Die vorliegende Arbeit untersucht sowohl den digitalen Reifegrad von 35 österreichischen Tanzsport-Klubs als auch die Bedürfnisse von 54 Vereinsmitgliedern anhand einer Online-Befragung. Ziel der quantitativen Studie ist eine Potenzialerhebung zur Verbesserung des Angebotes und zur Aufwertung des Tanzsports im organisierten Sport.
Die Digitalisierung umgibt uns überall; es verändert unsere Art zu kommunizieren, zu arbeiten und unser Miteinander. Diese dynamische Entwicklung ist auch im Alltag der Sportvereine spürbar. Sie stehen vor der Frage, welche Potenziale sich für den Breiten- und Leistungssport aus dieser Veränderung ergeben. Die Autorin, selber aktives Mitglied in einem österreichischen TanzSport- Klub, hat in der Zeit der Corona-Krise bemerkt, dass es Defizite im digitalen Angebot gibt. Diese Umstände wurden zum Anlass genommen, die aktuelle Situation der österreichischen TanzSport- Klubs (zukünftig abgekürzt mit TSK) zu untersuchen. Dabei ist von Interesse, wo mögliche Potenziale in der Digitalisierung zur Verbesserung der Dienstleistungen für Vereinsmitglieder und über die Vereinstätigkeiten hinaus liegen. Dafür bedarf es eine erste Bestandsanalyse aller Tanzsportvereine in Österreich zur aktuellen Nutzung von digitalen Tools und Instrumenten, und außerdem eine Einschätzung über Chancen und Hindernisse auf dem Weg zur Digitalisierung. Obwohl es über die digitale Transformation inzwischen eine Vielzahl an Literatur und Studien gibt, weisen die Forschungen im Bereich Sportwissenschaften jedoch noch viele Lücken auf.
Das absolute Alleinstellungsmerkmal für Sportorganisationen sind die folgenden zwei Eigenschaften: Emotionalität und Leidenschaft. Und genau hier sollte die Erarbeitung einer Digitalisierungsstrategie und die Umsetzung digitaler Maßnahmen ansetzen. Neben der Digitalisierung der Vereinsorganisation kommt auch die Frage der digitalen Unterstützung des Tanzsports selber auf. Wird es künftig eine Nachfrage für z. B. Online-Turniere, 360-Grad-Trainingsanalysen oder Augmented Reality in der Live-Übertragung geben? Eventuell ergeben sich hier Möglichkeiten den Tanzsport in Österreich zu revolutionieren; in der Bevölkerung zu verbreiten und damit in der Sportwelt bedeutsamer zu machen – ähnlich dem Fußball.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung & Abgrenzung
1.3 Übersicht über die Arbeit
2 Theorie
2.1 Grundlagen der Digitalisierung
2.1.1 Begriffe aus der digitalen Welt
2.1.2 Die Digitale Transformation
2.1.2.1 Gestaltungsfelder & Kernelemente
2.1.2.2 Reifegradmodelle zur Messung des Digitalisierungsgrades
2.2 (Sport-)Vereinsorganisation in Österreich
2.2.1 Gesetzliche Grundlagen für den Verein
2.2.2 Aufbau- & Ablauforganisation
2.2.3 Besonderheiten von Sportvereinen
2.2.3.1 Merkmale von Sportvereinen & Einordnung im organisierten Sport
2.2.3.2 Einflussfaktoren
2.3 Digitalisierung in Sportvereinen
2.3.1 Chancen & Herausforderungen
2.3.2 Aktueller Forschungsstand & Modelle zur digitalen Bestandsanalyse
2.3.3 Die Bereiche der Sportvereinsanalyse
2.3.3.1 Digitale Grundlagen
2.3.3.2 Digitale Kommunikation
2.3.3.3 Digitale Prozesse
2.3.3.4 Digitale (Sport-)Angebote
2.4 Eigene Fragestellung
2.4.1 Zusammenfassung & Übertragung auf die eigene Fragestellung
2.4.2 Auswahl des relevanten Ansatzes
2.4.3 Hypothesen & Präzisierung der Zielsetzung
3 Methodik
3.1 Beschreibung der österreichischen TanzSport-Klubs
3.2 Vorgehen
3.2.1 Auswahl der Untersuchungsmethode
3.2.2 Zielgruppendefinition & Stichprobe
3.2.3 Ablauf der Datenerhebung
3.3 Präzisierung der Variablen (Operationalisierung)
3.4 Erhebungsinstrument
3.4.1 Fragebogenkonstruktion
