Die Herrschaftspolitik des Pyrrhos und sein Italien-Feldzug (280-275 v. Chr.)


Hausarbeit (Hauptseminar)

21 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Das Pyrrhos-Phänomen

2 Die Herrschaftspolitik des Pyrrhos mit Konzentration auf seinen Italien-Feldzug (280-275 v. Chr.)
2.1 Pyrrhos‘ Herrschaftspolitik vor Italien (306-281 v. Chr.)
2.2 Pyrrhos‘ Herrschaftspolitik in Italien (280-275 v. Chr.)

3 Fazit: Pyrrhos‘ Herrschaftspolitik nach Italien (274-272 v. Chr.)

Quellen- und Literaturverzeichnis

1 Das Pyrrhos-Phänomen

Auf die Frage, wer der beste Feldherr aller Zeiten sei, soll Hannibal den Molosser-König Pyrrhos an erster Stelle genannt haben.1 Obgleich man an der Historizität dieser Aussage zweifeln kann, spiegelt sie dennoch die besondere Wertschätzung gegenüber Pyrrhos in der Antike wider. Durch die göttliche Heilkraft seines Zehs, seine Alexander-ähnliche Ausstrahlung, sein taktisches Geschick und allen voran durch seinen Italien-Feldzug – die erste militärische Konfrontation zwischen den Römern und Griechen – hob er sich von anderen hellenistischen Herrschern seiner Zeit ab.2

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich deshalb besonders mit Pyrrhos‘ Kriegszug gegen Rom.3 Zu Beginn erfolgt eine knappe Einführung zum bisherigen Leben des Königs, um darzulegen, warum ein Eingreifen in Italien für ihn eine attraktive Option darstellte. Im Großteil der Arbeit geht es dann um seine römische Herrschaftspolitik – angefangen mit der tarentinischen Gesandtschaft und dem ersten Zusammentreffen mit Rom, gefolgt von weiteren wichtigen Etappen seines Aufenthalts. Dabei sollen nicht etwa chronologische Detailfragen oder die genaue Wiedergabe der Schlachtverläufe im Vordergrund stehen. Es wird vielmehr Wert auf Pyrrhos‘ Beziehungen zu seinen Gegnern gelegt, womit die Ziele, Maßnahmen und Entwicklung seiner Herrschaftspolitik am besten verdeutlicht werden können. Die anschließende Zusammenfassung der wesentlichen Ergebnisse und ein kurzer Ausblick auf Pyrrhos‘ weitere Unternehmen runden die Arbeit ab.

Was die Quellenlage angeht, sieht man sich mit drei wesentlichen Problemen konfrontiert: Erstens liegen zu Pyrrhos im Grunde keine zeitgenössischen Quellen vor, da die Werke seines Hofhistoriographen Proxenos, des Geschichtsschreibers Hieronymos von Kardia sowie seine eigenen Memoiren4 bis auf wenige Fragmente oder gar ganz verloren sind. Man muss also auf spätere Zeugnisse zurückgreifen, wobei als älteste Überlieferung die des Diodor– mehr als 200 Jahre nach Pyrrhos‘ Tod – und als jüngste die des Zonaras aus dem 12. Jahrhundert n. Chr. vorliegt. Zweitens handelt es sich bei solchen Quellen zum Teil ebenfalls nur um Fragmente (z.B. Diodor, Appian) oder Zusammenfassungen früherer Vorlagen (z.B. Zonaras, Justin). Drittens darf man die antiken Autoren nicht als Historiker im modernen Sinne ansehen, denn ihre Werke enthalten nicht selten unhistorische Erzählungen oder stilistische Ausschmückungen (z.B. Dionysios, Plutarch).5

