Neurokognitive Defizite bei Depression. Aktuelle Forschungslage


Studienarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abstract

Vorwort

1 Einleitung

2 Hauptteil
2.1 Theoretischer Hintergrund
2.1.1 Begriffsverwendung und Klassifikation
2.1.2 Störungsverlauf
2.1.3 Diagnostik
2.1.4 Die neurokognitiven Domänen und ihre Störungsdiagnostik
2.2 Methodisches Vorgehen
2.2.1 Literaturrecherche
2.2.2 Ein- und Ausschlusskriterien
2.3 Die herangezogenen Studien in tabellarischer Übersicht
2.3.1 Studien
2.4 Zusammenfassung der Studienlage
2.4.1 Vorgehensweise
2.4.2 Betroffene Funktionsbereiche
2.4.3 Alter
2.4.4 Schweregrad
2.4.5 Remission und Rezidiv

3 Diskussion

4 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1Neurokognitive Defizite bei Depression - Die herangezogenen Meta-Analysen und Reviews

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Neurocognitive dysfunctions often arise during the course of depressive disorders. They often persist until the remission of the pathological symptoms and impair the quality of life of those affected in the long term. Despite these consequences, research into this has been neglected in the past.

This paper aims to provide an overview of the current state of research on neurocognitive deficits in depression. For this purpose, seven meta-analyses are presented and, with regard to their methodology, the affected functional areas examined are compared with each other. In addition, the different influences of age, severity of symptoms, remission and recurrent episodes on neurocognitive function are shown.

Despite the heterogeneity of the studies, clear differences in cognition in current and former depressive patients compared to healthy control groups could be shown.

The results show the need to further investigate neurocognitive deficits to adequately include them in the depression disorder model and to identify treatment needs early on.

Vorwort

In der folgenden Arbeit wird aus Gründen der besseren Lesbarkeit ausschließlich die männliche Form verwendet. Sie bezieht sich auf Personen aller Geschlechter.

1 Einleitung

Depressive Störungen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Weltweit leiden, mit steigender Tendenz, etwa 350 Millionen Menschen unter einer Depression (Bundesministerium für Gesundheit, 2019). Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass bis zum Jahr 2020 die Depression nicht nur die weltweit zweithäufigste Volkskrankheit darstellt, sondern auch bis 2030 in den Industrienationen zu den drei wichtigsten volkswirtschaftlichen Krankheitsbelastungen zählen wird (Mathers & Loncar, 2006).

Die Symptome einer Major Depression sind vielfältig und bedürfen einer Behandlung, sobald sie eine bestimmte Zeitdauer, Persistenz und Intensität überschreiten. Behandlungsziele sind vor allem die suffiziente Behandlung der Hauptsymptome: gedrückte Stimmung, Interessenverlust, Freudlosigkeit, Antriebsverminderung und erhöhte Ermüdbarkeit (WHO, 1994). Gleichzeitig treten interpersonell unterschiedliche Symptome hinzu, wie Appetit- und/ oder Gewichtsverlust, Schlafstörungen, Energieverlust, Konzentrationsstörungen, Verlust des Selbstwertgefühls und Suizidgedanken oder -handlungen (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011). Obwohl es sich damit bei dieser psychischen Störung um eine affektive Störung handelt, erklären die Stimmungssymptome nicht das ganze Ausmaß der tiefgreifenden Funktionsbeeinträchtigung.

Kognitive Beeinträchtigungen bei Depressionen waren bisher unterdiagnostiziert und werden kaum verstanden (Atique-Ur-Rehman & Neill, 2019). Mit wachsender Anzahl empirischer Untersuchungen werden sie jedoch zunehmend als ein Kernmerkmal einer Major Depression eingeordnet (Sachs, 2020). Sie schränken die schulischen, beruflichen und sozialen Tätigkeiten ein und beeinträchtigen die Lebensqualität und Funktionalität, neueren Erkenntnissen zufolge, noch lange Zeit nach einer symptomatischen Remission (Baune et al. 2010). Damit stellen kognitive Defizite im Rahmen einer Major Depression eine wichtige Dimension in der Psychopathologie der Erkrankung da.

