Alleinerziehende Mütter in Deutschland. Eine Ungleichheitsdimension ohne Perspektive auf Chancengleichheit?


Hausarbeit, 2018

14 Seiten, Note: 1.3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.0 Einleitung

2.0 Ungleichheitsdimensionen
2.1 Erwerbstätigkeit
2.2 Finanzielle Situation
2.3 Partnerschaften
2.4 Soziale Kontakte
2.5 Gesundheit

3.0 Unterstützungsangebote für Alleinerziehende Mütter
3.1 Finanzielle Unterstützung
3.2 Soziale Unterstützung
3.3 Kinderbetreuung
3.4 Beratung

4.0 Fazit

5.0 Begriffserklärung
5.1 Alleinerziehend
5.2 Ungleichheitsdimension

6.0 Literaturverzeichnis
6.1 Literaturquellen
6.2 Internetquellen

1.0 Einleitung

Ein-Elternfamilien sind ein weitverbreitetes Phänomen und somit in unserer pluralisierten Gesellschaft heutzutage nichts Neues mehr. Aufgrund dessen wird häufig diskutiert, ob Alleinerziehende zu einer gefährdeten Personengruppe gehören wie „der Tagesspiegel“ berichtet. In Deutschland lebt ca. jedes fünfte Kind, das sind 2,4 Millionen insgesamt, nur mit einem Elternteil zusammen. Davon leben neun von zehn Kindern mit der Mutter, statt dem Vater in einem Haushalt. Die Zahl der Ein-Elternfamilien ist in den letzten zwanzig Jahren um 300.000 gestiegen (Franz & Starzmann, 2018). Wirft man nun einen Blick auf die Sichtweise der Bevölkerung, so scheint hier die Akzeptanz für Familienkonstellationen unterschiedlichster Formen, wie auch die der Einelternfamilien zu wachsen. Allerdings gibt es immer wieder Diskussionen und Kritik an Familienformen, die vom klassischen Leitbild abweichen. Wenn man nun die Entwicklung dieser Lebensform betrachtet, zeichnet sich ein wachsender Trend ab. Das heißt, auch in Zukunft wird es vermutlich mehr Alleinerziehende in Deutschland geben. Diese Zahlen und Fakten machen deutlich, dass es sich bei dieser Lebensform um eine Familienkonstellation handelt, die mittlerweile ein fester Bestandteil unserer Gesellschaft ist (vgl. Hoheisl 2014, S. 11).

Nicht selten werden Ein-Elternfamilien mit Problemen wie ,,diversen sozialen und psychischen Belastungen [in Verbindung gebracht]“ (vgl. Marx 2011, S. 177). Dazu zählen unter anderem ökonomische, berufliche, partnerschaftliche, wohnungsbedingte und Betreuungsschwierigkeiten. Um diese Herausforderung meistern zu können „erfordert [es] ein hohes Maß an Disziplin, Kraft und Energie“ (Weikert 1998, S. 8). Schnell wird deutlich, dass Alleinerziehende mit der Organisation des Alltags schneller überfordert sind als Familien, in denen beide Elternteile zu gleichen Anteilen für die Erziehung des Kindes/ der Kinder verantwortlich sind. Daher kann es z.B. für sie schwieriger sein, auf die Hilfesignale des Kindes einzugehen. Es stellt sich die Frage ob trotz des großen Unterstützungssystem für die moderne Familienform eine soziale Ungleichheit zwischen Alleinerziehenden und traditionellen Familienformen besteht.

2.0 Ungleichheitsdimensionen

Im Folgenden werden verschiedene Lebensbereiche wie die Erwerbstätigkeit, die finanzielle Situation, Partnerschaften, soziale Kontakte und die Gesundheit alleinerziehender Mütter näher beleuchtet.

2.1 Erwerbstätigkeit

Ein Arbeitsplatz stellt weitaus mehr dar als eine reine Existenzsicherung. Eine Erwerbstätigkeit trägt außerdem dazu bei, sich persönlich entfalten zu können, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten und das Selbstbewusstsein zu stärken (vgl. Weikert 1998, S. 90). Eine berufliche Tätigkeit ist „besonders für Frauen wichtig und sollte während der Erziehung [...] eines Kindes […] nicht aufgegeben, höchstens unterbrochen werden“ (Hoheisl 2014, S. 63).

Erwerbslosigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil von sozialer Ungleichheit. Überwiegend Mütter brechen ihre Karrieren für die Erziehung der Kinder/ des Kindes ab, wodurch große Lücken in der Berufserfahrung entstehen (vgl. Nestmann & Stiehler 1998, S. 49). Nach Schneider kommt es hierbei auch oft zum Abbruch einer Berufsausbildung, womit vielen Frauen das Fundament für einen späteren Wiedereinstieg in den Beruf fehlt (vgl. Schneider 2001, S.108). Ähnlich verhält es sich mit Schulabschlüssen und einem Studium. Auch Frauen, die eine höhere Qualifikation haben, „orientieren sich in ihrer Arbeitssuche häufig auf nicht gut bezahlte Tätigkeiten, da diese meist Anforderungen stellen, die kaum mit der Familienarbeit in Einklang zu bringen sind“ (Nestmann & Stiehler 1998, S. 49). Zudem werden Frauen, die alleinerziehend sind aufgrund der hohen Belastung kaum in anspruchsvollen Berufen von Arbeitgebern eingestellt (vgl. Nestmann & Stiehler 1998, S. 49).

Aufgrund des Zeitfaktors entscheidet sich die Mehrheit der Alleinerziehenden für eine Teilzeitbeschäftigung, weshalb die finanziellen Mittel meist nicht ausreichen. Dagegen stellt es eine enorme Belastung für Alleinerziehende dar, einer Vollzeittätigkeit nachzugehen und zugleich ausreichend Zeit für die Kinder aufzubringen. Es bleibt also die Entscheidung, entweder einer Vollzeittätigkeit nachzugehen, wodurch die Familie finanziell abgedeckt ist, aber weniger Zeit für die Kinder zur Verfügung steht, oder eine Teilzeitbeschäftigung aufzunehmen, welche mehr Zeit für die Familie sicherstellt, dafür aber weniger finanzielle Mittel vorhanden sind (vgl. Rinken 2010, S. 165).

2.2 Finanzielle Situation

Das Einkommen alleinerziehender Mütter variiert stark in Abhängigkeit verschiedener Faktoren wie dem Alter des jüngsten Kindes, der Anzahl der Kinder, der Höhe von Unterhaltszahlungen, der beruflichen Qualifikation und dem eigenen Erwerbseinkommen. Alleinerziehende in Deutschland haben nur beschränkte Möglichkeiten, ihren Lebensunterhalt komplett durch eine Erwerbstätigkeit zu finanzieren und sind deshalb eine von materiellen Risiken betroffene Bevölkerungsgruppe. Nach Marx gehen 60% aller alleinerziehenden Mütter einer Erwerbstätigkeit nach, davon gehen 46% einer Vollzeittätigkeit. Im Vergleich liegt die Erwerbstätigkeitsquote von Müttern aus Paarfamilien bei 58%, jedoch gehen nur 27% dieser Frauen einer Vollzeittätigkeit nach. Ausschlaggebend für die finanzielle Situation ist faktisch das Einkommen. Bei 30 % aller alleinerziehenden Mütter liegt das Nettoeinkommen bei unter 1100 Euro monatlich, 8,3% verfügen über ein Nettoeinkommen, das über 2600 Euro liegt (vgl. Marx 2011, S.85).

Die finanzielle Situation Alleinerziehender ist vor allem dadurch geprägt, dass nur eine Person die komplette Verantwortung für die Finanzierung des Haushaltes übernimmt. Rinken zufolge leben somit viele Alleinerziehende in Armut, was sich wiederum belastend auf Ihre Psyche auswirkt (vgl. Rinken 2010, S.165). Die Problematik besteht darin, Kinder und Job zu vereinen. Mangelnde Berufschancen und die einhergehende finanzielle Situation sind somit ein großer Indikator für soziale Ungleichheit.

2.3 Partnerschaften

Nach Bastin ist das Knüpfen von neuen Partnerschaften alleinerziehender Mütter von vielfältigen Faktoren und ihren jeweiligen Kombinationen abhängig. Zu diesen Faktoren zählen unter anderem das Geschlecht, das Alter und die Attraktivität der Alleinerziehenden, das Alter und die Anzahl der Kinder, das Verhältnis zum Kindsvater, Möglichkeiten einen neuen Partner kennenzulernen, etc. (vgl. Bastin 2016).

Auch spielt beispielweise die Dauer des Alleinerziehens eine Rolle. Frauen, die schon über längere Zeit alleinerziehend sind, gehen eher eine neue Partnerschaft ein als solche, die frisch von ihrem Partner getrennt sind. Des Weiteren ist das Alter der Alleinerziehenden von Bedeutung. Je höher dieses ist, desto schwieriger wird es für sie, einen Partner zu finden, was unter anderem daran liegen könnte, dass sich Alleinerziehende zu sehr den Umständen ihrer Lebensform angepasst haben und somit unflexibler sind. Ein Zusammenhang zwischen der Anzahl der Kinder und der Entstehung von neuen Partnerschaften ist ebenfalls zu erkennen. So gehen Alleinerziehende mit nur einem Kind häufiger neue Beziehungen ein als Alleinerziehende mit mehreren Kindern (vgl. Schneider 2001, S. 226).