2 Die Herrschaftspolitik des Pyrrhos mit Konzentration auf seinen Italien-Feldzug (280-275 v. Chr.)

2.1 Pyrrhos‘ Herrschaftspolitik vor Italien (306-281 v. Chr.)

Seinen Anspruch auf den molossischen Königsthron konnte Pyrrhos nach langen Machtkämpfen gegen den makedonischen Regenten Kassander erst 297 v. Chr. endgültig durchsetzen. Denn nachdem sein Vater Aiakides zugunsten der Olympias, der Mutter des Alexander des Großen, in makedonische Thronstreitereien interveniert hatte, kam es aufgrund von innenpolitischen Konflikten 317 v. Chr. zu seiner Vertreibung und schließlich 313 v. Chr. beim Versuch der Rückkehr zu seinem Tod. Sein ehemals verbannter Bruder Alketas II. wurde neuer König.6 Kassander wiederum gelang es, sich neben der Herrschaft über Makedonien vertraglich auch die militärische Kontrolle über den epeirotischen Bund zu sichern.7 Der geflüchtete Pyrrhos wurde als ἔτι νήπιος („noch als Kind“)8 von dem Illyrer-König Glaukias aufgenommen und konnte mit dessen Unterstützung fünf Jahre lang von 307 v. Chr. bis zu seiner Vertreibung durch Kassander unter Vormundschaft über Epeiros regieren. Nach seinem militärischen Einsatz für seinen Schwager Demetrios Poliorketes in der Schlacht von Ipsos und seiner Zeit als dessen Militärbefehlshaber musste er laut dem Frieden des vierten Diadochenkriegs als Geisel nach Alexandrien. Dort stärkte er durch die Heirat mit der Königstochter Antigone seine Beziehungen zu den Ptolemäern.9 Währenddessen herrschte Neoptolemos II. über Epeiros, dessen Regentschaft laut Plutarch allerdings als χαλεπῶς καὶ βιαίως („hart und gewalttätig“)10 empfunden wurde. Möglicherweise weckte aus diesem Grund Pyrrhos‘ von Ptolemaios I. Soter unterstützte Rückkehr 297 v. Chr. bei vielen Molossern die Hoffnung auf mildere Umstände, sodass Neoptolemos – vermutlich aus Angst vor einer Meuterei – auf dessen Angebot einer Doppelherrschaft einging. Pyrrhos jedoch befahl, sich auf die Unterstützung der epeirotischen Elite stützend, bald darauf dessen Ermordung, womit er sich bis zu seinem eigenen Tod 272 v. Chr. die Alleinherrschaft sicherte.11

Als Kassander 298 v. Chr. starb, flammten die Thronstreitereien in Makedonien wieder auf. Das Reich wurde unter seinen Söhnen Alexander und Antipater aufgeteilt, wobei beide sich um die Stärkung ihrer eigenen Machtposition bemühten. Alexander bat dafür 294 v. Chr. Pyrrhos und Demetrios um Hilfe, da aber Letzterer zurzeit in Athen agierte, war Pyrrhos schneller zur Stelle und erreichte die Flucht Antipaters. Für seinen Einsatz erhielt Pyrrhos, wie vorher eingefordert, mehrere Gebiete zugesprochen.12 Als Demetrios dann im selben Jahr Alexander umbringen, sich selbst zum makedonischen König ausrufen ließ und weitere Expansionsbestrebungen zeigte, schlossen sich Seleukos, Ptolemaios und Lysimachos 288 v. Chr. zu einem Bündnis zusammen. Auch Pyrrhos war Teil dieser Allianz, da er sich durch seine bisherigen militärischen Aktionen als erfolgreicher Feldherr erwiesen hatte – zuletzt im Vorjahr durch seinen Sieg gegen die in Epeiros einmarschierte Armee des Demetrios.13 Dieser dagegen verlor in seinen eigenen Reihen immer mehr an Halt, sodass seine Truppen Pyrrhos schließlich zum makedonischen König ausriefen. Das Reich wurde, weil es „im Augenblick von Nutzen [war] und den Ausbruch des Kriegs zwischen ihnen [verhinderte]“14, zwischen Pyrrhos und Lysimachos aufgeteilt, der sich allerdings nach Demetrios‘ endgültiger Niederlage 285 v. Chr. gegen seinen Verbündeten wandte und so dessen Rückzug aus Makedonien erzwingen konnte.15

Laut Plutarchs Bewertung der Situation hätte Pyrrhos nach diesem Fehlschlag die Möglichkeit gehabt, „das, was er hatte, unangefochten zu genießen und in Frieden als König über seine Stammesgenossen zu herrschen“. Stattdessen sei er aber voller Tatendrang gewesen, weshalb Tarents Bitte um Unterstützung gegen Rom ihn genau zur rechten Zeit erreicht habe.16 In der Tat sahen seine Erfolgsaussichten auf den makedonischen Königstitel nach Lysimachos‘ Tod aufgrund der Machtkämpfe zwischen Ptolemaios Keraunos, dessen Halbbruder Ptolemaios II. Philadelphos, Antigonos II. Gonatas (dem Sohn Demetrios‘) sowie Antiochos I. Soter weiterhin ungünstig aus, sodass er beschloss, sich Italien zuzuwenden. Bei Plutarch kann man ferner von einem (fiktiven) Frage-Antwort-Gespräch zwischen Pyrrhos und seinem thessalischen Ratgeber Kineas lesen, in dem die Ziele des Königs dargelegt werden: Der Sieg über die Römer werde ihn zum Machthaber über die gesamte Halbinsel machen, wodurch er dann leicht Sizilien, Libyen und Karthago einnehmen könne. Ein solcher Machtzuwachs ermögliche schließlich die Rückeroberung Makedoniens sowie eine langfristige Herrschaft über ganz Griechenland.17 Im Folgenden gilt es darzulegen, inwiefern Pyrrhos‘ Unternehmungen die Annahme einer solchen Zielsetzung zulässt, wie sich seine Herrschaftspolitik gegen die Römer allgemein gestaltete und welche Entwicklung sie im Laufe des Kriegsgeschehens vollzog.

