 39.

16 Frank Gilbreth zitiert nach Gainty,: „Going After the High-Brows“, S. 13.

17 vgl. Gainty,: „Going After the High-Brows“, S. 7.

18 Hoof: Engel der Effizienz, S. 13.

19 vgl. Gainty: Mr. Gilbreth’s Motion Pictures - The Evolution of Medical Efficiency, S. 109.

20 vgl. Hoof: Engel der Effizienz, S. 65.

21 vgl. Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 62.

22 vgl. Wirsching: From Work to Consumption, S. 1f.

23 vgl. Corwin: Picturing Efficiency, S. 141.

24 Gainty: Mr. Gilbreth’s Motion Pictures - The Evolution of Medical Efficiency, S. 109.

25 Gainty,: „Going After the High-Brows“, S. 1.

26 ebd.

27 vgl. Stiegler (Hg.): Die Magie des Bewegungsstudiums, S. 67.

28 Curtis: Images of Efficiency, S. 95.

29 Gainty,: „Going After the High-Brows“, S. 14.

30 Frank Gilbreth zitiert nach Gainty,: „Going After the High-Brows“, S. 15.

31 Corwin: Picturing Efficiency, S. 146.

32 vgl. Hoof: Engel der Effizienz, S. 191.

33 Gainty,: „Going After the High-Brows“, S. 14f.

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Fotografie im Dienst der Effizienz oder Effizienz im Dienst der Fotografie? Eine sich wandelnde Beziehung
Hochschule
Folkwang Universität der Künste
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
23
Katalognummer
V975616
ISBN (eBook)
9783346326652
ISBN (Buch)
9783346326669
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Fotografie, Bewegungsstudium, Kodak, Fotografiegeschichte, Effizienz, USA, Fabrik
Arbeit zitieren
Judith Böttger (Autor), 2020, Fotografie im Dienst der Effizienz oder Effizienz im Dienst der Fotografie? Eine sich wandelnde Beziehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975616

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