Politisches Lernen in der Grundschule. Trägt das Schulbuch "Schlag nach im Sachunterricht 3/4"etwas dazu bei?


Hausarbeit, 2019

14 Seiten, Note: 1,7

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Grundlagen und Definitionen
2.1. Politisches Lernen in der Grundschule
2.2. Kompetenzmodell – Basis- und Fachkonzepte

3. Das Schulbuch „Schlag nach im Sachunterricht 3/4“
3.1. Allgemeiner Inhalt
3.2. Thema „Zusammen leben“

4. Analyse des Schulbuchs
4.1. Leitfragen
4.2. Ergebnisse

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis
6.1. Monografien
6.2. Internetquellen

1. Einleitung

Vielen Menschen mag es sehr früh erscheinen, sich schon in der Grundschule mit dem Politischen zu beschäftigen. Kinder dürfen nicht wählen gehen oder selbst gewählt werden. Sie scheinen keinerlei politische Partizipation zu haben. Jedoch sollten demokratische Fähigkeiten und Einstellungen sowie das Beschäftigen mit Grundproblemen der heutigen Gesellschaft auch schon in der Grundschule thematisiert werden. (vgl. Herdegen 1999, S. 6)

Grundschulkinder erwerben durch die familiäre Sozialisation, durch ihre Freunde aber auch durch den Konsum von Massenmedien erste Vorstellungen von Politik und ein kindgemäßes Politikbewusstsein. Sie nehmen beispielsweise Begriffe der Kommunalpolitik, wie Bürgermeister und Polizei war und auch Themen, wie Wahlen und die Bundeskanzlerin.1 (vgl. Burth 2018)

Nicht zuletzt deshalb verortet der Bildungsplan Baden-Württemberg politische Bildung im Sachunterricht. Im Themenblock „Demokratie und Gesellschaft“ werden die Unterpunkte „Leben in Gemeinschaft“, „Arbeit und Konsum“, „Kultur und Vielfalt“ sowie „Politik und Zeitgeschehen“ behandelt. Die Schülerinnen und Schüler sollen dadurch politische Handlungs- und Entscheidungsprozesse kennenlernen und demokratische Strukturen im Alltag wahrnehmen. Außerdem sollen sie unterschiedliche Konzepte des Zusammenlebens kennenlernen und ihre eigene Lebenswelt dazu in Beziehung setzen. (vgl. Bildungsplan Baden-Württemberg 2016)

Diese Hausarbeit behandelt im Folgenden die Frage, ob das Schulbuch „Schlag nach im Sachunterricht 3/4“ etwas zum politischen Lernen der Schülerinnen und Schüler beiträgt. Zunächst werden theoretische Grundlagen und Definitionen zu politischem Lernen in der Grundschule vorgestellt. Weiterhin wird das Kompetenzmodell der Basis- und Fachkonzepte erläutert. Anhand dieser und den formulierten Leitfragen werden ausgewählte Schulbuchseiten anschließend analysiert, um die im Titel gestellte Frage zu beantworten.

2. Theoretische Grundlagen und Definitionen

2.1. Politisches Lernen in der Grundschule

In diesem Kapitel wird erläutert, was politisches Lernen ist und welche Ziele politische Bildung im Sachunterricht der Grundschule verfolgt.

Um politisches Lernen im Sachunterricht zu beschreiben, muss zunächst die Frage geklärt werden, was „Politik“ überhaupt ist. In der Wissenschaft konnte man sich bisher auf keine einheitliche Definition einigen. (vgl. Reeken 2001, S. 8) Für Niccolò Machiavelli war Politik „[...] die Kunst des Machterwerbs und der Machtbehauptung.“ (Niccolò Machiavelli zitiert nach Reeken 2011, S. 8) Der Politikwissenschaftler Otto Suhr beschrieb 1950 „Politik“ mit dem „[...] Kampf um die rechte Ordnung.“ (Otto Suhr 1950 zitiert nach Reeken 2001, S. 8)

Eine weitere Einteilung des Politischen stammt aus dem Angelsächsischen. Hier wird „Politik“ in drei verschiedene Dimensionen eingeteilt. Die erste Dimension ist Polity. In dieser werden politische Strukturen dargestellt und der Handlungsrahmen gebildet. Wichtige Aspekte sind hierbei Institutionen, rechtliche Bestimmungen, wie die Verfassung, aber auch die politische Kultur.