2.2 Pyrrhos‘ Herrschaftspolitik in Italien (280-275 v. Chr.)

2.2.1 Tarents Hilferuf und Pyrrhos‘ Sieg bei Herakleia

Bei Tarents Hilferuf an Pyrrhos handelte es sich nicht um das erste Mal, dass die Tarentiner militärische Unterstützung erbaten. Schon in der Vergangenheit hatte es drei Vorfälle gegeben, in denen hellenistische Herrscher, darunter 331 v. Chr. Pyrrhos‘ Großonkel Alexander von Epeiros, Tarent zu Hilfe kamen.18 Doch Pyrrhos selbst war der erste Grieche, der sich in eine „direkt[e] Konfrontation“19 mit den Römern begab. Gleich zwei Gesandtschaften der Tarentiner20 – die zweite zusammen mit den Samniten und Lukanern – erreichten Pyrrhos im Jahr 281 v. Chr. und ließen ihn an den Fall Trojas denken, was in ihm als Nachfahre des Achilles Hoffnungen auf einen Sieg über die Römer, die Nachkommen der Trojaner, geweckt habe.21 Außerdem wolle er nicht weniger tatkräftig als Alexander der Große erscheinen, der den Osten im Rahmen von Feldzügen genauso weit entfernt von seiner Heimat unterworfen habe.22 Der in vielen Überlieferungen vorzufindende Vergleich des Pyrrhos mit Achilles oder seinem Großcousin Alexander dem Großen war nicht nur ein gängiges literarisches Motiv, sondern entsprach, wie an seinen Münzemissionen erkennbar, seiner beabsichtigten Selbststilisierung.23 Man kann also annehmen, dass Pyrrhos seinen Italien-Feldzug tatsächlich als „nationalen Befreiungskampf der Griechen gegen die römischen Erben der Trojaner“24 verstanden haben wollte. Unter welchen Bedingungen er letztlich das Hilfegesuch akzeptierte, wird aus den Quellen nicht ersichtlich. Jedenfalls stellte man ihm Streitkräfte und die Funktion als Strategos Autokrator in Aussicht, die er nach seiner Ankunft in Tarent auch einnahm.25

Pyrrhos‘ Entscheidung, gegen Rom vorzugehen, wurde des Weiteren von den übrigen hellenistischen Herrschern unterstützt, weil sie so seine längere Abwesenheit von Griechenland erreichten.26 Laut Justin erhielt er für seinen Feldzug von Antigonos II. Schiffe für die Überfahrt nach Italien (naves ad exercitum in Italiam deportandum) , von Antiochos Geld (pecunia), von Ptolemaios Keraunos makedonische Soldaten (Macedonum militum auxilia) und von Ptolemaios II. Defensivtruppen in Epeiros zum Schutz seiner Herrschaftsgebiete vor eventuellen Übergriffen (ne abducta in Italiam iuventute praedam hostibus regnum relinqueret).27 Zuerst schickte Pyrrhos Kineas und seinen Truppenführer Milon nach Tarent, er selbst mit dem Großteil der Streitmacht kam nach, wurde jedoch auf der Reise von einem heftigen Seesturm überrascht, sodass er einige Verluste hinnehmen musste.28 Die Römer nutzten die Gunst der Stunde und gingen in die Offensive, bevor der Molosser-König sich von diesem Schlag erholen und Verstärkung von seinen Verbündeten erhalten konnte. Während einer der Konsuln den Befehl gegen die aufständischen Etrusker innehatte, bereitete sich der andere Konsul P. Valerius Laevinus auf einen Angriff gegen Pyrrhos vor. Der König versuchte seinerseits Zeit zu gewinnen, indem er den Römern anbot, als Schiedsrichter den Konflikt zwischen ihnen und Tarent zu lösen. An dieser Stelle werden die kulturellen Unterschiede zum ersten Mal deutlich: Rom, das mit dem hellenistischen Schiedsgerichtsprinzip nichts anzufangen wusste, lehnte Pyrrhos‘ Angebot ab und es kam schließlich zur ersten Schlacht in der Nähe der Stadt Herakleia.29