Ziel dieser Arbeit ist es, einen Überblick über den aktuellen Stand der Forschung bezüglich neurokognitiver Defizite einer Major Depression darzustellen und miteinander zu vergleichen. Dazu wurden mehrere Studien ausgewählt, welche die neurokognitive Funktion depressiv Erkrankter mit dem von Gesunden verglichen, um kognitive Defizite aufzuzeigen. Ebenfalls wurden Verlaufsstudien miteinbezogen, um auch die Persistenz dieser Defizite zu betrachten. Außerdem wird auf einen Einfluss des Alters, des Schweregrades der Symptome und auf den Einfluss rezidivierender Episoden auf kognitive Defizite eingegangen.

2 Hauptteil

Im folgenden Kapitel wird zunächst auf den theoretischen Hintergrund der Depression eingegangen. Es folgen Ausführungen zum methodischen Vorgehen zur Auswahl der Studien. Anschließend werden die herangezogenen Analysen in tabellarischer Übersicht dargestellt. Mit der Zusammenfassung der Studienlage wird der Hauptteil geschlossen.

2.1 Theoretischer Hintergrund

Es folgt eine Darstellung des theoretischen Hintergrunds der Depression, indem Begriffsverwendung, Klassifikation, Diagnosemöglichkeiten und der Störungsverlauf dargestellt werden.

2.1.1 Begriffsverwendung und Klassifikation

Die Depression wurde bereits in der Antike beschrieben und bezeichnete einen Zustand von tiefer Traurigkeit und Niedergeschlagenheit (Benecke, 2014). Heute ist die einfache Begriffsverwendung der Depression oft nicht eindeutig und umfasst gemäß Hautzinger und Bronisch (2007) drei Ebenen: die Symptomebene zur Beschreibung von Einzelsymptomen wie Niedergeschlagenheit, die Syndrom- Ebene zur Beschreibung eines zusammenhängenden Merkmalskomplexes und die Ebene des einfachen Oberbegriffs für verschiedene Erkrankungen.

Mit den Klassifikationssystemen in ihrer aktuellen Fassung ICD-10 und DSM-V wurden die verschiedenen Depressionsformen mit der Manie, der Zyklothymie und der Dysthymie in „affektive Störungen" zusammengefasst.

Als Kernmerkmale einer Major Depression, als häufigste Form depressiver Störungen gelten über mindestens zwei Wochen andauernde Symptome des depressiven Syndroms (Beesdo- Baum & Wittchen, 2011). Die Diagnose einer Major Depression ist gekennzeichnet durch eine oder mehrere Episoden einer Major Depression. Sie umfasst gemäß dem Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders (DSM) eine depressive Verstimmung oder dem Verlust des Interesses, bzw. der Freude an fast allen Aktivitäten über einen Zeitraum von mindestens zwei Wochen. Zusätzlich müssen mindestens vier der folgenden Symptome gegeben sein: Gewichtsveränderungen, Schlafstörungen, Unruhe oder Verlangsamung, Müdigkeit oder Energieverlust, Gefühle der Wertlosigkeit oder Schuldgefühle, Konzentrationsstörungen, Entscheidungsschwierigkeiten sowie Suizidgedanken- oder handlungen.

In Abhängigkeit der Anzahl der bisher aufgetretenen Episoden, wird zwischen einer einzelnen und einer rezidivierenden Major Depression unterschieden (DSM-V) (ICD-10: F.32 und F.33). Depression im Folgenden ist die im Sinne einer Major Depression (MD).

2.1.2 Störungsverlauf

Das Erstauftreten einer MD ist sehr variabel. Ein akuter Beginn ist ebenso wie ein schleichender Beginn möglich. Ebenfalls können Depressionen in jeder Altersstufe erstmalig auftreten (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011). Dabei weist die Zeit zwischen der Adoleszenz und dem 30. Lebensjahr die höchste Dichte an Erstinzidenzen auf (Robert Koch Institut, 2010). Epidemiologischen Studien zufolge, hat sich im Laufe der Zeit das mittlere Alter des Erstauftretens der Symptome nach vorne verlagert (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011).

