Kritik an der Rhetorik in Platons Dialog "Gorgias"


Hausarbeit, 2018

17 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historische Einordnung
2.1 Rhetorik in der Antike
2.2 Die Sophisten

3. Der Dialog Gorgias

4. Gesprächsteilnehmer und Aufbau des Dialogs
4.1 Erster Teil: Das Gespräch mit Gorgias
4.1.1 Definitionsversuche: Was ist Rhetorik?
4.2 Zweiter Teil: Gespräch mit Polos
4.2.1 Rhetorik als Scheinkunst
4.2.2 Rhetorik und Macht

5. Das Verhältnis von Rhetorik und Philosophie bei Platon
5.1 Rhetorik im Gegensatz zum philosophischen Gespräch
5.2 Die „wahre“ Rhetorik

6. Schluss

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Wie der Titel der Hausarbeit bereits verrät, soll es hier um Platons Kritik an der Rhetorik der Sophisten gehen. Als Analysematerial zu Platons Kritik dient der Dialog Gorgias. Bevor der konkrete Bezug zum philosophischen Werk hergestellt wird, soll es zunächst um eine historische Einordnung der Rhetorik gehen. Hier werden wir sehen, welche Bedeutung die Rhetorik zur Zeit Platons hatte und welche gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen überhaupt dazu führten, dass eine Rhetorik als kunstmäßige Fertigkeit entstehen konnte. In diesem Zusammenhang soll auch die Sophistik kurz angesprochen werden, da der Dialog zwischen Sokrates und einigen Sophisten stattfindet und diese auch für die Verbreitung der Rhetorik in Griechenland eine entscheidende Rolle gespielt haben. Im Anschluss werden wir den Bezug zum Werk herstellen. Bevor jedoch der Inhalt des Dialogs genauer untersucht wird, soll es eine Einordnung des Werkes und der Dialogpartner geben.

Anschließend werden die ersten beiden Dialogteile, also das Gespräch mit Gorgias zum einen und das Gespräch mit Polos zum anderen, zusammengefasst und analysiert, damit die Kritik Platons deutlich wird. In dem Kapitel zum Gespräch mit Gorgias wird es darum gehen, eine Definition der Rhetorik zu finden. Im zweiten Teil wird diese Problematik der Definition weitergeführt und zudem wird es darum gehen, die Macht der Rhetorik einzuordnen. Der dritte Gesprächsteil, also das Gespräch mit Kallikles, wird größtenteils nicht bearbeitet werden, da hier in weiten Teilen der konkrete Bezug zur Rhetorik nicht mehr vorhanden ist. Jedoch werden auch einzelne Stellen dieses Gesprächs berücksichtigt werden.

In Kapitel 4 wird es nun darum gehen zu schauen, inwieweit die von den Sophisten angewandte Rhetorik von Platon kritisiert wird und in welchen Punkten diese von dem philosophischen Gespräch und deren Grundsätzen unterschieden ist. Das angespannte Verhältnis von Rhetorik und Philosophie wird somit verdeutlicht. Zudem wird es im letzten Teil dieser Arbeit darum gehen, aufzuzeigen, inwieweit Platon Lösungen für die kritisierte Rhetorik anbietet und welche Aufgaben er einer philosophischen Rhetorik zuschreibt.

2. Historische Einordnung

Da es in der Hausarbeit um die Kritik an der Rhetorik gehen soll, ist es wichtig, zunächst zu schauen, inwieweit Rhetorik zur Zeit der Antike bedeutsam war und welchen Stellenwert sie in der Gesellschaft hatte. Somit ist es einfacher, die Kritik Platons an der Rhetorik in ihrem historischen Kontext zu verstehen und einzuordnen. Zudem werden wir anschließend einen Blick auf die Sophistik werfen, da, wie im Folgenden gezeigt wird, Sophistik und Rhetorik eng miteinander verknüpft sind. Beide traten in Folge der Demokratisierung Griechenlands auf und haben sich gegenseitig beeinflusst.

