In dieser Arbeit soll der Versuch unternommen werden, das Störungsbild der Mager- und Kaufsucht aufzuzeigen, sowie trotz mangelnder evidenter Therapieforschungen Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Behandlung aufzuzeigen.
Magersucht und Kaufsucht zeigen neben Gemeinsamkeiten mit psychischen und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen, ebenfalls Gemeinsamkeit mit Impulskontrollstörungen und Störungen des zwanghaften Spektrums, da sie mit sich wiederholenden Verhaltensweisen oder Gedanken einhergehen und zahlreiche Überschneidungen hinsichtlich Phänomenologie, Komorbidität und neurobiologischen Grundlagen aufweisen.
Anorexia and compulsive buying show, in addition to similarities with psychological and behavioural disorders caused by psychotropic substances, also similarities with impulse control disorders and disorders of the compulsive spectrum, as they are associated with repetitive behaviour or thoughts and show numerous overlaps in terms of phenomenology, comorbidity and neurobiological bases. In both cases they are everyday, pleasant practices that develop into uncontrollable behaviors.
In the present work, anorexia and compulsive buying are presented and compared with each other in their theoretical background and their treatments. A similar medication with serotonin reuptake inhibitors (SRI) and opioid antagonists is striking. Cognitive behavioural therapy, however, has proven to be the most successful method of treatment in both clinical pictures. An intensive study of a uniform classification and consequently more uniform treatment is proposed.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Methodisches Vorgehen
2.2 Magersucht
2.2.1 Phänomenologie
2.2.2 Prävalenz, Sterblichkeit und Komorbidität
2.2.3 Klassifikation - Ist Magersucht eine Suchterkrankung?
2.2.4 Behandlung
2.2.4.1 Medikamentöse Behandlung
2.2.4.2 Familientherapie
2.2.4.3 Kognitive Verhaltenstherapie
2.3 Kaufsucht
2.3.1 Phänomenologie
2.3.2 Klassifikation
2.3.3 Prävalenz und Komorbidität
2.3.4 Behandlung
2.3.4.1 Medikamentöse Behandlung
2.3.4.2 Psychotherapeutische Behandlung
2.4 Vergleich der Behandlungsansätze
3 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die theoretischen Hintergründe und Behandlungsmöglichkeiten von Magersucht (Anorexia nervosa) und Kaufsucht, um trotz unterschiedlicher Störungsbilder Gemeinsamkeiten in der therapeutischen Praxis zu identifizieren und einen Vergleich der Ansätze zu ermöglichen.
- Phänomenologische Betrachtung von Magersucht und Kaufsucht
- Klassifizierung beider Störungsbilder im Kontext von Suchterkrankungen
- Analyse und Vergleich der klinischen Behandlungsmethoden
- Untersuchung der Bedeutung von kognitiven Verhaltenstherapien
- Evaluierung medikamentöser Unterstützungsoptionen (SRI, Opioidantagonisten)
Auszug aus dem Buch
2.3.1 Phänomenologie
Beim pathologischen Kaufen handelt es sich um ein lang bekanntes Phänomen, welches von Kraeplin in seinen Ausführungen zum „Impulsiven Irresein“ im Jahre 1909 wie folgt beschrieben wurde: „Krankhafte Kauflust (Oniomanie), die den Kranken veranlasst, sobald sich ihm dazu Gelegenheit bietet, ohne jedes wirkliche Bedürfnis in großen Mengen einzukaufen, Hunderte von Halsbinden oder Handschuhen, Dutzende von Anzügen, Hüten, Überröcken, Schmucksachen, Spazierstöcken, Uhren. In einzelnen Fällen verbindet sich damit der Trieb, allen möglichen Personen Geschenke zu machen.“ (Kraepelin, 1909). Breite gesellschaftliche und wissenschaftliche Aufmerksamkeit erhält die „Kaufsucht“ jedoch erst seit den 1990er Jahren (Klein, 2008). In der Literatur unterliegt das Störungsbild neben den Bezeichnungen der Kaufsucht oder des pathologischen Kaufens ebenfalls der Bezeichnung der Oniomanie.
Typische Merkmale von Kaufsucht sind die extreme gedankliche Beschäftigung mit kaufbezogenen Themen sowie ein starkes Kaufverlangen, dem wiederholt nicht widerstanden werden kann, sodass es zu regelmäßigen Kontrollverlusten über den Warenkonsum in Form von Kaufattacken kommt. Häufig sind die Warenmengen so unverhältnismäßig groß, dass Geldsummen ausgegeben werden, die früher oder später die finanziellen Ressourcen der Betroffenen erschöpfen (Müller, Trotzke & Steins-Löber, 2019).
