Das Kastilische im Mittelalter. Entwicklung, geschichtliche Ereignisse und Einflüsse anderer Sprachen


Hausarbeit, 2008

18 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Definitionen

3 Historischer Hintergrund

4 Die Entstehung des Kastilischen

5 Sprachliche Veränderungen/ Einflüsse

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Die Kastilische Sprache gehört zum romanischen Sprachzweig und bildet mit dem Katalanischen, dem Portugiesischen und dem Galicischen die Gruppe der iberoromanischen Sprachen. Der Dialekt Kastilisch, der in einer schwach romanisierten Gegend im Norden von Spanien, im Grenzgebiet der heutigen Provinzen Burgos, La Rioja, Vizcaya und Álava entstand, ist die historische Grundlage des modernen Spanisch, daher wird das Spanische häufig auch Kastilisch genannt. Entstanden ist das Kastilische aus dem Vulgärlatein. Dabei wurden die früher in Spanien gesprochenen keltischen und iberischen Sprachen mit Ausnahme der baskischen Sprache verdrängt. Das Kastilische wird von der Mehrheit der Bevölkerung verstanden. Auf der Iberischen Halbinsel deckt sich das Sprachgebiet des Kastilischen nicht ganz mit dessen Staatsgebiet.

Die folgende Hausarbeit soll die Entwicklungen der kastilischen Sprache während des Mittelalters, ihre damit zusammenhängenden geschichtlichen Ereignisse und Einflüsse anderer Sprachen darstellen.

Zunächst soll der geschichtliche Hintergrund als Grundlage des sprachlichen Entwicklungsverständnisses beleuchtet werden.

2 Definitionen

Zunächst soll durch die Definition der Bezeichnungen Kastilisch und Mittelalter gezeigt werden, worauf der Hauptpunkt meiner Arbeit liegt und in welcher Epoche wir uns befinden.

2.1 Kastilisch

„Castellano – Nombre que alterna con el de español para designar esta lengua. Esta alternancia fue muy favorecida por la Real Academia Española, que hasta 1924 utilizó el nombre de castellano en su Diccionario y en su Gramática.” 1

2.2 Mittelalter

„Als Mittelalter bezeichnet man in der europäischen Geschichte den Zeitraum vom Ausgang der Antike bis zum Beginn der Neuzeit, also etwa 5./6. bis zum 15. Jh.“

3 Historischer Hintergrund

3.1 Das Westgotenreich 409 – 711

Im Jahr 409 dringen die Goten, bedingt durch die Völkerwanderung germanischer Stämme, wie den ostgermanischen Vandalen, Alanen und westgermanischen Sueben, aus dem Osten in Richtung Westen und Süden, auf der Iberischen Halbinsel ein. (D/G 147) Bis zur 2. Hälfte des 6. Jahrhunderts war Barcelona die Hauptstadt des Westgotenreichs und Toledo übernahm dies bis zum Niedergang der Westgoten/des Reiches 711. (B 79) Zu dieser Zeit spricht man auf der gesamten Halbinsel bereits Latein mit lokaler Färbung. Trotz der 300 Jahre langen Herrschaft der Westgoten, wird die Sprache und das soziale Leben der Iberia nur sehr gering beeinflusst. Dies kann vor allem daran liegen, dass es fast unmöglich war, dass sich Goten und Romanen aneinander assimilierten. Sowohl das bestehende Eheverbot zwischen ihnen, als auch der religiöse Unterschied, die Westgoten waren Arianer, d.h. sie waren Christen, aber sie bekannten sich nicht zum Katholizismus, wie die Mehrheit der Bevölkerung, verhinderte das (D/G 148). Aus politischen Ambitionen trat im Jahr 587 König Rekkared I. mit seinem Volk zum Katholizismus über. Durch seine Konvertierung verschwindet die Gotische Sprache fast gänzlich und Ehen zwischen Goten und Romanen werden ermöglicht. (B 80) Sein eigentliches Ziel war, ein einheitliches, von Toldeo aus regiertes, Hispanien zu schaffen und alle Bevölkerungsgruppen mit einzubeziehen. (Barceló 40) In der Schlacht von Guadalete 711 unterlagen die Goten schließlich den arabischen Eroberern und der Untergang des Westgotenreichs unter dem letzten König Roderich, der kurz darauf verstarb, war nicht mehr abwendbar. (T 69)

Die germanische Herrschaft war vor allem in sprachlicher Hinsicht sehr wichtig, da sie den Übergang vom Lateinischen zum Romanischen hervorrief. (W 124)

