Verlassene Felder im semiariden Südostspanien. Regeneration der Vegetation und Reduktion der Bodenerosion?


Bachelorarbeit, 2018

56 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Ziele und Forschungsfragen

3. Methodik und Aufbau

4. Begriffsdefinitionen
4.1. Desertifikation
4.2. Semiaridität

5. Untersuchungsgebiet
5.1. Klima
5.2. Natürliche Vegetation
5.3. Gesteinsuntergrund
5.4. Agrarwirtschaft

6. Landflucht und Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen
6.1. Landaufgabe als globales Problem
6.2. Aktuelle Entwicklungen im ländlichen Südostspanien

7. Theoretisch-konzeptionelle Grundlagen und Problembeschreibung
7.1. Landnutzung in der Mediterraneis
7.2. Vegetationsbedeckung und Bodenerosion

8. Analyse
8.1. Vegetationssukzession auf verlassenen Feldern
8.2. Vegetation und Erosion auf unterschiedlichen Flächen
8.3. Vegetation und Erosion auf Terrassenfeldern
8.4. Gesteinsuntergrund als wesentlicher Faktor

9. Diskussion der Analyseergebnisse

10. Synthese und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Kurzfassung

Im vergangenen Jahrhundert führten landwirtschaftliche Veränderungen einerseits zu einer intensivierten Nutzung in produktiven Gebieten und andererseits zu Landaufgaben in Ungunsträumen. Vor allem ab der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden zahlreiche Ackerflächen im mediterranen Raum aufgegeben. Abhängig von den Umweltbedingungen kann die Entwicklung verlassener landwirtschaftlicher Flächen stark variieren. Ziel der vorliegenden Arbeit war es die Vegetationsdynamik sowie die Erosionsprozesse auf verlassenen Feldern im semiariden Südostspanien zu analysieren. Dazu wurden mehrere Studien zitiert. Die Analyse zeigte, dass die Aufgabe, je nach den spezifischen Standortbedingungen, sowohl negative als auch positive Auswirkungen auf die Bodenentwicklung haben kann. In den ersten Jahren nach dem Verlassen, wenn die Felder brachliegen und Krustenbildung auftritt, sind erhöhte Erosionsraten wahrscheinlich. Unter günstigen klimatischen Bedingungen aber regeneriert sich die Vegetation und die Bodenerosion nimmt ab. Ist dies nicht der Fall muss mit verstärkter Bodendegradation gerechnet werden. Aufforstungsprogramme könnten die Vegetationssukzession auf verlassenen Feldern beschleunigen. In Zeiten des Klimawandels bleibt die zukünftige Entwicklung der Felder im Südosten Spaniens allerdings ungewiss.

1. Einleitung

Das Klima und die Auswirkungen menschlicher Aktivitäten haben im Mittelmeerraum zu einer fortschreitenden Desertifikation geführt, die besonders in semiariden Gebieten problematisch ist. In den letzten Jahren war insbesondere das semiaride Südostspanien Gegenstand vorrangiger Aufmerksamkeit bei der Erforschung erosiver Prozesse. Bodenerosion durch Wasser ist eine der Auswirkungen von Desertifikation und in semiariden Gebieten der Erde ein weit verbreitetes Problem. Semiarides Klima ist charakterisiert durch spärliche Niederschläge, weswegen Landschaften auftreten, die vegetationsarm sind. Unregelmäßige Starkniederschlagsereignisse fördern zudem Erosionsprozesse. Die Bodenerosion im Südostspanien ist ein komplexer Prozess, der sowohl von biophysikalischen als auch von anthropogenen Komponenten bestimmt wird.1