3.4.2 Pretest
3.5 Statistische Analysemethoden
4 Ergebnisse
4.1 Darstellung der statistischen Merkmale
4.1.1 Merkmale der teilgenommenen Vereine
4.1.2 Merkmale der teilgenommenen Mitglieder
4.2 Vereinsanalyse: Deskriptive Statistik
4.2.1 Digitale Grundlagen
4.2.2 Digitalisierungsgrad der Kernbereiche
4.2.3 Einstellung zu Chancen & Herausforderungen der Digitalisierung
4.2.4 Mitgliederbedürfnisse
4.3 Inferenzstatistische Untersuchung
4.3.1 Einflussfaktoren auf den Digitalisierungsgrad
4.3.1.1 Digitale Kompetenz
4.3.1.2 Einstellung zur Digitalisierung
4.3.1.3 Interne Faktoren: Mitgliederstruktur & Finanzielle Mittel
4.3.2 Unterschiede zwischen Digitalisierungsgrad & Mitgliederbedürfnissen
4.3.3 Unterschiede in den Bedürfnissen von Leistungs- & Breitensportlern
4.4 Strukturierung der Variablen
5 Diskussion
5.1 Interpretation der Ergebnisse
5.2 Qualität des eigenen Vorgehens
5.3 Digitales Reifegradmodell für Sportvereine
5.4 Ableitung von Maßnahmen für TanzSport-Klubs
5.4.1 Webseite: Mitgliederportal & Webforen
5.4.2 Digital Video: Live-Übertragung & Video-Analyse
5.4.3 Implementierung einer Vereinssoftware
5.4.4 Digitales Beziehungsmanagement & Kooperation
5.5 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterthesis zielt darauf ab, den digitalen Reifegrad von 35 österreichischen TanzSport-Klubs sowie die diesbezüglichen Bedürfnisse von 54 Vereinsmitgliedern zu untersuchen, um Potenziale für die Verbesserung von Dienstleistungen und die Aufwertung des organisierten Tanzsports zu identifizieren.
- Analyse des Ist-Zustands der digitalen Infrastruktur und Kompetenzen in TanzSport-Klubs.
- Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Mitgliederstruktur und digitalem Reifegrad.
- Gegenüberstellung von Vereinsangebot und tatsächlichen Mitgliederbedürfnissen.
- Erstellung eines modifizierten Reifegradmodells speziell für (Nischen-)Sportvereine.
- Ableitung konkreter Handlungsempfehlungen zur digitalen Transformation in der Vereinspraxis.
Auszug aus dem Buch
Digitale Kommunikation
Für Sportvereine empfiehlt sich die Erstellung eines ganzheitlichen Kommunikationskonzepts mit Fokus auf Website, Zielgruppenansprache und Analytics (Barmscheidt et al., 2018, S. 32–33). Obwohl das Marketing eines Sportvereins – vorwiegend aus finanziellen Gründen – nicht so umfangreich wie das eines klassischen gewinnorientierten Unternehmens ist, sollte dennoch Wert auf den Aufbau eines stringenten Außenauftritts gelegt werden. Dazu zählt ein Logo mit Wiedererkennungswert, ein Claim und die Entwicklung eines Corporate Designs (Fink, 2020, S. 4). Diese Bestandteile gehören sowohl auf die Webseite als auch in sämtlichen anderen Medien platziert.
Die Vereins-Webseite – mehr als nur eine Informationsplattform
Für ein positives Vereinsimage ist es nicht sinnvoll nur in sozialen Netzwerken vertreten zu sein. Eine eigene Internetseite ist ein wichtiges Kommunikations- und Informationsmedium sowie das Aushängeschild für den Sportverein (Golinsky, 2020, S. 89–91). Neben der strukturierten Informationsvermittlung bietet eine Vereins-Webseite auch die Möglichkeit Profile einzelner Mitglieder zu publizieren, einen Erfahrungsaustausch über Foren oder Diskussionen über Chaträume anzuregen (Meier, 2006, S. 121). Profile und wichtige Daten können aber auch selbst von den Mitgliedern bearbeitet werden, wenn die Webseite ein Mitgliederportal bzw. ein Intranet zur Verfügung stellt. Dort lassen sich zusätzliche interne Informationen bspw. zu Trainerstunden, Änderungen im Trainingsbetrieb (vor allem in Zeiten von Corona) oder zu Trainingscamps bereitstellen (Golinsky, 2020, S. 93).
