In dieser Hausarbeit geht es um die Perspektiven des Egoismus und Altruismus in dem Denken Simmels zu erfassen. Georg Simmel wird heute oft als einer der wichtigsten Gründerväter der modernen Soziologie bezeichnet. Dementsprechend nehmen Simmel und seine Gedanken einen wichtigen Platz in dem abendländischen Denken ein. Im Rahmen des Seminars "Wohlverstandenes Eigeninteresse" sollte durch die Beschäftigung mit einer Auswahl aus den soziologischen, philosophischen und kulturphilosophischen Schriften zum Egoismus und Altruismus bzw. zum "Wohlverstandenes Eigeninteresse" nachgegangen werden. Dabei zeigte sich immer wieder, wie nachhaltig Simmel unser Verständnis von "Egoismus und Altruismus" geprägt hat.
Die vorliegende Arbeit umfasst einen Grundriss aus Georg Simmels "Einleitung in die Moralwissenschaft". Ziel ist es, einige wichtige Aspekte der Egoismus-Altruismus-Thematik herauszufiltern und auf diese näher einzugehen. Um überhaupt von Egoismus und Altruismus sprechen zu können, muss zunächst eine Begriffsklärung erfolgen. Dies bildet den zweiten Teil dieser Arbeit.
Mit einigen Angaben über Simmels Leben und einem Überblick seiner Werke beginnt diese Arbeit. Danach sollen einige Leitbegriffe, die in seinem Verständnis "Egoismus und Altruismus" innewohnen, eingegrenzt werden. Sie sind nämlich der Begriff des Menschen, Kultur-, Vornehmheit und letztlich Ich. Auf der Suche nach den spezifischen Merkmalen des Egoismus und Altruismus bei Simmel werden durch diese Begriffserklärung herausgegriffen. Simmels Ansatz bestand darin, die Ich- oder Du-Fiktionen in der bisherigen Ethik nachzuspüren, um damit von einzelnen Erscheinungen auf das Gesamtbild zu kommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Georg Simmel im Überblick
2. Auf dem Weg zum Simmelschen Egoismus und Altruismus Simmels: Begriffserklärungen
2.1. Mensch- und Kulturbegriff
2.2. Der Fremde
2.3. Vornehmheit
2.4 Simmels Ich-Konzeption
3. Egoismus und Altruismus Simmels
3.1. Das Leergewicht des Begriffes Egoismus
3.2. Manifestation des Egoismus
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Perspektiven von Egoismus und Altruismus innerhalb der Philosophie von Georg Simmel anhand seines Werkes „Einleitung in die Moralwissenschaft“ zu analysieren und kritisch zu hinterfragen.
- Kritische Auseinandersetzung mit den moralphilosophischen Grundbegriffen Egoismus und Altruismus.
- Untersuchung von Simmels Verständnis des Ich-Begriffs und dessen Verhältnis zu moralischen Systemen.
- Analyse der Rolle von Leitbegriffen wie Kultur, Fremdheit und Vornehmheit im Kontext der Individualisierung.
- Diskussion der Ambivalenz von Autonomie und Anomie in einer modernen Gesellschaft.
- Reflektion der Wechselwirkung zwischen Subjekt und Objekt sowie der Bedeutung von Einfühlung.
Auszug aus dem Buch
3.2. Manifestation des Egoismus
Zunächst beginnt Simmel damit, dass der Begriff Egoismus zu Recht behauptet. Simmel betont, dass alles, was für mich überhaupt in Betracht kommen kann, „meine“ Vorstellung ist, „weil ich im Denken nie über mein Ich hinauskommen kann“. Und wenn ich es im Denken nicht kann, kann ich es laut Simmel auch im Handeln nicht können. Gerade weil alles Vorstellen eben mein Vorstellen ist, „so ist alles Wollen mein Wollen und ich kann gar nichts anderes als meine Ziele erreichen wollen“. Daraus schlussfolgert er, dass die Interessen anderer mich eben nur dann interessieren, wenn ich sie zu meinen Mache und auch nur dann könne mein Wille altruistischen Inhalt erlangen. So stellt er schließlich die These auf, dass alle Handlungen auf Eigeninteresse hinauslaufen und erwähnt gleichzeitig, dass, wenn diese Behauptung wirklich bewiesen werden könne, es keinen Wertunterschied zwischen den einzelnen Handlungen mehr gäbe. Damit würde nach Simmel alles zu einem einzigen egoistischen Streben werden.