Waldrodungen, Ackerbau und Beweidung haben den Südosten Spaniens in den vergangenen Jahrhunderten zu einer stark fragmentierten Landschaft geformt. In jüngster Zeit wurde die traditionelle Landwirtschaft zunehmend aufgegeben und gleichzeitig fand eine Intensivierung statt. Die Landaufgabe im südöstlichen Spanien ist hauptsächlich Ergebnis der Entscheidungen der europäischen Wirtschaftspolitik, mangelnder Rentabilität der traditionellen Agrarwirtschaft sowie soziokultureller Veränderungen. Landaufgaben betreffen insbesondere Terrassenfelder in gebirgigen Regionen, die ungünstige Bedingungen für die Kultivierung von Nutzpflanzen aufweisen. Die Erosionsraten sind je nach Landnutzungspraktiken sehr unterschiedlich und können bei starker Bodenbeanspruchung sehr hoch sein. Was passiert allerdings mit den Feldern die aufgegeben werden? Reduziert sich die Erosion, wenn der Boden nicht mehr genutzt wird? Vor allem die Vegetation spielt eine große Rolle bei der Bodenerhaltung. Deshalb sollen im Zuge der Arbeit die Vegetationsregeneration sowie die Bodenerosion nach der Aufgabe von Feldern im Südosten der iberischen Halbinsel untersucht werden. Zu diesem Zweck wurden die Regenerationskapazität der Natur und die Beziehung zwischen Vegetation und Boden ins Zentrum des Interesses gerückt. Die Abtragung von Boden und Nährstoffen hat eine große wirtschaftliche und ökologische Bedeutung und sollte daher Aufmerksamkeit im wissenschaftlichen Bereich bekommen, um Handlungsperspektiven zu erschließen.

2. Ziele und Forschungsfragen

Es ist bekannt, dass die Intensivierung der Landwirtschaft oft mit einer Vegetationsentfernung einhergeht und die Überbeanspruchung des Bodens zu erhöhten Erosionsraten führt. Ziel der Untersuchung ist es, herauszufinden, ob es der Vegetation gelingt sich auf verlassenen Feldern im semiariden Südostspanien wiederherzustellen. Dabei ist eine natürliche Regeneration der Vegetation gemeint, d.h. ein Wiederherstellungsprozess der Vegetationsbedeckung, der durch sekundäre Sukzession ohne dem Eingreifen des Menschen erfolgt. Folglich wird nach den Ur­sachen, die der erfolgreichen Vegetationsregeneration auf ehemaligen Ackerflächen zugrunde liegen, gefragt, falls eine solche festgestellt werden kann. Es sollen die Hauptfaktoren, die für die Vegetationserholung auf verlassenen Feldern verantwortlich sind, identifizieren werden bzw. jene Faktoren ausfindig gemacht werden, die die Entwicklung einer Vegetationsdecke hemmen. Ein weiteres Ziel ist es herauszufinden, ob sich die Bodenerosion durch Wasser auf­grund der Regeneration der Vegetation reduziert. Dabei wird angenommen, dass sich durch die Pflanzenwiederbesiedelung die Infiltration erhöht, die Wasserrückhaltekapazität im Boden ver­bessert, sich der Abfluss somit verringert und die Erosion abnimmt. Die Wechselwirkung von Vegetation und Boden steht bei der Untersuchung im Vordergrund. Aus diesen Zielen leiten sich folgende Forschungsfragen ab, die am Ende beantwortet werden sollen:

1. Ist nach der Aufgabe von Ackerflächen mit einer Regeneration der Vegetation zu rechnen?
2. Verringert sich die Bodenerosion auf verlassenen Feldern durch die erfolgreiche Vegetationsregeneration?

Zu den beiden Fragen wurde jeweils eine Hypothese formuliert:

1. Durch das Verlassen der agrarischen Gebiete konnte sich die Vegetation weitgehend regenerieren.
2. Aufgrund der Regeneration der Vegetation nehmen Bodenerosionsprozesse ab.

3. Methodik und Aufbau

Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Literaturarbeit. Mehrere Studien zum Thema sollen zusammengefasst werden, um eine umfassende Analyse zu ermöglichen. Zur Veränderung der Vegetationsbedeckung auf verlassenen landwirtschaftlichen Flächen im mediterranen Raum wurden bereits viele Studien durchgeführt. Bodenerosionsprozesse auf aufgegebenen Feldern sind allerdings bis dato noch relativ wenig erforscht worden.2 Nichtsdestotrotz sind ausreichend Untersuchungsergebnisse vorhanden, um eine intensive Beschäftigung mit dem Thema zu ermöglichen. Die Arbeit soll den neusten Forschungsstand wiedergeben. Deshalb wurde versucht möglichst aktuelle Studien zu zitieren. Trotzdem sind die Inhalte älterer Untersuchungen, größtenteils aus den 1990er Jahren, äußerst relevant, da sich diese insbesondere der Rolle der Vegetation bei Erosionsprozessen in semiariden Klimaten widmeten und deren Kenntnisse für den aktuellen Wissensstand unumgänglich sind.