Der Kampf war lange Zeit sehr ausgeglichen. Doch als Pyrrhos schließlich der sonst üblichen hellenistischen Kriegsführung zuwider seine Elefanten nicht als Sturmbrecher, sondern aus den hinteren Linien zum Einsatz brachte, machte sich unter den Römern, die bis dahin noch nie solche Tiere gesehen hatten, Panik breit. Laut Zonaras waren auf den Elefanten außerdem Turmkonstruktionen mit bewaffneten Soldaten angebracht, die für zusätzlichen Schaden sorgten. Glaubt man der Überlieferung, wäre dies der erste bekannte Gebrauch solcher Konstruktionen, deren Erfindung auf Pyrrhos zurückgehen könnte. Mithilfe seiner Elefanten nahm der Molosser-König letztlich trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit seiner Truppen das gegnerische Lager ein, aber auf beiden Seiten waren schwere Verluste zu verzeichnen – 7000 Tote auf römischer, 4000 auf griechischer Seite.30 Sein Sieg brachte ihm ferner neue Verbündete ein: Die Lukaner, Samniten sowie Bruttier schlossen sich ihm nun endgültig an und Städte wie Lokroi oder Kroton fielen von Rom ab.31 Sich dadurch seiner Überlegenheit sicher zog Pyrrhos kurz darauf über Kampanien in Richtung Hauptstadt vor. Der eigentlich tarentinisch-römische Konflikt hatte sich zu diesem Zeitpunkt schon längst zu einem „ Bellum Pyrrhicum32 entwickelt.

2.2.2 Pyrrhos‘ Marsch nach Rom und erste Verhandlungen

Ob Pyrrhos mit seinem Marsch gegen die Hauptstadt Rom ihre sofortige Einnahme beabsichtigte, lässt sich nicht eindeutig bestimmen. Einerseits wäre es möglich, dass er sich mit einem der römischen Niederlage bei Herakleia zeitnahen Angriff ein schnelles Kriegsende erhoffte, zumal er das militärische Potential der Römer noch nicht gänzlich kannte. Nach hellenistischen Maßstäben wäre überdies die Kapitulation und anschließende Verhandlungsbereitschaft einer geschwächten Stadt nicht unwahrscheinlich. Andererseits könnte der Marsch als Plünderungsfeldzug dienen, wie es die Quellen kurz anmerken, oder den Zweck der Machtdemonstration und Gewinnung weiterer Verbündeter erfüllen.33 Was auch immer sein Ziel war, Pyrrhos erreichte weder Rom noch konnte er die etruskischen Städte auf seine Seite bringen. Den Römern war es nämlich gelungen, neue Truppen auszuheben und den Konflikt mit Etrurien beizulegen, sodass das im Norden freigewordene Heer zurückbeordert werden konnte. Obendrein hatte man die Besatzungstruppen in der Hauptstadt verstärkt. Da Pyrrhos auf eine derartige römische Gegenwehr nicht vorbereitet war und sich Capua sowie Neapolis ihm widersetzten, kehrte der König von Anagnia aus zurück nach Tarent in sein Winterlager.34

[...]


1 Vgl. Plut. Pyrrh. VIII 2. Bei Liv. XXXV 14, 5-10 stuft Hannibal Pyrrhos hinter Alexander dem Großen ein. An dieser Stelle sei darauf hingewiesen, dass die hier vorzufindenden Übersetzungen griechischer Autoren aus der entsprechenden Edition entnommen, lateinische Zitate aber stets selbst übersetzt wurden.

2 Vgl. v.a. Plut. Pyrrh. III 5, VIII 1-3, X 1 und passim.

3 Es gibt ohnehin genug Literatur, die das gesamte Leben des Pyrrhos behandelt, z.B. die beiden Pyrrhos-Biografien Champion (2009) und Garoufalias (1979), ferner Bengtson (1975), Schulz (2012).