An dieser Stelle macht er deutlich, dass es unbedingt notwendig sei, klar zwischen einem Egoismus „im weiteren Sinne“ von einem Egoismus „im engeren Sinne“ zu unterscheiden. Denn zwar verfolgt hiernach jeder im Grunde seine eigenen Interessen, doch auch die, die ihre Interessen in der Realisierung der Interessen anderer sehen, müsse man altruistisch nennen. Von Beachtung sei laut Simmel: „Das Verhältnis der Handlungen untereinander, bleibt das gleiche und zeigt phänomenal die Unterschiede zwischen Egoismus und Altruismus wieder auf, auch wenn das ganze Handeln, das beide umfasst, als egoistisch bezeichnet wird“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Georg Simmel im Überblick: Dieses Kapitel liefert eine biografische Einordnung Simmels sowie einen Abriss seines wissenschaftlichen Werks und dessen thematischer Schwerpunkte wie Differenzierung und Moderne.
2. Auf dem Weg zum Simmelschen Egoismus und Altruismus Simmels: Begriffserklärungen: Hier werden die für das Verständnis von Egoismus und Altruismus zentralen Konzepte Mensch, Kultur, der Fremde, Vornehmheit und Ich eingehend definiert.
3. Egoismus und Altruismus Simmels: Dieses Kapitel vertieft die Kritik an den herkömmlichen Moralsystemen und analysiert die formale Natur des Ich-Begriffs sowie die Manifestationsformen des Egoismus.
Schlüsselwörter
Georg Simmel, Egoismus, Altruismus, Moralwissenschaft, Soziologie, Individualisierung, Moderne, Wechselwirkung, Ich-Konzeption, Vornehmheit, Kultur, Fremdheit, Ethik, Subjektivität, Autonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Perspektiven auf Egoismus und Altruismus im Denken von Georg Simmel, insbesondere basierend auf seiner „Einleitung in die Moralwissenschaft“.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind die Kritik an überlieferten Moralsystemen, die Analyse der Ich-Konzeption sowie die Wechselwirkung zwischen Individuum und Gesellschaft in der Moderne.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine philosophische Begriffsklärung aufzuzeigen, wie Simmel Egoismus und Altruismus als Kategorien der modernen Lebensführung neu bestimmt.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine philosophisch-soziologische Analyse, die primär textkritisch mit Simmels Schriften arbeitet und Leitbegriffe zur Herleitung einer Ethik nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsklärung (Mensch, Kultur, Fremdheit, Vornehmheit, Ich-Konzeption) und eine Untersuchung der Egoismus-Altruismus-Problematik bei Simmel.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Simmels Ethik, Egoismus, Altruismus, soziale Wechselwirkung und die Analyse der modernen Kultur charakterisieren.
Inwiefern beeinflusst der „Fremde“ Simmels ethisches Denken?
Der „Fremde“ dient bei Simmel als eine Kategorie, die Entfremdungsprozesse und soziale Distanz beleuchtet, welche wiederum für das Verständnis von Individualität und moralischer Distanzierung notwendig sind.
Was bedeutet die „Manifestation des Egoismus“ im Kontext der Arbeit?
Dieser Abschnitt hinterfragt, ob alle Handlungen letztlich auf Eigeninteresse basieren, und zeigt die Notwendigkeit auf, Egoismus im engen und weiten Sinne zu unterscheiden, um Altruismus logisch zu erhalten.
- Citation du texte
- Hasret Okurlu (Auteur), 2013, Egoismus und Altruismus bei Georg Simmel. Eine philosophische und soziologische Perspektive auf die Thematik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/980166