Bei den zu untersuchenden Einheiten in dieser Arbeit handelt es sich um ehemalige Ackerflächen unterschiedlicher Bewirtschaftung, die aufgegeben wurden. Die verlassenen Felder weisen verschiedene Eigenschaften auf. Neigungswinkel, Bodenart, Steingehalt des Bodens, Mikroklima sind zum Beispiel von Standort zu Standort verschieden. Daher können zwei oder mehrere Felder verschiedener Standorte nicht direkt verglichen werden. Um die Forschungsfrage dieser Arbeit beantworten zu können ist das aber auch nicht notwendig. Es soll lediglich herausgefunden werden, ob die Erosion auf noch bewirtschafteten oder verlassenen Feldern höher ist. Deshalb werden nur Flächen mit gleichen Charakteristika verglichen, d.h. Felder am gleichen Standort, die zum Teil noch intakt sind und zum Teil aufgegeben wurden. Es interessieren nur relative Zahlen der Abfluss- und Erosionsraten. Weiters wird angenommen, dass die Erholung der Vegetation auf verlassenen Feldern der Schlüsselfaktor für die verminderte Bodenerosion ist. Die Felder werden daher unter Berücksichtigung der Vegetationsbedeckung untersucht.

Um eine Annäherung ans Thema zu ermöglichen erfolgt zuallererst eine Einführung. Die für die Untersuchung relevanten Begriffe ,Desertifikation’ und ,Semiaridität‘ werden definiert, anschließend werden kurz allgemeine Informationen über das Untersuchungsgebiet gegeben. Folgend wird das Problem der Landaufgabe im globalen Maßstab sowie im mediterranen Raum kontextualisiert. Die Entwicklungsgeschichte und die Ursachen der Landaufgabe stehen hier im Fokus. Bevor die Analyse beginnt, werden noch die theoretisch-konzeptionellen Annahmen, die der Untersuchung zu Grunde liegen, diskutiert, indem der Einfluss der Agrarwirtschaft und die bedeutende Rolle der Vegetationsbedeckung für die Bodenerhaltung angesprochen werden. Kapitel 8 widmet sich der Analyse. Zuerst wird auf die sekundäre Vegetationssukzession auf aufgegebenen Ackerflächen eingegangen. Dabei ist herauszufinden, welche Entwicklungsdynamiken vorzufinden sind, d.h. welche Pflanzenarten als Pioniere auftreten, welche nachfolgen etc. Die Wirkung unterschiedlicher Vegetationsbedeckungen auf die Bodenerosion stellt den nächsten Schritt im Analyseverfahren dar. Verschiedene Studien sollen Aufschluss darüber geben, auf welchen Flächen (kultivierte - brachliegende - verlassene) die höchsten bzw. niedrigsten Abfluss- und Erosionsraten gemessen werden. Da gebirgige Regionen besonders von der Landaufgabe betroffen sind, werden im Laufe der Analyse im Speziellen auch Terrassenfelder in den Blickfang genommen. Als letztes wird auf den Einfluss der Untergrundgesteine auf die Vegetationsentwicklung und die Bodenerosion eingegangen. Anschließend sollen die Ergebnisse der Studien diskutiert und zusammengefasst werden. Die Gemeinsamkeiten werden herausgearbeitet und die Widersprüche aufgezeigt. Besonderes Augenmerk wird auf die Erklärung von Zusammenhängen gelegt. Schließlich soll erläutert werden, warum die Erosion auf verlassenen Feldern zu- bzw. abnimmt.

In Kapitel 10 werden die zentralen Ergebnisse der Untersuchung zusammengefasst. Die Beantwortung der Forschungsfragen bzw. die Verifizierung oder Falsifizierung der Hypothesen sollen hier erfolgen. Außerdem werden Zukunftsszenarien der Landaufgabe und Bodenentwicklung in Südostspanien unter Berücksichtigung des Klimawandels und der fortschreitendenden Desertifikation geschildert. Das Aufzeigen möglicher Maßnahmen, die die Vegetationserholung auf verlassenen Feldern beschleunigen und die Bodenerosion reduzieren können, beendet die Arbeit. Weiterführende Forschungsfragen werden noch kurz dargelegt. Im Literaturverzeichnis finden Sie Quellenangaben zur verwendeten Literatur, die teilweise auch online verfügbar ist.