Eine Kaufsucht ist damit ein andauerndes bzw. wiederkehrendes und fehlangepasstes Kaufen von Konsumgütern und Dienstleistungen, welches persönliche, soziale und berufliche Zielsetzungen stört oder schwer belastet (Klein, 2008). Das Kernsymptom ist der vom tatsächlichen Bedarf gelöste Warenkosum (Mann, 2014). Das Bedeutsame ist dabei der Vorgang des Kaufens selbst, nicht das durch den Kauf erlangte Gut (Wittchen & Hoyer, 2011). Durch den Kaufvorgang verschaffen die Betroffenen sich ein bestimmtes „Suchterleben“, welches sich etwa in Anregung, Beruhigung, Anerkennung Bestätigung und Aufmerksamkeit äußert (Klein, 2008).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Abgrenzung von stoffgebundenen und stoffungebundenen Süchten ein und begründet den Vergleich zwischen Anorexia nervosa und Kaufsucht anhand ihrer symptomatischen Gemeinsamkeiten.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in eine methodische Vorgehensweise, eine detaillierte theoretische Aufarbeitung von Magersucht und Kaufsucht sowie einen abschließenden Vergleich der jeweiligen Behandlungsansätze.
3 Fazit und Ausblick: Das Fazit stellt die signifikanten Überschneidungen beider Störungsbilder heraus und schlägt vor, zukünftige Forschungen stärker an einem Kontinuum zwischen Impulsivität und Zwanghaftigkeit auszurichten.
Schlüsselwörter
Magersucht, Kaufsucht, Anorexia nervosa, Pathologisches Kaufen, Oniomanie, Verhaltenstherapie, Impulskontrollstörung, Sucht, Suchterkrankung, Komorbidität, Pharmakotherapie, Kognitive Verhaltenstherapie, Verhaltenssucht, Psychoedukation, Stimuluskontrolltechnik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die klinischen Störungsbilder Magersucht und Kaufsucht, um trotz ihrer unterschiedlichen Erscheinungsformen gemeinsame Muster in der Ätiologie und Behandlung aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder deckt der Text ab?
Neben der Phänomenologie beider Störungen werden die aktuelle Klassifikation, die Bedeutung von Komorbiditäten sowie die Wirksamkeit von medikamentösen und psychotherapeutischen Interventionen thematisiert.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der Behandlung der beiden Verhaltenssüchte aufzuzeigen, um trotz fehlender evidenzbasierter Therapiestudien fundierte therapeutische Ansätze zu diskutieren.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Es erfolgte eine systematische Literaturrecherche über Datenbanken wie PubMed, PsychINFO und Google Scholar, gefolgt von einer Analyse der gefundenen Fachartikel und Studien.
Welche Kernaspekte werden im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Magersucht (inklusive Phänomenologie und Behandlung) und die Kaufsucht (inklusive Klassifizierung und Therapie) und führt diese in einem direkten Vergleich der Behandlungsstrategien zusammen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Verhaltenssucht, Impulskontrollstörung, kognitive Verhaltenstherapie und stoffungebundene Abhängigkeit charakterisiert.
Warum wird Magersucht oft nicht eindeutig als Sucht klassifiziert?
Die Einordnung ist umstritten, da bei Magersucht zwar Parallelen im Opioidstoffwechsel des Gehirns bestehen, sie aber klassisch als Essstörung geführt wird, was zu einer uneinheitlichen wissenschaftlichen Betrachtung führt.
Welche Rolle spielt die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) bei beiden Störungen?
Die KVT gilt bei beiden Störungsbildern als erfolgreichste Methode, da sie durch Stimuluskontrolltechniken und die Umstrukturierung dysfunktionaler Gedankenmuster gezielt auf die Normalisierung des Problemverhaltens abzielt.
Warum ist die Behandlung der Kaufsucht oft schwierig?
Da die Kaufsucht bisher kein offiziell anerkanntes eigenes Störungsbild darstellt, fehlt es an einer einheitlichen, evidenzbasierten Behandlungsgrundlage, was die therapeutische Arbeit erschwert.
- Citar trabajo
- Shannon Diehl (Autor), 2020, Kaufsucht versus Magersucht. Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Behandlung von zwei "Sucht"- Erkrankungen, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978736