Die nächste Dimension ist Policy. Darunter versteht man die politischen Inhalte, wie politische Programme, Ziele und Ergebnisse. Weiterhin beschäftigt sich diese Dimension mit Wert- und Orientierungssystemen hinter den politischen Überzeugungen.

Die dritte Dimension heißt Politics. Hier wird der politische Prozess beschrieben. Wichtig dabei sind die Interessen der Akteure und deren Mittel zur Durchsetzung. Macht und Machtbeziehungen spielen eine zentrale Rolle. (vgl. Reeken 2001, S. 9f.)

Geht man nach diesen Definitionen, dann erscheint die kindliche Lebenswelt ein politikfreier Raum zu sein. Kinder sind nicht am Wahlprozess beteiligt oder nehmen an politischen Debatten teil. Jedoch schauen die meisten Fernsehen oder hören Radio. Sie erfahren von Themen, wie Gewalt oder Krieg und hören die Meinungen der Eltern zu vielen politischen Themen.

Politische Sozialisation beginnt bereits im Vor- oder Grundschulalter. Dabei ist nicht entscheidend, ob dies bewusst oder unbewusst passiert. (vgl. ebd., S. 15f.) Daher sollte und ist politisches Lernen im Sachunterricht der Grundschule ein zentraler Bestandteil. (vgl. ebd., S.40)

Die generellen Ziele des politischen Lernens sind nach Reeken politische Mündigkeit,

Analyse-, Urteils- und Handlungsfähigkeit zu erlernen.

Ziele des politischen Lernens im Sachunterricht müssen an die Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler anknüpfen. Das Interesse am Politischen sollte geweckt werden, um schon frühzeitig einer Politikverdrossenheit vorzubeugen. Auch erlangen die Kinder dadurch Unabhängigkeit, da sie lernen, selbstständig Probleme zu analysieren und zu lösen.

Ein weiteres Ziel ist das Erlernen politische Fragen zu stellen. Um politische Probleme untersuchen zu können, müssen die richtigen Fragen gestellt werden.

Wichtig ist auch, die Kinder politisch handlungsfähig zu machen, indem sie ihre gegenwärtigen Partizipationsmöglichkeiten ausschöpfen. Dies kann beispielsweise durch Engagement in einem Kinderparlament oder Kinderbeirat erfolgen. Durch das Erwerben bestimmter Kompetenzen, wie Kommunikationsfähigkeit oder den Umgang mit öffentlichen Institutionen haben die Kinder die Möglichkeit, den privaten Raum zu verlassen und in die Öffentlichkeit zu treten. Um diese Ziele zu erreichen, muss der Unterricht wissenschaftsorientiert, problemorientiert, situationsorientiert und handlungsorientiert sein. (vgl. Reeken 2001, S. 49ff.)

Auch wenn es eine Gratwanderung und nicht immer erfolgreich durchführbar ist, sollte im Bereich des politischen Lernens im Sachunterricht das Politische jederzeit Kern der Unterrichtseinheit sein. (vgl. Massing, Weißeno zitiert nach Reeken 2001, S.58)

2.2. Kompetenzmodell – Basis- und Fachkonzepte

Das nachfolgende Kapitel befasst sich mit der Definition der Begriffe Basis- und Fachkonzepte sowie dem zugehörigen Kompetenzmodell.

Zur Bewältigung von Problemen der heutigen Gesellschaft wird sich derzeit in der Politikdidaktik an Kompetenzen orientiert. (vgl. Weißeno, Detjen, Juchler, Massing, Richter 2010, S.9) Die Politikdidaktiker Weißeno, Detjen, Juchler, Massing und Richter entwickelten auf dieser Grundlage ein Kompetenzmodell der Basis- und Fachkonzepte, welches sich nur auf die Dimension Fachwissen bezieht. Die Dimensionen politische Urteilsfähigkeit, politische Handlungsfähigkeit und politische Einstellung und Motivation werden hier außen vorgelassen. (Weißeno et al. 2010, S. 12)