4. Begriffsdefinitionen

4.1. Desertifikation

Unter Desertifikation wird oft das ,Eindringen wüstenähnlicher Elemente’ in Landschaften, die einst keine Wüsten waren, verstanden. Desertifikation ist ein längerfristiger Prozess und nicht mit Dürre gleichzusetzen.2 Über den Begriff ,Desertifikation‘ wurde viel diskutiert. Mainguet (1991) schlägt folgende Definition vor:

„Desertification [...] is caused by human activities in which the carrying capacity of land is exceeded; it proceeds by exacerbated natural or man-induced mechanisms, and is made manifest by intricate steps of vegetation and soil deterioration which result [.] in an irreversible decrease or destruction of the biological potential of the land and its ability to support population.”3

Die internationale Organisation UNCCD (United Nations to Combat Desertification), die 1994 gegründet wurde setzt sich für ein nachhaltiges Landmanagement ein. Nach der UNCCD wird ,Desertifikation‘ wie folgt definiert:

„Desertification is not the natural expansion of existing deserts but the degradation of land in arid, semi-arid, and dry sub-humid areas. It is a gradual process of soil productivity loss and the thinning out of the vegetative cover because of human activities and climatic variations such as prolonged droughts and floods.”4

Bei Desertifikation handelt es sich also um einen Prozess, der durch menschliche Eingriffe induziert wird. Landwirtschaftliche Praktiken können als eine der Hauptfaktoren für Desertifikationsprozesse angesehen werden. Bodenerosion durch Wasser ist dabei für Bodendegradations- und Desertifikationsprozesse im Mittelmeerraum der bedeutendste Indikator.5 Die Verminderung der Vegetationsbedeckung ist eine weitere Folge von Desertifikation und steht in engem Zusammenhang mit Bodenerosionsprozessen. Boden ist für die Existenz des Menschen eine äußerst wichtige Ressource, die sich über Jahrhunderte gebildet hat, allerdings schnell zerstört werden kann. Daher gilt es Böden zu schützten und Desertifikationsprozessen entgegenzuwirken.

Die Ursachen von Desertifikation bzw. Bodendegradation sind vielfältig. Zum einen können Übernutzung, d.h. intensive Landwirtschaft und Überweidung, zum anderen Abholzung und Versalzung dafür verantwortlich gemacht werden.6 Auf die Ursachen sollen aber hier nicht näher eingegangen werden.

Weltweit sind etwa 65 Millionen Hektar agrarische Nutzflächen, die einst produktiv waren, von Desertifikationsprozessen betroffen.7 In Europa findet Desertifikation vor allem in den semiariden Gebieten der Mediterraneis statt. Dazu zählt neben dem Großteil Griechenlands, dem mediterranen Frankreich und Süditalien auch der Süden und Osten der iberischen Halbinsel.8 Insbesondere im westlichen Teil des mediterranen Raumes konnte seit 1960 ein allgemeiner Trend zu einem Rückgang der Niederschläge beobachtet werden.9 Die folgende Karte zeigt die Regionen Spaniens, die von Desertifikation gefährdet sind.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 – Desertifikationsgefährdete Gebiete in Spanien; Quelle: Ministerio de Agricultura, Pesca y Alimentación.

1.1. Semiaridität

Aridität (lat. aridus,trocken‘) wird durch gewisse klimatische Bedingungen verursacht, die durch einen Mangel an Feuchtigkeit charakterisiert sind. Die Feuchtigkeitsarmut kann durch kontinentale, ozeanferne Lagen bedingt werden, wo das Eindringen feuchter Winde verhindert wird. In den Tropen und Subtropen begünstigt die atmosphärische Stabilität arides Klima, indem das Absinken der Luftmassen zur Feuchtigkeitsreduktion führt. Auch gewisse topographische Lagen, wie Täler, die im Regenschatten der Berge liegen können arides Klima aufweisen. Nicht zu vergessen sind weiters kalte Meeresströmungen, die zu einer Verringerung der Meeresoberflächenverdunstung führen und Küstenwüsten schaffen.11

Da die Intensität der Trockenheit von Region zu Region variieren kann, unterscheidet man zwischen hyperariden, ariden, semiariden und subhumid-trockenen Gebieten. Unter Semiaridität, also ,Halbtrockenheit‘, versteht man jenes Klima, das durch eine durchschnittliche Niederschlagsmenge von etwa 800 mm pro Jahr in Gebieten mit Sommerregen und 500 mm pro Jahr in Gebieten mit Winterregen charakterisiert ist. Die Variabilität der Niederschläge ist allerdings hoch.12 Südostspanien weist auch Regionen auf, in denen die jährlichen Niederschläge deutlich unter 500 mm liegen und deshalb dem ariden Klima zugeordnet werden können bzw. in einem Übergangsbereich liegen.