4 Vgl. z.B. den Hinweis auf Pyrrhos‘ Schreibarbeit bei Plut. Pyrrh. VIII 2.

5 Vgl. Forsythe (2005) 349 f., ausführlicher Hof (2002) 6-9 und die tabellarische Übersicht bei Lefkowitz (1959) 152. Die eben genannten Autoren gehören zur wesentlichen Sekundärliteratur dieser Arbeit.

6 Vgl. z.B. Iust. XVII 16-17: Aeacidas regno successit, qui adsiduis adversus Macedonas bellorum certaminibus populum fatigando offensam civium contraxit ac propterea in exilium actus („Aiakides übernahm die Königsherrschaft, der durch beständige Kriege gegen die Makedonen und weil er das Volk nicht zu Ruhe kommen ließ, Ärgernis unter den Bürgern erregte und deswegen in die Verbannung getrieben wurde“) oder Plut. Pyrrh. II 1: ἐπεὶ δὲ στασιάσαντες οἱ Μολοσσοὶ καὶ τὸν Αἰακίδην ἐκβαλόντες […] („Als die Molosser sich gegen Aiakides empörten, ihn verjagten […]“).

7 Vgl. Diod. XIX 36,4-5. Siehe dazu Sandberger (1970) 165 f., StV III Nr. 422.

8 Plut. Pyrrh. II 1. Für Glaukias Unterstützung siehe ebd. III. Vgl. auch Diod. XIX 67,5-6.

9 Für Pyrrhos‘ Dienst unter Demetrios und seinen Aufenthalt in Ägypten siehe Plut. Pyrrh. IV. Ähnlich wie andere hellenistische Herrscher betrieb Pyrrhos eine äußerst effektive Heiratspolitik, wobei Polygamie als ein typisches Instrument politischen Agierens aufzufassen ist. So verheiratete er seine Schwester Deidameia mit Demetrios, was ihn z.B. für kurze Zeit zu dessen Militärbefehlshaber machte. Seine Heirat mit Antigone brachte ihm bei seiner Rückkehr nach Epeiros λαβή καὶ δύναμις („Geld und Heeresmacht“, Plut. Pyrrh. V 1) ein. Nach ihrem Tod vermählte er sich mit Lanassa, der Tochter des Agathokles von Syrakus, und erhielt Korkyra sowie Leukas als Mitgift, die ihn mit Westgriechenland verbanden. Die Ehe mit Lanassa hielt zwar nicht lange (vgl. ebd. X 5), aber Siziliens Hilferuf an Pyrrhos 278 v. Chr. lässt sich auch in diesem Kontext erklären (siehe dafür genauer S. 15). Des Weiteren heiratete er zur territorialen Machtausdehnung die Tochter des Paioner-Königs sowie die des illyrischen Königs Bardylis (vgl. ebd. IX 1).

10 Ebd. V 1. Siehe auch Sandberger (1970) 167.

11 Plutarch liefert eine ausführliche Begründung für Pyrrhos‘ Mordbefehl (vgl. ebd. V 2-7), wonach er „dem Neoptolemos mit dem Mord zuvorkommen“ wollte (τὸν Nεοπτόλεμον φθάσας ἀνελεῖν). Vgl. zu den bisherigen Erläuterungen auch Bengtson (1975) 93 f. und Sandberger (1970) 17-19/167 f. Weiterführende Informationen zur Vorgeschichte der Aiakiden-Dynastie und Pyrrhos‘ jungen Jahren finden sich bei Champion (2009) 1-27 und Garoufalias (1979) 15-29.

12 Es handelte sich um die Gebiete Tymphaia, Parauaia, Ambrakia, Akarnanien und Amphilochien, vgl. Plut. Pyrrh. VI 2-3. Die Rechtsstellung Akarnaniens innerhalb des epeirotischen Bundes und die Frage nach dem Beitritt der Stadt Leukas in den akarnanischen Bund behandelt Dany (1999) 54-60/65-68.

13 Vgl. Plut. Pyrrh. VII 1 (Demetrios‘ Ernennung zum König), ebd. VII 3-5 (der Zweikampf zwischen Pyrrhos und Demetrios‘ Feldherr Pantauchos), ebd. X 4 (das Bündnis gegen Demetrios).