„Basiskonzepte bezeichnen zentrale Prinzipien bzw. Paradigmen der Domäne, also Grundvorstellungen des jeweiligen Faches.“ (ebd. 2010, S. 48) Sie strukturieren verschiedene Begriffe und Theorien der Politikwissenschaft. Man betrachtet sowohl in der Primarstufe als auch in der Sekundarstufe die Basiskonzepte Ordnung, Entscheidung und Gemeinwohl. In der Politikdidaktik geht man davon aus, dass sich das Politische nicht verstehen lässt, wenn keine Vorstellung dieser Dimensionen vorhanden ist. Sie dienen der Systematisierung und dem Aufbau vernetzten Wissens. Zudem soll anhand der dadurch aufgebauten Grundkenntnisse ein erweiterter Wissensaufbau stattfinden. Durch das Ausdifferenzieren dieser Basiskonzepte entstehen die Fachkonzepte. (vgl. ebd. 2010, S. 48)

Fachkonzepte sind den Basiskonzepten jedoch nicht untergeordnet. Sie definieren schulisches Grundlagenwissen und bilden die Norm zur Schülerbewertung. Weiterhin übernehmen Fachkonzepte Integrations- und Ordnungsfunktionen. Durch Erfassen diese Konzepte entsteht strukturiertes Wissen. Sie helfen bei der Analyse, Bewertung und Reflexion politischer Ereignisse und Prozesse. Dadurch wird konzeptuelles Wissen aufgebaut, also ein abstraktes Tiefenverständnis. (vgl. Weißeno et al. 2010, S. 49)

Für die Primarstufe wurden Mindeststandards festgelegt, um die Qualität des Unterrichts zu sichern und gerade leistungsschwächere Schülerinnen und Schüler nicht zurückzulassen. Durch diese Mindestanforderungen sollen grundlegende Kompetenzen der Domäne „Politik“ erworben werden. Die genannten Basiskonzepte werden um Fachkonzepte ergänzt, die für alle Schülerinnen und Schüler verbindlich sind. Beispiele dafür sind die Fachkonzepte Repräsentation, Macht und Gerechtigkeit. Zudem sollen konstituierende Begriffe vermittelt werden, wie beispielsweise Gemeinderat, Abstimmung und Gesetz sowie Krieg, Waffenstillstand und Armut/Reichtum. (vgl. ebd. 2010, S. 190f.)

Die Fachkonzepte sollen im Unterricht kontinuierlich umgesetzt werden und durch die konstituierenden Begriffe an den Alltag der Kinder anknüpfen. Außerdem sollten im Material Fachbegriffe unterstrichen sein und oft wiederholt werden, um ein nachhaltiges Lernen zu gewährleisten.2 (vgl. Weißeno, Götzmann 2015)

3. Das Schulbuch „Schlag nach im Sachunterricht 3/4“

3.1. Allgemeiner Inhalt

Im nachfolgenden Abschnitt wird der Inhalt des Schulbuches „Schlag nach im Sachunterricht 3/4“ beschrieben.

Das Schulbuch eignet sich für den Unterricht im Fach Sachunterricht der Klassenstufen 3 und 4. Es erschien im Jahr 2017 im Cornelsen Verlag GmbH Berlin. Dieses Buch ist eines der drei aktuell, vom Kultusministerium Baden-Württemberg, empfohlenen Schulbücher für den Sachunterricht an Grundschulen.3 (vgl. Landesinstitut für Schulentwicklung 2017) Es umfasst 12 Themengebiete, unter anderem „Zusammen Leben“, „Körper und Gesundheit“ und „Unsere Heimat – unsere Welt“. In die Domäne „Politik“ fällt das Themengebiet „Zusammen leben“. Die Inhalte des Lehrbuchs sind kindgerecht umgesetzt. Das zeigt sich unter anderem durch die zwei Tiere, die Eule Eusebia und Mucki die Maus, welche die Kinder begleiten und an vielen verschiedenen Stellen des Buches auftauchen. (vgl. Kiesinger-Jehle, Manchen-Bürkle, Müller, Petruschka, Wayand 2017)

3.2. Thema „Zusammen leben“

Im folgenden Kapitel wird näher auf das Themengebiet „Zusammen leben“ eingegangen.