3.2 Die Conquista 711 – 718

Das wichtigste Ereignis der spanischen Sprachgeschichte nach der Romanisierung war die Invasion der Araber auf der Iberischen Halbinsel im Jahr 711. (Gu 77) Zu dieser Zeit waren die Westgoten durch Streitigkeiten um die Thronfolge und bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen unter ihnen geschwächt und so wurden sie 711 in der Schlacht am Guadalete, ein Fluss der in den Golf von Cádiz mündet, vernichtend geschlagen. Durch die Niederlage des westgotischen Heeres, ergrfif der arabische Heerführer Tariq, der Anführer des ersten arabischen Heeres, das Hispanien erobert hat, die Chance Richtung Toledo vorzustoßen und noch im selben Jahr die Stadt einzunehmen. Im Laufe der folgenden Jahre trafen immer mehr arabische Truppen auf der Iberischen Halbinsel ein nahmen fast die gesamte Halbinsel ein. (B/N 43) Hier zeigt sich, dass auf Grund seiner gezielten Eroberung der Islam eine große politische und militärische Macht des Mittelalters war. (B/N 45) Des Weiteren besaßen die Araber auch eine stark entwickelte Kultur, die frühzeitig Spuren in Al-Andalus hinterließen. Dies spiegelt sich 756 mit dem Emirat Córdoba wieder, das der Ausgangspunkt eines strukturierten Verwaltungssystems und einer gefestigten Jurisdiktion war. (B/N 44) 929 rief sich Abd ar-Rahman III. selbst zum Kalifaten aus und so wurde das Emirat Córdoba zum Kalifat, das „ eines des bedeutendsten Reiche Europas und der islamischen Welt“ zur damaligen Zeit verkörperte. (B/N 44)

3.3 Die Reconquista 718/722 - 1492

Als Reconquista bezeichnet man die christliche Rückeroberung der Gebiete der Iberischen Halbinsel, die während der Conquista unter arabische Herrschaft fielen. (D/G 160) Den ersten erfolgreichen Sieg gegen ein arabisches Herr errangen die Christen unter Führung des Westgoten Pelagius bei Covadonga, einer Felsenhöhe am Fuß des Berges Auseba in der Provinz Oviedo, im Jahr 718 oder 722. (D/G 161) Jedoch konnten die Araber durch die Gründung des omajjadischen Emirats mit Zentrum in Córdoba durch Abd ar-Rahman I. 756 und der Erhebung des Emirats zum Kalifat unter Abd ar-Rahman III. 929 ihre Herrschaft weiterhin stabilisieren und ausbauen. (D/G 161)

Da der Norden der Halbinsel von den Arabern nicht beherrscht wurde, entstand in Asturien das erste christliche Königreich, das sich im Laufe der Jahre nach Galicien und im Süden bis an den Duero ausbreitete. (D/G 161) Die Hauptstadt des Königreichs Asturien befand sich zuerst in Cangas de Onís und dann Oviedo, bevor sie von König Alfons III. nach León verlegt wurde und so das Königreich Asturien zum Königreich Asturien-León umbenannt wurde. (D/G 161) Östlich davon befand sich die kleine Grafschaft Kastilien, die die Grenze des Königreichs zum Schutz vor den Mauren darstellte. Ihr Name Castilla leitet sich von dem kastilischen Wort los castillos für „Burgen“ ab, da diese zum Schutz gegen die Mauren dienten/gedacht waren. (T 75) Zur Verteidigung gegen die Mauren gründete Karl der Große im Jahr 795 die „Marca hispanica“ und eroberte 801 Barcelona. (D/G 161) Die ausschlaggebende Phase der Reconquista begann erst Anfang des 11. Jahrhunderts durch die entscheidende Verlagerung der Machtverhältnisse in der Hispania. So ging das Kalifat von Córdoba 1031 unter und es entstanden lauter arabische Kleinkönigreiche, wie Zaragoza, Valencia und Sevilla, die sich Taifas nannten. (B/N 44) Im Norden befand sich noch das Königreich Navarra mit der Hauptstadt Pamplona, das unter dem Herrscher Sancho III. zerfiel und nach seinem Tod 1035 unter seinen Söhnen aufgesplittert wurde. Ramiro I., ein Sohn Sanchos III. erbte die Grafschaft Aragón und machte sie noch im selben Jahr zum Königreich. (D/G 161) Ein anderer Sohn Sanchos III., Ferdinand I., machte die Grafschaft Kastilien, nachdem diese 961 von León unabhängig wurde und 1029 an Navarra fiel, zu einem eigenständigen Königreich. (D/G 162) Auf Grund der Reconquista und der Schwächung der arabischen Zentralgewalt konnte sich das Königreich Aragón weit bis in den Süden der Iberia ausbreiten und wichtige Gebiete, wie Huesca 1096 und Zaragoza 1118, einnehmen. Parallel dazu hob sich im Zentrum der Hispania Kastilien zum Hauptträger der Reconquista hervor. (B/N 59) So konnte König Alfons VI. 1085 Toledo erobern und umgehend zur Hauptstadt des Königreichs Kastilien-León erklären. (D/G 162)