2.1 Rhetorik in der Antike

Unter der Rhetorik verstand man in der Antike die Fähigkeit, gut und überzeugend sprechen und schreiben zu können. Diese Fähigkeit beinhaltet allerdings nicht nur praktische Methoden, sondern auch das passende theoretische Wissen (vgl. Ijsseling 1988: 9). Die Entstehung und Verbreitung der Rhetorik zur Zeit der Antike ist eng mit den politischen Entwicklungen Griechenlands verbunden, daher müssen diese beiden Aspekte stets in Verbindung miteinander betrachtet werden. Die Rhetorik entstand zur Zeit des 5. Jhd. v. Chr. und wurde ein wichtiges Instrument des politischen Lebens. Sie wurde vor allem vor Gericht und in Volksversammlung ein Mittel zur Verteidigung und um die eigenen Interessen zu vertreten (vgl. Erler 2009: 86). Diese Interessen in den öffentlichen Diskussionen konnten politischer, ökonomischer oder rechtlicher Art sein. Die erste Hochphase der Redekunst entstand durch die sophistische Aufklärung, an der unter anderem die Sophisten Gorgias und Protagoras beteiligt waren (vgl. Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus (Hrsg.) 2004: 287). Zudem war es auch Gorgias, nach dem der Dialog Platons benannt ist, der die in Sizilien entstandene Rhetorik nach Athen brachte und somit ein bedeutender Faktor in deren Ausbreitung war (vgl. Cekic 1990: 147).

Zu Beginn der Entstehung der Rhetorik in Sizilien bezog sich diese lediglich auf die Rede vor Gericht (vgl. Gethmann 1995: 615). Durch die Verbreitung der Redekunst mit Hilfe der Sophisten, hatte theoretisch jeder Bürger die Chance, ein Redner zu werden und somit im politischen Leben einen Anteil leisten zu können. Da die Rhetorik ein so wichtiger Faktor im politischen Leben darstellte, war jeder Staatsmann dieser Zeit zwangsläufig auch ein guter und überzeugender Redner (vgl. Cekic 1990: 147), da er sich im „Kampf der Meinungen“ (Fuhrmann 2011: 12) durchsetzen und hierfür über rhetorische Fertigkeiten verfügen musste. Somit zählte der Rhetor zu dieser Zeit als mächtiger Mann und wurde sehr geachtet (vgl. Ijsseling 1988: 20). In Athen haben sich drei verschiedene Arten der Rhetorik herausgebildet. Zum einen gab es die forensische oder juridische Rede, die sich mit dem Gerechten und Ungerechten befasste (vgl. Cekic 1990: 147). Fuhrmann spricht in diesem Zusammenhang auch von dem „Plädoyer vor Gericht“ (2011: 16). Neben dieser Rede vor Gericht gab es zudem die politische oder ratgebende Rede, die davon handelt, was nützlich oder schädlich ist. Als drittes entstand die feierliche oder erhabene Rede, die gebraucht wurde, um lobende oder tadelnde Worte auszusprechen (vgl. Cekic 1990: 147). Allerdings sollte hier auch erwähnt werden, dass die Rhetorik, seit ihrer Entstehung, in einem Spannungsverhältnis zur Philosophie steht (vgl. Ijsseling 1988: 5), was auch im Folgenden deutlich werden wird.