Das Baukastensystem ist die einfachste Variante, um schnell die wichtigsten Vereins-Informationen ins Internet zu bringen. Diese müssen aber trotzdem immer aktuell gehalten werden. Der Verein kann aber auch eine Fachfirma zur Erstellung und Wartung einer Webseite beauftragen, was jedoch eine teure Variante ist. Eine einfache Lösung zum Selbermachen sind die sogenannten Content-Management-Systeme wie z. B. WordPress, Magento oder TYPO3. Sie haben den Vorteil, dass die Verantwortlichen notfalls wechseln können und dass sie zum Teil kostenfrei zur Verfügung stehen. Aufgrund der vermehrten Nutzung von Smartphones sollte darauf geachtet werden, dass die Webseite in einem responsivem Design erstellt wird. Außerdem ist eine Transportverschlüsselung von Daten mit https unbedingt notwendig. Das Verschlüsselungszertifikat kann sich der Verein tlw. sogar gratis beim Domainanbieter holen (Golinsky, 2020, S. 90–91).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit beleuchtet die zunehmende Bedeutung der Digitalisierung für Sportvereine und begründet die Notwendigkeit einer empirischen Bestandsaufnahme am Beispiel österreichischer TanzSport-Klubs.
2 Theorie: Dieses Kapitel fundiert die Arbeit durch Definitionen zur digitalen Transformation, die Einordnung der österreichischen Vereinsorganisation und die Vorstellung von Modellen zur Bestandsanalyse.
3 Methodik: Der methodische Teil beschreibt das Forschungsdesign, die Zielgruppendefinition und das Vorgehen bei der Datenerhebung sowie die Operationalisierung der untersuchten Variablen.
4 Ergebnisse: Die deskriptive und inferenzstatistische Analyse liefert Erkenntnisse zum Digitalisierungsgrad der Vereine, den Mitgliederbedürfnissen sowie einflussnehmenden Faktoren wie Mitgliederstruktur und digitale Kompetenz.
5 Diskussion: Abschließend werden die Ergebnisse kritisch reflektiert, ein Reifegradmodell für Sportvereine präsentiert und konkrete Handlungsempfehlungen für die Praxis der TanzSport-Klubs abgeleitet.
Schlüsselwörter
Digitaler Reifegrad, Sportverein, Tanzsport, Mitgliederbedürfnis, Digitalisierung, digitale Transformation, Vereinsorganisation, Kommunikationskonzept, Online-Befragung, Vereinsmanagement, digitale Kompetenz, Bestandsanalyse, IT-Infrastruktur, Nischensport, Mitgliederbindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterthesis grundlegend?
Die Arbeit untersucht den aktuellen Digitalisierungsgrad von österreichischen TanzSport-Klubs und gleicht diesen mit den Bedürfnissen der Vereinsmitglieder ab, um Potenziale zur Verbesserung des Vereinsangebots aufzuzeigen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die zentralen Felder sind die digitale Infrastruktur in Sportvereinen, die interne und externe Kommunikation, digitale Prozesse, moderne Trainingsangebote sowie die Einstellung der Verantwortlichen und Mitglieder zur Digitalisierung.
Was ist das primäre Ziel der Studie?
Das Ziel ist eine fundierte Bestandsanalyse, die als Grundlage für die Entwicklung eines spezifischen Reifegradmodells für Sportvereine dient und konkrete Handlungsempfehlungen für die praktische Umsetzung digitaler Maßnahmen liefert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit nutzt einen quantitativen Forschungsansatz in Form von zwei parallelen Online-Befragungen: eine zur Erhebung des IST-Stands der Vereine und eine zur Ermittlung der Bedürfnisse ihrer Mitglieder.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte liegen im Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die methodische Vorgehensweise und die detaillierte Präsentation und Diskussion der empirischen Ergebnisse, inklusive der Erstellung eines digitalen Reifegradmodells.
Wie wird der Begriff "Digitalisierungsgrad" charakterisiert?
Er wird durch die Nutzungsintensität technologischer Ressourcen in den Kernbereichen Kommunikation, Prozesse und Sportangebot definiert und anhand eines modifizierten DRP™-Schnellchecks messbar gemacht.
Welche Rolle spielt die Corona-Pandemie für die Untersuchung?
Die Pandemie fungierte als "Katalysator" für die Digitalisierung, da viele Vereine gezwungen waren, ihr Angebot kurzfristig anzupassen, was die Zufriedenheit und Bedürfnisse der Mitglieder nachhaltig beeinflusste.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Leistungs- und Breitensportlern relevant?
Die Untersuchung zeigt, dass beide Gruppen unterschiedliche digitale Bedürfnisse haben, beispielsweise hinsichtlich der Bereitstellung von Blogs und Foren, was für eine zielgruppenspezifische Vereinsstrategie essenziell ist.
- Citar trabajo
- Nancy Wießner (Autor), 2020, Digitalisierung als Chance für Sportvereine. Eine empirische Bestandsanalyse am Beispiel der österreichischen Tanzsportklubs, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978827