Gleichzeitig wurden 1137 durch die gezielte Heirat Petronilas, der Thronfolgerin von Aragón, und des Grafen von Barcelona, Ramón Berenguer IV., die Königreiche Aragón und Katalonien zur „Corona de Aragón“ vereinigt. (MM 56) 1176 wurden durch den Teilungsvertrag von Cazorla zwischen Alfons VIII. von Kastilien und Alfons II. von Aragón die maurischen Gebiete im Osten der Iberia aufgeteilt. (LexMA 2:1597f) Mit der Schlacht bei Las Navas de Tolosa im Jahr 1212 in der Nähe von Jaén besiegten die vereinigten Heere Kastilien, Aragón und Navarra die Almohaden, die den Mauren während der Reconquista zur Hilfe kamen. (D/G 163) Durch diese Schlacht konnte sich Kastilien eindeutig als Vormacht etablieren und konnte so die Eroberung des Südens der Iberia vorantreiben. 1230 wurden die Königreiche Kastilien und León unter König Ferdinand III. für immer vereinigt und gleichzeitig die Rückeroberung der Taifas Córdoba 1236, Cartagena 1246, Jaén 1246 und Sevilla 1248 eingeleitet. Unter König Alfons X., über den wir im folgenden Kapitel mehr erfahren werden, wurden Cádiz 1262 und Murcia 1266 erobert. Jedoch blieb Granada noch etwa 200 Jahre lang unter arabischer Herrschaft. Erst die Heirat von Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragón 1469 vereinigte die beiden Königreiche Kastilien und Aragón 1479 und so konnte 1492 Granada, als letzter arabischer Staat durch die „Reyes Católicos“ erobert werden. So hat schließlich/Damit hat/wurde eine fast 800 Jahre lange Rückeroberungsphase vom Norden nach Süden der Iberischen Halbinsel vollzogen/ ihr Ende gefunden. (D/G 163)

4 Die Entstehung des Kastilischen

4.1 Die ersten Sprachzeugnisse

4.1.1 Glosas emilianenses & Glosas silenses

Anfang des 11. Jahrhunderts erscheinen die ersten schriftlichen Sprachzeugnisse der romanischen Varietäten in Form von Glossen. Unter Glossen versteht man Texte in lateinischer Sprache, die von den Mönchen mit Randbemerkungen und Worterläuterungen in 3 Sprachen versehen wurden: Zum einen auf Lateinisch und Romanisch, zum anderen existieren 2 Glossen in baskischer Sprache. (B 81) Sie zählen zu den ältesten Sprachzeugnissen der germanischen und romanischen Sprachen und dienen dazu, Übersetzungen aus dem Lateinischen zu erleichtern. (LexMA 4:1510f) Zu den ältesten Glossen der Iberia gehören die „Glosas emilianenses“, die aus dem Jahr 900 aus dem Kloster San Millán de la Cogolla, in der autonomen Region La Rioja, stammen und die „Glosas silenses“. (B/N 57) Diese befinden sich in handschriftlichen Werken aus der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts. Sie wurden früher im Kloster Santo Domingo de Silos, südöstlich von Burgos, aufbewahrt und nun im Britischen Museum vorzufinden. Dem spanischen Philologen und Historiker Ramón Menéndez Pidal zu Folge stammen beide Glossen aus der selben Zeit, da die „Glosas silenses“ den „Glosas emilianenses“ sehr ähneln. Ihr Aufbau lässt schließen, dass sie in der Klosterschule überwiegend zum grammatischen Verständnis und zu Übersetzungshilfe benutz wurden. (D/G 155)

