Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich primär mit der Sprachpolitik des Europarats, vor allem hinsichtlich des Gebrauchs der französischen Sprache im Europarat. Anfangs sollen grundlegende Fakten zum Aufbau, zu den Arbeitsgebieten und der Arbeitsweise, sowie zum Engagement des Europarats im Bereich der Regional- und Minderheitensprachen erklärt werden.
Anschließend wird sowohl der Begriff Regionalsprache als auch der Begriff Minderheitensprache definiert.
Im darauffolgenden Hauptteil wird die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer Gliederung, sowie ihrer Geltung detailliert beleuchtet und unter dem Unterpunkt "Kritische Betrachtung" die Vor- und Nachteile, die die Charta mit sich bringt, hervorgehoben. Im Anschluss daran werden die einzelnen Kategorien von Regional- und Minderheitensprachen erläutert, sowie die Minderheitensprachen in Frankreich in Bezug auf Sprachfamilie, Verbreitung und Sprecherzahl aufgelistet. Abschließend wird kurz erwähnt, wie Frankreich die Charta umsetzt und welche weiteren Aktivitäten im Bereich der Regional- und Minderheitensprachen in Frankreich existieren. (Schwerin)
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Der Europarat
2.1 Aufbau
2.2 Arbeitsgebiete
2.3 Engagement im Bereich der Regional- und Minderheitensprachen
3. Definitionen
3.1 Definition von Regional- und Minderheitensprache laut der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen
4. Die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen
4.1 Aufbau & Grundlagen
4.2 Gliederung
4.3 Geltung
4.4 Kritische Betrachtung
4.4.1 Vorteile
4.4.2 Nachteile
5. Kategorien der Regional- und Minderheitensprachen
6. Minderheitensprachen in Frankreich
6.1 Regional- und Minderheitensprachen innerhalb des französischen Mutterlandes
6.1.1 Romanische Sprachfamilie
6.1.1.1 Okzitanisch
6.1.1.2 Gaskognisch
6.1.1.3 Frankoprovenzalisch
6.1.1.4 Katalanisch
6.1.1.5 Korsisch
6.1.1.6 Italienisch
6.1.2 Germanische Sprachfamilie
6.1.2.1 Elsässisch
6.1.2.2 Rheinfränkischer Dialekt
6.1.2.3 Flämisch
6.1.3 Keltische Sprachfamilie
6.1.3.1 Bretonisch
6.1.4 Isolierte Sprache
6.1.4.1 Baskisch
6.1.5 nicht regional eingrenzbare Sprachen
6.1.5.1 Jenisch
6.1.5.2 Jiddisch
6.1.5.3 Romani
6.2 Regional-und Minderheitensprachen in Überseegebieten
7. Wie setzt Frankreich die Charta um?
7.1 Unterzeichnung: Ja – Ratifizierung: Nein
7.1.1 Im Widerspruch zur Verfassung
7.1.2 Finanzieller Aspekt
7.2 Pro & Contra Charta
7.2.1 Gegner
7.2.2 Befürworter
7.3 Auswahl an Maßnahmen
8. Weitere Aktivitäten im Bereich der Regional- und Minderheitensprachen
9. Abschließende Betrachtung im europäischen Vergleich
10. Schlusswort
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachpolitik des Europarats mit einem besonderen Fokus auf Frankreich. Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der Unterzeichnung der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen durch Frankreich und der ausbleibenden Ratifizierung zu analysieren sowie die Situation der vielfältigen Regional- und Minderheitensprachen im Land zu beleuchten.
- Strukturen und Arbeitsgebiete des Europarats
- Definition und Kategorisierung von Regional- und Minderheitensprachen
- Analyse der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen
- Die spezifische Situation der Minderheitensprachen in Frankreich
- Diskussion der Umsetzungshemmnisse (Verfassungsrecht, Finanzen)
- Vergleichende Betrachtung mit anderen europäischen Staaten
Auszug aus dem Buch
6.1.5.1 Jenisch
Das Jenische ist eine Varietät der deutschen Sprache und zählt somit zur germanischen Sprachfamilie. Zum Teil wird es in der Literatur als Varietät des Rotwelschen klassifiziert. Es wird auch als Sprache der „Fahrenden“ bezeichnet, da Jenischsprecher traditionell bestimmten Berufsgruppen angehören, wie Kesselflicker, Scherenschleifer, Korbflechter, Bürstenmacher, Altmetallhändler, Trödler, Schausteller und andere. Die Entstehung eines Selbstverständnisses der Jenischen als eigene Volksgruppe ist wohl in der Ausgrenzung dieser Familiengruppen durch die sesshafte Mehrheit der Gesellschaft zu begründen, weshalb das Jenische häufig auch als Soziolekt bezeichnet wird. Da das Jenische eine nicht territorial gebundene Sprache ist, weisen seine regionalen Varietäten eine unterschiedliche Anzahl an Entlehnungen aus Kontaktsprachen auf, so z. B. aus dem Jiddischen, dem Romani, aber auch aus dem Französischen und Italienischen.In Frankreich leben geschätzte 300.000 Jenische zu einem Großteil in den Regionen Elsass, Lothringen und dem Departement Moselle, aber auch in anderen Gebieten Frankreichs.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Sprachpolitik des Europarats ein und gibt einen Überblick über den Aufbau der Arbeit.