2.2 Die Sophisten

Die Sophisten spielten in Griechenland ab Mitte des 5. Jahrhundert v. Chr. eine wichtige Rolle für die Gesellschaft. Sie wanderten von Stadt zu Stadt, hielten Vorträge in öffentlichen Veranstaltungen oder boten Lehrveranstaltungen an. Ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. begannen sie damit feste Schulen zu gründen (vgl. Fuhrmann 2004: 24). Zu diesen Sophisten, die ihre Lehrtätigkeit anboten, gehörte auch Gorgias von Leontinoi (vgl. Erler 2009: 84), der im Dialog eine zentrale Rolle spielt. Das Ziel der Sophisten lag darin, die Schüler auf die Teilnahme am öffentlichen Leben vorzubereiten, indem sie ihnen die hierfür notwendigen Kenntnisse und Methoden vermittelten. Teil dieser Lehre waren somit sowohl praktische als auch theoretische Kenntnisse. Die Lehrgebiete der Sophisten waren vielfältig, auch die Rhetorik war unter anderem ein bedeutender Teil der Lehre (vgl. Döring 2013: 10f.). Abgesehen davon gehörten auch grundlegende Kenntnisse in der Politik, Grammatik und vieles mehr zu der Lehre (vgl. Erler 2013: 84). Teil der Lehre von Rhetorik waren unter anderem Regeln zur Lenkung der Menschen durch sprachliche Mittel, grundlegendes Wissen in Straf- und Zivilrecht und auch die Lehre vom Mythos, um anschauliche Beispiele für Reden und Argumentationen zur Hand zu haben (vgl. Fuhrmann 2011: 11). Grundvoraussetzung dieser Entwicklung war die Entstehung der Demokratie und der damit verbundenen Ansicht, dass die Natur des Menschen nicht mehr allein durch seine Herkunft determiniert ist, sondern, dass Menschen das Potenzial besitzen, bestimmte Kompetenzen zu erlernen (vgl. Erler 2013: 84) und sich somit einen Platz in der Gesellschaft zu erarbeiten. Zudem spielte die Rhetorik, wie oben bereits aufgezeigt, eine wichtige Rolle im politischen und gesellschaftlichen Leben und war auch vor Gericht für die Selbstverteidigung von Bedeutung. Der Ansatz der Sophisten bestand darin, auf die individuellen Bedürfnisse der Menschen einzugehen, um diesen Hilfestellungen dabei zu geben, die Herausforderungen des Lebens erfolgreich zu bewerkstelligen. Aufgrund dieser Wechselhaftigkeit der Sophisten und deren Anpassungsfähigkeit an das Volk, gab es stets ein Spannungsverhältnis zwischen den Sophisten, die sich auf die empirische Welt konzentrieren, und den Philosophen (vgl. Erler 2013: 85). Die Gegenbewegung zur Sophistik startete mit Sokrates und wurde von seinem Schüler Platon fortgesetzt (vgl. Cekic 1990: 147). Somit zählt Platon zu diesen kritischen Philosophen, der seinen literarischen Sokrates in vielen seiner Schriften mit bekannten Sophisten diskutieren lässt und diesen kritisch gegenübersteht und deren Weltanschauungen hinterfragt. Dieses Spannungsverhältnis wird auch im Dialog Gorgias deutlich.

In der Antike war es üblich, dass diejenigen, die sich nach dem Ende der Schulzeit weiterbilden wollten, sich entweder der Sophistik oder der Philosophie anschlossen. Die Intention derjenigen, die sich der Sophistik anschlossen, lag vor allem darin, in die Politik zu gehen und hierfür gewisse Kompetenzen, wie die rhetorischen Fähigkeiten zu erwerben, während es denjenigen, die sich mit der Philosophie beschäftigten, eher um die sittliche Bildung ging (vgl. Döring 2013: 10). Hieran werden die verschiedenen Interessen der Sophistik und Philosophie bereits im Ansatz deutlich, jedoch wird im Folgenden noch weiter darauf eingegangen werden.

3. Der Dialog Gorgias

Der Dialog Gorgias zählt zu den vergleichsweise langen Dialogen des Philosophen Platons. Wie so häufig bei Platons Schriften handelt es sich um ein fiktives Gespräch, in dem eine Vielzahl verschiedener philosophischer Themen aufgegriffen und diskutiert wird. Der Dialog Gorgias wird zu Platons Frühwerk gezählt (vgl. Söder 2013: 23f.).

4. Gesprächsteilnehmer und Aufbau des Dialogs

In dem Dialog kommen verschiedene Figuren vor, die in das Gespräch verwickelt sind. Zum einen lässt Platon Sokrates auftreten, der das Gespräch initiiert, vorantreibt und Fragen stellt. Als Gesprächspartner treten neben Gorgias von Leontinoi auch Polos, Kallikles und Chairephon auf.