4.1.2 Die mozarabischen Jarchas

Zwischen 1042 und 1150 entstanden auch im Mozarabischen der Iberischen Halbinsel Zeugnisse des Kastilischen. (D/G 157) Diese bestehen aus hispano-arabischen Glossen und spanischen Schlussstrophen, die wiederum in arabischen und hebräischen Strophengedichten vorzufinden sind. (D/G 158; Heger 1960:1)

4.2 Die Ausgliederung des Kastilischen aus den nördlichen Dialekten

Der Verlauf der Rückeroberung prägte die sprachliche Situation der iberischen Halbinsel. (B 88) In der Frühphase der Reconquista um das Jahr 1000 gab es im Norden der Iberia fünf Dialektzonen, die aus dem Vulgärlatein der Armeen und Siedler in der ehemaligen Provinz Hispania hervorgegangen sind: Das Galicische, das durch die Südwanderung während der Reconquista zur Grundlage des Portugiesischen wurde, das Asturisch-Leonesische, das mit dem Navarro-Aragonesischen eine Archaitätszone bildete, „die auf Grund der Übereinstimmungen mit dem Mozarabischen für die relative sprachliche Einheit des westgotischen Hispanien zeugt“. (B 82), das Kastilische, als Primärdilekt des Lateins und das Katalanische, das durch sprachlichen Kontakt mit dem Okzitanischen entstanden ist und im Laufe der Rückeroberung bis nach Valencia vordrang. Wir wissen bereits, dass das Kastilische als romanische Sprache eine Nachfolgesprache des Lateins ist, wobei zu erwähnen ist, dass sich die iberoromanischen Sprachen auf der Ebene der Sprechsprache aus dem Vulgärlatein entwickelten. (B 70 & 81) Das Kastilische hat sich auf Grund ethnischer, sprachlicher und politischer Bedingungen in Kantabrien, zwischen Burgos und Santander, im Norden von Spanien, in unmittelbarer Nähe mit dem Baskischen und Leonesischen, entwickelt. Ursprünglich war das Kastilische die Varietät, die man im Königreich Kastilien sprach.

Durch den Aufstieg des Königreichs Kastilien und der von dort ausgehenden Reconquista, wurde die kastilische Sprache in die eroberten Territorien ausgebreitet. Zunächst befand sich das Zentrum Kastiliens in Amaya und dann Burgos und wurde dann weiter in Richtung Süden nach Toledo verlegt/verlagert, das bis 1515 Hauptstadt des Königreichs Kastilien war. (D/G 166) Nach der Eroberung der arabischen Gebiete erfolgte die Neubesiedlung, die so genannte „repoblación“. (B 88) Die christlichen Siedler, die in die eroberten Gebiete wanderten, brachten ihre eigene Sprache mit, die sie beibehielten oder mit der dortigen Variante vermischten. (B 88) Es entstanden so genannte „Reconquistialdialekte“, durch die das Arabische ersetzt wurde. (D/G 166) Durch die Ausbreitung der Reconquista gerieten Dialekte wie das Asturisch-Leonesische und das Navarro-Aragonesische in den Hintergrund und das Kastilische drängte sich wie ein Keil zwischen die iberoromanischen Dialekte und hat so den Untergang der mozarabischen Dialekte, einem Bindeglied zwischen Romanisch und Arabisch, herbeigeführt. (D/G 167) Durch die territoriale Ausbreitung Kastiliens in Richtung Süden, hat das Kastilische „die heutige sprachliche Ausgliederung der Pyrenäenhalbinsel maßgebend mitbestimmt.“ (B/N 60) und wurde so „zur dominierenden Sprache der Halbinsel.“ (T 78)