5. Untersuchungsgebiet

Das Untersuchungsgebiet stellt den südöstlichen Teil der iberischen Halbinsel dar. Es umfasst die semiariden Gebiete der autonomen Regionen Murcia, Valencia und Andalusien. Vor allem die Region Murcia und die Provinzen Almeria und Alicante liegen im Fokus der Untersuchung. Es wurde dieser geographische Raum gewählt, weil der Südosten Spaniens zu den trockensten Regionen Europas zählt und bekannt für seine erosiven Prozesse ist.

5.1. Klima

Wie schon zuvor erwähnt ist der Südosten Spaniens dem semiariden Klima zugordnet und gilt als eine der trockensten Regionen Europas. Der mittlere jährliche Niederschlag liegt bei etwa 250 mm bis 300 mm, wobei die Niederschläge eine hohe Variabilität aufweisen, wodurch in manchen Jahren auch mehr bzw. weniger Regen fallen kann. So ist auch sporadischer Starkre­gen für die Region typisch. Zur mediterranen Klimazone gehörend fallen die meisten Nieder­schläge in den Herbst- bzw. Wintermonaten, während der Sommer von einer fünf bis sieben Monate langen Trockenperiode gekennzeichnet ist.10 Im Oktober und November treten ver­mehrt Starkregenereignisse auf, da sich die Polarfront Richtung Süden verschiebt und Kaltluft­massen eindringen.11

Die Region wird im Sommer vom subtropischen Hochdruckgürtel und im Winter von der West­windzone dominiert.12 So sind die Sommer heiß, während die Winter von milden Temperaturen geprägt sind. Die gemittelte jährliche Temperatur liegt zwischen 17 C° und 20 C°, variiert aber je nach Höhenlage. Die durchschnittliche Evapotranspiration schwankt zwischen 800 mm und 1150 mm pro Jahr.13

5.2. Natürliche Vegetation

Die natürliche Vegetation Südostspaniens weist Halbwüsten- bzw. Steppencharakter auf. Gen­augenommen kann man nicht von natürlicher Vegetation’ sprechen, da Landschaftsänderun­gen und -nutzungen, wie Rodungen oder intensive Beweidung, durch den Menschen seit 10.000 Jahren zu einem Wandel der Vegetation im mediterranen Raum geführt haben.14 Deshalb wird in der Arbeit auf den Begriff ,halb-natürliche Vegetation’ zurückgegriffen. Gemeint ist damit die weit verbreitete mediterrane Hartlaubbuschvegetation, also xerophile Zwergsträucher, die an die semiariden Bedingungen angepasst sind. Dieser Vegetationstyp wird in Spanien als Ma- torral bezeichnet und ist mit den Begriffen ,Macchie‘ und ,Garrigue‘ gleichzusetzten, wobei die Definitionen der drei Begriffe gewisse Unterschiede aufweisen. Als typische Arten des Ma- torral gelten Ginster (Retama sphaerocarpa), Stechwacholder (Juniperus oxycedrus), Rosmarin (Rosmarinus officinalis), Thymian (Thymus vulgaris) oder Wundklee (Anthyllis cytisoides). Weit verbreitet sind auch krautige Pflanzen und Gräser, wie das Halfagras (Stipa tenacis- sima).15

In den etwas feuchteren Regionen Südostspaniens kommen auch sklerophylle Arten, wie Al­eppo-Kiefern (Pinus halepensis), See-Kiefern (Pinus pinaster), Steineichen (Quercus ilex) und Kermes-Eichen (Quercus coccifera) vor, die in seltenen Fällen an Nordhängen von Gebirgen kleine Wälder bilden.16

5.3. Gesteinsuntergrund

Das Untersuchungsgebiet befindet sich im östlichen Teil des Betischen Gebirges, das sich von Cadiz bis in den Westen der Provinz Alicante erstreckt. Vorkommende Untergrundgesteine sind sehr alte metamorphe Gesteine, Dolomit, Mergel, Sandstein und Kalk sowie Quarzite, Phyllite und Glimmerschiefer. Die hügelige Landschaft ist geprägt durch Beckenzonen, die mit marinen und kontinentalen Sedimenten aufgefüllt sind.17

Die Bodenbildung ist aufgrund des trockenen Klimas und der spärlichen Vegetation sehr gering, weswegen das Gebiet nur sehr dünne Böden mit wenig organischem Material aufweist.