Nach Hoheisl spielen die eigenen Kinder eine große Bedeutung im Zusammenhang mit einer neuen Partnerschaft, da diese „häufig verunsichert oder ablehnenden [reagieren], wenn sie erfahren, dass ihre Eltern neue Lebensgefährten haben“ (Hoheisl 2014, S. 18). Gemäß Hoheisl, brauchen Alleinerziehende also ein hohes Maß an Sensibilität, Aufmerksamkeit und Geduld, um eine neue Partnerschaft mit ihrer Elternrolle zu vereinbaren. Die Balance zwischen der Rolle der Mutter und der der Partnerin kann durchaus belastend sein.

2.4 Soziale Kontakte

Im Themenbereich „soziale Kontakte“ wird immer wieder diskutiert, ob Alleinerziehende einer sozial isolierten Gruppe angehören. Diese These kommt durch die Mehrfachbelastung Alleinerziehender zustande, die sich zusammensetzt aus der finanziellen Situation, der knappen Ressourcen, dem Zeitmanagement und der gesellschaftlichen Akzeptanz (vgl. Rinken 2010, S. 157-158). Aufgrund des hohen Unterstützungsbedarfes können soziale Kontakte dazu beitragen, den Alltag erfolgreicher zu bewältigen, sowie ein positives Wohlbefinden zu erlangen (vgl. Zagel 2018, S. 64). Nach Rinken gibt es noch immer hartnäckige Klischees, die Alleinerziehende stigmatisieren. So werden sie häufig bspw. als „Sozialschmarotzer“ bezeichnet. Diese Vorurteil - verbunden mit einer hohen finanzieller Belastung - machen es manchen Alleinerziehenden schwer, am gesellschaftlichem Leben teilzunehmen (vgl. Rinke 2010, S. 165). Zudem haben alleinerziehende Mütter im Vergleich zu Müttern in Partnerschaften eine durchschnittlich höhere zeitliche Belastung, welche sich stark auf die sozialen Beziehungen auswirken kann. Neben den Faktoren Zeit und finanzielle Mittel, haben sie auch einen geringeren Zugang zu außerfamiliären Kontakten als Frauen in Partnerschaften. Durch die Möglichkeit, in einer Paarbeziehung, mit den sozialen Kontakten vom Partner zu stehen, welche jedoch durch die Trennung komplett wegfallen oder oft reduziert werden (vgl. Zagel 2018, S. 66-67).

2.5 Gesundheit

Schneider zufolge „[ist] „allein erziehend“ nicht automatisch [mit] höheren Belastungen verbunden, aber besonders belastende Lebensumstände sind bei Alleinerziehenden häufiger als bei anderen Lebensformen“ (Schneider 2003, S. 77).

Mehrere Studien in Deutschland zeigen, dass alleinerziehende Frauen nicht zwingend ein höheres gesundheitliches Risiko haben als Frauen, die in einer Paarbeziehung leben, jedoch gibt es unter Alleinerziehenden besonders gefährdete Risikogruppen. Neben den Belastungsfaktoren besteht ein „unzureichendes Gesundheitsverhalten“ bei Alleinerziehenden (Limmer 2004, 39-40), da diese sich weniger um ihre Gesundheit sorgen, indem sie z.B. weniger Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen als Mütter in Beziehungen und sich häufiger gesundheitsschädigend verhalten, indem sie weniger Sport treiben oder häufiger rauchen. Dieses Verhalten könnte man darauf zurückführen, dass Alleinerziehende oft zu wenig Zeit zur Verfügung haben, auf die Signale ihres Körpers zu hören und zu reagieren (vgl. Schneider 2001, S.306). Gemäß Niepel ist die Lebenszufriedenheit Alleinerziehender zumeist eng mit ihrer finanziellen Situation und auch mit der qualitativ und quantitativ zufriedenstellenden sozialen Unterstützung verbunden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Alleinerziehende häufig zufrieden mit ihrem Leben sind, zumindest nach der Übergangsphase von einer herkömmlichen Familie zu einer Ein-Elternfamilie. In der Übergangsphase besteht „ein erhöhtes Risiko physischer und psychischer Erkrankung bzw. einer erheblichen Beeinträchtigung des Wohlbefinden“ (Niepel 1994a, S. 95-96).

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Alleinerziehende Mütter in Deutschland. Eine Ungleichheitsdimension ohne Perspektive auf Chancengleichheit?
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
1.3
Autor
Jahr
2018
Seiten
14
Katalognummer
V978902
ISBN (eBook)
9783346330840
ISBN (Buch)
9783346330857
Sprache
Deutsch
Schlagworte
alleinerziehende, mütter, deutschland, eine, ungleichheitsdimension, perspektive, chancengleichheit
Arbeit zitieren
Ramona Kollmair (Autor), 2018, Alleinerziehende Mütter in Deutschland. Eine Ungleichheitsdimension ohne Perspektive auf Chancengleichheit?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/978902

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