4.3 Der intensive Sprachausbau

Mit intensivem Sprachausbau ist der „Ausbau der Literatursprache sowie der juristischen, historischen und wissenschaftlichen Prosa gemeint.“ (B/N 68) Vom 10. bis weit ins 12. Jahrhundert diente das Kastilische noch nicht als Schriftsprache, sondern wurde immer noch mündlich gebraucht/verwendet. (B/N 58) Jedoch gewinnt in diesem Jahrhundert das Romanische an Bedeutung und es wurde deutlich, dass die Existenz der Romanischen Sprachen nicht mehr zu leugnen war. (B 90) Durch die Reform Karls des Großen wird das Latein für die Bevölkerung zu einer unverständlichen und somit zu einer „toten“ Sprache. (B/N 61) Dadurch, dass das Lateinische nicht mehr verstanden wurde, musst es durch das Romanische ersetzt werden. Zunächst wurde diese Reform in Katalonien umgesetzt und erst 1085 in Kastilien. (B/N 61) Das Kastilische gewinnt zwar in diesem Jahrhundert besonders an Bedeutung, jedoch beginnt der eigentliche Sprachausbau zu Beginn des 13. Jahrhunderts. (B/N 61) Dies zeigt sich darin, dass 1206 zwei Texte erscheinen, die komplett in Romanischer Sprache geschrieben sind: Zum einen der Vertrag von Cabreros zwischen den Königreichen Kastilien und León und zum anderen das Poema de Mio Cid, „dem ersten großen literarischen Werk.“ Mit diesem Heldenepos endet die Vorausbauphase der Gemeinsprache. (B/N 62) Hinsichtlich der literarischen Entwicklung „waren bis zum Ende des 13. Jahrhunderts nur wenige kulturelle Zentren bedeutsam“. (B/N 68) Eines davon ist Santigo de Compostela, das als lyrisches Zentrum galt, indem die cantigas de amigo (Frauenlieder, Frauenklagen), die cantigas de amor (Minnelieder) und die cantigas de escarnho e maldizer (Spott-, Rügelieder) entstanden. (B/N 68) Im 13. Jahrhundert waren vor allem Palencia und das Kloster San Millán de la Cogolla literarische Zentren. (B/N 69) In Palencia entstanden durch Dichtung der mester de clerecía die Werke Vida de Santa María Egipíaca, einer Heiligenlegende des Mittelaters und das Libro de Alexandre, die Lebensgeschichte Alexander des Großen. Im Kloster San Millán de Cogolla verfasste der Notar des Klosters, Gonzalo de Berceo, die Dichtungen Vida de San Millán und Milagros de Nuestra Señora. (B/N 69)

4.4 Der extensive Sprachausbau

Unter extensivem Sprachausbau versteht man „die Ausbreitung der Distanzsprache in den einzelnen Sprachräumen und den verschiedenen Diskurstraditionen.“ (B/N 68) Hierbei vollzieht sich der extensive Sprachausbau des Kastilischen unter Beachtung von verschiedenen soziopolitischen und soziolinguistischen Gesichtspunktenim Zusammenhang mit der Rückeroberung. (B/N 69) Ein wichtiger Gesichtspunkt ist die convivencia. Als convivencia wird das Zusammenleben der Christen, Moslems und Juden in vielen Regionen im Norden der Iberia bezeichnet. Des Weiteren spielt die fortschreitende Urbanisierung eine große Rolle, durch die die Städteentwicklung Anklang fand. Diese wiederum führte zur Gründung von Bildungseinrichtungen, Schaffung einer Verwaltungsstruktur und zum Aufbau einer Handelsdomäne. (B/N 70) Im 13. Jahrhundert wurden Schulen, die bisher nur den Geistlichen vorbehalten waren, für die Bürger eingerichtet, die bereits in der Unterstufe in der Volkssprache unterrichteten und erst in der Oberstufe in Lateinischer Sprache. (B/N 70) Gleichzeitig wurden so genannte Estudios Generales, mittelalterliche Universitäten gegründet. Die beiden ältesten sind 1208 Palencia und 1240 Salamanca. (B/N 70) Durch die Gründung von institutionellen Bildungseinrichtungen wuchs auch die Buchproduktion, die den Kaufleuten, Bürgern und Ritter das Erlernen von Lesen und Schreiben ermöglichte. (B/N 70) Auf Grund dieses bildunglichen Säkularisierungsprozesses, kamen neue literarische Formen auf Romanisch auf, wodurch die Sprachentwicklung besonders hervorgehoben wurde. (B/N 70) So geschah es, dass die Volkssprache auch im Bereich der Verwaltung neuen Aufschwung erlangte. Durch die Neuorganisation(-verteilung der kastilischen Gebiete und den Bevölkerungszuwachs mussten wichtige Dokumente bearbeitet werden. Jedoch waren die Siedler der Lateinischen Sprache nicht mächtig und so erreicht, durch die Ernennung zur Kanzleisprache unter König Ferdinand III., das Kastilische erstmals einen offiziellen Status. (D/G 167)