5.4. Agrarwirtschaft

Südostspanien stellt ein bedeutendes Anbaugebiet Europas dar. In Murcia, beispielsweise, wer­den rund 52% der Landfläche bewirtschaftet. Die Landwirtschaft ist typisch für den mediterra­nen Raum und setzt sich aus Weidewirtschaft, Bewässerungsfeldbau und Trockenfeldbau zu­sammen. Bis zum Ende des Mittelalters überwiegte die Viehwirtschaft, später der Trockenfeld­bau, der ab den 1960er Jahren zunehmend von der Bewässerungslandwirtschaft abgelöst wurde. Die Bewässerung in den trockenen Sommermonaten ermöglichte die Produktion enorm zu stei-gern.18

Heute werden vor allem unterschiedliche Getreidesorten kultiviert. Immergrüne Kulturpflanzen sind Gehölzpflanzen, die tolerant gegenüber den trockenen Verhältnissen sind. Zu diesen zäh­len vorwiegend Zitrusfrüchte, Oliven, Mandeln, Feigen, Johannisbrotbäume und Wein.19

6. Landflucht und Aufgabe landwirtschaftlicher Flächen

6.1. Landaufgabe als globales Problem

Verlassene Felder, im Englischen spricht man auch oft von old fields, stellen eine Form der Landaufgabe dar und sind Auswirkung unterschiedlicher ökologischer, ökonomischer und sozialer Entwicklungen. Es handelt sich dabei um ein weltweit zu beobachtendes Phänomen.20 Zum einen sind es ökologische Faktoren, die die Landaufgabe bedingen. Umweltschädliche Bewirtschaftung, Schädigung des Bodens durch Überweidung oder Überdüngung führen oft zu Bodendegradation. Zunehmende Erosion oder abnehmende Bodenfruchtbarkeit sind die Folgen. Die landwirtschaftlichen Flächen werden als nutzlos erachtet und schließlich aufgegeben. In einigen Fällen können auch regionale Umweltverschmutzungen, Klimaänderungen oder Änderungen im Grundwasserregime für die Landaufgabe verantwortlich sein. Zum anderen sind Änderungen der ökonomischen Bedingungen die Ursache. Traditionelle landwirtschaftliche Produktionen verlieren oft an Relevanz, da sie durch produktivere Global-Players ersetzt werden. Der technische Fortschritt und die Globalisierung der Märkte bedingen die Schließung kleiner landwirtschaftlicher Betriebe, da sie nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Oft bieten andere Branchen ein höheres Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen. Abgesehen davon ändern sich die sozialen und politischen Rahmenbedingungen. Cramer & Hobbs (2007) nennen in diesem Zusammenhang Landflucht und Urbanisierungsprozesse als Gründe für Landaufgaben. Auch nationale oder supranationale politische Entscheidungen, wie die Bestimmungen der EU, wirken auf die Entwicklung regionaler Agrarwirtschaft und beeinflussen den Verlauf von Landnutzungsänderungen.21 Die europäische Agrarpolitik förderte in den letzten Jahren Landaufgaben durch Subventionen, die die LandwirtInnen für die Aufgabe von Ackerland erhielten.22

Die Aufgabe von landwirtschaftlichen Flächen ist kein neues Phänomen, sondern war im Laufe der Geschichte schon immer Teil der Zivilisationen. Häufig war der Zusammenbruch einer Zivilisation der Grund für die Landaufgabe. Die landwirtschaftlichen Flächen in früheren Zeiten waren im Vergleich zu heute allerdings viel kleiner. In den letzten Jahrzehnten wirkte der Mensch stärker in das Ökosystem der Erde ein. Entwaldungen und intensiv bewirtschaftete Flächen waren die Folge sowie ein Trend hin zur Aufgabe von Land. Im 20. Jahrhundert wurde ein außerordentlicher starker Anstieg der Aufgabe von landwirtschaftlichen Flächen verzeichnet. Im Vergleich zu anderen Erdteilen hat die Aufgabe von Flächen in Europa erst seit kurzem, d.h. seit den 1960er Jahren, stark zugenommen. Die Landaufgabe in Europa ist also ein relativ neues Phänomen.23 Im Mittelmeerraum können vor allem die Mechanisierung und Intensivierung der Landwirtschaft für die Landaufgaben im 20. Jahrhundert verantwortlich gemacht werden.24 In den fruchtbaren Regionen konzentrierten sich vor allem Obstplantagen, während unfruchtbare Gebiete, die vorwiegend für die Kultivierung von Gerste dienten, aufgegeben wurden.25