2. Der Europarat: Hier werden die Entstehungsgeschichte, der organisatorische Aufbau sowie die zentralen Ziele und Arbeitsgebiete des Europarats erläutert.
3. Definitionen: Das Kapitel widmet sich der schwierigen Begriffsklärung von Regional- und Minderheitensprachen anhand verschiedener Dimensionen sowie der Definition gemäß der Charta.
4. Die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen: Es erfolgt eine detaillierte Analyse des Aufbaus, der Gliederung und der Geltung des völkerrechtlichen Vertrags sowie eine kritische Betrachtung der Vor- und Nachteile.
5. Kategorien der Regional- und Minderheitensprachen: Hier werden die vier Hauptkategorien für die Klassifizierung europäischer Regional- und Minderheitensprachen vorgestellt.
6. Minderheitensprachen in Frankreich: Dieser umfangreiche Abschnitt listet die verschiedenen Sprachen im französischen Mutterland nach Sprachfamilien sowie in den Überseegebieten auf.
7. Wie setzt Frankreich die Charta um?: Dieses Kapitel beleuchtet das Spannungsfeld zwischen der Unterzeichnung der Charta und der ausbleibenden Ratifizierung sowie die Pro- und Contra-Argumente.
8. Weitere Aktivitäten im Bereich der Regional- und Minderheitensprachen: Hier werden private Schulinitiativen und Vereinigungen zur Förderung von Sprache und Kultur in den Regionen vorgestellt.
9. Abschließende Betrachtung im europäischen Vergleich: Ein Vergleich der französischen Sprachpolitik mit der Schweiz und Deutschland zeigt, dass eine weitreichende Förderung von Minderheitensprachen möglich ist.
10. Schlusswort: Das Fazit fasst die Erkenntnisse zusammen und betont die Bedeutung einer anhaltenden Diskussion über den Schutz bedrohter Sprachen.
Schlüsselwörter
Europarat, Europäische Charta, Regional- und Minderheitensprachen, Frankreich, Sprachpolitik, Ratifizierung, Sprachfamilien, Zweisprachigkeit, kulturelle Identität, Minderheitenschutz, Immersion, Sprachvielfalt, Sprachrechte, Soziolekt, Dialekte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Sprachpolitik des Europarats und untersucht insbesondere, wie Frankreich mit Regional- und Minderheitensprachen umgeht und warum das Land die Europäische Charta bisher nicht ratifiziert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Strukturen des Europarats, die rechtliche Definition von Minderheitensprachen, die Bestandsaufnahme der Sprachen in Frankreich sowie die verfassungsrechtlichen Hürden bei der Umsetzung der Charta.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der französischen Unterzeichnung der Charta im Jahr 1999 und der bis heute ausbleibenden Ratifizierung durch eine Analyse der politischen und verfassungsrechtlichen Argumente zu ergründen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die offizielle Dokumente des Europarats, rechtswissenschaftliche Gutachten zur französischen Verfassung und linguistische Fachliteratur auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zum Europarat, eine detaillierte Erläuterung der Charta, eine systematische Vorstellung der in Frankreich gesprochenen Sprachen und eine Diskussion der Hindernisse bei der Umsetzung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Europarat, Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen, Sprachpolitik, Frankreich, Ratifizierung und die verschiedenen Sprachfamilien der Regionen.
Warum weigert sich Frankreich offiziell, die Charta zu ratifizieren?
Der Conseil constitutionnel sieht einen Widerspruch zwischen den Bestimmungen der Charta und dem Artikel 2 der französischen Verfassung, der besagt, dass Französisch die einzige Sprache der Republik ist.
Welche Rolle spielen private Initiativen bei der Sprachförderung?
Da der französische Staat nur minimale Unterstützungen leistet, tragen private Schulorganisationen wie Diwan (für Bretonisch) oder Calandreta (für Okzitanisch) maßgeblich zum Erhalt der Sprachen bei.
Wie unterscheidet sich die Situation in Deutschland oder der Schweiz?
Im Vergleich zu Frankreich haben diese Länder die Charta ratifiziert und integrieren den Schutz und die Förderung von Regional- und Minderheitensprachen wesentlich stärker in ihr staatliches System.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2009, Die Sprachpolitik des Europarates, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/976854