Gorgias von Leontinoi gehört zu den Hauptgesprächsteilnehmern des Dialogs. Er zählt, neben Protagoras, zu den bedeutendsten Vertretern der Sophistik. Er soll um 485 v. Chr. geboren und um 380 v. Chr. gestorben sein (vgl. Lexikonredaktion des Verlags F.A. Brockhaus (Hrsg.) 2004: 116). Er stammte ursprünglich aus Sizilien, kam im Laufe seines Lebens nach Athen und wurde in Griechenland vor allem wegen seiner rhetorischen Fähigkeiten als Redner geschätzt (vgl. Dalfen 2004: 107).

Polos soll ein Schüler von Gorgias gewesen sein, der auch aus Sizilien stammt (vgl. Dalfen 2004: 130). Im Dialog tritt er als junger Mann auf, der Gorgias verteidigt und auch Verfechter der Redekunst ist. Bei dem weiteren Gesprächsteilnehmer Kallikles ist man sich unsicher, ob es sich bei ihm auch um eine historische Person handelt, da es keine literarischen Zeugnisse gibt, die seine Existenz eindeutig beweisen (vgl. Dalfen 2004: 132). Der letzte Teilnehmer des Gesprächs, Chairephon, war ein Schüler Platons (vgl. ebd. 138).

Der Dialog besteht aus einer kleinen Einleitung, die die Situation der Gesprächsteilnehmer darlegt, und drei folgenden Hauptteilen. In der Einleitung (447a-448c) erfährt man, dass Sokrates und Chairephon verspätet zu einem Vortrag von Gorgias erschienen sind. Sie befinden sich im Hause des Kallikles. Trotz der Verspätung der beiden Gäste erklärt sich Gorgias bereit, auf die Fragen des Sokrates zu antworten. So bittet Sokrates Chairephon, die Frage an Gorgias zu stellen, was er sei, also welche Kunst er beherrsche. Polos antwortet hierauf, die Kunst des Gorgias sei die vortrefflichste, was aber nicht die gestellte Frage Sokrates‘ nach dem Wesen der Kunst beantwortet. Hieraufhin beginnt Teil 1: das Gespräch mit Gorgias. In diesem Gespräch versucht Sokrates durch Fragen herauszufinden, welche Kunst diejenige ist, die Gorgias beherrscht. In dem zweiten Teil des Dialogs (461b-481b) mischt sich Polos ein und fängt an mit Sokrates zu diskutieren. Hier weiten sich die Gesprächsthemen zunächst aus, es geht nicht mehr nur um die Definition der Rhetorik, sondern es kommen auch Themen der Ethik hinzu. Hier wird über die Bedeutung von Recht und Unrecht diskutiert. Hieraufhin kommt Kallikles hinzu (481b-522e) und gibt seine Ansichten preis und rechtfertigt das Recht der Natur. Er argumentiert gegen die von den Schwachen festgesetzte Ordnung. Die beiden Gesprächsteilnehmer diskutieren darüber wie man sein Leben führen sollte und welche Lebensweise zur Glückseligkeit leite. Der Dialog endet mit einem von Sokrates erzählten Mythos über die Seele im Jenseits (523a-527e).

4.1 Erster Teil: Das Gespräch mit Gorgias

Im Folgenden soll es um den ersten Hauptteil des Gespräches gehen. Hier versuchen Sokrates und Gorgias im Gespräch eine Definition der Rhetorik zu finden, was sich zunächst als recht schwierig und ungenau erweist. Sokrates möchte wissen, was Gorgias unter seiner Kunst versteht und fragt ihn hiernach aus, woraufhin Gorgias stets ungenaue Antworten gibt. Hierauf wird nun im Folgenden eingegangen, um aufzuzeigen, welche Definitionen von Rhetorik von Gorgias vorgeschlagen werden und mit welcher Begründung diese durch das Aufzeigen von Mängeln wieder abgelehnt werden.