Im Allgemeinen zeigen sich zwei Entwicklungen verlassener Ackerflächen. Wie Cramer & Hobbs (2007) zusammenfassen: „Economic, political, and social change is resulting in the intensification of agriculture in some areas and extensification or abandonment in others.“26 Europa ist seit Jahrhunderten landwirtschaftlich geprägt. Die landschaftlichen Strukturen und Ökosysteme sind zum Teil von der Bewirtschaftung abhängig; sie existieren nur durch den menschlichen Einfluss. Werden traditionelle Bewirtschaftungen aufgegeben, hat das auch den Verlust von kultureller und biologischer Vielfalt zur Folge, da andere Arten die bestehenden verdrängen. Nichtsdestotrotz führen andererseits intensive landwirtschaftliche Praktiken zur ,Zerstörung‘ der Ökosysteme. Die Aufgabe von Ackerflächen kann so auch die Rückkehr zum einheimischen Ökosystem bewirken. Ändert sich die aufgegebene Landfläche nicht oder nur wenig, wäre eine weitere Bodendegradation möglich.27 28 29 30

[...]


1 vgl. Garda Ruiz 2010, zit. n. Bellin et al. 2011: 290

2 vgl. Goudie 2002: 208

3 Mainguet 1991: 4

4 Webseite der UNCCD: <https://www.unccd.int/frequently-asked-questions-faq> (letzter Zugriff: 25.08.2018)

5 vgl. Brandt & Thornes 1996, Kosmas et al. 1999, Symeonakis & Drake 2004, zit. n. Symeonakis et al. 2007: 81

6 vgl. Goudie 2002: 208f.

7 vgl. Goudie 2002: 208

8 vgl. Mensching, zit. n. Thornes 19983: 3

9 vgl. Wainwright & Thornes 2004: 371

10 vgl. Thornes 1998: 2

11 vgl. Schmitt 2008: 26

12 vgl. Schmitt 2008: 25

13 vgl. Lopez-Bermudez et al. 2005: 215

14 vgl. Thornes 1998: 3

15 vgl. Wainwright & Thornes 2004: 124-130

16 vgl. Wainwright & Thornes 2004: 127ff.

17 vgl. Lopez-Bermudez et al. 2005: 215f., vgl. Schmitt 2008: 24f

18 vgl. Schmitt 2008: 33-37

19 vgl. Margaris et al. 1998: 82

20 vgl. Cramer & Hobbs 2007: 1f.; vgl. Cerdâ et al. 2018: 204

21 vgl. Cramer & Hobbs 2007: 8f.

22 vgl. Garcia Ruiz & Lana Renault 2011, zit. n. Rodriguez Juan & Romero Dia/ 2016: 10f.

23 vgl. Cramer & Hobbs 2007: 2-6

24 vgl. Rodrigo-Comino et al. 2018: 1

25 vgl. Lesschen et al. 2007: 113

26 Cramer & Hobbs 2007: 9f.

27 vgl. Cramer & Hobbs 2007: 9f.

28 vgl. Lesschen et al. 2007: 113

29 Cramer & Hobbs 2007: 9f.

30 vgl. Cramer & Hobbs 2007: 9f.

Ende der Leseprobe aus 56 Seiten

Details

Titel
Verlassene Felder im semiariden Südostspanien. Regeneration der Vegetation und Reduktion der Bodenerosion?
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Geografie und Regionalforschung)
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
56
Katalognummer
V975761
ISBN (eBook)
9783346326171
Sprache
Deutsch
Schlagworte
verlassene Felder, Bodenerosion, Vegetation, Südostspanien, semiarid, Bodendegradation, Vegetationssukzession, field abandonment
Arbeit zitieren
Dominik Prinz (Autor), 2018, Verlassene Felder im semiariden Südostspanien. Regeneration der Vegetation und Reduktion der Bodenerosion?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/975761

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