4.5 Der kastilische Königshof als sprachliches Ausbauzentrum

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts wurde das kulturelle Zentrum des kastilischen Königreichs von Burgos nach Toledo verlegt. (B/N 71) Politisch gesehen war Alfons X. zwar der Herrscher über das größte Königreich, jedoch mit geringem Erfolg. Desto intensiver beschäftigte er sich mit der Wissenschaft und Literatur, jedoch/wiederum mit politischem Hintergedanken. Unter der Regierung König Alfons X. el Sabio entwickelte sich Toledo, das bereits Hauptstadt des Westgotenreichs und als Gründungsort der berühmten Übersetzerschule hohes Ansehen genoß, zum bedeutendsten Kulturzentrum des spanischen Mittelalters. (B/N 71) Er „gilt als Schöpfer der kastilischen Prosa“ und förderte die im 12. Jahrhundert begonnene Übersetzungstätigkeit, indem er die Übersetzungen nun in der Volksprache Kastiliens aufschreiben ließ. (B/N 72) Daneben wurden auch Gesetzessammlungen wie die Siete Partidas, der umfassendsten Rechtssammlung des europäischen Mittelalters, sowie astrologische und astronomische Werke, wie das Libro del Saber de Astronomía verfasst. (Tietz 38, B/N 73) Aus der Poesie sind die Cantigas de Santa María, ein mit autobiografischen Elementen des Königs in galicischer Sprache versehenes Werk, zu erwähnen. Selbst aus der Geschichtsschreibung dieser Zeit sind zwei Werke bekannt: Zum einen die Estoria de Espanna und zum anderen die General a gran Estoria, die aber beide erst nach seinem Tod 1284 fertig gestellt/beendet wurden. (B/N 73) Auf Grund dieser regen literarischen Tätigkeiten am kastilischen Hof/Alfons X. wurde das Kastilische einer sprachlichen Standardisierung unterzogen, die sich auf das Kastilische von Toledo bezog. (B 91) „Das Normbewusstsein zeigt sich daran, dass sich der König selbst um den Stil der spanischen Texte bemühte, die in seiner Umgebung entstanden.“ (B 91) Er setzte sich stark für den korrekten Gebrauch und die Verbreitung des Kastilischen ein. „Sein Ziel war ein castellano drecho, ein „richtiges Kastilisch“.“ (B 91) Das castellano drecho war eine nivelierende Norm der konservativen Variante des Altkastilischen von Burgos als Grundlage und/mit einer neukastilischen toledanischen Prägung. (B/N 75) Damit das Kastilische in alle relevanten distanzsprachlichen Bereichen, wie Literatur und Wissenschaft Einzug finden konnte, wurde die Sprache einer syntaktischen und lexikalischen und Aufwertung unterzogen, um ihr demnach den Status einer Literatursprache zu verleihen und die literarische Produktion zu beschleunigen. (B/N 72) Daraus würde natürlich die kastilische Vorherrschaft und besonders er als Verkörperung dieses –prozess gegenüber den kleinen iberischen Königreichen hervorgehoben werden. Sowohl der Arabische als auch der Lateinische Wortschatz dienten der Neustrukturierung des Kastilischen als Vorlagen. (B/N 74) Jedoch ist zu erwähnen, dass es hinsichtlich des Wortschatzes auch zu Wort-neubildungen mit den bereits vorhandenen Mittel des Kastilischen kam. (B/N 75) Hinzu kam, dass auch die Orthographie standardisiert werden sollte. Dies sollte auf der Grundlage der lateinischen Schrift geschehen. Da das Romanische aber Laute entwickelt hat, die dem Lateinischen nicht bekannt waren, erwies sich dies jedoch schwieriger als gedacht. So wurden neben dem lateinischen Alphabet, die griechischen Buchstaben k,y und z und aus dem Französischen das Diagramm <ch> für [t …] herangezogen. Aber selbst das reichte zur graphischen Darstellung aller Laute nicht aus. Im Kastilischen bezog sich dies auf die Schreibung der Diphthonge und der Palatele, die im Lateinischen nicht vorhanden waren. (B/N 76) Um sich endlich auf eine einheitliche Orthographie beziehen zu können, entstand auf Grund von Selektion und Systematisierung unter Alfons X. die Ortografía alfonsí. (B/N 77)

[...]


1 Lazáro Carreter,

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Kastilische im Mittelalter. Entwicklung, geschichtliche Ereignisse und Einflüsse anderer Sprachen
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,0
Jahr
2008
Seiten
18
Katalognummer
V976684
ISBN (eBook)
9783346326676
ISBN (Buch)
9783346326683
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kastilische, mittelalter, entwicklung, ereignisse, einflüsse, sprachen
Arbeit zitieren
Anonym, 2008, Das Kastilische im Mittelalter. Entwicklung, geschichtliche Ereignisse und Einflüsse anderer Sprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976684

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