4.1.1 Definitionsversuche: Was ist Rhetorik?

Der Ausgangpunkt des Gesprächs startet mit einer für Platons Stil typischen „Was ist x“-Frage in der Einleitung: Was ist Gorgias? (447d). Diese Frage zielt darauf ab, zu erfahren, welche die Kunst ist, die Gorgias von sich behauptet zu beherrschen. Hier fragt Sokrates nach einer Wesensbestimmung und ist unzufrieden, als nur Attribute der Kunst aufgezeigt werden. Hieraufhin wird geklärt, dass die Kunst Gorgias‘ die Redekunst und Gorgias somit ein Redner sei (449a). Jedoch ist Gorgias nicht nur selber Meister der Redekunst, sondern er rühmt sich auch damit, diese anderen Leuten lehren zu können (449b). Nun folgt die Frage des Sokrates, auf welche Gegenstände sich die Redekunst beziehe. Hier zählt er einzige Analogien zu den Gegenständen anderer Künste auf, um zu verdeutlichen, worauf seine Frage abzielt. So sei der Gegenstand der Weberei das Anfertigen von Gewändern und Sokrates möchte dieses Äquivalent zur Redekunst von Gorgias erfahren (449d). Somit startet Gorgias seinen ersten Definitionsversuch der Rhetorik, indem er sagt, der Gegenstand der Rhetorik sei das Reden.

Dies ist Sokrates allerdings zu ungenau und er erfragt weiter, auf welche Reden sich denn die Rhetorik beziehe, da sich alle Künste auf Reden über den Gegenstand ihrer Kunst beziehen und dies somit nicht der alleinige Punkt der Wesensbestimmung der Rhetorik sein kann (449d-450b). Jedoch verteidigt Gorgias seine Definition und unterscheidet die Rhetorik von den anderen Künsten dadurch, dass diese etwas Handgreifliches an sich hätten und die Rhetorik einzig und allein durch Reden vollzogen werden könne. Dies genügt Sokrates allerdings nicht als Definition, da es auch andere Künste gibt, die nichts Handgreifliches erfordern, wie beispielsweise die Rechenkunst. Gorgias stimmt mit Sokrates überein, dass dies nicht das Wesen der Redekunst sein könne (450c-451a). Somit ist die Frage nach dem Gegenstand der Redekunst nach wie vor ungeklärt. Hierauf verbessert Gorgias seine erste Definition, indem er diese dadurch präzisiert, dass sich die Reden auf die wichtigsten und herrlichsten Dinge der Menschen beziehen (451b-d). Jedoch ist Sokrates mit dieser Definition immer noch nicht einverstanden, da diese Einschränkung, die Redekunst beziehe sich auf die wichtigsten Dinge, zu unkonkret ist. Jeder Meister einer Kunst würde behaupten, dass seine Kunst die wichtigste sei. Um nun zu konkretisieren, welches das größte Gut sei, das die Redekunst bewirke, benennt Gorgias die Überredung. Mit Hilfe der Überredung könne man jeden zu seinem Knecht machen und hätte eine größere Macht als durch jede andere Kunst (451e-452e).

Hiermit ist der Gegenstand der Rhetorik allerdings immer noch nicht endgültig geklärt und somit fragt Sokrates weiter nach dem Gegenstand der von der Rhetorik erzeugten Überredung, da auch in anderen Künsten und deren Lehre überredet wird1. Hierauf behauptet Gorgias, der Gegenstand der Überredung sei das Gerechte und Ungerechte (453a-454b).

Im Folgenden einigen sich Sokrates und Gorgias, dass eine Überredung entweder Glauben ohne wahrhaftiges Wissen oder tatsächliche Erkenntnis hervorrufen kann. In Bezug auf die Rhetorik sind sich beide Gesprächspartner einig, dass sie nur Glauben ohne Wissen hervorruft in Bezug auf Gerechtes und Ungerechtes (454e-455a).

[...]


1 Hier kann man davon ausgehen, dass „Überredung“ semantisch weiter gefasst ist. Im heutigen Sprachgebrauch würde man, wenn man von „lehren“ spricht, nicht das Wort der Überredung gebrauchen. Hier wird die Überredung allerdings auch in dem Sinn verwendet, dass ein Lehrer seinen Schüler in etwas „überredet“ wenn er ihm etwas lehrt.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Kritik an der Rhetorik in Platons Dialog "Gorgias"
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
17
Katalognummer
V978806
ISBN (eBook)
9783346329301
ISBN (Buch)
9783346329318
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Gorgias, Rhetorik, Philosophie
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Kritik an der Rhetorik in Platons Dialog "Gorgias", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978806

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