In diesem Unterpunkt gibt es folgende 11 Unterkapitel: Miteinander, Der Klassenrat, Der Klassensprecher, Konflikte vermeiden, Konflikte lösen, Kinder in Deutschland, Kinder in aller Welt, Kinder haben Rechte, Kinder arbeiten, Heimat und Fremde und das Thema Politik bei uns: Wer? – Wo? – Was?. (vgl. Kiesinger-Jehle et al. 2017)

Exemplarisch werden nun zwei ausgewählte Themen näher erklärt und im folgenden Kapitel auch analysiert.

Das Kapitel „Der Klassensprecher“ ist auf den Seiten 9–10 im Lehrbuch zu finden. Auf der ersten Seite sind Kinder abgebildet und um sie herum Sprechblasen angeordnet, deren Inhalt auf die Frage eingeht, was ein Klassensprecher tun sollte. Darunter ist eine Aufgabe abgebildet, bei der die Schülerinnen und Schüler dazu aufgefordert werden zu überlegen, welche Stärken und Schwächen sie selbst haben und ob sie als Klassensprecher geeignet sind.

Der untere Teil der Seite beschäftigt sich mit Wahlplakaten. Beispielhaft sind zwei verschiedene Plakate abgedruckt und die Kinder erhalten den Arbeitsauftrag, selbst ein Wahlplakat für die Kandidaten der Klasse zu erstellen. Auf Seite 10 ist zunächst ein großes Bild abgedruckt, bei dem Schüler auf eine Tafel Abstimmungsergebnisse einer Klassensprecherwahl notieren. Die Eule Eusebia erklärt in einer Sprechblase, was alles zur Durchführung der Wahl benötigt wird. Im unteren Teil der Seite wird beschrieben, wie eine Klassensprecherwahl ablaufen soll. Die mit einem Stern gekennzeichnete Aufgabe auf der Seite stellt an die Schülerinnen und Schüler die Aufgabe, andere Klassensprecher zu interviewen und zu erfahren, welche Aufgaben diese haben. (vgl. ebd. 2017, S. 9f.)

Mehr zum Thema „Politik“ ist auf den Seiten 22–23, unter der Überschrift „Politik bei uns: Wer? – Wo? – Was?“ zu finden. Auf der Doppelseite ist eine Pinnwand abgebildet, an der Zettel in unterschiedlichen Größen zu unterschiedlichen Themen hängen. Auf der Seite 22 findet man beispielsweise einen amtlichen Stimmzettel oder Karteikarten mit den Aufschriften Partei, Wahlen oder Gesetze. Es sind viele weitere Begriffe abgedruckt, die in die Politikdomäne fallen. Außerdem ist ein Zeitungsartikel zum Thema „Zebrastreifen in der Ensostraße“. Auch ist ein Zettel abgebildet, auf dem Fragen wie „Wie heißt unser Bürgermeister?“ stehen. Unter der Pinnwand sind Fragen und Aufgaben für die Schülerinnen und Schüler abgedruckt. Sie wollen Ideen zum Thema Politik im Wohnort sammeln und einen Lerngang ins Rathaus planen. Die Schülerinnen und Schüler sollen eine politische Pinnwand über die Gemeinde gestalten.

[...]


1 http://www.bpb.de/lernen/projekte/272125/politische-bildung-in-der-grundschule-und-inklusiven-schulen

2 http://politikdidaktik-weisseno.de/politikdidaktik-prof-dr-georg-weisseno/entwicklungsarbeiten/demokratie-und-buergerentscheid-im-sachunterricht-der-grundschule/

3 http://www.schule-bw.de/service-und-tools/schulbuecher/listen/Schulbuchliste_GS_2016.pdf

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Politisches Lernen in der Grundschule. Trägt das Schulbuch "Schlag nach im Sachunterricht 3/4"etwas dazu bei?
Hochschule
Pädagogische Hochschule Karlsruhe
Note
1,7
Jahr
2019
Seiten
14
Katalognummer
V978168
ISBN (eBook)
9783346337238
ISBN (Buch)
9783346337245
Sprache
Deutsch
Schlagworte
politisches, lernen, grundschule, trägt, schulbuch, schlag, sachunterricht
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Politisches Lernen in der Grundschule. Trägt das Schulbuch "Schlag nach im Sachunterricht 3/4"etwas dazu bei?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978168

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