Bei einer unbehandelten ersten Episode ist eine Episodendauer von etwa drei bis vier Monaten zu erwarten, bis es zu einer Remission der affektiven Symptomatik kommt (Ebd.). Bei zwei Dritteln der Betroffenen tritt jedoch mehr als eine Episode auf. Von den zwei Dritteln, die von einer rezidivierenden Depression betroffen sind, erholt sich etwa ein Drittel zu einer vollständigen Remission und Leistungsfähigkeit. Die restlichen 20 - 30 % der depressiv Erkrankten weisen einen chronischen Verlauf auf mit teilweise oder gänzlich ausbleibender Remission (Paykel et al., 2005). Mit zunehmender Anzahl bereits aufgetretener Episoden steigt die Wahrscheinlichkeit für weitere Episoden von etwa 60% bei einer Episode auf etwa 70% bei zwei und 90% bei drei Episoden. Dabei steigt die Episodenschwere mit zunehmendem Alter und Episodenzahl (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011).

2.1.3 Diagnostik

Die Diagnosestellung erfordert eine zuverlässige und valide Erfassung der entsprechenden Symptome mit ihrer Intensität und ihrem Auftretensmuster (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011). Dimensionale Depressionsskalen wie das „Beck Depressions-Inventar" (BDI-I, Beck, Hautzinger, Bailer, Worall & Keller, 1995; BDI-II, Beck, Hautzinger, Keller & Kühner, 2006) oder die „Hamilton Depression Scale" (HAM-D; Hamilton, 1960), können zur Erfassung der Schwere der Symptomatik herangezogen werden, sind allein jedoch kein geeignetes Mittel für eine hinreichende Diagnosestellung (Beesdo-Baum & Wittchen, 2011).

Für eine komplexe Erfassung empfiehlt es sich strukturierte („strukuriertes klinisches Interview für DSM-IV", SKID; Wittchen, Zaudig & Fydrich, 1997) oder standardisierte diagnostische Interviews (DIA-X; Wittchen, Perkonigg & Pfister, 1997) einzusetzen (Ebd.).

2.1.4 Die neurokognitiven Domänen und ihre Störungsdiagnostik

Verschiedene kognitive Domänen sind beim Vorliegen einer Major Depression unterschiedlich betroffen. Die dabei am häufigsten untersuchten, sind die Exekutiven Funktionen, die Akquisition und Abruf von verbalen und nonverbalen Gedächtnisinhalten, Arbeitsgedächtnis, visuell-räumliches Gedächtnis, Aufmerksamkeit und die kognitive Verarbeitungsgeschwindigkeit (Konrad, Losekam & Zavorotnyy, 2015).

Exekutivfunktionen bezeichnen kognitive Prozesse, die zur Bewältigung komplexer Aufgaben notwendig sind. Sie werden in der Literatur als „kognitives Überwachungssystem" bezeichnet, welches die Aufmerksamkeit auf eine zur Problemlösung relevante Information lenkt, sequenzielle Handlungen plant und gleichzeitig die Verarbeitung irrelevanter Informationen hemmt (Badgaiyan, 2000).

Da diese Beeinträchtigungen einen steuernden Einfluss auf den Behandlungsverlauf haben können, sollten bereits leichte Defizite zu einem frühen Zeitpunkt in der Behandlung erkannt werden, um sie in der Behandlung zu berücksichtigen (Sachs & Erfurth, 2015).