14 Ebd. XII 2: τοῦτο δὲ ὤνησε μὲν ἐν τῷ παρόντι καὶ κατέπαυσε τὸν πόλεμον αὐτοῖς.

15 Vgl. ebd. XI 6 (Pyrrhos‘ Ernennung zum makedonischen König), ebd. XII und Paus. I 10,2 (Lysimachos‘ Feindschaft gegen Pyrrhos). In der hellenistischen Staatenwelt waren Allianzen oft keine Garantie für die gegenseitige Loyalität der Partner, sie stellen vielmehr eine Aufnahme momentaner Machtinteressen dar. So missachtete z.B. auch Pyrrhos mit seiner Teilnahme am Bündnis gegen Demetrios seine vorherigen Vereinbarungen mit diesem (vgl. Plut. Pyrrh. X 3). Ptolemaios wiederum sah sich gezwungen, während des athenischen Aufstandes 287 v. Chr. einen Friedensvertrag mit Demetrios einzugehen. Vgl. zu den Ereignissen der Jahre 294-285 v. Chr. Walbank (1988) 219-238, Bengtson (1975) 95-97.

16 Siehe für das Zitat Plut. Pyrrh. XIII 1: χρῆσθαι τοῖς παροῦσιν ἀπραγμόνως καὶ ζῆν ἐν εἰρήνῃ βασιλεύοντα τῶν οἰκείων. Vgl. weiter ebd.: δεόμενος δ̓ οὖν ἔλαβε πραγμάτων καινῶν τοιαύτην ὑπόθεσιν („In seinem Bedürfnis nach neuen Taten bot sich ihm folgende Gelegenheit“).

17 Vgl. Iust. XVII 1-2,11, Plut. Pyrrh. XIV. Vgl. auch Bengtson (1975) 97 f. Nach Dany (1999) 62 könne man den Italien-Feldzug außerdem als Teil seiner Bestrebungen sehen, „sich von den engen Banden des ererbten Stammeskönigtums zu emanzipieren“. Pyrrhos fungierte in seinem Amt als Molosser-König noch als Hegemon sowie Strategos Autokrator des epeirotischen Bundes, in dem es kein gemeinsames Bürgerrecht gab, der Hegemon wenig innenpolitische Befugnisse hatte und ebenso hinsichtlich der Kriegsführung in seiner Rolle als oberster Befehlshaber gewissen Einschränkungen unterworfen war, vgl. Bengtson (1975) 94, Franke (1961) 116. Anders als seinen Vorgängern und Nachfolgern gelang es Pyrrhos schrittweise faktisch über weitreichendere Machtbefugnisse zu verfügen, als rechtlich-institutionell gegeben, vgl. Franke (1961) 251-264, der anhand von numismatischen sowie epigraphischen Quellen die These widerlegt, Pyrrhos habe im epeirotischen Bund absolutistische Herrschaftsbefugnisse besessen.

18 Für Tarents frühere Hilferufe siehe Forsythe (2005) 352, Judeich (1926) 2 f., Vollmer (1990) 20 f.

19 Vollmer (1990) 21.

20 Zum Hintergrund der tarentinischen Gesandtschaft: Das fünfte Jahrhundert v. Chr. markiert den Beginn eines langen Zeitraumes, in dem Rom durch zahlreiche Eroberungsfeldzüge gegen Nachbarstämme seinen Einflussbereich auf der Halbinsel immer weiter ausdehnte. Als 285/284 v. Chr. die griechische Koloniestadt Thurioi die Römer um Schutz gegen die Lukaner sowie Bruttier bat, war die Republik bereits auf dem Weg zu einer Hegemonialmacht (vgl. z.B. Forsythe (2005) 234-349). Zu den damals ergriffenen Verteidigungsmaßnahmen zählte unter anderem die Stationierung von römischen Kriegsschiffen im tarentinischen Golf. Dies hatte allerdings Tarents Provokation zur Folge. Denn nach Appians Überlieferung existierte zwischen den beiden Mächten ein alter Vertrag, „by which the Romans had bound themselves not to sail beyond the promontory of Lacinium“ (App. Samn. VII 1: μὴ πλεῖν Ῥωμαίους πρόσω Λακινίας ἄκρας). Auf diesen Vertragsbruch reagierten die Tarentiner mit einem Angriff auf die römischen Flotten, der Eroberung der Koloniestadt, mit Vertreibungen und Gefangennahmen. Empört über die erniedrigenden Friedensbedingungen der römischen Gesandtschaft kam es obendrein zu Beleidigungen gegenüber den Römern und ein gewisser Philonides beschmutze die Toga des Konsularen L. Postumius Megellus – Grund genug für eine Kriegserklärung Roms. Auffälligerweise verschweigen die übrigen Autoren die Existenz eines solchen Vertrags. Oft wird zudem das Verhalten der Tarentiner deutlich überzogen, um ihre Reaktion als besonders unangemessen und unverschämt wirken zu lassen. Obgleich in der Forschung keine einheitliche Zuordnung der Bestimmungen zu einem früheren römisch-tarentinischen Vertrag vorliegt, wird Appians Überlieferung nicht angezweifelt. Für die Identifizierungsprobleme des Vertrags siehe StV III Nr. 444. Vgl. zum Ausbruch des Krieges weiterführend Forsythe (2005) 350 f. und Hof (2002) 10-19 mit einer detaillierten Quellenanalyse. Für die Vorurteile gegenüber den Tarentinern siehe Barnes (2005) 21/61 f.

21 Vgl. Paus. I 12,1: ταῦτα λεγόντων τῶν πρέσβεων μνήμη τὸν Πύρρον τῆς ἁλώσεως ἐσῆλθε τῆς Ἰλίου, καί οἱ κατὰ ταὐτὰ ἤλπιζε χωρήσειν πολεμοῦντι: στρατεύειν γὰρ ἐπὶ Τρώων ἀποίκους Ἀχιλλέως ὢν ἀπόγονος („Pyrrhus remembered the capture of Troy, which he took to be an omen of his success in the war, as he was a descendant of Achilles making war upon a colony of Trojans“), Iust. XVIII 1,1 und Plut. Pyrrh. XIII 5 f.

22 Vgl. Iust. XVIII 1,2: [ne] aut minores animos Magno Alexandro habuisse [videretur], qui tam longa a domo militia Orientem subegit. Gemeint sind die Eroberungszüge Alexanders gegen das Perserreich.

23 Pyrrhos konnte eine wirkliche Verwandtschaft mit Alexander vorweisen und stilisierte sich darüber hinaus als ein Nachkomme des Achilles sowie Herakles. Zur Genealogie der Molosser-Könige siehe Garoufalias (1979) 165-170 und die Stammtafeln bei Sandberger (1970) 9-11. Die Legitimierung eines hellenistischen Herrschers stand in engem Zusammenhang mit seinen militärischen Erfolgen und seiner Selbstdarstellung, vgl. Gehrke (1982) 247-277, der dieses Phänomen als „charismatische[s] Prinzip“ (271) bezeichnet. Für Pyrrhos‘ Münzprägungen vgl. Lücke (1995) 171-174, Garoufalias (1979) 199-214.

24 Heftner (1997) 27.

25 Vgl. Plut. Pyrrh. XIII 5 f. Siehe auch Judeich (1926) 3, der Pyrrhos‘ nur bei Zon. VIII 2 überliefertes Versprechen, Italien nach seiner Mission zu verlassen, als „von vornherein nur diplomatisch“ (ebd. Anm. 1) bewertet.

26 Vgl. Heftner (1997) 27.

27 Vgl. Iust. XVII 2,13-15. Vgl. die überzeugende Argumentation bei Hammond (1988), Justin gebe in dieser Passage die Namen drei unterschiedlicher ptolemäischer Herrscher alle als Ptolemeus wieder. Vgl. dagegen Walbank (1988) 246 f., der nur von Keraunos spricht und obendrein behauptet, sowohl Antigonos II. als auch Antiochos hätten Pyrrhos die Unterstützung verweigert. Diese Annahme hat sich allerdings in der Forschung nicht durchgesetzt.

28 Vgl. Plutarchs dramatische Beschreibung (Pyrrh. XV).

29 Vgl. Pyrrhos‘ Angebot bei Plut. Pyrrh. XVI 3: εἰ φίλον ἀνασχέσθαι καὶ περιιδεῖν τοὺς πολεμίους ἐγγυτέρω προϊόντας ἐξῆλθε μετὰ τῆς δυνάμεως, προπέμψας ἐστὶν αὐτοῖς πρὸ πολέμου δίκας λαβεῖν παρὰ τῶν Ἰταλιωτῶν, αὐτῷ δικαστῇ καὶ διαλλακτῇ χρησαμένους („Ob es ihnen genehm sei, bevor es zum Kriege komme, über ihren Rechtsstreit mit den Italioten zu verhandeln und sich dazu seiner als Richter und Vermittler zu bedienen“). Vgl. Dion. Hal. ant. XIX 9 f., Zon. VIII 3. Vgl. auch Heftner (1997) 27 f., Hof (2002) 20 f., Gruen (1984) 100 f., Judeich (1926) 3 f.

30 Vgl. Iust. XVIII 1,5, Zon. VIII 3. Siehe Paus. I 12,3 f. für Elefanten in Europa. Vgl. Scullard (1974) 103-105/109 für den Einsatz der Kriegselefanten, ebenso Judeich (1926) 22. Für die Verlustzahlen siehe Plut. Pyrrh. XVII 4, der sich auf die Angaben des Hieronymos von Kardia stützt und Alternativzahlen nach Dionysios nennt, die mit 15.000 gefallenen Römern und 13.000 gefallenen Griechen äußert unrealistisch erscheinen. Vgl. für den Schlachtverlauf die antiken Quellen wie Plut. Pyrrh. XVI f., Zon. VIII 3,6-12, Dion. Hal. ant. XIX 11 f., Iust. XVIII 1,4-7 (der Hinweis auf Pyrrhos‘ Verwundung ist falsch und erst der Schlacht bei Ausculum zuzuordnen, siehe S. 13). Zu den ausführlichen Analysen der Schlacht in der Sekundärliteratur zählen z.B. die Pyrrhos-Biografien Champion (2009) 60-79 (mit einer Darstellung der Truppenaufstellung, xvi) und Garoufalias (1979) 68-77, zu den kürzeren Übersichten z.B. Heftner (1997) 27-29 und Judeich (1926) 3-5. Polybios führt die militärische Kraft Roms allgemein auf seine Kampferfahrungen mit den Galliern zurück, vgl. Pol. II 20,8 f.: τοῦ γὰρ κατακόπτεσθαι συνήθειαν ἐσχηκότες ὑπὸ Γαλατῶν οὐδὲν ἠδύναντο δεινότερον ἰδεῖν οὐδὲ προσδοκῆσαι τῶν αὐτοῖς ἤδη πεπραγμένων: ἐξ ὧν πρός τε Πύρρον ἀθληταὶ τέλειοι γεγονότες τῶν κατὰ πόλεμον ἔργων συγκατέστησαν („First, their constant defeats at the hands of the Gauls had inured them to the worst that could befall them; and so, when they had to fight with Pyrrhus, they came to the contest like trained and experienced gladiators“).

31 Vgl. Plut. Pyrrh. XVII 5, Iust. XVIII 1,9. Siehe auch Judeich (1926) 6.

32 Barnes (2005) 23: „Pyrrhus‘ arrival in May of 280 transformed the Bellum Tarentinum into the Bellum Pyrrhicum “ [Hervorhebungen im Original].

33 Zur ersten Möglichkeit siehe Heftner (1997) 29 f. und Schulz (2012) 190, zur zweiten Bengtson (1975) 100 und Judeich (1926) 6/7. Pyrrhos setzte Rom wohl mit einer griechischen Stadt gleich, obgleich es zu diesem Zeitpunkt bereits mit einer hellenistischen Großmacht vergleichbar war. Vgl. auch Plut. Pyrrh. XVII 5: καὶ χώραν πολλὴν διεπόρθησε, καὶ προῆλθεν ὅσον μὴ πλέον σταδίων τριακοσίων ἀποσχεῖν τῆς Ῥώμης („Er verwüstete ein weites Gebiet und rückte so weit vor, daß er nicht mehr als dreihundert Stadien von Rom entfernt war“) und Liv. per. XIII: Pyrrhus […] populabundusque ad urbem Romanam processit („Und Pyrrhos rückte, auf Plünderung bedacht, in Richtung der Stadt Rom vor“).

34 Vgl. Plut. Pyrrh. XVIII 1, App. Samn. X 8-10, Zon. VIII 4. Siehe auch Judeich (1926) 7.

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Details

Titel
Die Herrschaftspolitik des Pyrrhos und sein Italien-Feldzug (280-275 v. Chr.)
Hochschule
Otto-Friedrich-Universität Bamberg
Note
1,0
Seiten
21
Katalognummer
V978282
ISBN (eBook)
9783346334275
ISBN (Buch)
9783346334282
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pyrrhos, Rom, Hellenismus, Karthago, Italien-Feldzug, Tarent, Sizilien, Herakleia, Ausculum, Maleventum, Beneventum, Herrschaftspolitik, Hannibal, Molosser, Alexander der Große, Quellen, Historiker, Geschichtsschreiber, Diodor, Proxenos, Hiernonymos von Kardia, Zonaras, Appian, Plutarch, Justin, Dionysios, Epeiros, Diadochen, Diadochenreiche, Epigone, Appius Claudius Caecus
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Anonym, Die Herrschaftspolitik des Pyrrhos und sein Italien-Feldzug (280-275 v. Chr.), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978282

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