Kognitive Störungen werden mithilfe kognitiver Tests diagnostiziert. Da auf die Vielzahl möglicher spezifischer kognitiver Tests hier nicht hinreichend eingegangen werden kann, wird im Folgenden zur ersten Einschätzung des Vorliegens kognitiver Defizite das Screening für kognitive Störungen bei psychiatrischen Patienten" (SCIP) (Lasser, 2011) vorgestellt. Das SCIP ist ein kurzes, einfach durchführbares Instrument, durch welches kognitive Defizite erkannt und gemessen werden können. Es erfasst Funktionen des Arbeitsgedächtnisses, un- mittelbares und verzögertes verbales Lernen, Wortflüssigkeit und psychomotorische Geschwindigkeit mithilfe von visuell motorischen Aufgaben. Er besteht aus den folgenden Tests: Listenlernen, Konsonantentrigramme zur Erfassung des Arbeitsgedächtnisses, Verbale Sprachfertigkeit, verzögertes Listenlernen und Visomotorische Zuordnung (Sachs & Erfurth, 2015).

Beispiele anderer oft genutzter neurokognitiver Tests sind der Stroob- Test, der Turm von Hanoi und der Trail Making Test (Baune, 2014).

2.2 Methodisches Vorgehen

Nachfolgend wird die Methodik zur Auswahl der herangezogenen Analysen beschrieben.

2.2.1 Literaturrecherche

Um einen ersten Einblick in den Forschungsstand zu neurokognitiven Defiziten einer Depression zu erhalten, erfolgte zunächst eine unsystematische Recherche über die Websuchmaschinen Google und Google Scholar. Die Recherche wurde weiter über die Datenbanken EBSCOhost, PsychINFO, PubMed, Researchgate und SienceDirect systematisiert. Die folgenden Suchbegriffe wurden dabei verwendet: major depression oder unipolar depression in Verbindung mit neurokognitive deficits, neurokognitive impairments, neurokognitive dysfunction, Remission, Persistence. Die Artikel wurden zunächst durch eine Analyse von Titeln und Abstracts ausgewählt, gefolgt von einer Volltextlesung.

2.2.2 Ein- und Ausschlusskriterien

Ein- und Ausschlusskriterien wurden festgelegt, um eine geeignete Studienauswahl zu erlangen. Dies waren zunächst Erscheinungsjahr und Sprache. Die Analysen wurden dann als geeignet angesehen, wenn sie Ergebnisse über kognitive Defizite als kausale Folge einer Major Depression aufzeigten. Es wurden Studien mit einem Messzeitpunkt einbezogen, welche die neurokognitive Funktion depressiv Erkrankter mit dem von Gesunden verglichen, um kognitive Defizite aufzuzeigen. Ebenfalls wurden Follow-up Studien mit mehreren Messzeitpunkten miteinbezogen, um auch die Persistenz dieser Defizite zu betrachten. MetaAnalysen und Reviews wurden bevorzugt, um die Vielzahl an bisherigen Studien möglichst breit darzustellen. Alle Analysen wurden ausgeschlossen, die sich mit den spezifischen ursächlichen Zusammenhängen der Defizite zur depressiven Erkrankung oder den Behandlungsansätzen befassten, da sie den Rahmen dieser Arbeit sprengen würden, sowie Rezensionen und Kommentare.

2.3 Die herangezogenen Studien in tabellarischer Übersicht

Im Folgenden werden zunächst die herangezogenen Studien tabellarisch dargestellt. Anschließend werden die Ergebnisse zusammengefasst und bezüglich der Studien ein Vergleich unternommen.

2.3.1 Studien

Tabelle 1Neurokognitive Defizite bei Depression - Die herangezogenen Meta-Analysen und Reviews

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

[...]

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Neurokognitive Defizite bei Depression. Aktuelle Forschungslage
Hochschule
Medical School Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V978734
ISBN (eBook)
9783346329202
ISBN (Buch)
9783346329219
Sprache
Deutsch
Schlagworte
depression, neurokognitiv defizite, Störungsbild Depression, remission
Arbeit zitieren
Shannon Diehl (Autor), 2020, Neurokognitive Defizite bei Depression. Aktuelle Forschungslage, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978734

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Neurokognitive Defizite bei Depression. Aktuelle Forschungslage



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden